Donnerstag, 21. September 1916
Turnen in Schule und Heer. Wenn wir in der heutigen eisernen Zeit häufig auf die Tatsache stoßen, daß der Krieg neue Werte im Volksleben hervorgebracht hat, so steht auch andererseits fest, daß sich Unwertungen mit voller Gewalt Bahn gebrochen haben und sich alte hohe Werte im goldenen Glanze unübertroffener Wirksamkeit zeigten. Die gilt in allererster Linie von der deutschen Turnerei. In Jugendwehren und Jugendkompanien wird die für die Fortbildung zum Heeresdienst schlecht angebrachte Soldatenspielerei von den maßgebenden Kriegsministerien mit allem Nachdruck bekämpft und das Wehrturnen in Geräte- und volkstümlichen Uebungen in den Vordergrund gerückt. Auch in Schule und Heer soll die im Laufe des Feldzuges im hohen Maße erzielte Wertschätzung der deutschen Turnerei zum Wohle des gesamten Volkstums nutzbar gemacht werden. So hat der Kultusminister in seiner neuen Verfügung verordnet, daß die Schüler der höheren Lehranstalten, welche die Seeoffizierlaufbahn einzuschlagen beabsichtigen, rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen sind, daß sie sich nicht nur einer Eintrittsprüfung in Mathematik, Physik, Englisch, Französisch und Zeichnen zu unterziehen, sondern auch den Nachweis turnerischer Ausbildung zu erbringen haben. Es wird weiter gesagt, daß es nicht zu empfehlen sei, Schüler, weil sie an den Uebungen der Jugendwehr teilnehmen, vom Turnen in der Schule zu befreien, es sei denn, daß diese Uebungen sich nicht auf Geländeübungen und Uebungsmärsche beschränken, sondern auch Turnübungen einbegreifen. In den höheren Schulen sei in den letzten Jahren mehrfach statt des Turnens das Spiel und der Sport in den Vordergrund getreten. Eine Folge davon sei es gewesen, daß es beim Eintritt in den Heeresdienst vielen zwar nicht an körperlicher Gewandtheit, wohl aber an dem Maße von Muskelkraft gefehlt habe, das nicht nur für den Seesoldaten, sondern auch für das Landheer unbedingt erforderlich sei. Im Einvernehmen mit dem Turnlehrer sind die Direktoren der höheren Lehranstalten gehalten, das Erforderliche zu unternehmen.
Zwetschen. Das städtische Lebensmittelamt teilt mit, daß die Zwetschen-Lieferungen infolge der Beschlagnahme eingestellt werden mußten, da keine Zufuhren mehr stattgefunden haben. Sollten weitere Sendungen eintreffen, so wird dies bekannt gegeben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Versorgung mit Marmelade. Man schreibt uns: Die in der letzten Zeit an vielen Orten hervortretende Knappheit an Marmelade dürfte in naher Zeit gehoben sein. Unter Aufsicht der Kriegsgesellschaft für Obstkonserven und Marmeladen beginnen jetzt die deutschen Fabriken für Obstdauerware mit der Herstellung von Marmeladen und Obstkonserven. Es werden mithin demnächst die Marmeladen aus der neuen Obsternte im Kleinhandel zu beziehen sein.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die rauchigen Nichtraucherabteile. In letzter Zeit wird bei den Eisenbahndirektionen wiederholt lebhaft Klage geführt, daß in den Nichtraucherabteilen gerauchtund vom Zugpersonal hiergegen nicht eingeschritten wird. Nach wiederholt eingegangenen Verfügungen sind die Fahrpersonale strengstens angewiesen worden, darauf zu halten, daß die Nichtraucherabteile vom rauchenden Reisenden unter keinen Umständen benützt werden. Reisende, die gegen das Rauchverbot verstoßen, sollen unnachsichtlich zur Anzeige gebracht werden.
Im Metropoltheater wird in dieser Woche das prachtvolle Filmwerk „Ernst ist das Leben und heiter die Kunst“ gegeben. Das Werk hat eine äußerst gespannte Handlung, ist auf das beste ausgestattet und zeigt auch in schauspielerischer Hinsicht eine seltene vollendete Kunst. Es bannt mit großem Geschick die Aufmerksamkeit der Besucher und befriedigt ihn sehr. Daneben sorgen einige heitere Stücke für gute Abwechselung und das Neueste vom Krieg im Bild findet auch volle Anerkennung, sodaß die Leitung mit der Spielfolge eine sehr gute Auswahl bietet.
Verwundetenfürsorge. Man schreibt uns: Im Laufe des Weltkrieges hat es sich, wie überhaupt im ganzen deutschen Vaterlande, so ganz besonders bei uns hier am Rhein zu einer schönen Sitte und Gewohnheit herausgebildet, sowohl unseren frisch ausgebildeten Soldaten, ehe sie ins Feld rücken, den deutschen Rhein mit all seinen unvergleichlichen Schönheiten zu zeigen, als auch unsere Verwundeten in die herrlichen Berge an den Ufern des deutschesten aller Ströme, für den sie geblutet und gelitten haben, zu führen. Wir sind fest davon überzeugt, daß unsere braven Feldgrauen sich noch in späten Friedensjahren mit dankbarer Freude an die schönen Ausflüge und Dampferfahrten erinnern werden, die ihnen durch den Opfersinn rheinischer Patrioten ermöglicht wurden, und daß unsere wackeren Verwundeten, die aus allen Gauen aus Alldeutschland zu uns hier an den Rhein kommen und hier rheinische Gastfreundschaft und Gemütlichkeit kennen und schätzen gelernt haben, in der Heimat gerne und immer wieder vom deutschen Rhein und rheinischem Leben erzählen werden. Wie so oft auf meinen Wanderungen begegneten mir noch in den ersten Septembertagen verschiedene Lazarette aus Köln, Bonn und anderen rheinischen Orten, die vom Siebengebirge kamen, per Schiff oder per Eisenbahn, mit frischem Mut voll neuer Eindrücke zu ihren Lazaretten heimkehrten. Die allbekannten und noch immer gern gehörten Soldaten- und Volkslieder singend und – wenn sie von der Rheininsel Grafenwerth, wohl unstreitig einem der beliebtesten Ziele solcher Ausflüge, kommen, mit Blumen im Knopfloch, und die sorgenden Schwestern mit Blumensträußen in der Hand – so kehren unsere Feldgrauen zu ihren Lazaretten zurück. Stets beseelt mich beim Anblick dieser wackeren Scharen der lebhafte Wunsch, daß sich noch oft und zahlreich rheinische Patrioten finden möchten, um auch im Herbst, der ebenfalls seine eigenen Reize hat, solche Ausflüge zu ermöglichen, die doch unstreitig neu belebend und erfrischend auf das Gemüt unserer Feldgrauen wirken, denen wir Daheimgebliebenen so unendlich viel zu danken haben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 22. September 1916
Die Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, für die in der Stadt Bonn die Sammlungen jetzt beginnen sollen, vereint in sich aus ganz Deutschland die Spenden unauslöschlichen Dankens für die im Kampfe für das Vaterland gefallenen Helden. Ihren Witwen und ihren verwaisten Kindern gilt es, diesen Dank zu entrichten. Zwar ist, wie uns geschrieben wird, in erster Linie das Reich verpflichtet, den Hinterbliebenen für den Verlust ihres Ernährers durch eine Rente die äußere Grundlage des Lebens zu schaffen. Aber selbst wenn es gelingen sollte, diese Bezüge reicher auszugestalten, so bleibt doch noch so viel Not zu lindern, so oft mit Rat und Tat einzugreifen, daß unser Volk der Nationalstiftung, die sich diese heilige Pflicht zu eigen macht, willig und treu seine Gaben zuwenden muß. Unmittelbar nach des Ausbruch des Weltkrieges wurde diese Aufgabe der Hilfe erkannt und kundgetan. Niemand ahnte damals, daß der Krieg so lange währen, so große Opfer heischen würde! Um so größer ist nun der Kreis, den die Nationalstiftung mit ihren Taten auszufüllen hat, um so vielfältiger das Feld, das sie zu bestellen hat. Die Nationalstiftung will da helfen, stützen, fördern, wo die gesetzlich gewährten Renten nicht ausreichen. Dazu sind angesichts der überaus großen Zahl der Hinterbliebenen sehr große Mittel auf lange Zeit hinaus notwendig. Aber ebenso nötig wie die Geldhilfe ist die Fürsorge, die die richtige Verwendung der Renten und Spenden lehrt. Ohne Unterschied des Standes, der Partei und des Glaubens will sie Unterstützung gewähren „den Witwen insbesondere durch Barunterstützung, Arbeitsbeschaffung oder sonstige Förderung zur Erlangung von Erwerbstätigkeit, den Waisen insbesondere durch bare Erziehungsgelder, Unterbringung in Familienpflege, Waisenhäusern oder anderen geeigneten Anstalten, sowie durch Förderung der Ausbildung zur Erwerbstätigkeit. Es soll dabei in erster Linie angestrebt werden, die Kriegerwitwen in den Stand zu versetzen, möglichst aus eigener Kraft ihren Hausstand weiter zu führen und ihre Kinder so ausbilden zu lassen, daß auch diese dereinst in einer ihrer Fähigkeiten angepaßten Tätigkeit sich selbst ihren Lebensunterhalt und eine der sozialen Stellung ihres Vaters möglichst entsprechende Lebensstellung erwerben zu können“. Die Nationalstiftung hat ihren Sitz in Berlin, ihre Wirksamkeit erstreckt sich über das ganze Reich. [...] Um ihren großen Aufgaben zu genügen, bedarf die Nationalstiftung reicher Mittel. [...]
