Bonn 1914-1918
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Donnerstag, 26. Juli 1917

        

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juli 1917Zu der Gedenkfeier am dritten Jahrestag der Kriegserklärung ladet der Liberale Bürgerverein im Anzeigenteil dieser Zeitung alle Vaterlandsfreunde auf den Mittwoch nächster Woche, abends 8½ Uhr, in die Lese. Die Einladung betont: Alle Mitbürger und Mitbürgerinnen sind zu dieser ernsten Gedenkfeier, die in schwerer sorgenvoller Zeit die Gedanken wieder einmal auf die großen und allen in diesem Kriege gemeinsamen Pflichten und Ziele lenken möchte, herzlich willkommen, besonders auch die alten und jungen Krieger, Sänger, Turner, die Mitglieder aller sonstigen vaterländischen Vereine ohne Unterschied der Partei, des Glaubens, des Standes, des Alters.

Das Soldatenheim muß verlegt werden, weil der Saal des Gesellenheims dauernd anderweitig vermietet worden ist. Dem Ausschuß des Soldatenheims ist es gelungen, in kürzester Frist ein anderes, ebenso geeignetes Haus ausfindig zu machen und für die Zwecke des Soldatenheims an den Sonntag-Nachmittagen zu mieten. In Frage kommen konnte nur ein Lokal, welches möglichst in der Altstadt lag, die notwendigen Räumlichkeiten, vor allem einen größeren Saal, besaß und bei welchem zugleich ein großer Garten vorhanden war. Gerade das Fehlen eines Gartens beim Gesellenhause war ein für das Soldatemheim bisher besonders in den Sommermonaten beklagenswerter Mangel. Diesem Uebelstand ist nun abgeholfen und alle Wünsche werden befriedigt durch die Verlegung des Soldatenheims in das Katholische Vereinshaus, Josefstraße 46. Dort wird das Soldatenheim seinen Betrieb schon nächsten Sonntag, den 29. Juli, eröffnen. Bei gutem Wetter findet der Kaffeeausschank von 2½ Uhr nachmittags im Garten statt, bei schlechtem Wetter im Vorsaal. Ein Lese- und Schreibzimmer, das von 2 Uhr ab geöffnet ist, findet sich dort auch. Ebenso steht eine schöne Kegelbahn zur Verfügung. Die gemeinschaftlichen Unterhaltungen werden je nach Wetter entweder draußen im Garten oder im großen Saal abgehalten. Für den nächsten Sonntag hat der Beethovenchor ein hübsches Programm vorbereitet. Die überaus segensreiche Wirksamkeit des Soldatenheims wird somit keine Unterbrechung erleiden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

      

Das Antispiritistenpaar Lane und Ney aus Wien veranstaltet am Sonntag nachmittag in der Gronau eine Vorstellung, in der sämtliche Experimente über Spiritismus, Gedankenlesen, Somnambolismus, Hellsehen, Tischrücken usw. vorgeführt und erklärt werden. In den Pausen spielt die Kapelle der 160er.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Kriegskinderbewahrschulen. Um die Landfrauen bei der bevorstehenden Erntearbeit zu entlasten, hat die Provinzialabteilung Rheinprovinz des Deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege vor einigen Monaten angeregt, Kriegskinderbewahrschulen einzurichten, um Mütter in der Pflege und Beaufsichtigung ihrer vorschulpflichtigen Kinder zu unterstützen. In mehreren 14tägigen Lehrgängen wurden dann geeignete Mädchen bei dem Comenius-Seminar in Bonn und dem Fröbel-Seminar in Aachen in die Arbeit einer Bewahrschule eingeführt, Diese Mädchen, sowohl wie eine weitere Auswahl sonstiger, teilweise besonders ausgebildeter Kräfte stehen nunmehr kostenlos zur Verfügung, um als Helferinnen oder Leiterinnen einer Kriegsbewahrschule beizutreten. Die Arbeit geschieht kostenlos, nur müßte die Gemeinde oder der Verein, welche die Einrichtungen treffen, für freie Wohnung und Verpflegung Sorge tragen. In einzelnen Fällen wird die Landesversicherungsanstalt für die Rheinprovinz bereit sein, Zuschüsse zu den Kosten der Einrichtung zu leisten. Die Erfahrungen, die im vorigen Jahre mit diesen Einrichtungen getroffen wurden, waren durchweg gut. Zur Vermittlung der geeigneten Mädchen ist die Provinzialabteilung Rheinprovinz des Deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege Bonn, Endenicher Allee 60, bereit.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 27. Juli 1917

