Bonn 1914-1918
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Montag, 26. März 1917

    

Verschönerungsverein für Bonn und Umgebung. In der gestrigen Hauptversammlung berichtete der Vorsitzende, Bürgermeister a. D. Bennauer, über die Vereinstätigkeit im verflossenen Jahre. Sie beschränkte sich darauf, die bestehenden Anlagen zu erhalten. Ausbesserungen im Melbtale wurden leider am folgenden Tage schon durch jugendliche Roheit wieder zerstört. [...] Der vorjährige Vereinsbeschluß, am Treffpunkt der Hindenburg- und Junkerstraße eine Bank auf Vereinskosten aufzustellen, ist von der Stadtverwaltung unter der Bedingung genehmigt worden, daß die Bank in der Form und der weißen Farbe den neuen Bänken am Kaiserplatz und in der Poppelsdorfer Allee entspricht, da nur solche Bänke in Bonn noch aufgestellt werden sollen; mit der Aufstellung der Bank muß aber noch gewartet werden, da die notwendigen gärtnerischen Anlagen vorläufig nicht ausgeführt werden können. [...] Eine Anregung, einen bequemen Aufgang von Dottendorf aus zum Venusberg zu schaffen, wurde beifällig aufgenommen. Bürgermeister Bennauer versprach, sich dieser Aufgabe mit allem Eifer widmen zu wollen.

Die Gemüseversorgung. Auf Einladung des Landrats Geheimrats v. Nell hatten sich Samstag nachmittag die zum Ankauf von Gemüse im Landkreise Bonn zugelassenen Gemüsehändler sowie die Vertreter einer großen Anzahl von Städten, besonders des rheinisch-westfälischen Industriegebietes, im Bonner Bürgerverein zu einer Besprechung über die Neuregelung der Gemüseversorgung versammelt. Landrat Geheimrat v. Nell erörterte die zu erwartenden Maßnahmen der Reichsgemüsestelle und deren Organisation. In Preußen werde eine Landesstelle für Gemüse geschaffen. Es würden Unterbezirke und Kreisstellen für Gemüse errichtet. Ueber einen Teil des im Landkreise Bonn erzeugten Gemüses seien schon Lieferungsverträge abgeschlossen, es solle aber auch das übrige Gemüse erfaßt werden. Die Händler möchten der als Vertrauensmann der Reichsgemüsestelle bestellten Firma Gebrüder Koppel in Bornheim genau angeben, an welche Städte und in welchem Umfange und welche Arten Gemüse sie geliefert hätten. Es solle dann ein Schlüssel aufgestellt werden, nach dem die Städte durch die bisherigen Händler und möglichst auch unter den bisherigen Bedingungen weiter beliefert werden könnten. Die Händler und die Vertreter der Städte waren mit diesem Vorschlag einverstanden. Es wurde dann über den Handelsgewinn gesprochen. Von allen Seiten wurde betont, daß Maßnahmen getroffen werden müßten, um der bisherigen Preistreiberei ein für allemal das Wasser abzugraben. Der Landrat versicherte, daß kein auswärtiger Händler mehr die Erlaubnis zum Aufkauf von Gemüse erhalten werde. Es sei Sache der Händler des Landkreises, unnachsichtig alle Auswüchse zur Anzeige zu bringen, um auch sich selbst die auswärtigen Händler vom Halse zu halten. Man wolle doch, daß nicht nur die oberen Zehntausend mit Gemüse versorgt würden, sondern daß die Masse preiswertes Gemüse erhalte. Die Versammlung stellte die Gewinne für die einzelnen Gemüsearten fest. Bei Spinat sollen 5 M., Rhabarber 2 Mk. verdient werden dürfen, bei den anderen Gemüsen schwankt der Gewinn zwischen 50 Pfg. und 4 M.
   Im Anschluß an diese Versammlung der Händler tagte eine Versammlung der Vertreter der Städte unter dem Vorsitze des Landrats Geheimrats v. Nell. U. a. wies Gartendirektor Günther auf den Mißstand hin, daß die Stadt Bonn, obwohl sie mitten im reichsten Gemüselande liege, im vorigen Jahre 50.000 Zentner Gemüse aus andern Gegenden beziehen mußte. Der Landrat bemerkte, der Landkreis Bonn solle vornehmlich für den rheinisch- westfälischen Industriebezirk liefern, dazu würden auch die Städte Bonn und Köln gerechnet. Die Vertreter mehrerer Städte erhoben dagegen Einspruch, daß Städte und große Werke sich durch Ammoniaklieferung Gemüse sicherten. Der Landrat bemerkte, wenn ein solches Tauschgeschäft im Landkreise Bonn vorgekommen sein sollte, so sei die Lieferung auf unvorschriftsmäßigem Wege zustande gekommen. Die Verträge, die die Firma Krupp abgeschlossen habe, seien alle beanstandet worden. Ein Redner teilte mit, daß die Reichsgemüsestelle den Großhandel frei lassen wolle. Landrat Geheimrat v. Nell bedauerte diesen Standpunkt der Reichsstelle, weil dann der Kampf von neuem losgehe. Er bezeichnete die von Gartendirektor Günther mitgeteilte Tatsache, daß Bonn kein Blättchen Gemüse auf dem Markte habe, als geradezu unglaublichen Zustand- und versprach zum Schluß, die in der Versammlung gegebenen Anregungen bei der Reichsstelle für Gemüse vertreten zu wollen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Verkaufssperre für Petroleum. Auch in diesem Jahre wird während der Sommermonate der Verkauf von Petroleum an Private verboten, und zwar darf nach einer Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 1. April bis zum 31. August 1917 Petroleum zu Leuchtzwecken an Wiederverkäufer und vom 1. Mai 1917 auch an Verbraucher nicht mehr abgesetzt werden. (Im vorigen Jahre begann die Verkaufssperre für Wiederverkäufer erst am 1. Mai und für Verbraucher am 1. Juni.) Keine Anwendung findet das Verbot auf den Absatz von Petroleum für Positionslaternen sowie für die im Interesse der öffentlichen Sicherheit polizeilich angeordnete Beleuchtung.

