Bonn 1914-1918
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Mittwoch, 16. Januar 1918

    

Oel statt Butter. Diese Woche wird keine Butter abgegeben. Es gibt auf die Butter- und Fettmarke zusammen 70 Gramm Oel.

Schwerer Raub. Zwei ausländische Arbeiter wurden am Montag abend unter dem Vorwande, sie könnten ein Kleidungsstück kaufen, von einem Mädchen an den Rhein gelockt. In der Nähe des Männerasyls überfielen vier Männer die beiden Ausländer, schlugen sie nieder, verstopften ihnen den Mund und mißhandelten sie so lange, bis sie regungslos dalagen. Dann untersuchten sie die Kleidung der Ueberfallenen und raubten ihnen 200 Mark, während sie das in das Hemd eingenähte Geld nicht fanden. – Die vier Räuber, zwei Fahnenflüchtige und zwei Kriegsbeschädigte, ferner das Mädchen, das die Ueberfallenen geführt hatte, und noch ein zweites Mädchen, wurden gestern von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen.

Aus dem städtischen Lebensmittelamt.
Zu der Schweineschlachtung sei darauf hingewiesen, daß der Endtermin für die Genehmigung von Hausschlachtungen vom 15. Januar auf den 31. Januar hinausgeschoben worden ist. Nach dem 31. Januar dürfen Hausschlachtungen unter keinen Umständen mehr genehmigt werden. Die Schweinehalter tun daher gut, in den nächsten beiden Wochen ihre Schweine, auch wenn sie die sog. Schlachtreife noch nicht erlangt haben, abzuschlachten oder sie dem Kommunalverband Stadtkreis Bonn zur Verfügung zu stellen. Näheres teilt hierüber die Abteilung 2 des Lebensmittelamtes mit.
Brot.
Vom 4. Februar ab fallen die bisher als Brotersatz gegebenen Kartoffeln, 1 ½ Pfund wöchentlich, weg. Das Brot soll dann mit Kartoffelzubereitungen gestreckt werden. Auf den Kopf der Bevölkerung und den Tag werden von der Reichsgetreidestelle 200 Gramm Mehl und 20 Gramm Kartoffelzubereitungen zur Verfügung gestellt, das entspricht einer Wochenmenge von vier Pfund Brot. [...]
In der letzten Zeit mehren sich die Eingaben, aus denen hervorgeht, daß einzelne Familien ihre eingekellerten Kartoffelnvorzeitig aufgezehrt haben. Derartigen Anträgen um erneute Kartoffelzuteilung kann unter keinen Umständen Folge gegeben werden; denn dadurch würden die anderen Bürger benachteiligt werden. Als Ersatz für zu früh verbrauchte Kartoffeln werden nur Steckrüben ausgegeben. Die Hausfrauen seien wiederholt gewarnt; denn bis zu 23.Februar, dem Zeitpunkt bis zu dem die eingekellerten Kartoffeln reichen müssen, ist noch eine lange Zeit. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Kostenfreie Benutzung des Stadttheaters. Kapellmeister Sauer beantragt den Erlaß der Kosten für Heizung, Beleuchtung und Feuerwehr für die von ihm im Stadttheater veranstalteten sieben Symphoniekonzerte. Der Finanzausschuß befürwortet den Antrag und die Deckung der Kosten aus unvorhergesehenen Ausgaben des Haupthaushaltsplanes.

Ein Ei zum Preise von 42 Pfg. wird in dieser Woche abgegeben.

11 Grad Wärme brachte uns der gestrige Tag; gewiß eine ungewöhnliche Erscheinung im „Hartmond“. Frischfröhlicher Frost um diese Zeit ist ja schöner und gesunder, bei der jetzigen Kohlenknappheit aber sind solch warme Tage nur zu begrüßen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Für die Benagelung der Schuhe der Schulkinder wird von den Stadtverordneten ein Kredit von 10.000 Mark gefordert.

Die Metropol-Theater-Lichtspiele bezeichnen ihren neuen Film: „Weib gegen Weib“ als das Tagesgespräch Bonns, als eine künstlerische Schöpfung von märchenhafter Pracht und Schönheit. Außerdem bringen sie den ersten großen Film ihrer Hanny-Weisse-Serie, mit der Darstellerin in ihrem neuesten Filmwerk: „Der Versicherungskobold“ Lustspiel voll sprühenden Humors in 3 Akten von Paula Klär, sowie die Neuheit Grete Weixler in dem neuesten Schlager: „Der Kinokönig“, Lustspiel in 2 Akten, ferner Naturaufnahmen und Kriegsberichte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Donnerstag, 17. Januar 1918

    

Die Vertreterversammlung der Bonner Studentenschaft sendet uns folgende Erklärung zur Veröffentlichung:
   
Vor kurzem sind in mehreren Fällen von einem kleinen Kreise Heidelberger Studierender unter Führung eines gewissen Ernst Toller Aufrufe in der Presse erschienen, die zu irrigen Ansichten über den in der Deutschen Studentenschaft herrschenden Geist Anlaß geben könnten. Dieselben setzen sich einmal für den Professor W. Förster in München ein, das andere Mal nehmen sie Stellung gegen die „Deutsche Vaterlandspartei“.
   Nachdem bereits der Ausschuß der Heidelberger Studentenschaft in einer besonderen Erklärung gegen die kleine Gruppe um Herrn Toller Stellung genommen hat, möchten wir als zuständige Vertretung der gesamten Bonner Studentenschaft auch unsrerseits nicht verfehlen,, diesen Bestrebungen entgegenzutreten und unseren Standpunkt demgegenüber klar stellen. Wir sind dabei der festen Ueberzeugung, mit unseren im Felde stehenden Kommilitonen eins zu sein.
   Wir Bonner Studenten erklären, in keiner Weise von jenen Umtrieben berührt zu sein, und verwerfen diese Bestrebungen in ihrer ganzen Grundrichtung. Wir wollen mit allen Kräften solchen unpatriotischen Kundgebungen gewisser Gruppen entgegenarbeiten und deutsch-nationalen Geist in jeder Weise heben. Dabei berufen wir uns auf das zu allen Zeiten vaterländische Verhalten unserer Studentenschaft, auf die von uns ins Leben gerufenen Bismarcks-Huldigungsfeiern und unsere führende Stellung dabei, nicht zuletzt auf die von unseren Kommilitonen gebrachten großen Blutopfer während des Weltkrieges.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Zionistische Vereinigung Bonn. Wie wir hören, veranstaltet die Zionistische Vereinigung in Bonn am Sonntag einen Vortragsabend, in dem Herr Dr. Fritz Löwenstein – Berlin über das Thema „Judenfrage und Weltpolitik“ sprechen wird. Er wird hierbei die von Berlin und Konstantinopel zustimmend behandelten Pläne zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina und die Ostjudenfrage als genauer Kenner des einschlägigen Stoffes behandeln.

Fürsorge für unsere Jugend. Man schreibt uns: Das massenhafte Eindringen der Frauen in die Geschoß- und Munitionsfabriken, Eisen-, Straßenbahn-Dienste, das Fehlen der festen Hand des Vaters hat vielfach die Bande der Familie gelockert. Da galt es, der Gewalt der Verhältnisse ein Gegengewicht zu bieten durch Fürsorge für die, die zu schützen unsere Pflicht ist, für unsere Jugend. Die schon in Friedenszeiten unter Leitung des Stadtschulrates Dr. Baedorf wohl ausgebaute Jugend-Wohlfahrtspflege unserer Stadt hat sich in diesen schweren Zeiten besonders hoch entwickelt und sorgt für Bewahranstalten, Kinderhorte, Kinderspeisungen, Tagesheime. Bestehen doch in unserer Stadt allein nahezu 20 Horte. Zur Durchführung dieser fürsorgerischen Maßnahmen ist die freiwillige Mitarbeit zahlreicher Frauen unerläßlich. Nicht vergeblich erging in Bonn der Ruf nach dieser Mitarbeit in der Fürsorge für die heranwachsende Jugend. Eine stattliche Anzahl von Hortleiterinnen versammelte sich Dienstag dieser Woche im Gesangsaal des Städt. Lyzeums. Herr Oberbürgermeister Spiritus sprach in begeisternden Worten über Notwendigkeit der Jugendfürsorge und sagte Dank für die lange treue Mitarbeit, die ein unvergeßliches Ruhmesblatt in der Kriegsgeschichte der Stadt Bonn bleiben werde. Dann überreichte er jeder der eingeladenen Damen eine Ehrennadel und Herrn Schulrat Dr. Baedorf eine Ehrenurkunde.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Holz für die Flugzeugindustrie. In Anbetracht des großen Bedarfs an Flugzeughölzern ist es im vaterländischen Interesse dringend notwendig, der Flugzeugindustrie möglichst große Mengen Flugzeughölzer zuzuführen. Gewünscht werden: Kiefern, Linde, Ahorn, Ulme, Rotbuche, Fichte, Birke und Erle. Merkblätter, bezüglich der an die Fluhhölzer gestellten Ansprüche können von der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz in Bonn, Endenicher Allee 60, bezogen werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 18. Januar 1918

    

Die gefallenen Studenten der Universität Bonn. Die Zahl der Bonner Studenten, die im Weltkriege bisher für das Vaterland gestorben sind, beträgt nach der neuesten Ehrentafel der Universität 461. Sie ist sehr groß, der Krieg hat von der akademischen Jugend ebenso wie von allen Schichten der Bevölkerung unerhört zahlreiche Blutopfer gefordert. Vergleicht man jedoch die Gefallenenzahlen der einzelnen Kriegssemester miteinander, so ergibt sich die unter diesen Verhältnissen erfreuliche Tatsache, daß, obwohl die Zahl der Kriegsteilnehmer ständig gestiegen ist und sich mehr als verdoppelt hat, die Zahl der Gefallenen trotzdem immer geringer geworden ist. Die folgende Zusammenstellung gibt für jedes Semester die Zahl der gefallenen Studenten nach Fakultäten und insgesamt in der letzten Spalte die der Kriegsteilnehmer an. Danach sind im ersten Kriegssemester 4,48 v. H. der Kriegsteilnehmer gefallen, im zweiten 3,47 v. H., im dritten 2,14 v. H., im vierten 1,56 v. H., im fünften 1,43, v. H., im sechsten 1,04 v. H. und im laufenden siebten Kriegssemester, das allerdings noch nicht abgeschlossen ist, nur 0,52 v. H. [...]?

