Mittwoch, 26. Juli 1916
Das Schwein des kleinen Mannes ist nicht gefährdet, es unterliegt nicht der Beschlagnahme, wie ungeachtet aller Versicherungen von zuständiger Stelle in den Kreisen der Kleinviehhalter noch immer befürchtet wird. Daß dem Züchter das für seine Eigenversorgung bestimmte Schwein belassen wird, haben erst vor kurzem noch der preußische Minister des Inneren und die Minister für Handel und Gewerbe sowie für Landwirtschaft angeordnet. Es ist ausdrücklich bestimmt worden, daß die zur notwendigen Versorgung der Haushaltsangehörigen bestimmten Tiere dem Viehhalter zu belassen sind, daß sie ihm auch dann nicht zu nehmen sind, wenn es sich darum handelt, den Bedarf des Heeres, der Marine oder der Zivilbevölkerung zu decken. Die erwähnte Bestimmung des Erlasses lautet wörtlich, „daß im Falle der Enteignung der unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Versorgungsverhältnisse zur Erhaltung der Haushaltsangehörigen notwendige Bestand an Schweinen jedem Viehhalter zu belassen ist. Bei Bemessung der hiernach dem einzelnen Viehhalter zu belassenen Schweine wird davon auszugehen sein, daß dem Selbstversorger für jeden Wirtschaftsangehörigen eine Fleischmenge von bis zu 500 Gr. die Woche zugestanden werden müsse.“
Das Metropol-Theater bringt diese Woche die Filmtragödie in vier Abteilungen „Du sollst nicht richten“, das dreiaktige Drama „Der Peitschenhieb“ sowie die Lustspiele „Eine uhr-komische Geschichte“ und „Wie man seinen Mann kuriert“.
In den Bonner Lichtspielen wird in diesen Tagen als Stuart Webbs letztes Abenteuer das Detektivschauspiel „Der Amateur“ aufgeführt. Der Spielplan kündigt weiter an das dreiaktige Drama „Der dritte Akt“, das Lustspiel in drei Akten „Die sieben Frechdachse“ und andere kleine Filme.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Ein Schaffell, frisch abgezogen, wurde gestern morgen von einem Feldhüter auf einem Fruchtfeld unterhalb der Gronau gefunden. Der dazugehörige Hammel fehlte natürlich. Er scheint wohl in den falschen Kochtopf geraten zu sein. Der Eigentümer des Hammels konnte bisher nicht ermittelt werden; auch von dem Spitzbuben hat man noch keine Spur.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Lindensamen reifen bald heran, und das gibt uns Anlaß, darauf hinzuweisen, daß sie 58 Prozent fettes, feines Oel enthalten, also mehr als alle anderen deutschen Oelsamen. Es wäre zu wünschen, wenn allerwärts eingesammelt werden würden. Bei dem bedeutenden Anbau des Baumes in Deutschland könnte eine Masse Lindensamen zur Oelgewinnung herangebracht werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Das städtische Bekleidungsamt wird in den nächsten Tagen auch in Tätigkeit treten; es ist untergebracht im Gebäude der Universität, deren nördlicher Teil damit vollständig vom städtischen Lebensmittel- und Bekleidungsamt belegt ist. Infolge der Rationierung der Web-, Wirk- und Strickwaren ist der Kauf von Bekleidungsstücken bekanntlich ab 1. August nur noch gegen Bezugsscheine möglich. Diese Bezugsscheine liegen in den betreffenden Geschäften aus, sie müssen vom Käufer entsprechend ausgefüllt werden und vom Bekleidungsamt abgestempelt werden, das über die Bedürfnisfrage vorher entscheidet. Natürlich wird hier keine hochnotpeinliche Untersuchung über das Bedürfnis angestellt, aber durch eine genaue Kartothek wird nach und nach eine sorgfältige Uebersicht über dem Bedarf jedes einzelnen geschaffen. Bekanntlich unterliegen ja auch die teureren Bekleidungstücke nicht dem Bezugschein.
Eine Kommission wir in Geschäften die Preise der Web-, Wirk- und Strickwaren daraufhin prüfen, ob diese nicht durch eine unberechtigte Preiserhöhung der Bezugscheinpflicht entzogen werden. [...]
