Bonn 1914-1918
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Sonntag, 16. Juni 1918

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Juni 1918Für die Ludendorff-Spende wurde gestern fleißig gesammelt. Fast in allen Straßen begegnete man Schülern und Schülerinnen mit Sammelbüchsen, überall wurde von den Vorübergehenden mehr oder weniger eindringlich ein Beitrag zur Hilfe für unsere Kriegsbeschädigten gefordert. Heute wird die öffentliche Sammlung fortgesetzt.
   Ueber die Verteilung und Verwaltung der durch die Ludendorff-Spende einkommenden Gelder herrscht in weiten Kreisen Unkenntnis und vielfach falsche Auffassung. In bezug auf die Verteilung des Sammelertrages ist zunächst zu bedenken, daß jede Provinz und jede Stadt nicht allein von den Truppen verteidigt werden, die aus der betreffenden Stadt oder Provinz stammen, sondern daß alle Soldaten für alle Gebiete und alle Städte des Vaterlandes gleichmäßig kämpfen. Dieser Umstand spricht für eine gleichmäßige Verteilung des Geldes über das ganze Reich. Anderseits ist aber auch zu berücksichtigen, daß die Gebefreudigkeit größer ist, wenn der Geber das Gefühl hat, daß seine Gabe in seiner Provinz und seiner Stadt bleibt. Die Folge dieser Erwägungen war, daß das Geld in der Hauptsache der Provinz und Stadt zur Verfügung bleibt, die es gesammelt, und daß nur ein kleiner Teil in einen Reichs-Ausgleichsfonds nach Berlin abfließt für solche arme Gegenden, die nicht in der Lage sind, ihre Kriegsbeschädigten hinreichend zu unterstützen. Und das ist nicht mehr als billig und recht. Denn wenn jede Stadt den vollen Betrag ihrer eigenen Sammlung ganz für sich zur Verwendung halten würde, so würden die Kriegsbeschädigten der verschiedenen Orte allzu verschieden unterstützt werden. […]
   Aus vorstehendem ergibt sich, daß schließlich der allergrößte Teil der am Orte gesammelten Gelder dem Orte zur freien Verfügung für seine eigenen Kriegsbeschädigten verbleibt und daß nur ein geringer Teil in den Ausgleichsfonds für weniger wohlhabende Landesteile berechtigterweise abgeliefert wird.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Juni 1918Höchstpreise für Bier und bierähnliche Getränke. Im Stadtbezirk Bonn ist mit sofortiger Wirkung der Höchstpreis für untergärige und obergärige Biere und bierähnliche Getränke auf 8 Pfg. und für Ersatzbier auf 5 Pfg. für je 1/10 Liter festgesetzt. Bei Konzerten und dergleichen Veranstaltungen darf ein Zuschlag von 5 Pfg. für je ein Glas erhoben werden.

Gedenket den Kriegsblinden!
Blindsein – ein langes Leben in Nacht wandeln – ein hartes Los! Doppelt hart für jene, die einst ihr Auge weiden konnten an den Schönheiten der Natur. Im Kampfe für unsere höchsten Güter haben sie, unsere Kriegsblinden, ihr Augenlicht verloren. Unauslöschlichen Dank sind wir den Tapferen schuldig, und ihnen ihr Los in jeder möglichen Weise zu erleichtern, muß uns eine liebe Pflicht sein. Wir alle kennen den Lesehunger unserer Soldaten im Felde, er ist nicht minder stark vorhanden bei den Erblindeten, mag der Stoff der Unterhaltung oder der Belehrung dienen. Der Borromäus-Verein hat es trotz seiner im Kriege vermehrten Tätigkeit gerne übernommen, durch Schaffung einer Blindenbücherei dem Bedürfnis Rechnung zu tragen. In dankenswerter Weise sind seit längerer Zeit mehrere Damen an dem edlen Werke eifrig tätig, mit dem Erfolge, daß die Bücherei heute auf einen Bestand von 130 Bänden angewachsen ist. Sie setzen sich aus Werken aller Literaturgebiete zusammen. Noch aber ist die Bücherei bei weitem nicht ausreichend im Hinblick auf die große Zahl der Kriegsblinden, und es bedarf der Mithilfe weiterer Kräfte, wenn sie einigermaßen dem bestehenden Bedürfnisse entsprechen soll. Hier bietet sich für jene Damen, die nicht in der öffentlichen Fürsorge wirken, eine Tätigkeit, die sich im stillen Heim ausüben läßt, die aber deshalb nicht minder verdienstvoll ist. Wer Lust, Liebe und Ausdauer besitzt, der möge sich Dienstag, 18. und Mittwoch, 19. ds. zwischen 10 und 12 Uhr im Borromäushaus, Wittelsbacher Ring 9 melden. Kosten sind mit der Erlernung der Blindenschrift und der Uebertragung der Bücher nicht verbunden; Tafeln, Maschinen und Papier werden gestellt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Unsinniges Gerücht. Infolge einer Sensationsmeldung wird in der Stadt erzählt, bei dem Brand in der Stadthalle seien große Vorräte an Lebensmitteln vernichtet worden. Wir können auf Grund eigener Wahrnehmung feststellen, daß in der Stadthalle auch nicht ein Pfund Lebensmittel zur Zeit des Brandes lagerte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 17. Juni 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1918Arndt-Eiche in Eisen. Eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier fand gestern, Sonntag, an der Arndt-Eiche statt: die Nagelung einer Adlerfeder für Frl. Mathilde Wirth, die unermüdliche Sammlerin für das Rote Kreuz. Ende Mai war die Summe des von ihr gesammelten Geldes auf 25.000 Mark gestiegen. Zu Ehren und zur Erinnerung an diese hervorragende Tätigkeit des Frl. Wirth widmeten ihr die Vaterländischen Vereinigungen der Stadt Bonn eine Adlerfeder. Bei der Nagelungsfeier, zu der u. a. der Vorsitzende des Zweigvereins vom Roten Kreuz für den Stadt- und Landkreis Bonn, Oberbürgermeister Spiritus, und die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins, Frau Berghauptmann Krümmer, erschienen waren, widmete der Vorsitzende des Hilfsausschusses für die Truppen, Dr. Krantz, Frl. Wirth herzliche Worte ehrender Anerkennung und wies besonders auf die unermüdliche Tätigkeit der allzeit liebenswürdigen Sammlerin hin, die bei Sonnenbrand und Kälte, in Wind und Wetter nunmehr fast vier Jahre dem Roten Kreuz so große Dienste geleistet habe; die Adlerfeder sei nur ein kleines äußeres Zeichen der Dankbarkeit für diese vaterländische und opferwillige Tätigkeit, die hierdurch an dem Bonner Kriegswahrzeichen für spätere Geschlechter verewigt werde. Alsdann fand die Nagelung der Adlerfeder statt. Die Feder trägt das Wappen der Stadt Bonn, das Rote Kreuz und die Widmung: „Frl. Mathilde Wirth in Bonn in Anerkennung ihrer verdienstvollen Sammeltätigkeit für das Rote Kreuz gewidmet von den Vaterländischen Vereinigungen in Bonn.“

Die Provinzialstelle der Reichsbank zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist in Köln gegründet worden. Ihr Wirkungskreis umfaßt das Gebiet der Reichsbankhauptstellen Köln, Aachen, Barmen, Kreifeld, Elberfeld, Remscheid, Siegen wie auch das der hierzu gehörigen Reichsbanknebenstellen. In dem Ausschuß der Provinzialstelle sind außer den Behörden alle Berufsklassen vertreten, so daß zu hoffen ist, daß durch entsprechende Propaganda die Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in alle Kreise getragen wird. Der Vorsitz wurde dem Präsidenten der Handelskammer Köln, Geheimrat Dr. Louis Hagen, übertragen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1918Ludendorff-Spende. Vom frühen Morgen bis in den Abendstunden wanderten am Samstag und Sonntag unsere begeisterungsfreudigen Bonner Jungen und Mädchen mit den Sammelbüchsen durch die Stadt, um für unsere Kriegsbeschädigten Spenden zu erbitten. Nicht nur auf Straßen und Plätzen, auch in den Straßenbahnen und in den Gastwirtschaften walteten sie ihres Amtes mit freudigem Eifer. In den Nachmittagsstunden sah man kaum noch Jemand, der nicht irgend ein Abzeichen trug. Namentlich bei den Promenaden-Konzerten am Samstag abend und Sonntag mittag in der Poppelsdorfer Allee flossen die Gaben reichlich; dort konnte keiner dem Trommelfeuer der Sammelbüchsen entgehen. Vornehm und Gering gab gern und freudig, gilt es doch, durch diese Volkssammlung unsern kriegsbeschädigten tapfern Brüdern den Dank der Heimat zu beweisen.
   Folgendes kleine Stimmungsbildchen vom gestrigen Sammeltag wird uns aus unserm Leserkreis übermittelt: Auf der Terrasse eines bekannten hiesigen Bierlokals sitzt ein älterer Herr, der jedesmal, wenn ihm die Sammelbüchse hingehalten wurde, sein Scherflein gab. Ein Tischnachbar meinte schließlich, er solle sich ein Abzeichen kaufen, dann hätte er doch Ruhe. „Ach was,“ meinte der Herr lachend und holte aus der Tasche fünf Ludendorff-Abzeichen hervor, „wenn ich so ein Ding anstecke, kommt Niemand mehr zu mir, das will ich nicht. Wissen Sie, ich habe so meine feste Taxe: Die Jungens bekommen 10 Pfg., die Mädels 15 Pfg. und den ganz netten Mädchen kaufe ich so’n Anhänger ab.“
   Die Kinos wiesen einen guten Besuch auf. Der Film „U-Boote heraus!“, der die neuen U-Bootkreuzer in Tätigkeit zeigte, gefiel ungemein. Auch die „Tolle Komteß“ im Operettentheater trug viel zur Mehrung der Spende bei. Adalbert Steffter sprach den Prolog Herbert Eulenbergs, den wir am Samstag als herzliche Mahnung zum Abdruck brachten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zu Gunsten der Ludendorff-Spende finden diese Woche im hiesigen Kino Vorstellungen statt. Es wird sich lohnen, die hochinteressanten Ludendorff-Filme zu sehen.