Die Vorräte an Kartoffeln und anderer Lebensmitteln in den Kellern der tief liegenden Stadtteile werden durch das immer noch steigende Hochwasser gefährdet. Die Bürger in den gefährdeten Stadtteilen mögen daher ihre Vorräte so schnell wie möglich in Sicherheit bringen.

Der Reichsverband für den deutschen Gartenbau wendet sich in einem Aufruf an alle Bevölkerungskreise in Stadt und Land, um jeden, der viel oder wenig Grund und Boden als Eigentum oder in Pacht besitzt und einen Spaten regieren kann, zur Erzeugung von Nahrungsmitteln zu bewegen. [...] Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, und wer nicht wenigstens von dem kleinen vaterländischen Fleckchen Bodens, das ihm zur Verfügung steht, Früchte für den eigenen Bedarf heranzieht, sollte in seinen Lebensmittelbezügen gekürzt werden. Erfreulich zu beachten ist es, daß immer mehr Zier- und Blumengärtnereien ihre Betriebe für den Anbau von Nahrungsmitteln eingestellt haben und daß in den Gewächshäusern und Frühbeeten schon heute alle Vorbereitungen getroffen werden, um für die kommende Frühjahrsbestellung das erforderliche Saat- und Pflanzengut heranziehen zu können. Jeder der im Gartenbau bewährten Meister im Gartenbau und der lernbegierige Schüler tue seine Pflicht!

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

Hochwasser. Im Laufe des gestrigen Vormittags ist an den Bonner Werftanlagen der Rhein über die Ufer getreten. Das Hochwasser kam so unerwartet, daß viele Güter, die in der Nähe der Landebrücken lagerten, umspült wurden, ehe man daran denken konnte, sie in Sicherheit zu bringen. [...] Heute morgen 8 Uhr wurden am hiesigen Hochwasserpegel 6.83 Meter gemessen.
   
Unsere Rheinanlagen stehen zum größten Teil unter Wasser. An vielen Stellen, namentlich im unteren Stadtteil, reicht das Wasser bis an die Häuser heran. Die Anwohner des Rheinwerfts und der anliegenden Straßen werden von der Stadtverwaltung dringend ersucht, ihre Keller unverzüglich zu räumen, damit nichts von den jetzt doppelt wertvollen Nahrungsmittelvorräten verloren geht. [...]

Kaisersgeburtstag. Die Universität feiert den Geburtstag unseres Kaisers mit einem Festakt in der Aula. Die Festrede hält Geheimer Regierungsrat Professor Winter.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Soldatenheim. Der unter der Leitung des Ausschußmitgliedes Herrn Boismard stattgefundene Unterhaltungsabend am vergangenen Sonntag im Soldatenheim, Josefstraße 16, war wieder sehr abwechslungsreich. Vom Münsterchor mit seinem tüchtigen Chordirektor Dr. Veith an der Spitze wurden mehrere meist Weihnachtslieder ganz vorzüglich zu Gehör gebracht. Besonders eindrucksvoll war der Chor: „Gegrüßet seist du Himmelskind“, wobei das Tenorsolo in vorzüglicher Weise wiedergegeben wurde. Von Herrn Chordirektor Veith am Klavier wirksam unterstützt sang Frl. Keese einige hübsche Lieder mit seelenvollem Ausdruck. Auch die Duette, welche die Damen Frl. H. und M. Schewards sangen, fanden großen Beifall. [...] Frl. Lenzen und Herr Koep sorgten mit ihren hübschen heiteren Vorträgen für die nötige Abwechslung. Dieselbe heitere Note schlug an das Theaterstück, welches Mitglieder des Jugendvereins von Endenich (Präses: Herr Kaplan Fremy) mit gutem Erfolg zum Schlusse des Abends aufführten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 19. Januar 1918

    

Die Vertreterversammlung der Bonner Studentenschaft veröffentlicht folgende Erklärung:
  
In der letzten Zeit sollen Fälle vorgekommen sein, wo für größere geldliche Unterstützungen seitens der Universitäten die Würde eines Ehrendoktors verliehen worden ist. Die Studentenschaft dankt für weitere tatkräftige Unterstützung, möchte aber Verwahrung dagegen einlegen, daß bei der Verleihung dieser Würde, die bisher nur aufgrund hervorragender wissenschaftlicher Leistungen erworben werden konnte, sich amerikanische Verhältnisse entwickeln.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Januar 1918Hochwasser. Der Rhein ist gestern in den frühen Morgenstunden noch weiter gestiegen. Um 10 Uhr vormittags erreichte das Wasser mit 6,84 Meter seinen höchsten Stand. Von da ab ging es langsam zurück und zwar bis 4 Uhr nachmittags 3 Zentimeter. Die Rheinanlagen und auch die Fahrwege standen gestern vollständig unter Wasser. Die schmutziggelben Fluten umspülen die Gärten im oberen Teil der Anlagen und weiter die am Rheinufer gelegenen Häuser. Vielfach wurden Notbrücken an den Häusern vorbei aufgeführt und einzeln sieht man auch Nachen durch die Anlagen fahren, die die Verbindung mit den angrenzenden Straßen herstellen. Der Schiffsverkehr ist sehr eingeschränkt. Nur mit größter Kraftanwendung gelingt es den wenigen Frachtschiffen, die rheinaufwärts hier vorbeifahren, gegen die starke Strömung anzukämpfen. Mit umgelegten Kaminen müssen sie unter der Rheinbrücke herfahren. Im Laufe des Nachmittags wurde von Coblenz Stillstand im Wachsen des Wassers gemeldet. Da auch von der Ahr, der Mosel, der Nahe und von anderen Nebenflüssen Zurückgehen des Wassers gemeldet wird, kann man hoffen, daß die größte Gefahr vorüber ist.
   
Im Laufe der vergangenen Nacht ging das Wasser bis 6,76 Meter zurück. Um zwei Uhr nachts trat Stillstand ein und gegen Morgen stieg das Wasser wieder langsam. Um 8 Uhr früh zeigte der hiesige Pegel wieder 6,80 Meter.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Kaisersgeburtstag. Kardinal v. Hartmann macht im Kirchlichen Anzeiger bekannt: Zum ersten Male seit Beginn des Weltkrieges feiern wir das Geburtstagsfest unseres allergnädigsten Kaisers und Königs unter dem Zeichen von Friedensverhandlungen. Solange aber diese nicht zum Abschluß gebracht sind, können wir, dem Wunsche unseres allgeliebten Kaisers und dem Ernste der Zeit entsprechend, die Geburtstagsfeier unter den sonst üblichen festlichen Veranstaltungen begehen, sondern müssen sie beschränken auf eine stilles Gedenken und eine treue Fürbitte. Es ist daher auch in diesem Jahre die Feier Sr. Majestät des Kaisers und Königs in den Städten, in welchen mehrere Pfarrkirchen sind, nicht bloß in der Hauptkirche, sondern auch in den übrigen Pfarrkirchen abzuhalten. In letzteren ist sie jedoch so anzuberaumen, daß die Feier in der Hauptkirche, zu der wie bisher die Behörden einzuladen sind, nicht beeinträchtigt wird. Wir zweifeln nicht, daß die Gläubigen unserer Erzdiözese am Kaisersgeburtstage aus dankbarem Herzen für Kaiser und Reich, für Heer und Marine eifrige Gebete zum Himmel emporsenden werden, nicht minder für die Erlangung eines glorreichen Sieges und eines dauernden ehrenvollen Friedens. – Die Bischöfe Preußens haben sich entschlossen, für die Zwecke der „Kirchlichen Kriegshilfe“ am diesjährigen Geburtstagsfest unseres Kaisers, Sonntag, den 27. Januar, eine allgemeine Kirchenkollekte abhalten zu lassen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Sonntag, 20. Januar 1918

   

Flieger-Alarm.
Ein Probealarm für den Fall von „Luftgefahr“ findet erneut am Mittwoch, 23. Januar, vormittags 10.30 Uhr, auf die Dauer von 10 Minuten statt. Es handelt sich wieder um eine vorbeugende Maßnahme, um die Signale usw. auszuproben und der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, sich mit den Alarmsignalen vertraut zu machen. Das Garnisonskommando wird die Alarmierung veranlassen.
    Die Warnungssignale werden in erster Linie durch das Sirenensignal auf der Umformerstation des städtischen Elektrizitätswerkes am Mühlheimer Platz, durch die Dampfpfeifen der Bonner Aktien-Brauerei, der Firma L. Wessel, der Wessels Wandplattenfabrik, der Firma Soennecken (Feld), der Holzhandlung Wilh. Streck und der Wagenfabrik Miesen sowie durch eine Anzahl Hornisten der hiesigen Truppenteile abgegeben, und ferner werden Kirchenglocken 5 Minuten lang Sturm läuten. [...]

