Mittwoch, 21. November 1917
Am Buß- und Bettag erscheinen keine Ausgaben des General-Anzeigers und der Deutschen Reichs-Zeitung.
Der neue Regierungspräsident v. Starck war gestern zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt in unserer Stadt. Sein Besuch galt vornehmlich der eingehenden Besichtigung unserer für die Lebensmittelversorgung getroffenen Maßnahmen. So wurden u. a. das Apfellager in der Stadthalle und die dort vorgenommene Einmietung der Futterrüben und Erdkohlrabis besichtigt. Darauf wurde der Kriegsküche in Poppelsdorf, Ecke Klemens-August-Straße und Sebastianstraße, ein längerer Besuch abgestattet, wobei der Regierungspräsident sich aufs eingehendste über alle Einzelheiten unterrichtete. Dort wurde auch eine Kostprobe des Mittagessens eingenommen, die zur Zufriedenheit ausfiel. Dann wurden der Schlachthof, die Entfettungsanlage und die Kartoffeleinmietung sowie das städtische Bekleidungsamt besichtigt und eine Nagelung der Arndt-Eiche vorgenommen. Im Anschluß daran wurde im Freiwilligen Hilfsausschuß für Truppen die Herrichtung der 16.000 Weihnachtspakete, die für unsere braven Truppen bestimmt sind, angesehen. Lebhaften Beifall fanden dann auch die Kartoffelkeller in der Universität und die Dörrobstlager im Viktoriabad. Ein einfaches Essen im Königshof vereinte dann den Regierungspräsidenten mit dem Oberbürgermeister Spiritus, dem Landrat Geheimrat von Nell, sämtlichen Beigeordneten und den Stadtverordneten, Jansen, Kalt, Dr Krantz, Schmitz, Prof. Schmidt und Simon. Der Regierungspräsident sprach sich über die gesehenen Einrichtungen und die ganze Organisation der Bonner Lebensmittelversorgung sehr lobend aus. Möge er auch weiterhin unserer schönen Stadt Bonn lebhaftes Interesse entgegenbringen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Donnerstag, 22. November 1917
Wissenschaftliche Vorträge. Der heutige Redner Dr. B. L. vom Mackay wird das Thema behandeln: „Deutschland zwischen England und Rußland.“ Es ist dies das überaus wichtige Problem der näheren Zukunft, denn in ihm sind die Grundlagen für unsere äußere Politik enthalten. Gerade die laufenden und bevorstehenden Ereignisse in Rußland drängen zu einer Klärung und Entscheidung dieser Frage. Der Redner hat sich mehrfach in bemerkenswerten Abhandlungen mit dieser folgenschweren Frage beschäftigt und sie so eingehend und scharfsichtig beurteilt, daß die Kritik von ihm sagt, seine Erwägungen seien gedankenvoll und in die Tiefe gehend.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Einbruchdiebstähle. In der Nacht zum Dienstag wurden aus einem Geschäft an der Kaiserstraße für viele Tausend Mark Stoffe und fertige Kleidungsstücke gestohlen. Die Diebe waren durch das Oberlicht eines Fensters in das Gebäude eingedrungen. – Aus dem Keller eines Hauses am Wilhelmsplatz holten Spitzbuben Dienstagnacht für etwa 200 Mark Lebensmittel. Die Diebe waren durch das Kellerfenster eingestiegen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Lebensmittelkarten. Herr Beigeordneter Piehl macht bekannt: Da in der letzten Zeit die Anträge auf Ersatz von verloren gegangenen und gestohlenen Lebensmittelkarten überhand nehmen und in vielen Fällen die Angaben der Antragsteller sich als unwahr erwiesen haben, können fortan verloren gegangene und abhanden gekommene Lebensmittelkarten grundsätzlich nicht mehr ersetzt werden. Die Haushaltsvorstände warne ich daher dringend, vor ungenügender Aufbewahrung ihrer Lebensmittelkarten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 23. November 1917
Kriegsblindenfürsorge. Der im Oktober von Fräulein von Emster veranstaltete Liederabend erbrachte einen Reinertrag von 50 M. Die Künstlerin hat diese Summe der hiesigen Kriegsblindenfürsorge zur Verfügung gestellt. Der gütigen Spenderin wärmsten Dank.
