Bonn 1914-1918
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    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
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      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
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Sonntag, 11. Juni 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. Juni 1916Die Schülerinnen des Lyzeums Klostermann sandten der Besatzung von S.M.S. „Rheinland“, von der sie vor einigen Monaten ein großes Bild für ihre Aula erhalten hatten, nach dem Seesieg am Skagerrak folgenden Drahtgruß:

Euch. Ihr tapferen. Blauen Jungen,
Die ihr die englische Flotte bezwungen,
Viel tausend Grüße vom Rheinesstrand,
Hoch lebe die Besatzung von S.M.S. „Rheinland“!
Lyzeum Klostermann Bonn.

Am Freitag, leider eine Stunde nach Schulschluß, traf die folgende Drahtnachricht ein:

Lyzeum Klostermann, Bonn,
Frohbewegt danke ich im Namen der ganzen Besatzung für Ihre gütigen Worte und Grüße, die wir herzlich erwidern.
Rohardt, Kapitän zur See und Kommandant.

Verbot des Radfahrens. Der Gouverneur der Festung Köln hat eine Verordnung erlassen, durch die jede Benutzung von Fahrrädern zu Vergnügungsfahrten und zu Sportzwecken verboten wird.

Die Billardtuche sind beschlagnahmt! Wiederholte Anfragen aus beteiligten Kreisen geben Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß auch die Billardtuche als Stoffe zur Oberbekleidung für das Heer, die Marine und Gefangene beschlagnahmt sind und bei dem Webstoffmeldeamt, Kriegs-Rohstoffe-Abteilung des Königlich-Preußischen Kriegsministeriums, Berlin S. W. 48, Verlängerte Hedemannstraße Nr. 11, anzumelden sind.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeigen im General-Anzeiger vom 11. Juni 1916Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe bringt, wie uns geschrieben wird, jetzt in seiner Verkaufsstelle im Universitätsgebäude Am Hof ein Kindermilchmehl zum Verkauf, das ganz vorzüglich ist. Einige Damen haben es ausprobiert und sich sehr befriedigt darüber ausgesprochen.
   Wir möchten die Bonner Hausfrauen ganz besonders darauf hinweisen und sie bei dieser Gelegenheit dringend bitten, für erwachsene Mitglieder ihres Haushaltes Milchersatzmittel zu verbrauchen und nur den Kindern frische Milch zu geben. Sie schränken auf diese Weise den Milchverbrauch ein und die Milch kann in größeren Mengen an kinderreiche Familien, an Kranke, an Schulen und Kinderhorte abgegeben werden. Zugleich möchten wir an dieser Stelle wiederholt auf die hauswirtschaftliche Beratungsstelle hinweisen, die, neben den Räumen des allseits bekannten Marmeladeverkaufs gelegen, täglich geöffnet ist und wo wohlunterrichtete Damen bereitwilligst Auskunft geben über alle Fragen der jetzt so schwierigen Haushaltsführung.
   In der Bekleidungsfrage wende man sich um Rat und Hilfe an die Beratungsstelle Martinstr. 6, die jeden Mittwoch und Samstag vormittag von 9 – 12 Uhr geöffnet ist, und wo eine erfahrene Schneiderin unentgeltlich praktischen Rat erteilt über zeitgemäße und sparsame Art de Bekleidung und vor allem über vorzunehmende Änderungen der vorhandenen Sachen.
   Im Hinblick auf die Zuckerknappheit und die daher gebotene Sparsamkeit in der Verwendung von Zucker wird der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe in wenigen Tagen einen Vortrag halten lassen über das Einkochen ohne Zucker.
   In der Beratungsstelle Am Hof ist eine Sammlung von gut gereinigten und getrockneten Obstkernen, von Korken und kleinen Tintenfläschchen eingerichtet. Die letzteren sollen deshalb gesammelt werden, weil es in den Fabriken sehr schwer wird, jetzt genügend Fläschchen zu bekommen. Darum bitten wir herzlich, recht viele zu geben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 11. Juni 1916Ernteferien. Um der Schuljugend Gelegenheit zu geben, sich an der Ernte zu beteiligen, ist von mehreren Regierungspräsidenten für ihre Verwaltungsbezirke eine Zusammenlegung der Sommer- und der Herbstferien angeordnet worden.

Der Schützengraben an der Artilleriekaserne ist nur noch für die Pfingsttage zur Besichtigung freigegeben. Nach den Feiertagen wird er zugeworfen werden. Die Gebühren der Besichtigung sind für Kriegswohlfahrtszwecke.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Montag, 12. Juni 1916

 

Am Pfingstmontag erschienen in Bonn keine Zeitungen.

Dienstag, 13. Juni 1916

    

Die Pfingstfeiertage waren im allgemeinen kalt und trübe. Selten nur ließ sich die Sonne blicken, häufig aber gab es kalte Regenschauern, ja Sonntag nachmittag ging über Bonn sogar ein Hagelwetter nieder. Das unerfreuliche Pfingstwetter hinderte daher manchen Städter, seine geplanten Pfingstunternehmungen durchzuführen. Der Ausflugsverkehr war infolgedessen verhältnismäßig gering. Die Rheindampfer und die Siebengebirgsbahn waren zwar gut besetzt, weil das Siebengebirge an den Feiertagen auch aus weiterer Entfernung viel besucht wird, es hätten aber noch viel mehr Leute fahren können, und in den Zügen der Staatsbahn sah man manchen leeren Wagen. Auch die schönen Waldwege auf dem Venusberg und die Bonner Rheinanlagen waren nicht so stark belebt, wie man es an guten Sommertagen gewöhnt ist. Dagegen füllten sich die größeren Wirtschaften in der Altstadt schon zu verhältnismäßig früher Tageszeit.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Keinerlei Schriften oder Drucksachen dürfen von Reisenden über die Reichsgrenze gebracht werden.

Wer Briefe, Postkarten oder schriftliche oder gedruckte Aufzeichnungen, die Briefe oder Postkarten zu vertreten bestimmt sind, unbefugterweise unter Umgehung des ordentlichen Postweges von oder nach dem Auslande über die Reichsgrenze bringt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Sind mildernde Umstände vorhanden, so kann auf Haft oder Geldstrafe bis zu 1500 Mark erkannt werden.

Einschränkung des Radfahrens. Der Herr Gouverneur der Festung Köln hat eine Verordnung erlassen, durch die jede Benutzung von Fahrrädern zu Vergnügungsfahrten und zu Sportzwecken verboten wird. Der vollständige Inhalt dieser Verordnung ist an den öffentlichen Anschlagstellen und in den amtlichen Zeitungen einzusehen.

Städtischer Speckverkauf an der Maxstraße. Wir werden gebeten, nochmals darauf hinzuweisen, daß der Verkauf von Speck nur gegen Fleischmarken unter Vorlage des Brotbuches geschieht. Lieder müssen häufig Bürger abgewiesen werden, weil sie das Buch nicht vorlegen können, Fleischmarken allein genügen nicht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Pfingsten. Die diesjährigen Pfingsttage entsprachen in vieler Beziehung nicht den gehegten Erwartungen. In erster Linie war dies dem kalten, unfreundlichen Wetter zuzuschreiben, besonders am ersten Tage, während sich am zweiten Tage die Witterung immerhin etwas besserte und mit ihr auch der Verkehr. (…) Den ganzen Rückgang an Verkehr dem schlechten Wetter zuzuschreiben, wäre jedoch verfehlt; da gewiß auch die große Not der Zeit dazu beitrug, u. a. die großen Verpflegungsschwierigkeiten. Hoffen wir, daß die nächsten Pfingsten in glücklicher Friedenszeit uns antreffen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 14. Juni 1916

   

Reichs-Familien-Unterstützung. Die Auszahlung der Reichs-Familien-Unterstützung an die Angehörigen der einberufenen Mannschaften, welche bisher an die Inhaber der Ausweiskarten Nr. 1 bis 4000 im Universitäts-Gebäude, Am Hof, geschah, erfolgt vom 16. Juni ab an diese Karteninhaber in dem Hause Am Hof 14, Ecke Römerplatz. Auf die im Anzeigenteile enthaltene Bekanntmachung wird besonders hingewiesen.

Im Hofgarten ist gestern mit der Heuernte begonnen worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 14. Juni 1916Der Rhein ist durch die anhaltenden Regengüsse in den letzten Tagen stark gestiegen. Heute früh wurden am hiesigen Pegel 3,50 Meter Wasser gemessen. Für die Schiffahrt ist der gegenwärtige Wasserstand recht günstig, da auch die größten Schleppkähne ihre Fahrten rheinaufwärts bis Straßburg ausdehnen können.

Verfüttern von Kartoffeln. Nach einer Bekanntmachung in der heutigen Nummer unseres Blattes dürfen Kartoffeln vom 10. Juni ab nicht mehr verfüttert werden. Ausnahmen werden nur für Kartoffeln gestattet, die sich nachweislich zur menschlichen Ernährung nicht mehr eignen. Bis 15. August dürfen Viehbesitzer an ihr Vieh insgesamt nicht mehr Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei verfüttern, als auf ihren Viehbestand entfällt, und zwar an Pferde höchstens 2½ Pfund, an Zugkühe 1¼ Pfund, an Zugochsen 1¼ Pfund und an Schweine ½ Pfund täglich. Kartoffelstärke und Kartoffelstärkemehl dürfen nicht verfüttert werden. Zuwiderhandlungen werden schwer bestraft.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Preistreiberei auf dem Wochenmarkt. Trotz aller Verordnungen nimmt die Preistreiberei auf dem hiesigen Wochenmarkt immer mehr zu. Am Samstag beobachtete ich, wie eine Verkäuferin den Spargel für 70 Pf. das Pfund anbot; als aber ihre Nachbarin 80 Pf. verlangte, forderte sie auch 80 Pf. Eine andere Verkäuferin verlangte sogar 1.10 M. für das Pfund Spargel. Das Gemüse ist auch nicht mehr zu bezahlen. Am Samstag kaufte ich für eine Mark Gemüse; als es gekocht war, hatte ich so wenig, daß meine aus 4 Personen bestehende Familie nicht einmal halbwegs genug hatte. Weshalb werden eigentlich derartige Preise für Gemüse gefordert, das doch in diesem Jahre so gut geraten ist. Im vorigen Jahr war das Gemüse doch nicht halb so teuer. Wie ich höre, sind in Köln sogen. Nichtpreise für Gemüse eingeführt worden, die nicht überschritten werden dürfen. Das könnte doch in Bonn auch gemacht werden, damit man sich bei dem Mangel an Fleisch und Eiern wenigstens an Gemüse satt essen kann. Eine Kriegerfrau.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Butter- (Margarine-)Verkauf. Die Butter- (Margarine-)Karte berechtigt den Inhaber in dieser Woche zum Bezuge von ein Fünftel Pfund Butter oder Margarine für jede Person seines Hausstandes. Nach dem auf der 1. Innenseite der Brotbücher aufgedruckten Nummerstempel darf Butter oder Margarine nur abgegeben werden: am Mittwoch an Nummer 4, am Donnerstag an Nummer 1, am Freitag an Nummer 2, am Sonnabend an Nummer 3 und soweit noch Vorrat vorhanden ist, an alle Brotbuchinhaber. Der Preis der Auslandsbutter ist festgesetzt worden auf 2,95 Mark für das Pfund. Im übrigen sind die festgesetzten Höchstpreise für Butter und Margarine maßgebend.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

   

Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe bringt, wie man uns schreibt, jetzt in seiner Verkaufsstelle im Universitätsgebäude am Hof ein Kindermilchmehl zum Verkauf, das ganz vorzüglich ist. Einige Damen haben es ausprobiert und sich sehr befriedigt darüber ausgesprochen.
   Wir möchten die Bonner Hausfrauen ganz besonders darauf hinweisen und sie bei dieser Gelegenheit dringend bitten doch für erwachsene Mitglieder ihres Haushaltes Milchersatzmittel zu verbrauchen und nur den Kindern frische Milch zu geben. Sie schränken auf diese Weise ihren Milchverbrauch ein und die Milch kann in größeren Mengen an kinderreiche Familien, an Schulen und Kinderhorte abgegeben werden. Denn daß Kinder zu ihrem Gedeihen Milch besonders nötig haben, das weiß wohl jede Hausfrau, während Erwachsene sich sehr gut mit Ersatzmitteln behelfen können. Wir denken natürlich nur an gesunde Erwachsene, die Kranken und besonders die Wöchnerinnen brauchen Milch ebenso nötig, wenn nicht noch nötiger als die Kinder. Auch sie würden von dem einsichtsvollen Verfahren der Frauen einen Gewinn haben, der ihnen sicherlich zukommt.
   Zugleich möchten wir an dieser Stelle wiederholt auf die hauswirtschaftliche Beratungsstelle hinweisen, die neben den Räumen des allseits bestens bekannten Marmeladenverkaufs gelegen, täglich geöffnet ist und wo wohlunterrichtete Damen bereitwillig Auskunft geben über alle Fragen der jetzt so schwierigen Haushaltsführung. Vor allem aber sind in der Beratungsstelle sämtliche Flugblätter der Zentral-Einkaufs-Genossenschaft zu haben, wie z. B. über Obsteinkochen ohne Zucker, Kleintierzucht, die neue Kriegsküche, die Kartoffelküche, Ernten, Aufbewahren und Konservieren von Früchten, Wildpflanzen in der Küche und a. m. Wir empfehlen den Bonner Hausfrauen dringend sich gegebenen Falles um Rat an diese Auskunftsstelle zu wenden.
   In der Bekleidungsfrage wende man sich um Rat und Hilfe an die Beratungsstelle Martinsstraße 6, die jeden Mittwoch und Samstag vormittag von 9-12 Uhr geöffnet ist und wo eine erfahrene Schneiderin unentgeltlich praktischen Rat erteilt, über zeitgemäße und sparsame Art der Bekleidung und vor allem über vorzunehmende Aenderungen der vorhandenen Sachen.
   Im Hinblick auf Zuckerknappheit und die daher gebotene Sparsamkeit in der Verwendung von Zucker wird der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe in wenigen Tagen einen Vortrag halten lassen über das Einkochen ohne Zucker. Wir machen schon jetzt auf diesen wertvollen Vortrag aufmerksam und hoffen, daß er eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft finden wird.
   Zum Schluß sei noch erwähnt, daß wir in der Beratungsstelle am Hof eine Sammlung von gutgereinigten und getrockneten Obstkernen, von Korken und kleinen Tintenflaschen eingerichtet haben. Die letzteren sollen deshalb gesammelt werden, weil es den Fabriken sehr schwer wird, jetzt genügend Fläschchen zu bekommen. Wir bitten herzlich uns recht viele zu geben.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Donnerstag, 15. Juni 1916

     

Gemüse-Richtpreise, und zwar für den Großhandel wie für den Kleinhandel, hat der Oberbürgermeister für Bonn festgesetzt. Gegen jeden Verkäufer, der höhere Preise fordert, wird strafrechtlich eingeschritten werden. Die Preise werden im Anzeigenteil dieser Zeitung bekannt gemacht.