So ergeht dann auch an die Bonner Bürgerschaft der Aufruf, Gaben zu spenden für die Hinterbliebenen der Tapferen, die für Vaterland und Volk, für Haus und Herd, aber auch für jeden einzelnen von uns daheim ihr Leben gelassen haben. Wir dürfen das Vertrauen hegen, daß die Bonner Bürgerschaft ihre Dankesschuld durch reiche Spenden an die Nationalstiftung zollen wird, von der sie – des sind wir gewiß – im Sinne sozialer Fürsorge zum Trost der Verlassenen, zur Aufrichtung der Gebeugten, zur Förderung des heranwachsenden Geschlechts der Verwendung entgegengeführt werden.
Das Bonner Stadttheater beginnt seine Spielzeit am Dienstag, 3. Oktober, mit der neu einstudierten Aufführung der Hebbelschen Judith. Die zweite Vorstellung am Freitag, 6. Oktober, bringt das Lustspiel Großstadtluft von Blumenthal und Kadelburg, das bei den Aufführungen in Köln wieder großen Erfolg hat.
Vom Theateramt wird uns mitgeteilt: Die Nachfrage nach Abonnementsplätzen ist dank der guten Aufführungen im letzten Jahre überaus rege. Die Abonnentenzahl hat sogar die des Vorjahres bereits überschritten, und es steht zu erwarten, daß sie bis zum Beginn der Spielzeit noch weiter steigt. Gewiß ein Zeichen, daß das Bonner Theater auch während des Krieges an Anziehungskraft nichts eingebüßt hat.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zeichnet die fünfte Kriegsanleihe.
Leistet als Deutsche voll Stolz dem Reiche, was ihr könnt an finanzieller Unterstützung.
Es gewährt euch dafür die erstklassige, zweifelfreieste Sicherheit der Welt in seinen Schuldverschreibungen, für welche die Steuerkraft Alldeutschlands haftet, des Deutschlands, welches in diesen Stürmen seine Kraft und seinen Willen gezeigt hat.
Es gewährt euch 5 Prozent feste Zinsen für euer Kapital und Kapitalzuwachs bei Rückzahlung der zu 95 Prozent erhältlichen mit 4½ Prozent verzinsbaren Schatzscheine.
Im Soldatenheim an der Kölnstraße erfreute der Männer-Gesangverein „Bonner Liederkranz“ unter Leitung seines stellvertretenden Dirigenten Herrn Thiebes die zahlreich erschienenen Feldgrauen durch mehrer Liedvorträge. Die Sänger wurden nach jedem Lied durch lauten Beifall belohnt. Den gleichen Anklang fanden die Aufführungen der Theater-Abteilung des Gesellen-Vereins, um die sich Fräulein Roitzheim, sowie die Herren Joh. Weber jun., Roitzheim, Bartel Slapio und Bielen verdient machten.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Sparsamkeit in Einwickelpapier. Die Vorräte der zum Verpacken von Lebensmitteln notwendigen Einwickelpapiere und Tüten sind knapper geworden. Für das kaufende Publikum dürfte es sich deshalb empfehlen, die Tüten sorgfältig zu behandeln und für weitere Einkäufe noch mal zu verwenden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 23. September 1916
Arndt-Eiche in Eisen. Das von den Männergesangvereinen Bonns zum silbernen Amtsjubiläum des Oberbürgermeisters Spiritus gestiftete Ehrenschild ist Sonntag bei schönstem Wetter und unter Beteiligung weiter Kreise der Bürgerschaft genagelt worden. Unter der bewährten Leitung des städtischen Musikdirektors Professor Grüter sangen die vereinigten Gesangsvereine der Stadt Bonn verschiedene Chöre, auch richtete der Vorsitzende des Männergesangvereins Concordia, Dr. Klodt, eine kernige Ansprache an den anwesenden Oberbürgermeister. Ferner nagelten unter Führung des Herrn Karl Th. Wirtz die Mitglieder der Sebastianus-Schützengesellschaft in Bonn ebenfalls zur Erinnerung an das Jubiläum eine geschmackvolle Adlerfeder.
Bei der Nagelung des von den sämtlichen Beamten und Beamtinnen des Kaiserlichen Postamtes gestifteten prunkvollen Ehrenschildes hielt Postdirektor Schmincke die Festrede, die in ein Kaiserhoch ausklang. Der Bonner Männergesangverein sang unter Leitung seines Chormeisters Sauer verschiedene Lieder. Junge Damen machten sich dadurch verdient, daß sie zugunsten der Arndt-Eiche Postkarten verkauften und Geldspenden einammelten
Das bisherige Ergebnis der Sammlungen für die Arndt-Eiche beträgt rund 75.000 M. Es wäre zu wünschen, wenn bis zum Jahrestag der Errichtung der Arndt-Eiche (19. Dezember) die Summe von 100.000 M. erreicht würde. Die Dankbarkeit für die Treue zum Vaterland, die unserer Krieger mit ihrem Leben besiegelt haben, kann kaum in besserer Weise bekundet werden, als daß die Bürgerschaft für bedürftige Witwen und Waisen der gefallenen Bonner Krieger ihre Spenden darbringt, zumal gleichzeitig in sinniger Weise die Namen der Spender an der Eiche verewigt werden. Es geht daher wiederholt an alle unserer Mitbürger, die in der Lage sind, eine Spende zu geben und bisher ihr Scherflein noch nicht beigetragen haben, die Bitte, dies zu tun. Jede Aufklärung über die Preise der Adlerfedern, Zierrate und Nägel wird schriftlich und mündlich (Fernsprecher 2112) an der Geschäftsstelle der Arndt-Eiche erteilt.
