Dienstag, 26. März 1918
Die Eisenbahn warnt wieder vor unnötigem Reiseverkehr zu Ostern, da Lokomotiven und Wagen für Heereszwecke und für die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung dringend gebraucht werden. Alle nicht unbedingt nötigen Reisen müssen unterbleiben.
Beschlagnahme, Enteignung und Meldepflicht. Am 26. März 1918 ist eine Bekanntmachung in Kraft getreten, durch welche die Beschlagnahme, Enteignung und Meldepflicht von Einrichtungsgegenständen aus Kupfer, Kupferlegierungen, Nickel, Nickellegierungen, Aluminium und Zinn verfügt wird. Die Beschlagnahme und Enteignung erstreckt sich auf bewegliche und eingebaute Gegenstände aller Art in Häusern, Wohn- und Geschäftsräumen, an Beförderungsmitteln u. dergl., die Beschlagnahme auch auf alle übrigen gebrauchten und ungebrauchten Zinngegenstände ohne Rücksicht auf Beschaffenheit und tatsächliche Verwendung, einschließlich Ziergegenständen aller Art, Kunstgegenständen, Schau- und Sammelstücken. Stücke, für welchen durch einen von der Landeszentralbehörde anerkannten Sachverständigen ein besonderer wissenschaftlicher, künstlerischer oder kunstgewerblicher Wert festgestellt wird, können auf Antrag von der Enteignung befreit werden. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist bei den Landratsämtern, Bürgermeisterämtern, Polizeibehörden und den kommunalen Metallsammelstellen einzusehen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
An der Strafkammer hatte sich gestern die Ehefrau des Fabrikarbeiters Hub. Be. von hier wegen umfangreicher Betrügereien zu verantworten. Mitangeklagt war ihre 18 Jahre alte Tochter, die Ehefrau Wilh. Th., sowie der bei der Familie Hub. Be. wohnende Hausierer Wilh. Ba. In kaum glaublicher Weise hatte es die Erstangeklagte verstanden, eine große Anzahl Geschäftsleute um ganz erhebliche Geldbeträge zu beschwinden. So wurde ein Geschäftsmann um 4000 Mk., ein anderer um 2248 Mk., ein dritter um 1550 Mk. geprellt. Mehrere kleine Handwerker verloren ebenfalls Beträge von einigen hundert Mark. Die Angeklagte ging bei ihren Betrügereien recht raffiniert zu Werke. In einem hiesigen Lebensmittelgeschäft gab sie sich als Arbeitsfrau eines Fräulein Johanna aus der Schedestraße aus. Anfangs bezahlte sie die entnommenen Waren, aber schon nach einigen Tagen ließ sie anschreiben. Kurz darauf pumpte sie für das sehr reiche Fräulein Johanna, das von ihren Eltern knapp mit Taschengeld bedacht werde, bares Geld, und zwar innerhalb zweier Monate 1550 Mark. Den Namen der Herrschaften durfte die Angeklagte unter keinen Umständen nennen; wenn das Fräulein Johanna demnächst volljährig werde, würde alles auf Heller und Pfennig zurückgezahlt. Auch die mitangeklagte Tochter hatte verschiedentlich Sachen auf den Namen des nicht existierenden Fräuleins Johanna abgeholt. In anderen Fällen spielte eine schwer reiche Erbtante in Ems eine große Rolle. Um die Geprellten sicher zu machen, schrieb die Hochstaplerin im Namen dieser Erbtante Karten und Briefe an ihre Opfer, die meist mit einem Pumpversuch und mit einem Loblied auf die arme, brave Nichte in Bonn schlossen. An zwei der Betrogenen schickte die Tante in Ems sogar als Sicherheit