Samstag, 26. Januar 1918
Lebensmittelschwindel. Ein Monteur aus Bonn war als militärischer Kraftwagenführer an mehreren Fronten, vor allem auf den türkischen Kriegsschauplätzen tätig gewesen, hatte sich auch den Eisernen Halbmond erworben und war infolge einer Unfallverletzung entlassen worden. Nach seiner Entlassung aus dem Heeresdienst ließ er sich in Bonn als Lebensmittelgroßhändler nieder. Ein möbliertes Zimmer in einem Hause der Ermekeilstraße war sein Geschäftsraum. Zahlreichen Leuten in Bonn und Umgebung erzählte er, er könne ihnen bedeutende Mengen an Butter, Speck und anderer begehrenswerter Waren verschaffen, brauche dazu aber einen Geldvorschuß, den er in vielen Fällen auch erhielt. Ein Herr in Godesberg vertraute ihm sogar einen Vorschuß von 5300 Mark für eine Haferflockenlieferung an. Mit der Einnahme des Vorschusses hörte die Tätigkeit dieses Händlers natürlich auf. Die Strafkammer, vor der er sich gestern zu verantworten hatte, verurteilte den Betrüger zu zwei Jahren Gefängnis.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine Antwort an die studentische Vertreterversammlung. Aus studentischen Kreisen wird uns geschrieben: Durch die von dem Vorsitzenden der Vertreterversammlung abgegebene Erklärung muß der Eindruck erweckt werden als ob es sich um eine Meinungsäußerung der Bonner Studenten schlechthin handele. In der Tat handelt es sich aber nur [um] Vertreter von Korporationen. Wir verwahren uns dagegen, daß öffentlich über unsre Ueberzeugung verfügt wird, ja, daß der Anschein erweckt wird, als stelle sich die Bonner Studentenschaft als solche auf den Boden der Vaterlandspartei. Wir mißbilligen es auch, daß die anderer Ueberzeugung und der Herausforderung durch das Gebaren der deutschen Vaterlandspartei entsprungene Kundgebung der Heidelberger Kommilitonen als „Umtriebe“ bezeichnet wird.
Wir halten es für unsere Pflicht, gegen die politischen Ziele der Vaterlandspartei aufzutreten, da diese durch den erstrebten Machtfrieden Deutschland nicht nur die dauernden, ungeheuren Kosten eines wahnsinnigen Wettrüstens auferlegen, sondern auch durch Verhinderung einer auf dem Boden des Rechts und der Sittlichkeit begründeten Verständigung der Völker den Krieg zu einer dauernd drohenden Geißel machen wird. Wir betonen, daß wir uns mit demselben Recht auf die gebrachten Blutopfer berufen können, und daß wir uns gegen die Bezeichnung „unpatriotisch“ entschieden verwahren müssen, zumal unsere Auffassung nicht nur von der Reichstagsmehrheit, sondern laut Antwort auf die Papstnote auch von der deutschen Regierung geteilt wird.
Zum Mehrverbrauch an Gas. Gar mancher, der in diesen Tagen seine Gasrechnung erhält, wird sich wundern, daß er trotz aller Sparsamkeit den Vermerk auf dem Quittungsformular findet, zu viel Gas verbraucht zu haben, und daß für jedes zu viel verbrauchte Kubikmeter Gas 50 Pfg. Strafe zu zahlen ist. Dieser Mehrverbrauch findet seine Erklärung darin, daß die diesmalige Rechnung über annähernd fünf Wochen Gasverbrauch ausgestellt ist, während sonst durchschnittlich alle drei, höchstens vier Wochen der Gasverbrauch aufgenommen wird. Es ist also nicht gesagt, daß der jetzt angegebene Mehrverbrauch auch wirklich bezahlt werden muß, das stellt sich erst bei der Gesamtrechnung über ein ganzes Jahr im März dieses Jahres heraus.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
[…] Brotversorgung.