Metallsammlung. Zur Empfangnahme von Einrichtungsgegenständen ist die Metallsammelstelle Nicolaus-Beckerstraße 1, jeden Vormittag von 8.30 bis 12 Uhr geöffnet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Godesberg“)

Dienstag, 18. Juni 1918

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Juni 1918Personenschmuggel. Es ist eine bekannte Tatsache, dass während des Krieges sowohl deutsche und verbündete Heerespflichtige als auch Kriegs- und Zivilgefangene und andere feindliche Heeresangehörige sich heimlich auf Schleichwegen ins neutrale Ausland begeben haben. Deutsche und verbündete Staatsangehörige bezweckten, sich ihrer Wehrpflicht zu entziehen, feindliche Ausländer, aus der Gefangenschaft zu entkommen, sich ins feindliche Heer zu begeben oder sich der Arbeit in Deutschland zu entziehen. Das Gelingen der Flucht war in vielen Fällen darauf zurückzuführen, daß ihnen von anderen zum Entweichen durch Verschaffung von Zivilkleidern, durch Begleitung bis zur Grenze und durch Zeigen von Schleichwegen Beihilfe geleistet wurde. Den Grund zu dieser Beihilfe bildete meist schnöde Gewinnsucht, indem dafür Geldbeträge angenommen wurden. Ein derartiges Treiben gewissenloser Menschen kann nicht scharf genug verurteilt werden. Die Gerichte haben denn auch in zahlreichen Fällen gegen derartige Personenschmuggler wegen Landesverrat hohe Freiheitsstrafen verhängt. Und dies mit Recht, denn jeder, der einem Kriegs- oder Zivilgefangenen, einem ausländischen Arbeiter oder einem wehrpflichtigen deutschen oder verbündeten Staatsangehörigen zur Flucht über die Grenze verhilft, leistet dem Feinde Vorschub und benachteiligt die deutsche Kriegsmacht, begeht also Landesverrat.

Mitwirkung zum Schutz von Heeresgut. Im Interesse unseres Volkes, insbesondere aber unserer Feldgrauen liegt es, wenn Diebstähle und Unterschlagungen von Heeresgütern jeder Art, Beraubungen von Postsendungen nach und von der Front, Gefangenensendungen, sowie unerlaubter Handel mit militärischen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken und Schleichhandel zur Kenntnis der Nach- und Abschubüberwachungsstelle Bonn, Vivatsgasse 6 I, schriftlich oder telephonisch unter Nummer 427 gebracht werden. Durch Unterstützung der Zivilbevölkerung gelang es, im Monat Mai eine Anzahl solcher Fälle aufzudecken. Der Heeresverwaltung sind dadurch große Werte gerettet worden. Jeder, der von strafbaren Handlungen vorerwähnter Fälle Kenntnis erhält und dies der Ueberwachungsstelle mitteilt, trägt einen großen Teil zum Durchhalten bei.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Juni 1918Ortsgruppen Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei. In dem heutigen Besprechungsabend wird der Kgl. Oberlandmesser Eichholtz den einleitenden Vortrag halten über das Thema: Der Grund und Boden als Sicherheit für die Kriegs- und Friedensschulden des Reiches. Am Freitag, 21. ds. Mts. wird ein Marokkodeutscher, Herr Werner Lieb aus Casablanca im Union-Theater einen Lichtbildervortrag halten. Redner war Plantagenbesitzer in Marokko, hat dort drei Jahre französischer Gefangenschaft durchkosten müssen, ist dann aber über die Schweiz ausgeliefert worden.

Barfußgehen. Es wird namentlich den Kindern empfohlen, zur Schonung des Schuhwerks in der wärmeren Jahreszeit barfuß zu gehen. Vorerst ist dies aber mit großen Gefahren verbunden. In den Straßen liegen wochenlang zerbrochene Flaschen und Glasscherben umher. So lange die Erwachsenen sich nicht daran gewöhnen, die Wege und Straßen von Glasscherben frei zu halten, kann man die Kinder nicht barfuß umherlaufen lassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Am Sonntag, den 23. Juni, von 11½ bis 1 Uhr werden in den drei hiesigen Kinos Vorstellungen für Erwachsene gegeben. Es werden Kriegsfilme nach neuesten, hochinteressanten Aufnahmen an der Westfront vorgeführt. Karten hierfür sind bei den Haussammlern im Laufe der Woche zu haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Mittwoch, 19. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Juni 1918Die Bonner Studentenschaft wird auch in diesem Jahre am Sonnenwendtage, dem übermorgigen Freitag, eine vaterländische Kundgebung an der Bismarcksäule veranstalten, und zwar, wie im vorigen Jahre, am Abend. Der Ausschuß der Vertreterversammlung und die Chargierten der studentischen Vereine unternehmen wieder eine Wagenauffahrt vom Hofgarten zur Gronau. Die Wagen versammeln sich um 8 Uhr im Hofgarten und fahren 8 ¼ Uhr durch die Auguststraße zunächst zur Lennéstraße zur Wohnung des Rektors, wo der Rektor und der bei ihm versammelte Senat abgeholt werden sollen. Alsdann wird über Weber- und Koblenzer Straße weiter zur Gronau gefahren. An der Bismarcksäule wird nach der Rede eines Studierenden ein Kranz niedergelegt werden. Eine Ansprache des Rektors, Geheimsrats Marx, wird die Feier voraussichtlich beschließen. Im geschlossenen Zuge soll zum Hofgarten zurückgefahren und dort der Zug aufgelöst werden. Zu der Feier an der Bismarcksäule ladet der Ausschuß auch die nicht korporierten Studierenden ein.

Abgabe von Waren auf Militärkleiderkarte. Wiederholt sind in letzter Zeit Fälle bekannt geworden, daß in Geschäften auf Militärkleiderkarten Waren ohne Bezugsschein ausgegeben wurden. Es ist den Gewerbetreibenden aber verboten, auf Abschnitte der Militärkleiderkarte bezugsscheinpflichtige Ware ohne Bezugsschein auszustellen. Nur Schuhwaren dürfen sie gegen Kleiderkartenabschnitte abgeben, wenn die Schuhe oder das dazu erforderliche Leder ihnen von der Heeresverwaltung gegen Kleiderkarte geliefert sind. Es wird nochmals auf strenge Einhaltung dieser Vorschriften hingewiesen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. Juni 1918In Groß-Bonn tritt gegenwärtig die auch hier durch unsere Lichtbühnen bekannte Filmschauspielerin Anna Müller-Linke mit großem Erfolg auf. Als „gebüldetes Berliner Dienstmädchen“ erzählt sie ihre Erlebnisse mit ihrem ausgedehnten Herrschaftskreis und tritt als Chansonette, als Straßensängerin und zwar unter teilweiser Mitwirkung des Publikums auf; mit einem Wort: eine Berliner Range. Für frohe Laune sorgt auch der Humorist und Vortragskünstler Heinz Neumann. Ein fabelhaftes Gedächtnis hat Lotte May, die sich mit Recht eine phänomenale Gedächtniskünstlerin nennt. Auf Zuruf der Jahreszahl nennt sie die weltgeschichtlichen Ereignisse, die sich in diesem Jahre abgespielt haben; auch diejenigen aus vorchristlicher Zeit. Etwa 20 Sinnsprüche, die ihr zugerufen werden, nennt sie auf Wunsch der Reihe nach, vorwärts und rückwärts, oder auch beliebig außer der Reihe. Als Rechenmeisterin leistet die Künstlerin ebenfalls ganz Ungewöhnliches. Eine prächtige Schaunummer bieten die temperamentvollen Tänze des Warschauer Balletts Glazeroff.

60 Gramm Butter werden in dieser Woche an jede berechtigte Person abgegeben.

Zwei französische Kriegsgefangene, die vor sechs Tagen aus dem Gefangenen-Lager zum Limburg an der Lahn entflohen waren und die gestützt auf dicke Eichenknüppel die Bahn entlang weiterschreiten wollten, wurden in der vergangenen Nacht hier in Bonn durch den Bahnwärter Merzbach festgenommen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Unermittelte Heeresangehörige. Die als Beilage zu den deutschen Verlustlisten erscheinende, von der Zentralstelle für Nachlaßsachen in Berlin herausgegebene Liste „Unermittelte Heeresangehörige, Nachlaß- und Fundsachen“ liegt auf dem Polizeiamte Rathausgasse 22 zur Einsicht aus. Angehörige von Militärpersonen, über deren Verbleib nichts ermittelt werden konnte, werden dringend ersucht, diese Liste durchzusehen, um an der Hand der darin enthaltenen Veröffentlichungen das Schicksal ihrer Angehörigen aufklären zu helfen. Die Liste kann auch durch alle Reichspostanstalten zum Preise von vierteljährlich 50 Pfg. bezogen werden. (6. Nachtrag zur Postzeitungsliste).

