Bonn 1914-1918
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Sonntag, 26. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. März 1916Die nationalliberale Frauengruppe hielt vorgestern abend eine sehr gut besuchte Mitglieder-Versammlung ab, in der Frau Krukenberg aus Kreuznach etwa folgendes ausführte: In den letzten Monaten machte sich ein gewisser Gegensatz zu der gehobenen, einheitlichen Stimmung von früher bemerkbar. Es sei das ganz natürlich und ergebe sich aus den im Kriege immer mehr veränderten Verhältnissen, aber ohne etwas beschönigen zu wollen, könne man doch feststellen, daß unser Volk noch immer die gleiche Siegeszuversicht und den gleichen Willen zum Durchhalten hat, wie zu Beginn des Krieges. Bei der Lebensmittelversorgung ruhe die Riesenlast der Arbeit auf den wenigen Männern, die zu Hause geblieben seien. Leider fänden diese Männer häufig genug nicht die genügende Unterstützung bei der Allgemeinheit, da es an dem richtigen Brotkartengeist noch immer fehle und jeder gern seine eigenen Wege gehe. In Kreuznach sei es gelungen, die Lebensmittelversorgung mit großem Erfolg in die Hände der Frauen zu legen. Fett- und Butterverteilung sei dort durch die Frauen so geregelt, daß jeder sein Teil bekomme, und dadurch, daß die Einrichtung gerecht und zu verlässig arbeite, sei die Stimmung der Bevölkerung in ruhigere Bahnen gelenkt worden. Man habe dadurch auch erreicht, was beim Verteilen durch Geschäfte nicht möglich sei: Fühlung mit den Frauen zu nehmen und durch die Einwirkung von Mensch zu Mensch die gute Stimmung wachzuhalten. Auch bei der Zusammenarbeit von Stadt und Land könne die Frau ausgleichend wirken. Die Stadtfrauen müßten wieder Landarbeit lernen, je mehr sie selbst arbeiten, desto mehr Vertrauen bringe ihnen der Bauer entgegen. Frau Krukenberg kam sodann auf die Wohnungsfrage zu sprechen, die für die zurückkehrenden Krieger in würdiger Weise gelöst werden müsse. Es müßten Kriegerheimstätten gegründet, das Wohnungswesen müsse überhaupt ausgebaut werden. Es sei Pflicht der nationalliberalen Frauen, auf alle diese Fragen hinzuweisen und zu verlangen, daß besonders bei der Lebensmittelversorgung Frauen eingestellt werden, da gerade auf diesem Gebiete die Frau doch sachverständiger sei als der Mann. [...]

Tödlicher Unglücksfall. Ein Soldat stürzte gestern vormittag gegen 11 Uhr vom Dache des Städtischen Gymnasiums in den Schulhof. Er war sofort tot.

Den jüdischen Mitbürgern gibt der Oberbürgermeister Gelegenheit, in der Zeit vom 1. bis 25. April jüdisches Osterbrot zu beziehen. Wir verweisen auf die Bekanntmachung in dieser Zeitung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Arndt-Eiche in Eisen. Der Verkehr an der Arndt-Eiche war in der verflossenen Woche nicht so rege wie in den Wochen zuvor. Immerhin stieg, besonders infolge größerer Zuwendungen, darunter der des Bonner Handwerks, die Gesamteinnahme auf 54.600 Mark.
  
Von Korporationen erschienen zur Nagelung ferner der Eifelverein, Ortsgruppe Bonn und der A. H. Verband des Coburger L. C. in Bonn.
   Heute, Sonntag, nachmittags 4½ wird der M.-G.-B. Freundschaftsbund die feierliche Nagelung vornehmen.
   Der Betrag des eingetauschten Goldes ist auf 9400 Mark gestiegen.

Ueber die Kriegsgefangenenlager in England wird am Dienstag Herr Pastor Rosenkranz in der Aula des städtischen Gymnasiums einen Vortrag halten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Eine Erhöhung der Gaspreise ist geplant. Der Preis für Leucht-, Koch- und Heizgas soll auf 14 Pfg. das Kubikmeter erhöht werden, für Kraftgas und Gas zu technischen Zwecken soll auf 10 Pfg. bestehen bleiben, für technische Zwecke nur dann, wenn der monatliche Verbrauch mindestens 100 Kubikmeter beträgt. Kraftgas für Gasmotoren, die elektrisches Licht erzeugen, kostet 14 Pfg.