Jubiläumsbrosche für evangelische Dienstmädchen. Die hiesige Ortsgruppe des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes hat im Jahre 1902 als Anerkennung treuer Dienste eine Jubiläumsbrosche für evangelische Dienstmädchen gestiftet. Annähernd 80 Jubilarinnen sind im Laufe der verflossenen Jahre bereits durch eine solche ausgezeichnet worden. Auch in diesem Jahre sollen Jubiläumsbroschen evangelischen Dienstmädchen, die mindestens 10 Jahre derselben Herrschaft ihre Dienste gewidmet haben, verliehen werden. Anmeldungen sind möglichst bald an die 1. Vorsitzende der Ortsgruppe, Frau Charlotte Schumann-Walter, Joachimstraße 10, zu richten.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Tödlicher Unfall. Gestern abend wurde ein etwa 13 Jahre alter Knabe auf der Meckenheimer Straße von einem Wagen der Siebengebirgsbahn erfaßt und so schwer am Kopfe verletzt, daß der Tod auf der Stelle eintrat.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Erdichteter Ueberfall. In den letzten Tagen durcheilte eine Geschichte die Stadt, als sei eine Dame von einem Strolch überfallen und mit vorgehaltenem Messer genötigt worden, ihre Schuhe auszuziehen und dem Strolch zu überlassen. Ueber die Zeit und den Ort der Tat gingen die Gerüchte auseinander. Daran allein schon ließ sich feststellen, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist.
Der Landkreis Bonn versendet in diesem Jahre an die im Felde stehenden Kreiseingesessenen Weihnachtspakete. Jedem Paket wird eine Mappe: „Weihnachtsgrüße des Landkreises Bonn“ beigefügt. Jede Mappe enthält einen Schreibblock, eine Anzahl Feldpostkarten, Briefpapier, Briefumschläge und Bleistift. Trotz der herrschenden Papiernot und -teuerung war es der Rhenania-Druckerei in Bonn möglich die große Anzahl der Mappen in recht geschmackvoller Ausführung preiswert herzustellen und jede Mappe wird den braven Landsleuten draußen eine sehr willkommene Weihnachtsgabe sein.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 24. November 1917
Ueber Luthers religiöses Vermächtnis an das deutsche Volk sprach Donnerstag abend Geheimrat Ritschl im dritten der von der evangelischen Gemeinde veranstalteten Vortrage. [...] Luthers Vermächtnis, die unerschütterliche Standhaftigkeit trotz der eigenen Schwachheit, ist an unseren Fronten noch immer im höchsten Grade lebendig. Bei uns in der Heimat gibt es eine doppelte Schwachheit, eine, die sich in mancherlei üblen Erscheinungen auf wirtschaftlichem und sittlichen Gebiete geltend macht, und eine andere, die alles Leiden in Geduld, aber in standhaftem Glauben auf Gottes fernere Hilfe erträgt. Wie unsere todesmutigen Krieger gegen unsere äußeren Feinde, so müssen in der Heimat die Standhaften gegen die Schlaffen die besten Kräfte aufbieten. Nur wenn Luthers standhafte Gesinnung auch bei uns wieder allgemein zur Geltung kommt und alle gegenteiligen Strömungen siegreich überwindet, dann wird auch in unserer Schwäche die Gotteskraft mächtig sein und unser Volk nach einem siegreichen Kriege zum glücklichen Frieden führen. Nur ein Volk, das bis zum Ende beharrt, wird gerettet werden. – Der fesselnde Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen.
In der Auguststraße wurde gestern abend einer Dame von einem unbekannten Räuber das Handtäschchen entrissen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Ein Soldat, der vorgestern abend in einem Hause in der Breitestraße ein Zimmer mietete, verschwand am anderen Morgen unter Mitnahme der Bettwäsche und verschiedener Einrichtungsstücke.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Soldatenheim. Der unter der tüchtigen Leitung des Herrn Organisten Kölzer stehende Beethovenchor, dessen gute Leitungen wir an dieser Stelle schon öfter hervorheben konnten, gab am verflossenen Sonntag den Feldgrauen im Soldatenheim, Josefstraße 46, wieder mal ein schönes Konzert. Die gewählten Chöre ließen gutes Stimmaterial und gute Schulung erkennen. Voll und klar erklangen die Solis bezw. Duette der Damen Frl. M. und H. Römer, Frl. Triller und Herr von Krafft bewiesen in ihren Musikstücken am Klavier bezw. auf der Violine einen hohen Grad von Kunstfertigkeit. Sehr gut gefielen auch die Rezitationen und die Lieder zur Laute von Frl. Jackson. Die schauspielerischen Kräfte des Beethovenchors, die Damen Frl. M. und H. Römer, Frl. Bröhl und Frl. Völker sowie die Herren E. Ritter und H. Brandt steuerten zum Programm zwei hübsche Einakter bei, die viel Beifall fanden. Die Leitung des Abends hatte Herr Schröder.