     

Familienunterstützung unehelicher Kinder. Uneheliche Kinder von Kriegsteilnehmern haben bekanntlich Anspruch auf Familienunterstützung, wenn die Unterhaltspflicht des zum Kriegsdienst eingezogenen Vaters festgestellt ist. Bisher war zweifelhaft, ob dieser Anspruch auch dann geltend gemacht werden könnte, wenn sich der Vater durch eine vom Vormundschaftsgericht genehmigte Abfindung (§ 1714 B.G.B.) von der laufenden Unterhaltspflicht befreit hatte. Nunmehr hat sich der Reichskanzler (Reichsamt des Inneren) damit einverstanden erklärt, daß den unehelichen Kindern Familienunterstützung auch in solchen Fällen gewährt werden kann, sofern nach Lage der Verhältnisse die Bedürftigkeit anzuerkennen ist.
   
Auch für die Kriegerwitwen, die einen Sohn im Heere haben, soll besser gesorgt werden. Die Reichsfinanzverwaltung hat sich in Anbetracht der herrschenden ungewöhnlichen Teuerung damit einverstanden erklärt, daß Kriegerwitwen neben der Hinterbliebenenrente Familienunterstützung für einen noch im Felde stehenden Sohn erhalten können, wenn der Sohn die Mutter bereits vor seinem Eintritt in den Heeresdienst unterstützt hat, und wenn diese durch den Fortfall der Unterstützung des Sohnes nach seiner Einziehung in eine Notlage geraten ist. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Godesberg, 26. Juli. Umfangreiche Obst- und Gemüsediebstähle aller Art sind in den letzten Tagen hier verübt worden, namentlich wurde in den eingefriedeten Gartenanlagen des Professors Dr. Wendelstadt auf der Viktorshöhe, des Königlichen Kammerherrn von Tiedemann-Brandis an der Drachenfelsstraße, des Bankiers Karl von der Heydt an der Elisabethstraße großzügig geräubert, auch einem Postschaffner sein Gemüsebeet ausgeplündert. Als Täter sind nunmehr von der Polizei drei hiesige Burschen im Alter von 17 Jahren ermittelt worden, die morgens vor Tagesanbruch ihr lichtscheues Gewerbe ausübten, die Beute dann tagsüber unverfroren an Privatleute in den Villenvierteln als ihr eigenes Erzeugnis aus elterlichen Gärten für hohe Preise verkauften, auch an Obst- und Gemüsegeschäfte absetzten und mit dem recht erheblichen Erlös sich gute Tage machten im Genuß von Zigaretten, Bier und dergl.- Im benachbarten Mehlem wurden in der Nacht vom letzten Samstag auf Sonntag in einer Fabrik ganz erhebliche Treibriemendiebstähle verübt.

Godesberg, 26. Juli. Aus Anlaß der gestrigen Siegesnachrichten aus dem Osten veranstaltete unsere „Godesberger Garnison“ (Jugendwehr) am Abend unter den Klängen zweier Musikkapellen einen Umzug durch den Ort.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und fern“)

        

Lane und Ney in der Stadthalle-Gronau. Gesund gelacht! Ueber die wunderbare Heilung eines deutschen Soldaten weiß die Berliner Presse zu berichten: Ein Soldat, der bei einem Angriff im Osten infolge eines Nervenschocks blind, taub und stumm geworden war, erlangte in einem Berliner Lazarett Gesicht und Gehör bald wieder, blieb aber trotz aller Bemühungen der Aerzte unheilbar stumm. Der Patient kam in eine antispiritistische Vorstellung, welche das bekannte Hofkünstlerpaar Richard und Ida Lane-Ney für 1000 Verwundete gab. Hier wurde der Soldat bei einer besonders spiritistischen komischen „Nummer“ von einem derartigen Lachanfall ergriffen, daß seine Zunge sich löste und ein Strom von Worten von seinen Lippen brach. Zwei Tage später wurde er als geheilt aus dem Lazarett entlassen. – Lane-Ney sind bereits mehrfach an die Höfe deutscher und ausländischer Herrscher, auch von Ihren Majestäten König und Königin von Bayern, berufen worden, ihre überaus interessante wissenschaftliche Vorstellung auszuführen. Unter Mitwirkung der Kapelle des 1. Ersatz-Bataillons des Infanterie-Regiments Nr. 16 findet eine Festvorstellung am Sonntag den 29. Juli, 4 Uhr nachmittags, in der Stadthalle der Gronau statt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 28. Juli 1917