Die Hundesteuer soll in der Weise erhöht werden, daß sie beträgt für einen Hund 40 Mark, für jeden weiteren Hund 60 Mark.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 27. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. März 1916Ausstellung von Kindergärtnerinnen-Arbeiten im Lyzeum Klostermann. In der Aula der Klostermannschen Anstalt waren am Samstag die Arbeiten ausgestellt, die von den geprüften Kindergärtnerinnen während ihrer Ausbildungszeit angefertigt wurden. Wer Sinn für die Zierlichkeit weiblicher Handarbeiten, für die Anmut und die Liebenswürdigkeiten weiblicher Phantasie hat, der mußte an diesen Arbeiten seine helle Freude haben. Vor allem aber, und das ist das Wichtigste und Entscheidende, bewiesen alle Arbeitend er Ausstellung, mit welcher Liebe, mit welchem großen Verständnis die jungen Damen sich in die Vorstellungswelt des Kindes eingefühlt haben. Die Kindergärtnerinnen, die diese Arbeiten mit so viel Geschicklichkeit und oft zärtlicher Liebe ersonnen und angefertigt haben, werden dem Namen ihres schönen Berufes Ehre machen. Werden wirkliche Kindergärtnerinnen sein und die vielen jungen Menschenpflanzen, die man ihrer Obhut anvertraut, zum Guten leiten. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. März 1916Der Bonner Bergwerks- und Hüttenverein besteht nach dem Bericht des Aufsichtsrates augenblicklich 60 Jahre. Der Betrieb mußte im vergangenen Jahr dem verminderten Absatz angepaßt werden. An Betriebsschwierigkeiten und Unterbrechungen habe es nicht gefehlt. Der Betrieb in den Kalksteinbrüchen und Tongruben war nicht nur dem verminderten Bedarf angepaßt, sondern litt ebenfalls unter Arbeitermangel. Der Betrieb ruhte nicht nur in den älteren Anlagen, sondern auch die Drehöfen waren nur teilweise beschäftigt. Seit Kriegsausbruch wurde 161 Werksangehörige zum Heeresdienst einberufen. Fünf davon starben den Heldentod, fünf erhielten das Eiserne Kreuz 2. Klasse, ein Prokurist außerdem den Badischen Hausorden vom Zähringer Löwen. Für Kriegsunterstützungen an die Angehörigen der im Felde stehenden Arbeiter wurden 27.926 Mk. verwendet. Der Bericht besagt, daß das abgelaufene Geschäftsjahr unter der Einwirkung der durch den Krieg herbeigeführten außerordentlichen Verhältnisse stand. Es wird dann Beschwerde geführt über die Tätigkeit des Rheinisch-Westfälischen Zementverbandes zu Bochum. Die Opfer, welche das Werk im allgemeinen Interesse dem heutigen Bochumer Verbande bringe, könne es einem neuen gegenüber auch nicht noch weiter vergrößern. Die Jahresabgaben an den Verband seien nicht weit entfernt von einem Drittel des Reingewinnes. [...] Die Hauptversammlung findet am 8. April in Bonn statt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Dienstag, 28. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Goldsammlung. Die hiesigen Vaterländischen Vereinigungen haben eine Goldsammelstelle in der hiesigen Diskonto-Gesellschaft am Münsterplatz eingerichtet. Sie wechseln dort Goldmünzen um und kaufen alle Goldsachen zum Goldwert an. Wir verweisen auf den Aufruf in dieser Zeitung.

Den Hofgarten mit Kartoffeln zu bebauen, ist in letzter Zeit in mehreren Zuschriften an uns angeregt worden. Diesen Anregungen gegenüber seien die Hauptgründe mitgeteilt, mit denen die städtische Gartenverwaltung ihren ablehnenden Standpunkt rechtfertigt. Die Hofgartenwiese enthält so viel altes Mauerwerk und Schutt, daß sie nicht umgepflügt werden kann, sondern umgegraben werden müßte. Für diese Arbeit fehlt es der Gartenverwaltung an den genügenden Arbeitskräften. Es könnte aber auch nur ein Teil der Hofgartenwiese für den Anbau in Frage kommen und ringsum müßte ein zirka 50 Meter breiter Streifen frei bleiben, denn auf diese Entfernung etwa würden die weitreichenden Wurzeln der alten Bäume des Hofgartens den Kartoffeln die Nahrung entziehen. Auch der Kartoffelbau auf dem mittleren Teil der Hofgartenwiese würde in den ersten Jahren nicht ertragsfähig genug sein, daß sich der Anbau verlohnte.