Ferienkinder. In den meisten Land-Ortschaften sind die Ferienkinder aus den Städten und den Industriegegenden seit längerer oder kürzerer Zeit eingetroffen und haben bei den Landleuten die gleiche liebevolle Aufnahme wie in der Vorjahren gefunden. Allenthalben wird für die Kinder recht gut gesorgt und manchmal konnte man vor dem Eintreffen der Kinder hören: Das müssen wir für unser Ferienkind verwahren. So erhalten sie dann während dieser Erholungszeit das Beste von dem, was der Landwirt zu bieten vermag und das Aussehen derselben wird Tag für Tag ein besseres. Durchweg wissen sich aber auch die Kinder den ihnen bisher fremden ländlichen Verhältnissen anzupassen und werden durch ihre kleinen Handreichungen in den Betrieben recht nützlich. Vereinzelt sind Lehrpersonen mitgekommen, die für die Kinder gesonderten Unterricht erteilen, meist allerdings besuchen sie die ländlichen Volksschulen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

   

Verwendung der Ludendorff-Spende.
Ein ganz neuer Grundsatz ist für die Verteilung der durch die Ludendorff-Spende zusammengebrachten Gelder aufgestellt worden: Sie fließen nicht, wie das bei anderen Sammlungen üblich war, in einen Zentralfonds zusammen, um von da aus wieder über das Deutsche Reich verteilt zu werden, sondern sie bleiben von vornherein in dem Landesteil, in dem sie gesammelt worden sind. Jeder Spender hat also die Gewißheit, daß seine Gaben denjenigen Kriegsbeschädigten zugute kommen, die ihm am nächsten stehen. Nur ein Bruchteil der gesammelten Gelder, nämlich 15%, wird an die Zentralstelle abgeführt und bildet einen Ausgleichsfonds, der denjenigen Landesteilen zugute kommt, in denen infolge ärmerer oder weniger zahlreicher Bevölkerung das Ergebnis hinter anderen Landesteilen zurückbleiben muß.
    Die Aufgaben, die mit den gesammelten Mitteln zu lösen sind, umfassen in Ergänzung der staatlichen Fürsorge: Fortsetzung der Heilbehandlung, Berufsausbildung, Arbeitsbeschaffung, vor allem aber in gewissen Fällen Bargeldunterstützung. Die Notwendigkeit einer solchen hat sich auf Grund der bisherigen Kriegserfahrungen bereits herausgestellt. Es gilt häufig, dem Kriegsbeschädigten mit seinen Angehörigen über die Zeit hinwegzuhelfen, in welcher er für seinen Beruf wieder tauglich gemacht werden soll; es gilt, falls er sich einem neuen Berufe zuwenden muß, ihm Arbeitsgerät und Arbeitskleidung zu verschaffen; es gilt, dem einen oder anderen das Kapital vorzustrecken, mit dessen Hilfe er sich selbständig machen kann. In zahllosen Fällen wird die Wiederaufrichtung der wirtschaftlichen Existenz eines Kriegsbeschädigten davon abhängen, ob ihm eine gewisse Geldsumme zur Verfügung gestellt werden kann.
    Gerade diese segensreiche und notwendige Art der Unterstützung indessen erfordert naturgemäß außerordentlich große Mittel. Umso mehr darf darauf gerechnet werden, daß bei der Bemessung des Beitrages jeder einzelne an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit herangeht.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Donnerstag, 20. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Juni 1918Keine Bezugsscheine für Bettwäsche. Die Reichsbekleidungsstelle gibt bekannt, daß künftig Bezugsscheine für Bettwäsche nur für Kranke, Wöchnerinnen und Säuglinge gegen Bescheinigung des Arztes beziehungsweise der Hebamme erteilt werden. Sonstige Antragsteller sind auf bezugsscheinfreie Papiergarnerzeugnisse zu verweisen.

Zum Verkauf von Schuhwerk. Seitens der Reichsschuhstelle ist eine wichtige Anordnung ergangen, auf die auch an dieser Stelle besonders hingewiesen sei. Vor Ueberlassung bedarfsscheinpflichtigen Schuhwerks hat von jetzt ab der Schuhwarenhändler von dem Empfänger die Vorlage eines Ausweises über seine Person zu verlangen und zu prüfen, ob der Ausweisinhaber mit dem auf Grund des Schuhbedarfsscheines zum Bezuge Berechtigten übereinstimmt. Die Anordnung stellt also eine erhebliche Verschärfung gegenüber dem bisherigen Zustande insofern dar, als bisher die Verabfolgung von Schuhwaren an den Bezugsschein-Inhaber ohne weiteres erfolgte. Als Ausweise über die Person, die künftig stets vorzulegen sind, dienen Personenstandsurkunden wie Geburtsschein usw., Militärpässe, Reiseausweise und Heimatscheine. Wer nicht für den eigenen Bedarf Schuhwaren in Empfang nimmt, hat einen schriftlichen Auftrag des aufgrund des Schuhbedarfsscheines zum Bezug Berechtigten und einen Ausweis über dessen Person vorzulegen. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Juni 1918Das Bonner außerordentliche Kriegsgericht verhandelte am Mittwoch nachmittag in Blankenberg an der Sieg gegen den 43 Jahre alten Elektromonteur Bayer aus Haiger bei Dillenburg wegen der Anklage des Mordes. Der Angeklagte hat ein sehr bewegtes Leben hinter sich und ist bereits sehr oft vorbestraft. Von den 43 Jahren seines Lebens hat er etwa 23 Jahre im Gefängnis und im Zuchthaus gesessen. Der Anklage liegt folgende Begebenheit zugrunde: Der Angeklagte für End Mai mit einem Bekannten von Köln nach der Sieg mit der ausgesprochenen Absicht, dort ein Stück Großvieh von einer Weide in Stein zu entwenden. Der Bekannte war mit den dortigen Verhältnissen vertraut. Sie stiegen an verschiedenen Stationen aus und trafen sich abends in Merten. Von dort zogen sie mit einer Schiebkarre nach der Wiese der Mühle in Stein. Dort suchten sie sich ein junges Stierchen aus und hatten es auch schon angeseilt, als das übrige Vieh auf der Weide unruhig und der Besitzer der Mühle, Pütz, auf den Vorgang aufmerksam wurde. Da in letzter Zeit in der dortigen Gegend wiederholt Vieh gestohlen worden war, vermutete Pütz sofort, daß sich Diebe auf der Weide befänden. Er nahm seinen Bruder Albert Pütz mit und beging mit ihm das Grundstück. Als die Diebe Gefahr bemerkten, suchten sie das Grundstück zu verlassen. Dem einen gelang dies leicht. Dem Angeklagten dagegen bot die Umzäunung ein Hindernis. Er hörte die Verfolger hinter sich, nahm eine Pistole aus der Tasche und gab damit auf seine Verfolger drei Schüsse ab. Der dritte Schuß traf den Bruder des Besitzers, Albert Pütz, der sofort getötet wurde. Der Angeklagte ist geständig. Ein Zeuge bekundete, der Angeklagte habe sich unter einen Baum gestellt, auf den Albert Pütz gezielt und geschossen.
    Das Gericht hielt des Angeklagten für schuldig und verurteilte ihn zum Tode.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Ueber Brennesselverwertung wird Professor Dr. Küster nächsten Montag in der Lese einen Lichtbildervortrag halten. Bei der großen Wichtigkeit, die die Nessel als Faserpflanze für unsere Bekleidung hat, sei auf diesen beachtenswerten Vortrag ganz besonders aufmerksam gemacht. Die Anregung zu der Veranstaltung hat der hiesige örtliche Kriegsausschuß für Sammel- und Helferdienst (Vorsitzender Dr. Krantz) gegeben.

Konzerte. Im Gangolfhaus finden heute, Samstag und Sonntag Konzerte statt.

Die Lichtspiele im Stern haben sich entschlossen, die Spielzeit des „Henny-Porten“-Films „Agnes Arnau und ihre drei Freier“, Lustspiel in 4 Akten, wegen des durchschlagenden Erfolges zu verlängern. Die Spielfolge weist ferner das Schauspiel „Die goldene Brücke“ mit Magda Madeleine, sowie das Lustspiel „Luchens Ehefreuden“ auf.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 21. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Juni 1918Türklinken und Fenstergriffe. Eine Bekanntmachung im Anzeigenteil dieser Zeitung gibt Auskunft über den Ausbau der beschlagnahmten Türklinken und Fenstergriffe und den Einbau der notwendigen Ersatzstücke sowie über die gegebenenfalls zu beantragende kostenlose Ausbauhilfe.

