Freitag, 21. September 1917
Der Vortrag über den Ubootkrieg gestern abend im Bonner Bürgerverein war so stark besucht, daß sehr viele Besucher mit einem Stehplatz vorlieb nehmen mußten. Der Redner, Kapitänleutnant Ernst Hashagen, Kommandant eines Ubootes, betonte, daß unsere Ubootwaffe, die erst seit Anfang dieses Jahres eine Volkswaffe im wahren Sinne des Wortes geworden sei, sich gegen den Lebensnerv unseres ärgsten Feindes richte und unbedingt zum Siege führen würde. Der Tag werde bestimmt kommen, an dem das Kartenhaus aller englischen Berechnungen zusammenbrechen werde. Er erklärte die Einrichtungen und den Betrieb der Uboote, sowie das Leben an Bord in fesselnden Ausführungen, die nachher durch zahlreiche Lichtbilder noch ergänzt wurden, und schilderte dann die Erlebnisse einer über dreiwöchigen Seefahrt auf dem von ihm befehligten Uboote. Es wurden dabei insgesamt 25.000 Bruttoregistertonnen Schiffsraum vernichtet, darunter mehrere große Dampfer mit Lebensmitteln für England. England muß jetzt bereits von der Hand in den Mund leben, Reserven an Lebensmitteln sind nicht mehr vorhanden, dazu steht England vor einer der schlechtesten Ernten, die es je gehabt hat. Mit jedem versenkten Schiffe muß die Hoffnung des britischen Inselreiches, uns schließlich doch noch zu bezwingen, kleiner werden. England weiß auch, daß es unterliegen muß, es kämpft den Kampf der Verzweiflung. Seine einzige Hoffnung ist, daß wir kleinmütig werden und nicht an dem uneingeschränkten Ubootkrieg festhalten. Diese Hoffnung soll sich aber nicht erfüllen. Wir wissen, daß wir für unser und unserer Verbündeten Dasein kämpfen, und wir lassen uns die starke Waffe, die wir in unseren Ubooten haben, nicht aus der Hand schlagen. Schwere Opfer haben wir in unserem Daseinskampfe gebracht, und auch die neue Kriegsanleihe wird keine verschlossenen Hände finden, der Sieg ist uns aber sicher, dafür bürgt uns die erfolgreiche Tätigkeit unserer Uboote. Die Ausführungen des Redners fanden am Schluß lebhafte Zustimmung.
Polnische Arbeiter für kriegswichtige Betriebe. Die Kriegsamtsstelle Koblenz, Abteilung „Afra“ (Ausländische freie Arbeiter) gibt bekannt: Voraussichtlich werden für die Wintermonate polnische freie Arbeiter zur Arbeit in kriegswichtigen Betrieben zur Anwerbung kommen. Anträge auf Beschaffung solcher Kräfte sind für den Bereich des 8. Armeekorps an obige Abteilung zu richten und bis zum 23. d. M. der zuständigen kgl. Gewerbeinspektion zur Begutachtung vorzulegen. Diese gibt über die Bedingungen im einzelnen Auskunft.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Zum Geburtstag der Kronprinzessin hatten gestern die öffentlichen Gebäude geflaggt.
7. Kriegsanleihe und Werbearbeit der Jugend. Alle sollen dabei sein, mit Zeichnung und Werbung. Auch und nicht zuletzt unsere Schuljugend. Sie hat bei den bisherigen Kriegsanleihen so wacker mitgeworben, daß ganz gewiß auch dieses Mal auf sie gerechnet wird. Sie soll sich begeistert-freudig für ihr Alter das Bewusstsein sichern, schon mit jungen Füßen und Händen geholfen zu haben, als das Vaterland in entscheidender Stunde rief. Doch gewisse, leicht vermeidbare Mißstände bei einer zwar bestens gemeinten Werbung sollen nunmehr vermieden werden. Hier und da fehlte ihr die Planmäßigkeit, eine Anzahl von jugendlichen Werbern erschien wohlmöglich an demselben Tage in demselben Hause, vielleicht auch ohne den richtigen Blick für den Umfang des möglichen „Angriffs“. So lobenswert der Wettbewerb der verschiedenen öffentlichen und privaten Schule an sich ist, es muß gerade im Interesse des allen vorschwebenden Zieles eines möglichst großen Erfolges ein möglichst einheitlicher „Schlachtplan“ befolgt werden. Die Vorsteher der Schulen bezw. der Schüler werden darum gebeten, sich an die Obmänner der einzelnen Werbebezirke zu wenden, um den richtigen Platz bei der Werbung zugewiesen zu erhalten. Hilfe an der richtigen Stelle ist allein Hilfe, sie ist aber auch jetzt willkommener als je.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Aufruf!
Das Ringen um Deutschlands Zukunft, um unseres Volkes Bestand, Freiheit und Aufstieg muss nach dem Willen unserer Feinde weitergehen. So lange noch, bis auch verblendeten Augen endlich offenbar wird, daß allen Anstürmen, Kriegsbeschwerden und Gelderfordernissen unbeugsam standzuhalten das deutsche Volk bereit und fähig ist.
Die herausfordernden Zweifel an unsere heimische Unerschütterlichkeit sind es, und sie sind es ganz allein, die den Krieg verlängern. Ja, mit einem Aufflammen unerbittlicher feindlicher Vernichtungswut, mit teurem Blut und Gut, mit einer Gefährdung des opfervoll bisher Erreichten hätten wir es alle schmerzlich und unersetzbar zu büßen, wenn wir jetzt in der geldwirtschaftlichen Kraftanspannung glaubten nachlassen zu dürfen.
Je widerstandsfähiger aber wir des Reiches Geldwesen erhalten, um so stärkeren Widerhall wird dereinst das deutsche Wort bei den Friedensverhandlungen wecken, um so rascher werden wir in der Zeit friedlichen Wiederaufbaus den deutschen Geldwert im Ausland auf seine alte Höhe bringen – zu unserer aller Vorteil.