Die Vorentnahme von Brot an den Samstagen und Sonntagen für die kommende Woche hat zu Schwierigkeiten in der Brotversorgung geführt, die eine Aufrechterhaltung dieses auch in anderen Städten nicht üblichen Vorzuges nicht mehr gestatten.
Es wird daher in nächster Zeit angeordnet werden, daß die Vorentnahme des Brotes an den Samstagen und Sonntagen für die kommende Woche nicht mehr stattfinden darf. Brot für die neue Woche darf alsdann nur noch von Montag ab entnommen werden.
Bäckereien, die nach dem Erlaß des Verbotes noch an den Samstagen und Sonntagen Brot für die kommende Woche abgeben, haben unnachsichtlich Geschäftsschließung zu erwarten.
Die Hausfrauen werden gebeten, durch sparsamste Einteilung des Brotes unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß die Brotmenge jeder Woche bis einschließlich Sonntag reicht. Auch verlangt eine geregelte Versorgung, daß die Wochenbrotmenge einer Familie nicht auf einmal genommen wird. […]
Seifenpulver.
Nach einer neuen Bestimmung dürfen fortan an eine Person in einem Monat statt 250 Gramm nur noch 125 Gramm Seifenpulver abgegeben werden. Die jetzt noch im Verkehr befindlichen auf 250 Gramm lautenden Seifenkarten für Seifenpulver bleiben bis zur Neuausgabe von Seifenkarten bestehen, jedoch darf auf diese nur die Hälfte von 250 Gramm = 125 Gramm Seifenpulver verabfolgt werden. Bleibt der Bezug einer Person in einem Monat unter dieser zugelassenen Höchstmenge, so wächst der Minderbetrag der Höchstmenge des nächsten Monats nicht zu, dagegen ist der Vorausbezug der Menge für 2 Monate gestattet. Feinseife und Seifenpulver darf nur gegen Ablieferung der für den laufenden oder nächstfolgenden Monat gültigen Seifenkarten abgegeben werden. Die Seifenkarte gilt unabhängig vom Orte der Ausgabe in allen Orten des Reiches.
Bekleidungsamt.
Das Tischtuchverbot für Gastwirtschaften wird noch nicht überall gewissenhaft durchgeführt. Es wird daher eine strenge fortlaufende Prüfung angeordnet. Die Wäschebestände der Betriebe, die das Verbot nicht beachtet haben, werden sofort enteignet. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.“)
Kaisergeburtstagsfeiern. Die hiesigen höheren Schulen hielten gestern bereits ihre üblichen Kaisergeburtstagfeiern. Heute haben sie einen schulfreien Tag.
In der Feier der städtischen Realschule, die in der Aula des städtischen Gymnasiums stattfand, bot der von Herrn Rech geleitete Schulchor eine Reihe vorzüglicher Leistungen dar. Wie die Chorlieder, waren auch die Gedichtvorträge dem vaterländischen Fest und zugleich dem Ernst der Zeit angepaßt. […] Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Krieg, der darin kurz die Eigenschaften schilderte, die den Kaiser jedem Deutschen lieb und wert machen müssen. Er schloß mit dem Ausdruck des Vertrauens, daß der Kaiser, seine großen Heerführer und seine Ratgeber, den rechten Frieden zur rechten Zeit schließen werden. Direktor Professor Dr. Korten überreichte 15 Schülern der Anstalt, die im vorigen Herbst bei der Obsternte in der Etappe bis zum Schluß wacker mitgeholfen haben, oder sich als Jungmannen in der Heimat, und drei weiteren Schülern als Anerkennung für gute Leistungen und musterhafte Führung ein Buch als Geschenk des deutschen Kronprinzen.
Am städtischen Gymnasium und Realgymnasium fand die Feier des Geburtstages des Kaisers am Freitag nchmittag 5 Uhr in der Aula statt. […] Unter den Gedichten, die Stimmung und Gesinnung des Deutschen im Ringen um seine Zukunft wiedergaben, beanspruchten diejenigen der flämischen Dichter E. Hiel und G. Geselle besonderes Interesse. […] Ein begeistertes Kaiserhoch bildete den Schluß der Feier.