     

Weil sie Postkarten mit unzüchtigen Darstellungen feilgeboten hatte, stand eine Geschäftsinhaberin aus Siegburg gestern vor der Strafkammer. Es handelte sich um etwa ein Dutzend Karten. Ein Vater, der die Karten bei seinem 16jährigen Sohne gefunden hatte, hatte bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Das Gericht hielt den größten Teil der Karten zwar nicht für Kunstwerke, wie der Verteidiger, aber auch nicht für unsittlich; die Darstellungen auf fünf Karten wurden aber vom Gericht für unzüchtig gehalten. Wegen dieser fünf Karten, die auch eingezogen wurden, lautete das Urteil auf 100 Mark Geldstrafe.

Kakao und Schokolade. Der Gouverneur der Festung Köln hat eine Ergänzung der Bekanntmachung vom 4. Dezember 1916 über Bestandsaufnahme und Beschlagnahme der Gesamtvorräte von Kakao und Schokolade zu Gunsten der Heeresverwaltung erlassen.

Verdächtige Kriegsgefangenenbriefe. Aus dem feindlichen Auslande kommen noch immer Briefe von angeblichen deutschen Kriegs- oder Zivilgefangenen, die zum Teil gefälscht, zum Teil vom feindlichen Nachrichtendienst beeinflußt sind. Es wird auf diese Weise versucht, Auskunft über Stimmung und Lebensmittelverhältnisse, über Preise von Lebensmitteln und alle Arten von Waren, Kataloge von Industriewerken, Abbildungen von deutschen Städten, technische Bücher und Fachzeitschriften oder deutsche Ausweispapiere zu erlangen. Wie bisher ist Vorsicht und Anzeige bei dem zuständigen Stellvertretenden Generalkommando oder Gouvernement notwendig.

Wenn Flieger kommen!
(Ausschneiden und aufbewahren.)
Ein etwaiger Angriff feindlicher Flieger wird am Tage durch Warnsignale, die ununterbrochen so lange ertönen, bis die Gefahr vorüber ist, bekannt gegeben.
[...]
Bei einem Angriff ist folgendes zu beobachten:

  1. Straßen und Plätze sofort verlassen und in Häusern Schutz suchen.
  2. In Gebäuden obere Stockwerke verlassen; Aufenthalt in der Nähe der Fenster gefährlich, daher Schutz hinter Fensterpfeilern und massiven Wänden suchen.
  3. Größere Ansammlungen in einzelnen Räumen sind zu vermeiden.
  4. Straßenbahnen halten, Fahrgäste und Personal aussteigen und Häuser aufsuchen.
  5. Bei geplatzten und nicht geplatzten Bomben und Geschossen Räume und Plätze in weitem Umkreise sofort verlassen. Explosions- und schwere Vergiftungsgefahr! Nichts anrühren! Sofort Polizei melden.
  6. Einatmen der Explosionsgase vermeiden! Bei trotzdem eingeatmetem Gas sofort Arzt holen! Oel, Milch und alkoholische Getränke als Gegenmittel nicht geben! Sofort ins Freie bringen, wenn nötig künstliche Atmung, Sauerstoff-Einatmung!
  7. Gasleitungen in Häusern und einzelnen Wohnungen abstellen!
  8. Auch nach den Angriffen sind Ansammlungen zu vermeiden.
  9. Schäden und Unglücksfälle sofort dem nächsten Polizeibezirk melden.
  10. Feuermelder nur für wirkliche Brandfälle.
  11. Ferngespräche während und unmittelbar nach einem Fliegerangriff nur in Brand- und Unglücksfällen, bei lebensgefährlicher Erkrankung
  12. Wird die Bevölkerung nachts durch Luftangriff geweckt, soll sie ruhig in den Häusern bleiben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

        

Der Kronprinz läßt das schöne Bonn grüßen. Dem Garde-Grenadier Joh. Harter, Sohn der Witwe August Harter von hier, wurde für sein tapferes Verhalten im Felde das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliehen und vom Kronprinz persönlich überreicht. Der Kronprinz unterhielt sich längere Zeit mit dem tapferen Krieger, und als er hörte, daß Harter aus Bonn sei, sagte der Kronprinz: „Grüß mir das schöne Bonn!“

