Bonn 1914-1918
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Dienstag, 26. September 1916

      

Die städtischen Lager für Kartoffeln, Kolonialwaren, Futtermittel usw. Wie gewaltig die Arbeitslast ist, die der Stadt Bonn durch die Verbrauchsregelung der wichtigsten Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sowie durch viele andere kriegswirtschaftliche Aufgaben, nicht zuletzt auch durch die eigene Erzeugung von Lebensmitteln, entstanden ist, geht am besten aus der großen Zahl der während des Krieges entstandenen, der Oeffentlichkeit größtenteils gar nicht bekannten städtischen Lager- und ähnlichen Einrichtungen hervor. Wer zum städtischen Lebensmittelamt kommt, kann schon erstaunt sein über die große Zahl der Räume, die dem Verkehr mit der Bürgerschaft und der Verwaltung der einzelnen Abteilungen dienen; sie nehmen einen ganzen Flügel der Universität ein und sind darin noch nicht einmal vollzählig vereinigt. Viel, viel umfangreicher sind aber die Lager, die von hier aus verwaltet werden. In 20, fast auf das ganze Stadtgebiet verteilten Gebäuden lagern die Vorräte an Mehl, Hülsenfrüchten, Teigwaren, Speck, Fleisch, Futtermittel usw. und neun große Keller sind eingerichtet, von den demnächst eintreffenden großen Kartoffelmengen rund 50.000 Zentner aufzunehmen, für weitere 80.000 Zentner sind die Erdmieten vorbereitet; denn von den rund 300.000 Zentnern Kartoffeln, die unterzubringen sind, werden nach den bisher vorliegenden Bestellungen nur 120.000 von Privathaushaltungen eingekellert, so daß, auch wenn noch weitere Bestellungen einlaufen, die Stadt selbst doch noch über 150.000 Zentner einlagern muß.
   Ein Teil der städtischen Lagereinrichtungen konnte gestern unter der Führung des Herrn Beigeordneten Piehl von den Vertretern der Presse besichtigt werden. Zunächst der größte städtische Kartoffelkeller, die Kellerräume der Universität. So gewaltig dieses Labyrinth von unterirdischen Gewölben auch ist, es können darin doch erst 15.000 Zentner untergebracht werden. Die Kartoffeln werden hier auf Lattengestellen und abgeteilt durch luftdurchlässige Lattenhürden höchstens einen Meter hoch aufgeschüttet. Die Kellerwände und die Lattenböden und –hürden sind frisch gekalkt, drei große Ventilatore sollen die Luft reinhalten und für eine gleichmäßig niedrige Wärme sorgen, zur Beleuchtung der an sich dunklen Räume ist eine elektrische Lichtleitung angelegt worden. So ist alles getan, um die für die Ernährung so wichtigen Kartoffeln möglichst ohne Verluste den Winter über aufzubewahren.
   In einem der größten Hörsäle der Universität lagern in großen Mengen Säcke mit Bohnen, Erbsen, Graupen, kochfertigen Bestandteilen für verschiedene Suppen, auch größere Vorräte an Trocken- und Büchsenmilch, die über eine etwaige noch schlimmere Milchknappheit hinweghelfen sollen.
   In einer Turnhalle und ihren Nebenräumen ist das Mehllager untergebracht, aus dem das Mehl an Bäcker und Händler abgegeben wird. Das Mehl wird in diesem wie auch in den anderen städtischen Mehllagern wöchentlich auf seine Beschaffenheit genau geprüft, etwa stickig oder warm gewordenes Mehl wird sofort zweckmäßig behandelt. Diese Vorsichtsmaßregel hat sich sehr gut bewährt und die Stadt vor Verlusten behütet.
   Im Westen der Altstadt sind zwei, durch eine Fahrstraße getrennte große Felder für Kartoffelmieten eingerichtet. In langen Reihen nebeneinander sind etwas 1½ Meter breite und 90 Zentimeter tiefe Gruben aufgeworfen, sie sollen mit Kartoffeln gefüllt und diese dann mit Stroh bedeckt und mit Erde beworfen werden. Zwischen den fertigen Kartoffelmieten werden dann neue Gräben entstehen, die das Regen- und Schneewasser aufnehmen und ableiten, so daß die Kartoffeln selbst völlig trocken bleiben. Für die Zufuhr und spätere Abfuhr ist ein Bahngleis angelegt worden. So ist auch hier alles zur Aufnahme der erwarteten Kartoffeln bereit. 60.000 Zentner sollen hier eingemietet werden, das ist der Bedarf der Stadt für knapp zwei Monate.
   Die Kartoffeln werden, ehe sie den Bahnwagen entnommen werden, auf ihre Güte untersucht, schlechte Ware wird weder von der Stadt selbst eingekellert oder eingemietet noch den Privathaushaltungen zum Einkellern geliefert. Auch da, wo die Kartoffeln nur vorübergehend lagern, vor dem Anschlußgleis und in den im Frieden als Ställe dienenden Gebäuden, sind überall Holzböden und Hürden aufgestellt. Verbraucher für die trotz aller Vorsicht nicht zu vermeidende Abfallware sind die städtischen Schweine, die ganz in der Nähe zur Beobachtung ihres Gesundheitszustandes vier Wochen lang eingestellt werden, um dann nach dem Dottenhof übergeführt zu werden. Hier kann jetzt auch das Familienleben dieser kostbaren Tiere beobachtet werden: zwei Mutterschweine betreuen fürsorglich ihre Jungen, die zuletzt geborenen sind erst wenige Tage alt.
   In großen Kühlhallen sind die städtischen Vorräte an Speck und anderen Fetten sowie Fleisch untergebracht. Ein früheres Kühlhaus dient noch als Kartoffellager.
   Im westlichen Stadtteile befindet sich in einem gemieteten Lagerhaus ein Ausgabelager für alle Waren, die als „städtische Lebensmittel“ in zahlreichen kleineren Geschäften an die Verbraucher verkauft werden. Die Geschäftsinhaber bekommen hier die Waren von Agenten, deren vermittelnde Tätigkeit sich sehr gut bewährt hat.
   Eins der größten Futtermittellager ist in der Turnhalle und den Kellerräumen einer Schule untergebracht. Hier liegen aufgehäuft und in Säcken Schweinemastfutter aus Kleie, Blut und Strohmehl, Hafer und Rohzucker für die Pferde, verschiedene Oelkuchen, Heidemehl, mit dem in Bonn gute Erfahrungen gemacht worden sind, Trockenschnitzel, Obsttrester usw. Insgesamt enthält dieses Lager 7.000 Zentner Futtermittel, der Bedarf von fünf bis sechs Monaten.
   So ergibt sich aus dem Besuch nur eines kleinen Teils der städtischen Lagereinrichtungen schon ein übersichtliches Bild von der Größe und Vielseitigkeit der wirtschaftlichen Aufgaben, die der Krieg den Städten auferlegt hat. Dabei muß anerkannt werden, daß trotz der zahlreichen und großen Schwierigkeiten, die die Kriegsernährung der städtischen Bevölkerung zu überwinden hatte, ernstliche Mißstände in Bonn doch nirgends hervorgetreten sind und daß die ganze Verbrauchsregelung in Bonn jetzt zur allgemeinen Zufriedenheit arbeitet. Dafür muß man der Verwaltung Dank zollen.