Bonner Lichtspiele. Der neue Spielplan bringt an größeren Filmen das vieraktige Schauspiel „Der Liebestod“ mit der bulgarischen Hofschauspielerin Lona Bartelana in der Hauptrolle, das vieraktige Drama „Der Spieler“ und das dreiaktige Lustspiel „Der Onkel aus Amerika“.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Allgemeiner Deutscher Sprachverein. In großen Hörsaale der Universität sprach gestern der Vorsitzende des Gesamtvorstandes des Allg. Deutschen Sprachvereins, Wirkl. Geheimer Oberbaurat DR. Sarrazin aus Berlin über die deutsche Sprachbewegung im Weltkriege, indem er die dreißigjährige Arbeit des Vereins schilderte und einige der von ihm herausgegebenen Verdeutschungshefte vorlegte, von denen namentlich das für das gesamte Webefach, für den Deutschen Bühnenverein, für die Versicherungswissenschaft, für das Weinfach, das Buchdruck- und Tabakgewerbe, den Feinkosthandel große, ungeteilte Anerkennung gefunden haben. Eine Folge des Krieges ist die verständnisvolle und wirksame Fürsorge, die jetzt unserer Behörden der Pflege der deutschen Sprache widmen, allen voran die Oberste Heeresleitung mit ihren Kriegsberichten. Da sich der Sprachverein, der jetzt etwa 40.000 Mitglieder zählt, eines großen Stabes von Sachverständigen erster Ordnung erfreut, um den jeder andere Verein ihn beneiden könnte, - die angesehensten Germanisten an 26 deutschen und österreichischen Universitäten gehören ihnen an – so hat seine Pflege unserer Muttersprache, sein Kampf um ihre Schönheit und Reinheit, allen kleinlichen Anfeindungen und allem Unverstand zu Trotz weiter erfreuliche Erfolge aufzuweisen, die ihn zu den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen.
  
Der Vorsitzende des Bonner Zweigvereins, Pastor Dr. Richter, begrüßte den Redner und die Versammlung, der vor Beginn und nach Schluß des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags vaterländische Chorgesänge und die Wiedergabe von Felix Dahn’s Gedicht „An unsere Sprache“ geboten wurden.

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Ein französischer Flieger, der von einem Bonner Jungen am 22. ds. Mts. in Frankreich, ganz in der Nähe der Front, gefangen genommen wurde, traf gestern abend mit der Post in unserer Redaktion ein. Die lange Reise hatte den Ausländer arg mitgenommen, denn als man die Streichholzschachtel öffnete, lag er bewußtlos auf dem Rücken und gab kein Lebenszeichen mehr von sich. Durch Anhauchen kam der Maikäfer, denn um einen solchen handelte es sich, bald wieder zu sich und krabbelte lustig auf dem Redaktionstisch umher. Für sein weiteres Fortkommen wird Sorge getragen.