Die Höchstpreise für Fleisch- und Fleischwaren werden in einer heute veröffentlichten Bekanntmachung des Oberbürgermeisters neu festgesetzt.

Ernteurlaub. Das stellvertretende Generalkommando des 8. Armeekorps weist mit Rücksicht auf die demnächst beginnende Erntezeit darauf hin, daß voraussichtlich in diesem Jahre eine geringere Berurlaubung von Mannschaften wie im Vorjahre stattfinden wird und die Landwirte sich daher bei der Erledigung der landwirtschaftlichen Arbeiten gegenseitig aushelfen sollen.
   Im Anzeigenteil dieser Zeitung werden die Landwirte aufgefordert, Anträge auf Ueberlassung von Kriegsgefangenen und Gespannkräften für die bevorstehenden Erntearbeiten zu stellen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Zur Einschränkung des Fahrradverkehrs. Die Verfügung des Gouverneurs der Festung Köln, daß alle Vergnügungs- und Spazierfahrten auf Fahrrädern verboten sind, findet hier in Bonn noch wenig Beachtung. Unsere Polizei geht jetzt streng gegen Uebertretungen dieses Verbots vor. Gestern nachmittag wurden im Hofgarten eine ganze Anzahl Personen angehalten, die das Rad zu Spazierfahrten benutzten. Sie alle werden eine Polizeistrafe zu gewärtigen haben. Nach der neuen Verordnung sind also alle Vergnügungsfahrten sowohl innerhalb der Stadt als auch in die Umgebung verboten. Nicht betroffen von dieser Verordnung wird der Fahrradverkehr zu gewerblichen Zwecken. Angestellte und Arbeiter dürfen also nach wie vor ihre Räder benutzen zu Fahrten von ihrer Wohnung zur Arbeitsstätte und zurück; desgleichen können Geschäftsboten von ihren Drei- und Zweirädern Gebrauch machen. Auch ist den Schülern und Schülerinnen gestattet, auf ihren Rädern in die Schule und wieder zurück nach ihrer Wohnung zu fahren. Zu empfehlen wäre, den Radfahrern, die zum Fahren berechtigt sind, einen Ausweis auszustellen, um sowohl den Aufsichtsbeamten wie auch den Radfahrern unnötige Auseinandersetzungen zu ersparen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 14. Juni. Bei der heute nachmittag im Kurparksaale getätigten Gemeinderatsersatzwahl für den aus dem Amte ausgeschiedenen Förster a. D. Friedrich Esser zeigte sich eine überaus schwache Beteiligung, indem von den mehr als 2000 Wahlberechtigten der dritten Wählerklasse insgesamt nur 24 ihr Wahlrecht ausübten. Es waren hiervon nur 3 aus der früheren Gemeinde Friesdorf, wo statutengemäß der zu Wählende wohnen muß, zur Wahl erschienen. Von diesen 24 abgegebenen Stimmen entfielen auf Gastwirt Franz Heubach zu Friesdorf 9 Stimmen und auf den von der Zentrumspartei aufgestellten Kandidaten Königl. Zugführer a. D. Heinrich Lackmann 15 Stimmen. Die Amtszeit dauert drei Jahre.

Geislar, 15. Juni. Kartoffeldiebe treiben im hiesigen Orte seit einigen Tagen ihr unsauberes Handwerk. So wurde vergangene Woche in der Nacht von Freitag auf Samstag einer Witwe, deren Söhne im Felde stehen, aus verschlossenem Hofe 2 Zentner Kartoffeln gestohlen. In derselben Nacht wurde einer anderen Witwe ein Handwagen gestohlen, mit dem anscheinend die Kartoffeln weggeschafft worden sind. In der Samstag Nacht wurde von einem Felde eine größere Menge Gemüse gestohlen. Es scheint, als wollten die Spitzbuben diese Woche ihre Arbeit fortsetzen. Vorvergangene Nacht, nachdem sie mehrmals bei wehrlosen Einwohnern ihr Glück versuchten, aber verjagt wurden oder sich ohne Erfolg zurückzogen, drangen sie in die Scheune einer dritten Witwe ein, wo ihnen etwa 1 ½ Zentner Kartoffeln in die Hände fielen. Von den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

    

Wertlose Wertsachen. Dem Beispiele anderer Städte folgend, haben die Vaterländischen Vereinigungen im Geschäftshause Fürstenstraße Nr. 6 eine Sammel- und Verkaufsstelle für wertlose Wertsachen eingerichtet. Die Leitung dieser Sammelstelle hat Frau Geheime Kommerzienrat Guilleaume übernommen und zahlreiche Damen haben sich für diesen Liebesdienst zur Verfügung gestellt. Wir haben in der Kriegszeit gelernt, daß vieles, was früher unbrauchbar erschien, noch benutzt werden kann. Wollsachen, Stoffreste, Kupfersachen, Papiervorräte und zuletzt unsere Goldsachenwurden hervorgesucht, damit alles in neuer Form erstehen und dem Vaterlande Nutzen bringen könnte. Nun gibt es aber fast in jedem Hause noch Sachen, die zur Ausschmückung der Wohnung gedient, die aber der wechselnden Mode oder des veränderten Geschmackes zuliebe zur Seite gestellt sind, dort als Staubfänger dienen, den Raum nutzlos in Anspruch nehmen, Aergernis beim Hausputz erregen, kurzum wertlose Wertsachen sind. Diese Sachen wie Bilder, Schmucksachen (ausgenommen Goldsachen) alte und moderne Möbelstücke, Handarbeiten, Spitzen, Kristall, Zinnsachen, Bronzen, Vasen, Nippsachen, Bücher, Decken usw. nimmt die Sammelstelle der Vaterländischen Vereinigungen gern an, um sie wiederum zum Verkauf zu stellen. Denn mancher hat gerade eine derartig wertlose Wertsache nötig, er findet dann günstige Kaufgelegenheit und hat dabei noch Gelegenheit, die Bestrebungen der Bonner Kriegswohlfahrtspflege zu unterstützen; denn der ganze Erlös soll zum Besten der karitativen Bestrebungen unserer Kriegswohlfahrtspflege verwandt werden. Wir hoffen, daß auch dieser neuen Einrichtung das Wohlwollen der Bonner Bürger, die bis jetzt stets offene Hand für alles das, was unsern lieben Feldgrauen nützen könnte, gehabt haben, entgegengebracht wird.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 16. Juni 1916

     

Der Westerwaldklub Bonn nagelt Sonntag nachmittag 2 Uhr an der Arndt-Eiche eine Adlerfeder und fährt dann um 3 Uhr vom Friedrichsplatz mit der Vorgebirgsbahn nach Waldorf, um von dort nach Alfter zu wandern.

Der Höchstpreis für Speise- und Backöl wird in einer in dieser Zeitung veröffentlichten Verordnung des Oberbürgermeisters auf 6 Mark das Liter festgesetzt. Für Oel, das durch die Kriegsabrechnungsstelle deutscher Oelmühlen vermittelt wird, gilt der festgesetzte Verkaufspreis als Höchstpreis.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Die Richtpreise für Gemüse, die gestern in Kraft getreten sind, äußerten heute ihre Wirkung auf unseren Märkten. Sie war wenig erfreulich. Was gestern hier und da versteckt angedroht wurde, war zur Tatsache geworden. Der Streik der Gemüsebauern. Freilich, es war nur ein Teilstreik. Nicht alle hatten der gestern ausgegebenen Parole Folge geleistet und hatten den Markt gemieden.
   Die Mengen von Gemüsen, die heute angefahren waren, waren aber so gering, daß der größte Teil der Käufer mit leeren Körben heimziehen mußte. Dabei war Hauptmarkttag. An den beiden Haupttagen in der Woche konnten der Stiftsplatz wie der alte Markt das Gemüse und Obst sonst kaum aufnehmen. Heute herrschte gähnende Leere, besonders auf dem Hauptumschlagsmarkte, dem Stiftsplatze.
   Ueberall standen an der Stelle, wo sonst Berge von Gemüse sich erhoben, aufgeregte Gruppen von Käufern, die diese seltsame Erscheinung besprachen, laut klagten, daß nichts zu erhalten sei und mehr oder minder Kritik an der Festsetzung der Richtpreise und an den Verordnungen überhaupt übten.
   An anderen Stellen wurde indes das aufgefahrene Gemüse leicht und nach kurzem Hin und Her erhandelt und verpackt. Das war der Großhandel für auswärts. Die alten Verbindungen halten sicher.
   Wo nur ein Wagen und aus welcher Richtung er nur auftauchen mochte, sofort stürmte der Haufe von leer ausgegangenen Käufern auf ihn zu, und schien geneigt, eine Schlacht wegen seines Gutes zu liefern.
   Die Polizeibeamten hatten Mühe und Sorge, daß die Ware überhaupt auf den Platz kam. Eine im Handel ergraute Frau meint: Sie sollten vor die Stadt gehen, da wird heute mehr verkauft, wie auf dem Markte.
   Wie abschreckend die Richtpreise wirken müssen, wenn sie nicht für größere Bezirke streng durchgeführt werden, wurde von Kundigen einer staunenden Zuhörerschaft klar gemacht. In Mondorf wird der Rhabarber an Ort und Stelle mit 10 Mark der Zentner aufgekauft, während er auf dem hiesigen Markte nur mit 6 Mark gehandelt werden daraf.
   In Bezug auf Gemüse setzt eine heut in Kraft tretende Verordnung für den Landkreis Bonn diesem seltsamen Zustand wenigstens für das Vorgebirge ein Ziel.
   Im Uebrigen spielte sich der Handel im Kleinen und Großen in aller Ruhe ab. Viele Landleute erkannten selbst an, daß die Preise für Gemüse denn doch ein bißchen stark gewesen. Für Erdbeeren meinten sie, die ein Luxusartikel seien, der zum Leben nicht unbedingt erforderlich, wären die teueren Preise ja nicht so schlimm.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Höchstpreise für Milch. Heute morgen steckt uns der Milchjunge einen Zettel durch die Türe, auf dem geschrieben stand, daß nunmehr die Landmilch 40 Pfennige pro Liter kosten solle. Bis dahin zahlten wir 36 Pfg. pro Liter. Noch im Winter 1914/15 kostete dieselbe 18 Pfennige. Demnach ist die Milch in den letzten 18 Monaten rund 110 Proz. Gestiegen. Für ärmere Leute war aber bisher das bißchen Milch noch die einzige Rettung, womit sie ihren Kindern helfen konnten. Fleisch kann ein kleiner Beamter oder Arbeiter nicht mehr kaufen. Die Eier kosten jetzt 30 Pfg. pro Stück und auch sie sind demnach für uns ausgeschaltet. Nun soll uns auch noch die Milch genommen werden. –
   In Trier sind längst Höchstpreise dafür festgesetzt, dort kostet die Milch 28 Pfennige pro Liter. Aus Stolp bekomme ich Nachricht, daß dort der Höchstpreis auf 16 Pfennige gesetzt ist. Warum kann denn für Bonn dies nicht auch geschehen? Es ist ja nicht gesagt, daß gerade Stolp und Trier maßgebend für Bonn sein soll. Die Höchstpreise für hier können ja den Umständen nach etwas höher gesetzt werden, aber sie müßten kommen.
   Vorgestern war ich auf dem Lande und fragte einige Bauern, was sie denn von den Händlern für die Milch bekämen! 25 Pfennige, bekam ich zur Antwort! Der Bauer sagt, der Händler verdient alles, und der Händler meint, der Bauer steckt sich die Taschen voll. Wer hier recht oder unrecht hat, soll uns gleich bleiben. Jedenfalls stehen die hohen Preise in gar keinem Verhältnis zu der gegenwärtigen Lage. Futter ist doch in diesem Jahre in solchen Mengen gewachsen, daß die Rinder bis an den Bauch im Grase stehen. Wenn man aber einwenden möchte: Ja, das Vieh ist so teuer! Ihr lieben Bauern, habt Ihr denn Eure Kühe erst während der Kriegszeit angeschafft? Wie es scheint, hat sich in allen Schichten der Bevölkerung eine dermaßen große Sucht nach Geld und Reichtum eingeschlichen, daß dadurch alle Schranken des Erlaubten überschritten werden. Auch hier müßten die Behörden unverzüglich einschreiten, denn die Milch ist und bleibt doch das unentbehrliche Nahrungsmittel für die Kinder. Der Staat sollte doch ein Interesse daran haben, daß gerade unsere Jugend und die Kinder gesund und kräftig bleiben, damit ein tüchtiger Nachwuchs gesichert wird.
Einer für Viele.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Erntehilfe. Das Freiwillige Regiment Düsseldorf zur Vorbereitung zum Heeresdienst, Abteilung 3, Landsturm und Ersatz-Reserve, 5. Komp. stellt zur unentgeltlichen Beschäftigung bei der diesjährigen Ernte für die Dauer von 6-10 Wochen mehrere hundert Mann Jugendlicher zur Verfügung. Die Knaben haben sich bei den Erntearbeiten, die sie im vergangenen Jahre in der Provinz Schleswig-Holstein ausgeführt haben, durchaus bewährt. Geeignete Landwirte des Landkreises Bonn, bei denen für Unterkunft und Verpflegung in einwandfreier Weise Vorsorge getroffen werden kann, können ihre Wünsche auf Einstellung derartiger Knaben in ihrem Betriebe während der Erntezeit unter Angabe der Zahl dem Landratsamte in Bonn melden. Dieses wird dann die Meldungen in geeigneten Fällen an das Freiwillige Regiment weitergeben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 17. Juni 1916

     