Unfall. Eine Schaffnerin der elektrischen Straßenbahn kam gestern auf dem Friedrichsplatz so unglücklich unter den Anhängewagen der Straßenbahn, daß ihr beide Füße gequetscht wurden.
Beim Aussteigen aus der Elektrischen rutschte gestern mittag ein Feldwebel, dem ein Bein amputiert war, mit den Krücken so unglücklich aus, daß man ihn unter den größten Schmerzen in das nächstgelegene Haus bringen mußte. Darum für Verwundete: Vorsicht beim Aussteigen!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 25. November 1917
Trage als Schmuck Eisen!
Nicht durch Gerede werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen! Otto v. Bismarck.
Eisern die Zeit!
Eisern der Wille zum Sieg!
Das Gold dem Vaterlande!
Goldwoche vom 9. bis 16. Dezember.
Die Goldankaufsstelle am Münsterplatz ist täglich geöffnet von 10 bis 12 und von 3 bis 5 Uhr.
Beim Herannahen des Weihnachtsfestes sei darauf aufmerksam gemacht, daß Anfang Dezember wieder eine Ausstellung mit Verkauf von Arbeiten der Verwundeten hiesiger Lazarette stattfindet. Möchten recht zahlreiche Besucher diese schöne Gelegenheit zum Besten der guten Sache benutzen, dort hübsche und nützliche Weihnachtseinkäufe zu machen. Eröffnung am 5. Dezember.
Für das Soldatenheim wird kommenden Mittwoch, nachmittags, im Saale des Heims, Josefstraße 46, eine große Wohltätigkeitsveranstaltung gegeben. Von 40 mitwirkenden Kindern wird das Weihnachtsmärchen „Weihnachten im Zwergenreich“ aufgeführt werden. Aus dem Reinertrag sollen Weihnachtsgaben für die feldgrauen Besucher des Soldatenheims beschafft werden, so daß dieses Zweckes wegen der Veranstaltung guter Erfolg zu wünschen ist.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Der Sonn- und Feiertagsverkehr der Eisenbahnen hat stark nachgelassen, in den D- und Eilzügen durch die bekannten Tariferhöhungen, in den Personenzügen dadurch, daß sie zur Hinreise nur in aller Frühe zu erreichen sind und für die Rückreise in den Abendstunden das Mitkommen zu unsicher geworden ist. Die durch die einschneidenden Maßregeln der Eisenbahn-Verwaltung freigewordenen Lokomotiven werden dringend für den Heeres- und Güter-Transport benötigt und verwandt; es wird sich dies bei der jetzigen Lage sobald auch nicht ändern lassen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Rheinische Goldankauf-Woche vom 9. – 16. Dezember 1917.
„Deutschland über alles!“ Warum nicht auch über unsere kleinen und großen Familienschätze? Sind die mehr und wertvoller als unsere Ziele und Träume? – Die Goldankaufsstelle Münsterplatz 1-3 ist geöffnet 10-12 Uhr vorm., 3-5 Uhr nachm., Sonntags 10-12 Uhr.