In der Feier des städtischen Lyzeums und der damit verbundenen Studienanstalt trug der von Herrn Zoumer geleitete Schülerinnenchor eine Anzahl auch schwieriger Lieder sehr fein und vollendet vor. Die von mehreren Schülerinnen aufgesagten Gedichte waren durchweg dem weltgeschichtlichen Erleben der Gegenwart entnommen und verfehlten ihren Eindruck nicht. Die Festrede hielt Oberlehrerin Frl. Dr. Rüggeberg. Sie schilderte, zum Teil aus eigener Erfahrung, das falsche Urteil, das sich im Auslande, zumal in Frankreich und England, über uns Deutsche herausgebildet hat. Namentlich in Frankreich, zeitigte seit 1871 das Gift des Hasses und der Verleumdung um so schlimmere Blüten, je mehr der Deutsche in der Welt zu Ansehen und Einfluß gelangte. Die Ausführungen schlossen mit einem Kaiserhoch.
Am morgigen Geburtstage des Kaisers die Häuser reich zu beflaggen und dadurch in dieser ernsten Zeit der Treue und Anhänglichkeit zum Kaiser besonderen Ausdruck zu geben, bittet Oberbürgermeister Spiritus die Mitbürger.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Sonntag, 27. Januar 1918
Kaisersgeburtstag. Zum heutigen Geburtstag des Kaisers hatten gestern bereits zahlreiche Gebäude Fahnenschmuck angelegt. Hoffentlich wird die Bürgerschaft, der Bitte des Oberbürgermeisters entsprechend, am heutigen Festtage selbst allgemein ihre Häuser beflaggen. Von den Volksschulen wurde Kaisersgeburtstag gestern mit kurzen Klassenfeiern und im übrigen durch Unterrichtsfreiheit begangen. Auch die Synagoge hielt gestern bereits ihren Kaisersgeburtstags-Festgottesdienst ab. Heute vormittag finden in den Kirchen aller Bekenntnisse Festgottesdienste statt. Um die Mittagsstunde läuten die Glocken. Die Universität hält um 1½ Uhr in der Aula ihre übliche akademische Feier. Für den Abend hat der Kreiskriegerverband seine Vereine und die gesamte Bürgerschaft zu einer größeren Feier in den Bonner Bürgerverein eingeladen. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Noch weniger Zigarren. Wie wir erfahren, wird am 1. Februar die Herstellung von Zigarren um ein weiteres Drittel und die von Rauchtabak um ein Fünftel der bisherigen Erzeugung herabgesetzt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Keine Verlängerung der Polizeistunde. Es wird uns mitgeteilt, daß am heutigen Kaisersgeburtstage eine Verlängerung der Polizeistunde nicht stattfindet. Die Wirtschaften müssen daher um 11 Uhr geschlossen sein.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Montag, 28. Januar 1918
Kaisergeburtstag. Kaisergeburtstag, der vierte im Weltkriege, wurde gestern schlicht und würdig, ohne prunkhafte Festveranstaltungen gefeiert. Die ganze Stadt trug reichen Fahnenschmuck. Die Garnison und die Bürgerschaft nahmen zahlreich an den Festgottesdiensten in den Kirchen aller Bekenntnisse teil, zu denen auch der Kreis-Kriegerverband Abordnungen mit Fahnen entsandt hatten. Die Offiziere der Garnison versammelten sich dann auf der Hofgartenwiese zur Paroleausgabe, wobei die Musikkapellen der beiden Bonner Ersatzbataillone spielten. Um 12 Uhr mittags ertönte von den Kirchtürmen feierliches Glockengeläut. Von 12 bis 1 Uhr konzertierte in der Poppelsdorfer Allee eine Militärkapelle.