Zur Abgabe von Männeranzügen. Täglich werden beim städtischen Bekleidungsamte Anzüge abgeliefert, die wegen ihres schlechten Zustandes zurückgewiesen werden müssen, weil sie nicht mehr verwertbar sind. Es sei deshalb nochmals darauf hingewiesen, daß die abgelieferten Anzüge gebrauchsfähig sein müssen. Und zwar soll, da es sich um Anzüge für die Arbeiterschaft handelt, nur solche Kleidung beschafft werden, die starke Inanspruchnahme aushält. Auch sollen die Kleidungsstücke ihrer Art nach tunlichst ihrer Zweckbestimmung entsprechen. Ausgeschlossen sind deshalb: Fracks, Smokings, ferner Leinen-, Lüster- und leichte Flanellsachen sowie Uniformen. Es seien diese Bestimmungen nochmals in Erinnerung gebracht, und die Bürgerschaft in ihrem eigenen Interesse gebeten, sie zu beachten. Der zehnprozentige Preiszuschlag wird nur noch bis zum 24. Juni bezahlt.

Der Eifelverein unternimmt nächsten Sonntag eine Wanderung durch den Kottenforst und das Vorgebirge nach Alfter.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Eine öffentliche Versammlung veranstaltet die Ortsgruppe Bonn des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer am kommenden Sonntag im Volkshaus in der Sandkaule. Das Thema des Redners, Woldt – Elberfeld, lautet: „Am Tage der Heimkehr und der Kriegsbeschädigte im Wirtschaftsleben.“

Die Höchstpreise für Quark und Quarkkäse sind um 40 Prozent erhöht worden. Hoffentlich wird durch diese Preiserhöhung erreicht, daß nunmehr Käse auch wirklich zu haben ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Aenderungen auf dem Bezugsschein gelten als Urkundenfälschung. Wie verschiedene Gerichtsverhandlungen in letzter Zeit bewiesen haben, herrscht in vielen Kreisen noch immer Unklarheit über das Wesen des Bezugsscheines. Man weiß vielfach immer noch nicht, daß der Bezugsschein eine Urkunde darstellt, und dementsprechend jede Aenderung, die auf demselben vorgenommen wird, als Urkundenfälschung bestraft wird. Immer wieder kommt es vor, daß Leute auf bereits abgestempelten Bezugsscheinen selbständige Eintragungen, Aenderungen oder Zusätze vornehmen, z. B. auf einen Bezugsschein, der über eine Hose ausgestellt ist, das Wort Hose ausradieren und dafür einen anderen Gegenstand einsetzen. Viele tun dies aus reiner Bequemlichkeit, nur weil sie den nochmaligen Gang zur Bezugsscheinstelle scheuen. Jeder, der jedoch eine Aenderung auf seinem Bezugsschein vornimmt, kann sicher sein, sich wegen seiner gesetzwidrigen Handlungsweise vor Gericht verantworten zu müssen. Denn die Scheine werden später von den Geschäften den Bezugsscheinstellen zurückgereicht und dort nachgeprüft, sodaß jede Aenderung entdeckt wird und zur Anzeige gelangt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 22. Juni 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1918Die Straßensammlungen für die Ludendorff-Spende am letzten Samstag und Sonntag haben in Bonn den Gesamtertrag von 15.000 Mark ergeben.

Deutsche Vaterlandspartei. In der Ortsgruppe Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei wird Generaldirektor Dr. Otto Weinlig (Dillingen) einen Lichtbildervortrag über die für unsere Zukunft so überaus wichtige Frage der künftigen Erzversorgung Deutschlands halten. Der Vortrag, der sowohl um der maßgeblichen Stellung des Redners, wie um der Sache willen das größte Interesse beansprucht, findet am Dienstag, 25. Juni, abends 8½ Uhr, im großen Hörsaal der Universität statt. Auch Freunde der Vaterlandspartei sind als Gäste willkommen.

Im Rheinhotel Dreesen in Godesberg ist heute nachmittag ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Ludendorff-Spende, ausgeführt von der Regiments-Kapelle des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 28.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1918Der Bonner Wochenmarkt stand gestern im Zeichen des Gemüses und des Kopfsalats. Hauptsächlich war Wirsing, Schneidgemüse, Knollengemüse und Kohlrabien sowie Kleinzeug vorhanden. Hiesiger und Mainzer Spargel sowie Obst und grüne Erbsen waren auf dem ganzen Markt wieder nicht zu finden. Neue Möhrchen kommen ebenfalls nur verschwindend wenig auf den Markt. Neue junge Zwiebeln mit Laub waren schon ziemlich reichlich zu haben, aber zu außergewöhnlich hohem Preise. Für ein kleines Gebündchen mit etwa zehn ganz kleinen Zwiebeln wurden 25 Pfennig verlangt und bezahlt. Kopfsalat wurde durchweg zu 25 Pfennig das Stück verkauft. Blumen waren auch reichlich und in großer Auswahl, aber zu hohen Preisen zu haben, fanden deshalb auch nicht den gewünschten flotten Absatz. Im übrigen war der Verkauf recht flott. Der Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte fast keine Zufuhren. Nur etwas Gemüse und Kopfsalat. Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt hatte außer etwa 12 Zentner Ingelheimer Spargel hauptsächlich nur Schneidgemüse, Knollengemüse und Wirsing abzugeben. In Spargel war der Verkauf recht flott, in Gemüse dagegen schleppend, sodaß hierin nach Schluß des Marktes größere Ueberstände zu verzeichnen waren.

Ein Deserteur, der sich seit längerer Zeit von seinem Truppenteil entfernt hatte, wurde gestern abend auf dem Kaiserplatz von einem Polizisten festgenommen. Auf dem Weg zum Untersuchungsgefängnis riß sich der Deserteur los und warf dem Beamten ein Stück Eisen vor die Füße, worauf dieser zu Fall kam. Als der Beamte dem Ausreißer nachlief, zog dieser einen Dolch aus der Tasche und drang auf seinen Verfolger ein. Der Polizeibeamte macht nunmehr von seiner Schußwaffe Gebrauch und traf den Deserteur in die Brust. Nach Anlegen eines Notverbandes wurde der Verletzte zur Klinik gebracht. Bereits am Vormittag sollte der Deserteur, der von hier stammt, auf der Coblenzer Straße von einem Polizisten festgenommen werden. Auch bei dieser Gelegenheit hatte er mit dem Dolch gedroht und war dann entkommen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Rezeptzwang für baumwollene Verbandswatte. Durch Bekanntmachung der Reichsbekleidungsstelle vom 20. Mai § 3 im Reichsanz. 133, ist mit Wirkung vom 9. Juni auch für baumwollene Verbandswatte der Rezeptzwang eingeführt worden. Die Verkäufer werden deshalb gewarnt, baumwollene Verbandswatte ohne ärztliche Verordnung abzugeben, da sie sich sonst strafbar machen.

Festgenommen wurde eine Zigeunerin, die im Hausierhandel Spitzen verkaufte und bei der Gelegenheit einer „Kriegerfrau“ weissagte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Sonntag, 23. Juni 1918

    

Zugunsten der Ludendorff-Spende wird Herr Direktor Steffter auf Veranlassung des Sammelausschusses am kommenden Sonntag, 30. Juni, morgens 11½ bis 1 Uhr im neuen Operetten-Theater eine Morgenaufführung veranstalten. In bunter Folge werden die besten Kräfte des Theaters gesangliche und deklamatorische Darbietungen der fröhlichen Muse vortragen. Der ganze Ertrag dieses „Bunten Vormittags“, der für Bonn eine Neuheit darstellt und vielen eine angenehme Abwechslung sein wird, ist für die Kriegsbeschädigten bestimmt. Ein ausführliches Programm wird noch veröffentlicht werden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Die Ortskohlenstelle teilt mit: Der Bürgerschaft wird wiederholt dringend empfohlen, sich einen Holzvorrat für den Winter zu beschaffen. Auskunft erteilt die Ortskohlenstelle, die auch Bestellungen entgegennimmt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Eine eigenartige Verlustliste gibt neuerdings unsere Heeresverwaltung heraus. Von unbekannt verstorbenen Heeresangehörigen werden alle die Zeichen gesammelt, die man in ihren Uhren vorfindet. Hiernach werden Listen zusammengestellt und die Uhrmacher sehen nach, ob ein bei ihnen übliches Zeichen oder die von ihnen verwandten Nummern sich darunter befinden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Groß-Bonn. Der Direktion dieser Bühne ist in der Verpflichtung der Operetten-Soubrette Müller-Linke ein besonderer Wurf gelungen. Dieser urwüchsige weibliche Komiker ist in seiner Art einzig. Wohl selten hat man an der Bonner Operetten- und Spezialitätenbühne einen weiblichen Humoristen dieser Eigenheit genießen können. Das echt Berliner Gewächs übt begreiflicherweise eine ganz besondere Anziehungskraft aus.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Ludendorff-Spende Bonn-Stadt. Zum Besten der „Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte“ finden in den drei hiesigen Lichtspielhäusern am Sonntag, den 23. Juni, mittags ½12-1 Uhr Festvorstellungen statt. Zur Aufführung gelangen: In den Bonner Lichtspielen und Metropol-Theater: Bilder aus der Schlacht am Damenwege, Das zerstörte St. Quentin, Englische Tanks vor Cambrai, Die Erstürmung einer Höhe, Grüblers Fahrt ins Mohrenland (Lustspiel). Im Union-Theater: Rasputin.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 24. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Juni 1918Für die Ludendorff-Spende sind in Bonn bisher 207.670 Mark eingegangen. Das Ergebnis der Straßensammlungen, das, wie berichtet, über 15.500 Mark beträgt, ist in dieser Summe noch nicht enthalten.