„Der Streik der Bonner Ehrendamen“. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die Rheinische Zeitung folgendes:
Am Samstag hat der Beigeordnete Piehl, der Leiter des städtischen Lebensmittelamtes, die Vertreter der Bonner Presse zu einer Besprechung eingeladen. Er kam auch auf die Kriegsküchen zu sprechen, wozu er unter anderem folgendes ausführte: Die vorgebrachten Klagen über die Art der Tätigkeit und Ungehörigkeiten einzelner ehrenamtlich wirkender Damen soll genau geprüft werden. Sofern die ehrenamtlichen Damen sich nicht bewähren, werden ausschließlich bezahlte Kräfte angestellt werden. Es ist das Bestreben der Stadtverwaltung, die Kriegsküchen mustergültig zu organisieren.“
Jeder rechtlich denkende Mensch konnte sich über diese Worte, die eine Gewähr dafür geben sollen, daß die Kriegsküchen mustergültig organisiert werden sollten, nur freuen. Anders aber die Ehrendamen in der Kriegsküche in Poppelsdorf. Die Bonner Presse berichtete in den Sonntagsausgaben über die Besprechung und über die eventuelle Absicht der Beseitigung der Ehrendamen durch die Stadtverwaltung. Dieses schlug bei den in der Poppelsdorfer Kriegsküche tätigen Ehrendamen den Boden aus dem Faß. Im größten Andrang verließen sie den Schauplatz ihrer Tätigkeit und stellten mit seltener Einmütigkeit ihre Arbeit ein. Sie kümmerten sich nicht darum, wie der Koch und die Arbeiterfrauen mit der Ausgabe des Essens fertig werden konnten.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Donnerstag, 27. Juli 1916
Der Bonner Lazarettzug K.1 hat seine Verwundeten von der 40. Fahrt nach Brackwede, Hannover, Hildesheim und von der 41. Fahrt nach Brühl, Bonn, Remagen und Neuenahr gebracht und befindet sich wieder auf der Ausfahrt.
Da der Lazarettzug in der letzten Zeit einen beschleunigten Betrieb erfahren hat, sind die Vorräte an Zigarren, Zigaretten, Tabak, Rot- und Weißwein, Schokolade, Marmeladen in Eimern, Kompotts in Büchsen, Himbeer- und Zitronensäften so gut wie ganz aufgezehrt. Wir bitten daher, den Lazarettzug jetzt durch Ueberweisung von derartigen Liebesgaben, besonders Zigaretten und Rotwein, zu unterstützen. Die Gegenstände sind alle abzugeben Bahnhofstraße 40. [...]
Die Schuhmacher, die eine Lederkarte beanspruchen, müssen sich beim Oberbürgermeister anmelden und dabei die Art und Größe ihres Betriebes angeben. Die Anmeldungen werden dann gesammelt an die Bezirkskommission für die Verteilung von Bodenleder im Bezirk der Handwerkskammer Köln und von ihr aus nach Berlin weitergegeben. Die Lederkarten werden in Berlin ausgestellt. Unter Vorlage dieser Lederkarten müssen die Schuhmacher sich in der Zeit vom 7. bis 12. August bei einem Lederhändler oder einer Rohstoffgenossenschaft in die Kundenliste eintragen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Kartoffelkrankheit. Aus Hersel schreibt man uns: In einzelnen Kartoffelfeldern zeigen sich die Anfänge der von den Landleuten gefürchteten Kartoffelkrankheit. Sie wird durch einen unscheinbaren Pilz hervorgerufen und dieser befällt nach einer langen Regenperiode zunächst die Blätter, auf denen er anfangs gelbliche, dann aber braune und schwarze Flecken erzeugt. Die kranken Blätter rollen sich von unter nach oben kahnförmig zusammen und fallen rasch ab, sodaß nach wenigen Tagen nur noch die Stengel dastehen, während die Blätter am Boden vermodern und dem Pilz dadurch die Möglichkeit verschaffen, sich leicht auf die Knolle in der Erde zu verpflanzen und da die „Stockfäule“ hervorzurufen. – Einstweilen sind die Kartoffeln noch gesund und bis jetzt sind faule oder auch nur angefaulte noch nicht gefunden worden, doch soll es nach dem Urteil bewährter Fachleute nicht ratsam sein, mit der Ernte noch länger zu zögern. Auch dürfen diese Kartoffeln niemals in größeren Mengen zusammen lagern, weil sie sonst rasch dem Verderben ausgesetzt sind. Als Saatgut können sie unter keinen Umständen dienen. Sorten mit dünnschaliger haut unterliegen erfahrungsgemäß dem Kartoffelpilz viel leichter als rote mit rauher und widerstandsfähiger Haut.