Zum Besten des Vereins „Jugendhort“ (früher Mädchenhort) wird Herr Geheimrat Clemen am 28. Januar, abends 7½ Uhr, einen Lichtbildervortrag in der Lese halten. Herr Geheimrat Clemen, der seit Kriegsbeginn von der Obersten Heeresleitung mit der Feststellung des Zustandes der Baudenkmäler an den verschiedensten Kriegsschauplätzen in Ost und West betraut ist und die Westfront in allen Abschnitten der großen Kämpfe besucht hat, wird in seinem Vortrag in der Lese n vielen, vorwiegend aus jüngster Zeit stammenden Aufnahmen – zum Teil auch Fliegeraufnahmen – den Anteil darlegen, den die Franzosen und Engländer an den großen Zerstörungen auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Die schwere eiserne Turmspitze der Remigiuskirche wurde anfangs dieser Woche durch den Sturm aus der Verankerung gerissen; sie blieb glücklicherweise am Turm hängen. Dachdecker errichteten rund um den Turm ein Gerüst und holten am Samstag früh das gefahrdrohende Eisenstück herunter.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Eil- und Telegrammbestellung. Zu Beginn des Winterhalbjahres mußte infolge der erheblichen Einschränkung der Straßenbeleuchtung die Nachtbestellung der Eilsendungen und Telegramme eingeschränkt werden, sie fällt jetzt in die Zeit von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens aus. Eilsendungen jedoch mit dem Vermerk „auch nachts“, sowie Telegramme, die den Vermerk „nachts“ tragen, oder bei denen zu erkennen ist, daß sie wirklich dringender Natur sind, werden auch während der Sperrzeit zugestellt.

Die Erfassung sämtlicher Abfallstoffe ist dringend geboten. Bezüglich der Metallgegenstände war den Beisitzern monatelang Gelegenheit gegeben, diese freiwillig gegen hohe Uebernahmepreise abzuliefern. Um den Entschluß zur freiwilligen Ablieferung zu erleichtern, wird noch für jedes Kilogramm eine Prämie von einer Mark gezahlt. Durch letzteres sind bereits erhebliche Mengen der beschlagnahmten Gegenstände bei der Sammelstelle abgeliefert worden. Größere Mengen befinden sich aber noch im Besitze der Bewohner Bonns. Die Ablieferung hat erheblich nachgelassen, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß die bei der Beschlagnahme gesetzte Frist wiederholt verlängert wurde und man glaubt, die Enteignung würde nicht folgen. Technische Schwierigkeiten sind die Ursache, die einer früheren Veröffentlichung der Enteignungsverfügung bisher entgegenstanden. Die Enteignung der Einrichtungsgegenstände wird bestimmt und noch in diesem Monat kommen.
  
Es liegt daher im eigensten Interesse der Besitzer, ihre Einrichtungsgegenstände aus Kupfer und Kupferlegierungen möglichst schnell zur Sammelstelle zu schaffen, um sich die höhere Entschädigung und Prämie noch zu sichern.
   Liefert recht bald ab, denn hierdurch dient man nicht allein sich selbst, sondern vor allem der Wehrkraft des Vaterlandes.
   Auch die Abfallstoffe jeder Art, die noch im Hause in dunklen Ecken lagern und nur hinderlich sind, sucht heraus und bringt sie schnell zur Sammelstelle Stockenstraße 3.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 21. Januar 1918

   

Deutsche Vaterlandspartei. Die von der Ortsgruppe Bonn und Umgebung auf gestern morgen in dem Bonner Bürgerverein einberufene „feierliche Kundgebung deutschen Einheitsgedankens und Siegeswillen“ war außerordentlich zahlreich besucht. Sie begann sehr stürmisch. Als der Vorsitzende, Geheimrat Litzmann, die Versammlung eröffnet und begrüßt hatte, erhob sich ein Mitglied des in größerer Anzahl erschienenen Bundes der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer, verwahrte sich gegen die Ziele der Deutschen Vaterlandspartei und verlangte freie Aussprache. Der Vorsitzende verweigerte die freie Aussprache unter Hinweis auf den in der Einladung angegebenen Zweck der Veranstaltung. Nun begann ein großer Lärm. Man schrie und pfiff. Der Vorsitzende forderte die Ruhestörer auf, den Saal zu verlassen, es seien nur Mitglieder und Freunde eingeladen worden. Etwa ein halbes Hundert Personen verließen dann, von der Polizei gedrängt, unter lärmendem Widerspruch und Hochrufen auf den „Scheidemannfrieden“ den Saal.
   
Als wieder Ruhe eingetreten war, nahm Geheimrat Litzmann das Wort. Es sei bedauerlich, daß Brüder deutscher Zunge und deutschen Stammes in dieser Stunde gegen vaterländische Kundgebungen und vaterländisches Empfinden Widerspruch erheben. Aus dem Kreise der noch im Saal befindlichen Kriegsbeschädigten sei ihm eine feierliche Verwahrung dagegen zugegangen, daß in dieser Weise gerade die Männer, die für das Vaterland gekämpft haben, auf dem Boden des Vaterlandes gegen das Vaterland aufstehen. (Lebhafter Beifall.) Geheimrat Litzmann hielt dann ohne jede weitere Störung seine vorgesehene Ansprache. Er erinnerte daran, daß vor 47 Jahren, am 18. Januar 1871, im Spiegelsaal von Versailles das neue deutsche Reich gegründet wurde. In der jetzigen großen Schicksalsstunde Deutschlands müssen wir uns fragen: wie können wir uns des großen Erbes von 1871 würdig erweisen. Die Zeichen der Zeit sind wirr und schwer zu deuten. Viele wissen nicht, ob sie hoffen dürfen oder fürchten müssen. Es gibt nur einen Weg: wir müssen unsere Seelen füllen mit der Gesinnung, die sich in den Dichterworten ausspricht: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr, und: Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles setzt an ihre Ehre. (Beifall.) Diese Gesinnung jedem Deutschen, auch den Brüdern, die jetzt gegen uns stehen, ins Herz zu geben, dazu und zu keinem anderen Zweck ist die Deutsche Vaterlandspartei ins Leben gerufen worden. Ueber alles steht ihr das Vaterland. Die Deutsche Vaterlandspartei bittet den Kaiser: Landgraf, werde hart! [...] Auch wir ersehnen mit heißer Inbrunst den Frieden; aber der Friede muß uns die Gewähr dafür bieten, daß Kaiser und Volk weiterhin imstande sind, im Sinne der kaiserlichen Botschaft vom 18. Januar 1871 „Mehrer des Reiches zu sein an Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung“. [...] Das Recht, für alle das Wort zu führen, geben der Deutschen Vaterlandspartei das Vaterland und Hindenburg. Was Hindenburg will, das wollen wir auch. Und Hindenburg will. Gott sei gedankt, daß wir ihn haben, den Mann, der will und kann. (Lebhafter Beifall.) Hindenburg vertraut auf uns, er hofft auf uns, das im festen Siegeswillen zusammengeschlossene deutsche Volk. So lange wir den von Hindenburg und Ludendorff festgelegten Kurs halten, so lange sind wir sicher, daß wir den Hafen eines Friedens erreichen, der der gebrachten Opfer wert ist. [...]
   Die Versammlung bekundete durch Erheben von den Sitzen einmütig ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Geheimrats Litzmann und mit der vorgeschlagenen Entschließung. Sie sang dann zum Schluß die erste Strophe von „Deutschland über alles“.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Vortrag der Vaterlandspartei. Im großen Saale des Bonner Bürgervereins hielt gestern Mittag Geheimrat Litzmann einen zündenden Vortrag in Erinnerung des Gründungstages des Deutschen Reiches. Freilich gelangte er erst zu seinen Auseinandersetzungen, nachdem die Ruhestörer anderer Gesinnungen aus dem Lokal entfernt worden waren. [...]
   
Auch in Köln kam es gestern in der Vaterlandspartei zu störenden Auftritten. Die dortige Ortsgruppe der Deutschen Vaterlandspartei hatte auf Sonntagvormittag 11 Uhr eine Versammlung im großen Saal des Fränkischen Hofes einberufen, wo Kaplan Schopen aus Godesberg über das Thema „Von Bismarck bis Hindenburg“ sprechen sollte. Schon um 10 Uhr war der geräumige Saal nebst Galerie bis auf den letzten Platz gefüllt, und immer strömten noch neue Menschenmengen zu. Den weitaus größten Teil der Versammlungsbesucher hatte die Sozialdemokratie gestellt. Um 11 Uhr verkündete der Versammlungsleiter, daß der Referent am Erscheinen verhindert sei. Das Telegramm sei gestern abgesandt, aber durch ein Versehen erst jetzt eingetroffen. Als die Versammlung für geschlossen erklärt wurde, erhob sich ein großer Lärm. Man wollte von der Sozialdemokratie einen Redner stellen bei vollständiger Redefreiheit. Der Einberufer drohte, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen. Man schrie. „Nieder mit Tirpitz – hoch der Friede“, und dann erscholl aus Hunderten von Kehlen die Arbeitermarseillaise, während sich der Saal langsam leerte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Zu einem bedauerlichen Zwischenfall kam es gestern in der Kundgebung der Deutschen Vaterlandspartei für Bonn und Umgebung im Bürgerverein. Geheimrat Litzmann hatte zu Beginn der Versammlung die „Mitglieder und Freunde“ der Vaterlandspartei begrüßt und die Tagesordnung bekannt gegeben. Bevor er zu seiner Ansprache kam, verlangte ein Kriegsbeschädigter im Namen der anwesenden Kriegsbeschädigten die Zulassung einer Aussprache, die auf der Tagesordnung nicht vorgesehen war. Geheimrat Litzmann verwies auf die Tagesordnung sowie darauf, daß nur „Mitglieder und Freunde“ zugelassen seien. Wer das nicht sei, möge den Saal verlassen. Dagegen erhoben die anwesenden Kriegsbeschädigten lauten Protest. Sie wurden darauf aus dem Saal gewiesen, gingen aber nicht sofort, sondern erst, nachdem die Polizei einschritt. Dabei ging es nicht ruhig ab. Man hörte Zwischenrufe wie Geht in den Schützengraben! – Wir haben unsere Knochen fürs Vaterland geopfert! – Fuhrmann! – Ihr Kriegsverlängerer! usw. Nachdem wieder Ruhe eingetreten war, nahm die Versammlung den beabsichtigten Verlauf, worüber wir noch berichten werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Dienstag, 22. Januar 1918