Gestellung von Kriegsgefangenen. Nachdem die Kommandantur der Kriegsgefangenen-Mannschaftslager des 8. Armeekorps nunmehr zur Inspektion der Kriegsgefangenenlager des 8. Armeekorps ernannt worden ist, geht die Gestellung der Kriegsgefangenen für Industrie und Landwirtschaft lediglich durch diese Stelle. Alle diesbezüglichen Anträge sind künftig an die Inspektion und nicht an das Generalkommando zu richten. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Umgehung dieses vorgeschriebenen Weges nur zur Verzögerung der Gestellung führt.

Gestorben ist im Garnisonslazarett der fahnenflüchtige Soldat, der, wie berichtet, in der Nacht zum Samstag den Polizeisergeanten K. mit einem Dolch bedrohte und von diesem in die Brust geschossen wurde.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918Zur Abgabe von Männeranzügen. Am heutigen Montag ist der letzte Tag, an welchem der 10prozentige Zuschlag für den Anzug vergütet wird. Für die später abgegebenen Anzüge wird der Zuschlag nicht mehr gewährt. Jeder, der noch nicht abgegeben hat, benutze die kurze noch verbleibende Frist und geben schleunigst einen Anzug ab. Wer nicht freiwillig abgibt, setzt sich demnächst bevorstehenden Zwangsmaßregeln aus. Die Sammelstelle befindet sich Martinstraße Nr. 18 und ist täglich, außer Sonntags, geöffnet von 9-12 und 3-6 Uhr.  

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Der Reichsbund deutscher Kriegsbeschädigten, Ortsgruppe Bonn, hielt gestern vormittag im Volkshause seine erste öffentliche Versammlung ab, die recht gut besucht war. Der Vorsitzende der Bonner Ortsgruppe begrüßte die Teilnehmer recht herzlich und teilte mit, daß die im November 1917 mit 19 Mitgliedern gegründete Ortsgruppe jetzt 320 Mitglieder zähle. Dann sprach Herr R. Woldt aus Elberfeld über die Unterbringung der Kriegsbeschädigten im Wirtschaftsleben. Er gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung unseres Wirtschaftslebens vor dem Kriege, den Umbau im Kriege und die Art des Umbaus nach dem Kriege. Die Eingliederung des Kriegsbeschädigten, der die Konkurrenz des gesunden Arbeiters zu befürchten hat, in dieses neue Wirtschaftsleben Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1918darf nicht der Willkür überlassen bleiben, auch nicht dem Unternehmertum allein; sie soll sich unter gesetzlichem Zwange und unter Mitwirkung der Vertreter der Kriegsbeschädigtenorganisationen vollziehen. An den Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an.

Landung feindlicher Flugzeuge. Es sind diesseits des Kampfgebietes wiederholt feindliche Flugzeuge gelandet, teils aus Not, teils aus Unkenntnis über die Gegend, in der sie sich befanden. Die Besatzungen der Flugzeuge machen meistens den Versuch, das Flugzeug zu zerstören und persönlich zu entfliehen. Das Mißlingen ihrer Absicht ist häufig nur dem sofortigen entschlossenen Eingreifen einzelner Militär- oder Zivilpersonen zu verdanken. Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen, daß es äußerst wichtig ist, der feindlichen Flieger sofort habhaft zu werden und das Flugzeug ganz oder wenigstens teilweise unzerstört zu bergen. Zivilpersonen, die sich bei der Festnahme oder bei der Bergung der Flugzeuge besonders verdient gemacht haben, können neben öffentlicher Belobigung Belohnungen in Geld zugebilligt erhalten. Etwaige Anträge sind der Polizeibehörde einzureichen, die sie nach Prüfung und Bestätigung der Angaben an das stellvertr. Generalkommando zur Festsetzung der Höhe der Belohnung weiterreicht.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Dienstag, 25. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juni 1918Neues Operettentheater. Grigri, die Tochter des Negerkönigs. Musik von Paul Lincke. Spielleitung: Direktor Adalbert Steffter. Schon der Titel, der zu unliebsam an Film-Schauerdramen denken läßt, versprach dem Kundigen nicht viel. Und nicht einmal das wenige hielt die Gesangsposse. Bei näherer Betrachtung bleibt von dem Machwerkchen nichts übrig, wovon mit Fug und Recht gesprochen werden könnte: Schade um die schöne Zeit, die Spielleitung, Darsteller und Orchester dafür aufwenden müssen! Das Publikum lacht natürlich über den schwarzen Spaß, ohne darüber nachzudenken, wie traurig es ist, daß in unseren Tagen so etwas aufgeführt und beklatscht wird. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Ueber Gewinnung und Verwertung der Brennessel sprach gestern abend im Vortragssaale der Fortbildungsschule Universitätsprofessor Dr. Küster. Die Brennessel ist nach dem Redner eine der wichtigsten, erfolgsversprechendsten Faserstoffpflanzen, die uns die bisher aus dem Auslande bezogene Baumwolle bis zu einem gewissen Grade zu ersetzen vermag. […] An der Besprechung, die Stadtv. Dr. Krantz einleitete, beteiligten sich Rektor Emons und Prof. Füchtjohann. Ersterer schilderte seine Nessel-Sammeltätigkeit mit der Bonner Schuljugend und erzählte Interessantes aus der Naturgeschichte der Nessel: Letzterer stellte einige kurze Leitsätze für Sammlung und Gewinnung der Nessel auf. Prof. Dr. Küster konnte zum Schluß noch einige Produkte der Nesselfasern vorzeigen. Der Saal war überfüllt von Besuchern.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Höchstpreis. Was will dieses Wort sagen? Es weist Dich auf die von behördlicher Seite erlassene Verfügung hin, nach welcher jeder Erzeuger, Händler und Verbraucher sich richten soll. Wer stört sich daran, keiner! Obwohl unsere Hausfrauen morgens in den Geschäften dieses Treiben ansehn und sich ärgern, wenn sie einen Haufen Geld für ein bißchen Gemüse bezahlen, hat bis jetzt keine den Mut, dies der Oeffentlichkeit zu übergeben. Erbsen und Bohnen liegen auf versteckt unter Körben in Nebenzimmern und wer weiß wo und wird nur an solche abgegeben, die höhere Preise zahlen und auf die man sich besonders denkt verlassen zu können. Unsere Hausfrauen wissen, daß es so gemacht wird. Jede hütet sich, etwas zu sagen, um nicht bei der Inhaberin in Ungnade zu fallen, aus Furcht, in Zukunft überhaupt nichts zu bekommen. Das Neueste, was man zuweilen hört, ist, die Erbsen, Bohnen oder Johannistrauben sind nur „für meine Kundschaft“. Woran liegt das Ganze hauptsächlich? Die Geschäftsleute holen jetzt viel ihre Waren auf den benachbarten Ortschaften ab. Einer überbietet den andern in dem Gedanken, du bekommst es ja zurück. Wem’s zu teuer ist, der läßt seine Finger davon. Der Erzeuger verkriegt sich hinter die bekannte Redensart: Es wird mir ja geboten, dann müßte ich schön dumm sein, wenn ich es nicht nähme. Zudem kommt noch, daß Händler von auswärts sich dort einfinden, die keinen Preis scheuen, um Ware zu erhalten. […]
   Man denke nur an das Obst. Erdbeeren sind fast zu Ende, ebenso die grünen Stachelbeeren. Wer hat von den Frühkirschen schon etwas gesehen? Frei zum Verkauf gelangt nichts, dagegen sieht man nachmittags Bauersleute mit sorgfältig verbundenen Körben in Gemüsegeschäfte wandern. Was sie bringen, bleibt ebensogut Geheimnis wie das, was meist auswärtige Händler, die vorwiegend Hotels versorgen, aus den Geschäften hinaustragen. […] Dem Ganzen kann wirksam entgegengetreten werden. Zwar nicht mit vielen Hin- und Herreden, wie es bis jetzt geschieht. Man setze nur den Hebel am richtigen Ende an, dann wird’s schon gehen.
Eine Hausfrau, die sich nicht scheut.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Schwindler. Ein Deserteur, der sich hier in Bonn und in anderen Städten der Zechprellerei und Betrügerei schuldig gemacht hat, wurde am Samstag abend aus froher Gesellschaft verhaftet. Er hatte vor 14 Tagen die Bekanntschaft einer Bonnerin, im Alter von 18 Jahren gemacht und sich in dieser kurzen Zeit deren Liebe und Zuneigung der Eltern so sehr erworben, daß die Verlobung am Samstag von statten ging. In einer ersten Weinwirtschaft sollte ein solennes Festmahl gehalten werden, das aber durch die Polizei gestört wurde. Der Deserteur wird außerdem wegen Raubes und mehrerer Einbruchsdiebstähle gesucht.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Mittwoch, 26. Juni 1918