Der Fischverkauf, den die Stadt am Samstag auf dem Wochenmarkt abhielt, hatte unsere Hausfrauen in hellen Scharen angelockt, um sich die seltene Gelegenheit, wieder einmal nach Herzenslust Auswahl unter frischen Fischen zu treffen, nicht entgehen zu lassen. Außer gewässertem Stockfisch gab es vorzüglichen Cabliau, Schollen und Seebutt, und außerdem waren auch noch Heringe zu haben, die das Stück zu 20 Pfg. abgegeben wurden. Trotzdem der Andrang groß war, konnte jedoch Jeder befriedigt werden; bei Marktschluß war sogar noch Vorrat vorhanden. Aller Voraussicht nach trifft heute Montag eine weitere Sendung Fische ein, die ebenfalls auf dem Wochenmarkt verkauft werden sollen. Bei der augenblicklichen Fleischknappheit ist das Eintreffen von frischen Fischen doppelt freudig zu begrüßen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Eine Vaterländische Kundgebung veranstaltete der Verein der Zentrumspartei in den Kreisen Bonn-Stadt und –Land am Sonntagnachmittag im großen Saale des Bonner Bürgervereins, in dem sich trotz des herrschenden prächtigen Frühlingswetters eine recht stattlichen Anzahl Damen und Herren, ohne Unterschied der Partei, eingefunden hatten. Herr Stadtverordneter Görgen begrüßte die Versammlung und wies kurz auf ihren Zweck hin. Es sei notwendig, wenn das Vaterland in großer Gefahr sei, die Pflicht der Stunde klar zu erkennen und auch andere darauf aufmerksam zu machen, um was es gehe. Die Herren Schriftsteller Dr. Cardauns und Dechant Böhmer behandelten dann die Frage: „Das Gebot der Stunde“. Dr. Cardauns gab zunächst einen Ueberblick über die Lage, zeigte dabei, wie wir unser Vaterland bisher ruhmreich verteidigt und mit welchen Erfolgen unsere Waffen geschmückt seien. Weniger klar als die militärische Lage sei die diplomatische Lage namentlich neuerdings in Amerika und Rußland. Alles dränge auf eine letzte endgültige Entscheidung und da gelte es für uns auch in dieser letzten Not unsere Pflicht zu erfüllen. Diese bestehe außer in der Ehre für Gott, in unserem Danke gegen alle, die bisher am Siege draußen und daheim mitgewirkt. Die noch kommenden Opfer müssen wir ertragen in Ausdauer und Geduld. Wir müssen sparen und uns einschränken. In der Beurteilung aller getroffenen Maßnahmen müssen wir Besonnenheit und Gerechtigkeit üben und maßhalten. Die nächste Zeit soll uns zu Arbeit und Opfer bereit finden. Als köstliches Erbe des Burgfriedens wollen wir gegenseitige Achtung und Duldung mit hinübernehmen in die Friedenszeit. Dechant Böhmer führte u. a. aus: Wenn das deutsche Volk auch den kommenden schweren Zeiten erhobenen Hauptes entgegengehen darf, so darf die berechtigte siegesgewissen Stimmung uns nicht dazu verleiten, die Hände müßig in den Schoß zu legen. Nein, wir sollen unsere Tatkraft bis zur äußersten Kraftanstrengung entfalten. Nur die klare Erkenntnis dieser Pflicht und der unbeugsame Wille aller Kreise, diese Erkenntnis opferwillig und beharrlich bis zum Ende des Krieges in entsprechende Taten und Leiden umzusetzen, kann dem deutschen Volke eine glückliche Zukunft verbürgen. Das Wort vom Durchhalten gewinnt seine größte Bedeutung in dieser letzten Periode des großen Krieges. Es geht ums Ganze. Darum müssen alle Kräfte, militärische, finanzielle und volkswirtschaftliche zusammengerafft werden. Wenn auch noch größere Opfer als bisher verlangt werden sollen, so dürfen wir nicht verzagen. Die musterhafte Geduld und Opferwilligkeit unseres Volkes bürgt dafür, daß es auch noch weiter durchhalten werde. Es wäre auch über alle Maßen töricht, gerade jetzt nachlassen zu wollen, wo aller Voraussicht nach die letzten Nöte überstanden werden müssen. Das Gebot der Stunde verlangt zunächst, daß wir alles verfügbare Geld zur Kriegsanleihe hergeben. Das sind wir nicht nur dem Vaterlande schuldig, das liegt auch in unserem Interesse. Denn die Sicherheit des Vaterlandes bedingt auch die Sicherheit des Einzelnen. Wer hilft die Waffen schmieden, hat fast ein ebenso großes Verdienst wie der, welcher sie führt. Wir müssen auch deshalb die Kriegsanleihe zeichnen, weil ein möglichst gutes Ergebnis die Hoffnungen unserer Feinde zu schanden macht und den Krieg abkürzen hilft.
   Wer wollte zudem die Schuld auf sein Gewissen laden, das Vaterland in seiner äußersten Gefahr im Stiche gelassen zu haben. Diese vaterländische Pflicht ist leicht erfüllbar; das Geld bringt hohe Zinsen und ist sicher angelegt. Wir müssen nicht nur selbst zeichnen, sondern auch andere dazu veranlassen. Das Gebot der Stunde verlangt weiterhin eine kräftige und dauernde Unterstützung der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Diese sind das Vermächtnis unserer gefallenen Helden und wir wollen ihr Vermächtnis in Ehren halten, indem wir unsere Dankespflicht durch tatkräftige Unterstützung der Kriegerwitwen und Waisen erfüllen. Das Gebot der Stunde ist, daß wir den behördlichen Verfügungen bereitwilligst Gehorsam entgegenbringen. Es ist Pflicht, den Behörden ihr schweres Amt zu erleichtern. Verkehrt ist es, die verschiedenen Berufsstände gegeneinander aufzuspielen. Die Landbevölkerung wird von der Stadtbevölkerung vielfach zu hart beurteilt. Wenn der Druck zu stark auf uns lasten sollte, so denken wir an unsere Feldgrauen und das, was sie auszuhalten haben, oder stellen wir uns unsere Lage vor, wenn die Absicht unserer Feinde das Rheinland zu verwüsten, verwirklicht worden wäre. Ermuntern wir uns an dem Beispiel unserer Verwundeten und ihre Geduld. Schöne Worte hat vor kurzem ein junger Redner in Köln gebraucht; ich möchte sie auch zu den meinen machen, sie lauten: Kein Gedanke dagegen, kein Wort dawider, das Herz dabei, das Geld dazu und das Gebet dafür. Prägen Sie sich, so schloß Redner, diese Worte tief ins Gedächtnis ein und lassen Sie dieselben auf sich einwirken. Unser Kaiser hat an den rheinischen Provinziallandtag auf das Huldigungstelegramm geantwortet, er vertraue auf Gott und unser gutes deutsches Schwert. Schließen wir uns unserem Kaiser an. An seiner Stelle, unter seiner Führung wollen auch wir kämpfen. Auf diese Weise erkämpfen wir einen glorreichen Sieg, einen ehrenvollen Frieden und für unser Vaterland eine reich gesegnete und glorreiche Zukunft. Die Ausführungen beider Redner wurden mit größter Aufmerksamkeit und reichem Beifall entgegengenommen. Der Vorsitzende Stadtv. Görgen, brachte den Dank der Versammlung an die Redner noch besonders zum Ausdruck. Er wies wiederholt darauf hin, daß im Saale Gelegenheit geboten werde, auf die sechste Kriegsanleihe zu zeichnen. Die Drammersche Schule warb um Meldungen und Beamte der städtischen Sparkasse nahmen die geworbenen Zeichnungen entgegen. Der Vorsitzende dankte ihnen für ihre fleißige Arbeit im vaterländischen Sinne und konnte als höchst erfreuliches Ergebnis mitteilen, daß von den Versammlungsteilnehmern 46.500 Mark auf die 6. Kriegsanleihe gezeichnet worden seien. Die Versammlung wurde den Vorsitzenden mit einem Kaierhoch geschlossen. [...]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 27. März 1917