Anzeige in der Bonner Zeitung, im General-Anzeiger und in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. September 1916Was kostet die Zeichnung von Kriegsanleihe? Die Kriegsanleihe wird zum Kurse von 98 Prozent aufgelegt. Die Kriegsanleihe ist die sicherste Kapitalanlage, die es gibt. Solange das Deutsche Reich besteht, wird es den Zeichnern für sein Kapital einstehen und ihm bis zur Rückzahlung hohe Zinsen vergüten. Der Zeichner bringt kein Opfer; er hat nur Vorteil, wenn er sein Geld zur Zeichnung verwertet. Opfer sind nur denkbar, wenn er sich Geld leihen muß. Darüber, wie groß diese Opfer sind, bestehen, wie die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin mitteilen, in weiten Kreisen Unklarheiten. Die wenigsten werden wissen, daß 1.000 Mark Kriegsanleihe „14 Pfg.“ jährlich kosten. Statt 980 M. zahlt der Zeichner 955 M.; denn 25 M. darf er sich an Zinsen abziehen. Der Zeichner, der sich die 955 M. für die Kriegsanleihe anderweit beschafft, muß dafür 5¼ Prozent jährlich zahlen. Viele Bankiers haben sich für Zwecke de Kriegsanleihe bereit erklärt, ihren Kunden Geld zum Satz von 5¼ Prozent zu geben; das sind jährlich 50 M. im Jahr, opfert also 14 Pfg. bis er aus eigenen Mitteln das Darlehn zurückzahlt. 10.000 M. Zeichnung kosten 1 M. 40 Pfg. im Jahr, 100.000 M. 14 M. So billig ist diese wertvolle Waffe gegen den Feind. Jeder Deutsche kann sie gebrauchen und zu seinem Teil kräftig am Sieg mitwirken.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Die Nahrungs- und Futtermittelvorsorge der Stadt Bonn. Die Kartoffelvorräte werden demnächst zum Teil in den Kellern der Universität untergebracht. Die Keller sind in drei Abteilungen eingeteilt, die frisch gekälkt und deren Böden mit Lattenrosten versehen sind. Die Kartoffeln kommen in einer Höhe von annähernd einem Meter aufeinander zu liegen und sind ringsum von gekälkten Latten eingefaßt. Die ganzen Keller haben elektrisches Licht erhalten und sind mit Lüftungseinrichtungen versehen worden, so daß die Temperatur stets niedrig gehalten werden kann.
   Im Ganzen richtete die Stadt bis jetzt 20 Lager für Mehl, Kolonialwaren, Futtermittel usw. ein und wird 9 Kartoffelkeller beschaffen. Ferner sind Einrichtungen vorbereitet, um 60.000 Zentner Kartoffeln einmieten zu können. Die Lager zum Einmieten sind an der Immenburgstraße hinter dem Schlachthof und der Gasfabrik angelegt. Von der Bürgerschaft sind bis jetzt 120.000 Zentner zur Eindeckung gefordert worden. Es ist dringend erwünscht, daß die Anmeldungen mit Rücksicht auf den billigen Preis, der vom 1. Oktober ab in Kraft tritt, sich noch mehren.
   Die ersten Milchkühe, und zwar rund 50 Stück, sind von der Stadt eingekauft und zur Milchversorgung auf Grund von Abmelkverträgen in die Vororte eingestellt.
   Ein großes Lager von Kolonialwaren ist ferner in einem Hörsaal der Universität untergebracht. Riesige Mengen Erbsen, Bohnen und Konserven sind dort aufgestapelt. Namentlich ist eine große Menge von Milchkonserven vorrätig.
   Die Kartoffelmieten hinter dem Schlachthause sind mit besonderem Eisenbahnanschluß versehen und sehr zweckmäßig eingerichtet, so daß Kartoffeln dort gut untergebracht und abgeholt werden können. Es ist alle Vorsorge getroffen, um die Kartoffeln in den Mieten gesund zu erhalten.
   Ein großes Lager mit Weizengries, Gerstengries und ähnlichen Waren ist auf der Endenicherstraße untergebracht.
   In der Karlschule befindet sich ein bedeutendes Lager von Futtermitteln, Heidekrautmehl, Zucker mit Häcksel vermischt, ferner Rapskuchen und Mohnkuchen, Obsttrester usw. sowie Hafer und sonstige Futtermittel liegen für die Tiere dort bereit. Insgesamt ist ein Futtervorrat für fünf Monate vorhanden.
   Im Schlachthof selbst sind die Großviehhallen zur Aufnahme von Kartoffeln bereitgestellt. Verschiedentlich hatte man in den letzten Tagen Kartoffeln angeliefert, die außen ganz gesund aussahen, im Innern aber aufgeplatzt und im Faulen begriffen waren. Ihre Annahme ist verweigert worden.
   Kartoffelschnitzel in getrocknetem Zustande befinden sich noch in einem großen Saale an der Kölnstraße. Sie werden nicht mehr für die Kriegsküche hergegeben.