  

Zur Behebung der Schuhnot, namentlich auf dem Lande, kommt als wesentlichstes Mittel die Ausnutzung des vorhandenen Oberleders bis zur letzten Möglichkeit in Frage. Ersatzsohlen, namentlich aus Holz, sind im Handel genügend zu haben. Schwierigkeiten entstehen aber dadurch, daß es den Schuhmachermeistern, welche bisher nur Leder verarbeitet haben, sehr schwer wird, die Ersatzsohlen in richtiger Weise zu verwenden. Um diesem Mißstande durch geeignete Maßnahmen möglichst abzuhelfen, hat der Kölner Regierungspräsident unter seinem Vorsitz eine Schuhkommission gebildet, der u. a. auch der Vorstand des Bekleidungsamts der Stadt Bonn, Stadtverordneter Gentrup, angehört. Die Kommission hat für den Regierungsbezirk in der Gewerbeförderungsanstalt für die Rheinprovinz in Köln, Maternusstraße 9, unter Leitung des Geheimen Regierungsrats Romberg eine Lehrwerkstätte für Schuhmachermeister eingerichtet, in der die Ausbesserung alter Schuhe und daneben auch die Herstellung neuer Schuhe unter Verwendung von Ersatzstoffen gelehrt werden. Die Kurse dauern jedesmal sechs Tage, von Montag bis Samstag. Als Lehrer wirken zwei Meister, die in der Lehrwerkstätte der Ersatzsohlengesellschaft in Berlin ausgebildet sind. Zu jedem Kursus sollen aus Köln, Bonn und den Landkreisen je drei bis vier Meister herangezogen werden, so daß etwa 40 an einem Kurse teilnehmen. Die Entsendung der Meister erfolgt durch die Kommunalverbände. Für die Unterbringung und Verpflegung der Kursusteilnehmer zu mäßigen Preisen kann durch das Entgegenkommen des katholischen Gesellenhospitiums in Köln Vorsorge getroffen werden. Durch die Kurse werden in kurzer Zeit die Schuhmachermeister im ganzen Regierungsbezirk in der Verwendung der Ersatzstoffe unterrichtet werden können.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Die Kartoffelversorgung in Bonn. Es dürfte die Bürgerschaft interessieren, in welcher Weise das Lebensmittelamt die der Stadt Bonn zugewiesenen Kartoffeln sichergestellt hat. Anfang Januar ds. Js. fand eine eingehende Besichtigung der hiesigen Kartoffelbestände und eine Prüfung der für die Versorgung getroffenen Maßnahmen durch den Sachverständigenbeirat der Reichskartoffelstelle in Berlin statt. Der Sachverständigenbeirat hatte schon in einer großen Reihe anderer Städte die Kartoffeleinlagerung besichtigt. Dieser Sachverständigenbeirat hat über das Ergebnis seiner Prüfung folgendes Gutachten abgegeben:
   „Die Läger der Stadt Bonn befinden sich in der denkbar besten Beschaffenheit. Die Stadt Bonn hat sich die allergrößte Mühe gegeben, um die Kartoffeln gut zu lagern. Die Vorkehrungen können als vorbildlich bezeichnet werden. Die Beschaffenheit sämtlicher Kartoffeln ist daher auch eine sehr gute. Der Abgang durch Schwund ist infolge der sorgfältigen Behandlung sehr gering. Die Läger werden dauernd von Sachverständigen überwacht.
   Die Mieten sind vorschriftsmäßig angelegt, die Kanäle und Lüftungen sind vorhanden, die Temperaturen in den Mieten werden dauernd festgestellt und waren am Tage der Revision normal. Wegen des starken Frostwetters konnten die Mieten nicht geöffnet werden, es soll aber nur allerbeste Ware zum Einmieten gelangt sein.
   Die Stadt Bonn hat von allen Städten, bei welchen ich bis jetzt eine Prüfung vorgenommen habe, sowohl was Versorgung als auch die Lagerung anlangt, die besten Vorkehrungen getroffen.
Der Vorsitzende des Sachverständigenbeirats der Reichskartoffelstelle gez.: Wilm.“
   Die Reichskartoffelstelle übersandte diesen Prüfungsbericht dem Oberbürgermeister zur Kenntnis zu und fügte dem folgendes hinzu:
   „Die Reichskartoffelstelle spricht der dortigen Stadtverwaltung für die im Interesse der Kartoffelversorgung getroffenen mustergültigen Maßnahmen ihre volle Anerkennung aus.
gez. Schmieding.
(Diese Anerkennung ist außerordentlich erfreulich. Sie beweist erneut, daß wir in Herrn Beigeordneten Piehl den richtigen Mann am richtigen Platze haben. Red.)

Das Ende der Gummibesohlung. Eine Verordnung der Ersatzsohlen-Gesellschaft untersagt die Herstellung von Sohlen, Absätzen, Ecken und Ferseneinlagen aus Gummi jeder Art. Nur zu Ausbesserungszwecken dürfen noch dünne Gummisohlenplatten hergestellt werden.

Strafkammer Bonn. Gegen die Gemüsehändlerin E. aus Godesberg war ein Strafbefehl über 100 Mark erlassen worden, weil sie im Juli für ein Pfund Schotenerbsen 60 Pfg. verlangt hatte, deren Höchstpreis auf 45 Pfg. stand, und für ein Pfund Zwiebeln 25 statt 22 Pfg. Das Schöffengericht Bonn hatte am 3. Oktober auf Freisprechung erkannt, wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung einlegte. Das Urteil in der gestrigen Sitzung der Strafkammer lautete auf 100 Mark Geldstrafe oder 10 Tage Gefängnis. – Der Monteur Josef B. von hier, der am 20. August gelegentlich einer Ausbesserung des Motors im Bonner Proviantamt sich 25 Pfund Weizenmehl von dort mitgenommen hatte und dieserhalb vom Schöffengericht am 9. November zu 3 Monate Gefängnis verurteilt worden war, soll zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer Anstalt überwiesen werden. - […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Diebstähle. In der Nacht zum Montag wurden bei einem Einbruchsdiebstahl in einem Zigarrengeschäfte an der Josefstraße für etwa 3500 Mark Waren entwendet. – Aus der Waschküche eines Hauses der Bonngasse stahlen Diebe, welche die Tür mit Nachschlüsseln geöffnet hatte, für 60 M. Wäsche. – In einem Geschäfte der Kölnstraße wurden in der Nacht zum Montag Lebensmittel entwendet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Mittwoch, 23. Januar 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Januar 1918Die Brotversorgung nach dem 1. Februar. Seit dem 5. November v. J. werden bekanntlich neben einer täglichen Kopfmenge von 200 Gramm Mehl wöchentlich anderthalb Pfund Kartoffeln zur Verfügung gestellt, mit denen das Brot gestreckt werden sollte. […] – Da nach dem 1. Februar keine Kartoffeln als Brotersatz mehr ausgegeben werden, muß die Bürgerschaft, wie im vergangenen Jahre, wenn auch in etwas geringerem Umfange, auf die Steckrübe zurückgreifen. Es werden in Bonn wöchentlich sechs Pfund Steckrüben ausgegeben werden. Schon jetzt kann allen Familien nur dringend geraten werden, wenigstens zweimal in der Woche die Kartoffelvorräte mit Steckrüben zu strecken.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Das Schweineschlachten auf dem Lande. Die Beschwerden über das Schweineschlachten auf dem Lande, das ohne jede Rücksicht auf die Lage der Verhältnisse angeordnet worden ist, haben insofern einen Erfolg gehabt, als nach einer neuerlichen Entscheidung der Landesfleischstelle zu Berlin unter Umständen eine Ausnahme gemacht werden darf. Major Seidler von dieser Landesfleischstelle hat nämlich hierüber folgende Erklärung abgegeben: „Die Kommunalverbände sind angewiesen, von der verordneten Abschlachtung Ausnahmen zu gewähren, dort, wo der Nachweis des genügenden Futtervorrats erbracht wird, ohne auf menschliche Nährstoffe (Getreide, Kartoffeln) zurückgreifen zu müssen.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Vaterlandspartei und freie Aussprache. Eine freie Aussprache hat die Deutsche Vaterlandspartei bisher noch nirgendwo gestattet. Fürchtet sie diese Aussprache? Oder was hält sie ab, sich ihren Gegnern öffentlich auseinander zu setzen? Der Kampf, wie er neuerdings gegen sie geführt wird, ist allerdings wenig erbaulich: Pfarrer Traub ist an verschiedenen Orten buchstäblich niedergeschrien, -gebrüllt, -getrampelt worden; anderswo hat es wüste Radauszenen gegeben; in Köln hatten die Gegner schon eine Stunde vorher den Saal, in dem der bekannte Kaplan Schopen aus Godesberg für die Vaterlandspartei sprechen sollte, dicht besetzt, es kam nur zu einem erregten Wortwechsel zwischen den Veranstaltern und den Gegnern, Kaplan Schopen hatte sich telegraphisch entschuldigt, und die Versammlung ging auseinander ohne sonstige Unerfreulichkeiten. Aber eine Partei, wie die Vaterlandspartei, darf vor einer öffentlichen Aussprache nicht zurückschrecken, und besser ist es, die Vorwürfe, die gegen sie vorzubringen sind, sofort zurückzuweisen, als sich vor ihnen verkriechen. Die Mitglieder des Bundes der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer haben auch ein Recht, gehört zu werden, und die Vaterlandspartei sollte sich bemühen, gerade diese Leute wiederzugewinnen, die durch schroffe Zurückweisung nur verbittert werden. Die Ausführungen von Professor Zitelmann über die belgische Frage in der Versammlung der Vaterlandspartei im Katholischen Vereinshause in Bonn haben Angehörige dieses Bundes ruhig angehört und in sich aufgenommen. Es kann also nicht behauptet werden, sie seien jeder Belehrung unzugänglich. Ich bin überzeugt, die Vaterlandspartei könnte manches Mißtrauen zerstreuen, wenn sie eine Aussprache zuließ. So lange sie aber jeder Auseinandersetzung ausweicht, muß sie schon auf sich nehmen, daß jede Ausstreuung und jede Behauptung über sie geglaubt wird.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Donnerstag, 24. Januar 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Januar 1918Universität. Das soeben erschienene Verzeichnis der Vorlesungen an der Universität Bonn und der landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf für das Sommerhalbjahr 1918 kündigt für die Universität 432 Vorlesungen und Uebungen an, in der katholisch-theologischen Fakultät 28, in der evangelisch-theologischen 25, in der juristischen 46, in der medizinischen 107, in der philosophischen Fakultät 217, 6 über Künste und Fertigkeiten und 3 technische Vorlesungen. […] – An der landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf kündigen 23 Dozenten insgesamt 78 Vorlesungen an.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Godesberg, 23. Jan. Der am 11. Januar veröffentlichte Aufruf des Bürgermeisters Zander zur Gründung eines gemeinnützigen Bauvereins, der für die wenigerbemittelte Bevölkerung die notwendige Anzahl Kleinwohnungen schaffen soll, hat in der Bürgerschaft sofort freudigen Widerhall gefunden. Vom ersten Tage an liefen auf dem Bürgermeisteramte Zeichnungen ein, so daß nach fünf Tagen schon 61.000 Mark zur Verfügung standen. Diese Summe hat sich bis heute auf 151.000 M. erhöht. Der Finanz- und der Wohnungsausschuß des Gemeinderats wollen eine Beteiligung der Gemeinde mit 30- bis 50.000 M. vorschlagen. Der Bauverein selbst soll Anfang Februar gegründet werden. Es ist sehr erwünscht, daß die gute Sache bis zum 1. Februar noch durch weitere Zeichnungen gefördert wird. Es braucht zunächst nur ein Viertel des Zeichnungsbetrages eingezahlt zu werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