       

Anzeige in allen Bonner Zeitungen am 27. März 1917Der Liberale Bürgerverein wird, wie schon berichtet, seine eifrige Tätigkeit im März mit einer Bismarck-Gedenkfeier Samstag abend abschließen. Während die bisherigen Märzabende des rührigen Vereins Kriegsfragen, der Lebensmittelversorgung Bonns und dem Kriegsgemüse die beiden ersten, der Neuordnung Deutschlands und die Einheitsschule die dritte, gewidmet und daher allen Mitbürgern und Mitbürgerinnen ohne Unterschied der Partei zugänglich waren, bleibt der nächste Samstag dem engeren Kreis der Mitglieder und Freunde des Liberalen Bürgervereins vorbehalten. Er soll ihnen in diesen schicksalsschweren Kriegstagen eine Gelegenheit geben, sich an- und miteinander zu erheben. Und welcher Tag wäre dazu geeigneter als der Geburtstag Bismarcks, dessen Werk wir jetzt gegen eine Welt der Feinde verteidigen müssen! Die Gedenkfeier wird dieser ihrer innerlichen Art gemäß außer der Bismarckrede Chorgesänge und einen musikalischen Vortrag bieten, auch soll sich eine gemütliche Nachsitzung im Kuppelsaal der Lese anschließen, an der sich jeder nach Belieben beteiligen kann. In dem Vortragssaal selbst (im ersten Stock der Lese) findet wiederum kein Wirtschaftsbetrieb statt, irgendwelche Kosten sind also mit der Gedenkfeier nicht verbunden.

50 Gramm Speck auf den Kopf werden am morgigen Mittwoch von den Metzgern verkauft.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Diebstähle. In der Nacht vom 22. zum 23. März wurden einem pensionierten Bahnbeamten in Endenich aus einem verschlossenen Stalle fünf wertvolle Hühner gestohlen. In gleicher Nacht wurde daselbst einer Frau in ihrer Wohnung im Wiesenweg eine Geldkassette erbrochen und ein Fünfzigmarkschein daraus entnommen. In beiden Fällen sind die Täter unbekannt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Wir und die Feinde. Von besonderer Wichtigkeit ist der Eindruck des Erfolgs der neuen Kriegsanleihe an sich, daneben aber auch der Eindruck der gesunden Art, wie er zustande kommt bei bewundernswert tragfähiger Verfassung unseres Geldmarktes. Man denke an die zweifelnden Wort, die der englische Schatzmeister über unser weiteres Können vor kurzem sprach, daß das englische Volk seit 1½ Jahren keine Kriegsanleihe mehr hatte und bei so langer Schonzeit der jetzige Erfolg nicht überwältigend ist, vergegenwärtige sich endlich die Wirkung einer glänzenden Zeichnungsziffer in den Reihen der Feinde und der Neutralen. Dieser Eindruck wird um so gewaltiger sein, als Rußland, Frankreich und Italien schon mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen haben, Geld zu beschaffen, von dem unserem Vorgehen entsprechenden, währungspolitisch einwandfreien Wege einer inneren Anleihe gar nicht zu reden, denn dieser hat sich für sie bei mehrmaligen Versuchen als kaum noch gangbar gezeigt.
   