Die neuen Richtpreise für Gemüse hatten gestern zunächst die Wirkung, daß verhältnismäßig wenig Gemüse auf den Markt gebracht wurde. Obwohl die Richtpreise reichlich hoch festgesetzt worden sind, sind sie den durch die Wucherpreise der letzten Wochen verwöhnten Gemüsezüchtern nicht hoch genug, und viele von ihnen gaben ihrem ganz unberechtigten Unmut über die Preisregelung dadurch Ausdruck, daß sie kein oder weniger Gemüse auf den Markt lieferten. „Kocht Höchstpreise!“ riefen einige Landfrauen den Stadtfrauen zu, wenn diese nach dieser oder jener Gemüsesorte fragten. Die Gemüsezüchter aus den Stadt- und Landkreisen Bonn und Köln werden sich aber an die neuen Richtpreise gewöhnen müssen; denn da in allen vier Kreisen die gleichen Preise festgesetzt sind, müssen sie ihre Erzeugnisse wohl oder übel zu diesen Preisen verkaufen, und bei ruhiger Ueberlegung werden sie wohl bald zu der Einsicht kommen, daß die neuen Preise ihnen noch genug Nutzen lassen, sind sie doch durchweg doppelt so hoch, wie die Preise vor dem Kriege waren. So wird die durch die Richtpreise entstandene Gemüseknappheit hoffentlich nur wenige Tage anhalten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1916Der Bonner Wochenmarkt war gestern im allgemeinen schlecht beschickt. Grüngemüse, wie Wirsing, Spitzkappus, Schneidgemüse, Spinat und Rübstiel, war auf dem ganzen Markt kaum zu haben. Ebenso war das Angebot in Spargel und Kopfsalat auffallend klein gegen die Vortage. Der festgesetzten Höchstpreise für Gemüse wegen bringen die Gemüsebauern ihre Erzeugnisse einfach nicht mehr auf den Markt, was denn auch gestern an der großen Leere des oberen Teils des Marktes deutlich wahrzunehmen war. Im allgemeinen wurden die Höchstpreise streng innegehalten, was einen ausnahmsweise flotten Verkauf der Waren hervorrief, besonders Erbsen, Erdbeeren und Kirschen fanden riesigen Absatz. […]
   Der Großmarkt auf dem Stiftsplatze hatte gestern ebenfalls der festgesetzten Höchstpreise wegen fast gar keine Zufuhren. Grüngemüse war kaum zu haben. Was an Waren vorhanden war, wurde von den Verkäufern vielfach als bestellt oder bereits verkauft bezeichnet. Sowie ein Fuhrwerk mit Gemüse usw. ankam, wurde es von den hiesigen und auswärtigen Händlern gestürmt. Unter diesen Umständen war es sehr vielen Händlern überhaupt nicht möglich, irgend welche Waren aufzukaufen.
   Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt war gestern wieder recht flott. Außer Kartoffeln wurde nur Ingelheimer Spargel das Pfund zu 35 Pfg. verkauft, der reißenden Absatz fand.

   Auf dem Wochenmarkt kam es gestern im Laufe des Vormittags noch wiederholt zu erregten Auseinandersetzungen zwischen Verkäuferinnen und den Hausfrauen. Immer wieder wurde die Marktpolizei zur Schlichtung der Meinungsverschiedenheiten herbeigeholt. Eine Marktfrau verkaufte billigeres Schnittgemüse als Wirsing, andere konnten sich nicht zu dem behördlich festgesetzten pfundweisen Verkauf verstehen; wieder andere behaupteten einfach, alles schon verkauft zu haben. Ausdrücke, die man vergebens in Knigge’s Umgangsbüchlein suchen würde, fielen auf die Häupter der Verkäuferinnen, aber auch diese waren nicht wählerisch in ihren Ausdrücken, die sie über die „verrückte neue Einrichtung“ vom Stapel ließen. „Freßt Brennessele on Dudestele, wenn Uech et Gemös ze düer eß“ rief eine Bauersfrau in größter Erregung, während eine andere erklärte, lieber alles „zetrampele“ zu wollen, ehe sie das Gemüse einen Pfennig billiger verkaufe. Mehrere erklärten, am Samstag nicht mehr auf den Markt zu kommen, sie würden ihre Ware schon zu Hause los werden. Aehnliche Szenen haben sich bekanntlich auch auf dem Kölner Wochenmarkt abgespielt, wo die Richtpreise bereits einige Tage früher festgesetzt waren. Inzwischen haben sich dort schon die Gemüter beruhigt und die Marktfrauen sind zu der Einsicht gekommen, daß es keinen Zweck hat, „gäge eine heeße Backovve anzejappe“. Auch unsere Marktfrauen werden sich wohl auf die Dauer dieser gesunden Logik nicht verschließen können.

Die Richt-, richtiger die Mindestpreise, die seit gestern unsere Märkte beherrschen, hatten – wie man uns berichtet – heute noch trostlosere Zustände wie gestern auf den Gemüsemärkten herbeigeführt. Auf dem Stiftsplatz waren sage und schreibe 15-20 Gemüsezüchter oder Verkäufer erschienen. Man sah ihre Ware nicht auf dem weiten Platz. Heute mußten auch große Händler mit leeren Körben wieder abziehen. Und dabei stand der Samstagsmarkt dem Freitagsmarkt sonst kaum nach.
   Auf dem alten Markt schien eine etwas bessere Zufuhr gegen gestern eingetreten zu sein, aber auch nur scheinbar. Sah man sich die Sache etwas näher an, so schrumpfte die Anfuhr der Gemüsezüchter zu winzigen Vorräten zusammen. Die Acht-Uhr-Züge brachten dann noch einiges, aber dies besserte das Bild auch nicht. So weit die Landleute.
   Die Händler, die auf dem alten Markte vor den Schranken sitzen, boten dagegen in allem gute Auswahl. Sie hatten sich zu versorgen gewußt.
   Diese Zustände auf den Gemüsemärkten hatten böse Begleiterscheinungen. Die bürgerlichen Käufer mußten an Hohn und Spott und Schimpfereien einstecken, was man in diesen ernsten Kriegszeiten, wo doch Tod und Not an jede Tür anklopfen, nicht für möglich halten sollte.
   Stehende Redensarten sind: „Nichts mehr müßte auf den Markt gebracht werden!“ In der Welschnonnenstraße schrie ein ergrauter Verkäufer: „Wir lassen uns durchaus nicht ‚krauen‘. Ihr und Euere Höchstpreise machen uns nicht geck!“
   Es wurde gesprochen von eher unter die Füße vom Vieh treten lassen, als auf den Markt bringen und vom Verhungern lassen. Und das bei solchen Preisen, die doch dem Verkäufer guten Gewinn versprechen, vom Bürger aber kaum zu erschwingen sind.

Die Höchstpreise für Speise- und Backöl, die mit dem gestrigen Tage für Bonn in Kraft getreten sind, haben den Erfolg gehabt, daß im Stadtkreise Bonn von den Geschäften das Oel durchweg aus dem Handel gezogen wurde. Wo man auch hinkam, erhielt man die Antwort, daß kein Oel mehr vorhanden sei. Da aus bestimmten Gründen angenommen wurde, daß vorhandene Vorräte an Speise- und Backöl verheimlicht oder nach höchstpreisfreien Orten geschafft wurden, ist polizeilicherseits eine Untersuchung eingeleitet worden. In der jüngsten Zeit war der Preis für Speiseöl in Bonn bis auf 15 Mark gestiegen, hervorgerufen durch Preistreibereien, die die Behörde schließlich veranlaßt haben, den Preis des Speiseöls auf 6 Mark pro Liter festzusetzen. Die Behörde beruft sich gegenüber den Händlern, die heute das Speiseöl aus dem Verkehr gezogen haben, auf die Bestimmungen über den Aushang der Preisverzeichnisse, wonach bei Barzahlung der Verkauf der Vorräte unter Strafandrohung nicht verweigert werden darf. Diejenigen Händler, die beim Einkauf des Oels mehr bezahlt haben als der jetzige Höchstpreis beträgt, sind natürlich dadurch in der üblen Lage, ihre Vorräte an Speiseöl mit Verlust zu verkaufen.
[…]

Kordel hatte ein Arbeiter einer hiesigen Firma in größeren Mengen gestohlen und sie einem auf dem Markt tätigen Manne verkauft. Der Käufer hatte eine Quittung gefälscht, um über die Herkunft der Kordel zu täuschen. Die Strafkammer verurteilte den Dieb gestern zu drei Monaten und den Hehler zu 4 Monaten Gefängnis.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Für das Rote Kreuz verkauften vor einiger Zeit zwei Damen aus Köln in unserer Stadt Ansichtskarten. Sie sollten für das Stück 20 Pfg. verlangen. Die Damen gingen nun dazu über und sammelten einfahc ganz unabhängig vom Verkauf oder der Anzahl der gekauften Karten Geld für das Rote Kreuz. Das Schöffengericht in Bonn hatte sie wegen Betrugs zu je einer Woche Gefängnis verurteilt. Die Verurteilten legten Berufung ein und erklärten an der Strafkammer, sie hätten im besten Glauben gehandelt. Alles eingesammelte Geld hätten sie abgeliefert, auch die nicht abgenommenen Karten. Die Strafkammer schenkte ihrer Einlassung Glauben und verurteilte sie nur wegen Veranstaltung einer polizeilich nicht erlaubten Geldsammlung zu je zehn Mark Geldstrafe.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

      

Marktpreise und Marktbesucher.
Der Oberbürgermeister hat Richt- und Höchstpreise für Obst und Gemüse festgesetzt, die doch sicher nicht zu niedrig sind. Manche Hausfrau wird aber aufgeatmet und sich gesagt haben, nun sei einigermaßen zu wirtschaften, wenn auch jetzt noch alles teurer sei wie vordem, in Friedenszeiten. Der Oberbürgermeister hat die Preise aber ohne die frommen und patriotischen Bauern gemacht, die noch immer als die Stützen von Thron und Altar gelten, weil ihnen bisher niemals ein Opfer zugemutet wurde. Nach dieser Preisfestsetzung blieben sie dem Markte einfach fern, brachten nichts zur Stadt, die ihretwegen weiter hungern kann, ja hungern soll. Die Vaterlandsliebe dieser Staatsstützen liegt im Geldbeutel, mit dem sie fällt oder steigt, je nachdem er sich füllt. Hier haben wir wieder einmal den Beweis, daß nicht der Zwischenhandel allein die Preise gesteigert, sondern der Bauer in seinen Forderungen immer unverschämter geworden ist. Es genügt ihm nicht mehr, in diesen schweren Zeiten, die den Zusammenbruch so vieler Existenzen herbeiführt, nur zu verdienen, was so vielen überhaupt nicht mehr möglich ist, nein, er will viel verdienen, mehr als je, er will Truhen und Kasten füllen, gut leben, sich besser kleiden als je zuvor – mag es kosten, was es will – er will auch noch für den einen und andern, für den Drickes und den Bätes, das Grietchen und Stinchen was zur Sparkasse bringen, er will mit einem Wort, sich bereichern, und dazu ist ihm die jetzige Zeit gerade gut genug. Das ist natürlich nicht der Bauer, wie er uns geschildert wird und wie wir ihn uns naiverweise vorstellen, aber es ist der Bauer, wie ihn die Wirklichkeit in einer ganz erstaunlichen Menge ausweist. Zwar gibt es noch Ausnahmen, die sich mit einem geringeren Verdienst bescheiden und ihre Erzeugnisse auch jetzt noch zu Markt bringen. Die sind aber weiter geringer an Zahl, und selbst unter den Weingen, die den Markt besuchen, gibt’s noch einige, die nur irgend einem Zwange folgten, nicht eignem Triebe, weil sonst ihre Ware verdarb. Ueber die Auftritte auf dem Markte wollen wir schweigen. Aber jeder, der irgendwie angeflegelt, beschimpft oder übervorteilt wird, sollte sofort Anzeige erstatten. Die Marktpolizei wird schon Ordnung schaffen.
   Ein Fehler wars, bei den Bauern vaterländisches Interesse vorauszusetzen. Die fügen sich nur dem Zwange. Inzwischen hat der Landkreis auch Höchstpreise festgesetzt, die Verkäufer sind also darauf angewiesen, ihre Bodenerzeugnisse irgendwo abzusetzen. Besser wäre es noch gewesen, die Verwaltung hätte vorher eine Verständigung mit allen umliegenden Kreisen, bis nach Köln, getroffen, wir hätten dann nicht das Nachsehen gehabt. Es ist wirklich die allerhöchste Zeit, daß höheren Orts ganz energisch eingegriffen wird. Die Stadtverwaltung denkt schon daran, wie wir hören, in allernächster Zeit der Gemeinschaftsküche näher zu treten. Damit kämen wir schon einen Schritt weiter. Wir werden Gelegenheit haben, auf die Gemeinschaftsküche noch zurückzukommen.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Sonntag, 18. Juni 1916

      