Die Universität versammelte um 11½ Uhr ihre Mitglieder, eine größere Anzahl Ehrengäste, Abordnungen der Studentenschaft und viele Gäste zu einer akademischen Feier in der festlich geschmückten Aula. Der Rektor, Geheimrat Marx, trug bei dieser Gelegenheit zum erstenmal das aus Eisen gefertigte Bildnis Friedrich Wilhelms III, an der Ehrenkette, das das Goldbildnis des Stifters der Universität an die Goldsammlung der Reichsbank verpfändet worden ist. […] Zum Schluß bemerkte er: Auch in diesem Kriegsjahre habe die Universität an der alten akademischen Form der Kaisergeburtstagsfeier festgehalten. Sie fühle sich sicherer denn je im Schutze des deutschen Heeres und seiner Führer und blicke fest und zuversichtlich der Zukunft entgegen, und von froher Zuversicht seien die Wünsche getragen, mit denen sie den Kaiser in sein neues Lebensjahr begleite. – Als das Kaiserhoch und die erste Strophe der Nationalhymne verklungen waren, verließen die Professoren wieder im feierlichen Zuge unter den Klängen des Preußenmarsches die Aula.
Im Anschluß an die Kaisergeburtstagsfeier in der Aula besuchten der Rektor und eine Anzahl anderer Professoren den studentischen Speisesaal. Geheimrat Marx erwähnte in seiner Ansprache, wenn es nach dem Willen unserer Feinde gegangen wäre, dann wehe jetzt die Trikolore über dem Universitätsgebäude, und der Rektor empfange seine Weisungen von einem französischen Unterpräfekten. Daß diese Gefahr glücklich abgewehrt sei, dazu hätten auch zahlreiche Studenten der Universität Bonn mitgeholfen, und darüber freue er sich besonders. Der Rektor leitete dann zu einem Kaiserhoch über, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. […]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Starker Straßenbahnverkehr war gestern auf den Kreisbahnen zu beobachten. Namentlich wurde die Bonn-Königswinterer Bahn in außerordentlichem Maße von Ausflüglern in Anspruch genommen, die den hellsonnigen Tag im Gebirge auskosten wollten. Das Fahrpersonal war infolgedessen besonders angestrengt, denn die Wagen vermochten die Fülle der Fahrlustigen, die sich an den Stationen herandrängten, kaum zu fassen. Auf den Plattformen und in den Abteilen herrschte in den ersten Nachmittagsstunden wie gegen Abend bei den Rückfahrten trotz eingelegter Sonderzüge ein ungemütliches Gedränge, das gar manchem Fahrgast die Freuden seiner Wanderung unlieb beeinträchtigte. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Mehlem, 26. Jan. Auf dem hiesigen Bahnhof geriet gestern nachmittag eine Schaffnerin beim Rangieren unter die Räder eines Eisenbahnwagens wobei ihr beide Beine und eine Hand abgefahren wurden. Die Aermste wurde sofort in das Markusstift nach Godesberg verbracht, wo sie schon nach wenigen Stunden ihren schweren Verletzungen erlegen ist.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Städtische Fortbildungsschulen. Am 31. März werden aus den Fortbildungsschulen alle Schüler und Schülerinnen entlassen: 1. die bis zum 31. März 1918 das 17. Lebensjahr vollendet haben, 2. die bis zum 31. März 1918 die Fortbildungsschule drei volle Jahre regelmäßig und mit Erfolg besucht haben. Durch Beschluß des Schulvorstandes der Fortbildungsschulen können auf Antrag Schüler und Schülerinnen, bei denen diese Voraussetzungen fast gegeben sind, vorzeitig entlassen werden. Anträge auf vorzeitige Entlassung sind im Büro der Fortbildungsschulen, Bornheimerstraße 9, Zimmer 8, 1. Obergeschoß bis zum 9. Februar 1918 mündlich von den Eltern oder dem Vormund der betreffenden Schüler oder Schülerinnen vormittags zwischen 7 – 12 Uhr und nachmittags zwischen 3 – 6 Uhr zu stellen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Dienstag, 29. Januar 1918
Pfadfinderkorps Bonn. Am Sonntag beging auch das Pfadfinderkorps Bonn den Geburtstag des Kaisers. Einleitend fanden im Kottenforst bei herrlichem Wetter unter reger Teilnahme zwei größere, gut verlaufende Geländespiele statt. Es folgte im Waldheim eine kurze, aber eindrucksvolle Feier. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden beim lodernden Schein eines großen Feuers dem Tage und der Zeit entsprechende Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen. Nach einer zündenden Ansprache, in deren Hoch alle Anwesenden begeistert einstimmten folgten bei hellem Schein des Flammenzeichens noch einige patriotische Lieder.