Jugendpflegetag. Die diesjährige Tagung für den Landkreis Bonn fand in Godesberg unter dem Vorsitz des Landrates statt und beschäftigte sich hauptsächlich mit den durch den Krieg herbeigeführten Schädigungen unserer Jugendlichen und den notwendigen Gegenmaßnahmen, soweit sie sich auf die Familie, den Jugendlichen selbst und
auf das wirtschaftliche, berufliche Leben erstrecken. Im Mittelpunkt der Verhandlung stand die brennende, vielbesprochene, aber noch ungelöste Frage, wie wir dem Mißbrauch in der Verwendung der hohen Löhne unserer Jugendlichen steuern können. Nach langer, lebhafter Debatte wurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt: „Der Jugendpflegetag des Landkreises Bonn hält die gegen die gesetzliche Einführung des Sparzwangs geltend gemachten Gründe nicht für stichhaltig. Angesichts der Tatsache, daß die überreichen Löhne in den Händen der unreifen Jugendlichen dem materiellen Volkswohlstand vollständig verloren gehen und durch ihren schreienden Missbrauch zerstörerisch auf die sittliche Gesundheit weitester Volkskreise wirken, fordert die Versammlung einstimmig die gesetzliche Einführung des Sparzwanges. Um die betrügerischen Täuschungen den Eltern gegenüber unmöglich zu machen, verlangt er weiterhin das Lohnzahlungsbuch unter genauer Eintragung des Lohnes und des Verdienstes aus Ueberstunden. Als Zahltag eignet sich statt des Wochenschlusses der Wochenanfang, indem der Sonntag erfahrungsgemäß dem Jugendlichen die meiste Gelegenheit zum Missbrauch des Geldes bietet. Die fortwährend wachsenden skandalösen Ausschreitungen bei der Ausgabe des verdienten Lohnes fordert gebieterisch den gesetzlichen Eingriff.“ Im Schlußworte stellte der stellvertretende Vorsitzende, Dechant Dr. Winter, in Aussicht, daß diese Resolution dem Wunsche der zahlreichen Teilnehmer gemäß, bei der zuständigen Behörde weiter vertreten werde.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 26. November 1917
Die Fernsprechleitungen nach allen Richtungen sind infolge des gestrigen Unwetters gestört, sodaß der gesamte Fernsprechverkehr erschwert wird. Auch der telegraphische Verkehr ist beeinträchtigt, hauptsächlich nach Holland, Sachsen und Nordwestdeutschland.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)
Rechtsanwalt Dr. Henry zu seinen Wählern. Wie uns aus Godesberg, 6. Nov., gemeldet wird, fand am Sonntag nachmittag im Rheinischen Hof zu Godesberg unter Vorsitz des Herrn Dücke eine gut besuchte Versammlung von Zentrumswählern statt, in welcher Reichstagskandidat Rechtsanwalt Dr. Johannes Henry aus Bonn das Zentrumsprogramm entwickelte. [...] Die Verfolgung der Grundsätze der Zentrumspartei habe sich zugunsten unseres Volkes auch im Kriege trefflich bewährt. In der inneren Politik müsse jetzt viel umgelernt werden. Dem Heimkehrenden müsse bei der Regelung der Dinge im Frieden immer wieder vor Augen geführt werden, was die Zentrumspartei groß gemacht habe, um sie als Glieder der Partei zu erhalten.
Die Autorität der Krone solle unerschüttert bleiben. Aber unserem Volke müsse die Gelegenheit gegeben werden, an der Lenkung der Geschicke mitzuarbeiten. Dazu sei unser Volk politisch sehr wohl reif. (Bravo!) Der Redner berührte das Zusammenarbeiten mit anderen politischen Parteien und die Anteilnahme des Zentrums an den Aufgaben der Uebergangswirtschaft, der Steuer- und Sozialpolitik und der Beziehungen zu Kirche und Schule. Auch streifte Redner die Friedensbestrebungen des Papstes. Dr. Henry schloß mit dem Aufruf: „Unser heutiges Programm darf nur heißen: „Durchhalten und schlagen!“
Reichstagsabgeordneter Becker (Arnsberg) trat für die Friedensresolution vom 19. Juli ein. Er erklärte, für uns gibt es heute nur noch zwei Friedensmöglichkeiten: Den Diktatfrieden von unseren Feinden oder den Frieden auf Verständigung und Ausgleich. Die Versammlung nahm einstimmig eine Entschließung an, in der die volle Zustimmung zur Friedensresolution des Reichstages vom 19. Juli 1917 ausgedrückt wurde.