Für Jutestoffe, die uns augenblicklich fehlen, haben wir einen vollwertigen Ersatz an Papierfabrikaten. Es werden wesentlich aus Papier hergestellt: Stoffe jeder Art, Seile, Stricke und Bindfaden. Die mit diesen Erzeugnissen seit Jahren gemachten Erfahrungen können als gut bezeichnet werden. Es sei besonders betont, daß wir uns bezüglich der Jute vom Ausland völlig unabhängig gemacht haben und daß diese Unabhängigkeit auch nach Friedensschluß ihre Wirkung zeitigen wird.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1916Städtisches Einkaufsamt. Durch die Verbindung der Nahrungsmittelversorgung der Bürgerschaft mit der städtischen Armenverwaltung und die stets umfangreicher werdenden Arbeiten gerade dieser beiden augenblicklich sehr wichtigen städtischen Verwaltungszweige sind in letzter Zeit Schwierigkeiten hervorgetreten, die es zweckmäßig erscheinen lassen, beide Abteilungen zu trennen. Es wurde daher ein besonderes städtisches Einkaufsamt geschaffen, dessen Leitung Herr Beigeordneter Piehl übernommen hat. In Gemeinschaft mit der neugewählten Arbeitskommission und der Preisprüfungsstelle wird das Einkaufsamt die Arbeiten der Lebensmittelversorgung übernehmen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 29. März 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. März 1916Mit den geplanten neuen Reichssteuern, der Erhöhung der Tabakabgaben, dem Quittungsstempel, der Reichsabgabe zu den Postgebühren und dem Frachturkundenstempel für Stückgüter, hat sich die Bonner Handelskammer in ihrer letzten Sitzung beschäftigt. Das Ergebnis der eingehenden Erörterung ist dahingehend zusammenzufassen, die Kammer bedauere es lebhaft, daß wieder zu Steuern gegriffen werden soll, die nicht gleichmäßig die ganze Bevölkerung treffen, sondern vorwiegend von Handel und Gewerbe aufzubringen sind. Es müßte eine derartige Belastung das Gefühl einer unbilligen Behandlung wachrufen. Angesichts der Lage aber, die durch en Krieg hervorgerufen worden ist, und der Notwendigkeit der Aufbringung neuer Mittel will die Kammer davon Abstand nehmen, sich – mit Ausnahme der Quittungssteuer – gegen die übrigen in Vorschlag gebrachten Steuern auszusprechen, in der bestimmten Erwartung allerdings, daß die vorgeschlagenen Steuern nur während des Krieges erhoben werden und daß nach dessen Beendigung von neuem darüber eingehende Erörterungen angestellt werden, auf welche Weise die Mittel zu Deckung eines etwaigen Fehlbetrages im Haushalt aufgebracht werden sollen. Mit der Einführung der Quittungssteuer aber vermag sich die Kammer auch jetzt nicht einverstanden zu erklären, weniger wegen der Belastung an sich, als vielmehr wegen der damit für Handel und Verkehr verbundenen Belästigungen und der Vermehrung der Abfertigungsarbeit. Die Steuer würde sowohl den allgemeinen Warenhandel, aber besonders auch den Kleinhandel in erheblichem Maße treffen und diesen bezüglich einer etwaigen Abwälzung auf das kaufenden Publikum große Schwierigkeiten bereiten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. März 1916Ein Studentinnenheim in vornehmer Lage und in unmittelbarer Nähe der Universität, wird, wie im Auftrage des Kuratoriums die Ferienvertretung des Katholischen Studentinnen-Vereins Hrotsvit mitteilt, am 1. Mai seine Tore den jungen Damen, die in Bonn studieren, zu ständigem Aufenthalt öffnen. Sehr geräumige, gediegen eingerichtete Zimmer dienen zur Aufnahme einer kleinen Anzahl junger Damen. Die Leitung der Küche liegt in bewährten Händen. Auch solche, die nicht im Hause wohnen, können dort vorzüglichen Mittag- und Abendtisch finden. Ein Gesellschaftszimmer bietet Gelegenheit zur Unterhaltung und auch die geistige Nahrung wird zu ihrem Recht kommen durch eine kleine Bibliothek und zahlreiche ausliegende Zeitungen und Zeitschriften. Ein großer schattiger Park schließt sich dem neuen Heim an, das zu Mittelpunkt des geistigen Interesses der katholischen Studentinnen werden soll.