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Juni 1918Vom Schicksal hart getroffen. Eine in der Nähe von Bonn wohnende Familie hatte vier Söhne im Heere, von denen die drei ältesten bereits den Tod fürs Vaterland fanden. Als die Eltern vor wenigen Tagen von einem gemeinsamen Ausgange heimkehrten, fanden sie jüngstes Kind, einen Knaben von sechs Jahren, tot vor. Er hatte mit Weihnachtskerzen gespielt und war jämmerlich verbrannt. Kaum waren die Eltern von seinem Begräbnisse zurückgekehrt, da wurde ihnen die Trauernachricht überbracht, daß auch der vierte Sohn an der Westfront gefallen ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Der Markt als Handelsmarkt. In der gestrigen Nummer des Generalanzeigers schildert „eine Hausfrau, die sich nicht scheut“, sehr treffend unsere Marktverhältnisse.
   Ich füge der Klage dieser Frau hinzu, daß leider der Markt den hiesigen Händlern nicht nur als Verkaufsstelle dient, sondern sie dort auch die ankommenden Waren aufkaufen, um sie an Ort und Stelle zum Verkauf auszustellen. Wenn diese Geschäftsleute keinen anderen Zweck auf dem Markt verfolgen, ist es jedenfalls besser, wenn sie nicht da sind. Von der Behörde darf man aber wohl erwarten, daß der Einkauf zu Handelszwecken auf dem Markt nicht geduldet wird. Dies nicht genug, benutzen auch auswärtige Händler unseren Markt zum Einkauf. Täglich kann man beobachten, wie von diesen Leuten der Markt leergekauft wird. Es erscheint jeden Tag ein Gepäckträger mit einer großen Karre und holt die aufgekaufte Ware ab. […] W.E.
Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Juni 1918   (Wir möchten unsere Stadtverordneten im Interesse der Bürgerschaft bitten, die Wochenmarktsfrage doch einmal gründlich zu durchleuchten. Die Klagen über die Verhältnisse auf dem Markt mehren sich derart, daß uns eine Untersuchung durch die gewählte Interessenvertretung der Bürgerschaft als ersprießlich erscheint. Die Schriftl.)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
[…]
   Die Brotration ist vom 1. Juli ab für den ganzen Regierungsbezirk Köln auf 3½ Pfund wöchentlich festgesetzt worden. Die Stadt Bonn ist jedoch in der Lage, aus ihren Ersparnissen ein weiteres Viertelpfund auf den Kopf und die Woche auszugeben, sodaß hier in Bonn vom 1. Juli ab die Brotration tatsächlich 3¾ Pfund wöchentlich beträgt. Gerade in der jetzigen Zeit, wo die Ernährungsverhältnisse besonders schwierig sind, ist die Herabsetzung der Brotration bitter, aber vom haushälterischen Gesichtspunkte aus unbedingt notwendig, um bis zum Einbringen der neuen Ernte durchzuhalten. […]
   Die Kartoffeln stehen im Durchschnitt gut und das ist schon wesentlich. Die Frühkartoffelernte verzögert sich hier etwas durch die Witterungsverhältnisse. An sich ist dies kein Nachteil, denn die Regenfälle haben eine erhebliche Gewichtszunahme der Kartoffel mit sich gebracht. Mit den alten Kartoffeln ist sehr sparsam umzugehen, denn jetzt beginnt die Zeit, wo die Kartoffelversorgung bis zum Erscheinen der Herbstkartoffeln, etwa um Mitte September herum, sehr unzuverlässig wird. Es sei nochmals darauf hingewiesen, daß sämtliche Frühkartoffeln, mit Ausnahme der in den Hausgärten gezogenen, in öffentlicher Bewirtschaftung stehen und nur an den Kommunalverband oder an die von diesem bestimmten Aufkäufer […] verkauft werden dürfen. Hohe Strafen bestehen gegen Zuwiderhandlungen. […]
Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Juni 1918   Die Fischbelieferung ist auch noch immer schlecht, da infolge des holländischen Ausfuhrverbots die Zufuhr von Flußfischen bereits seit mehreren Monaten ins Stocken geraten ist.
   Nun muß auch wieder eine weitere Herabsetzung der Fettration eintreten; von dieser Woche ab werden nicht mehr 62½, sondern nur 50 Gramm wöchentlich verteilt. Allmählich bleibt also von Fett nicht mehr viel übrig. Dazu kommt noch, daß durch die erhebliche Verminderung der Schweine, dieser ausgezeichneten Fettträger, auch noch ein Mangel an Speck bemerkbar wird. Ein Glück ist es, daß Erwägungen bestehen, um eine weitere Verminderung des Milchviehbestandes zu verhindern; denn wenn es mit dem Abschlachten der Milchkühe so wie bisher weiter geht, wird im Winter noch weniger Fett und vor allen Dingen erheblich weniger Milch vorhanden sein. Aus diesem Grunde werden voraussichtlich nach Einbringung der neuen Ernte, wenn die Ernährungsschwierigkeiten auf dme Gebiete der Brot- und Kartoffelversorgung nicht mehr so groß sind, einige fleischfreie Wochen eingeführt werden, um die Milchviehbestände zu schonen. […]

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Donnerstag, 27. Juni 1918

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juni 1918Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose hielt gestern nachmittag seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Geheimrat Professor Krause, der seit Kriegsbeginn im Heeresdienste steht und zurzeit einen kurzen Urlaub in Bonn verlebt, gedachte mit herzlichen Worten des verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden Geheimrats Doutrelepont. […] Auch bei uns habe die Tuberkulose während des Krieges zweifellos zugenommen, ihre Bekämpfung sei durch den Krieg um viele Jahre zurückgeworfen worden. Geheimrat Krause empfahl, die Fürsorge des Vereins ganz besonders auch den wegen Tuberkulose aus dem Heeresdienst entlassenen Krieger und ihren Familien zuzuwenden und in der Tageserholungsstätte in Grau-Rheindorf ein Licht- und Luftbad einzurichten, weil mit der Licht- und Luftbehandlung ganz vorzügliche Heilerfolge zu erzielen seien. Der Schriftführer, Beigeordneter Dr. von Gartzen, bestätigte, daß die Tuberkulosesterblichkeit auch in Bonn zugenommen habe, vorwiegend unter den Kindern sowie den Frauen im Alter von 25 bis 30 Jahren. Die städtische Verwaltung habe in ihrem Pflegehause eine Infektionsabteilung und eine innere Station zur Unterbringung Tuberkulöser eingerichtet und zur Fürsorge für die Hauskranken noch mehrere Rote Kreuz-Schwestern angestellt. Auch aus Mitteln der Kriegswohlfahrtspflege sowie aus städtischen Mitteln würden die Kranken vorzugsweise mit Stärkungsmitteln, vor allem Milch, unterstützt. Die Tageserholungsstätte in Grau-Rheindorf werde am 1. Juli mit 32 Kranken wieder eröffnet, die Kranken würden ohne Anrechnung auf ihre Lebensmittelkarten den ganzen Tag gut und reichlich verpflegt werden. […] Geheimrat Krause regte an, die Fürsorgetätigkeit des Vereins auch auf den Mittelstand, der jetzt in weiten Kreisen große Not leide, auszudehnen. Die Versammlung war damit einverstanden. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juni 1918Ueber die Erzversorgung Deutschlands sprach gestern abend im großen Hörsaale der Universität der Generaldirektor der Dillinger Werke in Lothringen, Herr Otto Weinling. […] Die Erfolge unserer Waffen hätten uns nun die reichen Erzgebiete von französisch Lothringen in die Hand gegeben und da lenkten sich die Blicke weitschauender Industrieller auf die Erzvorkommen von Briey und Longwy. Hier berge die Erde, was der deutschen Eisenindustrie nottue, vorzügliche Erze in unerschöpflicher Menge. Diese müßten Deutschland erschlossen werden und zwar durch Eingliederung von französisch Lothringen im kommenden Frieden an Deutschland. Nur so lasse sich die Weiterentwicklung unserer deutschen Eisen- und Stahlerzeugung für die Zukunft sichern. Da hiervon das Wohl und Wehe des Vaterlandes abhänge, dürfe es in dieser Frage keine Bedenken geben. Auf papierne Verträge sei kein Verlaß; nur der sichere Besitz der Eisenerzgebiete sie unsere Rettung. Redner, der im Auftrage der örtlichen Leitung der Deutschen Vaterlandspartei sprach, belegt seinen interessanten Vortrag durch zahlreiche Lichtbilder mit genauen statistischen Angaben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Höchstpreis. An die Hausfrau, die sich nicht scheut! Es zeugt von Unkenntnis der Verhältnisse, wenn die Hausfrau für die Höchstpreis-Ueberschreitungen die hiesigen Händler verantwortlich machen will. Der Händler ist genötigt, wenn er sein Geschäft und seiner Familie Existenz nicht vernichten will, über Höchstpreis einzukaufen und zu verkaufen. Nicht der hiesige Händler treibt die Preise, sondern die Privat-Aufkäufer. Die Hausfrau gehe doch mal mit offenen Augen über Land, die Herrschaften mit ihren Dienstboten überlaufen die Dörfer, bieten und bezahlen auch dem Erzeuger Phantasiepreise, bringen Zucker, Tabak, Petroleum und sonstige Sachen mit. Auswärtige Händler kaufen auch zu sehr hohen Preisen ein, sodaß der Bonner Händler, wenn er etwas haben will, gezwungen ist, auch höhere Preise zu zahlen. Würde der Bonner dieses nicht tun, so würde nach Bonn überhaupt nichts kommen, sondern alles nach Auswärts abgeführt werden. Die Höchstpreise sind da und durchschnittlich reichlich hoch; das Obst aber fehlt. Die Obsternte ist durchweg schlecht, besonders aber in Kirschen, und ist dafür der Erzeugerpreis, wie man selbst von Nichtzüchtern, aber Fachleuten hört, zu niedrig und deckt kaum die Kosten des Pflückens. Es war früher, vor dem Kriege, üblich, daß die Preise durch Angebot und Nachfrage reguliert wurden. Wären keine Höchstpreise, so käme mehr Ware zu billigerem Preis, da dann die Konkurrenz eintritt und jeder Händler billig einkaufen will, um wieder billig zu verkaufen. Zum Schluß will ich noch bemerken, daß, wenn der Händler seine Waren vom Erzeuger zum Höchstpreise erhält, er auch zum Höchstpreise verkaufen kann und sich gut dabei steht. Haben doch die hiesigen Händler vor einiger Zeit selbst den Antrag gestellt, die Stadt möge alles erfassen und an die Kleinhändler zum Großhandelspreise zum weiteren Verkauf an die Verbraucher abgeben.
   Also liebe Hausfrau, nicht den Händlern, sondern den Erzeugern am Kittel kommen. Mehrere Händler.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