Wehrturnen. Am morgigen Sonntag, morgens um 10 und nachmittags um 3 Uhr beginnend, finden auf dem städtischen Spielplatz an der Kölnstraße die Vorkämpfe des vom Kriegsministerium angeordneten Wehrturnens in der militärischen Jugendvorbereitung statt. Es beteiligen sich an diesen Vorkämpfen Jungmannen aus Bonn und den Landkreisen Bonn, Rheinbach und Euskirchen. Die Kämpfe bestehen aus einem Dreikampf, in dem ein Hindernislauf, Weitsprung und Ziel- wie Weitwerfen mit der Stielgranate Vereinigt sind, und aus Einzelkämpfen in 100-Meter-Lauf, Hochsprung, Stabhochsprung, Stabfechten, Turnen am Reck und Barren, Entfernungsschätzen sowie den Gruppenwettkämpfen in Fußball, Schlagball und Eilbotenlauf. Die besten Jugendturner und Mannschaften, die aus diesen Vorkämpfen hervorgehen, werden zum Endkampf zugelassen, der am 1. Oktober in Köln auf den Poller Wiesen stattfindet.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Unhaltbare Zustände auf dem Bonner Wochenmarkt. Man schreibt uns: Die in letzter Zeit bei vielen Verkäuferinnen eingerissene Unsitte, einzelne Waren, wie Einmach-Pflaumen, Speck-Stangen, Strauch- und Salatbohnen mit einem Tuch zuzudecken und nur an eine gewisse Kategorie von Käufern abzugeben, dehnt sich von Tag zu Tag immer mehr aus. Vor dem Kriege war es immer das Bestreben einer jeden Verkäuferin, die auf den Markt gebrachten Waren möglichst schnell zu verkaufen, dies scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein. Warum? Die für diese Waren festgesetzten Höchstpreise scheinen den Verkäuferinnen zu niedrig zu sein. Eine jede Hausfrau, die mit der jetzt tagtäglich zu hörenden Bemerkung „die Promme oder die Bonne sen verkoof oder bestellt“ abgewiesen wurde, muß unbedingt die Ueberzeugung gewinnen, daß andere Käufer höhere Preise bezahlen und daher die Waren reserviert bekommen; das ist doch kein marktüblicher Verkauf mehr! Daß hierdurch tagtäglich heftige Auseinandersetzungen zwischen Käufern und Verkäufern entstehen, ist selbstverständlich. Hier wäre es die höchste Zeit, daß unsere Marktpolizei einschreitet und von vornherein verbietet, irgend eine Ware zuzudecken und so dem freien Verkauf zu entziehen, denn der Markt ist doch für alle und nicht nur für einzelne da. Ein ähnlicher Missstand herrscht mit den Einmach- und anderen Zwiebeln. Mit der Bemerkung „dat es usländisch Oellesch“ werden für das Pfd. Schlankweg 30 Pfg. verlangt (Höchstpreis für Einmachzwiebeln ist 22 Pfg.) Den Zwiebeln ist aber absolut nicht anzusehen, ob es ausländische oder inländische sind. Auch hier also weiß die Hausfrau nicht, ob sie reell bedient wird oder nicht.
Auf dem Markt auf dem Stiftsplatz herrschen dieselben Verhältnisse im Großen. Die meisten Waren werden morgens früh schon „als verkauft“ oder „vorher bestellt“ bezeichnet.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Kriegsbilderbogenwoche. Zugunsten der von der Frau Kronprinzessin ins Leben gerufenen Kriegsbilderbogenwoche, auf die schon mehrfach hingewiesen worden ist, veranstalten die vereinigten Bonner Frauenvereine am morgigen Sonntag einen Straßen-Verkauf der 6 Kriegsbilderbogen, der dem Bonner Publikum aufs wärmste empfohlen wird. In dem Aufruf zu dieser Kriegskinderspende Deutscher Frauen heißt es: „Der Verkaufspreis für dem einzelnen Bilderbogen beträgt 10 Pfennig. Ein höherer Beitrag darf weder gefordert noch angenommen werden. Wer mehr geben will, möge eine größere Zahl Kriegsbilderbogen kaufen.“ Diese anerkennungswerte Anordnung macht es jedem möglich, zu der so nötigen Unterstützung stillender Kriegsmütter sein Scherflein beizutragen. „Viele Wenig machen ein Viel“, so ist zu hoffen, daß der bevorstehende schöne Herbstsonntag eine Tag der Ernte für unsere Kriegskinder wird.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 24. September 1916
Weintrester und Traubenkerne dürfen nur an den Kriegsausschuß für Ersatzfutter in Berlin (Tresterstelle) oder an die von ihm bezeichnete Stelle abgegeben werden. Die Besitzer von Weintrester und Traubenkernen haben die Vorräte dem Kriegsausschuß oder der von ihm bezeichneten Stelle auf Verlangen käuflich zu überlassen und auf Abruf zu verladen. Bezahlt werden für frische Trester 4,50 M., für Trester aus denen Haustrunk oder Branntwein bereitet ist 2 M., für Traubenkerne 24 M. der Doppelzentner.
Der Herbst hat gestern kalendermäßig begonnen. Der erste Herbsttag war jedoch viel sonniger und wärmer als viele Spätsommertage dieses Jahres.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Kriegs-Frauenberufe. Der städtische Fuhrpark beschäftigt jetzt auch Frauen als Lenkerinnen der Milchfuhrwerke. Die weiblichen „Milchkutscher“ sind mit einer kleidsamen Tracht und Uniformmützen ausgestattet.
Zur Kartoffelversorgung in Bonn. Wir erhalten vom Kriegsausschuß für Konsumenten-Interessen für den Stadt- und Landkreis Bonn folgende Zuschrift:
Nachdem nunmehr die Stadtverwaltung im Einvernehmen mit der Stadtverordnetenversammlung in dankenswerter Weise den Wünschen der Bürgerschaft betreffend Preisfestsetzung der Winterkartoffeln entgegengekommen ist, liegt es im eigensten Interesse aller, unverzüglich den Winterbedarf beim Lebensmittelamt, Abteilung 3, anzumelden. Leider ist dies bisher nicht geschehen. – Es ist die Pflicht der Bürgerschaft, der Verwaltung in möglichst weitgehendster Weise bei dieser so großen Belastung an Arbeit und Unkosten gerecht zu werden. Wer aber in der Lage ist, seinen Winterbedarf auf einmal abzunehmen, hat sogar dann noch einen Preisnachlaß bei sofortiger Abholung ab Waggon Schlachthofgebäude zu beanspruchen. Allen, die größere Mengen einkellern und irgendwie Wagen oder Karren zur Verfügung haben, kann dieses nicht dringend genug angeraten werden.
Für diejenigen, die nur über wenig Raum verfügen oder nicht die Mittel übrig haben, bleibt der zweimalige bezl. wöchentliche Bezug gewahrt. Es ist aber unbedingt notwendig, daß die Lagerräume für die Kartoffeln jetzt gut belüftet und die Lagerstelle in jeder Weise gereinigt und ausgekehrt wird. Es muß gerade für die dieswinterliche Lagerung größte Sauberkeit, Obacht und Pflege gemacht werden. Werden die Kartoffeln in Kisten gelagert, so müssen die Kistenwände Luftlöcher haben, die Kisten dürfen nicht auf die Erde gestellt werden, sondern mit Hilfe von Ziegelsteinen, Holzblöcken, Briketts muß zwischen Erdboden und Kiste ein luftfreier Raum geschaffen werden. Soweit schön abgeteilte Lagerkeller vorhanden sind, muß hier etwa mit Hinzunahme von Brettern in gleicher Weise verfahren werden.