Das Deutsche Reich bietet Gewähr für die Sicherheit Eurer unentziehbaren Ansprüche in allen Vermögenswerten, mit dem Einkommen und allen schaffenden Kräften der Gesamtheit seiner Bürger. Und machtvoll wie durch drei lange Jahre hindurch wird auch fernerhin zu Wasser und zu Lande die Abwehr und Schwächung unserer Feinde sein. Hinzutreten muß aber als mitkämpfende Streitmacht das lückenlose Aufgebot aller freien Gelder.
So ergeht in schicksalsschwerer Zeit an die sämtlichen Volksgenossen mit großem, kleinem und kleinstem Geldbesitz in Stadt und Land der Ruf des schuldlos bedrohten Vaterlandes:
Helft mit Eurem Gelde zu einem neuen, stolzen, achtungsgebietenden Zeichnungserfolg, zu einem ehernen Kraftbeweis, der uns dem ehrenvollen Frieden näher bringt!
Zeichnet die 7. Kriegsanleihe!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 22. September 1917
Stadtverordneten-Sitzung
Bonn, 21. September 1917.
Oberbürgermeister Spiritus eröffnet die Sitzung um 15.15 Uhr,
Eine Kundgebung gegen Wilson.
Vor Eintritt in die Tagesordnung führt Oberbürgermeister Spiritus aus:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat in der Antwort auf die Friedensnote Seiner Heiligkeit des Papstes den Versuch gemacht, die Stimmung des deutschen Volkes gegen seinen Kaiser zu beeinflussen. Die hierin liegende Anmaßung ist ebenso groß, wie der gänzliche Mangel an Verständnis für deutsche Art und deutsches Wesen. Ein Sturm der Entrüstung geht durch unser Vaterland, und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen Kaiser und Volk hat niemals lebhafteren Ausdruck gefunden als in diesen Tagen. (Bravo!)
Auch wir Bonner können dazu nicht schweigen. Die heutige Stadtverordneten-Sitzung soll uns Gelegenheit geben, der Empörung der Bürgerschaft Ausdruck zu verleihen und unserem erhabenen Kaiser unsere unwandelbare Treue zu versichern. (Bravo!)
Ich bitte Sie, die Absendung des folgenden Telegramms an Seine Majestät zu beschließen:
An Seine Majestät den Kaiser und König.
Eure Kaiserliche und Königliche Majestät bittet die Vertretung der Stadt Bonn, ihrer Entrüstung Ausdruck geben zu dürfen gegenüber der dreisten Anmaßung des Präsidenten Wilson in seiner Antwort auf die Friedensnote des Papstes. Der plumpe und hinterlistige Versuch, das deutsche Volk und seinen Kaiser zu entzweien, erweckt unseren gerechten Zorn, aber gerade diese schändliche Absicht des Amerikaners verbindet Fürst und Volk noch fester. Die Bürgerschaft der Stadt Bonn gelobt Euerer Majestät in alter Treue zu stehen zu Kaiser und Reich und durchzuhalten in großer und schwerer Zeit bis zum siegreichen Ende.
Der Oberbürgermeister, die Beigeordneten, die Stadtverordneten.
Die Stadtverordneten beschließen, das Telegramm abzusenden. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Die städtische Knochen-Entfettungsanlage, die in der Kälberhalle des Schlachthofes untergebracht ist, hat sich bereits gut bewährt. Aus den abgelieferten Knochen wird durchschnittlich täglich ein Zentner Fett gewonnen, das zu technischen Zwecken Verwendung findet. In den nächsten Tagen soll auch mit der Gewinnung von Speisefett begonnen werden. [...] Man kann damit rechnen, daß aus einem Zentner Knochen vier Pfund Fett gewonnen werden.
Die entfetteten Knochen werden auch noch verwendet; sie werden gemahlen und leisten als Futter- und Düngemittel gute Dienste. [...] Um die Anlage voll ausnutzen zu können, ist es unbedingt erforderlich, daß kein Knochen im Haushalt verkommt, sondern allwöchentlich an den Metzger abgeliefert wird. Der gegenwärtige Krieg hat uns gezwungen, mit vielen alten Gewohnheiten zu brechen. Auch darin müssen die Hausfrauen einig sein, da sie fortan keinen Knochen mehr ins Feuer oder in den Mülleimer werfen. Denn mehr denn je sind wir gezwungen, darauf zu achten, daß kein Gramm Fett verloren geht, weder dem Haushalt noch dem Gewerbe.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Übertrieben hohe Preise für Schuhwaren und Schuhausbesserungen. Der hiesigen Preisprüfungsstelle gehen täglich Klagen darüber zu, daß für Schuhe und Schuhausbesserungen unverhältnismäßig hohe Preise gezahlt werden. Es ist vorgekommen, daß Schuhe mit 60 bis 75 Mark bezahlt wurden. Für Herren-Sohlen und Absätze sind schon 21 Mark verlangt worden. Derartige Preise überschreiten ganz bedeutend das erlaubte Maß. Jeder Schuh und Pantoffel muß sichtbar mit dem bei der Berliner Gutachter-Kommission festgesetzten Preise versehen sein, gleichviel ob es Inlands- oder Auslandsware ist. Allerdings können heute nicht mehr wie in Friedenszeiten von Käufern Ansprüche auf Haltbarkeit gestellt werden, da jeder Schuhhändler seine Ware vom Verteilungs-Ausschuß ohne Rücksicht auf Güte und Ausführung zugeteilt erhält. Aufgrund der festgesetzten Richtpreise für Leder und Arbeitslöhne dürfen je nach Höhe der Arbeitslöhne für Herren-Sohlen und Absätze 8 Mark bis 9,50 Mark verlangt werden. Für Damen- und Kindersohlen mit Absätzen entsprechend weniger. Jeder Schuhmacher, der Ausbesserungen ausführt, muß auf einem sichtbaren Plakate Richtpreise für Material und Arbeitslöhne gesondert bekannt geben und jeder Ausbesserungsarbeit einen Zettel beilegen, der den Aufwand für Leder und Arbeitslohn genau angibt. Die Preisprüfungsstelle bittet die Einwohner auf Innehaltung dieser Vorschriften zu dringen und die Fälle, in denen sie überfordert zu werden glauben, unnachsichtlich der Preisprüfungsstelle mitzuteilen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Zur 7. Kriegsanleihe. Um ihren Beamten, Angestellten und Arbeitern die Zeichnung der 7. Kriegsanleihe zu erleichtern gewährt die Stadt Bonn diesen Vorschüsse bis zur Höhe eines Monatsgehaltes, die dann bei der jeweiligen Lohnzahlung in Teilen abgehalten werden. Die Einrichtung hat sich bei der 6. Kriegsanleihe bewährt. Die Zeichnung kann auch im Wege der Kriegsanleihe-Versicherung bei der Landesbank durch Vermittlung der städtischen Sparkasse geschehen. – Herr Dr. Schorlemmer in Godesberg erläßt an alle Rheinländer einen warm empfundenen Mahnruf in ernster Zeit zur Aufklärung und Werbung für die 7. Kriegsanleihe.