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Tödlicher Unfall. Sie brachten kürzlich eine Nachricht, daß ein 13jähriger Knabe auf der Meckenheimerstraße von der Siebengebirgsbahn überfahren und auf der Stelle getötet worden sei. Daß bisher nicht mehr Unfälle dieser Art vorgekommen sind, ist ein wahres Wunder, wenn man sieht, wie unsere Jugend tagtäglich mit dem Tode spielt. Auf einigen Straßen ist es ein beliebter Sport, vor den fahrenden Straßenbahnen herzulaufen, und das Kind, das den Wagen am nächsten an sich herankommen läßt, ehe es die Straße überquert, ist „König“. Die älteren Kinder, namentlich Mädchen, machen es vor, die Kleinen laufen nach. Die Führer der Straßenbahn schweben in tausend Aengsten, wenn sie die spielenden Kinder sehen; sie wissen nie, ob nicht im letzten Augenblick das eine oder andere plötzlich vor dem Wagen herläuft. Aufgabe der Eltern und Lehrer ist es, die Kinder vor diesem gefährlichen Treiben zu warnen, und wenn nötig ganz energisch dagegen einzuschreiten. Es gibt doch jetzt schon wahrlich Leid genug in den einzelnen Familien, das nicht noch durch freventliches Spiel mit dem Leben vermehrt werden muß. X.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Müllabfuhr. In letzter Zeit sind Mülleimer nach erfolgter Entleerung noch längere Zeit und vielfach nachts auf den Schrittwegen stehen geblieben. Dadurch können, namentlich bei der jetzt vorgeschriebenen Verdunkelung, leicht Unglücksfälle herbeigeführt werden. Die aufgestellten Behälter müssen spätestens eine Stunde nach erfolgter Abfuhr wieder entfernt sein.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 27. November 1917
Bischof Dr. Moog ersucht die Geistlichen der altkatholischen Gemeinden in der Rheinprovinz, zu dem günstigen Ergebnis der Goldankaufwoche vom 9. bis 16. Dezember nach Kräften mitzuwirken, ebenso die Geistlichen der übrigen Gemeinden des Deutschen Reiches, wenn inzwischen auch dort ein erneuter Aufruf zur Goldabgabe ergehen sollte. […]
Eine „Goldankaufwoche“ veranstaltet das Metropol-Theater. Für jedes eingewechselte Goldstück gibt es zwei Freiplätze.
Zwei russische Kriegsgefangene, die aus einem Gefangenenlager entwichen waren, sind Sonntag auf der hiesigen Rheinbrücke angehalten und festgenommen worden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zentrum und Vaterlandspartei. Die von der Zentrumsversammlung am verflossenen Sonntag in Godesberg einstimmig angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut:
„Die Versammlung erklärt sich mit der Politik der Zentrums-Fraktion des Reichstages einverstanden. Sie ist mit der Fraktion der Meinung, daß im Rahmen der Resolution des Reichstags vom 19. Juli ein Frieden erreichbar ist, der Deutschland politische Sicherheit und freie wirtschaftliche Weiterentwicklung gewährleistet. Sie schließt sich der Erklärung des Reichsausschusses der Zentrums-Partei an, daß das Zentrums-Programm allen Zentrumsanhängern Bewegungsfreiheit genug läßt zur freien politischen Betätigung. Die Versammlung erklärt, daß die Unterstützung der sogenannten Vaterlands-Partei nicht nur die Einigkeit in der Partei, sondern auch die geschlossene innere Front, die zur Herbeiführung eines die deutschen Interessen sichernden ehrenvollen Friedens notwendig ist, verhängnisvoll beeinträchtigt.“
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Kohlen statt Briketts. Infolge Beförderungsschwierigkeiten sind z. Zt. bei verschiedenen hiesigen Kohlenhändlern keine Briketts zu haben, während Kohlen noch vorrätig sind. Die Ortskohlenstelle ersucht, diesem Umstand Rechnung zu tragen und nicht auf die Lieferung von Briketts zu bestehen, wenn man in der Lage ist, mit anderen Brennstoffen auszukommen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 28. November 1917
Aus dem städtischen Lebensmittelamt.
[…] Die Gemüseverkaufsstelle am Friedrichplatz ist schon seit etwa 14 Tagen im Betriebe, es werden dort die gleichen Gemüse- und Obstsorten verkauft wie auf dem Markte. Es zeigt sich aber das Bild, daß die neue Verkaufsstelle nur sehr schwach in Anspruch genommen wird, während die Hausfrauen auf dem Markte nach wie vor zu einzelnen Tageszeiten Ketten stehen. Wem seine Zeit lieb ist, der gehe daher die paar Schritte weiter zum Friedrichsplatz, er wird dort viel schneller als auf dem Markte abgefertigt.
Wer Kartoffeln eingekellert hat, muß sie sorgfältig pflegen und gut aufbewahren. Vor allen Dingen darf die wöchentliche Verbrauchsmenge nicht überschritten werden. […] Es sei schon jetzt darauf hingewiesen, daß denjenigen Familien, die ihre Kartoffeln zu schnell aufbrauchen, unter keinen Umständen eine Nachlieferung zugebilligt werden kann, diese Familien werden dann genötigt sein, Steckrüben zu essen.