In anderen Städten gelten die jetzt festgesetzten Preise nur bis 15. Februar. Es ist also mehr als fraglich, ob die Stadtverwaltung in der Lage ist, ihrerseits die obigen Preise über diesen Zeitpunkt hinaus gewähren zu können. Aus diesem Grunde muß die möglichst umfangreichste Einkellerung zur Pflicht gemacht werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Vaterländische Veranstaltungen. Am Sonntag, den 24. September 1916, finden eine Reihe vaterländischer Veranstaltungen statt, u. a. in Sechtem, morgens 10 Uhr, in Urfeld, morgens 10½ Uhr bei Wwe. Johann Engels, in Bornheim nachmittags 4 Uhr im Schwadorf’schen Saale, in Lengsdorf abends 8 Uhr, in Duisdorf abends 8 Uhr bei Wwe. Const. Kleefisch. Jedermann ohne Unterschied der politischen oder konfessionellen Auffassung hat Zutritt. Auch Frauen sind herzlich willkommen. Auswärtige Redner werden über die Frage: „Wird Deutschland siegen?“ sprechen.
Verteuerung des Pilsener Bieres. Den zahlreichen Verehrern des ausgezeichneten Stoffes, der in der Stadt Pilsen gebraut wird, wird eine bittere Pille verabreicht: Das Pilsener Bier wird erheblich verteuert. Und zwar wird der Preis des Hektoliters um 30 bis 35 Mk. in die Höhe gesetzt. Damit steigt im Ausschank der Preis des Liters ebenfalls um 30 bis 35 Pfg. Diese sehr erhebliche Preiserhöhung ist darauf zurückzuführen, daß den österreichischen Brauereien vorläufig keine frische Gerste mehr überwiesen werden kann. Infolgedessen muß der Bierkonsum erheblich eingeschränkt werden, und diese Notwendigkeit drückt sich in der jetzt beschlossenen Bierpreiserhöhung aus.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 25. September 1916
Sammelt Früchte! Ein großer Teil unserer Wildfrüchte läßt sich verwerten. Aus Obstkernen, Linden-, Buchen- und Akazienfrüchten, aus Sonnenblumen- und Kürbiskernen wird Oel gepreßt. Die Weißdornfrüchte liefern einen Kaffeeersatz. Kastanien und Eicheln können zur Viehmast verwendet werden. Hagebutten und Schlehen lassen sich zu Marmelade verarbeiten. Galläpfel enthalten einen wertvollen Gerbstoff. Die Früchte werden nach den von den Reichsstellen festgesetzten Preise bezahlt. Von den Sammelstellen kann jedoch, da die Früchte erst verarbeitet, getrocknet und versandt werden müssen, nur ein Teil der festgesetzten Preise bezahlt werden. In Bonn sind Sammelstellen, Lennéstraße 29 und beim Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe, Am Hof, eingerichtet. Die Schuljugend wird aufgefordert, sich fleißig am Sammeln der Wildfrüchte zu beteiligen und auf diese Weise zum Durchhalten beizutragen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Bonner Lichtspiele im Stern, die augenblicklich in ihrem Programm ein fesselndes Lustspiel „Die kokette Gattin“ aufführen, wirken auch zugunsten der fünften Kriegsanleihe. Ungemein originell wird in einem Zwischenakter „Schatz mach Kasse“ den Kinobesuchern vor Augen geführt, welche Vorteile die Kriegsanleihezeichnung bietet.
Deutsche Zigarrenfarben. Auch das deutsche Tabakgewerbe will sich am Kampfe gegen die Fremdwörter beteiligen. Wie das Blatt des Deutschen Tabakvereins mitteilt, besteht in den Kreisen der Zigarrenfabrikanten und Zigarrenhändler der Wunsch, die bisherigen spanischen Bezeichnungen der Zigarrenfarben „claro“, „colorado“, „maduro“, „oscuro“ und ihre Zwischenstufen durch deutsche Ausdrücke zu ersetzen. Zur Erleichterung und Vereifachung des Verkehrs mit der Kundschaft werden als einheitliche deutsche Bezeichnungen der Zigarrenfarben: hell, mittelhell, hellbraun, reifbraun, dunkelbraun und dunkel, vorgeschlagen. Auch die fremdsprachlichen Zigarrennamen und Größenbezeichnungen sollen verdeutscht werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Populärwissenschaftliche Vorträge. In der letzten Ausschusssitzung wurde das Programm der Vorträge für den kommenden Winter aufgestellt. Wenn sie auch fast alle noch mehr oder minder auf den Krieg Bezug nehmen, so geschieht dies doch bei den meisten so, daß sie die im Laufe des Krieges gewonnene Erkenntnis der Vorzüge und Schwächen der eigenen Nation zum Gegenstand haben, also in jeder Weise dem Fortschritte, der Hebung des Volkes oder der höheren Bewertung des eigenen Vaterlandes dienen sollten. Zugleich wurde eine nötige Änderung ihres Namens vorgenommen. Sie sollen von jetzt an „Wissenschaftliche Vorträge“ genannt werden. Die Aenderung betrifft nur ihren Namen, nicht aber ihren Charakter; sie ist aber notwendig, weil mit der früheren Bezeichnung „populärwissenschaftlich“ alle jene Vorträge versehen werden, die von Lichtbildanstalten usw. verfaßt, an jeden beliebigen Redner verliehen und von ihm abgelesen oder auswendig gelernt vorgetragen werden. Damit haben unsere Vorträge auch gar nichts gemein, und davon sollen sie auch in ihrer Benennung streng geschieden werden. Deshalb die Namensänderung „Wissenschaftliche Vorträge“, um deren Beachtung freundlichst gebeten wird.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 26. September 1916
Die städtischen Lager für Kartoffeln, Kolonialwaren, Futtermittel usw. Wie gewaltig die Arbeitslast ist, die der Stadt Bonn durch die Verbrauchsregelung der wichtigsten Lebensmittel und Bedarfsgegenstände sowie durch viele andere kriegswirtschaftliche Aufgaben, nicht zuletzt auch durch die eigene Erzeugung von Lebensmitteln, entstanden ist, geht am besten aus der großen Zahl der während des Krieges entstandenen, der Oeffentlichkeit größtenteils gar nicht bekannten städtischen Lager- und ähnlichen Einrichtungen hervor. Wer zum städtischen Lebensmittelamt kommt, kann schon erstaunt sein über die große Zahl der Räume, die dem Verkehr mit der Bürgerschaft und der Verwaltung der einzelnen Abteilungen dienen; sie nehmen einen ganzen Flügel der Universität ein und sind darin noch nicht einmal vollzählig vereinigt. Viel, viel umfangreicher sind aber die Lager, die von hier aus verwaltet werden. In 20, fast auf das ganze Stadtgebiet verteilten Gebäuden lagern die Vorräte an Mehl, Hülsenfrüchten, Teigwaren, Speck, Fleisch, Futtermittel usw. und neun große Keller sind eingerichtet, von den demnächst eintreffenden großen Kartoffelmengen rund 50.000 Zentner aufzunehmen, für weitere 80.000 Zentner sind die Erdmieten vorbereitet; denn von den rund 300.000 Zentnern Kartoffeln, die unterzubringen sind, werden nach den bisher vorliegenden Bestellungen nur 120.000 von Privathaushaltungen eingekellert, so daß, auch wenn noch weitere Bestellungen einlaufen, die Stadt selbst doch noch über 150.000 Zentner einlagern muß.