Fallobst. Man schreibt uns: In vielen Gärten sieht man sich jetzt veranlaßt, die fruchtbeladenen Obstbäume mit Stützen zu versehen oder wenigstens einzelne fruchtbeladene Aeste aufzubinden. Es ist ernste Pflicht, den Obstsegen nach Möglichkeit zu schützen und einzusammeln. Das Fallobst aber mehr sich, denn die wurmstichigen Früchte müssen abfallen, sollen aber niemals längere Zeit unter den Bäumen liegen bleiben, weil sonst die darin sitzenden Maden ausschlüpfen und sich im Boden oder hinter dem Rindenschorf des Baumes verpuppen, um als Schmetterling im nächsten Jahre ihre Eier wieder an die Früchte zu legen. Viele der abfallenden Kernobstfrüchte sind jetzt so weit entwickelt, daß sie sich ganz gut im Haushalt wie in der Küche zu mancherlei wirtschaftlichen Zwecken wie beispielsweise zur Herstellung von Kompott, Gelee, Mus und Pasten benutzen lassen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Hohes Alter. Am 26. Juli beging unser Mitbürger M. Appel aus Endenich seinen 90. Geburtstag in körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Der Jubilar ist einer der letzten Mitkämpfer von 1848. Er stand in einem Deutzer Dragonerregiment in Baden. Noch viele Episoden dieses Kampfes erzählt er im Kreise seiner zahlreichen Enkel. Vor Jahresfrist feierte er das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Das älteste Kind ist 62 Jahre alt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 28. Juli 1916
Die vierte Kriegsküche der Stadt Bonn wird nächsten Montag in Kessenich, Burbacherstraße 19 (Wirtschaft Lindenhof) eröffnet. Die Wochenkarten für diese neue Küche werden zuerst Samstag von 4 bis 7 Uhr und Sonntag von 11 bis 1 Uhr ausgegeben, im übrigen können die Wochenkarten zur Teilnahme an der Massenspeisung von jetzt ab an jedem Tage zwischen 11 und 1 Uhr in der betreffenden Küche gekauft werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Städtisches Bekleidungsamt. Am 1. August d. J. wird am Hof Nr. 14, Eingang Römerplatz, das städtische Bekleidungsamt eröffnet. Eine weitere Kriegsmaßnahme. Von diesem Tage ab können nämlich der größte Teil der Web-, Wirk- und Strickwaren nur gegen Bezugsschein gekauft werden. [...]
Wie erhält der Kunde nun seine Waren mit einem Bezugsschein?
1) Er holt sich einen Bezugsschein im städtischen Bekleidungsamte oder im städtischen Verkehrsamte, Poststraße 27 oder in allen einschlägigen Geschäften.
2) Er füllt diesen Bezugsschein aus, oder läßt ihn durch die Geschäfte selbst ausfüllen. Dabei ist darauf zu achten, daß für jeden Gegenstand ein besonderer Bezugsschein ausgestellt werden muß. Es dürfen daher nicht auf einen Bezugsschein z. B. 6 Paar Strümpfe und 7 Meter Wäsche- oder Futterstoff aufgeschrieben werden, sondern für die 6 Paar Strümpfe und 7 Meter Wäschestoff muß je ein besonderer Bezugsschein ausgestellt werden.
3) Nach Ausfüllen des Bezugsscheines muß dieser dem städtischen Bekleidungsamte am Hof Nr. 14 zur Prüfung vorgelegt werden.
4) Der geprüfte Bezugsschein berechtigt dann zum Einkauf in jedem beliebigen Geschäft und hat im ganzen Reich seine Gültigkeit. Hierbei ist darauf zu achten, daß nur der Bezugsschein gültig ist, der am Ort des Wohnsitzes von der betreffenden Prüfungsstelle abgestempelt ist, d. h. ein Bonner Einwohner kann niemals einen Bezugsschein auf dem städtischen Bekleidungsamt in Cöln oder Coblenz erhalten.