  

Sammler-Versicherung. Fast an allen Schulen wird jetzt Laubheu für das Heer gesammelt. Als die Schulkinder aus einem benachbarten Orte auch zu diesem Zwecke in den Kottenforst gezogen waren, hatten zwei Knapben, ehe es der die Aufsicht führende Lehrer hindern konnte, in fröhlichem Uebermute schnell einen Baum erklettert; aber bald fielen beide herunter, und einer brach bei dem Falle das Schlüsselbein. In Godesberg erhielt der Verletzte einen Notverband, und dann fand er gleich Aufnahme in einem Bonner Krankenhause, weil er als versichert galt. Es ist also gewiß gut, daß die Königl. Regierung für solche Fälle die Einrichtung getroffen hat, daß bei allen Kriegs-Sammlungen Kinder und aufsichtsführende Beamte gegen Unfall versichert sind.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 28. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1918Der „Bunte Morgen“, der auf Veranlassung des Sammel-Ausschusses für die Ludendorff-Spende vom Neuen Operettentheater am Sonntag, 11½ Uhr, vormittags, veranstaltet wird, scheint mit seinem ausgezeichneten Programm eine außergewöhnliche Anziehungskraft zu haben. Die Nachfrage nach Karten ist so groß, daß mit einem vollen Haus zu rechnen ist. Der Kartenverkauf an der Theaterkasse des Neuen Operetten-Theaters beginnt heute morgen.

Zur Abgabe von Männeranzügen. Der Versuch, die von der Stadt Bonn aufzubringende Zahl von Männeranzügen im Wege freiwilliger Abgabe zu beschaffen, hat nicht das gewünschte Ergebnis gehabt. Kaum die Hälfte dieser Zahl ist bisher abgeliefert worden. Weite Kreise unserer Bürgerschaft, die zur Abgabe wohl imstande gewesen wären, haben sich nicht beteiligt. Um die noch fehlenden Anzüge zu beschaffen, sieht sich die Stadtverwaltung genötigt, nunmehr zu andern Maßnahmen überzugehen. Es werden in den nächsten Tagen besondere Aufforderungen ergehen, entweder einen Männeranzug abzugeben oder ein Bestandsverzeichnis des vorhandenen Kleidervorrats an das städtische Bekleidungsamt einzusenden. Schon jetzt wird den dazu Aufgeforderten dringend geraten, den Bestand des Kleidervorrats vollständig und richtig anzugeben. Zuwiderhandlungen sind mit schwerer Strafe bedroht. Auch ist die Stadtverwaltung berechtigt, die Richtigkeit der gemachten Angaben durch Beamte nachprüfen zu lassen. Diese nun einsetzenden Maßnahmen werden für die davon Betroffenen Unzuträglichkeiten mannigfacher Art im Gefolge haben. Wer sich jetzt dem noch entziehen will, bringe schleunigst einen Anzug zur Sammelstelle Martinstraße Nr. 18, geöffnet von 9 bis 12 und von 3 bis 6 Uhr. Wer einen Anzug abgegeben hat, wird von diesen Maßregeln nicht betroffen.

Die Wohnungsnot. Um dem in Bonn in gleicher Weise wie in anderen Städten nach dem Kriege zu erwartenden großen Mangel an Kleinwohnungen möglich begegnen zu können, beabsichtigt die Stadt Bonn, u. a. eine Siedlungsgesellschaft m. b. H. ins Leben zu rufen, deren Zweck die Schaffung gesunder und billiger Wohnungen für minderbemittelte, insbesondere kinderreiche Familien sein soll. Eine vorbereitende Besprechung findet nächsten Montag im Rathause statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Mädchen in der Etappe. Der Gedanke Ludendorffs, alle k. v. Leute in der Etappe durch Mädchen zu ersetzen, führt zu der Aufforderung, daß sich möglichst viele junge Mädchen von 20 Jahren ab mit guter Schulbildung gegen gute Gehälter für den Bureaudienst in der Etappe melden möchten. Man wende sich an die Frauenmeldestelle, Bonn, Friedrichstraße 1.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Bund der Kriegsbeschädigten und ehem. Kriegsteilnehmer Ortsgruppe Bonn. Die öffentliche Versammlung faßte einstimmig nachstehende Resolution: 1) In die örtliche Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte sind auch besonders zur Berufsberatung Kriegsbeschädigte zu wählen, weil die Beschädigten zu allen Einrichtungen, in denen ihre Leidensgenossen sitzen, ein weit größeres Vertrauen haben. An allen Orten, wo bereits Kriegsbeschädigte in Fürsorgestellen sitzen, hat sich ihre Mitarbeit bewährt. 2) Die Kriegsbeschädigten unserer Ortsgruppe Bonn haben mit aller Energie für die Ludendorffspende agitiert und dadurch zu dem großen Erfolg mit beigetragen. Wir bitten nun aber auch, einige Vertreter der Kriegsbeschädigten in den Ortsausschuß der Ludendorffspende zu wählen, damit auch hier die Interessen der Kriegsbeschädigten befriedigend vertreten werden.

Festgenommen wurden zwei Männer im Alter von 30 und 32 Jahren, die vorgestern abend auf dem Markte und in der Wenzelgasse eine wüste Schlägerei mit Soldaten hervorgerufen und dadurch einen großen Auflauf verursacht hatte, so daß eine Militärpatrouille einschreiten mußte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 29. Juni 1918

Wegen des Feiertages Peter und Paul erscheint der General-Anzeiger an diesem Tag nicht.

     

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. Juni 1918Eine eigenartige Krankheit. Wie wir von sachverständiger Seite erfahren, ist in letzter Zeit in Bonn ein gehäuftes Auftreten einer eigenartigen, grippeartigen Erkrankung zu beobachten gewesen. Die Krankheit beginnt meist plötzlich mit Fieber, schwerem Krankheitsgefühl, stärkeren Kopfschmerzen und katarrhalischen Erscheinungen. Ernste Krankheitserscheinungen oder gar Todesfälle sind bisher nicht gesehen worden; die Krankheit scheint vielmehr trotz des manchmal schwer gestörten Allgemeinbefindens einen ziemlich harmlosen Charakter zu haben, wenn sie auch eine bis zwei Wochen andauern kann. Anscheinend sind auch andererorts in Deutschland ähnliche gehäufte Krankheitsfälle beobachtet worden. Ob es sich um dieselbe Erkrankung handelt, die vor kurzem in Spanien massenhaft aufgetreten ist, kann man noch nicht sagen. Influenzabazillen sind bisher nicht nachgewiesen worden.