Ein Teil der städtischen Lagereinrichtungen konnte gestern unter der Führung des Herrn Beigeordneten Piehl von den Vertretern der Presse besichtigt werden. Zunächst der größte städtische Kartoffelkeller, die Kellerräume der Universität. So gewaltig dieses Labyrinth von unterirdischen Gewölben auch ist, es können darin doch erst 15.000 Zentner untergebracht werden. Die Kartoffeln werden hier auf Lattengestellen und abgeteilt durch luftdurchlässige Lattenhürden höchstens einen Meter hoch aufgeschüttet. Die Kellerwände und die Lattenböden und –hürden sind frisch gekalkt, drei große Ventilatore sollen die Luft reinhalten und für eine gleichmäßig niedrige Wärme sorgen, zur Beleuchtung der an sich dunklen Räume ist eine elektrische Lichtleitung angelegt worden. So ist alles getan, um die für die Ernährung so wichtigen Kartoffeln möglichst ohne Verluste den Winter über aufzubewahren.
In einem der größten Hörsäle der Universität lagern in großen Mengen Säcke mit Bohnen, Erbsen, Graupen, kochfertigen Bestandteilen für verschiedene Suppen, auch größere Vorräte an Trocken- und Büchsenmilch, die über eine etwaige noch schlimmere Milchknappheit hinweghelfen sollen.
In einer Turnhalle und ihren Nebenräumen ist das Mehllager untergebracht, aus dem das Mehl an Bäcker und Händler abgegeben wird. Das Mehl wird in diesem wie auch in den anderen städtischen Mehllagern wöchentlich auf seine Beschaffenheit genau geprüft, etwa stickig oder warm gewordenes Mehl wird sofort zweckmäßig behandelt. Diese Vorsichtsmaßregel hat sich sehr gut bewährt und die Stadt vor Verlusten behütet.
Im Westen der Altstadt sind zwei, durch eine Fahrstraße getrennte große Felder für Kartoffelmieten eingerichtet. In langen Reihen nebeneinander sind etwas 1½ Meter breite und 90 Zentimeter tiefe Gruben aufgeworfen, sie sollen mit Kartoffeln gefüllt und diese dann mit Stroh bedeckt und mit Erde beworfen werden. Zwischen den fertigen Kartoffelmieten werden dann neue Gräben entstehen, die das Regen- und Schneewasser aufnehmen und ableiten, so daß die Kartoffeln selbst völlig trocken bleiben. Für die Zufuhr und spätere Abfuhr ist ein Bahngleis angelegt worden. So ist auch hier alles zur Aufnahme der erwarteten Kartoffeln bereit. 60.000 Zentner sollen hier eingemietet werden, das ist der Bedarf der Stadt für knapp zwei Monate.
Die Kartoffeln werden, ehe sie den Bahnwagen entnommen werden, auf ihre Güte untersucht, schlechte Ware wird weder von der Stadt selbst eingekellert oder eingemietet noch den Privathaushaltungen zum Einkellern geliefert. Auch da, wo die Kartoffeln nur vorübergehend lagern, vor dem Anschlußgleis und in den im Frieden als Ställe dienenden Gebäuden, sind überall Holzböden und Hürden aufgestellt. Verbraucher für die trotz aller Vorsicht nicht zu vermeidende Abfallware sind die städtischen Schweine, die ganz in der Nähe zur Beobachtung ihres Gesundheitszustandes vier Wochen lang eingestellt werden, um dann nach dem Dottenhof übergeführt zu werden. Hier kann jetzt auch das Familienleben dieser kostbaren Tiere beobachtet werden: zwei Mutterschweine betreuen fürsorglich ihre Jungen, die zuletzt geborenen sind erst wenige Tage alt.
In großen Kühlhallen sind die städtischen Vorräte an Speck und anderen Fetten sowie Fleisch untergebracht. Ein früheres Kühlhaus dient noch als Kartoffellager.
Im westlichen Stadtteile befindet sich in einem gemieteten Lagerhaus ein Ausgabelager für alle Waren, die als „städtische Lebensmittel“ in zahlreichen kleineren Geschäften an die Verbraucher verkauft werden. Die Geschäftsinhaber bekommen hier die Waren von Agenten, deren vermittelnde Tätigkeit sich sehr gut bewährt hat.
Eins der größten Futtermittellager ist in der Turnhalle und den Kellerräumen einer Schule untergebracht. Hier liegen aufgehäuft und in Säcken Schweinemastfutter aus Kleie, Blut und Strohmehl, Hafer und Rohzucker für die Pferde, verschiedene Oelkuchen, Heidemehl, mit dem in Bonn gute Erfahrungen gemacht worden sind, Trockenschnitzel, Obsttrester usw. Insgesamt enthält dieses Lager 7.000 Zentner Futtermittel, der Bedarf von fünf bis sechs Monaten.
So ergibt sich aus dem Besuch nur eines kleinen Teils der städtischen Lagereinrichtungen schon ein übersichtliches Bild von der Größe und Vielseitigkeit der wirtschaftlichen Aufgaben, die der Krieg den Städten auferlegt hat. Dabei muß anerkannt werden, daß trotz der zahlreichen und großen Schwierigkeiten, die die Kriegsernährung der städtischen Bevölkerung zu überwinden hatte, ernstliche Mißstände in Bonn doch nirgends hervorgetreten sind und daß die ganze Verbrauchsregelung in Bonn jetzt zur allgemeinen Zufriedenheit arbeitet. Dafür muß man der Verwaltung Dank zollen.
Was kostet die Zeichnung von Kriegsanleihe? Die Kriegsanleihe wird zum Kurse von 98 Prozent aufgelegt. Die Kriegsanleihe ist die sicherste Kapitalanlage, die es gibt. Solange das Deutsche Reich besteht, wird es den Zeichnern für sein Kapital einstehen und ihm bis zur Rückzahlung hohe Zinsen vergüten. Der Zeichner bringt kein Opfer; er hat nur Vorteil, wenn er sein Geld zur Zeichnung verwertet. Opfer sind nur denkbar, wenn er sich Geld leihen muß. Darüber, wie groß diese Opfer sind, bestehen, wie die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin mitteilen, in weiten Kreisen Unklarheiten. Die wenigsten werden wissen, daß 1.000 Mark Kriegsanleihe „14 Pfg.“ jährlich kosten. Statt 980 M. zahlt der Zeichner 955 M.; denn 25 M. darf er sich an Zinsen abziehen. Der Zeichner, der sich die 955 M. für die Kriegsanleihe anderweit beschafft, muß dafür 5¼ Prozent jährlich zahlen. Viele Bankiers haben sich für Zwecke de Kriegsanleihe bereit erklärt, ihren Kunden Geld zum Satz von 5¼ Prozent zu geben; das sind jährlich 50 M. im Jahr, opfert also 14 Pfg. bis er aus eigenen Mitteln das Darlehn zurückzahlt. 10.000 M. Zeichnung kosten 1 M. 40 Pfg. im Jahr, 100.000 M. 14 M. So billig ist diese wertvolle Waffe gegen den Feind. Jeder Deutsche kann sie gebrauchen und zu seinem Teil kräftig am Sieg mitwirken.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Nahrungs- und Futtermittelvorsorge der Stadt Bonn. Die Kartoffelvorräte werden demnächst zum Teil in den Kellern der Universität untergebracht. Die Keller sind in drei Abteilungen eingeteilt, die frisch gekälkt und deren Böden mit Lattenrosten versehen sind. Die Kartoffeln kommen in einer Höhe von annähernd einem Meter aufeinander zu liegen und sind ringsum von gekälkten Latten eingefaßt. Die ganzen Keller haben elektrisches Licht erhalten und sind mit Lüftungseinrichtungen versehen worden, so daß die Temperatur stets niedrig gehalten werden kann.