Bekleidungsamt. Die Knappheit der vorhandenen Bestände an Webwaren gestattet nicht mehr, Sonderkleidung für besondere Zwecke anzuschaffen. Die Reichsbekleidungsstelle hat deshalb angeordnet, daß Bezugsscheine für Trauerfälle, Konfirmation und erste Kommunion nur dann bewilligt werden, wenn der Bestand dadurch nicht die in der Bestandsliste angegebenen Ziffern überschreitet. In gleicher Weise wird bei der Bewilligung von Sportanzügen verfahren. Getragene Kleidungsstücke an entlassene Krieger werden aus den Beständen der Verkaufsstelle des städtischen Bekleidungsamtes nur dann abgegeben, wenn der Antragsteller überhaupt keine Zivilkleidung mehr besitzt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 23. September 1917
Ein würdiger Dank an unsere Krieger.
Am 1. August haben viele rheinische Städte den dritten Jahrestag der Kriegserklärung mit schlichten Erinnerungsabenden würdig begangen. Am würdigsten aber danken wir unseren Helden, vor allem den toten, für ihre beispiellose Treue, indem wir in ihrem Geiste fröhlich Opfer bringen und u.a. durch den Verkauf unserer überflüssigen Goldsachen die Goldrüstung der Reichsbank stärken. Ist ein solcher Verkauf überhaupt ein Opfer in dieser Zeit zu nennen, während uns in den Straßen in jedem Verwundeten eine ganz andere Opferwilligkeit entgegentritt? Vor jedem Verstümmelten, der sein Gebrechen als eine natürliche Folge einer selbstverständlichen vaterländischen Pflicht klaglos erträgt, muß ja der Besitzer protziger Goldsachen erröten. Fort daher mit dem Gold zur Reichsbank. Dort stärkt es unsere Rüstung, dort verkürzt es den Krieg.
Eine große Bürgerversammlung wird von einem Ausschuß aus Mitgliedern aller Parteien mit dem Oberbürgermeister an der Spitze vorbereitet. Sie soll nächsten Sonntag im Saale des Bürgervereins stattfinden und für die 7. Kriegsanleihe werben. Die vereinigten Bonner Männergesangsvereine werden Chorlieder vortragen. Als Redner sind Stadtverordneter Justizrat Falck aus Köln und Reichstagsabgeordneter Kuckhoff in Aussicht genommen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Antwort des Kaisers. Auf das infolge Beschlusses der Stadtverordneten-Versammlung vom 21. ds. Mts. an Seine Majestät den Kaiser und König gesandte Telegramm ist folgendes Antwort-Telegramm eingegangen.
Oberbürgermeister Bonn!
Den städtischen Kollegen und der Bürgerschaft Bonns sende ich meinen wärmsten Dank und vaterländischen Gruß anläßlich des erneuten Ausdrucks der mir wohlbekannten treuen Gesinnung der rheinischen Musenstadt am schönen deutschen Strom.
WilhelmR
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Marcell Salzer, der am 3. Oktober im großen Saal des Bonner Bürger-Vereins zu uns kommt, hat bisher 272 Wohltätigkeits- und unentgeltliche Lazarettvorträge gehalten und bisher rund 75.000 Mark für kriegswohltätige Zwecke aufgebracht. Er war an mehreren Fronten, beim deutschen Kronprinzen, Hindenburg, Erzherzog Friedrich, Prinz Leopold von Bayern, Linsingen usw. und hat den Heerführern und ihren Stäben in den Hauptquartieren, ebenso den Mannschaften an der Front und in den Soldatenheimen, den Verwundeten in den Lazaretten erheilende und erfrischende Vorträge gehalten.
Wohltätigkeitskonzert. Ein großes Solisten-Konzert erster Künstler findet am 28. September in den Sälen des Bonner Bürger-Vereins statt. Ein Teil der Einnahme ist für die Schwerverwundeten des 1. Ers.-Bat. Inf.-Regts. Nr. 160 bestimmt.
Ein Fahnenflüchtiger, der vor einigen Tagen in Bonn, wo er mehrere Einbruchdiebstähle verübt hat, festgenommen worden, aber bei seiner Weiterbeförderung entsprungen war, ist gestern aufs neue in Bonn festgenommen worden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 24. September 1917
Heraus mit dem Gelde!
Heraus mit dem Gelde zu Bonn nun Ihr Herr’n!
Da sitzt Ihr im Bären, da sitzt Ihr im Stern,
Da sitzt Ihr in Lese und Bürgerverein.
Nun laßt das mal sein! Nun laßt das mal sein!
Heraus mit dem Gelde zu Bonn nun Ihr Frau’n!
Da steht Ihr vor Fenstern nach Hüten zu schau’n,
Da sucht Ihr nach Röcken und Jacken und Kleid.
Es hat das noch Zeit! Es hat das noch Zeit!
Heraus mit dem Gelde zu Bonn nun mein Kind!