In den Feldern und Wiesen entwickelt die Frühlingsnatur jetzt eine wunderbare Kraft. Kornfelder und geschützt gelegene Wiesen lassen nach den Regentagen frisches saftiges Grün erkennen. Das Feld zeigt sich in diesem Jahre in seltener Ordnung. In der Nähe der Städte sind die Brachflächen in Kulturland umgewandelt. An den bekannten Nachlässigen jeder Gemeinde hat das gute Beispiel der Fleißigen und die Teuerung kräftig gerüttelt. Die Gemeinden haben überall zur Selbstbebauung der Ackerflächen zugegriffen, wo es an Arbeitskräften fehlte. Unsere landwirtschaftliche Bestellung zeigt vielerorts ein erfreuliches, vielversprechendes Bild. Die für die Landwirtschaft so wichtige reichliche Feuchtigkeit des Frühlings gibt auch dem Walde einen sicheren Naturschutz gegen Waldbrände.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zum Anbau von Gemüse. Auf die von der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz herausgegebene Gemüsesondernummer der Rhein. Monatsschrift für Obst-, Garten- und Gemüsebau wird hiermit aufmerksam gemacht. Der Inhalt dieser Nummer zeigt dem Gartenbesitzer, dem Landwirt, sowie dem berufsmäßigen Gemüsezüchter den Weg zu einem vermehrten und dabei sachgemäßen Gemüsebau, zumal in den nächsten Monaten Gemüse eines der wichtigsten Nahrungsmittel bilden wird. Hefte stehen zum Preis von 15 Mark für 100 Stück bei der Landwirtschaftskammer zur Verfügung.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 30. März 1916

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. März 1916Bismarck-Feier. Vaterländische Vereine wollen auch in diesem Jahre den 1. April nicht vorübergehen lassen, ohne ihn als Bismarck-Gedenktag hervorzuheben. Am Abend wird in dem Festsaale der Lese- und Erholungs-Gesellschaft eine Versammlung stattfinden, bei der sich eine anregende und reiche Festordnung abwickeln wird. Vorträge eines Gesangvereins feldgrauer Helden aus Godesberg unter Leitung von Musikdirektor Werth, der Kapelle des Landsturmbataillons unter Kapellmeister John und gemeinschaftliche Lieder werden den Rahmen abgeben zu Ansprachen und einer Festrede, welche der als vorzüglicher Redner bekannte Frhr. v. Vietinghoff-Scheel aus Mainz zum Gedächtnis unseres unvergeßlichen Altreichskanzlers, des Fürsten Otto von Bismarck, halten wird. Voraussichtlich dürfte es angezeigt sein, sich an dem Abend recht pünktlich, gegen 8½ Uhr, einen Platz zu sichern.

Das Garnisonskommando macht bekannt: Den Besitzern von Schankwirtschaften wird hiermit verboten, genesenden Militärpersonen (in Lazarettbehandlung befindliche Soldaten) alkoholhaltige Getränke zu verabfolgen. Ebenso werden alle Zivilpersonen dringend ersucht, genesenden Militärpersonen alkoholhaltige Getränke nicht zu verabreichen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Maßhaltung bei Gelegenheit der Feier der ersten Kinderkommunion. Das erzbischöfliche Generalvikariat in Köln ersucht im Kirchlichen Anzeiger die Geistlichkeit, in Verein mit den Lehrpersonen nachdrücklich darauf hinzuwirken, daß in Anbetracht der harten Kriegszeit bei der Erstkommunion aller überflüssiger Aufwand für Kleidung, Schmuckgegenstände, sowie in Bezug auch auf die häusliche Feier vermieden werden soll. Es wird ferner dringend empfohlen, daß, falls nicht etwa von dem herkömmlichen Gebrauch von Kerzen für dieses Jahr ausnahmsweise abgesehen wird, wenigstens aller kostspielige Schmuck der Kerzen fortfallen möge und zur Vermeidung des Unterschiedes zwischen Arm und Reich alle Kommunionkinder eine einfache Kerze von gleichem Gewicht erhalten sollen.

Stadthalle. Nach Auflösung des städtischen Orchesters werden die hiesigen Militär-Kapellen in der Stadthalle konzertieren.

Vom Brückenmännchen. „Hast du schon gehört, Pitter, sie schlagen den Beueler Brückenpfeiler halb herunter.“ – „Ei, warum dat dann?“ – „Et Brückemännche will Soldat werden!“ –

Die erste Schwalbe wurde gestern am Rhein in der Nähe des Alten Zoll beobachtet.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Freitag, 31. März 1916

     