5) Nach Abgabe der Waren auf dem Bezugsschein haben die Geschäftsinhaber den Bezugsschein durch Lochen, durch Durchstreichen, oder durch andere Maßnahmen zu entwerten und diese Bezugsscheine zu sammeln und am 1. jeden Monats dem städtischen Bekleidungsamt abzuliefern.
[...]
Die Prüfung der Bezugsscheine auf dem städtischen Bekleidungsamt hat den Zweck, den Verbrauch zu regeln und auf das notwendige Maß einzuschränken. Deshalb erhält dort jeder Familienvorstand ein bestimmtes Kartenblatt, aus dem alle Kleidungsstücke und Waren, die er für sich und seine Familien-Angehörigen nach dem 1. August d. J. bezogen hat unter entsprechender Zeitangabe ersichtlich werden.
[...]
Dem städtischen Bekleidungsamt wird eine ungeheure Arbeitslast aufgebürdet, wenn man bedenkt, daß voraussichtlich täglich 9-10.000 Bezugsscheine durchschnittlich geprüft werden müssen. Eine Zahl, die sich z. B. zu Weihnachten usw. noch erheblich steigern wird. Die Einrichtung ist aber von Reichs wegen getroffen und an für sich eine recht umständliche Geschichte. Aber die Prüfung der Bedürftigkeit in unserm städtischen Bekleidungsamt soll durchaus nicht engherzig vorgenommen werden. Man wird vielmehr nur dort eingreifen, wo das Einkaufsgesuch dem Bedürfnis offenkundig nicht entsprechen kann.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Stellenwechsel von polnischen Arbeitern. Das Kaiserl. Deutsche Polizei-Präsidium in Lodz macht in einer Zuschrift vom 5. ds. Mts. auf eine in deutscher und polnischer Sprache verfaßte Bekanntmachung aufmerksam, worin den in letzter Zeit verschiedentlich beobachteten falschen Vorstellungen der russischen Arbeiter über die Ernährungsverhältnisse in Polen entgegengetreten wird. In der Bekanntmachung wird insbesondere darauf hingewiesen, daß auch in Polen keineswegs ein Ueberschuß an Nahrungsmitteln vorhanden sei, sondern im Gegenteil allenthalben die äußerste Sparsamkeit geübt werden müsse. Die Bekanntmachung fährt dann fort: „Die in Deutschland beschäftigten, von hier stammenden Arbeiter können mit der ihnen in Deutschland gebotenen Verpflegung somit durchaus zufrieden sein.“ Weiterhin werden die in Deutschland beschäftigten Arbeiter eindringlich vor dem Stellenwechsel, insbesondere vor dem unerlaubten Stellenwechsel und seinen Folgen verwarnt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 29. Juli 1916
Höchstpreise für Gemüse. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten hat der Oberbürgermeister wieder Richtpreise für Gemüse festgesetzt. Sie treten am 1. August in Kraft. Es sind Erzeuger-, Groß- und Kleinhandelspreise vorgeschrieben. Hoffentlich wiederholen sich diesmal nicht die üblen Erfahrungen, die die Stadt Bonn im Juni mit den Gemüserichtpreisen machen mußte.
Militärische Jugendübungen werden am morgigen Sonntage die städtischen Fortbildungsschulen auf dem städtischen Spielplatze an der Kölnstraße vor geladenen Gästen ausführen. Die Uebungen beginnen um 4½ Uhr. Um 5½ Uhr findet die Enthüllung der neuen, den Fortbildungsschulen von der Bonner Fahnenfabrik geschenkten Fahne statt. Die Bonner Liedertafel wird bei der vaterländischen Feier Männerchöre vortragen. Die Musik ist vom hiesigen Landsturm-Bataillon zur Verfügung gestellt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Pützchensmarkt. Der Beueler Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, in diesem Jahr den Markt in Pützchen wieder abzuhalten.