Die Sparbüchs’ geschüttelt geschwinde, geschwind!
Jetzt wird nicht gesparte für Trödel und Tand.
Wir sparen’s für’s Land! Wir sparen’s für’s Land!
Heraus mit dem Gelde zu Bonn jedermann!
Es gibt nur ein Ziel, und das setzten wir’s dran!
Heraus mit dem Gelde, Ihr Treuen vom Rhein!
Dem Reiche zu leih’n! Dem Reiche zu leih’n!
Vino
Türken-Konzert. Zum Besten des türkischen Roten Halbmondes veranstaltet bekanntlich das Kaiserlich Türkische Konsulat am Donnerstag, dem 4. Oktober, im Bonner Bürgerverein ein Wohltätigkeitskonzert. Ihre Mitwirkung an diesem Abend haben in uneigennütziger Weise zugesagt: Kammersängerin Frau Grimm-Mittelbach und Karl Schröder, beide hervorragende Kräfte der Kölner Oper. Außerdem werden der berühmte Pianist Professor Paul Stoye und Hofschauspieler Robert Nonnenbruch aus Düsseldorf das Konzert zu einem künstlerischen Ereignis gestalten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Die Festfeier des 25jährigen Bestehens der Marienkirche wurde gestern unter großer Anteilnahme der Pfarreingesessenen in würdiger Weise begangen. Dem Ernste der Zeit entsprechend hatte man von einer weltlichen Feier abgesehen. Umso erhabener gestaltete sich die Feier in der reichgeschmückten Pfarrkirche selbst. Am Morgen fanden sich die Pfarrangehörigen sehr zahlreich zur gemeinsamen hl. Kommunion ein, von dem Gedanken ausgehend, daß wie bei der Feier der Silbernen Hochzeit Eltern und Kinder gemeinsam zum Tisch des Herrn gehen, so auch bei einem Kirchenjubiläum die Pfarreingesessenen durch die Teilnahme an der hl. Kommunion ihre Zusammengehörigkeit bekunden müssen.
Um ¼ vor 10 Uhr morgens fand das feierliche Hochamt statt, das von dem rührigen Marienkirchenchor durch mehrstimmige Gesänge begleitet wurde. Das Messopfer wurde von Herrn Pfarrer Stein celebriert für alle Wohltäter, für die Pfarrangehörigen und insbesondere für unsere tapferen Soldaten im Felde.
Die Hauptfeier war nachmittags 6 Uhr in einer feierlichen Danksagungs-Andacht in der Marienkirche, in der Herr Pfarrer Stein die Festpredigt hielt. [...]
Heute morgen fand ein feierliches Requiem für die verstorbenen Wohltäter der Kirche und die 162 gefallenen Helden der Marienkirche statt, an dem sich die Pfarreingesessenen ebenfalls zahlreich beteiligten.
Bonner Bürgerverein. In der letzten Mitgliederversammlung nahm der Verein die Entschließung an, welcher der Verband geselliger Vereine „Omnes unum“ an den Reichskanzler gesandt hat. In dieser Entschließung protestiert der Verband gegen das Machwerk eines Wilson, der sich unterfängt, zwischen den Kaiser und sein Volk Zwietracht säen zu wollen. Darauf gibt es in diesen Tage die richtige Antwort, ein glänzendes Ergebnis der 7. Kriegsanleihe herbeizuführen.
Der Vorsitzende forderte die Mitglieder zu möglichst hoher Zeichnung auf, indem er auf die Vorteile hinwies, die der Bonner Bürger-Verein auch bei dieser Anleihe wieder seinen Mitgliedern gewährt. Diese erhalten je nach Höhe ihre Zeichnung bis zu 50 Flaschen vorzüglichen Weines zu äußerst billigen Preise, was in der jetzigen Zeit großer Weinknappheit und Weinteuerung von den Mitgliedern sehr begrüßt wurde. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Dienstag, 25. September 1917
Wer kann Kriegsanleihe zeichnen? „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, heißt ein altes Sprichwort. Für die 7. Kriegsanleihe müßte es heißen: „Wo ein Wille ist, sind viele Wege!“ Wer seine Pflicht zu zeichnen erkannt hat – und wer sollte sie nicht erkennen! –, der muß auch den Willen haben, dieser unabweisbaren Pflicht zu genügen. Außer stande, ein Scherflein beizutragen, sind in Bonn wenige. Am Willen, nicht am Können, hängt bei uns der Erfolg; denn Geld ist viel vorhanden, wird viel verdient und trotz des Krieges viel unnütz ausgegeben.
Und die Möglichkeit zu zeichnen ist so leicht gemacht! Wer bares Geld hat, kann es wahrlich nicht nützlicher und sicherer anbringen, als in der Kriegsanleihe; denn sie macht den Sieg möglich, der seinen ganzen Besitzstand allein sichert. Wer sein Vermögen in Papieren, Hypotheken und dergleichen angelegt hat, kann es bei den Darlehnskassen flüssig machen. Eine ganz ausgezeichnete Art, dem Reiche zu dienen und zugleich für später eigene Ersparnisse zu sammeln, sind die Kriegsanleiheversicherungen. Endlich finden die kleinen Zeichner im Erwerb on Anteilscheinen zu 5, 10, 20 und 50 M. eine günstige Gelegenheit, sich an der Anleihe zu beteiligen, was ihnen noch erleichtert wird durch Teilzahlungen, Vorschüsse von Fabrik und Dienstherrschaften auf Gehalt und Löhne.
Darum lehne es keiner ab, auch der nicht, dem zurzeit Barmittel fehlen, sich mit den Vertrauensleuten für die Werbung bei der Anleihe in eine Unterhaltung über die verschiedenen Wege zur Anleihe einzulassen.
Die Möglichkeit zu zeichnen besteht für viele, sehr viele! Möchten sie im Vaterlandsinteresse, wie im eigenen Interesse ihrer Pflicht genügen!