Vernichtungskrieg gegen die Kohlweißlinge. Die Stadtverwaltung in Düsseldorf hat bekanntlich für die Vernichtung der auf den Gemüsefeldern gefährlichen Kohlweißlinge eine Belohnung ausgesetzt. Sie zahlt für jede hundert Stück, die auf dem Rathaus abgeliefert werden, eine Prämie von 1 Mk. Die Düsseldorfer Schuljugend macht jetzt eifrig Jagd auf die Kohlweißlinge und binnen weniger Tage lieferten die Kinder über 200.000 Stück auf dem Rathaus ab. Bei der Bonner Jugend ist die Meinung verbreitet, daß auch unsere Stadtverwaltung für jeden Kohlweißling einen Pfennig zahlt und macht große Anstrengungen, die weißen Schmetterlinge in Geld umzusetzen. Namentlich ist die große Hofgartenwiese als Jagdrevier sehr beliebt. Am Donnerstag morgen machten vier noch nicht schulpflichtige Knirpse auf der Wiese nach Schmetterlingen Jagd. Der größere von ihnen hatte einen Marmeladen-Eimer mitgebracht, mit dem er sich vorsichtig heranpirschte, um ihn plötzlich über die Schmetterlinge zu stülpen. Zum Leidwesen der Jagdgesellschaft, die sich jedes Mal neben dem Eimer zur Erde warf, um beim Aufheben zuzugreifen, war das Fanggerät aber immer leer. Als eine Dame die Jungens darauf aufmerksam machte, daß sie auf der Wiese nicht spielen dürften, meinte der Inhaber des Marmeladen-Eimers beleidigt: „Me spille doch nett, me fange doch für die Stadt Schmetterline; me krigge für et Stöck ene Pennig!“
   Um der Dame zu beweisen, daß die Sache ihre Richtigkeit hatte, zog der Junge
einen Schmetterling aus der Hosentasche – die ganze Beute der Jagdgesellschaft.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

        

Vorbreitungsklassen. Nach den Ferien sollen bereits die Vorbereitungsklassen für solche Kinder des 3. Schuljahres der Bonner Volksschulen eingerichtet werden, die im nächsten Schuljahre in die unterste fremdsprachliche Klasse einer höheren Lehranstalt eintreten sollen. Nur Kinder, die sich durch Betragen, Fleiß und Leistungen auszeichnen, werden zugelassen. Eltern, die die Aufnahme in diese Klassen wünschen, wollen sie, falls es noch nicht geschehen ist, beim zuständigen Klassenlehrer beantragen.

Tödlicher Unfall. Heute morgen stürzte in der Adolfstraße eine Frau aus dem 2. Stockwerk auf die Straße, wo sie als Leiche liegen blieb.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 29. Juli 1917

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Juli 1917Die Einladung des Liberalen Bürgervereins an die gesamte Bonner Bevölkerung zu einer ernsten, würdigen Gedenkfeier am dritten Jahrestag der Kriegserklärung ist unter dem Eindruck der letzten Reichstagsverhandlungen von weiten Kreisen mit empfänglichen Herzen aufgenommen worden. Inzwischen haben die gewaltigen Ereignisse im Osten und die schweren Kämpfe in Flandern den Wunsch nach einer allgemeinen Erinnerungsfeier noch vertieft. Gern werden daher alle, die in sorgenvollen Tagen wieder einmal die Gedanken auf die großen, uns allen in diesem Kriege gemeinsamen Pflichten und Ziele lenken möchten, der Einladung folgen, ohne Unterschied der Partei, des Glaubens, des Alters, des Standes. Die Feier findet bekanntlich am Mittwoch dieser Woche (1. August), abends 8 ½ Uhr, im großen Saale der Lese statt. Sie ist den Zeitumständen gemäß ganz schlicht gedacht: Geheimrat Litzmann wird sprechen, und im Anschluß wird ein vaterländisches Lied gemeinsam gesungen werden. Der Eintritt steht jedermann frei, da wie bei allen Veranstaltungen des Liberalen Bürgervereins im letzten Winter in der Lese der Wirtschaftsbetrieb ausgeschlossen ist.