Zwei Russen, die vor einiger Zeit aus dem Dresdener Gefangenenlager flüchteten, kamen in der Nacht zum Donnerstag gegen 4½ Uhr in Godesberg an. Als sie das Bahngeleise an der Plittersdorfer Straße überschreiten wollten, wurden sie von dem Bahnwärter Friedrich Prinz angehalten. Dem Bahnwächter gelang es, einen der Flüchtlinge dingfest zu machen, während der zweite in der Richtung auf Bonn zu weiter lief. Er kam jedoch nicht weit. Hier in Bonn wurde der Russe auf dem Bahnkörper zwischen Weber- und Lessingstraße von den Schrankenwärtern in dem Augenblick erwischt, als er über die Mauer eines Gartens an der Schumannstraße klettern wollte. Er wurde der militärischen Wache übergeben. Die beiden Ausreißer steckten noch in ihrer Gefangenenkleidung; sie hatten Beine und Schuhe mit Sackleinen bewickelt. In einem Sack führten sie Brot und Aepfel mit sich.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Städtischer Kartoffelverkauf. Bei den städt. Verkaufsstellen werden in der Zeit vom 30. Juli bis 12. August 7 Pfund Kartoffeln für den Kopf und die Woche abgegeben. Es ist den Verbrauchern freigestellt, den ganzen Bedarf für diese zwei Wochen auf einmal zu entnehmen. Dies wird von der Verwaltung dringend empfohlen, da mit Eintritt der Kornernte die Zufuhr der Kartoffeln ungenügend werden könnte und alsdann keine Gewähr für eine ausreichende Versorgung gegeben werden kann. Der Kartoffelpreis beträgt für die Abteilung A 9 Pfg., Abteilung B 11 Pfg., und Abteilung C 12 Pfg. das Pfund. Die Kartoffeln werden an allen Wochentagen in den in der heutigen Nummer unseres Blattes angegebenen 57 Verkaufsstellen abgegeben. Es empfiehlt sich, die heute veröffentlichte Bekanntmachung auszuschneiden, da für die Folge nur die neu hinzugekommenen oder fortfallenden Verkaufsstellen veröffentlicht werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 30. Juli 1916
Arndt-Eiche in Eisen. Der Verkehr an der Arndt-Eiche war in den letzten Wochen und Monaten weniger lebhaft. Die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Sammlungen für andere Wohlfahrtszwecke haben die Eingänge bei der Arndt-Eiche geringer werden lassen. Trotzdem dürfte es wünschenswert sein, daß auch die Zwecke der Arndt-Eiche weiter unterstützt werden; besorgt diese Sammlung doch insbesondere die Unterstützung der Witwen und Waisen von Bonner Kriegern.
Im Monat Juli haben u. a. feierlich genagelt der Verein Frauenbildung – Frauenstudium, der Verein deutscher Spülwaren- und Sanitäts-Geschirr-Fabriken in Bonn und der Evangelische Frauenverein in Kessenich. Mitte des Monats erschienen zur Nagelung etwa 100 Kinder des städtischen Pflegehauses; der hierfür erforderliche Geldbetrag war von wohltätiger Seite zur Verfügung gestellt worden.
Auch für die nächste Zeit steht die Nagelung durch mehrere Vereine und Verbände in Aussicht. [...]
Nachdem auch der jüngste Jahrgang der Volksschüler sich an der Nagelung beteiligt hat, ist nunmehr der obere Stamm der Eiche selbst vollständig benagelt. Im übrigen weist die Eiche eine Reihe eigenartiger und künstlerischer Zierate auf, die mit sinnigen und vaterländischen Sprüchen versehen sind; schon jetzt lohnt sich eine nähere Besichtigung der Eiche, die immer mehr eine Sehenswürdigkeit der Stadt Bonn wird. Vielfach wird neuerdings wieder die Anbringung von Adlerfedern oder Eisenplatten dazu benutzt, den Namen gefallener Angehöriger oder Freunde zu verewigen.
Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, unsere Mitbürger, die ein Herz für die Not der Witwen und Waisen unserer gefallenen Bonner Krieger haben, zu bestimmen, nach ihrem Vermögen größere oder kleinere Beiträge zu spenden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Vaterländische Festspiele. Heute Sonntag findet auf dem Sportplatz an der Richard-Wagnerstraße ein Ausscheidungsspiel für die Endrunden am 13. August 1916 zwischen Borussia-Bonn und Bonner Turnverein statt. Bei der Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften steht ein spannendes Spiel in Aussicht.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Billige Frühkartoffeln. Das städtische Lebensmittelamt verkauft von heute nachmittag an, soweit der Vorrat reicht, an der Verkaufsstelle in der Maxstraße und auf dem Stiftsplatze an der Ecke der Sandkaule nicht besonders haltbare Frühkartoffeln zum Preise von 5 Pfg. das Pfund ohne Kartoffelkarte.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 31. Juli 1916
Fahnenweihe der Fortbildungsschule. Der Bonner Fortbildungsschule ist bekanntlich vor einiger Zeit von Herrn Dr. Meyer, dem Inhaber der Bonner Fahnenfabrik, eine Fahne geschenkt worden. Gestern nachmittag ist die Fahne auf dem städtischen Spielplatze an der Kölnstraße eingeweiht worden. Vorher zeigten die etwa 800 Schüler dem Garnisonältesten, Generalleutnant Exzellenz v. Boetticher, und einer größeren Anzahl Offiziere, ferner dem Oberbürgermeister, den Vertretern der Handelskammer, des Handwerks, den Stadtverordneten, dem Schulvorstand und zahlreichen anderen Zuschauern den Stand ihrer Ausbildung in den vorgeschriebenen militärischen Jugendübungen. Unter der Leitung von Offizieren und Unteroffizieren wurden Bewegungs- und Freiübungen vorgeführt, Hindernisse überwunden, das Kriechen mit möglichst flach ausgestrecktem Körper, Speer- und Handgranatenwerfen geübt, auch Lauf- und andere Spiele wurden veranstaltet. Als alle Abteilungen besichtigt worden waren, sammelten sich die Ehrengäste und die jungen Leute um die noch verhüllte neue Fahne zu einer kurzen vaterländischen Feier. Nach einem Musikstück der Landsturmkapelle und dem Vortrag der Wacht am Rhein durch die Bonner Liedertafel nahm Oberbürgermeister Spiritus das Wort. Er habe soeben den Eindruck gewonnen, daß die jungen Leute ganz hervorragend gelernt haben, ihren Körper zu stählen und sich in Mannszucht zu festigen. Ihren fröhlichen Mienen sei es anzusehen, daß die militärischen Uebungen ihnen kein lästiger Zwang, sondern Vergnügen seien. So solle und müsse es auch sein. In dieser großen und ernsten Zeit habe jeder gern das Seine zu tun für des Vaterlandes Wohl, und auf die Jugend als die Zukunft müsse das Vaterland ganz besonderes Vertrauen setzen. Für jeden gesunden Deutschen sei es ja eine Selbstverständlichkeit, daß er auch Soldat werde und das Vaterland verteidigen helfe. Zu den besten Soldaten gehörten aber die, die schon vorher in den Jugendorganisationen vorgebildet worden seien. Nun habe ein edelmütiger Gönner der Fortbildungsschule für ihre militärische Jugendausbildung eine künstlerisch schöne Fahne geschenkt. Die Fahne sei dem Deutschen und insbesondere dem Soldaten das Sinnbild der Pflicht und der Treue gegen das Vaterland, das jeder mit schützen wolle, und gegen den Kaiser, der selbst ein Vorbild der Pflichttreue und des Gottvertrauens sei. Oberbürgermeister Spiritus ließ die Fahne enthüllen und brachte ein dreifaches Hurra auf den Kaiser aus. Die Anwesenden , vor allem die in guter Ordnung aufgestellten Jünglinge, stimmten begeistert in die Hurras ein und sangen Deutschland über alles. Fortbildungsschuldirektor Bins übernahm dann die neue Fahne. Er dankte dem Stifter der Fahne, den erschienenen Ehrengästen und den ausbildenden Offizieren und Unteroffizieren und gelobte im Namen der Schüler seiner Schule, daß sie, wie unsere tapferen feldgrauen Krieger, ihre Fahne stets hoch in Ehren halten und dem Vorbild unserer Kämpfer in Ost und West, Süd und Nord stets nachzueifern bestrebt sein würden. Der Redner schloß mit einem Hoch auf unser Heer und unsere Flotte.
Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe hat den Verkauf von Marmelade einstellen müssen, da die Vorräte ausverkauft sind und infolge der herrschenden Zuckerknappheit auf neue Zufuhr einstweilen nicht zu rechnen ist. Fast ein ganzes Jahr lang waren die Damen des Ausschusses und ihre Helferinnen unablässig bemüht, der minderbemittelten Bevölkerung durch Bereitstellung billiger Marmeladen den Fettmangel weniger fühlbar zu machen. Da sämtliche Hilfskräfte ehrenamtlich, d. h. ohne jede Vergütung, ihre Zeit und Kräfte dem guten Zweck zur Verfügung stellten, war es dem Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe möglich, die Marmeladen zum Selbstkostenpreis abzugeben. Obgleich der Andrang oft kaum zu bewältigen war und daher an die Ausdauer der bedienenden Damen hohe Anforderungen gestellt wurden, walteten sie bis zuletzt mit immer gleicher Freudigkeit ihres Amtes. Sie bedauern aufrichtig, durch die Umstände gezwungen, den Marmeladenverkauf aufgeben zu müssen. Da es durch Vermittlung der Stadt den hiesigen einschlägigen Geschäften jetzt wieder möglich ist, billige Marmelade zu verkaufen, dürfte auf diesem Wege den Bedürfnissen der Bevölkerung vorläufig genügt werden.
Der Verkauf von Kindermilchmehl und einigen anderen Nährmitteln bleibt in den gleichen Räumen Am Hof weiter bestehen, ebenso wie die Beratungsstelle, die auch fernerhin auf regen Zuspruch hofft.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Godesberg, 30. Juli. Ein Schauturnen und ein Schaurudern des Evangelischen Pädagogiums hatte sich gestern eines äußerst regen Besuches und der allgemeinen freudigen Zustimmung zu erfreuen. Bis vor zwei Jahren hatte die Anstalt bekanntlich unausgesetzt um diese Zeit gewissermaßen als Schlußstein ihres Schullebens für das Sommerhalbjahr ein großes Turnfest abgehalten, das am Abend bei der Rückkehr der Schülerschar mit einem feierlichen Fackelzug durch das geschmückte und beleuchtete Godesberg abschloß. Durch den Krieg waren bis jetzt diese Festveranstaltungen zweimal ausgefallen. Der diesmal nun wieder aufgenommene Schulschlußakt, zu welchem auch die abkömmlichen „Ehemaligen“ in großer Anzahl erschienen waren, entsprach vollkommen dem Ernst und Geist unserer Zeit. Herr Dr. Lohmann brachte als Vorsitzender der „Besdep“ den Gruß und die Gefühle der Anhänglichkeit der ehemaligen Schüler zum Ausdruck. Der aus dienstlichen Gründen an der Teilnahme der Schulfeier verhinderte Fliegerleutnant Rübsamen erschien während des Schauturnens am Vormittag plötzlich mit seinem Flugzeug über dem Schulhofe bis zu einer beträchtlichen Tiefe und warf einen Brief und einen Kranz als Festgruß herab. Das von Herrn Oberlehrer Endemann am Vormittage vorgeführte Schauturnen übertraf wiederum alle gehegten Erwartungen und riß die Zuschauermenge vielfach zu Beifallskundgebungen hin, ebenso das am Nachmittag in der Nähe von Dreesen vorgeführte Schaurudern, das mit einer Auffahrt der ganzen Flotte des Godesberger Schüler-Rudervereins mit 25 Booten und 65 Ruderern abschloß. Herr Direktor Professor D. Kühne brachte in seiner Schlußansprache ein Hoch auf Kaiser und Vaterland aus.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)
Die Bonner Kriegsküchen. Eine sachverständige Hausfrau sendet uns über die Poppelsdorfer Kriegsküche, die namentlich in den letzten drei Tagen unter Kontrolle gehalten hat, die nachfolgende Beurteilung.
Freitag, 28. Juli. Graupen mit Backobst. War sehr kräftig, auch vollständig hinreichend zum Sattessen. Wünschenswert wäre gewesen, wenn das Backobst entweder durch das bei Hausfrauen übliche vorherige Einweichen (24 Stunden) oder durch längeres gelindes Kochen weicher, aufgequollener und deshalb auch bekömmlicher gewesen wäre. Dieses wäre ohne direkte Mehrausgaben zu erreichen. Eine geringe Erhöhung des Etats würde wohl vonnöten sein, um das ganze Gericht ein wenig süßer zu machen. Es wäre dann leichter, die zum Sattwerden nötige Portion zu verzehren, auch der Nährwert erführe eine kleine Steigerung.