2000 Paar Schuhe (Segeltuch-Schnürstiefel mit Lederbesatz und Holzsohle) hat das städtische Bekleidungsamt den hiesigen Schuhgeschäften zum Verkauf überwiesen. Schuhausbesserungen können der Werkstelle des städtischen Bekleidungsamtes übertragen werden.
Die neuen Backvorschriften, wonach Schwarzbrot und Feinbrot 10 v. H. Kartoffelzubereitungen enthalten muß, ferner das Verbot, Brot und Mehl vor Beginn der entsprechenden Versorgungswoche (also vor Montag) zu verkaufen, werden im Anzeigenteil dieser Zeitung bekannt gemacht.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Bonner Bürgerverein. Zu einer glänzenden vaterländischen Kundgebung gestaltete sich die Kaisersgeburtstagsfeier des Bonner Bürgervereins. Ein Prolog, den Herr Direktor Bourdin in vorzüglicher und stimmungsvoller Weise vortrug, leitete die Feier ein. In der Festrede bat der Vorsitzende, Justizrat Schumacher II, dem Kaiser als Geburtstagsgeschenk das Gelöbnis der Treue und opferwilligen Durchhaltens darzubringen, indem er darauf verwies, daß infolge der Tapferkeit unserer Heere uns die Schrecken des Krieges im eigenen Lande erspart worden seien. Zum Schluß zeigte Redner den Kaiser als Friedenskaiser, dem auch der Sieg zuteil werde.
Einst sprach zu Friedenszeiten in der Kaiserstadt Aachen Kaiser Wilhelm das Wort: Ich stelle mich, mein Haus und mein Volk unter das Kreuz, so seinen Glauben offen bekennend und Volk und Reich dem Schutz des Allerhöchsten anbefehlend! Dieses Zeichen ist fürwahr in diesem Kriege ein Wahrzeichen geworden! Des braven Kriegers Brust schmückt das Eiserne Kreuz als Lohn für Tapferkeit und Pflichterfüllung. Unter des Roten Kreuzes warmherzigen Strahlen lindert christliche Liebe der Krieger Schmerzen und Not. Und überall, zumal in Feindeslande, kündet des Kreuzes Zeichen die Stätte, wo tapfere Helden ausruhen von Mühen und Leiden. „In diesem Zeichen, dem im Frieden Du vertraust, wirst, Kaiser Wilhelm, dDu auch siegen!“ –
Vorzügliche Darbietungen des bekannten B.-Quartetts unter Leitung des Herrn Chordirektors J. J. Veith und des Herrn Bollig und ein Vortrag des Herrn Bohnen wechselten mit gemeinschaftlichen Liedern ab. Eine Sammlung zugunsten der Arndt-Eiche in Eisen ergab den Betrag von 200 M.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Kriegsküche. Wann wird endlich die Kriegsküche an der Reuterstraße eröffnet? Mehrere Familien warten mit Sehnsucht darauf, denen die Poppelsdorfer Kriegsküche zu weit entfernt ist. Eine Hausfrau, die gerne sparen möchte.