Der Straßenverkauf der Kriegsbilderbogen, der für Sonntag angesetzt war, konnte nicht abgehalten werden und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die für Bonn bestimmten Bilderbogen nicht geliefert wurden. Hierzu werden uns folgende Zeilen mit der Bitte um Aufnahme zugesandt: „Die vereinigten Bonner Frauenvereine bedauern lebhaft, daß sie den angekündigten, bestens vorbereiteten und von den beiden Gymnasien, sowie von den evangelischen und katholischen Jugendbünden freundlichst unterstützten Straßenverkauf der Kriegsbilderbogen am letzten schönen Herbstsonntag nicht haben abhalten können. Die Kanzlei des Prinzessinnenpalais hat die Bilderbogen bis heute noch nicht geliefert, trotzdem schon am letzten Dienstag von dort telegraphisch gemeldet wurde, die Absendung durch Eilpostpaket sei bereits erfolgt. Die vereinigten Bonner Frauenvereine werden die Annahme der Sendung, falls sie noch verspätet eintreffen sollte, verweigern und bedauern die von ihnen nicht verschuldete Irreführung des Publikums.“ (Vielleicht hat das Paket eine Irrfahrt angetreten, wie das im postalischen Verkehr immerhin möglich ist. Red.)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Die Kartoffelzufuhr für Bonn ist in den letzten Tagen wieder ein gänzlich unzureichende gewesen, trotzdem die städtische Verwaltung sich alle erdenkliche Mühe gegeben hat. Zur Zeit stehen wir daher in Bonn vor einer gewissen Kartoffelnot. Ein Hauptgrund liegt darin, daß die Eisenbahnverwaltung aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage war, die angeforderte Menge Waggons zu schaffen. In der nächsten Woche jedoch wird die Kartoffelnot unter allen Umständen behoben sein. Die Verwaltung erhofft von der Einsicht derjenigen Bürger, die noch mit Kartoffelvorräten versehen sind, daß sie in dieser Woche keine Kartoffeln entnehmen. Es wird angeordnet werden, daß die für diese Woche gültigen Kartoffelkarten auch noch für die nächste Woche Gültigkeit behalten.