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Handels- und Gewerbeverein. In der gestern Abend im Stern abgehaltenen Hauptversammlung hieß der Vorsitzende Direktor Roßberg die Anwesenden herzlich willkommen und wies vor Eintritt in die Tagesordnung auf die Bedeutung der jetzt aufgelegten Kriegsanleihe hin. Die Gewerbetreibenden müßten es sich zur Ehre anrechnen, ihr gut Teil zum Gelingen der Anleihe beizutragen, um damit den Anmaßungen des Amerikaners Wilson die beste Antwort zu geben. […]
Polizeibericht. Ein französischer Kriegsgefangener, der sich von seiner Arbeitsstätte Linz heimlich entfernt hatte, wurde in voriger Nacht auf der Rheinbrücke abgefaßt. – Ein Deserteur von hier, der sich schon längere Zeit von seinem Truppenteil entfernt hatte, ist von unserer Kriminalpolizei gestern nachmittag festgenommen worden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Muffendorf, 24. Sept. Die Pfirsichernte geht jetzt auch bei den späten Sorten ihrem Ende entgegen. Sie hat bei dem reichen Ertrage unserem Orte in diesem Jahre viele Tausende eingebracht. Der Boden ist für die ausgedehnten Pfirsichpflanzungen hier recht geeignet. Darum bleiben die Stämme hier gesund und erreichen ein höheres Alter als anderswo. Ehe die Bäume absterben, hat man meist schon durch Zwischenpflanzung für Nachwuchs gesorgt. Die meisten der Pfirsiche, welche sich durch auffallende Fruchtbarkeit auszeichnen, sind durch Sämlingszucht hervorgegangen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Straßenreinigung. Obwohl an dieser Stelle schon wiederholt darauf hingewiesen worden ist, daß die „Bonner Trottoir- und Straßenreinigungs-Gesellschaft“ in ganz gröblicher Weise die Gebote der Hygiene verletzt, indem sie die Straßen trocken aufkehren läßt, ist noch keine Besserung dieses Zustandes eingetreten. Die Gesellschaft erhebt monatlich 1,50 Mk. von ihren Abonnenten und kehrt ihnen wie überhaupt den Straßenanliegern Pferdemist und sonstigen Dreck und Staub in die Fenster hinein. Warum duldet unsere Polizei einen solchen Zustand? In der jetzigen Zeit, wo mancher gegen Infektionen weniger widerstandsfähig ist als in Friedenszeiten, muß besonders darauf geachtet werden, daß die Luft nicht ohne Not verunreinigt wird, wie das durch die Kehrfrauen der Reinigungsgesellschaft, und zwar im Beisein ihres sog. Aufsichtspersonals, geschieht. B.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Eine große Bürger-Versammlung wird von einem Ausschuß aus Mitgliedern aller Parteien mit dem Oberbürgermeister an der Spitze vorbereitet. Sie soll nächsten Sonntag im Saale des Bonner Bürgervereins stattfinden und für die 7. Kriegsanleihe werben. Die vereinigten Bonner Männergesangvereine werden Chorlieder vortragen. Als Redner sind Stadtverordneter Justizrat Falck aus Köln und Reichstagsabgeordneter Kuckhoff in Aussicht gestellt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 26. September 1917
Zu der Hindenburgfeier, die die Vaterländischen Vereinigungen am 2. Oktober, dem 70. Geburtstag des Feldmarschalls, im Stadttheater veranstalten, hat Geheimrat Aloys Schulte, Professor der Geschichte an der Universität, den Festvortrag übernommen.
Unsinnige Gerüchte, das Große Hauptquartier solle nach Bonn kommen, gehen seit einiger Zeit wieder um. Wir können auf Grund von Erkundigungen an zuständiger Stelle erklären, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort ist. Leute, die mit solchen Gerüchten die Bevölkerung im guten oder bösen Sinne aufregen, sollten an den Pranger gestellt werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
Kartoffeln und Brot. Am 1. Oktober tritt die Neuregelung der Kartoffelversorgung in Kraft. Es werden dann auf den Kopf sieben Pfund wöchentlich gegeben, das Pfund zu 10 Pfg., die bisherige Zulage für die Schwerarbeiter fällt fort. Die Kartoffeln können sofort bis 18. November (bis zu diesem Tage gelten die jetzigen Kartoffelkarten), also für sieben Wochen insgesamt 49 Pfund, abgenommen werden. […] Vom 18. November ab wird dann den Haushaltungen für jedes Familienmitglied ein Zentner Kartoffeln zum Einkellern überwiesen werden. Wenn die Kartoffelverkaufsstellen nicht genug Vorräte haben sollten, um bis 18. November auf einmal abgeben zu können, so sind sie verpflichtet, die gewünschten Mengen unter allen Umständen bis zum nächsten Tage anzufordern und dann zum Abholen bereitzustellen.
Die Reichsgetreidestelle hat die Mehlpreise erheblich erhöht: für Roggenmehl um 4,90 M., für Weizenmehl um 4,80 M. den Doppelzentner. Dadurch wird es kaum möglich sein, den bisherigen Brotpreis beizubehalten. Es schweben jedoch Verhandlungen mit der Bäckerinnung, um die notwendigen Preiserhöhungen in äußerst mäßigen Grenzen zu halten. Es wird demnächst das Brot auch mit frischen Kartoffeln gestreckt werden müssen, da die Tageskopfmenge an Mehl von 220 auf 200 Gramm heruntergesetzt wird. Das Brot erhält also einen Kartoffelzusatz von 10 v. H., es behält aber bis auf weiteres das bisherige Gewicht von 3¾ Pfund. Das Strecken des Brotes mit Kartoffeln ist nichts Neues, es war schon in den Jahren 1915 und 1916 vorgeschrieben. Um ferner eine Rücklage zu schaffen, aus der im kommenden Winter der Bevölkerung auch einmal etwas Mehl zugeteilt werden kann, hat der städtische Lebensmittelausschuß ferner beschlossen, die Brotmenge für Säuglinge im ersten Lebensjahr ganz und in der Zeit vom 12. bis 18. Monat zur Hälfte fortfallen zu lassen. […] Die Anträge auf Lieferung von Krankenbrot haben in der letzten Zeit einen so großen Umfang angenommen, daß eine natürliche Grundlage dafür nicht mehr vorhanden ist. Aus diesem Grunde wird fortan nicht mehr 3¾, sondern nur drei Pfund Krankenbrot gegeben werden. Wirklich Kranke werden mit dieser Zuteilung zufrieden sein, da das Krankenbrot ja in erster Linie für Magen- und Darmkranke bestimmt ist, und weil in schweren Krankheitsfällen ja auch noch andere Nährmittel zugewiesen werden.