Zur Sicherung unserer Futterbestände müssen die Schweine, soweit sie nicht zur Zucht nötig sind, in beschleunigtem Maße abgeschlachtet werden. Es sind dafür verschiedene Maßnahmen angeordnet worden. […] Um die für die Abschlachtung vorgesehenen Schweine festzustellen, wird in der Stadt Bonn ein Abnahmeausschuß gebildet werden. Die abgenommenen Schweine werden unter Umständen zum Höchstpreise enteignet und dann hauptsächlich dem Heeresbedarf zugeführt werden.
Kinderhorte und Wohltätigkeitsanstalten, die eine Weihnachtsbescherung Bedürftiger beabsichtigen, können durch das Lebensmittelamt in bescheidenem Maße Mehl und Zucker für Weihnachtsbäckereien sowie Aepfel beziehen. Anträge von Einzelpersonen sind zwecklos und bleiben unberücksichtigt. Die Vereine usw. müssen sich ebenfalls die größte Beschränkung auferlegen, sie haben bei ihren Anträgen an das Lebensmittelamt, Abteilung 1a, die ungefähre Zahl der zu bescherenden Personen anzugeben, wobei es sich nur um wirklich Bedürftige handeln darf.
Der Lebensmittelausschuß hat beschlossen, für das Weihnachtsfest wieder etwas reichlichere Lebensmittelmengen auszugeben. Diese Ausgabe wird sich auf die beiden Wochen vor Weihnachten erstrecken, damit jeder in der Lage ist, sich die ausgelobten Sachen kaufen und herrichten zu können. Das Nähere wird noch mitgeteilt werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Einschränkung des elektrischen Stromverbrauchs. Von jetzt ab darf im Stadtkreis Bonn der Verbrauch für Beleuchtung, Kraftbetrieb und sonstige Zwecke im Monat nicht mehr als 80 Prozent der im Jahre 1916 verbrauchten Strommenge betragen. Für jede über die zugelassene Verbrauchsmenge hinaus verbrauchte Kilowattstunde ist ein Aufgeld von 50 Pfg. zu bezahlen. Eine diesbezügliche Bekanntmachung wird in der morgigen Nummer unseres Blattes veröffentlicht.
Ein Sieg der Sammelbüchse. Wir haben vor einiger Zeit mitteilen können, daß Fräulein Mathilde Wirth mit der Sammelbüchse des Roten Kreuzes für die Sache der Kriegswohlfahrtzwecke in Bonner Geldhäusern und gesellschaftlichen Kreisen unserer Vaterstadt die Summe von 15.000 M. zusammengetragen habe. Fräulein Wirth hat seitdem in ihrem Eifer für die Sache des Roten Kreuzes nicht locker gelassen. Und heute, wenige Monate später, hat sie dieser Summe abermals 5000 M. hinzufügen können. Das Gesamtergebnis der von Fräulein Wirth mit der Sammelbüchse erzielten Summe hat somit die Höhe von 20.000 M. erreicht. Die rechte Vorstellung von der vollbrachten einzigartigen Leistung erlangt man, wenn man bedenkt, daß diese Summe von 20.000 M. sich durchweg aus Nickel- und Kupfergeld, sowie kleinen Papierscheinen zusammensetzt. Allerdings hat hier und da auch ein Gönner von Fräulein Wirth, und sie hat deren eine ganze Anzahl, die ihrer Sammeltätigkeit mit Bewunderung gegenüberstehen, eine größere Summe für das Rote Kreuz gespendet.