die Schlüssel zu ihrem Geldschrank. Drohte jemand mit Anzeige, um zu seinem Geld zu kommen, dann trat der Angeklagte Wilh. Ba., ein kleiner verwachsener Mensch, in Tätigkeit, vor dem die Schwindlerin ihre Opfer bange zu machen versuchte, denn der könne reden wie ein Advokat. [...] Das Gericht erkannte gegen die gemeingefährliche Betrügerin, die bereits neunmal vorbestraft ist, auf eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren; der Staatsanwalt hatte 5 Jahre Zuchthaus beantragt. Ihre Tochter erhielt 1 Monat Gefängnis und der Angeklagte Ba. 9 Monate Gefängnis.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Worauf es im Kriege ankommt. Die große Prüfung für unser Volk ist dieser Krieg, es geht um nichts mehr und nichts weniger als darum, ob wir fürderhin unseren Platz an der Sonne, auf den wir uns durch rastlose Tätigkeit auf kulturellem und geistigen Gebiet ein Anrecht erworben haben, behaupten sollen, oder ob wir dieses Anrecht verwirkt haben, weil wir bei der großen Prüfung, die wir jetzt zu bestehen haben, zu leicht befunden worden sind. Ueber jedes Volk bricht einmal eine solche Prüfung herein, die für es die Schicksalsstunde ist. Bestehen wir die Prüfung, dann öffnen sich für uns die Tore zu neuem Aufstieg, zu neuem Glück; bestehen wir diese Prüfung nicht, fallen wir zurück in Not und Elend, haben wir die Zukunft unseres Volkes, das Glück unserer Nachkommen vernichtet. Wahrlich nicht leicht ist die uns auferlegte Prüfung und nicht kurz. Aber wir haben bis jetzt alles glücklich überstanden, so werden wir auch das Letzte noch überwinden. Schon winkt uns das Ziel. Aber noch einmal alles getan und Kriegsanleihe gezeichnet.
Kommunionskerzen. Auf mehrfachen Wunsch hin teilen wir nochmals mit, daß ein kirchlicher Erlaß bestimmt, bei der Feier der ersten hl. Kommunion kleine Kerzen zu verwenden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Mittwoch, 27. März 1918
Vom städtischen Lebensmittelamt. Die Kartenausgabestelle, die jetzt unmittelbar mit dem Lebensmittelamt Am Hof verbunden ist, wird gleich nach Ostern verlegt werden und zwar in das Gebäude des städtischen Bekleidungsamtes an der Gangolfstraße. Dadurch wird das Ausstellen der Lebensmittelkarten und der Bezugsscheine zentralisiert, die Entnahme der Karten durch die Bevölkerung erleichtert, und die Verwaltung hat noch den Vorteil, daß sie Personal sparen kann.
Die Kartoffelversorgung in Bonn ist für die nächsten Wochen gesichert. Trotzdem müssen alle, die über Ländereien verfügen, den Kartoffelanbau aufs äußerste fördern. Eine Verordnung, daß Personen, die in der Lage sind, Kartoffeln anzubauen, nicht aus städtischen Lägern beliefert werden dürfen, ist bereits erlassen worden. Die Kartoffel erweist sich immer mehr als die Grundlage unserer gesamten Kriegsernährung, ihren Anbau mit allen Mitteln zu fördern ist daher vaterländische Pflicht jedes Bauern.
[...]
Die ersten städtischen Möbel werden in den nächsten Tagen im Bekleidungsamt ausgestellt werden. Es handelt sich um Küche und Schlafzimmer, die verhältnismäßig wohlfeil an die Bevölkerung, namentlich an Neuvermählte, abgegeben werden können. Das Nähere darüber wird noch bekannt gemacht.