Die Höchstpreise für Gemüse werden noch immer nicht eingehalten. U. a. werden sog. Einmachzwiebel weit über den Höchstpreis unter der Hand abgegeben. Das ist durchaus unzulässig, denn für Zwiebel, ganz gleich welcher Art oder Form, gilt im Kleinhandel der einheitliche Höchstpreis von 19 Pfg. Es sei daher nochmals dringend vor Uebertretungen gewarnt, um so mehr als mit Rücksicht auf die andauernden Uebertretungen das Strafmaß in der letzten Zeit erheblich in die Höhe geschraubt worden ist.
Die Teilnehmerzahl der Kriegsküchen ist diese Woche wieder auf rund 5000 gestiegen. Mit dem Bau der neuen Kriegsküche an der Ecke der Weber- und Marienstraße [heute Prinz-Albert-Straße] wird voraussichtlich in den nächsten Tagen begonnen werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg: Im Kurparksaale wird die Gemeinde Godesberg am nächsten Dienstag den 2. Oktober, abends 8 Uhr, eine große Hindenburgfeier veranstalten. Außer Musik- und Gesangsvorträgen ist ein Vortrag des Bonner Geschichtsforschers und Politikers Professor Dr. Hashagen über Hindenburg hierzu vorgesehen. […]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Der Deutsche Altschrift-Bund, Vorsitzender Kommerzienrat Friedrich Soennecken, Präsident der Handelskammer Bonn, versendet einen Aufruf an das deutsche Volk zur Einführung der Einschriftigkeit. Er hält die Einschriftigkeit aus nationalen, volkswirtschaftlichen, pädagogisch-ökonomischen und hygienischen Gründen für eine Staatsnotwendigkeit. Durch die Aufhebung der jetzigen Zweischriftigkeit werden nach den Ermittlungen des Bundes u. a. gespart: in einem Elementarschuljahr 250 Millionen, während der Elementarschulzeit 2000 Million Lernstunden. Wir empfehlen unsern Lesern die Aufklärungsschriften des Bundes unter Bezugnahme auf diese Mitteilung kostenfrei zu verlangen von dessen Geschäftsstelle: Bonn, Kirschallee 1.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Donnerstag, 27. September 1917
Die Briefbestellung in Bonn. Zu der von uns berichteten Tatsache, daß in der letzten Versammlung des Handels- und Gewerbevereins kein besonderer Wert auf die Abendbestellung gelegt wurde, wird uns geschrieben: Hoffentlich nimmt die Postverwaltung dies nicht als willkommenen Wink, denn es gibt doch sehr viele Leute in Bonn, welche mit diesem Ausfall der letzten Bestellung nicht einverstanden wären, da gerade dieser Gang noch sehr oft wichtige Briefe aus Berlin und Hamburg und diesen Richtungen bringt. Freilich kann man zugeben, daß den Briefträgerinnen nicht wohl zugemutet werden kann, in dunkle, unbeleuchtete Häuser hineinzugehen. Die Briefe brauchen nur dort abgegeben zu werden, wo ein Briefkasten an der Haustür ist, das ist jetzt doch wohl an fast allen Häusern mit sehr wenigen Ausnahmen der Fall. Eingeschriebene Briefe brauchen erst am nächsten Morgen bestellt zu werden. Auch mit dem Anfang der ersten Nachmittagsbestellung um 2 Uhr kann man einverstanden sein, aber die letzte, um 6 Uhr beginnende Bestellung, die meist um 7 schon fertig ist, darf nicht ausfallen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Heizung der Eisenbahnzüge im kommenden Winter wird, ähnlich wie im vorigen Jahre eingeschränkt werden müssen. Der Hauptgrund ist nicht der Mangel an Kohle, sondern das Fehlen des Materials für Heizschläuche, die aus Gummi oder Ersatz hierfür hergestellt sind. Die Fern- und D-Züge sollen in beschränktem Maße, jedoch soweit wie nur irgend möglich beheizt werden, wähend die dem Lokalverkehr dienenden Züge, wie die der Stadt-, Ring- und Vorortstrecken aller Voraussicht nach überhaupt nicht geheizt werden sollen. Eine endgültige Entscheidung hierüber liegt jedoch noch nicht vor.