Auf dem Markte herrschte gestern vormittag bei den kauflustigen Bonner Hausfrauen große Erbitterung. Von all den Gemüsesorten, für die der Oberbürgermeister im Einverständnis mit den zuständigen Stellen der Landkreise Bonn und Köln sowie der Stadt Köln Richtpreise festgesetzt hat, war fast nichts auf dem Markte zu haben, und sehr viele Hausfrauen mußten leer wieder heimgehen. Selbstverständlich wurde dabei manches böse Wort gegen die Gemüsebauern gebraucht, die, weil ihre bisherigen Wucherpreise ein klein wenig eingeschränkt worden sind, nun auf die Seite der Engländer treten und die englische Aushungrungspolitik mitmachen. Hoffentlich gelingt es den zuständigen Behörden und landwirtschaftlichen Vertretungen recht bald, die Bauern von ihrer vaterlandsfeindlichen Haltung abzubringen. Gurken und Blumenkohl, für die keine Richtpreise bestehen, waren verhältnismäßig reichlich auf den Markt gebracht worden, es wurden dafür aber so hohe Preise verlangt, daß ein erheblicher Teil der Ware mittags noch unverkauft war.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Zur Versorgung mit Kartoffeln. Während der Bevölkerung in Bonn bis Pfingsten an Kartoffeln noch eine Verbrauchsmenge von 10 Pfund für den Kopf und die Woche verabfolgt werden konnte, muß jetzt auch hier in Bonn eine erhebliche Einschränkung in der Abgabe erfolgen. Gerade in der letzten Zeit ist der Andrang zu den Verkaufsstellen ein geradezu gewaltiger. Jeder versucht sich seinen Kartoffelbedarf, soweit angängig, zu hamstern. Auch ist die Befürchtung, daß die Preise erhöht werden, wohl bestimmend dafür, daß unnötige Ankäufe gemacht werden. Die Stadtverwaltung beabsichtigt jedoch in keiner Weise die Preise bis zur nächsten Ernte zu erhöhen, trotzdem die von ihr getätigten Kartoffelankäufe erheblich teuerer wie früher bezahlt werden müssen. Wenn nun auf der einen Seite der Andrang zum Kartoffelankauf – es werden täglich an den Kleinverkaufsstellen jetzt über 1500 Zentner abgegeben – ein großer ist, so ist auf der anderen Seite die Kartoffelzufuhr in den letzten Tagen völlig ausgeblieben. Die Stadt kann aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen die Kartoffeln nicht kaufen wie sie will und wo sie will, sondern die Kartoffelmengen werden ihr von der Reichs-Kartoffelstelle aus ganz bestimmten Kreisen und in ganz bestimmten Mengen, ohne ihr Zutun und ohne das Recht zu einer Einwirkung zugeteilt. Obgleich ihr seitens dieser Reichskartoffelstelle aufgrund der Ende Mai erfolgten Zusage noch 25.000 Zentner geliefert werden müssen, ist diese Belieferung in den letzten Tagen völlig abgeschnitten. Trotz eifrigster und energischster Bemühung und Vorstellung seitens der Stadtverwaltung, ist es bisher nicht gelungen, weitere Kartoffelmengen flüssig zu machen. Daher muß von Montag, den 19. ds. Mts. ab, - wir verweisen auf die betreffende Anzeige in der heutigen Nummer – die Abgabe eingeschränkt und die Verbrauchsmenge auf 5 Pfund auf den Kopf und die Woche festgesetzt werden. Um der Bevölkerung für die verminderten Kartoffelmengen einen Ersatz zu schaffen, werden Hülsenfrüchte, Reis und Gerstengrütze zu der auf den Kopf verabfolgten Kartoffelmengen zugegeben und zwar ein Fünftel Pfund Hülsenfrüchte (Erbsen oder Bohnen) und ein Fünftel Pfund Reis oder Gerstengrütze, alles zum Preise von 15 Pfg. für ein Fünftel Pfund. Dabei wird die dringende Bitte an alle diejenigen, die noch Kartoffelvorräte haben, gerichtet, keinen Ankauf mehr zu machen. Sollte jemand Kartoffelvorräte besitzen, die für den eigenen Bedarf über die Zeit bis 15. Juli hinausreichen, so möge er das Mehr dem städtischen Lebensmittelamt gegen volle Bezahlung zur Verfügung stellen, auch wenn es nur wenig ist. Das Lebensmittelamt wird die Kartoffeln dann gerne abholen lassen. Erfahrungsgemäß kommen Ende dieses Monats, spätestens anfangs Juli neue Kartoffeln hier zum Markte. Das wird dann sofort die Lieferung der Kartoffeln seitens der Stadt entlasten. Die Ausgabe der Hülsenfrüchte, des Reis und der Gerstengrütze findet bei der städtischen Verkaufsstelle in der Maxstraße statt. Um den Andrang zu vermeiden, ist bestimmt worden, daß die Waren dort abgegeben werden: am Montag, den 19. Juni an die Inhaber der Brotbücher Nr. 1, am Dienstag, den 20. Juni an die Inhaber der Brotbücher Nr. 2, am Mittwoch, den 21. Juni an die Inhaber der Brotbücher Nr. 3, am Freitag, den 23. Juni an die Inhaber der Brotbücher Nr. 4.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 17. Juni. Ein dreister Diebstahl wurde am Pfingstmontag nachmittag während des größten Verkehrs an der hiesigen Dampferlandestelle ausgeführt. Während der Werftverwalter zur Abfertigung des um 3 Uhr bergwärts fahrenden Rheindampfers an der Schiffbrücke sich kurz aufhielt, hatte ein Dieb sich Eingang in sein Büro verschafft und dort den gesamten Bestand an Fahrgeldern im Betrage von 600 Mark nebst der Kassette angeeignet und war damit unerkannt verschwunden. Die Vormittagseinnahme von 800 Mark hatte der Beamte glücklicherweise nicht mehr dort liegen gehabt. Bis jetzt fehlt jeder Anhalt, wer den Diebstahl ausgeführt hat.

Godesberg, 16. Juni. Die von der Zentrale des Roten Kreuzes, des Vaterländischen Frauenvereins und der angegliederten Vereine an den beiden Pfingsttagen hier veranstaltete Büchsensammlung zum Besten der verwundeten heldenhaften Mannschaften der Marine hatte den erfreulichen Betrag bvon 655 Mark erzielt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

      

Das Oberbürgermeisteramt Bonn teilt uns mit. Nach einem Erlaß des stellvertretenden Generalkommandos des 8. Armeekorps sollen zur Einbringung der Körnerernte wiederum Beurlaubungen von Mannschaften des Besatzungsheeres im Inlande erfolgen, soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatten. Die Gesamtdauer des Urlaubs darf die Zeit von 3 Wochen nicht überschreiten. Anträge auf Nachurlaub sind nur in Fällen dringendster Notlage zulässig. Unbegründete Urlaubsanträge werden zurückgewiesen. Die Gesuche müssen spätestens am 1. Juli ds. Js. Dem zuständigen Polizeikommissar abgegeben worden sein. Später eingehende Anträge können nicht berücksichtigt werden.
   Urlaubsgesuche für Angehörige des Feldheeres und der Truppen der besetzten Gebiete sind zwecklos. Solche können nur in den allerseltensten Fällen, wo ein äußerster Notstand vorliegt, Aussicht auf Erfolg versprechen. Zweckmäßig ist es, an Stelle der im Felde befindlichen Angehörigen, die doch nicht beurlaubt werden können von vornerein andere beim Besatzungsheere im Inlande befindliche Familienangehörige, und wenn solche nicht vorhanden, andere Angehörigen ihres Verwandten- oder Bekanntenkreises zu beantragen. Wo solche nicht bekannt sind, können beim zuständigen Polizeikommissar oder beim Oberbürgermeisteramt (Militärbüro, Rathausgasse 26) zu den dort einzusehenden Bedingungen landwirtschaftliche Arbeiter beantragt werden.
   Für die Einbringung der Heuernte können Beurlaubungen von Mannschaften des Feldheeres in keinem Falle stattfinden. Für Mannschaften des Besatzungsheeres im Inlande können auch nur Beurlaubungen im Falle wirklichen Notstandes stattfinden. Die Heuernte soll mit den vorhandenen Arbeitskräften in erster Linie erledigt werden.
   Die Gesuche sind stets an das zuständige Polizeikommissariat oder an das Oberbürgermeisteramt einzureichen. Alle Gesuche, die in anderer Form oder auf andere Weise dem Generalkommando vorgelegt oder unmittelbar an den Truppenteil gesandt werden, haben keine Aussicht auf Genehmigung.
   Alle beurlaubten Mannschaften – Eigenbesitzer usw. , sowie landwirtschaftliche Arbeiter – stehen nach Erledigung der eigenen oder derjenigen Arbeiten, zu denen sie beurlaubt sind, der Gemeindebehörde ohne weiteres zur Verfügung. Diese Behörde bestimmt in jedem Falle, wo die Betreffenden für den Rest ihres Urlaubs auszuhelfen haben.
   Es wird erwartet, daß die Landwirte mit allen Kräften bei der Einbringung der Ernte sich gegenseitige Aushilfe leisten, da damit zu rechnen ist, daß in diesem Jahre eine geringere Beurlaubung von Mannschaften wie im Vorjahre stattfinden wird.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 19. Juni 1916

     

Die Gemüserichtpreise sind wieder aufgehoben. Die Bauern können wieder unbeschränkte Wucherpreise fordern und werden nun wohl auch wieder ihre Erzeugnisse in die Stadt bringen.
   Der Kriegsausschuß für Konsumenten-Interessen für den Stadt- und Landkreis Bonn hat den stellvertretenden kommandierenden General des 8. Armeekorps in einer Eingabe gebeten, Richtpreise für den ganzen Korpsbezirk festzusetzen und denjenigen Gemüsezüchtern, die ihre Erzeugnisse zurückhalten, die Aecker für die Dauer des Krieges zu enteignen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Die Gemüseleere auf unseren Märkten hält an. Heute früh war auf beiden Plätzen nicht so viel angefahren, daß man ein großes Gasthaus damit versorgen könnte. Die Händler standen mit leeren Körben umher, und sahen verdutzt die wenigen Bürger an, die wohl mehr der Neugierde als des Kaufes wegen erschienen waren. Zu sagen ist nun aber auch, daß wir jetzt in der Zeit der allerschlimmsten Gemüseknappheit leben. Zudem ist bei den hohen Preisen fast alles wachsende Gemüse als Schnittgemüse verkauft worden. Unsere Gemüsefelder stehen fast kahl und leer da. Ferner lassen die Züchter wegen der hohen Preise gerade dasjenige Gemüse, Erbsen, Möhren, welches früher über die jährlich wiederkehrende gemüsearme Zeit mehr oder weniger leicht hinweghalf, in besseren und gewinnbringenderen Stand hineinwachsen.
   Also die Richtpreise allein haben nicht das Gemüse von unsern Märkten vertrieben. Leider kamen sie zu der allerkritischsten Zeit. Wären sie in angemessener Höhe früher erschienen, hätten sie Segen gestiftet.

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Juni 1916Operettengastspiel im Palasttheater. „Wie einst im Mai“ beherrscht jetzt allabendlich den Spielplan und die rasch und zahlreich gewonnenen Freunde des Operettengastspiels. Es hat sich sowohl draußen an der Front, wie daheim gezeigt, daß die durch den Krieg stark belasteten Nerven zeitweilig einer Entspannung bedürfen. Man hat in dieser Erkenntnis die besten Humoristen und Komiker, die besten Kinemas und Unterhaltungsbühnen an die Front kommen lassen, man hat sich aus talentierten Mannschaften für Mannschaften und Vorgesetzte draußen Liebhaberbühnen usw. geschaffen. Zieh- und Mundharmonika Rudersport usw. lenken die gepeitschten Nerven ab, um sie im Sinne Hindenburgs, daß der den Krieg gewinnt, der die besten Nerven habe, wieder mit neuer Spannkraft zu beleben. Ganz so zu Hause, wo der Aerger über Fleisch- und Eiermangel, über den Unfug der Z.-E-G. usw. manchen sehnsüchtig nach einer Stätte verlangen läßt, wo er in einigen Stunden der Kurzweil, der in Heiterkeit getauchten Kurzweil, sich innerlich erfrischen kann, um dann blitzenden Auges wieder all dem Kampf gegenübertreten zu können, der uns mehr und mehr auch hinter der Front nicht erspart bleibt. Dies mag die tiefere Erklärung dafür sein, daß auch die Operettengesellschaft des Palasttheaters mit ihren musikalischen Possenschlagern aus fern herüberklingender Friedenszeit so anziehend wirkt. Daher erübrigt es sich auch, heute noch einmal das kritische Richtschwert über den musikalischen Wert oder Unwert der übermütigen Gesangsposse „Wie einst im Mai“ zu schwingen. Man läßt sich noch einmal packen von den längst Gemeingut gewordenen gangbaren Schlagern der Operette, freut sich darüber, einen so zwerchfellerschütternden Komiker wie Hans Lichten zu begegnen, beobachtet mit stiller Freude die musikalisch-gesangliche und darstellerische Befähigung des Possenliebhabers Hans Gehmeier, genießt ein Stück Altberlin aus der Biedermeier- und Krinolinenzeit, läßt sich auch mit Harmoniumbegleitung in Sentimentalität wiegen (obwohl’s der Reichskanzler verboten hat) und pilgert schließlich nach Haus und summt noch am nächsten Tage zur zweifelhaften Freude aller die ihn hören und nicht wieder los werden können, nämlich den Vers:
   Das war zu Schöneberg im Monat Mai,
   Ein kleines Mädchen war auch dabei.
   Sie hat die Buben oft und gern geküßt.
   Wie das zu Schöneberg so üblich ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 19. Juni. Die Festsetzung von Richtpreisen für Gemüse hat auch hier den Ankauf von Gemüsen fast unmöglich gemacht. Wie man die landrätliche Verordnung zu umgehen versucht, kann man daraus ersehen, daß heute dicke Bohnen mit der Schale, für die der Höchstpreis von 13 Pfg. für das Pfund festgesetzt ist, nicht mehr zu haben sind; sie werdne jetzt nur noch entschält und zwar das Liter für 2 Mark angeboten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

     

Die Brotmenge im Stadtkreis Bonn ist von heute ab von 1 Brot auf 1½ Brot für die Person und Woche erhöht worden. Schwerarbeitende Personen erhalten ihre Zusatzmenge von ¾ Brot wöchentlich weiter.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 20. Juni 1916

    

Beratungsstelle „Hilf dir selbst“. Um vielen Wünschen entgegenzukommen, wird die Hilfsstelle von jetzt ab jeden Mittwoch und Freitag vormittags von 9 bis 12 und nachmittags von 4–7 geöffnet sein. Es wird ferner beabsichtigt, einen Nählehrgang für solche Frauen einzurichten, welche ihre Sachen in Ordnung bringen wollen. Der Lehrgang, welcher 6 Nachmittage von 4 bis 6 Uhr umfaßt, kostet 1,20 M. Anmeldungen Königsstraße 21 oder An der evangelischen Kirche 6.

Ueberangebot von weiblichen Kräften im Handelsgewerbe. Die hiesige städtische Fortbildungsschule hatte bei der Handelskammer angefragt, ob ein Bedürfnis bestehe, weitere Jahreslehrgänge für Frauen und Mädchen abzuhalten. Die Kammer hat die Bedürfnislage verneint, da schon jetzt ein Ueberangebot von weiblichen Kräften zu beobachten ist und häufig auch Klagen über die mangelhafte Vorbildung und geringen Leistungen der weiblichen Angestellten laut werden, was auf eine zu kurze und zu schnelle Ausbildung der weiblichen Hilfskräfte zurückzuführen sei.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Die Heuernte auf de Hofgartenwiese, die soeben beendet ist, hat einen weitaus höheren Ertrag geliefert als im Vorjahre. Augenblicklich ist man mit dem Wegschaffen des Heus beschäftigt.