Eine zeitgemäße Warnung. Immer erschreckender zeigt sich, wie verhängnisvoll der lange Krieg auf unsere Jugend einwirkt. Die Verbrechen der Jugendlichen, vor allem die Einbruchsverbrechen, nehmen in einem Umfange zu, der uns noch vor kurzer Zeit unmöglich erschienen wäre. Die Gefängnisse sind voll mit jugendlichen Gefangenen, die Fürsorge-Erziehungsanstalten sind auf längere Zeit hinaus belegt und die bedingte Begnadigung beginnt völlig zu versagen. Da gilt es für jedermann, der nur irgendwie helfen kann, zuzugreifen und das seinige zur Rettung der Jugend zu tun. Höchst auffallend und unerfreulich ist es auch, daß immer mehr Feldgrauen – Genesende, Urlauber und Fahnenflüchtige – sich der jugendlichen Diebe zu verbrecherischen Zwecken bedienen. Leider wird es den Jugendlichen nur allzu leicht gemacht, das gestohlene Gut schnell in Geld umzusetzen. An diesem Punkte könnte die Bekämpfung des jugendlichen Verbrechertums mit einiger Aussicht auf Erfolg einsetzen. Es ist ein frevelhafter Leichtsinn, heute jugendlichen Personen irgend etwas abzukaufen, von ihnen einzutauschen oder als Geschenk zu nehmen, wenn der redliche Erwerb nicht außer jedem Zweifel steht. Jeder, der in eine solche Lage kommt, sollte es sich warnend vorhalten, daß er sich durch derartige Geschäfte dem dringenden Verdacht der Hehlerei aussetzt, ganz besonders, wenn es sich um Sachen handelt, die heute dem freien Verkehr entzogen sind. Die bloße Versicherung der Jugendlichen, daß es sich um „reelle Ware“ handele oder daß die Ware „durch einen Feldgrauen über die Grenze“ gebracht sei, beseitigt nicht nur nicht den Verdacht der Hehlerei, sondern verstärkt ihn nur. Die Gerichte sind mit vollem Recht in diesen Fällen geneigt, ohne weiteren dem Erwerber den guten Glauben zu versagen und ihn – der Not der Zeit entsprechend – streng als Hehler zu bestrafen. Hehlerei wird aber stets mit Zuchthaus oder Gefängnis, nicht mit Geldstrafe, bestraft. Möge jeder, den es angeht, diese Warnung beherzigen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Soldatenheim. Am Palmsonntag war das Soldatenheim trotz des zu Spaziergängen lockenden Frühlingswetters mit Feldgrauen dicht gefüllt, denn es galt, den Abschied des Begründers und des 1. Vorsitzenden des Soldatenheims, des hochw. Herrn Pastor Rütters, bisher Kaplan an der hiesigen Stiftskirche und Gesellenvereinspräses, zu feiern. Der 2. Vorsitzende des Soldatenheims feierte die Verdienste des Scheidenden um das Soldatenheim und überreichte zum äußeren Zeichen der Dankbarkeit ein prächtiges Bild. Herr Pastor Rütters, der zu Anfang der Veranstaltung den Tagesbericht unserer Obersten Heeresleitung vom 24. März bekannt gab und damit bei den Feldgrauen und anderen Anwesenden Begeisterung und Verwunderung auslöste, dankte sichtlich ergriffen für die ihm gewordene Ehre und bat die Anwesenden, auch fürderhin treue Freunde, Förderer und Besucher des ihm liebgewordenen Soldatenheims bleiben zu wollen.
Beraubung von Gütern. Die täglich zunehmenden Entwendungen und Beraubungen von Nach- und Abschub-Gütern haben einen derartigen Umfang angenommen, daß hiergegen mit allen verfügbaren Mitteln eingeschritten werden mußte. Es ist daher notwendig geworden, militärisch organisierten Ueberwachungsdienst einzurichten, der die Aufgaben hat, Nach- und Abschubgüter, sowie die militärischen Lagerstellen vor strafbaren Eingriffen im Heimatgebiet zu schützen. Die rechtlich denkende Bevölkerung wird zur Mitwirkung bei Abstellung der das gesamte Rechtsgefühl verletzenden Beraubungen von Bahn- und Postsendungen gebeten. Jeder Einwohner der Stadt Bonn erweist dem Vaterlande einen Dienst, dessen Dank ihm gewiß ist, wenn er Fälle von Beraubungen usw., die ihm zur Kenntnis gelangen, sofort telefonisch, schriftlich oder mündlich der Nach- und Abschubüberwachungsstelle Bonn, Vivatsgasse 6, mitteilt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Bönn’sches Russisch. Man schreibt uns: Geh ich da gestern am Martinsbrunnen vorbei, als ein Russe, einen Handwagen schiebend, neben einem Jungen daherkommt. Im Dahineilen vernehme ich, wie der Kriegsgefangene zu dem Jungen laut sagt; „Halt ens fest, ich will jet lässe.