Es mag im übrigen vielen gegen die Natur gehen, daß bei Besprechung der Deckung des Geldbedarfs unseres Vaterlandes auch einige Worte über die rein geschäftliche Seite mit einfließen. Aber schließlich ist der Kauf von Wertpapieren eben auch ein Geschäft, das rein nüchtern überlegt und nachgerechnet werden will. Und wir brauchen diese bedächtige Nachprüfung nicht zu scheuen: Zu dem hohen Zinsertrag tritt noch der Vorteil, daß die Ausgabe unter dem Nennwerte erfolgt und bei der Schatzanweisung der Vorteil daß schon 1918 die Verlosungen mit recht ansehnlichem Aufgeld erfolgt. Selbst der kühlste Rechner wird nicht umhin können, zu dem Zinssatz noch den Nutzen hinzuzurechnen, der für die Allgemeinheit und damit auch für ihn erfließt, wenn die Landesverteidigung mit wuchtigem Erfolg und der gesundesten Form das Geld erhält, dessen sie bedarf. Daß diese Opferwilligkeit mit derjenigen der Kämpfer draußen nicht in einem Atem genannt werden darf, versteht sich von selbst, aber immerhin mögen die, die nicht aus dem Rechnen herauskommen, sich doch einmal die Frage vorlegen, ob denn unsere Krieger Zinsen auf den Einsatz ihres Lebens und ihrer Gesundheit beanspruchen. Und wem es nicht ganz bequem liegt, daß er Mittel flüssig macht, er mag sich sagen, daß auch die Siege, über die er sich freut und die er fast wie sein gutes Recht von den kämpfenden Heeren verlangt, wahrhaftig nicht ohne unvergleichlich größere Opferwilligkeit erstritten werden. Und die Sicherheit? Auch in dieser Hinsicht ist eine bedächtige Nachprüfung nicht zu scheuen. Sehr im Gegenteil! Möchte doch endlich die Erkenntnis unserer finanziellen Unterlagen, auf denen fest und sicher die deutschen Kriegsanleihen ruhen, Allgemeingut aller Volksgenossen – und des Auslandes werden! Wie diese ehernen Unterlagen beschaffen sind (zu ihnen zählt übrigens deutscher Fleiß, deutscher Erfindungs- und Organisationsgeist und das, was unsere Heere mit eisernem Ring von feindlichen Gebieten umklammert halten und was ohne Gegenleistung nicht wieder frei werden wird), das ist im einzelnen dargestellt in belehrenden Aufsätzen, die jedermann leicht haben kann. Wie die Mittel für die Kriegsanleihezeichnung und –bezahlung flüssig zu machen sind, das kommt auf den einzelnen Fall an. Zunächst wird der entbehrliche Teil von Barmitteln, Bank- und Sparkassenguthaben, soweit und sobald er von den Einlagestellen flüssig gemacht werden kann, dafür zu verwenden sein. Wer solche Mittel oder Guthaben im Augenblick nicht besitzt, wohl aber im Verlauf der nächsten Monate Bareingänge hat, der kann von den sich weit in den Sommer erstreckenden Zahlfristen Gebrauch machen. Und wer erst später Einnahmen hat, die für den Unterhalt nicht unbedingt nötig sind, der wird sich Rechenschaft darüber abzulegen haben, ob er nicht durch Verpfändung von Wertpapieren bei einer Reichsdarlehenskasse oder anderen Geldanstalten vorher schon die erforderlichen Mittel flüssig machen kann, mit der Maßgabe, daß der aufzunehmende Vorschuß aus eben diesen späteren Einnahmen seine Rückzahlung findet. Daß sich das deutsche Wirtschaftsleben stark und gesund gehalten, daß die Geldmittel für die Kriegsführung so reichlich und währungspolitisch einwandfrei wie all die Male seither wieder flüssig zu machen sein werden, daß die Sicherheit der Kriegsanleihe über jeden Zweifel erhaben ist, das verdanken wir deutscher Tüchtigkeit, deutscher Opferwilligkeit, nicht zuletzt dem Heere und der Flotte. Die glänzenden Waffentaten in Ost und West, die kraftvollen tatenfrohen Vorstöße unserer Unterseeboote, die Verhältnisse bei den Feinden: das unaufhörliche Steigen ihrer Kriegslasten, die Schwierigkeiten der Geldbeschaffung und der Ernährung - England spürt jetzt schon wie Frankreich die Umkehrung des uns angedrohten Hungerkrieges! – die wertvollen Unterpfänder in den mit eiserner Klammer festgehaltenen feindlichen Gebieten, die in Frankreich zu den industriell wichtigsten, steuerlich leistungsfähigsten Staatsteilen gehören, all das gibt uns die Zuversicht auf den endgültigen Sieg. Danken wir unseren Kämpfern, indem wir ihnen die Mittel zur Beendigung ihres Siegeslaufes gern und freudig in die Hand geben. Es geschieht zu unserem eigenen Besten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 28. März 1917

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1917Konzert im Nachmittagsheim für Verwundete. Nachdem in den letzten Wochen den verwundeten Kriegern im täglich geöffneten Nachmittagsheim, Coblenzer Straße 90, verschiedene musikalische und Gedichtvorträge dargeboten worden sind, wird dort für sie am Freitag, 30. März, eine größere Musikaufführung von berufener Seite veranstaltet werden. Das ausführliche Programm ist allen Lazaretten zugegangen. Hier seien nur erwähnt: alte deutsche Volkslieder, für vierstimmigen Frauenchor gesetzt von dem im Kriege gefallenen hervorragenden Bonner Organisten Wilhelm Seidel, und das Forellen-Quintett von Franz Schubert für Klavier, Geige, Bratsche Cello und Baß. Das Konzert beginnt um ½5 Uhr. Vom Herrn Reservelazarettdirektor ist freundlichst die Bewilligung von längerem Urlaub für die Teilnehmer angeordnet worden, und so dürfte wohl zahlreicher Besuch unserer musikliebenden Verwundeten erwartet werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Metropol-Theater. Das neue Programm des Metropol-Theaters bringt u. a. den fünfaktigen Filmroman von Hans Land „Das goldene Friedelchen“, in dem die jugendliche Charakterdarstellerin Lotte Neumann die Hauptrolle spielt. Flotte Handlung und prächtige Bilder zeichnen den Film aus. Ein recht lustiges Stück ist „Fritzis toller Einfall“. Madge Lessing, die bekannte Berliner Filmschauspielerin, führt in diesem Stück als Hotel-Zimmermädchen tolle Streiche aus. Interessante Bilder aus Oesterreich und die neusten Kriegsberichte von allen Fronten vervollständigen das Programm.

Die Kriminalpolizei ertappte gestern morgen am hiesigen Bahnhofe einen Mann, der eine schwere Last Mehl und Butter, sowie 40 Pfund Kaffee bei sich führte. Es hat sich hierbei herausgestellt, daß die Sachen auf unrechtmäßige Weise in den Besitz des Mannes gekommen sind; es wird angenommen, daß dieselben von einem Einbruch in Mehlem herstammen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1917Fahnenflucht. Aufgrund des Gesetzes über den Belagerungszustand ist im Interesse der öffentlichen Sicherheit für den Befehlsbereich des 8. Armeekorps und den Befehlsbereich der Festungen Köln, Koblenz und Ehrenbreitstein bestimmt worden: 1. Wer von dem Vorhaben der Fahnenflucht einer aktiven Militärperson oder einer Person des Beurlaubtenstandes zu einer Zeit, zu welcher die Verhütung eines solchen Verbrechens noch möglich ist, glaubhafte Kenntnis erhält und es vorsätzlich oder fahrlässig unterläßt, hiervon der nächsten Militär- oder Polizeibehörde unverzüglich Anzeige zu machen, wird, wenn die bestehenden Gesetze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, für den Fall, daß das Verbrechen der Fahnenflucht begangen oder versucht worden ist, mit Gefängnis bis zu einem Jahre, beim Vorliegen mildernder Umstände mit Haft oder einer Geldstrafe bis zu 1500 Mark bestraft. 2. Gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher von dem Aufenthalt eines Fahnenflüchtigen oder einer Person, welche von ihrer Truppe oder ihrer Dienststellung eigenmächtig sich entfernt hat oder vorsätzlich fern bleibt oder den ihr erteilten Urlaub eigenmächtig überschritten hat und sich verborgen hält oder auf andere Weise der militärischen Kontrolle sich entzieht, glaubhafte Kenntnis erhält und es vorsätzlich oder fahrlässig unterläßt, der nächsten Militär- oder Polizeibehörde von deren Aufenthalt unverzüglich Anzeige zu machen. Diese Verordnung findet auch auf Angehörige der bezeichneten Militärpersonen Anwendung.