   

Schluß der „weißen Woche“. Die „weiße Woche“ ist zu Ende und hat ein so schönes Ergebnis gebracht, daß alle Voraussagen der Schwarzseher widerlegt und die kühnsten Erwartungen weit übertroffen worden sind. Die Hauswirtschaftliche Kriegshilfe fühlt daher das Bedürfnis, allen, die zu dem reichen Erfolg beigetragen haben, den wärmsten herzlichsten Dank auszusprechen, sowohl den unermüdlichen Sammlerinnen in Sturm und Regen, als auch den freundlichen Gebern großer und kleiner Gaben, die alle gleich willkommen waren. Es ist ein schönes Zeichen für den Gemeinsinn und die Gebefreudigkeit unserer lieben Stadt Bonn, daß in der jetzigen Zeit eine derartige Sammlung in solchem Umfang gelingen konnte. Fast kein Haus hat versagt, auch dort, wo die Sammlerinnen mit leeren Händen fortgingen, mögen besondere Umstände obgewaltet haben. Nicht nur in den wohlhabenderen Stadtteilen, sondern auch in den weniger begüterten Vierteln wurde mit Freude und Eifer gespendet, und so kann viel Not gelindert werden. Dem schwergeprüften Säugling, dessen Notschrei über papiernen Windelersatz aus einer Redaktionsstube bis an unser Ohr drang, können wir tröstend zurufen: „Ihr Bonner Säuglinge seit jetzt vor aller Not gesichert: ihr werdet in Zukunft so weich und warm gewickelt und gebettet sein, daß ihr euren Eintritt in unsere liebe Vaterstadt nicht zu bereuen habt.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Neues aus Altem. Der große Saal der Lese faßte kaum die Zahl der Frauen, die dem Rufe der „Hauswirtschaftlichen Kriegshilfe“ gefolgt waren, um zu hören und zu sehen, was Fräulein Düben aus Köln ihnen zu sagen und zeigen hatte. „Neues aus Altem“ hieß ihr Vortrag und was sie im Anschluß an ihre klaren Worte, die zunächst vom Reinigen, Auseinandertrennen und Färben der alten Sachen handelten, vorführte, erregte das größte Interesse der Anwesenden. Da sah man Kleider aus Tüchern, Sofabezügen, Vorhängen, Kindersachen aus alten Kleidern und Stoffresten; geflickte Strümpfe, Mäntel und Kleider aus Herrenanzügen und alles machte den Eindruck der größten Sauberkeit und Ordentlichkeit. Die Vorführung hat gezeigt, wie die Not erfinderisch macht, hat manche gute Anregung gegeben und wird dazu helfen, weiter durchhalten zu können, auch wenn die Stoffe noch knapper werden und die Zuteilung noch geringer.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Freitag, 25. Januar 1918

   

Arndt-Eiche in Eisen. Seit einigen Tagen zeigt ein geschmackvolles Standschild in der Gangolfstraße am Eingange des Bekleidungsamtes, daß sich dort das Bonner Kriegswahrzeichen befindet. Dadurch wird der Bürgerschaft immer wieder ins Gedächtnis gerufen, daß sie des hehren Zwecks der Anrdt-Eiche, der Bonner Kriegswohlfahrtspflege, besonders der Witwen und Waisen von Bonner Kriegern gedenkt und nach Kräften hierfür spenden möge.
   Unsere Schuld den gefallenen Kriegern gegenüber erlischt nimmer! Grade an dem kommenden Geburtsfeste unseres Kaisers möge die Bürgerschaft reichliche Spenden darbringen und besonders jene Beträge, die sonst für Festessen und glänzende Veranstaltungen ausgegeben wurden, für die Arndt-Eiche und ihre Schutzbefohlenen opfern!

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Kriegsnotgeld. Die Kreise Bonn-Stadt, Bonn-Land und Sieg geben, wie die heutige amtliche Bekanntmachung besagt, wieder Kriegsnotgeld aus, und zwar Zehn- und Fünfpfennigstücke, Fünfzig- und Fünfundzwanzigpfennigscheine. Das Notgeld ist, wie das bisherige, nur im Gebiet der genannten drei Kreise umlauffähig. Sowohl das gemünzte, wie das Papiernotgeld trägt auf der Vorderseite die Wertangabe und auf der Rückseite das Bild der Rheinbrücke. Das Geld wird durch die Sparkasse und die Banken ausgegeben. Da aber die Präge-Anstalt und die Druckerei nur nach und nach liefern können, so wird die Ausgabe sich über einen gewissen Zeitraum verteilen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Samstag, 26. Januar 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Januar 1918Lebensmittelschwindel. Ein Monteur aus Bonn war als militärischer Kraftwagenführer an mehreren Fronten, vor allem auf den türkischen Kriegsschauplätzen tätig gewesen, hatte sich auch den Eisernen Halbmond erworben und war infolge einer Unfallverletzung entlassen worden. Nach seiner Entlassung aus dem Heeresdienst ließ er sich in Bonn als Lebensmittelgroßhändler nieder. Ein möbliertes Zimmer in einem Hause der Ermekeilstraße war sein Geschäftsraum. Zahlreichen Leuten in Bonn und Umgebung erzählte er, er könne ihnen bedeutende Mengen an Butter, Speck und anderer begehrenswerter Waren verschaffen, brauche dazu aber einen Geldvorschuß, den er in vielen Fällen auch erhielt. Ein Herr in Godesberg vertraute ihm sogar einen Vorschuß von 5300 Mark für eine Haferflockenlieferung an. Mit der Einnahme des Vorschusses hörte die Tätigkeit dieses Händlers natürlich auf. Die Strafkammer, vor der er sich gestern zu verantworten hatte, verurteilte den Betrüger zu zwei Jahren Gefängnis.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Eine Antwort an die studentische Vertreterversammlung. Aus studentischen Kreisen wird uns geschrieben: Durch die von dem Vorsitzenden der Vertreterversammlung abgegebene Erklärung muß der Eindruck erweckt werden als ob es sich um eine Meinungsäußerung der Bonner Studenten schlechthin handele. In der Tat handelt es sich aber nur [um] Vertreter von Korporationen. Wir verwahren uns dagegen, daß öffentlich über unsre Ueberzeugung verfügt wird, ja, daß der Anschein erweckt wird, als stelle sich die Bonner Studentenschaft als solche auf den Boden der Vaterlandspartei. Wir mißbilligen es auch, daß die anderer Ueberzeugung und der Herausforderung durch das Gebaren der deutschen Vaterlandspartei entsprungene Kundgebung der Heidelberger Kommilitonen als „Umtriebe“ bezeichnet wird.
   Wir halten es für unsere Pflicht, gegen die politischen Ziele der Vaterlandspartei aufzutreten, da diese durch den erstrebten Machtfrieden Deutschland nicht nur die dauernden, ungeheuren Kosten eines wahnsinnigen Wettrüstens auferlegen, sondern auch durch Verhinderung einer auf dem Boden des Rechts und der Sittlichkeit begründeten Verständigung der Völker den Krieg zu einer dauernd drohenden Geißel machen wird. Wir betonen, daß wir uns mit demselben Recht auf die gebrachten Blutopfer berufen können, und daß wir uns gegen die Bezeichnung „unpatriotisch“ entschieden verwahren müssen, zumal unsere Auffassung nicht nur von der Reichstagsmehrheit, sondern laut Antwort auf die Papstnote auch von der deutschen Regierung geteilt wird.