“ Damit verließ der biedere Steppenbewohner sein Gefährt und begab sich zu der Auslage der Deutschen Reichszeitung, wo eben der neueste Tagesbericht aushing. Hieraus kann man ersehen, daß die Russen allmählich unsere Freund werden, und daß die Sprachforscher Recht haben, wenn sie behaupten, die Sprachen änderten sich fortwährend. Ein solches Russisch hat man bisher sicher noch nicht gehört.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Zur Frage der Kinderarbeit. Vielfach übertreten werden noch immer die Bestimmungen der Gewerbeordnung, welche die Beschäftigung von Kindern in Bewerbe- und Fabrikbetrieben regeln. Wer Kinder beschäftigt und sich vor Strafe schützen will, sei deshalb daran erinnert, daß nach der Gewerbeordnung Kinder unter 13 Jahren in Fabriken überhaupt nicht und solche zwischen 13 und 14 Jahren nicht länger als sechs Stunden täglich beschäftigt werden dürfen. Nun werden zu Ostern wieder viele Kinder vorzeitig auch der Volksschule entlassen, die zur Unterstützung ihrer Eltern vom weiteren Schulbesuch befreit sind. Wer aber nun glaubt, daß auf diese schulfreien Kinder die Bestimmungen der Gewerbeordnung nicht zuträfen, der irrt. Ein solcher Irrtum schützt jedoch nicht vor Strafe, wie so mancher Arbeitgeber schon erfahren mußte. Eine Ausnahmeverfügung hinsichtlich der Beschäftigung von Kindern im schulpflichtigen Alter ist bisher nicht ergangen und so bestehen die Bestimmungen der Gewerbeordnung, über welche die Gewerbeinspektion pflichtgemäß sorgfältig wachen, nach wie vor zu recht. Man hüte sich also vor der Uebrtretung dieser Bestimmungen.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Donnerstag, 28. März 1918
Die Personenschiffahrt auf dem Rhein einzustellen, ist, wie der Kölner Oberbürgermeister in der letzten Kölner Stadtverordnetenversammlung bestätigte, von zuständigen Stellen in Aussicht genommen. Oberbürgermeister Adenauer erhob gegen diesen Plan scharfen Einspruch, dem sich die Redner der Stadtverordnetenversammlung anschlossen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Die Kaiserschlacht.
Friede mit Rußland – herrlicher Tag –
Gebarst diesen neuen Hindenburgschlag.
Den Ostfeind vernichtet, den Rücken frei.
„Mit Gott! – schlage Deutschland die Westfront entzwei.“
Du botest so oft in dem Völkerbrand
Als Sieger den Feinden die Friedenshand;
Sie haben Dich immer verhöhnt und verlacht. –
Und nun tobt im Westen: „Die Kaiserschlacht.“
Gewaltiges Ringen, Titanenkampf –
Gaswolken, gemischt mit Pulverdampf!
Flatternde Minen, zerberstend Geschoß –
Handhebender Tommy, fliehender Troß.
Und kann es denn wirklich möglich sein?
„Von Chauny schießt man nach Paris hinein!“ - -
Zäh’ Dich verteidigend grimmiger Feind,
Dich schlagen die deutschen Stämme vereint;
Sie bringen Dir, England, Dein Gottesgericht.
Du hast es gewollt; zu lügen hilft nicht.
Wahrscheinlich hast Du Dir anders gedacht
Den Anfang vom Ende – „die Kaiserschlacht“.
Gott-Vater der Deutschen, Du Schöpfer der Erd’
Führ’ auch im Westen Paul Hindenburgs Schwert.
Segne, Gerechter, das treudeutsche Heer
Zu Luft, zu Lande, im schäumenden Meer.
Höre, Allgüt’ger, das deutsche Gebet,
Erhöre die Mutter, die zu Dir fleht;
Erhöre das Volk, das heißbetend wacht.