Was man nicht tun soll. Die törichten Gerüchte, daß der Krieg durch einen guten Erfolg der Kriegsanleihe verlängert werden würde, werden mit köstlichem Humor folgendermaßen abgetan:
   „Willst du, daß der Krieg aufhöre, so zeichne keine Kriegsanleihe, hast du Zahnweh, so hänge dich am nächsten Baume auf. Schmerzen dich deine Hühneraugen, so schneide dir die Füße ab. Drücken dich deine Schulden, so erschlage deinen Gläubiger. Schreit dein Wicklelkind, so halte es unter Wasser.“
   Das sind fünf Ratschläge. Da ist einer so gescheit wie der andere.

Nur feindliche Agenten können es sein, die in Land und Stadt Gerüchte aussprengen, daß Zeichnungen auf die Kriegsanleihe den Krieg verlängern! Das Gegenteil ist wahr! Macht durch Zeichnungen auf die Kriegsanleihe die beleidigende Spekulation auf die Urteilslosigkeit des deutschen Volkes ebenso wie unser Heer die militärischen Hoffnungen unserer Gegner gründlich zuschanden!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 27. Oktober 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. September 191650. Fahrt des Bonner Lazarettzuges. Der Bonner Lazarettzug hat am letzten Samstag seine 50. Fahrt vollendet. Nachdem er auf seiner 49. Fahrt am 18. d. M. Verwundete nach Frankfurt am Main gebracht hatte, ist er schon am 22. von der 50. Fahrt wieder zurückgekehrt und hat seine Verwundeten in Aachen, Düren, Euskirchen, Bonn, Neuenahr, Ahrweiler abgesetzt. Bei der Rückkehr von dieser Fahrt hatten sich an der Ausladestelle Ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin von Schaumburg-Lippe und Vertreter des Ausschusses, darunter der Rektor der Universität, zur Begrüßung eingefunden. Auf diesen 50 Fahrten wurden im ganzen rund 12.000 Verwundete von der Front nach Deutschland gebracht, durchschnittlich also 240 auf jeder Fahrt. Weitaus die Mehrzahl der heimgebrachten Verwundeten waren Deutsche, nämlich 330 Offiziere und 11.533 Mannschaften. Die Zahl der vom Lazarettzug transportierten Gefangenen beträgt 202.
   Außer zahlreichen Liebesgaben wurden bisher im ganzen 104.060,40 M. für den Lazarettzug gestiftet. [...]