Rübenkraut statt Südfruchtmarmelade. Sehr geehrte Redaktion! Eine Hausfrau, welche im allgemeinen sehr zufrieden und durchaus fürs „Durchhalten“ ist, bittet freundlich um Aufnahme dieser Zeilen in Ihrer Zeitung. Es handelt sich um den einzigen Brotaufstrich in dieser entbehrungsreichen Zeit. Warum stellt man nicht einfaches reines Rübenkraut her? Auch die allerzufriedensten Menschen werden die allgemeine Klage über die Marmelade berechtigt finden. Da Rübenkraut in der Herstellung so billig ist, müßte dies doch zu erreichen sein. Da Südfruchtmarmelade von unseren Kindern überhaupt nicht gegessen wird, was ja begreiflich ist, stehen die Mütter ratlos da. Ich hoffe sehr, daß diese Zeilen dazu beitragen, gerade für die ärmere Bevölkerung hier Wandel zu schaffen. Eine Hausfrau im Namen vieler.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Durchlaßkarten für hoffende Frauen werden vom 1. Februar 1918 ab in der Kartenausgabestelle des städt. Lebensmittelamtes ausgegeben. Frauen, die im Besitz der Durchlaßkarte sind, sind längerem Warten vor den Verkaufsstellen und in den Geschäftsstellen enthoben.
Sonderausgabe an Lebensmitteln für Neuvermählte. Neuvermählte, die in Bonn einen eigenen Haustand gründen, erhalten zur Beschaffung eines Grundstocks für die Wirtschaftsführung einmalig besondere Bezugsscheine für Lebensmittel. Die Bezugsscheine erhalten nur solche Neuvermählte, von denen mindestens der eine Ehegatte vor der Eheschließung länger als ein halbes Jahr Bonner Einwohner war. Wieviel und welche Lebensmittel abgegeben werden, bestimmt das Lebensmittelamt nach Maßgabe der jeweilig zu Verfügung stehenden Lebensmittel. Auf Anträge, die in der Woche vom 27. Januar bis 2. Februar gestellt werden, werden abgegeben: 30 Pfund Kartoffeln, 2 Pfund Weizenmehl, 2 Pfund Gries, 5 Pfund Zucker, 2 Pfund Malzkaffee, 2 Pfund Butter oder andere Fette, 10 Stück Eier. Anträge sind mündliche in Zimmer 7 des Lebensmittelamtes zu stellen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Mittwoch, 30. Januar 1918
Kaisersgeburtstagsfeier im Soldatenheim. Der Einladung des Soldatenheimausschusses zur Kaisersgeburtstagsfeier im Bonner Bürgerverein waren Montag nachmittag Generalleutnant v. Boetticher mit vielen Offizieren, 1400 bis 1500 Soldaten, Vertreter der Stadt, die Militärseelsorger u.a. gefolgt. Exzellenz v. Boetticher brachte mit kernigen Worten das Kaiserhoch aus. Der zweite Vorsitzende des Ausschusses, Herr Klumann, behandelte in seiner Festrede die Bedeutung der Hohenzollern für Preußen und für Deutschland. Er schloß mit Bismarcks denkwürdigem Wort: Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts in der Welt. Eine abwechselungsreiche und geschickt zusammengestellte Vortragsfolge unterhielt die Besucher aufs beste, dazu hatten die vaterländischen Vereinigungen für Rauchwaren gesorgt. Den Schluß bildete ein flottgespieltes Lustspiel „In Zivil“.
Eine vaterländische Filmvorstellung für die Bonner Jugend veranstaltet am nächsten Sonntag um 11½ Uhr vormittags in den Bonner Lichtspielen der Flottenverein Jungdeutschland. Der berühmte, das Kriegsjahr 1917 darstellende Film des Bild- und Filmamts „Soll und Haben“ gelangt zur Vorführung, der die Kriegsereignisse daheim und im Felde in glänzender Folge vorbeigleiten läßt und uns so einen unvergleichlichen Eindruck von dem so gewaltigen Geschehen um uns her darbietet, indem er die großen Schlachten an der Westfront, die Kämpfe im Osten, den Siegeszug in Italien, das Wirken und Schaffen daheim und bei unseren Verbündeten unmittelbar uns vor Augen führt.