Obstschalen. Unscheinbar, aber von doppeltem Vorteil sind die sonst wertlosen Apfel- und Birnenschalen. Für das Kilo dieser Obstschalen, gut getrocknet an der Sonne, am Ofen oder anderem warmen Ort, wird 1 Mk. bezahlt. Jede kleine Menge ist willkommen. Die Schalen werden der Hygiene entsprechend gereinigt, durch ein besonderes Verfahren zu einem wichtigen Bestandteil einer Tee-Ersatzmischung umgearbeitet, die dann dem Geber in der fertigen Ware als billiges, aber ganz hervorragendes Volksgetränk, markenfrei, wieder zugute kommt. – Die Sammelstellen sind durch Plakate kenntlich.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Vaterländische Veranstaltung. Am Sonntag, den 30. September 1917, abends 8 Uhr, findet im großen Saale des Bonner Bürgervereins eine öffentliche vaterländische Versammlung statt, auf die hiermit besonders hingewiesen wird. Patriotische Reden und musikalische Darbietungen erstklassiger Art werden miteinander abwechseln. Als ausgezeichnete Redner sind gewonnen Justizrat Falk und Reichstagsabgeordneter Kuckhoff aus Köln. Der Abend wird verschönt durch Musik- und Gesangvorträge des Ersatz-Bataillons 160 und der vereinigten Bonner Männer-Gesangvereine. Ohne Zweifel wird die Bonner Bürgerschaft durch zahlreichen Besuch der Versammlung zu einer bedeutsamen Kundgebung gestalten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 28. September 1917
Die Schuljugend als Werber für die Kriegsanleihe. Es ist wiederholt vorgekommen, daß von Schülern, die für die Kriegsanleihe warben, gleich die Auszahlung von Geld gefordert wurde. Selbstverständlich erfolgt die Zahlung nur bei Kassen und Banken und nicht bei Werbern. Die Werbetätigkeit unbekannter Schüler und Schülerinnen wird in weiten Kreisen der Bevölkerung als Belästigung empfunden, und es dürfte deshalb zweckmäßig sein, fremde Kinder allgemein einfach abzuweisen. Dagegen kann nicht dringend genug gewünscht werden, daß die Vertrauensleute des städtischen Werbeausschusses auch dort eine freundliche Aufnahme bei ihrer mühevollen Arbeit finden, wo man nicht beabsichtigt, durch sie zu zeichnen, da sie ja nur eine vaterländische Pflicht erfüllen, wenn sie kein Haus überschlagen.
Die Gas- und Strompreiserhöhungen, die von der letzten Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden sind, treten im Oktober an dem Tage in Kraft, an dem die Gasmesser und Stromzähler geprüft wurden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Kriegsanleiheanteile als Weihnachtsgeschenk. Eine hiesige größere Firma gibt seit Jahren ihrem großen Personal zu Weihnachten Geldgeschenke. In diesem Jahre hat die betreffende Firma für jeden Angestellten einen größeren Betrag Kriegsanleihe gezeichnet und werden die Anteilscheine den Angestellten und Arbeitern zu Weihnachten überreicht.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Hindenburgs 70. Geburtstag. Am 2. Oktober d. Js. feiert unser Generalfeldmarschall von Hindenburg seinen 70. Geburtstag. Das Deutsche Volk wird auch an diesem Tage mit heißem Dank, mit Verehrung und Liebe auf den Jubilar-Heros blicken. In vieler Herzen wird das Verlangen erwachen, das tiefe Empfinden für den ebenso großen Feldherrn wie Menschen nicht nur mit Worten, sondern auch mit der Tat zu beweisen.
So hat sich unter der Führung des Reichskanzlers die „Hindenburg-Gabe“ gebildet, die dem Feldmarschall besonders für die Fürsorge, die in den Soldaten- und Marineheimen für die Truppen geschieht, Mittel zur Verfügung stellen soll.
Die Vaterländischen Vereinigungen werden aus diesem Grunde am 2. Oktober d. J. an dem Geburtstage Hindenburgs, abends im Stadttheater einen Vaterländischen Abend veranstalten, dessen Festordnung aus der heute veröffentlichten Anzeige hervorgeht. Herr Universitäts-Professor Geheimer Regierungsrat Dr. Aloys Schulte hat die Festrede übernommen; der Städtische Gesangverein wird unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Herrn Professor Grüters, einige Lieder singen; Fräulein Adele Schönfeld vom Stadttheater Köln wird den Vorspruch halten und dann wird durch Schüler des städtischen Gymnasiums ein vaterländisches Jugendspiel „Großer Sieg“ „Schulfrei“ aufgeführt werden.
Alles in allem verspricht die Festfeier einen hohen Genuß und es steht zu erwarten, daß die Bonner Bürgerschaft durch zahlreiches Erscheinen ihre Verehrung für den Generalfeldmarschall tatkräftig zum Ausdruck bringt.
In der Pause werden dann Andenken an die Hindenburgfeier, Postkarten, Schriften und Bilder verkauft und nachmittags 4¾ Uhr wird an der Arndteiche in Eisen Konzert einer Militär-Kapelle stattfinden.
Der Vorverkauf der Eintrittskarten hat bereits im städtischen Verkehrsamt, Poststraße Nr. 27, begonnen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 29. September 1917
Arndt-Eiche in Eisen. Am 2. Oktober, dem 70. Geburtstag unseres Hindenburg, findet nachmittags 4¾ Uhr an der Arndt-Eiche Militärkonzert statt. Zur Erinnerung an diesen vaterländischen Festtag wird eine Tafel an der Arndt-Eiche angebracht, auch werden zugunsten der Hindenburggabe sog. Hindenburgnägel zu 5 M. das Stück verkauft. Diese Nägel tragen die einzelnen Buchstaben des Namenszuges und dienen als Umrahmung der Hindenburggedenktafel. Sicherlich werden unsere Mitbürger zahlreich diese Gelegenheit benutzen, ihrer Verehrung und Dankbarkeit gegen unseren großen Heerführer Ausdruck zu verleihen!
Mit diesem Tage wird der Betrieb der Anrdt-Eiche auf dem Münsterplatz eingestellt; über die endgültige Aufstellung unseres Kriegswahrzeichens in einem Bonner Museum oder etwa im Arndt-Hause ist noch keine Bestimmung getroffen. Einstweilen wird die Arndt-Eiche bis auf weiteres in das Verwaltungsgebäude des städtischen Bekleidungsamtes an der Gangolfstraße übergeführt werden, wo sie einen sehr geeigneten Platz an dem großen Aufgang zur Freitreppe findet. Dort ist, ohne daß besondere Unkosten für Verwaltung, Heizung und Beleuchtung entstehen, die weitere Benagelung möglich und erwünscht, auch findet dort der Verkauf von Arndt-Postkarten statt und wird jede Auskunft über die Benagelung erteilt. Der bisherige Preis der Adlerfedern von 150 bezw. 100 M. ist auf 100 bezw. 50 M. herabgesetzt worden. Man kann somit auch weiterhin und zwar ohne hohe Kosten, das Andenken gefallener Angehörigen und Freunde sowie Familienereignisse und Festtage in würdiger Weise an unserem Kriegsmal verewigen und die betreffenden Namen im Eisernen Buch der Stadt Bonn eintragen lassen.