Im Ganzen richtete die Stadt bis jetzt 20 Lager für Mehl, Kolonialwaren, Futtermittel usw. ein und wird 9 Kartoffelkeller beschaffen. Ferner sind Einrichtungen vorbereitet, um 60.000 Zentner Kartoffeln einmieten zu können. Die Lager zum Einmieten sind an der Immenburgstraße hinter dem Schlachthof und der Gasfabrik angelegt. Von der Bürgerschaft sind bis jetzt 120.000 Zentner zur Eindeckung gefordert worden. Es ist dringend erwünscht, daß die Anmeldungen mit Rücksicht auf den billigen Preis, der vom 1. Oktober ab in Kraft tritt, sich noch mehren.
Die ersten Milchkühe, und zwar rund 50 Stück, sind von der Stadt eingekauft und zur Milchversorgung auf Grund von Abmelkverträgen in die Vororte eingestellt.
Ein großes Lager von Kolonialwaren ist ferner in einem Hörsaal der Universität untergebracht. Riesige Mengen Erbsen, Bohnen und Konserven sind dort aufgestapelt. Namentlich ist eine große Menge von Milchkonserven vorrätig.
Die Kartoffelmieten hinter dem Schlachthause sind mit besonderem Eisenbahnanschluß versehen und sehr zweckmäßig eingerichtet, so daß Kartoffeln dort gut untergebracht und abgeholt werden können. Es ist alle Vorsorge getroffen, um die Kartoffeln in den Mieten gesund zu erhalten.
Ein großes Lager mit Weizengries, Gerstengries und ähnlichen Waren ist auf der Endenicherstraße untergebracht.
In der Karlschule befindet sich ein bedeutendes Lager von Futtermitteln, Heidekrautmehl, Zucker mit Häcksel vermischt, ferner Rapskuchen und Mohnkuchen, Obsttrester usw. sowie Hafer und sonstige Futtermittel liegen für die Tiere dort bereit. Insgesamt ist ein Futtervorrat für fünf Monate vorhanden.
Im Schlachthof selbst sind die Großviehhallen zur Aufnahme von Kartoffeln bereitgestellt. Verschiedentlich hatte man in den letzten Tagen Kartoffeln angeliefert, die außen ganz gesund aussahen, im Innern aber aufgeplatzt und im Faulen begriffen waren. Ihre Annahme ist verweigert worden.
Kartoffelschnitzel in getrocknetem Zustande befinden sich noch in einem großen Saale an der Kölnstraße. Sie werden nicht mehr für die Kriegsküche hergegeben.
Der Straßenverkauf der Kriegsbilderbogen, der für Sonntag angesetzt war, konnte nicht abgehalten werden und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die für Bonn bestimmten Bilderbogen nicht geliefert wurden. Hierzu werden uns folgende Zeilen mit der Bitte um Aufnahme zugesandt: „Die vereinigten Bonner Frauenvereine bedauern lebhaft, daß sie den angekündigten, bestens vorbereiteten und von den beiden Gymnasien, sowie von den evangelischen und katholischen Jugendbünden freundlichst unterstützten Straßenverkauf der Kriegsbilderbogen am letzten schönen Herbstsonntag nicht haben abhalten können. Die Kanzlei des Prinzessinnenpalais hat die Bilderbogen bis heute noch nicht geliefert, trotzdem schon am letzten Dienstag von dort telegraphisch gemeldet wurde, die Absendung durch Eilpostpaket sei bereits erfolgt. Die vereinigten Bonner Frauenvereine werden die Annahme der Sendung, falls sie noch verspätet eintreffen sollte, verweigern und bedauern die von ihnen nicht verschuldete Irreführung des Publikums.“ (Vielleicht hat das Paket eine Irrfahrt angetreten, wie das im postalischen Verkehr immerhin möglich ist. Red.)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Kartoffelzufuhr für Bonn ist in den letzten Tagen wieder ein gänzlich unzureichende gewesen, trotzdem die städtische Verwaltung sich alle erdenkliche Mühe gegeben hat. Zur Zeit stehen wir daher in Bonn vor einer gewissen Kartoffelnot. Ein Hauptgrund liegt darin, daß die Eisenbahnverwaltung aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage war, die angeforderte Menge Waggons zu schaffen. In der nächsten Woche jedoch wird die Kartoffelnot unter allen Umständen behoben sein. Die Verwaltung erhofft von der Einsicht derjenigen Bürger, die noch mit Kartoffelvorräten versehen sind, daß sie in dieser Woche keine Kartoffeln entnehmen. Es wird angeordnet werden, daß die für diese Woche gültigen Kartoffelkarten auch noch für die nächste Woche Gültigkeit behalten.
Was man nicht tun soll. Die törichten Gerüchte, daß der Krieg durch einen guten Erfolg der Kriegsanleihe verlängert werden würde, werden mit köstlichem Humor folgendermaßen abgetan:
„Willst du, daß der Krieg aufhöre, so zeichne keine Kriegsanleihe, hast du Zahnweh, so hänge dich am nächsten Baume auf. Schmerzen dich deine Hühneraugen, so schneide dir die Füße ab. Drücken dich deine Schulden, so erschlage deinen Gläubiger. Schreit dein Wicklelkind, so halte es unter Wasser.“
Das sind fünf Ratschläge. Da ist einer so gescheit wie der andere.
Nur feindliche Agenten können es sein, die in Land und Stadt Gerüchte aussprengen, daß Zeichnungen auf die Kriegsanleihe den Krieg verlängern! Das Gegenteil ist wahr! Macht durch Zeichnungen auf die Kriegsanleihe die beleidigende Spekulation auf die Urteilslosigkeit des deutschen Volkes ebenso wie unser Heer die militärischen Hoffnungen unserer Gegner gründlich zuschanden!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 27. Oktober 1916
50. Fahrt des Bonner Lazarettzuges. Der Bonner Lazarettzug hat am letzten Samstag seine 50. Fahrt vollendet. Nachdem er auf seiner 49. Fahrt am 18. d. M. Verwundete nach Frankfurt am Main gebracht hatte, ist er schon am 22. von der 50. Fahrt wieder zurückgekehrt und hat seine Verwundeten in Aachen, Düren, Euskirchen, Bonn, Neuenahr, Ahrweiler abgesetzt. Bei der Rückkehr von dieser Fahrt hatten sich an der Ausladestelle Ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzessin von Schaumburg-Lippe und Vertreter des Ausschusses, darunter der Rektor der Universität, zur Begrüßung eingefunden. Auf diesen 50 Fahrten wurden im ganzen rund 12.000 Verwundete von der Front nach Deutschland gebracht, durchschnittlich also 240 auf jeder Fahrt. Weitaus die Mehrzahl der heimgebrachten Verwundeten waren Deutsche, nämlich 330 Offiziere und 11.533 Mannschaften. Die Zahl der vom Lazarettzug transportierten Gefangenen beträgt 202.
Außer zahlreichen Liebesgaben wurden bisher im ganzen 104.060,40 M. für den Lazarettzug gestiftet. [...]