Die Sommerzeit auch künftighin beizubehalten, empfiehlt ein Beschluß der letzten Sitzung der Bonner Handelskammer. Mit der Sommerzeit seien vorwiegend günstige Erfahrungen gemacht worden. Die Vorteile der neuen Sommerzeit in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung müßten anerkannt werden, sie kämen vor allem auch den Angestellten und Arbeitern zugute. Es sei daher zu empfehlen, die Sommerzeit in Zukunft schon am 1. April beginnen zu lassen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Eine interessante Kochvorführung veranstaltete gestern abend in der Germaniahalle Frau H. Kiel aus Frankurt a. M. Sie führte u. a. eine Back- und Bratform vor, mit der auf offener Gasflamme und ohne Backofen in einer halben Stunde ein vorzüglicher Kuchen bereitet werden kann. Großes Interesse wurde auch einem Apparat entgegengebracht, mit dem durch Zusatz von Milch die Buttermenge verdoppelt werden kann, ohne daß die Butter von ihrem Wohlgeschmack einbüßt. Die Vortragende gab außerdem noch wertvolle Winke für die Zubereitung von Kriegskuchen, Mus, Marmeladen usw. Die Vorführungen wurden von den zahlreich erschienenen Frauen mit lebhaftem Interesse verfolgt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

22 Verkäuferinnen der Firma Leonhard Tietz in Bonn standen am Schöffengericht unter der Anklage des Diebstahls. Sie hatten meist kleinere Sachen wie Bänder und Putzsachen etc. entwendet. Einige denen ein Diebstahl nicht nachgewiesen werden konnte, wurden freigesprochen. Die übrigen erhielten gelinde Gefängnisstrafen und Strafaufschub, offenbar deshalb, weil ihnen infolge mangelnder Aufsicht der Diebstahl nicht besonders schwer gemacht worden war.

Reichsfleischkarten. Die vom 2. Oktober d. J. ab giltige Reichsfleischkarte wird durch das städtische Lebensmittelamt für die Zeit vom 2. Oktober 1916 bis 17. Dezember 1916 ausgegeben. Diese Ausgabe erfolgt an die Empfangsberechtigten mit den Anfangsbuchstaben der Familie A-H am 26. und 27. September d. J., J-Q am 28. und 29. September d. J., R-Z am 30. September d. J. , durch die Kartenausgabestelle des städtischen Lebensmittelamtes Am Hof Nr. 1, vormittags von 8-12½ Uhr, nachmittags von 3-6 Uhr. Da gestern nur sehr wenige Einwohner ihre Fleischkarte abgeholt haben, sei nochmals daran erinnert.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 28. September 1916

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1916Zum Erntedankfest am kommenden Sonntag erbittet die Ortsgruppe Bonn des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes Blumen, Früchte, Gemüse usw. für den Kirchenschmuck und zur späteren Verteilung an Bedürftige. Die Gaben möchten möglichst bis Samstag mittag 12 Uhr in der Kirche am Kaiserplatz abgegeben werden.