Am Sonnenwendtage – 21. Juni – wird die Bonner Studentenschaft mittags 12 Uhr an der Bismarcksäule in der Gronau eine schlichte Feier veranstalten. Rektor und Senat unserer Universität werden an der Feier teilnehmen.

Der katholische Gesellenverein lädt alle seine Mitglieder, Ehrenmitglieder und deren Angehörige zu einer Versammlung am Fronleichnamstage, abends 8 ½ Uhr im großen Saal des Gesellenhauses ein. In der Versammlung wird nicht bloß ein Bericht über die Kriegstätigkeit des Vereins gegeben, sondern auch ein Lichtbildervortrag über die Kriegsereignisse zur See. Ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Speiseeis. Der Herr Gouverneur hat eine Bekanntmachung betreffend Verbot des Verkaufs von Speiseeis auf Straßen und öffentlichen Plätzen usw. erlassen. Der vollständige Inhalt der Bekanntmachung ist in den amtlichen Zeitungen und an den öffentlichen Anschlagstellen einzusehen.

Der Kriegsausschuß für Konsumenten-Interessen für den Stadt- und Landkreis Bonn hat eine Eingabe an den Herrn kommandierenden General des 8. Armeekorps gerichtet mit der Bitte, bei allen Gemüsezüchter, die ihr Gemüse zurückhalten, die Beschlagnahme anzuordnen, möglicherweise den gesamten Saatenbestand dieser Landwirte zu enteignen und die weitere Bestellung der Aecker bis zum Ende des Krieges in die Aufsicht der Militärverwaltung zu übernehmen und bei Widersetzlichkeiten nicht mit Gefängnis, sondern mit einer entsprechend hohen Geldstrafe zu ahnden. Nachdem die Wiederaufhebung der Richtpreise bekannt wurde, wodurch leider ein erneutes Steigen der Marktpreise zu befürchten ist, ist in einer zweiten Eingabe um Festsetzung von Richtpreisen für den gesamten Bereich des 8. Armeekorps ersucht worden. Eine Abschrift dieser Eingabe wurde dem Gouverneur der Festung Köln und dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz übersandt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 21. Juni 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Juni 1916Einrichtung von Kriegsküchen. Der Ausschuß für die Einrichtung von Kriegsküchen empfiehlt der übermorgigen Stadtverordnetenversammlung, mit der Inbetriebsetzung von Kriegsküchen in den verschiedenen Stadtteilen – Altstadt, Poppelsdorf, Kessenich und Endenich – sofort vorzugehen. Die weitere Einrichtung und der Betrieb sollen der Inanspruchnahme durch die Bevölkerung angepaßt werden. Es sollen zunächst nur Eintopfgerichte gekocht werden, von denen die ganze Portion, dreiviertel Liter, zu 20 Pfg und die halbe Portion, dreiachtel Liter, zu 10 Pfg, abgegeben werden. In erster Linie sollen die Speisen abgeholt werden. Es wird jedoch angestrebt, in den Küchen einen Raum zur Einnahme der Speisen einzurichten. Die abgegebenen Speisen sollen auf den Lebensmittelkarten angerechnet werden. Die Kosten der Kriegsküchen sollen zunächst aus den dem Lebensmittelamt zur Verfügung stehenden Krediten gedeckt und dort auf besondere Konten geführt werden. Der Ausschuß für die Einrichtung von Kriegsküchen wird sich durch Vertreter der freien und christlichen Gewerkschaften sowie durch geeignete Frauen ergänzen.
   Der städtische Lebensmittelausschuß, der zurzeit aus dem Oberbürgermeister und den Stadtverordneten Butscheidt, Chrysant, Kaiser, Kalt, Dr. Krantz und Tilger sowie den Herren Manns und Zangen besteht, soll verstärkt werden. Es sollen je ein Vertreter der christlichen und freien Gewerkschaften sowie eine Dame hinzugewählt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Bonner Kriegsküche. Am kommenden Freitag soll auch hier mit der Massenspeisung begonnen werden. In verschiedenen Teilen der Altstadt und in Poppelsdorf, Kessenich und Endenich werden Kriegsküchen eingerichtet [...]. Bis jetzt sind zwei fahrbare Küchen, die unter dem Namen „Gulaschkanonen“ bestens bekannt sind, vorhanden; sie werden auch bereits am Freitag ihre segensreiche Tätigkeit aufnehmen. Die Küchenwagen sollen nicht wie in anderen Städten zur Entnahme des Essens durch die Straßen ziehen, sondern auf einem noch näher zu bestimmenden Schulhof Aufstellung finden. Die beiden Wagen, die die Aufschrift „Stadtküche“ tragen, sehen recht schmuck aus und sind in der Farbe ähnlich wie unsere Straßenbahnen gehalten. An der Stirnseite des Wagens, der von einem Pferde gezogen wird, prangt das Bonner Stadtwappen. Auch eine Glocke fehlt nicht. Der heizbare Kochkessel, der sich eines ansehnlichen Umfanges erfreut, erstrahlt einstweilen noch im Silberglanz. Die beiden fahrbaren Küchen stehen bereits fix und fertig auf dem Hof des städtischen Fuhrparks, wo auch die Speisen für die fahrbaren Küchen zubereitet werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Gemüseleere. Die Notiz, die im gestrigen General-Anzeiger unter diesem Stichwort erschienen ist, wird wohl vielfach Erstaunen hervorrufen, wenn gesagt wird, daß wir jetzt „in der Zeit der allerschlimmsten Gemüseknappheit“ leben und daß „unsere Gemüsefelder fast kahl und leer dastehen“. Wenn man durch die Felder geht, wird man sich davon überzeugen können, daß gerade das Gegenteil der Fall ist. Ueppiger und schöner wie in diesem Jahre das Gemüse steht, braucht man es sich wahrlich nicht zu wünschen, und darum ist es im höchsten Grade verwerflich, solch hohe Preise dafür zu fordern, und nachdem die Behörde dagegen eingeschritten war, einfach kein Gemüse mehr auf den Markt zu bringen. Wovon sollen denn die Arbeiter und kleinen Angestellten, die mit ihrem Einkommen (das vielleicht während des Krieges um einige Mark erhöht worden ist) auskommen müssen, mit ihren Familien leben? G.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

     

Ihre Kgl. Hoheit Frau Prinzessin zu Schaumburg-Lippe beehrte Montag nachmittag das Verwundetenheim an der Koblenzer Straße mit einem Besuch und wohnte dabei der Zaubervorstellung von Frau von Frowein bei. Die äußerst gelungene Vorführung fand bei den zahlreich erschienenen Besuchern allgemeinen Beifall. Die Frau Prinzessin, die für jeden Verwundeten und Kranken ein freundliches Wort fand, erfreute jeden vor ihrem Scheiden noch mit ihrem Bilde und Zigarren.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 22. Juni 1916

Wegen des katholischen Feiertages Fronleichnam erschien an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.

      

Der Flottenverein Jungdeutschland, Ortsgruppe Bonn übersandte seinem Schutzherrn, S. Exzellenz Großadmiral v. Köster, aus Anlaß des Seesieges 100 Mark mit der Bitte, sie zur Unterstützung der Angehörigen der gesunkenen Helden zu verwenden. Der Verein erhielt folgende Antwort:
Habe heute 100 Mark erhalten und verfehle nicht, allen Beteiligten für die hochherzige Spende im Namen unserer braven Blaujacken verbindlichst zu danken. Der Betrag wird zweckentsprechende Verwendung finden.
Mit deutschem Flottengruß
Von Köster, Großadmiral.

Der Verbrauch von Speisekartoffeln in Brennereien ist von der Reichskartoffelstelle im Einvernehmen mit der Reichsbranntweinstelle grundsätzlich verboten worden. Es dürfen nur noch für die menschliche Ernährung nicht geeignete Kartoffeln in der Brennerei verbrannt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Freitag, 23. Juni 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1916Die Fronleichnamsprozessionen in der Altstadt und in den Vororten konnten gestern, vom schönsten Sommerwetter begünstigt, in der gewohnten Weise durch die Straßen gehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Das Metropoltheater bringt augenblicklich ein Lustspiel „Teddy und der Rosenkavalier“ heraus. In der Art, wie die beteiligten Schauspielkräfte ihre belustigende Aufgabe erfüllen, entfaltet sich ein mimisches Können von feinsinnigster Schattierung.

Schenkung. Zur Verteilung an dürftige geschädigte Krieger oder deren Familien in Bonn hat die zuletzt in Düsseldorf, früher hier in Bonn wohnhaft gewesene Witwe Bankdirektor Jos. Schulz der Stadt 30.000 Mk vermacht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Bismarckfeier. Anstelle des üblichen Fackelzuges fand am Mittwoch mittag an der Bismarcksäule eine schlichte Feier statt, an der Rektor und Senat und die Vertreter der Studentenschaft teilnahmen. Herr H. W. Müller (klass. Phil. Verein) gedachte in einer Ansprache der großen Verdienste Bismarcks und führte zum Schlusse aus: Auf ihn, den Heros der vergangenen Zeit und aller Zukunft, blicken wir glückerfüllt gerade heute, da wir im Flammenmeer des Weltenbrandes stehen. Heute mehr denn je ist uns sein Geist not, sein Weitblick und sein Kraftvermögen. Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts in der Welt! – Heiß steigt zu diesem Gott unser Wunsch, daß das Rauschen des Heldenadlers um uns sei, wenn Mut dazu gehört, über Kleinigkeiten hinweg das gemeinsame Große zu sehen. Ein Bismarckgeschlecht gebe er uns, das die alte Größe in Bismarcks Sinne mehre. Wir loben den Recken aus dem Sachsenwald, zu unserm Teil zu opfern, alles, bis zum Leben für des Reiches Ehre und Freiheit. Dieses Gelöbnis fassen wir in den Ruf: Bismarck! Hurra, Hurra, Hurra!
   Nachdem Redner einen Kranz am Denkmal niedergelegt hatte, hielt der Rektor Geheimrat Anschütz folgende Ansprache:  

   Liebe Kommilitonen! Im Namen des akademischen Senates danke ich der Vertreter-Versammlung der Bonner Studentenschaft für ihre Einladung, der wir von Herzen gern gefolgt sind.
   Als sich vor Jahresfrist mein Amtsvorgänger und der damalige akademische Senat mit der Studentenschaft an dieser Stelle zur kriegsmäßig schlichten Feier des Andenkens an den Reichsgründer vereinigten, hofften wohl die meisten zuversichtlich, daß vor dem 21. Juni 1916 unser Volk zusammen mit seinen Bundesgenossen sich einen ehrenvollen Frieden erkämpft haben würde.
   Es ist anders gekommen.
   Während wir hier versammelt sind, tobt im Westen um Verdun und Ypern, im Süden in Wälschtirol und am Isonzo, im fernen Osten am Dnjestr, am Pruth, am Styr und an der Strypa noch immer der Kampf in unverminderter Heftigkeit. Unter Ihnen befinden sich heute viele, die uns aus eigener Erfahrung berichten können, was es heißt, im schwersten Feuer der Minenwerfer, der Artillerie und Infanterie nicht nur auszuhalten, sondern zu siegen. Sie tragen ehrenvolle Narben, ehrenvolle kriegerische Auszeichnungen, stolze Erinnerungen für ihr ganzes Leben. [...]
   Schon 1909 pochte der Weltkrieg an die Pforten des Reiches, allen vernehmlich, die hören wollten. Hätte uns damals die englische Flotte die Einfuhr des Chilesalpeters gesperrt, dann würde uns bei dem alle Voraussicht übertreffenden Verbrauch an Sprengstoffen, sehr bald die Möglichkeit gefehlt haben, sie darzustellen. Eine Reihe von Erfindungen: Abscheiden des Stickstoffes aus der Luft, billige Darstellung des Wasserstoffs, vor allem aber billige Vereinigung beide Elemente zu Ammoniak, das seinerseits sich leicht in Salpetersäure umwandeln läßt, ermöglichen es erst seit Kriegsbeginn Deutschland, Salpetersäure unabhängig von der überseeischen Einfuhr von Chilesalpeter künstlich ohne Schwierigkeiten zu bereiten. Damit war die Gewinnung der Schieß- und Sprengstoffe: Nitroglyzerin, Trinitrotoluol, Pikrinsäure und Schießbaumwolle in unbegrenzter Menge gewährleistet, Nur dadurch konnten wir der Welt unserer Feinde, denen der Weltmarkt offen steht, dauern siegreich widerstehen und werden sie überwinden.
   
Aber nicht die Waffen, nicht die Schiffe auf und unter dem Wasser und in der Luft sind es, die fechten, sondern die Männer. Mit der technischen Ueberlegenheit unserer Kriegswerkzeuge geht Hand in Hand die vaterlandsliebende Begeisterung, die todesmütige Tapferkeit unserer Helden. Den Kämpfern unter Euch, liebe Kommilitonen, bringe ich daher die Gefühle unseres Dankes und Stolzes zum Ausdruck.

   In dieser weihevollen Stunde gedenken wir in hingebender Liebe und Treue Seiner Majestät des Kaisers, der Verkörperung der Reichseinheit, unseres Führers im Daseinskampf unseres Volkes, in heller Freude unserer siegreichen Armee und Flotte, in wehmütiger Trauer unserer gefallenen Helden. Über unsere Lippen aber drängt sich der zuversichtliche Ruf:
   Deutschland über alles in der Welt. Hurra! Hurra! Hurra!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 24. Juni 1916

    

In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung gab Oberbürgermeister Spiritus einen ausführlichen Bericht über den gegenwärtigen Stand der Lebensmittelversorgung und über die Maßnahmen zur Ueberwindung der Schwierigkeiten vor allem in der Kartoffelversorgung. Eine dieser Maßnahmen ist auch die Einrichtung von Kriegsküchen, die von der Versammlung einstimmig beschlossen wurde. Die erste Küche soll nächsten Montag im Fuhrpark an der Ellerstraße eröffnet werden, weitere Küchen werden in der nächsten Zeit an der Sandkaule und in Poppelsdorf eröffnet, daneben bleiben die bisherigen Suppenküchen an der Maargasse und an der Engeltalstraße bestehen. Zwei fahrbare Küchen sollen die entfernteren Vororte versorgen. Es sollen Eintopfgerichte gekocht und das Liter zu 30 Pfg., das halbe Liter zu 15 Pfg. abgegeben werden. [...]