Es ist purer Unsinn zu glauben, durch große Kriegs-Anleihe-Zeichnung werde der Krieg verlängert. Leider begegnet man oft dieser verkehrten Anschauung, die auch durch Briefe aus dem Felde von verärgerten Leuten genährt wird. Gerade das Gegenteil ist richtig. Ein Mißerfolg der Kriegs-Anleihe würde den Krieg nicht verkürzen, sondern verlängern. Die Feinde würden daraus den Schluß ziehen, daß die Deutschen zu arm geworden seien, um den Krieg durchhalten zu können. Unsere Feinde würden uns für verzweifelt halten und darin einen Ansporn finden zu weiterem Aushalten, zu neuer Hoffnung, den Krieg doch noch zu gewinnen. Aber ganz abgesehen von diesen schädlichen Folgen würde ein Mißerfolg der Kriegs-Anleihe, wie auch jüngst der bayrische Kriegsminister hervorgehoben hat, die Kriegsführung und damit die Dauer des Krieges nicht im mindesten beeinflussen, die Mittel müßten eben auf andere Weise beschafft werden, sei es auch durch Zwang. – Ein voller Erfolg der Kriegs-Anleihe ist demgegenüber von jedem Einsichtigen zu wünschen. Die Feinde werden erkennen, daß sie gegen unsere Kraft auch in finanzieller Hinsicht ohnmächtig bleiben, sie müssen sich wiederum als Besiegte fühlen und werden dadurch dem Frieden geneigter. Darum zeichnet unbedingt und so viel wie möglich Kriegs-Anleihe. Nur ein großer Erfolg der Kriegs-Anleihe bringt uns dem Frieden näher. Und je größer der Erfolg, um so sicherer unser Sieg.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 29. März 1917

     

Hülsenfrüchte dürfen auch zu Saatzwecken nur abgesetzt werden, wenn sie von der Reichshülsenfruchtstelle förmlich freigegeben sind, und zwar bedürfen dieser Freigabe auch diejenigen Mengen, welche sich bereits im Handel befinden. Alle Händler müssen deshalb derartige Anträge sofort bei der Reichshülsenfruchtstelle einreichen. An Höchstpreise ist das Gemüsesaatgut auch jetzt nicht gebunden. Es dürfen aber mit Hülsenfrüchtesaatgut zu Gemüseanbauzwecken nur diejenigen Händler verkaufen, welchen eine Erlaubnis zum Betriebe des Handels mit Sämereien erteilt ist oder die ohne besondere Erlaubnis den Handel mit Sämereien betreiben dürfen. Auch die Bestimmungen über Saatkarten gelten für Hülsenfruchtsaatgut. Nur wenn es sich um Mengen unter 125 Gramm handelt, kann das Gemüsesaatgut ohne Saatkarte abgegeben werden.

Hebung der Kaninchenzucht. Mit der demnächst erfolgenden Beschlagnahme der Kaninchenfelle und der Regelung des Verkehrs mit ihnen wird gleichzeitig der Zweck verfolgt, die Kaninchenzucht zu heben. Dementsprechend werden die Preise für Kaninchen verhältnismäßig hoch bemessen werden, um die Züchter zu einer pfleglichen Behandlung der Felle anzuhalten. Auch im Interesse der Volksernährung verdienen alle auf die Förderung und Verbesserung der Kaninchenzucht hinzielenden Bestrebungen Unterstützung. Bei einer zielbewussten Hebung dieser Zucht kann in absehbarer Zeit mit einer erheblich gesteigerten Erzeugung von Fleisch gerechnet werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Ortsgruppe Bonn-Godesberg des „Unabhängigen Ausschusses für einen Deutschen Frieden“. Wir erhalten folgende Zuschrift: „In Bonn, wo, wie in der Umgebung schon längst eine Anzahl von Freunden des „Unabhängigen Ausschusses“ zu finden war, wurde in den letzten Wochen eine Ortsgruppe dieses großen über ganz Deutschland verbreiteten Ausschusses gegründet. Vertreter verschiedenster Parteirichtungen gehören ihr an. Die Bestrebungen jenes Kreises deutscher Männer gehen darauf aus, in allen Kreisen Verständnis für die Lebensnotwendigkeiten des Deutschen Volkes zu wecken, den Blick für die mit unserer üblen geographischen Lage zusammenhängenden Grundzüge einer Deutschen Auslandspolitik zu schärfen und den Willen zu einer würdigen Selbstbehauptung unseres Volkes während dieses Krieges wieder zu beleben, zu mehren und zu stärken. In der ersten Mitgliederversammlung vom 23. März legte Herr W. Bacmeister, Mitglied der nationalliberalen Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses in meisterhaften, packenden Mitteilungen „die politische Lage“ dar und erntete allgemeinen, überaus lebhaften Beifall für eine gediegenen Ausführungen. Die anschließende Aussprache war von größtem Interesse.
  
Am Freitag, den 30. März Abends 8 ½ Uhr findet im großen Saale des Bürger-Vereins die erste öffentliche Versammlung statt. In dieser Versammlung wird Herr Prof. Dr. Schlittenbauer, Mitglied der Zentrumsfraktion des bayrischen Landtages einen Vortrag „Auf der Höhe des Weltkrieges“ halten. Niemand verfehle zu kommen.
   Professor Schlittenbauer ist einer derjenigen deutschen Politiker, die seit langem für eine Form des U-Boot-Krieges eintraten, bei der die erhofften Wirkungen auch mit ziemlicher Sicherheit vorauszuberechnen waren. Auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen und Ernährungsfragen genießt der Redner, der an der Seite Dr. Heims arbeitet, in Bayern das größte Ansehen. Er verfügt über treffliche historische und nationalökonomische Kenntnisse, weiß leichtfassliche, lichtvolle Darstellungen mit ernster Auffassung der Dinge zu verbinden und läßt, wo es nottut, auch die volkstümliche Rede und den Humor zu Worte kommen.
   Ein reger Besuch der Versammlung am Freitag den 30. März ist somit durchaus gerechtfertigt.
   Weitere Vorträge von Vertretern der übrigen politischen Parteien sollen folgen.