„Pensionsschweine“. Der Oberbürgermeister schreibt uns: In den letzten Tagen hat sich ein lebhafter Handel mit bereits reifen Schlachtschweinen entwickelt, die von Privaten mit der Absicht gekauft werden, sie nach sechs Wochen zur Schlachtung zu bringen. Das Landesfleischamt hat die Behörden angewiesen, diesen Handel zu verhindern, da er eine Umgehung in der strengen Durchführung der gesamten Fleischversorgung bedeutet. Es wird demnach darauf hingewiesen, daß in solchen Fällen keine Genehmigung zur Hausschlachtung erteilt werden kann. „Pensionsschweine“ werden nur dann zur Hausschlachtung freigegeben, wenn die Aufzucht und Ernährung dieser Schweine durch Küchen- oder sonstige Abfälle aus dem Haushalt oder aus den Gärten längere Zeit erfolgt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1916Abgefaßte Zwiebeldiebe. Am Dienstag nachmittag beobachtete ein Ackerer in Grau-Rheindorf, wie sich drei etwa 12-18jährige Burschen auf einem Felde, auf dem Zwiebeln zum Abtrocknen auf Haufen lagen, zu schaffen machten. Als der Mann auf die Knaben zuging, nahmen sie Reißaus, konnten aber in der Nähe des Rheines gestellt werden. Man fand in ihren Rucksäcken annähernd 30 Pfund Zwiebeln, die sie zurücktragen mußten. Die Namen der jugendlichen Diebe sind festgestellt.

Warnung vor minderwertigem Spiritus. In den jüngsten Wochen gelangte in Bonn Spiritus zum Preise von 1,20 M. das Liter in den Handel, der bei der Benutzung einen solchen Rauch und Gestank verbreitete, daß es schlechterdings nicht möglich war, das scheußliche Erzeugnis zu benutzen. Selbst ohne Brand war der Geruch dieses Spiritus derart, daß er in Wohnräumen nicht aufbewahrt werden konnte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 27. Sept. Auf Anregung der Zentrale des Vaterländischen Frauenvereins hatte sich gestern nachmittag eine stattliche Anzahl von Frauen aus der Bürgermeisterei Godesberg im Saale der Geschwister Schumacher zu einer Besprechung vaterländischer Interessen versammelt. Die Vorsitzende, Frau Bürgermeister Dengler, wies darauf hin, daß es eine patriotische Ehrenpflicht eines jeden deutschen Untertanen sei, mit seiner ganzen Kraft und Habe für unser Vaterland einzutreten und empfahl, das den Dienstboten an Weihnachten zugedachte Geldgeschenk schon jetzt für dieselben auf die Kriegsanleihe zu verwenden. Dieser Gedanke fand allseitigen Beifall. Nachdem noch Frau Bächer-Imhäuser die Notwendigkeit dieser opferfreudigen Handlung beleuchtet, wurde von der Versammlung einstimmig ein dem Vorschlage entsprechender Beschluß gefaßt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

    