Die Brotmarkendiebin, die in vielen Fällen einkaufenden Kindern die Brotmarken und teilweise auch das Geld abgenommen hat, ist von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen worden. Es ist eine arbeits- und wohnungslose 20 Jahre alte Fabrikarbeiterin.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

So viele Kriegsküchen unsere Stadt Bonn hat, so viele Urteile und Meinungen gibt es auch. Ueber das Essen der Kriegsküche Poppelsdorf von dieser Woche läßt sich im allgemeinen nicht klagen. Die Gemüse sind oft ein wenig zu wasserhaltig, und mit der Hausmachersuppe vom Dienstag waren viele auch nicht so ganz zufrieden. Grund? – Man sah mal wieder nach langer Pause einige Steckrüben in der Schüssel, mit denen sich die Bonner Bevölkerung nicht so recht befreunden kann. Das Bayrisch-Kraut vom Freitag mundete allen recht trefflich; mein Tischnachbar, der schon zwei Portionen „heruntergemüffelt“ hatte, stellte mir die Frage: „Na, schmeckt’s Ihnen?“ Ich nickte, „Wollt’ sage: sonst hätt’ ich Ihnen etwas geholfen!“

Kino. Ein amtlicher Kriegsfilm aus dem rumänischen Feldzug, der die Vorwärtsbewegung gegen Braila und Galatz zeigt, wird gegenwärtig in den Bonner Lichtspielen vorgeführt. Außerdem weist das Programm der Lichtspiele die Verfilmung des bekannten Anzengruberschen Schauspiels „Der Pfarrer von Kirchfeld“ auf. Das Union-Theater bringt einen spannenden Detektivfilm, eine dramatisch wirksame Tragödie sowie verschiedene heitere Filme. Im Metropol erlebt man die Uraufführung eines Filmdramas, das den Titel führt „Das Luxusweib oder die Angst vor dem Leben“. Dem Film wird eine reiche Ausstattung und eine lebhafte Handlung nachgerühmt. Für die Lachmuskeln sorgt ein Lustspiel, dessen Untertitel „Max und Moritz von Heutzutage“ auf einen unserer besten deutschen Humoristen verweist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Städtische Pilzbestimmungsstelle. Nach umständlichen Vorarbeiten hoffen die Leiter der städt. Pilzbestimmungsstelle am 1. August das neue Unternehmen zu öffnen und in den Dienst unserer Bevölkerung stellen zu können. Schon jetzt beginnt die Pilzflora in den Wäldern und Schluchten beiderseits des Rheines sich kräftig zu entwickeln und die alte Frage: Welche Formen sind eßbar? Welche sind zu meiden? alle diejenige zu beschäftigen, die die Gaben der Natur auf ihre Küchenfähigkeit zu prüfen verstehen. Die Furcht vor der geringen Zahl giftiger Formen läßt ja, wie bekannt, Hunderte und Tausende Naturfreunde auch an den zahlreichen eßbaren Formen mit Mißtrauen vorübergehen. Allen, welche sich belehren lassen wollen, wollen wir mit der Pilzbestimmungsstelle zu Hilfe kommen. Schon heute stehen in dem Schaufenster Stockenstraße 7 Gruppen lebender Pilze – giftige und eßbare – mit ihrem Namen wohl gekennzeichnet – zur Schau. Alle, die sich um das Zustandekommen der Pilzbestimmungsstelle bemüht haben, wissen für ihre Arbeit keinen schöneren Lohn, als rege Beteiligung unserer Bevölkerung an dem geplanten Aufklärungsdienst [...]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 30. Juli 1917

 

Ausländische Seife. Der Reichskanzler ermächtigt die örtlich zuständigen Preisprüfungsstellen, denjenigen Kleinhändlern, die noch über ausländische Seife verfügen, die sie vor dem 10 Mai 1917 zu höheren als den festgesetzten Preisen eingekauft haben, zu gestatten, diese Bestände zu einem unter Zugrundelegung des Einkaufspreises von den Preisprüfungsstellen festgesetzten angemessenen Preise während der Zeit vom 1. bis 31. August 1917 zu verkaufen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

      