Schülerarbeiten im Hofgarten. Am Dienstag war der achte Arbeitstag und sämtliche Rasenflächen sind schon von der Laubdecke befreit. Da täglich nur nachmittags 3 Stunden gearbeitet wurde, haben die jungen Leute innerhalb 24 Stunden den ganzen Hofgarten gereinigt, eine schöne Leistung, wenn man bedenkt, daß das Laub noch sehr naß und in den Boden geregnet und getreten war. Aber nicht allein das Laub haben sie zusammengemacht, sondern auch noch auf Handkarren geladen und auf ein etwa 2 Kilometer entferntes städtisches Grundstück gefahren, was sonst mit dem Pferdekarren geschehen ist. Inzwischen haben sie noch abwechslungweise mit der großen Drummsäge Holzschneiden gelernt. Man sieht, daß bei richtiger Anstellung und gutem Willen auch unsere Jungen noch manches leisten können. Diese Woche werden sie im Umgraben, Rigolen und Spiralstechen unterrichtet. Eine zweite Kolonne hat gestern im Baumschul-Wäldchen mit der Arbeit begonnen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Soldatenheim. Der verflossene Sonntag sah wieder viele Feldgraue im Soldatenheim Gesellenhaus, Kölnstraße, da ihnen dort Allerlei und viel Schönes von den verschiedensten Kräften geboten wurde. Andächtig lauschten sie alle den herrlichen Liedern, welche Frl. Anny Ney mit ihrer wundervollen und kristallklaren Stimme sang und wobei sie Herr Kratzer am Klavier so gut zu unterstützen wußte. Nicht minder starken Eindruck machte das Auftreten der kleinen Heinemann, der Tochter des im Feldgrau steckenden Herrn Musikdirektors Heinemann, der die hinreißend gespielten Geigensolis seines Kindes in meisterhafter Weise auf dem Klavier begleitete. Die ernsten und heiteren Vorträge des Herrn Kuhlmann, waren Schlager, die durch die plastische Vortragsweise sofort zündeten. Als „humoristischen Vortragsmeister am Klavier“ bezeichnete sich Herr Edmund Saltin, ein Feldgrauer. Daß er wirklich ein Meister auf diesem Gebiete ist, das bewiesen seine mit starkem Beifall aufgenommenen Darbietungen. Der Dritte im Bunde war Herr Wallenfang, der auch mit einigen lustigen und köstlichen Gesangsvorträgen aufwartete. Seine Art des Vortags machte die ausgewählten Nummern besonders wirksam. Herr Däntler trug ein selbstverfasstes, von patriotischem Schwung durchwehtes Gedicht ausdrucksvoll vor. Zwei Theaterstückchen sorgten für weitere Ablenkung. „Der Vetter aus Bremen“, ein prächtiges heiteres Spiel, ward in vorzüglicher Weise von Frl. Elise Müller und den Herren Konrad Ritter und M. Däutler gegeben. Um die drastische und wirksame Aufführung des Einakters „Die Kaffeeschlacht oder Folgen der Emanzipation“ bemühten sich mit gutem Erfolg die Damen Lottner, Conrad und Lenzen. Alles in allem: der Abend, den der 1. Vorsitzende, Herr Kaplan Rütters, leitete, war schön und gefiel den Soldaten sehr gut.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 30. März 1917

      

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung und in der Bonner Zeitung am 28. März 1917Die Stadtverordneten erhöhten gestern die Teuerungszulage der städtischen Beamten, Angestellten und Lehrer entsprechend der neusten staatlichen Bestimmungen, sie gewähren ferner den städtischen Arbeitern Lohnaufbesserungen. Durch diese Zulassungen und Aufbesserungen wird die Stadt um jährlich 180.000 Mark belastet. Die Stadtverordneten genehmigten dann den in der vorigen Sitzung vertagten Kokslieferungsvertrag und beschlossen alsdann die Einführung des Gassparpreises. Steuersätze bleiben unverändert. Wir verweisen auf unseren ausführlichen Bericht.

Deutsche Kinder in Holland. Der Erzbischof von Utrecht hat 75 altkatholische Schulkinder aus den Gemeinden Bonn, Koblenz, Essen und dem altkatholischen Waisenhaus Bonn für vier Wochen nach Holland zu besserer Ernährung eingeladen. Die Kinder werden in altkatholischen Familien in Utrecht und Schiedam sowie in den Ferienkinderheimen der altkatholischen Kirche Hollands untergebracht.

Mit dem U-Boot gegen England lautet die Aufgabe eines für den 5. April, abends 7½ Uhr im Bonner Bürgerverein angezeigten Lichtbildervortrages des Kapitänleutnants a. D. von Bebber, der fachmännisch, aber dabei doch allgemeinverständlich Aufklärungen über die Ubootwaffe, ihre Einrichtung, Taktik, Gefahren und Erfolge geben wird. Ein reiches, diesem Krieg entstammenden Bildermaterial, darunter aus großer Nähe aufgenommene Photographien von Torpedotreffern im Augenblick der Entladung vermitteln packende Eindrücke von der an Erlebnissen, aber auch an Entsagungen reichen Tätigkeit unserer Uboothelden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Beschlagnahme von Bronzeglocken.
Der Gouverneur der Festung Köln hat unterm 1. März d. J. eine sofort in Kraft getretene Bekanntmachung über die Beschlagnahmen Bestandserhebung und Enteignung sowie freiwillige Ablieferung von Glocken aus Bronze erlassen. Es wird hiermit die sofortige Beschlagnahme und Meldepflicht sowie die Enteignung und Ablieferung für sämtliche aus Bronze gegossenen Glocken verfügt. Ausgenommen sind die unter 20 Kilogramm wiegenden, die zu mechanisch betriebenen Glockenspielen und die zu Signalzwecken bei Eisenbahnen, Schiffen und Feuerwehrfahrzeugen bestimmten Glocken. Betroffen werden insbesondere auch die im Besitz von kirchlichen oder sonstigen öffentlichen Körperschaften befindlichen Bronzeglocken. Die mit der Durchführung der Bekanntmachung beauftragten Kommunalverbände haben Bronzeglocken, bei welchen ein besonderer wissenschaftlicher, geschichtlicher oder Kunstwert festgestellt wird, von der Enteignung und Ablieferung zu befreien. [...]
   Es ist eine wichtige Aufgabe, zu prüfen und festzustellen, welche Bronzeglocken von besonderem wissenschaftlichen, geschichtlichem oder Kunstwert vorhanden sind. Solche Glocken, für welche ein besonderer wissenschaftlicher, geschichtlicher oder Kunstwert nicht in Anspruch zu nehmen ist, sind in der Gruppe A aufzuführen. Hierher sind allgemein zu rechnen alle glatten, d. h. nicht mit Verzierungen oder Inschriften versehenen Glocken, sofern nicht Anhaltspunktee dafür vorliegen, daß eine solche Glocke aus den hohen Mittelalter – vor dem Jahre 1400 – stammt. Die Glocken mit besonderem wissenschaftlichen, geschichtlichen oder Kunstwert sind unter genauer Bezeichnung in zwei Gruppen B und C aufzunehmen. In die Gruppe B sind alle Glocken aufzunehmen, deren Verzierungen nicht über den Durchschnitt der handwerksmäßigen Arbeit ihrer Zeit hinausgehen oder deren Inschriften keine besondere Bedeutung haben. In der Gruppe C sind alle Glocken von erheblichem wissenschaftlichen, geschichtlichen oder künstlerischen Wert aufzuführen.