„Führ’ uns zum Sieg in der Kaiserschlacht.“
Kunz-Ader, Godesberg
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Deutsche Vaterlandspartei. In der Versammlung am Sonntag sprach Geh. Konsistorialrat Dr. Rocholl über Weltfriedensbund, Völkerschiedsgericht und Abrüstung. Diese drei Ideale, für die unsere Feinde zu kämpfen behaupten, werden auch von vielen Deutschen als erstrebenswerte Kriegsziele betrachtet. Auch der Papst hat ja in seiner Friedensnote diese drei Ideale als Kriegsziele hingestellt. Während aber unsere Feinde dem Papste keine Antwort zu geben wußten, haben sich die deutsche und die österreichisch-ungarische Regierung beeilt, ihm in ehrfurchtsvollen Worten beizupflichten. Die Geschichte zeigt, daß die drei Ideale noch nie verwirklicht werden konnten. Eine allgemeine Abrüstung kann den Krieg nicht verhindern, denn die großen Heere entstehen aus der inneren Notwendigkeit, nicht aus Willkür. Deutschland vor allem kann infolge seiner geographischen Lage die allgemeine Wehrpflicht nicht aufgeben oder verringern. Es wird und kann also keinen ewigen Frieden geben. Wohl soll der Friedenssinn zu gegenseitiger Verständigung geweckt, sollen alle Mittel versucht werden, um die Gegensätze zwischen den Völkern auszugleichen, gelingt das aber nicht, dann muß zur Rettung des Vaterlandes das Volk in Massen mobil gemacht werden. Wenn aber Deutschland und seine Verbündeten in diesem Kriege die Oberhand behalten, dann wird es ein starkes Gegengewicht gegen alle streitsüchtigen Völker bilden, und auch unsere jetzigen Feinde werden dann infolge der Macht Deutschlands auf Jahrhunderte das Glück des Friedens genießen können.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Freitag, 29. März 1918
Der Vorsitzende des Gesamtverbandes der Evangelischen Arbeitervereine Deutschlands, Pastor D. Weber in Bonn, hat folgenden Aufruf an seine Kameraden erlassen: „Der Unterzeichnete bittet alle Kameraden dringend und herzlich, doch unter allen Umständen Kriegsanleihe zu zeichnen. Wir sind es Hindenburg und Ludendorff, die wieder so herrliche Taten für uns getan, wir sind dem Kaiser und dem Reich, wir sind es unserem geliebten Vaterlande schuldig. Darum auf zur Tat! Keiner bleibe zurück! Mit kameradschaftlichem Gruß D. Weber.“
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Deutsche Worte, Deutsche Gedanken sind die Träger der Werbearbeit des Vereins Deutscher Zeitungs-Verleger zur 8. Kriegsanleihe. Zu rasch ziehen die Ereignisse unserer bewegten Zeit an uns vorbei; zu wenig kommt der Mensch zur Sammlung. Das sollen die „Deutschen Worte“ und deutsche Gedanken uns zum Nachdenken anregen, unsere Anschauung vertiefen und uns auf den richtigen Weg führen. Diese Aufgabe hat sich die deutsche Presse gestellt, um das Verständnis zu wecken für die Forderungen der neuen eisernen Zeit.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Samstag, 30. März 1918
Das Gedicht „Die Kaiserschlacht“, das wir am Donnerstag veröffentlichten, ist von Heinz Ador – Godesberg verfasst. Der Dichter hat seinen Namen mit berühmter Undeutlichkeit geschrieben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Das deutsche Erzübel ist die Uneinigkeit. Jeder, der die Geschichte verfolgt, wird immer wieder erkennen, daß nur Uneinigkeit der Deutschen Schuld an dem großen Unglück war, das im Laufe der Jahrhunderte im 30jährigen Krieg und später über Deutschland hereingebrochen ist, das deutsche Volk wirtschaftlich ins Hintertreffen brachte und zu einem verarmten, von seinen Nachbarn ausgebeuteten Volk machte. Erst als das deutsche Volk aus den trüben Erfahrungen endlich seine Lehre zog und seine aus der Not heraus geborene Einigkeit sich erkämpfte, begann wirtschaftlicher Aufschwung, kam Deutschland zu Ansehen und Wohlstand. „Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war“ sagte unser Kaiser mit Recht. Nur dadurch, daß das deutsche Volk in diesem furchtbaren Kampf um seine Existenz einig war, daß Heer und Volk eins sind, konnte es die großen militärischen Erfolge erringen, konnte es wirtschaftlich und finanziell durchhalten. Schwer würde es sich am deutschen Volke rächen, wenn es jetzt bei der 8. und vielleicht letzten Geldschlacht in das alte Erbübel der Uneinigkeit zurückfallen und nicht ohne Unterschied des Standes und der Partei nach besten Kräften Kriegsanleihe zeichnete.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Sonntag, 31. März 1918
Einstellung des privaten Paket- und Frachtgutverkehrs nach der Westfront. Amtlich wird mitgeteilt: Aus Anlaß der Kampfhandlungen muß der private Paket- und Frachtgutverkehr von der Heimat zur Westfront bis auf weiteres eingestellt werden; dasselbe gilt für den Versand von Päckchen. Privatsendungen von Paketen und Gütern können einstweilen zur Beförderung nach der Westfront nicht angenommen werden.