Preiswucher im Weinhandel. Trotz der Bestrebungen der zuständigen Stellen gehen die Weinpreise nach wie vor sprunghaft in die Höhe. Es beruht dies zum Teil darauf, das infolge des Mißverhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage bereits in den Anbaugebieten Preise gefordert und bezahlt werden, die über das normale Maß weit hinausgehen. Zu einem großen Teil sind die hohen Preise auch auf Preistreibereien, Kettenhandel und sonstige unlautere Machenschaften zurückzuführen. Es ist festgestellt worden, daß in einzelnen Fällen Händler und Wirte dazu übergegangen sind, dieselben Weine, die sie bisher zu einem billigeren Preise verkauft hatten, plötzlich zu einem stark erhöhten Preise anbieten. Um derartigen strafbaren Machenschaften nach Möglichkeit entgegenzutreten, beabsichtigt die hiesige Preisprüfungsstelle, die bisher ausgeübte Ueberwachung des Weinhandel und Weinbedarfs in Wirtschaften erheblich zu verschärfen, alle dabei festgestellten Verfehlungen strafrechtlich zu verfolgen und in allen krasseren Fällen, namentlich bei Höherzeichnung billiger eingekaufter Weine, die Schließung der betreffenden Geschäftsbetriebe wegen Unzuverlässigkeit herbeizuführen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Wenn das nicht zieht! In einem rheinischen Blättchen sucht, wie der Kölner Stadtanz. schreibt, eine heiratssehnsüchtige Jungfrau durch folgende verlockende Dinge einen Ehegeliebten zu gewinnen: „Habe 11 Hühner auf dem Hof, eine Kelter, sechs Schweine; vier Rinder auf der Weide, zwei Schinken und Dauerwürste im Rauchfang, eine erblindete Mutter, die spinnen und weben kann, einen kleinen Weinacker, 25 Kirsch-, 14 Apfel-, 10 Zwetschenbäume, selbstgesponnene Leinwand und eigen gekelterten Wein. Außerdem habe ich ein Klavier und eine Laute. Kriegsbeschädigte, die noch etwas auf Acker und Hof arbeiten können und ehrlichen Charakter besitzen, werden um Darlegung ihrer Verhältnisse gebeten.“ Vermutlich wird es der mit so viel Gütern gesegneten Jungfrau an Bewerbern nicht fehlen.

Etwas mehr Rücksicht. Im Hinblick auf die Barfußgänger sollte jedermann darauf sehen, daß Glasscherben sogleich in den Müllkasten oder die Müllgrube gelegt werden. Keinesfalls sollten Scherben nach der alten Unsitte und in sträflichem Leistsinn an Stellen des öffentlichen Verkehrs achtlos weggeworfen und liegen bleiben dürfen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 31. Juli 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Juli 1917Die morgige Erinnerungsfeier am dritten Jahrestage der Kriegserklärung (in der Lese) wird wesentlich kürzere Zeit dauern, als unsere vaterländischen Feiern des Friedens, da sie sich auf die Rede des Herrn Geheimrats Litzmann und den gemeinsamen Gesang der Wacht am Rhein beschränkt; der Liberale Bürgerverein hat der ernsten Zeit wegen auf alle musikalischen Zugaben usw. verzichtet. Die Feier beginnt bekanntlich um 8½ Uhr.

Bei einer Schlägerei, die gestern abend Ecke Brückenstraße und Hundsgasse zwischen einem Soldaten und einem Zivilisten entstand, wurde der Soldat in den Rücken gestochen. Er konnte jedoch allein gehen und sich im Garnisonlazarett verbinden lassen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

        

Die Konzerte der Regimentskapelle der 160er zum Besten der Hinterbliebenen für Unteroffiziere und Mannschaften haben dem Grundstock die hübsche Summe von 4600 Mark zugeführt. Herr Major Oeste dankte den Einwohnern der Stadt Bonn für das lebhafte Interesse, das sie den Veranstaltungen entgegengebracht haben, ferner auch den Inhabern der Konzertgärten und Säle für ihr bereitwilliges Entgegenkommen.

Eine Verkaufsstelle für Gemüse ist in der Endenicherstraße bei Frau Thelen seitens des Gemüsezüchtervereins eingerichtet worden. Es handelt sich vorläufig um einen Versuch, der sehr zu begrüßen ist. Dadurch sind die kleineren Leute in Endenich nicht mehr genötigt, im Bedarfsfalle nach Bonn zum Markte zu gehen. Anderseits sind auch unsere Landwirte insofern entlastet, als sie durch den kleinen Einzelverkauf in ihrer Arbeit nicht augehalten werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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