Besser als in Köln? Unter dieser Ueberschrift berichtet der Kölner Stadtanzeiger: „In der gestrigen Sitzung der Kölner Wirte-Innung wurde u. a. berichtet, daß eine Kommission aus dem Vorstande bei Gelegenheit einer Reise nach Düsseldorf, Essen, Bonn, Königswinter und Mainz festgestellt habe, daß die Verhältnisse in allen andern Städten bezüglich des Fleisches besser seien, als in Köln. In den genannten Städten wurde von den Gästen keine Fleischmarke verlangt, ebensowenig wie Eiermarken. Dort könne man warmes Frühstück haben und auch Brot sei genügend vorhanden. Man habe sogar Kölner angetroffen, die eigens nach Düsseldorf, Bonn oder Königswinter gefahren seien, um „einmal ordentlich Fleisch essen“ zu können. Es wurde beschlossen, an maßgebende Stellen eine Beschwerdeschrift zu richten, damit Köln in dieser Beziehung besser versorgt werde.“ Daß unter den Städten auch Bonn genannt ist, muß jeden Kenner der Bonner Verhältnisse befremden. Wie bekannt, erhalten die Wirte in Bonn für die auswärtigen Gäste Blanko-Fleischzette, welche von den Gästen mit Namen, Wohnort usw. ausgefüllt werden. Da die Wirte genügend Karten erhalten, ist es kaum zu begreifen, wie diese Behauptung aufgestellt werden kann. Auf jeden Fall ist die „Kölner Untersuchungs-Kommission“ nicht an den letzten Tagen einer der letzten Wochen in Bonn gewesen, sonst würde sie auch in Bonn nicht haben „einmal ordentlich Fleisch essen“ können. Sollte dies trotzdem der Fall sein, so würde sich die Kommission sicher großen Dank bei den Bonner Bürgern, vielleicht auch bei der Bonner Behörde erwerben, wenn sie mitteilte, wo man in Bonn die geschätzte Gelegenheit „einmal ordentlich Fleisch essen“ zu können, hat. Es liegt gewiß im Interesse einer geregelten allgemeinen Volksernährung, eine solche Fleischquelle zu entdecken. Vielleicht dürfte es sich aber auch in Köln um die, von unserem Herrn Oberbürgermeister in der vorletzten Stadtverordnetensitzung bereits in genügender Weise beleuchtete in Bonn wie allerwärts gebrauchte Redensart handeln, die alle im Munde führen, wenn sie von einer Reise wieder nach Hause zurückkommen, daß es nämlich in X. oder U. viel besser um die Lebensmittelversorgung bestellt sei, als in ihrer eigenen Stadt. Sodann mag hier vielleicht die Gelegenheit sein, einmal darauf hinzuweisen, daß gerade bei der Fleischversorgung die Erfahrung der letzen Monate gelehrt hat: Mit der Einwohnerzahl einer Stadt wächst auch die Schwierigkeit der Fleischversorgung.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 29. September 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. September 1916Die Reichsfleischkarte wird auch Sonntag noch auf dem Lebensmittelamt ausgegeben.

Brotzulagen für Jugendliche. Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren können von nächster Woche ab ein Viertel Brot mehr erhalten. Die Anträge dazu müssen beim Lebensmittelamt gestellt werden. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Frauen im Eisenbahndienst. In den Bezirken der preußisch-hessischen Eisenbahndirektionen werden immer mehr Frauen eingestellt und auch für den Fahrdienst ausgebildet, so daß demnächst sämtliche Triebwagenzüge mit je einer Schaffnerin besetzt werden können. Außerdem sollen die weitaus meisten D-, Eil- und Personenzüge an Begleitpersonal einen Zugführer, einen Schaffner und eine Schaffnerin erhalten. Die so überzählig werdenden Schaffner werden, soweit sie noch militärpflichtig sind, der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt, oder nach den besetzten feindlichen Gebieten abkommandiert. Nach den neuerdings ergangenen Bestimmungen besteht die Dienstkleidung der Zugschaffnerinnen aus einer Joppe und einer Mütze, wie sie von Hilfsbeamten getragen werden, und einem dunkelgrauen, bauschigen Beinkleid. Außerhalb der Bahnanlagen können die Beamtinnen Röcke tragen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     Anzeige in der Bonner Zeitung, im General-Anzeiger und in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. September 1916

Kartoffelversorgung. Vom 1. Oktober ds. Js. sind die Kartoffelpreise wie folgt festgesetzt: bei Abholung mit eigenem Gerät von dem Kartoffellager am städtischen Schlachthof 4,50 Mark für 1 Zentner, bei Lieferung frei Keller durch die Stadt oder die zugelassenen Großhändler 4,75 Mark für 1 Zentner, beim Verkauf im Kleinhandel 5,50 Mark für 1 Zentner. Die Lieferung frei Keller kann voraussichtlich nicht vor dem 15. Oktober ds. Js. erfolgen und geschieht nur zur Eindeckung des gesamten Winterbedarfs und unter der Voraussetzung, daß die Kartoffeln in geeigneten Kellerräumen untergebracht werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 30. September 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Feldpostbriefe. Für die kriegsgeschichtliche Einzelforschung ist es erwünscht, daß schon jetzt Feldpostbriefe mit zusammenhängenden Schilderungen aus dem Felde gesammelt und gesichtet werden. Wir sind bereit, geeignete Briefe aus dem Felde oder Abschriften davon, die uns zur Verfügung gestellt werden, der in Bonn eingerichteten Stelle zu übermitteln, sie gegebenenfalls auch in unserer Zeitung zu veröffentlichen. Die Briefe müssen Namen und Truppenteil des Absenders enthalten, die beim etwaigen Abdruck natürlich ebenso wie rein persönliche Angelegenheiten fortgelassen werden. Auch Berichte aus den Gefangenenlagern sind erwünscht.