Zur Stoffbeschlagnahme. Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, versuchen Händler, Kleider und andere Stoffe aufzukaufen, die nicht unter die Beschlagnahme fallen. Vielfach bieten sie Kleinhändlern hohe Preise, um dadurch die Waren an sich zu bringen. Daher wird noch mal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Kleinhändler die freigegebenen Vorräte nur unmittelbar an die Verbraucher in Mengen unter einem halben Stück bzw. einem halben Dutzend veräußern darf, und zwar nur zu einem Verkaufspreise, der den zuletzt vor dem 1. Februar erzielten Preis nicht übersteigt. Kleinhändler, die entgegen diesen Vorschriften Waren an aufkaufende Händler abgeben, haben die sofortige Enteignung und Beschlagnahme der freien Warenvorräte zu gewärtigen, sie laufen auch Gefahr, aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen bestraft zu werden. Andererseits müssen es die Kleinhändler als ihre Pflicht betrachten, beim Auftauchen derartiger Aufkäufer die zuständige Polizeibehörde unverzüglich davon zu benachrichtigen.

Das Städtische Orchester gibt nächsten Sonntag, nachmittags 4 Uhr, noch ein Abschiedskonzert in der Stadthalle, dessen Ertrag den Mitgliedern des Orchesters, auch den im Felde stehenden, zugute kommen soll.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Der Provinzialverband der Schuhhändler von Rheinland und Westfalen hat in seiner letzten Hauptversammlung folgenden Beschluß gefaßt: Der Verband will denjenigen Mitgliedern, die im Felde stehen und deren Existenz erschwert oder teilweise vernichtet ist, zur Wiederaufrichtung der Existenz verhelfen und größere Kapitalien bereitstellen. Schon in der ersten Sitzung wurden zu diesem Zwecke 5000 Mk. gezeichnet, und man erhofft noch namhafte Beträge, so daß man wirklich etwas Ersprießliches zu leisten imstande ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Katzensteuer. Sie haben im Donnerstags-Blatt gemeldet, daß die Finanzkommission der Godesberger Gemeindeverordneten die beantragte Katzensteuer abgelehnt hat mit der Begründung: „Man dürfe den Frauen ihre liebsten Gespielen nicht ohne Not besteuern.“ – Ist denn die Frauenwelt Godesbergs so gelangweilt, daß sie in dieser schweren Zeit nichts besseres zu tun hat, als mit Katzen zu spielen? Kann sie sich statt dessen nicht eigener oder fremder Kinder annehmen und diesen die Milch zukommen lassen, welche die Katzen naschen? Kann sie nicht - falls alle anderen Fähigkeiten mangeln – mit Puppen spielen? Hat sie denn gar kein Mitleid mit unseren lieblichen, so überaus nützlichen Singvögeln, die massenhaft von Katzen ermordet werden? Dann könnte die Godesberger Frauenwelt uns wahrhaftig leid tun! – Aber wir schätzen sie nicht so niedrig ein. Daß jedoch Männer die Anlehnung der Steuer so begründen, macht wirklich keinen erhebenden Eindruck. Man pflegt doch sonst Rat und Gutachten von Sachverständigen zu hören über strittige Fragen. Warum achtet man nicht auf das Urteil des Herrn Förster Esser, der sicher befähigt und berufen ist, eine entscheidende Ansicht zu äußern?
Honnef, 31. März. Prof. Dr. W.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Vortrag über Kriegsgefangenenlager. Auf Veranlassung der städtischen Zentralstelle für Auskunftserteilung, Abteilung Ermittlung von Kriegsgefangenen und Vermißten hielt gestern abend in der Aula des städtischen Gymnasiums Herr Pfarrer Lic. Rosenkranz einen Vortrag über die Kriegsgefangenenlager, die er als Pfarrer der Deutschen Kirche in Liverpool von Dezember 1914 bis Ende Juni 1915 besucht hatte. Er schilderte die Art, wie unsere Landsleute dort untergebracht sind, und die Eindrücke, die er von der Behandlungsweise der englischen Behörden empfangen. Namentlich gab er Aufschluß über die Mittel und Wege, unsere Kriegsgefangenen in England zu beschäftigen; teils mit Handarbeiten, teils mit Unterrichtsstunden, und erzählte von geselligen und gottesdienstlichen Veranstaltungen, die er drüben in den Gefangenenlagern miterlebt hatte. – An den Vortrag schloß sich eine kurze Besprechung, in der besonders aus den Kreisen der Angehörigen unserer gefangenen Landsleute Fragen an den Vortragenden gestellt wurden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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