Das Bier. Ein Vertreter des Kriegsernährungsamtes hat mitgeteilt, daß die Weiterbelieferung der Brauereien mit Gerste einstweilen eingestellt werden müsse. Infolge der außerordentlich schlechten Haferernte sei das Bedürfnis nach Ersatzfuttermitteln immer dringender geworden. Unter diesen Umständen habe man sich zum Verzicht auf das Bier entschließen müssen. Im übrigen sei noch nicht sicher, ob die einstweilen bereitzustellenden Reserven tatsächlich verbraucht würden oder den Brauereien, sei es auch nur leihweise, wieder zur Verfügung gestellt werden könnten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Ueber die Selbstanfertigung von Straßen- und Hausschuhen hält am Donnerstag nachmittag und abends im Kath. Vereinshaus Frau Annemarie Walter aus Wien einen Vortrag.
Mitteilungen der Ortskohlenstelle. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Haushaltungen der Lebensmittelkartenumschläge A und B auf dem städtischen Gaswerk, Karlstraße, je zwei Zentner Koksgruß zum Preise von 0,75 Mk. den Zentner entnehmen können. Körbe oder Säcke sind mitzubringen. Die Lebensmittelkartenumschläge sind vorzulegen, Kohlenmarken sind nicht erforderlich. Größere Vorräte an Rohbraunkohle liegen noch zur Abgabe an die Inhaber der Lebensmittelkartenumschläge A und B zum Preise von 1,05 Mk. für den Zentner bereit. Hierfür sind besondere Kohlenmarken bei der Ortskohlenstelle anzufordern. Koksgruß wie auch Rohbraunkohle eignen sich vorzüglich zur Streckung der vorhandenen Brennstoffbestände. In letzter Zeit war die Ortskohlenstelle genötigt, mehrere Strafverfahren zu veranlassen, weil Koks ohne Bezugsschein verabfolgt und entnommen worden war. Die Händler werden darauf hingewiesen, daß nach der bestehenden Verordnung erst dann die Belieferung ausgeführt werden darf, wenn der Bezugsschein vom Empfänger vorgelegt worden ist. Auch die Entnahme ohne Marken oder Bezugsschein ist strafbar. Zur Anzeige gebrachte Fälle, in denen Kohlenmarken verliehen oder verschenkt worden sind, geben Veranlassung, auf die Strafbarkeit dieser Handlung hinzuweisen, Kohlenmarken sowohl wie Bezugsscheine sind streng persönlich und nicht übertragbar. Die Karten müssen mit dem Namen und der Wohnung der Inhaber versehen sein. Falls diese Eintragungen von der Ortskohlenstelle noch nicht geschehen sein sollten, sind sie vom Karteninhaber nachzuholen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Verkauf von Speisefett. Auf die Abschnitte Butter und Fett der Speisefettkarte werden in dieser Woche je 25 Gramm Butter, mithin insgesamt 50 Gramm Butter verausgabt. Der Preis für die Butter ist auf 3,45 für das Pfund festgesetzt.