Der Mehlverkauf wird durch eine neue Bekanntmachung des Oberbürgermeisters verboten. Die allgemeine Brotzulage wird auf ¼ Brot festgesetzt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Ein ehemaliger Feldgrauer, der vom Militär entlassen worden war, hatte sich einer Frau in Godesberg gegenüber erboten, ihrem im Felde befindlichen Mann, den er gut kenne, ein Paket mitzunehmen. Er erhielt ein Päckchen mit 18 Eiern, 3 Büchsen Sardinen und ein Messer. Wegen ähnlicher Schwindeleien war er schon früher bestraft worden. Er befindet sich augenblicklich zur Verbüßung einer Strafe von einem Jahr im Gefängnis. Die Strafkammer setzte gestern eine Zusatzstrafe von einem Jahr gegen den Schwindler fest.

Die Vaterländischen Wettkämpfe und Wettspiele, die in den Jahren vor dem Krieg und auch im vorigen Jahr noch abgehalten wurden, sollen diesmal in der durch den Ernst der Zeit gebotenen Form am 23. Juli, und zwar, da die Gronauwiese nicht frei ist, auf dem städtischen Spielplatz in der Cölnstraße stattfinden. In ihnen werden sich in erster Linie die verschiedenen Abteilungen des Bonner Wehrbundes beteiligen, dessen neue Fahne auch in Verbindung mit der Preisverleihung geweiht werden soll; wollen noch andere sportliche Vereine an ihnen teilnehmen, so haben sie sich baldigst bei Herrn Turninspektor Schröder, Coblenzerstr. 79 zu melden. Die Bedingungen für die Wettkämpfe sind mit Rücksicht auf die besonderen Zeitumstände vom Kriegsministerium vorgeschrieben worden; außerdem sollen Wettspiele wie Fuß- und Handball stattfinden. Die Uebungen beginnen um 9 Uhr morgens und werden um 4 Uhr nachmittags fortgesetzt. Alle Freunde der Ertüchtigung unserer Jugend werden schon jetzt zu ihrer Besichtigung eingeladen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zum Wetter. In der Nacht vom 21. auf den 22. Juni war Sommeranfang. Programmmäßig hat sich dann auch die Witterung am 22. zum besseren gewendet und das kühle unwirsche Wetter einer ansehnlichen sommerlichen Hitze Platz gemacht. Ist dieselbe nun von Bestand, so gehen wir einem Erntejahr von solchem Reichtum an Frucht und Kartoffel, den uns am notwendigsten Lebensmitteln, entgegen, wie wir es wohl seit Menschengedenken nicht gehabt; denn im Felde steht Körnerfrucht und Kartoffeln in einer Ueppigkeit und Fülle, daß jedem Beschauer das Herz vor Freude lacht. Der 100jährige Kalender, dessen Wetterprognosen meistens eintreffen, sagt für den Juli große Hitze, abwechselnd mit Gewitter voraus, was sehr günstig für Feld und Flur wäre.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 25. Juni 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juni 1916Universität. [...] Das amtliche Personalverzeichnis der Universität und der landwirtschaftlichen Akademie für das Sommerhalbjahr 1916 ist erschienen. Es bringt in einer „Ehrentafel“ wieder die Namen der im Dienste des Vaterlandes gefallenen Universitätsangehörigen. Danach sind, soweit bis Mitte Juni bekannt war, 10 Dozenten und Assistenten, 277 Studenten und ein Angestellter der Universität auf dem Felde der Ehre gefallen. Die Zahl der eingeschriebenen Studierenden beträgt in diesem Halbjahr 4806, davon sind 522 Studentinnen. Von den Studenten stehen 3378 im Heeresdienst. Außer den eingeschriebenen Studierenden werden 100 Männer und 55 Frauen als Gasthörer gezählt, so daß die Gesamtzahl der zum Hören von Vorlesungen Berechtigten 4961 beträgt.

Die erste Kriegsküche im Fuhrpark in der Ellerstraße ist jetzt fertig zum Betrieb gestellt. Es sind zwei Kessel zu je 500 Liter betriebsfertig. Zum ersten Gericht ist das Gemüse bereits geputzt und die Kartoffeln geschält, das zweite ist schon vorrätig. Gestern Nachmittag wurden die ersten Karten gelöst für die nächste Woche. Es wurden ausgegeben 908 Literkarten für die ganze Woche und 38 Halbliterkarten für die Woche. Die Abnehmer kamen aus der ganzen Stadt, von Poppelsdorf bis Kölnstraße, und von Endenich bis Koblenzer Straße, ein Zeichen, daß die Küche einem großen Bedürfnis entspricht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Beuel. Die Bürgermeisterei Vilich setzt Montag fünf Volksküchen in Betrieb, je eine in Beuel, Schwarz-Rheindorf, Vilich, Pützchen und Küdinghoven. Die Speisen werden für 25 Pfg. das halbe Liter abgegeben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juni 1916Städtischer Verkauf von Kartoffeln und Lebensmitteln. Wie der Oberbürgermeister in der heutigen Nummer unseres Blattes bekannt macht, können von Montag den 26. ds Mts. ab bei den städtischen Verkaufsstellen nicht mehr als zwei Pfund Kartoffeln für den Kopf und die Woche abgegeben werden. Als Ersatz für die ausfallende Menge Kartoffeln werden bekanntlich neben der erhöhten Brotmenge bei der städtischen Verkaufsstelle in der Maxstraße für jede Person ein Viertelpfund Gerstengraupen zum Preise von 15 Pfennig und ein Viertelpfund Reis für 20 Pfennig abgegeben. Außerdem ohne Anrechnung auf die Fleischkarte für Haushaltungen bis zu fünf Personen 1 Pfund Plock- oder Mettwurst zum Preise von 4 Mark für das Pfund Plockwurst und 3,50 M. für das Pfund Mettwurst. Diese Waren werden nur gegen Vorlage des Brotbuches und der Kartoffelkarte abgegeben und zwar am Montag an Brotbuch Nr. 1; Dienstag Nr. 2, Mittwoch Nr. 3 und Freitag Nr. 4. Es wird darauf hingewiesen, daß es zwecklos ist, sich lange Zeit bei den Kartoffel-Verkaufsstellen anzustellen, da die Kartoffeln an allen Tagen ausgegeben werden und die bekannte Menge für jeden vorhanden ist.

Der Rote Kreuz-Bazar in der Fürstenstraße erfreute sich am Freitag des Besuches Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin zu Schaumburg-Lippe. Die hohe Frau weilte fast den ganzen Nachmittag dort und beteiligte sich in liebenswürdigster Weise sogar am Verkauf.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilte das hiesige Schöffengericht gestern einen Bauern aus dem sogenannten „Ländchen“, der Bürgermeisterei Berkum, weil er bei der Kartoffelbestandsaufnahme seinen Kartoffelbestand um 200 Zentner zu gering auf 180 Zentner angegeben hatte. Der Staatsanwalt hatte 900 Mark Geldstrafe beantragt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 26. Juni 1916

     

Der Kriegsausschuß für Konsumenten-Interessen hat gestern abend eine Sitzung abgehalten. Der Vorsitzende, Herr Falkenroth, teilte u. a. mit, daß das Generalkommando die Eingabe des Ausschusses gegen das Zurückhalten von Gemüse an den Gouverneur der Festung Köln zur weiteren Verfolgung weitergegeben hat. Bei der Besprechung der Milchversorgung wurde erwähnt, daß die Milchhändler demnächst den Preis weiter erhöhen wollten, obwohl in Bonn der Preis schon viel höher als in den meisten Großstädten sei. Professor Kamp wies Vorwürfe gegen die Deutsche Gesellschaft für gemeinnützigen Milchausschank zurück. Die Gesellschaft müsse selbst 34 Pfennig für das Liter bezahlen, sie benutze keineswegs die jetzigen hohen Preise, um Fehlbeträge früherer Jahre zu decken. Es wurde gewünscht, daß an gesunde Erwachsene keine Milch mehr abgegeben werden sollte, damit die Milch in erster Linie den kinderreichen Familien zugute kommen könnte. Der Arbeitsausschuß soll die Milchfrage weiter beraten und geeignete Anträge an die Stadtverwaltung richten. Bei der Besprechung der Gemüsefrage wurde mitgeteilt, daß in Alfter ein Händler Christian Weber aus Essen nicht nur große Mengen Gemüse und Obst aufkaufe, sondern auch schon Verträge auf Spätgemüse, Bohnen, Gurken usw. abschließe. Bemerkt wurde, daß die Kölner Gemüsemärkte infolge des Einschreitens des Gouverneurs wieder gut beschickt würden. Bei der Besprechung der Kartoffelversorgung nahm ein Herr aus Beuel die Verwaltungen in Schutz. Es fehle den Verwaltungen an nötiger Unterstützung durch freiwillige Helfer, trotzdem sei aber in Beuel alles geschehen, um die Kartoffelknappheit zu lindern. Haushaltungen mit größeren Kartoffelvorräten sollten andere Familien mit durchhelfen. Den Flaumachern, die das Volk nur aufhetzen, müßte kräftig entgegengetreten werden. Die Einführung der Massenspeisung in Bonn wurde vom Vorsitzenden als erfreuliche Tatsache begrüßt. Herr Falkenroth hob besonders hervor, daß sich eine Anzahl Frauen zur Mithilfe in den Kriegsküchen zur Verfügung gestellt haben. Stadtverordneter Görgen bat gegenüber einem Redner, der verschiedene Einzelheiten zur Kriegsküche tadelte, man möge der Stadtverwaltung das soziale Empfinden nicht absprechen und durch unberechtigte Klagen die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter nicht noch verringern. Ein Arbeitervertreter bemerkte, es habe in Arbeiterkreisen verschnupft, daß die Stadtverwaltung so lange die angebotene Mitarbeit der Arbeiter in maßgebenden Ausschüssen abgelehnt habe.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Vom Gemüse. Man schreibt uns: Die ungewöhnliche Höhe der Gemüsepreise und die dabei zutage tretende Knappheit an frischem Gemüse auf den Märkten unserer Stadt haben nicht geringe Erregung in der Bürgerschaft hervorgerufen. In der Hauptsache handelt es sich bis jetzt um Grüngemüse, und zwar um Savoien und Spitzkohl, um Wintergemüse, das im vorigen Herbst eng in die Felder ausgepflanzt wurde. Aus den bei dem milden Winter kräftig in die Blätter geschossenen Pflanzen wurden im Frühjahr schon große Mengen an Schnittgemüse verkauft, weil sehr hohe Preise bezahlt wurden. Der Rest wuchs zu geschlossenen Köpfen heran und diese, mehr oder weniger fest, kommen nun auf den Markt. Sie kommen seit Wochen schon auf den Markt, obschon von halbwegs festen Köpfen nicht die Rede sein konnte. Dies hatte dieselbe Wirkung auf den Gemüsestand und lebenden Vorrat, wie das vorzeitige Abschlachten der Schweine im ersten Kriegsjahr. Wie Fleischmangel – so nun auch Gemüsemangel. Von den losen Gemüseplauschköpfen braucht die Hausfrau zu einer Mahlzeit zwei Stück; ein fester Kopf genügt für zwei Mahlzeiten.
  
Das Verhalten des noch unentwickelten Gemüses auf den Feldern wäre demnach nur zu begrüßen; aber da kommt die Ausfuhr, zahlt Preise wie nie, auch für die halben Köpfe und der Züchter verkauft. In dieser Richtung hin konnten auch die Höchstpreise Segen stiften.
   Die Ausfuhrhändler zahlen die Richtpreise auch auf den Feldern und am Erzeugungsorte und nehmen dem Züchter die Mühen und Kosten des zum Markt fahren ab. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß er ihnen sein Gemüse überlässt und daß unsere Märkte leer sind. [...]
   Hier wäre nun vielleicht in Zukunft ein Weg zu gehen, um zu erschwinglichen Preisen an Gemüse zu kommen. Unsere Hausfrauen müssen die Gemüsezüchter auf ihren Feldern aufsuchen und dort aus erster Hand zu kaufen versuchen. Dazu ist es ja noch ein schöner Spaziergang bis Endenich oder Grau-Rheindorf und manche nützliche Lehre brächte man obendrein mit heim. [...]
   Der Stand unserer Sommergewächse und Gemüse ist schön, wirklich schön: besonders der frühen Kartoffeln. Sie versprechen viel. Bitten wir noch um anhaltendes sommerliches Wachstum und Ausreife förderndes Wetter, und unsere Märkte werden sich wohl wieder füllen und mit der Fülle auch vielleicht erträglichere Preise bringen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Hilfsstelle zur Ermittlung von deutschen Kriegsgefangenen. Die nächste Aussprache von Angehörigen Gefangener und Vermisster findet Montag, den, 26. d. M., abends 8 Uhr, im Kronprinzenhof statt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 27. Juni 1916

    

Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Bonn hat gestern nachmittag unter dem Vorsitz von Geheimrat Doutrelepont seine Mitglieder-Versammlung abgehalten. (...) Dem vom Schriftführer, Dr. v. Gartzen, erstatteten Bericht entnehmen wir folgendes: Auch im zweiten Kriegsjahre setzte der Verein, wenn auch in beschränktem Umfange, seine Tätigkeit in der bisherigen Weise fort. Durch Verbesserung der Wohnungs- und Ernährungsverhältnisse, durch Unterbringung von Kranken und Gefährdeten in Heil- und Erholungsstätten konnte der Verein in zahlreichen Fällen eingreifen und viele Kranke, vorwiegend aus Arbeiterkreisen, aber auch Beamte, Handwerker, Geschäftsleute und Studenten wirksam unterstützen. (...) Beigeordneter Dr. v. Gartzen, teilte noch mit, daß alle Bemühungen, im Johanniterkrankenhause Friedrich-Wilhelm-Stift eine Station für Tuberkulosekranke einzurichten, erfolglos geblieben sind. Dagegen hat die Stadt Bonn in ihrem Pflegehause eine Abteilung für weibliche Lungenkranke eingerichtet, eine Abteilung für männliche Lungenkranke soll so bald wie möglich folgen. Die Tageserholungsstätte in Grau-Rheindorf ist der Militärbehörde für nervenkranke Kriegsteilnehmer zur Verfügung gestellt worden, doch waren im zweiten Kriegsjahre wieder genügend andere Lungenheilstätten im Betrieb.