Landtagsabgeordneter Dr. Schlittenbauer aus Regensburg, der heute abend in Bonn in der Ortsgruppen des Unabhängigen Ausschusses sprechen wird, hielt gestern abend auf Veranlassung der Vereinigten Frauenvereine von Godesberg im Kurparksaal zu Godesberg einen gutbesuchten Vortrag. Dr. Schlittenbauer sprach über den Kampf um unsere Existenz. Er beleuchtete hierbei den von unseren Feinden abgelehnten Verständigungsfrieden. Italien, Frankreich und Rußland seien wirtschaftlich bereits abhängig von der englischen Diktatur. Der Redner legte dar, was Deutschland bevorstände, wenn es in dem Kampf gegen England unterliege. Unser Vaterland würde dann künftighin Tummel- und Schlachtplatz aller Nationen werden. Bis in ihre tiefsten Wurzeln würde unsere deutsche Volkswirtschaft vernichtet werden. 200 Milliarden Kriegsentschädigung hatten unsere Feinde bereits dem deutschen Volke im Falle unserer Niederlage angekündigt. Ueber den Kriegswillen und die Willensstärke Englands dürften wir uns keiner Illusion hingeben. 70 Prozent aller Einnahmen lege England auf den Altar des Vaterlandes. Seine wirtschaftliche Kraft habe verhältnismäßig noch wenig gelitten. Es besitze eine ungeheure Geld- und Menschenquelle in seinen Kolonien. England habe sich ein eigenes Heer geschaffen und auch der englische Volksgeist sei nicht zu unterschätzen.
  
Gegenüber Amerika hätte die deutsche Diplomatie weniger in Filzpantoffeln, sondern in kräftig genagelten Schuhen auftreten sollen. Unser deutsches Volk müsse sich in der heutigen Lage seinen freudigen Optimismus bewahren, und wir hätten angesichts unserer kriegerischen Errungenschaften auch allen Grund dazu. Unserer militärischen Macht das weitere Durchhalten zu ermöglichen, müsse die gesamte nationale Volkskraft und der Arbeitswille jedes Einzelnen und jedes Berufes eingesetzt werden. Bei der jetzigen Kriegsanleihe müsse sich allerseits die denkbar weitgehendste Opferfreudigkeit kundtun.
   Am Schlusse seines Vortrages ging der Redner auf unsere Ernährungsverhältnisse ein. Er forderte eine unnachsichtliche Einziehung aller noch versteckt gehaltenen Vorräte an Kartoffeln, Gerste und Hafer, die zweifellos noch in größeren Mengen vorhanden sein müßten. Für diese Aufgabe dürften nicht einheimische Mitglieder der Kommunalverbände herangezogen werden, sondern fremde Kräfte müßten die Einziehung der vorhandenen Vorräte bewirken.
   Zu einer dringenden Notwendigkeit gehöre ferner eine entsprechende Vermehrung der haferverarbeitenden Fabriken, die Einziehung der noch lagernden großen Bestände von Konserven, die staatliche Schaffung eines Bewegungsfonds an Getreide, der von einer Ernte bis zu nächsten reiche, Zuschüsse von der Heeresverwaltung, eine sorgfältige Preisgestaltung und ein vernunftgemäßer Eingriff in den Viehbestand, sowie vor allem auch eine Behebung der Transportkrisis. Ein Nein dürfe es darin unter keinen Umständen geben.

Viktoriabad. Am kommenden Montag werden die Brause- und Wannenbäder wieder eröffnet werden. Für die übrigen Bäder ist der Zeitpunkt für die Wiederbenutzung noch unbestimmt, ist aber in kurzer Zeit zu erwarten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Frauen und Mädchen aus der Stadt auf’s Land! Dieser Ruf geht seit mehreren Wochen durch alle Zeitungen, um für die leider jetzt so kurze Frühjahrsbestellung alle nötigen Kräfte aufs Land zu bringen. Bekanntlich ist dieser Ruf zuerst ausgegangen vom Hauptkriegsamt in Berlin. Leider aber hat die Befolgung, wie uns von befreundeter Seite geschrieben wird, für viele Städte, zu denen auch Bonn gehört, eine wenig verlockende Seite. Es gibt nämlich viele, vom Lande stammenden Kriegerfrauen, deren Mann eingezogen ist, und mit 1, 2 oder gar 3 Kindern, die gern aufs Land möchten zu Verwandten oder Bekannten, um dort zu helfen, die aber dann für ihre Kinder fast überall eine kleine Vergütung geben müssen, was ja bei den heutigen Verhältnissen eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist. Diese Vergütung wäre vorhanden, wenn solchen Frauen während ihres Aufenthaltes auf dem Lande die städtisch Unterstützung weiter bezahlt würde. Dies ist aber leider nicht der Fall. Soweit dem Einsender dieser Zeilen bekannt geworden ist, verweigern die meisten Städte dann die Unterstützung und die betreffenden Frauen bleiben dann in der Stadt, haben gar kein Interesse, aufs Land zu gehen. Es liegt doch nahe, daß für all diese Städte doch schon eine wesentliche Erleichterung darin besteht, daß für die weiblichen Kräfte, die aufs Land gehen können und wollten, die Ernährung in der Stadt wegfällt. Wir möchten also diejenigen, die es angeht, dringend ersuchen, wenn Arbeit auf dem Lande nachweisbar geleistet wird, die Kriegsunterstützung für diese Zeit weiter zu bezahlen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 31. März 1917