Festgenommen wurden von der Kriminalpolizei zwei hiesige Frauen wegen Verbrechens gegen § 218 des Str.-G.-B., ferner ein Arbeiter, ein Soldat, ein Kriegsbeschädigter und eine Arbeiterin, die dem Vater des Kriegsbeschädigten 300 Mark und Lebensmittel sowie einem Fuhrunternehmer im Florentiusgraben Hafer, Wäsche und Möbelstücke entwendet und in der Nacht zum Sonntag versucht hatten, in ein Zigarrengeschäft in der Breitestraße und in ein Weißwarengeschäft an der Meckenheimerstraße einzubrechen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)
Donnerstag, 31. Januar 1918
Gartenbauverein Bonn. Die gestrige Monatsversammlung, die erste im neuen Jahre, leitete der zweite Vorsitzende, Herr Thilmann. Er erwähnte unsere militärischen und politischen Erfolge des vergangenen Jahres, betonte, das deutsche Volk könnte vollständig beruhigt in die Zukunft blicken, wenn es Hindenburgs Mahnung zur Einigkeit befolge, und brachte ein begeistert aufgenommenes Kaiserhoch aus. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Die zunehmende Knappheit an Tabaken hat zu einer abermaligen Herabsetzung des den Fabriken eingeräumten Kontingents genötigt. Sie tritt mit dem 1. Februar in Kraft. Die Herstellung von Zigarren wird um ein Drittel, von Rauchtabak um ein Fünftel der bisherigen Erzeugung eingeschränkt. Damit erleidet die Versorgung des Handels, der bisher schon den Bedarf der Zivilbevölkerung nur in sehr eingeschränktem Maße befriedigen konnte, eine weitere starke Einbuße. Unter diesem Zeichen ziehen auch die Preise weiter an, was wiederum zu neuen Klagen der Raucher über die Preise und angebliche Wucherpreise führt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Vom Rhein. Der Schiffsverkehr kann sich wieder voll entfalten. Da durch die Unterbrechung der Schiffahrt sich viel Massengut angesammelt hat, ist für die nächste Zeit lebhaftes Verfrachtungsgeschäft sowohl rheinauf- wie rheinabwärts zu erwarten. Besonders der Versand von Kohlen nach den oberrheinischen Häfen wird lebhaft betrieben. Mangel an Schiffsraum und Schleppkraft ist vorderhand nicht wahrscheinlich, da für längere Zeit volle Belastung der großen Kähne und völlige Ausnutzung der Schleppkraft gesichert ist.
Die vielen Wucherpreise, die zur Zeit am Bonner Gericht schweben, müssen, wie man uns schreibt, eine sehr ungünstige Vorstellung über den Charakter der Bewohner des Vorgebirges erwecken. Da müssen wohl Leute wohnen, die durch die Bank von der herzlosesten, gemeinsten Habsucht verseucht sind, so wird man denken. Daß es auch am Vorgebirge manche Wucherseelen gibt, soll nicht geleugnet werden. Aber Unrecht wäre es, von diesen Wucherprozessen auf den Charakter der Bewohner der Bewohner im Allgemeinen zu schließen. Wucherseelen beteiligen sich nicht an den Werken der christlichen Caritas, wie es z. B. in Bornheim in diesem Sommer noch geschehen ist. An die 70 Ferienkinder aus Essen sind monatlang in der freundlichsten Weise hier aufgenommen und verpflegt worden, ohne alle Aussicht auf irgendwelchen Lohn. Als nun doch noch nachträglich 0,50 Mk. für jeden Tag bezahlt werden sollte, da nahmen die meisten das Geld nicht an, indem sie erklärten, sie hätten dies aus christlicher Nächstenliebe getan. Wie sind denn solche edeldenkenden Menschen plötzlich zu Wucherern geworden? Die Sache erklärt sich leicht. Händler aus den Industriegebieten boten den hiesigen Erzeugern für Bohnen Preise an so hoch, wie diese sie nie würden gefordert haben. Hätten sie die Angebote abgewiesen, so würde man sie wahrscheinlich für dumme Bauern gescholten haben. Jetzt, wo sie die Angebote angenommen haben, schimpft man sie Wucherer, obwohl doch von einem Missbrauch fremder Not zum eigenen Vorteil nicht die Rede sein kann. Von der Höhe der Strafe kann man sich eine Vorstellung machen aus folgendem Fall: Eine gewisse Frau Häuser aus Brenig, deren Mann im Felde steht, hat 30 Pfund Himbeeren über den Preis verkauft. Dafür hat sie ein Strafmandat bekommen von 1000 Mark.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)