Die mehrfachen Felddiebstähle, die in letzter Zeit vorgekommen sind, haben die Polizei veranlaßt, die Felder unter besondere Aufsicht zu stellen. Bei einer in den letzten Nächten abgehaltenen Streife wurden fünf Gemüse- und Kartoffeldiebe auf frischer Tat ertappt und zur Anzeige gebracht. Derartige Diebstähle, besonders von Kartoffeln, die jetzt erst im Wachsen begriffen sind, sind verwerflich.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Duisdorf, 26. Juni. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden dem hiesigen Althändler Philipp Häseling etwa 100 Quadratmeter frühe Kartoffeln ausgemacht und gestohlen. Die Heranziehung des Polizeihundes „Hexe“ aus Bonn war ohne Erfolg, da der Hund infolge des Regens keine Spur aufnehmen konnte. Ueber den Täter konnte auch weiter nichts ermittelt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

    

Lebensmittel- und Warenkarten. Am morgigen Mittwoch und an den folgenden Tagen findet im Stadtkreis Bonn durch Beauftragte des städtischen Lebensmittelamtes eine Personenstandsaufnahme statt. Sie dient dem Zweck, anstelle des bisherigen Brotbuches, die am Freitag im Stadtrat beschlossenen Lebensmittel- und Warenkarten zur Verausgabung zu bringen.

Die „Studentenmutter“ als Wahrsagerin. In den Ruf einer tüchtigen Wahrsagerin kam eine vormalige „Stundentenmutter“ aus Bonn, deren Pension infolge der Einziehung der bei ihr wohnenden Studenten zur Fahne einging. Darauf arbeitete die 48jährige Frau bei der Geschoßfabrik in Siegburg, wo ihre Mitarbeiterinnen aus Bonn und Köln viel über die Prophezeiungen von Wahrsagerinnen sprachen, die sie in jenen Städten aufgesucht hatte. Einmal ging die Frau auch mit einer Kameradin nach Bonn zu einer solchen „weisen Frau“ und ließ sich gleichzeitig mit der Arbeitsgenossin die Karten legen. Auf dem Heimweg sagte sie zu der Kameradin: „So gut wie die kann ich selbst die Karten legen.“ Und um das zu beweisen, legte sie auch tatsächlich aus Scherz jener die Karten. Das sprach sich rund und ohne ihr eigenes Zutun kam die Frau in den Ruf einer Wahrsagerin, die denn auch, angeblich ohne ihren Willen, öfters von Frauen und Mädchen besucht wurde und diesen schließlich auch auf ihre Bitten die Karten legte und ihnen alles mögliche Schöne, manchmal auch Schlimmes prophezeite, je nachdem es sich traf. Einzelne der Besucherinnen hatten der Frau auch dann wohl 50 Pfg. oder 1 M. auf den Tisch des Hauses gelegt, ohne daß jene eine Vergütung gefordert hätte. Sie kam aber in den Verdacht, gewerbsmäßig die Dummheit solcher, die nicht alle werden, durch ihr Wahrsagen auszunützen, und wurde von ihrer Arbeitsstelle in der Fabrik einstweilen entfernt. Jetzt hatte sie sich zudem vor dem Außerordentlichen Kriegsgericht für den Bereich der Festung Köln wegen verbotenen Wahrsagens zu verantworten. Die Schilderung der Angeklagten, wie sie zur „weisen Frau“ geworden war, löste sogar bei den strengen Herren des Gerichtshofes gelinde Heiterkeit aus; das Gericht faßte den Fall milde auf, und erkannte auf eine Geldstrafe von 20 M., da immerhin ein Verstoß gegen die Verordnung des Gouverneurs vorliege.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Die ersten Kriegsküche der Stadt Bonn wurde heute vormittag im Gebäude des städtischen Fuhrparks an der Ellerstraße eröffnet.
  In diesem Satze ist ein Ereignis ausgedrückt, dessen vorgültige Würdigung heute noch nicht einmal andeutungsweise ausgesprochen werden kann. Erst wenn von diesem Anfange aus sich die Gemeinschaftsspeisung auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt haben wird, wenn alle Kreise, die auf diese Art der Verpflegung Anspruch erheben, ihren Wunsch erfüllt sehen, wird sich einigermaßen übersehen lassen, welch’ bedeutungsvolle Schöpfung heute ihren Anfang genommen hat. Wenn die Zeit des Krieges einmal vorüber ist und auch die wirtschaftliche Lage unseres Vaterlandes sich wieder in nahezu geregelten Bahnen befinden wird, werden die Männer, welche in der Gemeinschaftsspeisung einen wichtigen Faktor zur Vereitelung der Aushungerungspläne unserer Gegner erblickt haben, als die Generäle im Wirtschaftskriege die verdiente Anerkennung finden. Heute führt der Soldat den Kampf mit der Waffe, wir alle aber haben teilzunehmen an der Ausfechtung des Wirtschaftskrieges. Wir sind mit Streiter geworden. Unsere Waffe ist nicht das Schwert, sondern die richtige Erkenntnis von dem Ernst der Lage, das Ausharren in Geduld, das Ueberwinden von persönlichen Unannehmlichkeiten, die Ausübung der Tugenden der Entsagung, des Opfergeistes, die Ueberwindung kleinlicher gesellschaftlicher Gesichtspunkte, ein fester Gemeinschaftlichkeitssinn. Alle diese Eigenschaften müssen sich gründen auf das feste Fundament der Vaterlandsliebe. Denn wir alle müssen heute mithelfen, unser Vaterland zu retten und jeder kann es, wenn er zu gegebener Zeit eine jener Tugenden praktisch betätigt. In dem Wirtschaftskampfe bildet die Speisegemeinschaft einen derart wichtigen Faktor, daß man der Stadtverwaltung vollste Anerkennung aussprechen muß, da sie nunmehr dieses wichtige Kampfmittel im Aushungerungskrieg geschaffen hat; sie darf des Dankes der Bürgerschaft gewiß sein.
   Die heute dargebotene Speise, es war Wirsing mit Kartoffeln und Speck, war aufs beste zubereitet und mundete vorzüglich. Einer Reihe von Ehrengästen, Stadtverordneten, Vertretern der Presse war Gelegenheit geboten, sich heute Sonderkarten zu lösen, um sich von der Güte der dargebotenen Speise zu überzeugen. Das übereinstimmende Urteil ging dahin, daß das Gericht gut und die Menge ausreichend sei. Wenn erst die Kartoffelknappheit überstanden sein wird, so wird es noch besser werden. Der morgige Speisezettel weist „Weiße Bohnensuppe“ auf und die Karteninhaber werden sich gewiß nach der heute gemachten Erfahrung schon auf morgen mittag freuen, da ihnen eine kräftige Speise dargeboten wird.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 28. Juni 1916

    

Die Erhöhung der Zigarettenpreise. Mit dem 1. Juli tritt der Kriegsaufschlag für die Zigaretten in Kraft, wodurch sich die Zigarettenpreise um 25 bis 30 v. H. erhöhen. Die Zigarrenhändler sind gezwungen, die Preise für die Zigaretten sofort mit dem 1. Juli zu erhöhen, da sie alle am 1. Juli in ihrem Besitz befindlichen Zigaretten mit dem Kriegsaufschlag nachversteuern müssen. Nur die Zigarrettenvorräte der kleinsten Händler bleiben nachsteuerfrei, soweit diese Vorräte 3000 Stück nicht überschreiten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Der Nahrungsmittelverkehr in Bonn wird mit dem 1. bezw. 2. Juli eine Neuordnung erfahren, die es ermöglichen soll, daß das Warten und Ansammeln vor den Verkaufsstellen aufhört, daß eine gerechtere Verteilung der Lebensmittel stattfindet und der Verkehr sich wieder mehr auf die Lebensmittelgeschäfte der einzelnen Stadtteile erstreckt. Die Stadtverwaltung überweist die ihr zur Verfügung stehenden Lebensmittel an die einzelnen Geschäfte, u. a. den Speckverkauf an die Metzgereien, läßt die Geschäfte genaue Kundenlisten führen und verpflichtet jeden Hausstand, sich für 4 Wochen bei einem bestimmten Lebensmittelgeschäft als Kunde einzutragen, zweigt da, wo zu viele Kunden eingetragen sind, die Ueberzahl zwangsweise ab, um Ansammlungen zu verhüten, gewährt weiterhin die bisherige Brotmenge, an Schwerarbeitende, jugendliche Arbeiter und im Wachstum befindliche Kinder ¼ - ¾ Pfund Brot wöchentlich mehr, gibt als Ersatz für mangelnde Kartoffeln mehr Brot und Hülsenfrüchte, muß dagegen das Speisefett, das nunmehr völlig von der Zentrale aus den einzelnen Städten überwiesen wird, auf 100 Gramm insgesamt begrenzen, wovon nur 50 Gramm auf Butter oder Margarine entfallen, kann dagegen zusagen, daß der Preis der Margarine auf 2 Mk. und des 100prozentigen Speisefetts auf 2, 32 herabgesetzt wird. Wer Butter anderwärts bezieht, erhält solche nicht von der Stadt. Im übrigen sind die Preise für Lebensmittel für die ärmere, minderbemittelte und die übrige Bevölkerung in drei Abstufungen eingeteilt. Auch die zu den niedrigsten Preisen verabfolgten Waren kann man in den Läden kaufen. Mehl gibt es nur noch ein Pfund, weil in der fettarmen Zeit Brot mehr als Nahrungsmittel angesehen wird. Anstelle des Brotbuches, tritt, wie schon bekannt, das Warenkartensystem, das eine schärfere Kontrolle von Käufern und Verkäufern ermöglicht. Die Karten werden von städtischen Beamten jedem Hausstand zugestellt.
   Die Kriegsküchen werden weiter ausgebaut. Der Zuspruch ist sehr stark. In der nächsten Woche können 6000 Personen gespeist werden.

Auch eine Ursache der Eierknappheit. Aus unserem Leserkreis wird uns geschrieben: Ein Landmann verlangte gestern für ein Ei 35 Pfennige. Bei dieser Gelegenheit zeigte er mir einen Brief, von einem der höheren Zigtausend Bonn’s geschrieben, in welchem der Betreffende um Ueberbringung von Eiern bat, Preis sei Nebensache!! Außerdem wurde dem Bauer, da er von auswärts kommt, noch Fahrgeld zugesichert. Gut für den Schreiber und den Bauer, doch traurig für den weniger Bemittelten!

Schließung einer Bäckerei. Wie der Oberbürgermeister in der heutigen Nummer unseres Blattes bekannt macht, ist die Schließung des Geschäfts des Bäckermeisters Michael Rott, Stiftsplatz 6, wegen Unzuverlässigkeit im Handel mit Nahrungsmitteln angeordnet worden.

Die städtische Kriegsküche im Betrieb.
Seit vorgestern ist das Heim des städtischen Fuhrparks in der Ellerstraße das Ziel vieler Hunderte. Um die Mittagszeit eilen sie herbei, um die Vorsorge und die Kochkunst der Stadtverwaltung in Anspruch zu nehmen. Ein Lager, eine Halle ist dort zu einer prächtigen Küche hergerichtet. Zwei mächtige Kochherde sind drin aufgebaut; jeder faßt 500 Liter; zwei kleinere assistieren den großen. Lange., blitzsaubere Anrichten und Tische stehen heir, hagelweiß sind Wände und Decke. Ein Vorbau schützt mit seinem Dach die Harrenden; Schranken leiten zu den zwei Ausgabestellen. Ein abgetrennter Raum nimmt die Verwaltung auf.
   In dieser Kriegsküche herrschen Damen aus den ersten Gesellschaftskreisen; Herren des städtischen Bauamtes gehen ihnen zur Hand; Stadtverordnete und Mitglieder der Verpflegungskommission sehen nach dem Rechten. Um die Riesenherde aber hantieren mit mächtigen Geschirren, Rührern und Löffeln und Schöpfkellen behäbige Kochfrauen mit ihren Gehilfinnen. Verständnisvoller Eifer leuchtet auf ihren Gesichtern; strahlend in Genugtuung, wenn die Kostproben den würzigen Düften recht geben. Kostbar, wohlgeraten!
   So ist die Uhr auf ½2 gelaufen und die Hunderte, die von allen Seiten kommen, haben sich ohne Hast und ohne Drängen an den Schranken gegliedert. Da stehen Bürgerinnen und Bürger und Bürgerskinder aus allen Berufsklassen. Frauen, denen harte Arbeit ihren Stempel aufgedrückt, einfach deckt eine saubere Schürze ihren Arbeitsrock. Frauen in Hut und Mantel; Angestellte mit dem Postzeichen, Angestellte im Straßenbahnerrock; Kinder mit bleichen Gesichtern und verwaschenen Blüschen, Kinder Bessergestellter. Männer im Arbeitskittel mit schwieligen Händen; Männer mit weißer Wäsche. Alle bringen Vertrauen der Kochkunst der Kriegsküche entgegen und alle sehen frank und frei, schreiten erhobenen Hauptes zum Empfangstisch. Frei Bürger, frei und ungedrückt, nehmen sie die Vorsorge der Stadt in Anspruch. Recht und Pflicht begegnen sich hier in schönster Harmonie.
   Die Kostproben sagten, daß die Suppe zur Ausgabe fertig ist. Zwei Herren mit freundlichstem Blick und prächtigem Engegenkommen alter Hülflosigkeit gegenüber, nehmen die Bezugsscheine in Empfang und mit ihnen die Töpfe und Geschirre. Zwei Ketten von Damenhänden geben sie an die Herde: 1 Liter – ½ Liter – 3 Liter – 5 Liter. – Die prallen Köchinnen tauchen die Kellen tief in den duftenden Inhalt, rühren auch eifrig, damit nur ja immer das richtige Gemenge, nicht zu dünn und nicht zu dick, erfaßt werde, und jedes Gefäß erhält sein Maß. Beglückt zieht der Versorgte ab und mit ruhiger Gelassenheit treten andere an die Schranken.
   Die Geschirre sind wundervoll mannigfaltig, mit denen die Kriegssuppe heimgeholt wird. Alle Arten von Töpfen und Kannen marschieren da auf; groß und klein, dick und dünn, bauchig und eng; sie sind von Holz, sie sind von Ton, von Eisen und Blech. Prachtstücke, die einst in besseren Zeiten köstlichen Bowlenwein spendeten, Wasserkrüge, die den Waschtisch zierten; altdeutsche Krüger, die vor Jahrhunderten geformt und schon manchen Krieg erlebt, Essenträger, Wassereimer, Milchtöpfe, Marmelade-Eimerchen marschieren da in bunter Reihe, wie ihre Besitzer, auf. (Die Marmelade-Eimerchen eignen sich am besten für das Holen der Gerichte.)
   Mit freundlichem Antlitz überreichen junge und gesetzte Damen die gefüllten Geschirre; vorsorglich packen sie dem jungen Knirps hier den weiten Topf in das enge Körbchen, dort dem blassen Mädchen die hohe Kanne in die schwankende Markttasche, damit nur ja nicht ein Tröpfchen des kostbaren Inhaltes verschüttet wird. Ueberall freundliche Belehrung, liebevolle Hülfe, geschäftiges Entgegenkommen bei den Damen und Herren der Küchenhülfe gegenüber den Suppenholern. Kein gerissener und verständiger Geschäftsmann behandelt seine besten Kunden zuvorkommender. Hier sind Menschen an der Arbeit, die volles Verständnis für ihre hohe Aufgabe besitzen.
½1 Uhr und die Abonnenten sind versorgt. Wohl 900 Portionen sind verausgabt. Es ging alles wie am Schnürchen. Einer der Riesenkessel ist leer geworden; der andere hat noch seine 100 Liter Speise für die Tageskarten, deren Portionen dann weiter bis ½2 Uhr abgegeben werden.
   Ein gutes Werk, wichtige kriegswirtschaftliche Aufgaben vermag eine derart vorbildlich geleitete Kriegsküche zu erfüllen. Ihr weiterer Ausbau und die Verbreitung über die ganze Stadt werden weiteren Segen stiften und Neid und Haß und menschenunwürdige Bosheit unserer Feinde zu Schanden machen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Grau-Rheindorf, 25. Juni. In der Sonntagnacht wurden hier in der Nähe des Friedhofs auf mehrern Grundstücken erhebliche Mengen Frühkartoffeln aus der Erde gewühlt. Einem Arbeiter wurden mehrere Zentner Futterknollen aus der bis dahin verschlossenen Grube gestohlen. Da die Felddiebstähle sich beständig mehren, so soll hier demnächst eine Nachtwache eingerichtet werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