Samstag, 29. Juli. Erbsensuppe mit Kartoffeln und Fleischeinlage. War zu wenig konsistent, um selbst bei Verzehren des ganzen Quantums einen Arbeiter wirklich zu sättigen. Die Erbsen waren so hart, wie es in keinem einfachen Haushalt üblich ist, sie zu verabfolgen, schon allein weil der Verdauungsapparat das Gebotene so nicht ausnutzen kann. Gewürzt war in sehr gutem Mittelmaß. Also: Hülsenfrüchte unbedingt einweichen.
Sonntag, 30. Juli. Dicke Bohnen mit Speck und Kartoffeln. Das erste meiner Ansicht nach völlig verfehlte Essen, das eigentlich als unumstößlicher Beweis dafür dienen kann, daß zur Massenspeisung sich nur Eintopfgerichte oder Hülsenfrüchte eignen. Dem sehr zu respektierenden Wunsch, die Eintönigkeit der Eintopfgerichte einmal durch ein fast hausmütterliches Mittagessen zu unterbrechen, stehen in der heutigen Entwicklung der Volksküchen so große Mängel in der Einrichtung entgegen, daß man lieber ein gutes Eintopfgericht als ein nur gut gemeintes Mittagessen geben sollte. Man würde das sicher auch richtig zu würdigen wissen. Die Dickbohnen waren nicht ganz gar geworden und hatten durch die für dieses Gericht zu kleine Fleischbeigabe weder genug Gewürz, noch genug Kraft bekommen. Die Kartoffeln waren häßlich und nicht gut im Geschmack. Beides nicht etwa Schuld der Köchin. Es ist besonders bei neuen Kartoffeln der Hausfrau Sitte, sie in der Schale zu kochen, dann abzuziehen und noch einmal schnell durchdampfen zu lassen. Das kann die Volksküche mit ihren Einrichtungen nicht machen. Sie schält – leider – die Kartoffeln und kocht sie. Im Wasser müssen dann die Kartoffeln bleiben, bis sie abgeholt werden, schon allein, weil man sie nicht anders heiß halten kann. So entsteht die häßliche graue Farbe der jetzt doch so schönen Erdäpfel, und wenn man Pech hat, bekommt man sie auch noch recht auseinandergekocht auf seine Portion Dickbohnen gelegt.
Der Ausflugsverkehr war am gestrigen Sonntag recht lebhaft. Die am Nachmittag rheinaufwärts fahrenden Schiffe waren mit Ausflüglern dicht besetzt und auch unsere Vorortbahnen hatten starken Verkehr. Mit dem Eintreten des warmen Wetters hat auch unsere Jugend das Baden im offenen Rhein wieder aufgenommen, und gestern nachmittag konnte man rechts- und linksseitig eine ganze Anzahl Knaben beobachten, die, nur mit einer Badehose bekleidet, die Leinpfade entlang liefen und sich auch dort, unbekümmert um die Spaziergänger, aus- und ankleideten. Abgesehen davon, daß das Baden im offenen Rhein wegen der damit verbundenen Lebensgefahr behördlich verboten ist, macht es einen unangenehmen Eindruck, wenn sich die Knaben in ihrem Badekostüm ganz ungeniert zwischen den Spaziergängern bewegen. In den verschiedenen geschlossenen Freibädern ist der Jugend reichlich Gelegenheit geboten, sich nach Herzenslust in den Wellen des Rheines zu tummeln. Wünschenswert wäre es, wenn jetzt zur Eröffnung der Badezeit gegen das Baden im offenen Rhein energisch eingeschritten würde; es könnten dann manche Unglücksfälle durch Ertrinken vermieden werden. Die nahenden Schulferien lassen diese Anregung ganz besonders geboten erscheinen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Eine patriotische Pflicht. Amtlicherseits wird erneut darauf hingewiesen, daß es Pflicht jedes Deutschen ist, Fluchtversuche, Diebstähle, Brandstiftungen, Beschaffung von Zivilkleidern und sonstige Verstöße von Kriegsgefangenen zu verhindern, die Wachtkommandos und Polizeibeamten hierin zu unterstützen und alle bekannt werdenden Verfehlungen von Kriegsgefangenen ungesäumt dem nächsten militärischen Posten oder den nächsten militärischen Dienststellen oder dem nächsten Polizeibeamten zur Kenntnis zu bringen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)