Zum Mehrverbrauch an Gas. Gar mancher, der in diesen Tagen seine Gasrechnung erhält, wird sich wundern, daß er trotz aller Sparsamkeit den Vermerk auf dem Quittungsformular findet, zu viel Gas verbraucht zu haben, und daß für jedes zu viel verbrauchte Kubikmeter Gas 50 Pfg. Strafe zu zahlen ist. Dieser Mehrverbrauch findet seine Erklärung darin, daß die diesmalige Rechnung über annähernd fünf Wochen Gasverbrauch ausgestellt ist, während sonst durchschnittlich alle drei, höchstens vier Wochen der Gasverbrauch aufgenommen wird. Es ist also nicht gesagt, daß der jetzt angegebene Mehrverbrauch auch wirklich bezahlt werden muß, das stellt sich erst bei der Gesamtrechnung über ein ganzes Jahr im März dieses Jahres heraus.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

[…] Brotversorgung.
Die Vorentnahme von Brot an den Samstagen und Sonntagen für die kommende Woche hat zu Schwierigkeiten in der Brotversorgung geführt, die eine Aufrechterhaltung dieses auch in anderen Städten nicht üblichen Vorzuges nicht mehr gestatten.
   Es wird daher in nächster Zeit angeordnet werden, daß die Vorentnahme des Brotes an den Samstagen und Sonntagen für die kommende Woche nicht mehr stattfinden darf. Brot für die neue Woche darf alsdann nur noch von Montag ab entnommen werden.
   Bäckereien, die nach dem Erlaß des Verbotes noch an den Samstagen und Sonntagen Brot für die kommende Woche abgeben, haben unnachsichtlich Geschäftsschließung zu erwarten.
   Die Hausfrauen werden gebeten, durch sparsamste Einteilung des Brotes unter allen Umständen dafür zu sorgen, daß die Brotmenge jeder Woche bis einschließlich Sonntag reicht. Auch verlangt eine geregelte Versorgung, daß die Wochenbrotmenge einer Familie nicht auf einmal genommen wird. […]
   Seifenpulver.
Nach einer neuen Bestimmung dürfen fortan an eine Person in einem Monat statt 250 Gramm nur noch 125 Gramm Seifenpulver abgegeben werden. Die jetzt noch im Verkehr befindlichen auf 250 Gramm lautenden Seifenkarten für Seifenpulver bleiben bis zur Neuausgabe von Seifenkarten bestehen, jedoch darf auf diese nur die Hälfte von 250 Gramm = 125 Gramm Seifenpulver verabfolgt werden. Bleibt der Bezug einer Person in einem Monat unter dieser zugelassenen Höchstmenge, so wächst der Minderbetrag der Höchstmenge des nächsten Monats nicht zu, dagegen ist der Vorausbezug der Menge für 2 Monate gestattet. Feinseife und Seifenpulver darf nur gegen Ablieferung der für den laufenden oder nächstfolgenden Monat gültigen Seifenkarten abgegeben werden. Die Seifenkarte gilt unabhängig vom Orte der Ausgabe in allen Orten des Reiches.
Bekleidungsamt.
Das Tischtuchverbot für Gastwirtschaften wird noch nicht überall gewissenhaft durchgeführt. Es wird daher eine strenge fortlaufende Prüfung angeordnet. Die Wäschebestände der Betriebe, die das Verbot nicht beachtet haben, werden sofort enteignet. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.“)

  

Kaisergeburtstagsfeiern. Die hiesigen höheren Schulen hielten gestern bereits ihre üblichen Kaisergeburtstagfeiern. Heute haben sie einen schulfreien Tag.
   In der Feier der städtischen Realschule, die in der Aula des städtischen Gymnasiums stattfand, bot der von Herrn Rech geleitete Schulchor eine Reihe vorzüglicher Leistungen dar. Wie die Chorlieder, waren auch die Gedichtvorträge dem vaterländischen Fest und zugleich dem Ernst der Zeit angepaßt. […] Die Festrede hielt Oberlehrer Dr. Krieg, der darin kurz die Eigenschaften schilderte, die den Kaiser jedem Deutschen lieb und wert machen müssen. Er schloß mit dem Ausdruck des Vertrauens, daß der Kaiser, seine großen Heerführer und seine Ratgeber, den rechten Frieden zur rechten Zeit schließen werden. Direktor Professor Dr. Korten überreichte 15 Schülern der Anstalt, die im vorigen Herbst bei der Obsternte in der Etappe bis zum Schluß wacker mitgeholfen haben, oder sich als Jungmannen in der Heimat, und drei weiteren Schülern als Anerkennung für gute Leistungen und musterhafte Führung ein Buch als Geschenk des deutschen Kronprinzen.
   Am städtischen Gymnasium und Realgymnasium fand die Feier des Geburtstages des Kaisers am Freitag nchmittag 5 Uhr in der Aula statt. […] Unter den Gedichten, die Stimmung und Gesinnung des Deutschen im Ringen um seine Zukunft wiedergaben, beanspruchten diejenigen der flämischen Dichter E. Hiel und G. Geselle besonderes Interesse. […] Ein begeistertes Kaiserhoch bildete den Schluß der Feier.
   In der Feier des städtischen Lyzeums und der damit verbundenen Studienanstalt trug der von Herrn Zoumer geleitete Schülerinnenchor eine Anzahl auch schwieriger Lieder sehr fein und vollendet vor. Die von mehreren Schülerinnen aufgesagten Gedichte waren durchweg dem weltgeschichtlichen Erleben der Gegenwart entnommen und verfehlten ihren Eindruck nicht. Die Festrede hielt Oberlehrerin Frl. Dr. Rüggeberg. Sie schilderte, zum Teil aus eigener Erfahrung, das falsche Urteil, das sich im Auslande, zumal in Frankreich und England, über uns Deutsche herausgebildet hat. Namentlich in Frankreich, zeitigte seit 1871 das Gift des Hasses und der Verleumdung um so schlimmere Blüten, je mehr der Deutsche in der Welt zu Ansehen und Einfluß gelangte. Die Ausführungen schlossen mit einem Kaiserhoch.
   Am morgigen Geburtstage des Kaisers die Häuser reich zu beflaggen und dadurch in dieser ernsten Zeit der Treue und Anhänglichkeit zum Kaiser besonderen Ausdruck zu geben, bittet Oberbürgermeister Spiritus die Mitbürger.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Sonntag, 27. Januar 1918

   

Kaisersgeburtstag. Zum heutigen Geburtstag des Kaisers hatten gestern bereits zahlreiche Gebäude Fahnenschmuck angelegt. Hoffentlich wird die Bürgerschaft, der Bitte des Oberbürgermeisters entsprechend, am heutigen Festtage selbst allgemein ihre Häuser beflaggen. Von den Volksschulen wurde Kaisersgeburtstag gestern mit kurzen Klassenfeiern und im übrigen durch Unterrichtsfreiheit begangen. Auch die Synagoge hielt gestern bereits ihren Kaisersgeburtstags-Festgottesdienst ab. Heute vormittag finden in den Kirchen aller Bekenntnisse Festgottesdienste statt. Um die Mittagsstunde läuten die Glocken. Die Universität hält um 1½ Uhr in der Aula ihre übliche akademische Feier. Für den Abend hat der Kreiskriegerverband seine Vereine und die gesamte Bürgerschaft zu einer größeren Feier in den Bonner Bürgerverein eingeladen. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Noch weniger Zigarren. Wie wir erfahren, wird am 1. Februar die Herstellung von Zigarren um ein weiteres Drittel und die von Rauchtabak um ein Fünftel der bisherigen Erzeugung herabgesetzt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Keine Verlängerung der Polizeistunde. Es wird uns mitgeteilt, daß am heutigen Kaisersgeburtstage eine Verlängerung der Polizeistunde nicht stattfindet. Die Wirtschaften müssen daher um 11 Uhr geschlossen sein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 28. Januar 1918

   