Die Sommerzeit geht mit dem heutigen letzten Septembertage zu Ende. Um 1 Uhr nachts nach der Sommerzeit werden die öffentlichen Uhren um eine Stunde auf 12 Uhr zurückgestellt, damit ist dann die mitteleuropäische Zeit wieder in Geltung.

Ferngläser dürfen von Händlern nur an Militärpersonen u. nur gegen eine Bescheinigung ihres Truppenteils abgegeben werden. Der Händler selbst muß jederzeit in der Lage sein, den Nachweis zu führen, daß er dieser Bedingung in jedem Falle einwandfrei genügt hat. Die von den Käufern der Ferngläser übergebenen Bescheinigungen sind zu diesem Zwecke von ihm aufzubewahren.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Reichsfleischkarte. Wie aus der heute im Anzeigenteil veröffentlichten Verordnung „Fleischversorgung im Stadtkreise Bonn“ ersichtlich ist, dürfen vom 2. Oktober ab Fleisch und Fleischwaren im Stadtteile Bonn entgeltlich und unentgeltlich nur gegen die Reichsfleischkarte abgegeben werden.
   Welcher Unterschied ist nun zwischen der Reichsfleischkarte und der bisher für den Stadtkreis Bonn gültigen Fleischkarte? Die Reichsfleischkarte ist gültig im ganzen Deutschen Reiche. Die bisherige Bonner Fleischkarte hatte nur Gültigkeit im Stadtkreise Bonn. Die Bonner Fleischkarte sah für die Woche 5 Fleischmarken zu je 50 Gramm Fleisch vor, die Reichsfleischkarte dagegen sieht 10 Fleischmarken mit je einem Zehntel Wochenanteil vor. Ein bestimmtes Gewicht ist also auf der Reichsfleischkarte nicht angegeben.

Der Bonner Wochenmarkt war gestern gut beschickt. An Gemüse war vorwiegend Wirsing, Rotkohl, Spinat, Blumenkohl, Kohlrabien, Karotten sowie Gurken zum Einmachen vorhanden. An Obst waren der Beschlagnahme von Aepfeln und Pflaumen wegen hauptsächlich nur Birnen, Pfirsiche und Trauben in reicher Auswahl zu haben. Auffallenderweise wurden an einer Stelle trotz der Beschlagnahme doch Pflaumen verkauft. Die Verkäuferin war natürlich von Käufern solange umlagert, bis die letzte Pflaume verkauft war. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Zu 600 Mark Geldstrafe verurteilte die hiesige Strafkammer einen Bäckermeister aus Bonn, der Honigkuchen und Backwaren aus Mürbeteig hergestellt hatte. Die Strafe fiel deshalb so hoch aus, weil der Angeklagte bereits fünfmal wegen Uebertretung der Bundesratsverordnungen bestraft ist, zuletzt mit 300 Mark. Der Staatsanwalt betonte, daß es ihm schwer falle, in diesem Falle von der Beantragung einer Gefängnisstrafe abzusehen; er beantragte 1000 Mark Geldstrafe. Die betreffenden Verordnungen seien zum Schutze des Vaterlandes erlassen worden und wer sie so oft übertrete wie der Angeklagte, verdiene eigentlich eine empfindliche Gefängnisstrafe. Das Gericht bemerkte bei der Urteilsverkündigung, daß dies die letzte Geldstrafe sei für den Angeklagten, bei der nächsten Uebertretung werde man unweigerlich auf eine Gefängnisstrafe erkennen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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