       

Grüner Salat wie Spinat zubereitet. In diesem Frühjahr werden beträchtliche Mengen von Salat zur Verfügung stehen, sie können jedoch wegen Mangels an Salatöl nicht in der üblichen Weise zubereitet werden. Aus diesem Gründe dürfte folgende erprobte Anweisung, Salat wie Spinat zuzubereiten, vielen Hausfrauen willkommen sein: Der Salat wird mit Salzwasser gargekocht, sodann läßt man ihn auf einem Sieb abtropfen. Nachdem man den Salat nun feingewiegt hat, wird er mit Pfeffer, Salz, etwas geriebener Zwiebel, Bouillonextrakt bezw. Bouillonwürfel nach Geschmack zubereitet. Um den Salat sämig zu machen, kann man etwas Mehl mit zerlassenem Fett daranrühren.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Meldung zum Vaterländischen Hilfsdienst. Wir weisen auf die in der gestrigen Nummer enthaltene Aufforderung der Ortsbehörde zur Meldung zum Vaterländischen Hilfsdienst hin. Die Registrierung der Hilfsdienstpflichtigen hat den Zweck, die Heranziehung zum Hilfsdienst vorzubereiten.
  
Im §3 Ziffer 1-10 sind von der Meldepflicht ausgenommen die in den dort aufgeführten Betrieben seit dem 1. März 1917 selbständig oder unselbständig im Hauptberuf tätigen Personen.
   Ferner sind unter Ziffer 11 als nicht meldepflichtig bezeichnet, die in volkswirtschaftlich wichtig beschäftigten Personen. Die Bestimmung darüber, welche Betriebe hierunter zu rechnen sind, ist seitens der Kriegsamtstelle Koblenz der Ortsbehörde übertragen worden. Diese führt eine Liste dieser vorläufig nicht meldepflichtigen Betriebe. Jeder Betrieb, der als volkswirtschaftlich wichtig bezeichnet worden ist, erhält hierüber eine besondere schriftliche Mitteilung bis zum 2. April 1917.
   Alle Hilfsdienstpflichtigen, die in den §3 Ziffer 1-10 der Aufforderung aufgezählten oder gemäß Ziffer 11 durch Bestimmung der Ortsbehörde bezeichneten Betrieben beschäftigt sind, sind demnach von der Meldepflicht befreit. Aber auch nur sie. Alle anderen nach dem 30 Juni 1857 und vor dem 1. Januar 1870 geborenen, nicht mehr landsturmpflichtigen männlichen Deutschen sind meldepflichtig.
   Es wird aber ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Aufstellung lediglich eine vorläufige ist und nur bezweckt, einen allgemeinen Überblick über die vorhandenen Hilfsdienstpflichtigen zu bekommen.
   Ein Grund zur Abwanderung der Angestellten und Arbeiter aus den nicht aufgeführten oder nicht als volkswirtschaftlich wichtig bezeichneten Betrieben liegt also keineswegs vor.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Groß und dankbar ist die Aufgabe, die dem Hirten obliegt, seiner Herde gegenüber. Die geistlichen Hirten können in diesen Tagen ihren Einfluß auf ihre Gläubigenschar zu einem großen vaterländischen Werke ausüben. Ihr Wort kann Hunderte und Tausende an der Ehre packen, kann sie wie Gottes Wort entflammen zu vaterländischer Glut, kann sie herausführen aus Vorurteil und übler Selbstsucht. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!“ Der Hirte legt das Schriftwort den Gläubigen aus. Andächtig, mit steigendem Interesse folgt die Gemeinde seinen Ausführungen. Wer gestern das Bild der in der Kirche versammelten Leute auf sich wirken ließ, wer den hohen, heiligen Zweck erkannte, der mit dieser plastischen Darstellung erzielt werden soll, der macht immer wieder auf das Bild und seinen Aufruf aufmerksam und fühlt sich veranlaßt, in seinem Sinne für vaterländische Interessen zu wirken. Es gilt die vornehmste Waffe des Heimatheeres von neuem zu schärfen: Ein alles überragendes Ergebnis de Kriegsanleihe.


Generalmusterung alter Sachen. Gar manche Familie verfügt heute über einen Vorrat an Bekleidungsstücken, der in den Schränken und Truhen, auf Böden und Rumpelkammern ein beschauliches Dasein fristet und keinen anderen Zweck zu haben scheint, als den Motten zur Befriedigung ihrer Tafelfreuden zu dienen. Doch es gibt in dieser Zeit für diese Dinge eine ungleich nützlichere Verwendung. Diese Sachen gehören nicht mehr ins Haus, sondern müssen, soweit sie irgend entbehrlich erscheinen, in den Dienst der Allgemeinheit gestellt werden. In der Stockenstraße 3 hat die Stadt eine Annahmestelle für getragene Kleidungsstücke eingerichtet. Hierhin gehören die Sachen, damit sie ausgebessert und dann in einer besonderen Verkaufsstelle der minderbemittelten Bevölkerung wieder verkauft wrden können.
  
Darum soll jede Hausfrau, die als Hüterin des Hauses hierzu besonders berufen ist, eine Generalmusterung ihrer Garderobenbestände abhalten. Kein noch so verstaubter Winkel, kein Kleider- und Wäschesack dürfen hierbei verschont bleiben. Bei einigem guten Willen und genauer Durchsicht werden sich überall Sachen finden, die entbehrlich erscheinen, während andere, insbesondere minderbemittelte Personen damit ihre spärlich gewordene Garderobe ergänzen und ihrem dringenden Mangel abhelfen können. Jedermann, der alte Sachen von der Annahmestelle Stockenstraße 3 abholen läßt oder sie dorthin bringt, trägt also dazu bei, unsere Bevölkerung mit hinreichender und billiger Kleidung zu versorgen und erfüllt hierdurch eine Pflicht von hoher vaterländischer und sozialer Bedeutung.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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