Das Rheinische Heimatfronttheater des 8. Armeekorps bittet uns mitzuteilen, daß eingetretener Hindernisse halber in Bonn nur zwei Vorstellungen, und zwar am 2. und 6. April stattfinden können. Ferner machen wir nochmals darauf aufmerksam, daß die gewerblichen Betriebe, worunter auch Angestellte der Behörden und hiesiger Geschäfte zu verstehen sind, die Karten im Vorverkauf zur Hälfte des Preises erhalten. Siehe heutige Anzeige.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Wegen Raummangels mußten wir eine Anzahl sog. „Hinweise“ auf Konzerte, Vorträge usw. ausfallen lassen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Auch sie
Von Felix Joseph Klein, Bonn.
Wohlmöglich noch mehr als der für ihre Vorgängerinnen will der Werbeberuf für die 8. Kriegsanleihe nicht nur die „oberen Zehntausend“, sondern auch den letzten Mann, die letzte Frau erreichen. Er weiß, daß er gerade auch bei diesen „kleinen Leuten“ oft genug Prachtgesinnung und – doch noch einen Spargroschen antrifft. Der – als Grenze des Könnens – ist ihm ebenso willkommen wie der gepanzerte Geldschrank des Reichen. Heran auch sie, die schüchtern meinen, von solchen „Geldgeschäften“ nichts zu verstehen, heran mit den blauen, grünen, grauen Büchelchen, die ihr Treuherzigen nur von Zeit zu Zeit aus sicherem Verschluß nahmt, um der Spareinlage neuen Betrag zuzufügen, wo ihr nicht so töricht sein wolltet, das Geld zinslos in Kasten und Strümpfe zu strecken! Gewiß, bei mancher Sparkasse war euer Geld gut aufgehoben. Wo aber könnte es jetzt besser untergebracht sein, als bei der Kasse des großen Vaterlandes, dem ihr es leihet, wo besser, wo sicherer? Nichts anderes werden sie euch sagen, denen ihr bisher vertrauensvoll euer Geld belassen, im Gegenteil werden sie euch gerne den einfachen Weg zeigen, wie es an das Ziel unserer Tage gelangt. Jeder erfahrene deutsche Mann ist euch Wegweiser; nichts ist einfacher als Zeichnung, die zur Pflichterfüllung wird. Ihr könnt, mag die Nullenzahl auch viel kleiner sein, auf dem selben Schein zeichnen wie der Reiche. Euren Verhältnissen und eurem Geschmacke wird es oft entsprechen, die Kriegsanleihe durch den Abschluß einer Kriegsanleiheversicherung zu zeichnen, über den ihr gern an der Beratungsstelle Aufschluß erhaltet. Die ganz kleinen „Kapitalisten“ unter euch mögen zu den Anteilscheinen der städtischen Sparkasse greifen, um auch mitzuhelfen. Ihr Arbeitgeber, ihr Herrschaften, versperrt den uneigennützigen Boten des Vaterlandes nicht den Weg zu der Arbeitsstätte eurer Angestellten, eurer Dienstmädchen! Die Kriegsanleihe muß ein Riesenbau werden; gut, wenn ihr große Bausteine zu ihm geliefert; auch kleine sind nötig, lasset sie jene legen, hindert sie nicht nur nicht, helfet ihnen, zu erkennen, wohin ihr Stein gehört, wie groß er sein kann! Auch aus der letzten Dachstube soll die Siegesfahne bei Friedenseinkehr von Händen getan werden, die jetzt dem Vaterlande alles, uns wäre es noch so wenig, leihen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)