    

Beim Spielen am Rhein stürzte gestern nachmittag ein dreijähriger Junge ins Wasser. Das Kind ertrank. Der Vater des Kindes war wenige Stunden vor dem Unglück aus dem Felde in Urlaub gekommen, die Mutter ist Wöchnerin.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 29. Juni 1916

Wegen des Feiertages Peter und Paul erscheint an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.

   

Ausfuhrbeschränkung für Frühkartoffeln. Der Oberbürgermeister hat angeordnet, daß die Ausfuhr von Frühkartoffeln aus dem Stadtkreise Bonn nur auf Grund besonders erteilter Erlaubnis zulässig ist.

Keine Ausfuhr von deutschem Obst und Gemüse. Die Korrespondenz der rheinischen Landwirtschaftskammer schreibt: Vielfach findet man in der Presse die Ansicht vertreten, daß Gemüse und Obst im vorigen Jahr in erheblichem Umfange in das Ausland gegangen und daß auch für dieses Jahr ähnliches zu befürchten sei. Beides ist unzutreffend. Die Ausfuhr von Obst und Gemüse ist ganz allgemein verboten, und wie uns von amtlicher Seite mitgeteilt wird, ist auch die für Spargel ausnahmsweise zugelassene Ausfuhr wieder aufgehoben.

Palast-Theater. Die Straußsche Operette „Frühlingsluft“ wird nur noch heute und morgen gegeben. Am heutigen Peter- und Paulstage finden zwei Vorstellungen statt, nachmittags und abends.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Freitag, 30. Juni 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1916Volksspende für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen. Man schreibt uns: Unter dem Schutze Ihrer Majestät der Kaiserin ist in ganz Deutschland eine Volksspende für die deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen eingerichtet worden. Die Vaterländischen Vereinigungen in Bonn haben es übernommen, diese Spende in unserer Stadt durchzuführen und ihre Einsammlung durch die Bonner Volksspende zu veranlassen. Es gilt auch derer zu gedenken, die unverschuldetes Unglück weithinaus in Feindesland verschleppte, die dort festgehalten wurden, als der Sturm über Deutschland hereinbrauste, und die nun getrennt von Heimat und Familie, in Unkenntnis über die wahre Kriegslage, fern vom Vaterland schmachten bei schwerer Arbeit, in ungewohntem Klima und unter oft harter Behandlung. Eine Spende des ganzen Deutschen Volkes soll dazu beitragen, die Not aller deutschen Gefangenen in Feindesland zu lindern, so daß sie nach den traurigen Zeiten in hellen Tagen des Friedens mit stolzer Freude sagen können: „Unser Vaterland und unsere Landsleute hatten uns nicht vergessen, sie waren mit ihrer Hilfe und mit ihrem Herzen bei uns!“ Wir hoffen, daß unsere Bonner Mitbürger, von tiefem Mitgefühl bewegt, für diese mildtätige Sammlung eine offene Hand haben und zeigen, daß sie würdig sind der ungeheuren Opfer, die in riesigen Schlachten und in stillem Erdulden da draußen gebracht werden! Gebe jeder und jede nach Herz und Vermögen.
   Beiträge nimmt die Bonner Volksspende oder die Sammelstelle Rh.-Westf. Diskonto-Gesellschaft, Münsterplatz 1-3 entgegen.
   Die Bonner Pfadfinder haben es sich nicht nehmen lassen, auch bei der Spende für die Kriegs- und Zivilgefangenen in Feindesland ihren vaterländischen Opfermut zu betätigen. Sie haben sich begeistert zur Verfügung gestellt, um die Werbedrucksachen in allen Haushaltungen in Bonn zu verteilen und die Abschnitte mit den Zeichnungen der opferfreudigen Bürger und Bürgerinnen wieder abzuholen.

Die Frauen als Flickschuster. Dem Beispiel der Karlsruher Frauenvereine folgend, will nun auch der Bonner Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe der Not der Zeit Rechnung tragen und im Universitätsgebäude Am Hof, rechts neben dem Hauptportal eine „Flickschusterei“ einrichten, um alte Schuhe auszubessern und neue herzustellen. Die Beschaffung und Instandhaltung des Schuhwerks macht den wenigerbemittelten und kinderreichen Familien die schwerste Sorge, darum ist jetzt, da Leder und Schuhwerk beinahe unerschwinglich teuer geworden sind, diese Einrichtung notwendig geworden. Zwei Bonner Damen und ein Schuhmachermeister werden in Karlsruhe einen Lehrgang mitmachen, der sie in den Stand setzt, mit kleinen Resten Schuhe auszubessern, aus alten Lederkoffern, Schulranzen, Linoleumresten usw. Sohlen herzustellen, aus alten Strohhüten Bastschuhe, aus Tuchresten und Filzhüten Zeugstiefel anzufertigen. Wir weisen auf den Aufruf im Anzeigenteil hin. Weitere fachmännische Hilfskräfte sollen herangezogen werden. Frau Kautz, die Begründerin der vorbildlichen Karlsruher Flickschusterei, hat ein Flugblatt herausgegeben, in dem in dankenswerter klarer Weise Anleitung zum Erhalten und selbstständigen Ausbessern der Fußbekleidung gegeben wird. Dies Flugblatt ermöglicht es der Hausfrau, die jetzt so teuren Ausbesserungen selbst vorzunehmen, und kann deshalb gar nicht genug empfohlen werden. Es ist in der Beratungsstelle Am Hof 1 zu haben. Auch wird in der „Flickschusterei“ Anweisung dazu gegeben. Die Bonner Bürgerschaft wird herzlich gebeten, dieser neuen Einrichtung werktätiger Kriegsfürsorge nach Kräften ihre Hilfe angedeihen zu lassen und der „Flickschusterei“ recht viel Rohstoffe zuzusenden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1916Verkauf von Lebensmitteln gegen Warenkarten. Im Stadtkreis Bonn dürfen vom 2. Juli d. J. ab neben denjenigen Lebensmitteln und Waren, deren Abgabe an Verbraucher nur gegen besonders gekennzeichnete Karten erfolgen darf, wie Brot und Mehl, Fleisch und Fleischwaren, Speisefette, Verbrauchszucker, Eier, Kartoffeln, Seife, Seifenpulver und andere fetthaltige Waschmittel, die nachstehend bezeichneten Lebensmittel nur gegen die mit Nummern versehenen Abschnitte der für den Stadtkreis Bonn gültigen Warenkarte abgegeben werden: Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen), Erbsen- und Bohnenmehl, Graupen, Gerstengrütze, Griesmehl, Reis, Teigwaren (Nudeln) und Salzheringe. Die Abgabe dieser Lebensmittel darf nur in Geschäften erfolgen, die durch Aushang eines vorschriftsmäßigen Schildes im Schaufenster als Verkaufsstellen städtischer Lebensmittel besonders gekennzeichnet sind. In jeder Woche wird bekannt gemacht, welche Lebensmittel abgegeben werden dürfen, außerdem die abzugebende Menge, ihr Preis und die betreffende Nummer des Warenabschnittes. Ausnahmen sind nur mit schriftlicher Erlaubnis des Oberbürgermeisters gestattet.

Kriegsgemüse. In den Waldungen auf dem Venusberg wächst in überaus großen Mengen der baumartige Adlerfarn. Die jungen Wedel und die zarten Enden der ältern Wedel geben wie Spinat abgekocht und behandelt, dann mit einigen gekochten und zerkneteten Kartoffeln vermischt und gargeschmort ein – auch nach ärztlichem Urteil – sehr wohlschmeckendes, gut bekömmliches und nahrhaftes Gemüse. Wer einen größeren Spaziergang unternimmt, möge einmal den Versuch machen, er wird ihn sicher wiederholen, weil er den eignen Geldbeutel und auch den Gemüsemarkt dadurch entlastet. Auch der Sammeltätigkeit der Kinder und ärmeren Bevölkerung könnte dadurch eine Erwerbsquelle erschlossen werden. Prof. Füchtjohann.

Durch wokenbruchartigen Regengüsse, die am Mittwoch nachmittag niedergingen, wurden in den verschiedensten Stadtteilen die Keller und die tiefer gelegenen Höfe unter Wasser gesetzt. Tiefbauamt und Feuerwehr wurde mehrfach herbeigerufen, um das Wasser aus den Kellern auszupumpen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1916Die Wirkung der neuen Tabakabgaben. Man schreibt uns: Am 1. Juli treten die neuen Tabakabgaben in Kraft, und für die seit dem 16. Mai d. Js. verzollten oder versteuerten Tabakblätter hat eine Nachverzollung oder Nachversteuerung stattzufinden zu Ausgleich des Unterschiedes zwischen den gegenwärtigen und den neuen Gewichtszöllen. Unter dem Einfluß der infolge des Krieges eingetretenen außerordentlichen Verteuerung des Tabaks, die noch nicht zum Stillstand gekommen ist, waren bereits bisher die Preise der Tabakerzeugnisse sehr erheblich gestiegen. Inzwischen ist dne Arbeitern des Tabakgewerbes eine Lohnerhöhung von 25 v. H. unter Einrechnung der während des Krieges bereits gewährten Teuerungszulagen zugestanden, wodurch naturgemäß eine weitere Verteuerung der Erzeugung eingetreten ist. Und nun tritt dazu der erhöhte Gewichtszoll. Die Folge dieser verschiedenen die Fabrikation verteuernden Ursachen wird ein Preisaufschlag auf Zigarren von durchschnittliche mindestens 50 v. H. sein. Aber auch dieser Aufschlag wird nur solange ausreichen, als noch ältere, billigere Rohtabake verarbeitet werden. Sobald ausschließlich Tabake zu den hohen Kriegspreisen und mit der neuen Belastung zur Verarbeitung gelangen, wird der Preisaufschlag sich noch weiter erhöhen. Dabei werden die untersten Preislagen die stärkste Steigerung erfahren. Gegenwärtig wird es noch möglich sein, im Kleinhandel eine Zigarre für 10 Pfg. zu beziehen, in absehbarer Zeit dürfte aber die 12-Pfg.-Zigarre die unterste Preislage bilden. Die bisherige 10-Pfg.-Zigarre kostet gegenwärtig noch 15 Pfg., ihr Preis wird aber demnächst noch weiter steigen. Ueber die Gestaltung der Kleinhandelspreise für Zigaretten ist zwischen Fabrikanten und Händlern noch keine Einigung erzielt, obwohl der Zeitpunkt für die Erhebung des neuen Kriegsaufschlages unmittelbar bevorsteht. (...) Jedenfalls wird die bisherige 1-Pfg.-Zigarette ganz verschwinden und an ihre Stelle tritt als billigste Sorte die 2-Pfg.-Zigarette. Eine sichere Folge der Neubelastung der Zigarettenindustrie wird jedenfalls darin bestehen, daß die bisherige Preisschleuderei, unter der der solide Zigarettenhandel stark gelitten hat, für immer ihr Ende erreicht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 29. Juni. Zu der heute beginnenden Speisegemeinschaft im Volksspeisehause (ehemals Hüttenrauch), die bis zur vollständigen Einrichtung der Anlage vorläufig nur für solche Familien bestimmt ist, die gar keine Kartoffeln mehr besitzen, haben sich 600 Personen angemeldet.

Godesberg-Muffendorf, 29. Juni. Kürzlich wurden drei gut situierten Landwirten der früheren Gemeinde Muffendorf noch erhebliche Kartoffelvorräte von der Godesberger Polizei in den Kellern beschlagnahmt und verkauft. Die Beschlagnahmung erfolgte auf Grund einer Anzeige minderbemittelter Leute, denen man sich geweigert hatte, noch Kartoffeln zu verkaufen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

    

Unverantwortliche Redensarten und Hamsterei. Am Mittwoch verbreitete sich fast plötzlich in der Stadt, meist in Geschäften, das Gerücht, das Salz würde teurer. Sofort setzte auch schon die Salzhamsterei ein. Auf Grund von Erkundigungen an maßgebender Stelle sind wir in der Lage mitzuteilen, daß eine Erhöhung des Salzpreises nicht bevorsteht. Wohl war an die hiesige Preisprüfungsstelle von Geschäftsleuten der Antrag gestellt worden, auch für Salz erhöhte (Kriegs-) Preise festzusetzen. Diesen Antrag aber hat die Preisprüfungsstelle mit Recht abgelehnt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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