Kaisergeburtstag. Kaisergeburtstag, der vierte im Weltkriege, wurde gestern schlicht und würdig, ohne prunkhafte Festveranstaltungen gefeiert. Die ganze Stadt trug reichen Fahnenschmuck. Die Garnison und die Bürgerschaft nahmen zahlreich an den Festgottesdiensten in den Kirchen aller Bekenntnisse teil, zu denen auch der Kreis-Kriegerverband Abordnungen mit Fahnen entsandt hatten. Die Offiziere der Garnison versammelten sich dann auf der Hofgartenwiese zur Paroleausgabe, wobei die Musikkapellen der beiden Bonner Ersatzbataillone spielten. Um 12 Uhr mittags ertönte von den Kirchtürmen feierliches Glockengeläut. Von 12 bis 1 Uhr konzertierte in der Poppelsdorfer Allee eine Militärkapelle.
   Die Universität versammelte um 11½ Uhr ihre Mitglieder, eine größere Anzahl Ehrengäste, Abordnungen der Studentenschaft und viele Gäste zu einer akademischen Feier in der festlich geschmückten Aula. Der Rektor, Geheimrat Marx, trug bei dieser Gelegenheit zum erstenmal das aus Eisen gefertigte Bildnis Friedrich Wilhelms III, an der Ehrenkette, das das Goldbildnis des Stifters der Universität an die Goldsammlung der Reichsbank verpfändet worden ist. […] Zum Schluß bemerkte er: Auch in diesem Kriegsjahre habe die Universität an der alten akademischen Form der Kaisergeburtstagsfeier festgehalten. Sie fühle sich sicherer denn je im Schutze des deutschen Heeres und seiner Führer und blicke fest und zuversichtlich der Zukunft entgegen, und von froher Zuversicht seien die Wünsche getragen, mit denen sie den Kaiser in sein neues Lebensjahr begleite. – Als das Kaiserhoch und die erste Strophe der Nationalhymne verklungen waren, verließen die Professoren wieder im feierlichen Zuge unter den Klängen des Preußenmarsches die Aula.
   Im Anschluß an die Kaisergeburtstagsfeier in der Aula besuchten der Rektor und eine Anzahl anderer Professoren den studentischen Speisesaal. Geheimrat Marx erwähnte in seiner Ansprache, wenn es nach dem Willen unserer Feinde gegangen wäre, dann wehe jetzt die Trikolore über dem Universitätsgebäude, und der Rektor empfange seine Weisungen von einem französischen Unterpräfekten. Daß diese Gefahr glücklich abgewehrt sei, dazu hätten auch zahlreiche Studenten der Universität Bonn mitgeholfen, und darüber freue er sich besonders. Der Rektor leitete dann zu einem Kaiserhoch über, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Starker Straßenbahnverkehr war gestern auf den Kreisbahnen zu beobachten. Namentlich wurde die Bonn-Königswinterer Bahn in außerordentlichem Maße von Ausflüglern in Anspruch genommen, die den hellsonnigen Tag im Gebirge auskosten wollten. Das Fahrpersonal war infolgedessen besonders angestrengt, denn die Wagen vermochten die Fülle der Fahrlustigen, die sich an den Stationen herandrängten, kaum zu fassen. Auf den Plattformen und in den Abteilen herrschte in den ersten Nachmittagsstunden wie gegen Abend bei den Rückfahrten trotz eingelegter Sonderzüge ein ungemütliches Gedränge, das gar manchem Fahrgast die Freuden seiner Wanderung unlieb beeinträchtigte. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Mehlem, 26. Jan. Auf dem hiesigen Bahnhof geriet gestern nachmittag eine Schaffnerin beim Rangieren unter die Räder eines Eisenbahnwagens wobei ihr beide Beine und eine Hand abgefahren wurden. Die Aermste wurde sofort in das Markusstift nach Godesberg verbracht, wo sie schon nach wenigen Stunden ihren schweren Verletzungen erlegen ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

   

Städtische Fortbildungsschulen. Am 31. März werden aus den Fortbildungsschulen alle Schüler und Schülerinnen entlassen: 1. die bis zum 31. März 1918 das 17. Lebensjahr vollendet haben, 2. die bis zum 31. März 1918 die Fortbildungsschule drei volle Jahre regelmäßig und mit Erfolg besucht haben. Durch Beschluß des Schulvorstandes der Fortbildungsschulen können auf Antrag Schüler und Schülerinnen, bei denen diese Voraussetzungen fast gegeben sind, vorzeitig entlassen werden. Anträge auf vorzeitige Entlassung sind im Büro der Fortbildungsschulen, Bornheimerstraße 9, Zimmer 8, 1. Obergeschoß bis zum 9. Februar 1918 mündlich von den Eltern oder dem Vormund der betreffenden Schüler oder Schülerinnen vormittags zwischen 7 – 12 Uhr und nachmittags zwischen 3 – 6 Uhr zu stellen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Dienstag, 29. Januar 1918

  

Pfadfinderkorps Bonn. Am Sonntag beging auch das Pfadfinderkorps Bonn den Geburtstag des Kaisers. Einleitend fanden im Kottenforst bei herrlichem Wetter unter reger Teilnahme zwei größere, gut verlaufende Geländespiele statt. Es folgte im Waldheim eine kurze, aber eindrucksvolle Feier. Nach Einbruch der Dunkelheit wurden beim lodernden Schein eines großen Feuers dem Tage und der Zeit entsprechende Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen. Nach einer zündenden Ansprache, in deren Hoch alle Anwesenden begeistert einstimmten folgten bei hellem Schein des Flammenzeichens noch einige patriotische Lieder.

2000 Paar Schuhe (Segeltuch-Schnürstiefel mit Lederbesatz und Holzsohle) hat das städtische Bekleidungsamt den hiesigen Schuhgeschäften zum Verkauf überwiesen. Schuhausbesserungen können der Werkstelle des städtischen Bekleidungsamtes übertragen werden.

Die neuen Backvorschriften, wonach Schwarzbrot und Feinbrot 10 v. H. Kartoffelzubereitungen enthalten muß, ferner das Verbot, Brot und Mehl vor Beginn der entsprechenden Versorgungswoche (also vor Montag) zu verkaufen, werden im Anzeigenteil dieser Zeitung bekannt gemacht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Bonner Bürgerverein. Zu einer glänzenden vaterländischen Kundgebung gestaltete sich die Kaisersgeburtstagsfeier des Bonner Bürgervereins. Ein Prolog, den Herr Direktor Bourdin in vorzüglicher und stimmungsvoller Weise vortrug, leitete die Feier ein. In der Festrede bat der Vorsitzende, Justizrat Schumacher II, dem Kaiser als Geburtstagsgeschenk das Gelöbnis der Treue und opferwilligen Durchhaltens darzubringen, indem er darauf verwies, daß infolge der Tapferkeit unserer Heere uns die Schrecken des Krieges im eigenen Lande erspart worden seien. Zum Schluß zeigte Redner den Kaiser als Friedenskaiser, dem auch der Sieg zuteil werde.
    Einst sprach zu Friedenszeiten in der Kaiserstadt Aachen Kaiser Wilhelm das Wort: Ich stelle mich, mein Haus und mein Volk unter das Kreuz, so seinen Glauben offen bekennend und Volk und Reich dem Schutz des Allerhöchsten anbefehlend! Dieses Zeichen ist fürwahr in diesem Kriege ein Wahrzeichen geworden! Des braven Kriegers Brust schmückt das Eiserne Kreuz als Lohn für Tapferkeit und Pflichterfüllung. Unter des Roten Kreuzes warmherzigen Strahlen lindert christliche Liebe der Krieger Schmerzen und Not. Und überall, zumal in Feindeslande, kündet des Kreuzes Zeichen die Stätte, wo tapfere Helden ausruhen von Mühen und Leiden. „In diesem Zeichen, dem im Frieden Du vertraust, wirst, Kaiser Wilhelm, dDu auch siegen!“ –
     Vorzügliche Darbietungen des bekannten B.-Quartetts unter Leitung des Herrn Chordirektors J. J. Veith und des Herrn Bollig und ein Vortrag des Herrn Bohnen wechselten mit gemeinschaftlichen Liedern ab. Eine Sammlung zugunsten der Arndt-Eiche in Eisen ergab den Betrag von 200 M.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Kriegsküche. Wann wird endlich die Kriegsküche an der Reuterstraße eröffnet? Mehrere Familien warten mit Sehnsucht darauf, denen die Poppelsdorfer Kriegsküche zu weit entfernt ist. Eine Hausfrau, die gerne sparen möchte.

Rübenkraut statt Südfruchtmarmelade. Sehr geehrte Redaktion! Eine Hausfrau, welche im allgemeinen sehr zufrieden und durchaus fürs „Durchhalten“ ist, bittet freundlich um Aufnahme dieser Zeilen in Ihrer Zeitung. Es handelt sich um den einzigen Brotaufstrich in dieser entbehrungsreichen Zeit. Warum stellt man nicht einfaches reines Rübenkraut her? Auch die allerzufriedensten Menschen werden die allgemeine Klage über die Marmelade berechtigt finden. Da Rübenkraut in der Herstellung so billig ist, müßte dies doch zu erreichen sein. Da Südfruchtmarmelade von unseren Kindern überhaupt nicht gegessen wird, was ja begreiflich ist, stehen die Mütter ratlos da. Ich hoffe sehr, daß diese Zeilen dazu beitragen, gerade für die ärmere Bevölkerung hier Wandel zu schaffen. Eine Hausfrau im Namen vieler.


(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Durchlaßkarten für hoffende Frauen werden vom 1. Februar 1918 ab in der Kartenausgabestelle des städt. Lebensmittelamtes ausgegeben. Frauen, die im Besitz der Durchlaßkarte sind, sind längerem Warten vor den Verkaufsstellen und in den Geschäftsstellen enthoben.