Für einen verstärkten Feldschutz gegen Diebstahl sind wieder Militärstreifwachen kommandiert worden. Das Betreten bestellter oder noch nicht abgeernteter Felder in der Zeit von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens ist verboten. Wir verweisen auf die Bekanntmachung des Oberbürgermeisters im Anzeigenteil dieser Zeitung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Kirschenpreise. 16 Angeklagte aus Friesdorf, die durch den Rechtsanwalt Dr. Meyer verteidigt wurden, hatten sich am Donnerstag wegen Ueberschreitung von Höchstpreisen bezw. übermäßiger Preissteigerung vor dem Schöffengericht zu verantworten, weil sie im Juni vor. Jahres für das Pfund sogen. Herzkirschen 80 Pfg. bis 1 Mark genommen hatten. Gegen die Angeklagten waren durch amtsrichterlichen Strafbefehl neben 150 Mark Geldstrafe mehrwöchige Gefängnisstrafen festgesetzt worden. Zu der Sache waren schon in verschiedenen früheren Terminen mehrere zum Teil sich widersprechende Sachverständige zu Wort gekommen. Die jetzige Verhandlung ergab, daß die harten Herzkirschen schon in Friedenszeiten in Bonn ausnehmend hoch im Preise standen und daß auch der Preis von 1 Mark im Juni vorigen Jahres nicht eine derartige Ueberschreitung eines gerechten Kriegspreises darstelle, wie das Gericht beim Erlaß der Strafbefehle angenommen hatte. Die Strafen wurden deshalb erheblich gemildert. Die Freiheitsstrafen kamen ganz in Wegfall, die Geldstrafen wurden auf 30 Mark bemessen. In mehreren Fällen erfolgte Freisprechung, nachdem durch Zeugenvernehmung festgestellt war, daß wegen derselben Tat bereits eine Verurteilung stattgefunden hatte. Vorstehende Entscheidung hat natürlich nichts mit der Frage zu tun, zu welchem Preise in diesem Sommer die Kirschen verkauft werden dürfen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. Juni 1918Unsere Stadtverordneten haben sich gestern in halbstündiger Sitzung neben einigen Nebensächlichkeiten mit der Bonner Marktfrage, die schon seit einiger Zeit in der Tagespresse eifrig erörtert wird, beschäftigt. […]
   Stadtverordneter Schmitz bringt die Klagen der Bevölkerung über die hiesigen Marktverhältnisse zur Sprache. Die Erzeugnisse, die von der Landbevölkerung nach Bonn gebracht würde, würde zum großen Teil von Händlern ausgekauft und ausgeführt. Beigeordneter Baurat Piehl gab zu, daß die hiesigen Marktverhältnisse nicht den Interessen der Bevölkerung entsprechen. Der Verwaltung aber fehlten die Mittel, den Auswüchsen wirksam entgegentreten zu können. Der Markt ist dank unserer Zwangsbewirtschaftung mit Wirsing, Butterkohl, Rübstiel reichlich versehen. Es fehlt aber an Erbsen und Bohnen. Der um diese Zeit stets große Mangel an diesen Gemüsesorten wird noch dadurch gesteigert, daß jetzt viel mal mehr eingemacht und eingeweckt wird. Die Gemüse werden unmittelbar vom Erzeuger zu ungeheuren Preisen bezogen. Dagegen ist die Verwaltung machtlos. Die neue Verordnung gegen Preistreibereien, die den Verbraucher, der die Höchstpreise überschreitet, straffrei läßt, hat eine unbeschreibliche Mißwirtschaft herbeigeführt. Auf dem Markt werden keine Gemüse für Kunden und Großverkäufer zurückgehalten (wie auch uns vielfach unter Ausrufen berechtigter Empörung mitgeteilt worden ist. Schriftl.); die Verwaltung hat in solchen Fällen das Gemüse noch immer für den städtischen Verkauf angekauft und von hier an die Bevölkerung abgegeben. Das Aufkaufen der Waren durch Händler kann nicht untersagt werden, wenn die Waren in Bonn abgesetzt werden; zur Ausfuhr wird keine Erlaubnisschein erteilt. Erbsen und Bohnen werden nur bei Nacht und Nebel auf Schleichwegen ausgeführt, was nicht verhindert werden kann.
   Die von der Preisprüfungsstelle angestellten zwölf Hausfrauen haben bisher noch kein einziges mal über Mißstände auf dem Markt berichtet. Wenn die Polizei nicht eingreift, geschieht nichts, die Tätigkeit Privater hat bisher nichts erreicht. Die vielfach aufgestellten Behauptungen sind meist wertlos, weil genaue Angaben fehlen. Unser „Lebensmitteldiktator“ schloß seine Ausführungen mit der erfreulichen Versicherung, der Mangel an hochwertigen Gemüsen werden in den nächsten Wochen behoben sein. Es seien sehr viele Bohnen angebaut worden, auch von der Stadt, und es sei zu hoffen, daß jede Hausverwaltung in bescheidenem Maße ihren Bedarf für den Winter eindecken werde. Stadtverordneter Kalt konnte diese Ausführungen nur bestätigen. Es werden mehr Erbsen und Bohnen verlangt, als auf den Markt gebracht werden konnten. Er regte an, die Händler fern zu halten, damit die Bevölkerung sich vorher versorge. (Was wohl nur ein Schlag ins Wasser sein würde. Schriftl.) von den zwölf Damen hat er auch noch nichts gehört. (Jetzt dürfte es aber Zeit sein, daß sich diese Damen auch zu Wort meldeten! Schriftl.) Die Verwaltung sorge stets so viel wie möglich für große Zufuhren, mehr sei unmöglich. Mit diesen Ausführungen und Feststellungen schloß die Sitzung, die in der Bürgerschaft wahrscheinlich wenig befriedigt haben wird.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Sonntag, 30. Juni 1918

Am Tag nach Peter und Paul erscheint die Deutsche Reichs-Zeitung nicht.

   

Oberbürgermeister Spiritus und Beigeordneter Piehl sind gestern zur Nachprüfung des Geschäftsganges der von den Bonner Vaterländischen Vereinigungen eingerichteten Verband- und Krankenerfrischungsstelle „Prinzessin Viktoria“ nach Lille abgereist.

Zur Abgabe von Männer-Anzügen. Noch immer besteht vielfach die irrige Meinung, der Aufruf zur Abgabe von Männerkleidung richte sich nicht an solche Personen, die im Heeresdienste stehen. Es wird daher an die Bekanntmachung der Stadtverwaltung erinnert, daß auch Militärpersonen von der Abgabe nicht ausgeschlossen sind. Sie sind, soweit sie entbehrliche Kleidung besitzen, in gleicher Weise zur Abgabe heranzuziehen wie Zivilpersonen. Von ihnen wird, sofern sie unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Verhältnisse als abgabefähig anzusehen sind, ebenfalls die Vorlage eines Bestandsverzeichnisses verlangt werden, wenn sie dem Aufruf keine Folge leisten. Auch sie werden daher dringend ersucht, einen Anzug abzugeben, wenn sie den kommenden schärferen Maßnahmen entgehen wollen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1918Die Pflicht der Metallablieferung. […]
   Die Bekanntmachung vom 26. März d. Js. beschränkt sich keineswegs, wie vielfach angenommen wird, nur auf Gegenstände in privatem Besitz. Genau mit demselben Maßstabe und genau zur gleichen Zeit werden auch die in öffentlicher Hand befindlichen Metallgegenstände, z. B. an und in öffentlichen Gebäuden und Kirchen, sowie auch die Briefkastenschilder usw. herangezogen.
   Wie hier in Bonn zutage tritt, ist bisher der Ernst, der mit der Einziehung und Ablieferung von Metallen für die Vaterlandsverteidigung verknüpft ist, nicht in dem gewünschten Maße erkannt worden. Ein Spaziergang durch die Straßen gibt hiervon Zeugnis. Ueberall sind noch die Briefkastenschilder, Briefeinwürfe, Stoßbleche an Türen, Schutzblechen u. dergl. vorhanden. Es macht dies den Eindruck, als ob sich deren Besitzer um die Ablieferung nicht zu kümmern habe.
   Man muß voraussetzen, daß nicht genügend bekannt ist, daß der, der die Gegenstände in der aufgegebenen Frist nicht abliefert, bestraft werden kann, und zwar mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 10.000 Mark, sonst würde man gewiß, um einer Bestrafung aus dem Wege zu gehen, schnellste Ablieferung bei der Sammelstelle besorgen. […]

Eine grippeartige Erkrankung tritt in letzter Zeit hier in Bonn auf. Namentlich wird die Erkrankung bei Kindern beobachtet. Sie beginnt meist mit Fieber, Kopfschmerzen und katarrhalischen Erscheinungen. Trotz des manchmal schwer gestörten Allgemeinbefindens scheint die Krankheit einen ziemlich harmlosen Charakter zu haben, denn ernste Krankheits-Erscheinungen oder gar Todesfälle sind bisher nicht vorgekommen.

Der Bonner Wochemarkt hatte am Freitag wieder hauptsächlich Gemüse wie Wirsing, Mangold, Schneidgemüse, Knollengemüse usw. sowie hiesiger und fremder Kopfsalat zu verzeichnen, ebenfalls Kleinzeug in großen Mengen. […] Obst, wie Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Erdbeeren und Kirschen, sowie grüne Erbsen und dicke Bohnen waren im öffentlichen Verkauf auf dem ganzen Markt wieder nicht zu finden. […] Der Großmarkt auf dem Stiftsplatz hat in letzter Zeit außer etwas Gemüse und Kopfsalat fast keine Zufuhren mehr. Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt hatte wieder großen Zuspruch. Seit einigen Tagen ist die Auswahl in Waren hier wieder sehr reichlich. Aber leider kommt auch hier Frühobst nur ganz verschwindend wenig zum Verkauf. […]

Schwere Strafen bei Felddiebstahl. Wer Garten- oder Feldfrüchte oder andere Bodenerzeugnisse oder Saatgut aus Gärten oder Feldern entwendet oder zu entwenden versucht, wird nach einer Verordnung des Gouverneurs der Festung Köln mit Gefängnis bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. Militärflurschutzpatrouillen werden die Polizeibeamten am Tage und des Nachts bei Ausübung des Feldschutzes unterstützen; den Feldhütern werden bei ihren nächtlichen Dienstgängen Polizeihunde beigegeben. […]

Nutzlose Hamsterfahrten. Der Vorsitzende des Kreisausschusses des Kreises Köln-Land erläßt folgende Bekanntmachung: Wie im vergangenen, so ist auch in diesem Jahre jegliche Ausfuhr von Frühkartoffeln aus dem Landkreis Köln und dem Landkreise Bonn sowie jeder Verkauf und Kauf derselben unter Strafe verboten. Die Gendarmen und Polizeibeamten haben Anweisung, die Durchführung dieser Anordnung streng zu überwachen, etwaige Uebertretungen unnachsichtig zur Anzeige zu bringen und die verbotswidrig erworbenen Kartoffeln zu beschlagnahmen. Auch werden in den Zügen der Köln-Bonner Kreisbahnen regelmäßig scharfe Revisionen vorgenommen. Die Beteiligten werden daher in ihrem eigenen Interesse vor nutzlosen Hamsterfahrten in den Landkreis Köln dringend gewarnt; sie würden sich nicht nur strafbar machen, sondern auch noch durch erfolglosen Zeit- und Geldaufwand Nachteil erleiden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

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