Die Sommerzeit auch künftighin beizubehalten, empfiehlt ein Beschluß der letzten Sitzung der Bonner Handelskammer. Mit der Sommerzeit seien vorwiegend günstige Erfahrungen gemacht worden. Die Vorteile der neuen Sommerzeit in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung müßten anerkannt werden, sie kämen vor allem auch den Angestellten und Arbeitern zugute. Es sei daher zu empfehlen, die Sommerzeit in Zukunft schon am 1. April beginnen zu lassen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Eine interessante Kochvorführung veranstaltete gestern abend in der Germaniahalle Frau H. Kiel aus Frankurt a. M. Sie führte u. a. eine Back- und Bratform vor, mit der auf offener Gasflamme und ohne Backofen in einer halben Stunde ein vorzüglicher Kuchen bereitet werden kann. Großes Interesse wurde auch einem Apparat entgegengebracht, mit dem durch Zusatz von Milch die Buttermenge verdoppelt werden kann, ohne daß die Butter von ihrem Wohlgeschmack einbüßt. Die Vortragende gab außerdem noch wertvolle Winke für die Zubereitung von Kriegskuchen, Mus, Marmeladen usw. Die Vorführungen wurden von den zahlreich erschienenen Frauen mit lebhaftem Interesse verfolgt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
22 Verkäuferinnen der Firma Leonhard Tietz in Bonn standen am Schöffengericht unter der Anklage des Diebstahls. Sie hatten meist kleinere Sachen wie Bänder und Putzsachen etc. entwendet. Einige denen ein Diebstahl nicht nachgewiesen werden konnte, wurden freigesprochen. Die übrigen erhielten gelinde Gefängnisstrafen und Strafaufschub, offenbar deshalb, weil ihnen infolge mangelnder Aufsicht der Diebstahl nicht besonders schwer gemacht worden war.
Reichsfleischkarten. Die vom 2. Oktober d. J. ab giltige Reichsfleischkarte wird durch das städtische Lebensmittelamt für die Zeit vom 2. Oktober 1916 bis 17. Dezember 1916 ausgegeben. Diese Ausgabe erfolgt an die Empfangsberechtigten mit den Anfangsbuchstaben der Familie A-H am 26. und 27. September d. J., J-Q am 28. und 29. September d. J., R-Z am 30. September d. J. , durch die Kartenausgabestelle des städtischen Lebensmittelamtes Am Hof Nr. 1, vormittags von 8-12½ Uhr, nachmittags von 3-6 Uhr. Da gestern nur sehr wenige Einwohner ihre Fleischkarte abgeholt haben, sei nochmals daran erinnert.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 28. September 1916
Zum Erntedankfest am kommenden Sonntag erbittet die Ortsgruppe Bonn des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes Blumen, Früchte, Gemüse usw. für den Kirchenschmuck und zur späteren Verteilung an Bedürftige. Die Gaben möchten möglichst bis Samstag mittag 12 Uhr in der Kirche am Kaiserplatz abgegeben werden.
„Pensionsschweine“. Der Oberbürgermeister schreibt uns: In den letzten Tagen hat sich ein lebhafter Handel mit bereits reifen Schlachtschweinen entwickelt, die von Privaten mit der Absicht gekauft werden, sie nach sechs Wochen zur Schlachtung zu bringen. Das Landesfleischamt hat die Behörden angewiesen, diesen Handel zu verhindern, da er eine Umgehung in der strengen Durchführung der gesamten Fleischversorgung bedeutet. Es wird demnach darauf hingewiesen, daß in solchen Fällen keine Genehmigung zur Hausschlachtung erteilt werden kann. „Pensionsschweine“ werden nur dann zur Hausschlachtung freigegeben, wenn die Aufzucht und Ernährung dieser Schweine durch Küchen- oder sonstige Abfälle aus dem Haushalt oder aus den Gärten längere Zeit erfolgt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Abgefaßte Zwiebeldiebe. Am Dienstag nachmittag beobachtete ein Ackerer in Grau-Rheindorf, wie sich drei etwa 12-18jährige Burschen auf einem Felde, auf dem Zwiebeln zum Abtrocknen auf Haufen lagen, zu schaffen machten. Als der Mann auf die Knaben zuging, nahmen sie Reißaus, konnten aber in der Nähe des Rheines gestellt werden. Man fand in ihren Rucksäcken annähernd 30 Pfund Zwiebeln, die sie zurücktragen mußten. Die Namen der jugendlichen Diebe sind festgestellt.
Warnung vor minderwertigem Spiritus. In den jüngsten Wochen gelangte in Bonn Spiritus zum Preise von 1,20 M. das Liter in den Handel, der bei der Benutzung einen solchen Rauch und Gestank verbreitete, daß es schlechterdings nicht möglich war, das scheußliche Erzeugnis zu benutzen. Selbst ohne Brand war der Geruch dieses Spiritus derart, daß er in Wohnräumen nicht aufbewahrt werden konnte.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 27. Sept. Auf Anregung der Zentrale des Vaterländischen Frauenvereins hatte sich gestern nachmittag eine stattliche Anzahl von Frauen aus der Bürgermeisterei Godesberg im Saale der Geschwister Schumacher zu einer Besprechung vaterländischer Interessen versammelt. Die Vorsitzende, Frau Bürgermeister Dengler, wies darauf hin, daß es eine patriotische Ehrenpflicht eines jeden deutschen Untertanen sei, mit seiner ganzen Kraft und Habe für unser Vaterland einzutreten und empfahl, das den Dienstboten an Weihnachten zugedachte Geldgeschenk schon jetzt für dieselben auf die Kriegsanleihe zu verwenden. Dieser Gedanke fand allseitigen Beifall. Nachdem noch Frau Bächer-Imhäuser die Notwendigkeit dieser opferfreudigen Handlung beleuchtet, wurde von der Versammlung einstimmig ein dem Vorschlage entsprechender Beschluß gefaßt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Besser als in Köln? Unter dieser Ueberschrift berichtet der Kölner Stadtanzeiger: „In der gestrigen Sitzung der Kölner Wirte-Innung wurde u. a. berichtet, daß eine Kommission aus dem Vorstande bei Gelegenheit einer Reise nach Düsseldorf, Essen, Bonn, Königswinter und Mainz festgestellt habe, daß die Verhältnisse in allen andern Städten bezüglich des Fleisches besser seien, als in Köln. In den genannten Städten wurde von den Gästen keine Fleischmarke verlangt, ebensowenig wie Eiermarken. Dort könne man warmes Frühstück haben und auch Brot sei genügend vorhanden. Man habe sogar Kölner angetroffen, die eigens nach Düsseldorf, Bonn oder Königswinter gefahren seien, um „einmal ordentlich Fleisch essen“ zu können. Es wurde beschlossen, an maßgebende Stellen eine Beschwerdeschrift zu richten, damit Köln in dieser Beziehung besser versorgt werde.“ Daß unter den Städten auch Bonn genannt ist, muß jeden Kenner der Bonner Verhältnisse befremden. Wie bekannt, erhalten die Wirte in Bonn für die auswärtigen Gäste Blanko-Fleischzette, welche von den Gästen mit Namen, Wohnort usw. ausgefüllt werden. Da die Wirte genügend Karten erhalten, ist es kaum zu begreifen, wie diese Behauptung aufgestellt werden kann. Auf jeden Fall ist die „Kölner Untersuchungs-Kommission“ nicht an den letzten Tagen einer der letzten Wochen in Bonn gewesen, sonst würde sie auch in Bonn nicht haben „einmal ordentlich Fleisch essen“ können. Sollte dies trotzdem der Fall sein, so würde sich die Kommission sicher großen Dank bei den Bonner Bürgern, vielleicht auch bei der Bonner Behörde erwerben, wenn sie mitteilte, wo man in Bonn die geschätzte Gelegenheit „einmal ordentlich Fleisch essen“ zu können, hat. Es liegt gewiß im Interesse einer geregelten allgemeinen Volksernährung, eine solche Fleischquelle zu entdecken. Vielleicht dürfte es sich aber auch in Köln um die, von unserem Herrn Oberbürgermeister in der vorletzten Stadtverordnetensitzung bereits in genügender Weise beleuchtete in Bonn wie allerwärts gebrauchte Redensart handeln, die alle im Munde führen, wenn sie von einer Reise wieder nach Hause zurückkommen, daß es nämlich in X. oder U. viel besser um die Lebensmittelversorgung bestellt sei, als in ihrer eigenen Stadt. Sodann mag hier vielleicht die Gelegenheit sein, einmal darauf hinzuweisen, daß gerade bei der Fleischversorgung die Erfahrung der letzen Monate gelehrt hat: Mit der Einwohnerzahl einer Stadt wächst auch die Schwierigkeit der Fleischversorgung.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 29. September 1916
Die Reichsfleischkarte wird auch Sonntag noch auf dem Lebensmittelamt ausgegeben.