Auch die erreichten 20.000 M. lassen Fräulein Wirth, wie wir sie kennen, nicht rasten. Sie wird ach weiterhin in ihrer aufopferungsvollen Art ihre Kraft in der gleichen Weise in den Dienst des Roten Kreuzes stellen – trotz ihrer 72 Jahre. Möge man ihr auch ferner gleich freundlich und gebefreudig bei ihrer Sammeltätigkeit begegnen. Das wäre der beste Dank, den man der prächtigen Dame für ihr bisheriges Wirken zum Ausdruck bringen könnte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Als Fälscher und Betrüger hat sich ein junger Soldat, der vor seinem Eintritt ins Heer bei einer Behörde in der Umgegend angestellt war, versucht. Er hat während seines Urlaubsaufenthaltes in Bonn einen Amtsstempel seiner früheren Behörde und in einer hiesigen Druckerei 20 Brotbücher ebenfalls für seine Behörde bestellt und wollte mit dem Stempel die Bücher vorschriftsmäßig ausfüllen. Er hatte aber doch nicht mit allen Möglichkeiten gerechnet, denn als er gestern die Brotbücher aus der Druckerei abholen wollte, wurde er von der benachrichtigten Kriminalpolizei festgenommen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 29. November 1917
Die Universitätsbibliothek hat soeben ihren Jahresbericht für das am 31. März abgelaufene Jahr 1916/17 herausgegeben. Der Bericht stellt mit Befriedigung fest, daß das Berichtsjahr in der immer dringlicher werdenden Neubaufrage einen höchst erfreulichen Fortschritt gebracht hat. Durch die hochherzige Schenkung eines Ehepaares, das nicht genannt sein will, wurde es ermöglicht, das vortrefflich gelegene Grundstück Poppelsdorfer Allee 25 zu erwerben. Auch für die Erweiterung durch ein Nachbargrundstück wurden von derselben Seite die Mittel zur Verfügung gestellt. Dadurch wird das Grundstück auch in seiner Größe weitgehenden Anforderungen genügen und auf lange Zeit die ersehnte freie Entwicklung der Bibliothek und ihres Betriebes ermöglichen. Möchte es gelingen, auch die Kosten des Baues bereitzustellen, so daß er sofort nach dem Kriege begonnen werden kann. […]
Hunde an die Front! Es eignen sich der deutsche Schäferhund, Dobermann, Airedal-Terrier und Rottweiler, auch Kreuzungen aus diesen Rassen, die schnell und gesund sind und mindestens 40 Zentimeter Schulterhöhe haben. Sie müssen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Diensthunde werden aufs beste gepflegt und gefüttert. Die Hunde werden – von Fachdresseuren ausgebildet – im Erlebensfalle nach dem Kriege an ihre Besitzer zurückgegeben. Bei den ungeheuren Kämpfen an der Westfront haben die Hunde durch stärkstes Trommelfeuer die Meldungen aus vorderster Linie in die rückwärtige Stellung gebracht. Hunderten unserer Soldaten ist durch Abnahme des Meldeganges durch die Meldehunde das Leben erhalten worden. Militärisch wichtige Meldungen sind durch die Hunde rechtzeitig an die betreffende Befehlsstelle gelangt. Obwohl der Nutzen der Meldehunde im ganzen Lande bekannt ist, gibt es noch immer Besitzer von für den Kriegsdienst geeigneten Hunden, welche sich nicht entschließen können, ihr Tier der Armee und dem Vaterlande zu leihen! An alle Besitzer der vorgenannten Hunderassen ergeht daher die dringende Bitte: Stellt Eure Hunde in den Dienst des Vaterlandes! Wer zögert? Anmeldungen nimmt entgegen Sanitätshund-Meldestelle Bonn, Leiter Polizeikommissar Flaccus, Bonn, Kirschallee 23.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Am Kriegsgericht Bonn wurde am Donnerstag der 27jährige Josef Me. aus Lannesdorf, welcher am 24. Oktober in der dortigen Gemarkung auf einen noch nicht abgeernteten Kartoffelacker des Grubenbesitzers Sebastian Me., tagsüber sich 2 Zentner Kartoffeln aufsammelte, mit 6 Wochen Gefängnis bestraft. – Für einen Diebstahl von 116 Pfund Tafeläpfel während der Nacht zum 9. September in der Godesberg-Friesdorfer Gemarkung erhielt der 52jährige Maurer Friedrich Ma. aus Friesdorf eine empfindliche Freiheitsstrafe von 3 Monaten Gefängnis. […] Ein 18jähriger belgischer Arbeiter in der Chamottefabrik zu Mehlem hatte seinen Mitarbeitern verschiedentlich Geldbeträge gestohlen und diese hauptsächlich für Einkäufe von Lebensmitteln verwandt, die er an französische Kriegsgefangene in dieser Fabrik verkäuflich abließ. Laut angebrachten Aushängeschildern an allen Ausgängen ist allen dortigen Arbeitern der Verkehr mit Kriegsgefangenen untersagt. Des Angeklagten Strafmaß lautete auf 1 Woche Haft. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Für die Rheinische Goldankaufwoche vom 9. bis 16. Dezember, unter dem Ehrenschutze des Oberpräsidenten hat Dienstag eine Versammlung in der Lese die nötigen Vorbereitungen für Bonn und Umgegend getroffen. Herr Oberbürgermeister Spiritus begrüßte die von ihm eingeladenen Landräte des Bonner und des Siegkreises, die Vorsitzenden der Vaterländischen Vereinigungen, die Leiterinnen der Frauenvereine und die bei der letzten Reichsanleihe tätigen Obmänner der Werbekreise. Er wies auf die außerordentlich große Bedeutung des Goldankaufs und der Goldankaufwoche für die Rüstung der Reichsbank und damit des Reiches hin und betonte, daß leider die Rheinprovinz in der Goldabgabe noch hinter den Provinzen Sachsen und Pommern weit zurückgeblieben sei. […] Es wurde darauf beschlossen, die Stadt wie bei der letzten Reichsanleihe wieder in Werbekreise zu teilen und in ihnen von Haus zu Haus zu werben. Nach einer eingehenden Aussprache schloß der Oberbürgermeister die Sitzung mit herzlichen Wünschen für ein reiches Ergebnis der Goldankaufwoche.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 30. November 1917
An unsere Leser!