Die Werbeanschläge für die Kriegsanleihe sind in verschiedenen Gegenden der Stadt zum Teil beschädigt, zum Teil ganz abgerissen worden. Offenbar handelt es sich um Dummejungenstreiche von Kindern und Halbwüchsigen. Darum seien die Eltern und Lehrer dringend ermahnt, den Kindern das Verletzen oder mutwillige Zerstören dieser Anschläge mit dem Hinweis auf strenge Bestrafung ernstlich zu untersagen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Beratungsstelle für Kriegsanleihe hat in der Zeit ihres Bestehens bereits regen Zuspruch gefunden; die Einrichtung entspricht mithin einem gegebenen Bedürfnis. Manche Leute scheuen, so unberechtigt das auch sein mag, den Weg zur Bank. Allen diesen, soweit sie eine Auskunft über Kriegsanleihe wünschen, wird die in den Räumen des Verkehrsamtes, Poststraße 27, befindliche Beratungsstelle gelegen sein. Rat und Hülfe wird dort bereitwillig und unentgeltlich gegeben. Ein Zwang zur Zeichnung von Kriegsanleihe entsteht durch Inanspruchnahme der Beratungsstelle nicht, doch werden auf Wunsch dort Zeichnungen angenommen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Bonn: Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
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Petroleumkarten. Die große Knappheit an Petroleum gestattet, worauf nochmals hingewiesen sei, nur solche Anträge auf Gewährung einer Petroleumkarte zu berücksichtigen, bei denen der Nachweis erbracht ist, daß eine andere Lichtquelle (Gas, Elektrizität usw.) nicht vorhanden ist oder nicht beschafft werden kann. Auch ist es weiter nicht möglich, an die Empfangsberechtigten mehr als ½ Liter wöchentlich abzugeben. Anträge auf Verabfolgung einer weiteren Petroleumkarte sind daher zwecklos. Sparsamkeit im Verbrauch des Petroleums ist dringend geboten.
[…]
Bekleidungsamt. […] Da der Verkauf gebrauchter Sachen durch das Bekleidungsamt in nächster Zeit wieder eröffnet werden soll, und die Abgabe an die heimkehrenden bedürftigen Krieger immer größeren Umfang annimmt, wird wiederholt gebeten, alle entbehrlichen Kleidungs-, Wäschestücke und Schuhwaren aus den Truhen und Schränken herauszuholen und an die Annahmestelle Martinstraße 18 abzugeben, damit besonders den Wünschen unserer Krieger im weitgehendsten Maße Rechnung getragen werden kann. Bei unentgeltlicher Abgabe von Sachen im Schätzungswerte von 5 Mark wird dem Ablieferer eine Ehrenurkunde kostenlos ausgestellt.
[…]
Sammeltätigkeit. Die Sammelstelle, Am Hof Nr. 1, Eingang am städtischen Mehlamt, nimmt gegen Bezahlung täglich von 3 bis 5 Uhr Frauenhaar, getrockneten Kaffeesatz und Obstkerne aller Art entgegen, die Sammelstelle in der Ortskohlenstelle am Münsterplatz Mittwochs und Samstags von 3 bis 5 Uhr gegen Bezahlung Kastanien, Eicheln, Bucheln und Weißdornfrüchte.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Lebensmittelverkauf“)
Sonntag, 30. September 1917
Deutsche Vaterlandspartei. Wie in vielen anderen deutschen Städten, hat sich auch in Bonn eine Ortsgruppe Bonn-Godesberg der Deutschen Vaterlandspartei unter dem Vorsitz von Geheimrat Berthold Litzmann gebildet. Ein öffentlicher Aufruf zum Beitritt an die Mitbürger aller Stände, Parteien und Bekenntnisse wird in den nächsten Tagen durch die Tagesblätter bekanntgegeben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Hindenburgs 70. Geburtstag. Die Anregung, den 70. Geburtstag unseres Generalfeldmarschalls von Hindenburg durch schlichte vaterländische Feiern würdig zu begehen, hat überall im Deutschen Reiche freudige Zustimmung gefunden. Um so mehr ist es zu begrüßen, daß unsere Vaterländischen Vereinigungen am Dienstag, den 2. Oktober d. J., ebenfalls im Stadttheater abends um 7½ Uhr eine Festfeier mit auserlesener Festfolge veranstalten. Nachmittags um 4¼ Uhr findet an der Arndt-Eiche, an unserem Bonner Kriegsmal, bereits ein Militär-Konzert statt. Alt und jung mögen sich zahlreich einfinden, um dadurch gewissermaßen unsern tapfern Feldgrauen Ehre zu erweisen. Es ist auch an der Arndt-Eiche Gelegenheit gegeben, besondere Hindenburg-Nägel zu nageln. Der Ertrag aus den einzelnen Feiern, also auch aus der Festvorstellung im Stadttheater fließt der „Hindenburg-Gabe“ für Kriegswohlfahrtszwecke zu. Unserm Generalfeldmarschall würde es sicher nicht angenehm sein, wenn ihm zu Ehren rauschende Festlichkeiten veranstaltet würden. Dagegen wird es ihm eine Herzensfreude sein, wenn das Deutsche Volk in schlichten vaterländischen Veranstaltungen seiner und seiner Soldaten am 70. Geburtstag gedenkt.
Da es gilt, unsern Hindenburg zu ehren, bedarf es wohl nur eines Hinweises, um das Stadttheater bis auf den letzten Platz zu füllen. Der Vorverkauf der Eintrittskarten hat bereits begonnen und findet täglich vormittags von 9 bis 1 und nachmittags von 3½ bis 6½ Uhr an der Theaterkasse, Poststraße 27, statt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Wegen Lichtersparnis werden eine Reihe von Schuhgeschäften vom 1. Oktober ab abends um 6 Uhr schließen. […]
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)