Brotzulagen für Jugendliche. Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren können von nächster Woche ab ein Viertel Brot mehr erhalten. Die Anträge dazu müssen beim Lebensmittelamt gestellt werden. [...]
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Frauen im Eisenbahndienst. In den Bezirken der preußisch-hessischen Eisenbahndirektionen werden immer mehr Frauen eingestellt und auch für den Fahrdienst ausgebildet, so daß demnächst sämtliche Triebwagenzüge mit je einer Schaffnerin besetzt werden können. Außerdem sollen die weitaus meisten D-, Eil- und Personenzüge an Begleitpersonal einen Zugführer, einen Schaffner und eine Schaffnerin erhalten. Die so überzählig werdenden Schaffner werden, soweit sie noch militärpflichtig sind, der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt, oder nach den besetzten feindlichen Gebieten abkommandiert. Nach den neuerdings ergangenen Bestimmungen besteht die Dienstkleidung der Zugschaffnerinnen aus einer Joppe und einer Mütze, wie sie von Hilfsbeamten getragen werden, und einem dunkelgrauen, bauschigen Beinkleid. Außerhalb der Bahnanlagen können die Beamtinnen Röcke tragen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Kartoffelversorgung. Vom 1. Oktober ds. Js. sind die Kartoffelpreise wie folgt festgesetzt: bei Abholung mit eigenem Gerät von dem Kartoffellager am städtischen Schlachthof 4,50 Mark für 1 Zentner, bei Lieferung frei Keller durch die Stadt oder die zugelassenen Großhändler 4,75 Mark für 1 Zentner, beim Verkauf im Kleinhandel 5,50 Mark für 1 Zentner. Die Lieferung frei Keller kann voraussichtlich nicht vor dem 15. Oktober ds. Js. erfolgen und geschieht nur zur Eindeckung des gesamten Winterbedarfs und unter der Voraussetzung, daß die Kartoffeln in geeigneten Kellerräumen untergebracht werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 30. September 1916
Feldpostbriefe. Für die kriegsgeschichtliche Einzelforschung ist es erwünscht, daß schon jetzt Feldpostbriefe mit zusammenhängenden Schilderungen aus dem Felde gesammelt und gesichtet werden. Wir sind bereit, geeignete Briefe aus dem Felde oder Abschriften davon, die uns zur Verfügung gestellt werden, der in Bonn eingerichteten Stelle zu übermitteln, sie gegebenenfalls auch in unserer Zeitung zu veröffentlichen. Die Briefe müssen Namen und Truppenteil des Absenders enthalten, die beim etwaigen Abdruck natürlich ebenso wie rein persönliche Angelegenheiten fortgelassen werden. Auch Berichte aus den Gefangenenlagern sind erwünscht.
Die Sommerzeit geht mit dem heutigen letzten Septembertage zu Ende. Um 1 Uhr nachts nach der Sommerzeit werden die öffentlichen Uhren um eine Stunde auf 12 Uhr zurückgestellt, damit ist dann die mitteleuropäische Zeit wieder in Geltung.
Ferngläser dürfen von Händlern nur an Militärpersonen u. nur gegen eine Bescheinigung ihres Truppenteils abgegeben werden. Der Händler selbst muß jederzeit in der Lage sein, den Nachweis zu führen, daß er dieser Bedingung in jedem Falle einwandfrei genügt hat. Die von den Käufern der Ferngläser übergebenen Bescheinigungen sind zu diesem Zwecke von ihm aufzubewahren.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Reichsfleischkarte. Wie aus der heute im Anzeigenteil veröffentlichten Verordnung „Fleischversorgung im Stadtkreise Bonn“ ersichtlich ist, dürfen vom 2. Oktober ab Fleisch und Fleischwaren im Stadtteile Bonn entgeltlich und unentgeltlich nur gegen die Reichsfleischkarte abgegeben werden.
Welcher Unterschied ist nun zwischen der Reichsfleischkarte und der bisher für den Stadtkreis Bonn gültigen Fleischkarte? Die Reichsfleischkarte ist gültig im ganzen Deutschen Reiche. Die bisherige Bonner Fleischkarte hatte nur Gültigkeit im Stadtkreise Bonn. Die Bonner Fleischkarte sah für die Woche 5 Fleischmarken zu je 50 Gramm Fleisch vor, die Reichsfleischkarte dagegen sieht 10 Fleischmarken mit je einem Zehntel Wochenanteil vor. Ein bestimmtes Gewicht ist also auf der Reichsfleischkarte nicht angegeben.
Der Bonner Wochenmarkt war gestern gut beschickt. An Gemüse war vorwiegend Wirsing, Rotkohl, Spinat, Blumenkohl, Kohlrabien, Karotten sowie Gurken zum Einmachen vorhanden. An Obst waren der Beschlagnahme von Aepfeln und Pflaumen wegen hauptsächlich nur Birnen, Pfirsiche und Trauben in reicher Auswahl zu haben. Auffallenderweise wurden an einer Stelle trotz der Beschlagnahme doch Pflaumen verkauft. Die Verkäuferin war natürlich von Käufern solange umlagert, bis die letzte Pflaume verkauft war. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Zu 600 Mark Geldstrafe verurteilte die hiesige Strafkammer einen Bäckermeister aus Bonn, der Honigkuchen und Backwaren aus Mürbeteig hergestellt hatte. Die Strafe fiel deshalb so hoch aus, weil der Angeklagte bereits fünfmal wegen Uebertretung der Bundesratsverordnungen bestraft ist, zuletzt mit 300 Mark. Der Staatsanwalt betonte, daß es ihm schwer falle, in diesem Falle von der Beantragung einer Gefängnisstrafe abzusehen; er beantragte 1000 Mark Geldstrafe. Die betreffenden Verordnungen seien zum Schutze des Vaterlandes erlassen worden und wer sie so oft übertrete wie der Angeklagte, verdiene eigentlich eine empfindliche Gefängnisstrafe. Das Gericht bemerkte bei der Urteilsverkündigung, daß dies die letzte Geldstrafe sei für den Angeklagten, bei der nächsten Uebertretung werde man unweigerlich auf eine Gefängnisstrafe erkennen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)