Im Laufe der letzten Zeit sind die Herstellungskosten im Zeitungsgewerbe wieder ungeheuerlich gestiegen. Es seien nur zwei Punkte herausgehoben. Die weitere Erhöhung des Papierpreises, der jetzt mehr als das Dreifache des Friedenspreises beträgt, und der Abschluß neuer tariflicher Bestimmungen mit den Setzer- und Druckergehilfen. Hinzu kommt die allgemeine Teuerung, die unser Gewerbe, das mit besonders teuren Materialien arbeiten muß, empfindlicher trifft, als die meisten anderen. Infolgedessen sind die deutschen Zeitungen in ihrer Gesamtheit dazu übergegangen, Bezugs- und Anzeigenpreise zu erhöhen. Die drei hiesigen Tageszeitungen müssen sich diesem Vorgehen anschließen. Sie sind gezwungen, vom 1. Dezember d. J. ab den Bezugspreis gemeinsam auf monatlich Mk. 1,20 festzusetzen.
Bonner Zeitung
Deutsche Reichszeitung
General-Anzeiger für Bonn und Umgegend.
(Ankündigung in der Bonner Zeitung, der Deutschen Reichszeitung und dem General-Anzeiger für Bonn und Umgegend)
Stadtverordnetenwahl. Bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl der ersten Abteilung wurden die bisherigen Stadtverordneten Kommerzienrat Theodor Fleitmann, Kaufmann Hubert Gentrup, Geheimrat Prof. Dr. Ernst Landsberg, Handelsrichter Emil Tilger und Professor Dr. Karl Mönnichmeyer einstimmig wiedergewählt. Zur Wahl erschienen in der Altstadt 27, in den Vororten 8 Wähler. Alle 35 Wähler stimmten für die genannten Herren.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Krieger. Am vergangenen Sonntag veranstaltete der Bezirksverband der kath. Jünglingsvereine von Bonn und Umgegend eine große Kundgebung. Es war ein Gedächtnistag für die gefallenen Krieger. Morgens war in den Pfarrkirchen der Vereine Generalkommunion. Nachmittags ½4 Uhr trafen sich die Vereine der linksrheinischen Seite in der Herz-Jesukirche zu Bonn, wo eine feierliche Andacht gehalten wurde. Herr Kaplan Heppener-Düsseldorf zeigte in seiner Predigt, was die Toten uns allen zu sagen haben. Arbeit müsse der Inhalt des Lebens sein, Liebe zu Eltern, Heimat und Kirche das oberste Gesetz des Lebens, die Ewigkeit das Ziel des Lebens.
Nach der Andacht zogen dann mehr als 1000 Jünglinge in festlichem Zuge zum großen Saale des Bonner Bürgervereins, wo eine weltliche Gedenkfeier stattfand. […]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Festgenommen wurde in Bonn ein Mann, der zusammen mit einem anderen Diebe am Bußtage in Oberdollendorf aus einer Villa, in die sie eingebrochen sind, einen Posten Wäsche und Kleidungsstücke und aus einem Betriebe in Oberdollendorf einen Treibriemen gestohlen hat. Den Treibriemen hat er zerschnitten und an einen hiesigen Schuhmacher, der sich als Hehler auch strafbar gemacht hat, verkauft.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)