Sonderausgabe an Lebensmitteln für Neuvermählte. Neuvermählte, die in Bonn einen eigenen Haustand gründen, erhalten zur Beschaffung eines Grundstocks für die Wirtschaftsführung einmalig besondere Bezugsscheine für Lebensmittel. Die Bezugsscheine erhalten nur solche Neuvermählte, von denen mindestens der eine Ehegatte vor der Eheschließung länger als ein halbes Jahr Bonner Einwohner war. Wieviel und welche Lebensmittel abgegeben werden, bestimmt das Lebensmittelamt nach Maßgabe der jeweilig zu Verfügung stehenden Lebensmittel. Auf Anträge, die in der Woche vom 27. Januar bis 2. Februar gestellt werden, werden abgegeben: 30 Pfund Kartoffeln, 2 Pfund Weizenmehl, 2 Pfund Gries, 5 Pfund Zucker, 2 Pfund Malzkaffee, 2 Pfund Butter oder andere Fette, 10 Stück Eier. Anträge sind mündliche in Zimmer 7 des Lebensmittelamtes zu stellen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Mittwoch, 30. Januar 1918

  

Kaisersgeburtstagsfeier im Soldatenheim. Der Einladung des Soldatenheimausschusses zur Kaisersgeburtstagsfeier im Bonner Bürgerverein waren Montag nachmittag Generalleutnant v. Boetticher mit vielen Offizieren, 1400 bis 1500 Soldaten, Vertreter der Stadt, die Militärseelsorger u.a. gefolgt. Exzellenz v. Boetticher brachte mit kernigen Worten das Kaiserhoch aus. Der zweite Vorsitzende des Ausschusses, Herr Klumann, behandelte in seiner Festrede die Bedeutung der Hohenzollern für Preußen und für Deutschland. Er schloß mit Bismarcks denkwürdigem Wort: Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts in der Welt. Eine abwechselungsreiche und geschickt zusammengestellte Vortragsfolge unterhielt die Besucher aufs beste, dazu hatten die vaterländischen Vereinigungen für Rauchwaren gesorgt. Den Schluß bildete ein flottgespieltes Lustspiel „In Zivil“.

Eine vaterländische Filmvorstellung für die Bonner Jugend veranstaltet am nächsten Sonntag um 11½ Uhr vormittags in den Bonner Lichtspielen der Flottenverein Jungdeutschland. Der berühmte, das Kriegsjahr 1917 darstellende Film des Bild- und Filmamts „Soll und Haben“ gelangt zur Vorführung, der die Kriegsereignisse daheim und im Felde in glänzender Folge vorbeigleiten läßt und uns so einen unvergleichlichen Eindruck von dem so gewaltigen Geschehen um uns her darbietet, indem er die großen Schlachten an der Westfront, die Kämpfe im Osten, den Siegeszug in Italien, das Wirken und Schaffen daheim und bei unseren Verbündeten unmittelbar uns vor Augen führt.

Das Bier. Ein Vertreter des Kriegsernährungsamtes hat mitgeteilt, daß die Weiterbelieferung der Brauereien mit Gerste einstweilen eingestellt werden müsse. Infolge der außerordentlich schlechten Haferernte sei das Bedürfnis nach Ersatzfuttermitteln immer dringender geworden. Unter diesen Umständen habe man sich zum Verzicht auf das Bier entschließen müssen. Im übrigen sei noch nicht sicher, ob die einstweilen bereitzustellenden Reserven tatsächlich verbraucht würden oder den Brauereien, sei es auch nur leihweise, wieder zur Verfügung gestellt werden könnten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Ueber die Selbstanfertigung von Straßen- und Hausschuhen hält am Donnerstag nachmittag und abends im Kath. Vereinshaus Frau Annemarie Walter aus Wien einen Vortrag.

Mitteilungen der Ortskohlenstelle. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Haushaltungen der Lebensmittelkartenumschläge A und B auf dem städtischen Gaswerk, Karlstraße, je zwei Zentner Koksgruß zum Preise von 0,75 Mk. den Zentner entnehmen können. Körbe oder Säcke sind mitzubringen. Die Lebensmittelkartenumschläge sind vorzulegen, Kohlenmarken sind nicht erforderlich. Größere Vorräte an Rohbraunkohle liegen noch zur Abgabe an die Inhaber der Lebensmittelkartenumschläge A und B zum Preise von 1,05 Mk. für den Zentner bereit. Hierfür sind besondere Kohlenmarken bei der Ortskohlenstelle anzufordern. Koksgruß wie auch Rohbraunkohle eignen sich vorzüglich zur Streckung der vorhandenen Brennstoffbestände. In letzter Zeit war die Ortskohlenstelle genötigt, mehrere Strafverfahren zu veranlassen, weil Koks ohne Bezugsschein verabfolgt und entnommen worden war. Die Händler werden darauf hingewiesen, daß nach der bestehenden Verordnung erst dann die Belieferung ausgeführt werden darf, wenn der Bezugsschein vom Empfänger vorgelegt worden ist. Auch die Entnahme ohne Marken oder Bezugsschein ist strafbar. Zur Anzeige gebrachte Fälle, in denen Kohlenmarken verliehen oder verschenkt worden sind, geben Veranlassung, auf die Strafbarkeit dieser Handlung hinzuweisen, Kohlenmarken sowohl wie Bezugsscheine sind streng persönlich und nicht übertragbar. Die Karten müssen mit dem Namen und der Wohnung der Inhaber versehen sein. Falls diese Eintragungen von der Ortskohlenstelle noch nicht geschehen sein sollten, sind sie vom Karteninhaber nachzuholen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Verkauf von Speisefett. Auf die Abschnitte Butter und Fett der Speisefettkarte werden in dieser Woche je 25 Gramm Butter, mithin insgesamt 50 Gramm Butter verausgabt. Der Preis für die Butter ist auf 3,45 für das Pfund festgesetzt.

Festgenommen wurden von der Kriminalpolizei zwei hiesige Frauen wegen Verbrechens gegen § 218 des Str.-G.-B., ferner ein Arbeiter, ein Soldat, ein Kriegsbeschädigter und eine Arbeiterin, die dem Vater des Kriegsbeschädigten 300 Mark und Lebensmittel sowie einem Fuhrunternehmer im Florentiusgraben Hafer, Wäsche und Möbelstücke entwendet und in der Nacht zum Sonntag versucht hatten, in ein Zigarrengeschäft in der Breitestraße und in ein Weißwarengeschäft an der Meckenheimerstraße einzubrechen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Donnerstag, 31. Januar 1918

     

Gartenbauverein Bonn. Die gestrige Monatsversammlung, die erste im neuen Jahre, leitete der zweite Vorsitzende, Herr Thilmann. Er erwähnte unsere militärischen und politischen Erfolge des vergangenen Jahres, betonte, das deutsche Volk könnte vollständig beruhigt in die Zukunft blicken, wenn es Hindenburgs Mahnung zur Einigkeit befolge, und brachte ein begeistert aufgenommenes Kaiserhoch aus. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Die zunehmende Knappheit an Tabaken hat zu einer abermaligen Herabsetzung des den Fabriken eingeräumten Kontingents genötigt. Sie tritt mit dem 1. Februar in Kraft. Die Herstellung von Zigarren wird um ein Drittel, von Rauchtabak um ein Fünftel der bisherigen Erzeugung eingeschränkt. Damit erleidet die Versorgung des Handels, der bisher schon den Bedarf der Zivilbevölkerung nur in sehr eingeschränktem Maße befriedigen konnte, eine weitere starke Einbuße. Unter diesem Zeichen ziehen auch die Preise weiter an, was wiederum zu neuen Klagen der Raucher über die Preise und angebliche Wucherpreise führt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Vom Rhein. Der Schiffsverkehr kann sich wieder voll entfalten. Da durch die Unterbrechung der Schiffahrt sich viel Massengut angesammelt hat, ist für die nächste Zeit lebhaftes Verfrachtungsgeschäft sowohl rheinauf- wie rheinabwärts zu erwarten. Besonders der Versand von Kohlen nach den oberrheinischen Häfen wird lebhaft betrieben. Mangel an Schiffsraum und Schleppkraft ist vorderhand nicht wahrscheinlich, da für längere Zeit volle Belastung der großen Kähne und völlige Ausnutzung der Schleppkraft gesichert ist.

Die vielen Wucherpreise, die zur Zeit am Bonner Gericht schweben, müssen, wie man uns schreibt, eine sehr ungünstige Vorstellung über den Charakter der Bewohner des Vorgebirges erwecken. Da müssen wohl Leute wohnen, die durch die Bank von der herzlosesten, gemeinsten Habsucht verseucht sind, so wird man denken. Daß es auch am Vorgebirge manche Wucherseelen gibt, soll nicht geleugnet werden. Aber Unrecht wäre es, von diesen Wucherprozessen auf den Charakter der Bewohner der Bewohner im Allgemeinen zu schließen. Wucherseelen beteiligen sich nicht an den Werken der christlichen Caritas, wie es z. B. in Bornheim in diesem Sommer noch geschehen ist. An die 70 Ferienkinder aus Essen sind monatlang in der freundlichsten Weise hier aufgenommen und verpflegt worden, ohne alle Aussicht auf irgendwelchen Lohn. Als nun doch noch nachträglich 0,50 Mk. für jeden Tag bezahlt werden sollte, da nahmen die meisten das Geld nicht an, indem sie erklärten, sie hätten dies aus christlicher Nächstenliebe getan. Wie sind denn solche edeldenkenden Menschen plötzlich zu Wucherern geworden? Die Sache erklärt sich leicht. Händler aus den Industriegebieten boten den hiesigen Erzeugern für Bohnen Preise an so hoch, wie diese sie nie würden gefordert haben. Hätten sie die Angebote abgewiesen, so würde man sie wahrscheinlich für dumme Bauern gescholten haben. Jetzt, wo sie die Angebote angenommen haben, schimpft man sie Wucherer, obwohl doch von einem Missbrauch fremder Not zum eigenen Vorteil nicht die Rede sein kann. Von der Höhe der Strafe kann man sich eine Vorstellung machen aus folgendem Fall: Eine gewisse Frau Häuser aus Brenig, deren Mann im Felde steht, hat 30 Pfund Himbeeren über den Preis verkauft. Dafür hat sie ein Strafmandat bekommen von 1000 Mark.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

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