Bonn 1914-1918
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    • Sachbücher
    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
      • -- Bilder
      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
  • Exkursionen
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Freitag, 21. Juli 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Juli 1916Kriegsküchen der Stadt Bonn. Von Sonntag, 29. Juli, ab wird fortan an allen Sonn- und Feiertagen gekocht. Die Abgabe des Essens erfolgt erstmalig nur an die Teilnehmer der letzten Woche. Der Preis für eine Wochenkarte, die zur Entnahme von sieben Mittagessen berechtigt, beträgt für die Lebensmittelkarten A und B 2,10 M. und für die Lebensmittelkarten C 2,80 M. Die halbe Menge kostet die Hälfte. Den Teilnehmern der Kriegsküchen werden von den Lebensmittelkarten die wöchentlichen Fleisch- und Fettmengen und die Hälfte der Kartoffelmenge in Abzug gebracht. Außer den bereits bestehenden Kriegsküchen im Fuhrpark (Ellerstraße), Sandkaule 15 und Klemens-August-Straße in Poppelsdorf wird am 1. August eine weitere Kriegsküche in Kessenich, Burbacherstraße 19, eröffnet. Die Zubereitung der Speisen wird in der nächsten Woche erheblich verbessert, so daß die Eintopfgerichte nicht mehr den Charakter von Suppen haben werden.

Eier dürfen nach der Verordnung des Präsidenten des Kriegsernährungsamtes, die der Oberbürgermeister im Anzeigenteil dieser Zeitung veröffentlicht, in den Wirtschaften nur noch zwischen 12 und 2 Uhr mittags und von 6 bis 10 Uhr abends verabreicht werden.

Soldatenheim. Den Besuchern des Soldatenheims (Kölnstraße) wurde letzten Sonntag mit den Musikstücken der Bonner Landsturmkapelle, den Liedern eines Damenchores aus Köln, Gedicht- und humoristischen Vorträgen wieder reichlich Abwechselung geboten. Ein Unteroffizier dankte im Namen aller Besucher für die Darbietungen und versprach,, nicht nur wiederzukommen, sondern noch andere Kameraden mitzubringen.

Das Metropol-Theater führt seinen Besuchern u. a. auch die Filmaufnahme der Trauer- und Beisetzungsfeierlichkeiten für den Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe in Bonn und Bückeburg vor.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Juli 1916Musikvereine am Städt. und Kgl. Gymnasium. Wir machen nochmals auf das Konzert zu Gunsten der Bonner Volksspende am 22. Juli im großen Saale der Lese aufmerksam. Für ein reichhaltiges, klassisch gewähltes Programm ist gesorgt.

Der Preis für neue Kartoffeln wird in der nächsten Woche erheblich herabgesetzt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Kriegsvortrag. Der zu Beginn des Krieges zur Pflege des Patriotismus und der Kriegwohlfahrt gegründete „Deutsche Krieger-Dank“ läßt durch Offiziere, Lehrer und höhere Beamte Kriegsvorträge halten. Am Montag, den 24. Juli, abends 8½ Uhr findet im großen Saale des Bürgervereins ein Vortrag mit Bildern, insbesondere auch kinematographischen Kriegsbildern statt, gehalten von Herrn Oberstleutnant Zwenger. Herr Oberstleutnant Zwenger hat seine Erlebnisse zum Teil durch eigene Photographien im Bilde festgehalten. Sein Vortrag, der „Technik und Menschenkraft im Kampf fürs Vaterland behandelt, wurde einige Male bei großem Beifall in der „Urania“ in Berlin gehalten. Einlasskarten werden zu 2, 1 und 0,50 Mk. ausgegeben. Die Einnahmen werden zum Teil hiesigen und zum Teil anderen Wohlfahrtseinrichtungen überwiesen. Der Vortrag verspricht jedenfalls auf dem Gebiete der Kriegswissenschaft sehr interessant zu werden. – Für Schüler findet nachmittags 5 Uhr eine besondere Veranstaltung statt, Eintrittspreis hierfür 15 Pfg.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 22. Juli 1916

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juli 1916Das Nachmittagsheim für Verwundete, Koblenzer Straße 90, hält seine Räume und seinen Garten von jetzt ab von 1 bis 6½ Uhr geöffnet. Da die Lazarettverwaltungen die Ausgehzeit der Verwundeten neuerdings verlängert haben, können unsere genesenden Krieger nun auch im Nachmittagsheim länger verweilen und vor allem den Aufenthalt in dem schönen Garten des Heims ausgiebiger genießen.

Die Wettkämpfe im Wetturnen, die auf Anordnung des Kriegsministeriums in diesem Jahre abzuhalten sind, beginnen für Bonn am morgigen Sonntag früh auf dem städtischen Spielplatze an der Kölnstraße. Sie bestehen für einzelne in einem Dreikampfe, der sich wieder aus Hinderniskauf, Weitsprung und Werfen von Handgranaten zusammensetzt, und aus Einzelwettkämpfen, nämlich Schnellauf und Hochsprung. Gruppen werden einen Eilbotenlauf ausführen sowie Barlaufen, Schlag- und Fußball spielen. Alle Freunde der militärischen Ertüchtigung werden zur Besichtigung dieser Wettkämpfe eingeladen. Die Wettkämpfe werden am folgenden Sonntag fortgesetzt, dann soll auch die Preisverleihung stattfinden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juli 1916Fliegerpost. Gestern nachmittag warf ein Flieger auf das Dach des Hauses Louis David, Bahnhofstraße, ein Paket. Es handelt sich um ein in eine schwarz-weiß-rote Flagge eingewickelte Brieftasche, die einen Brief an eine Dame in der Gerhard v. Arestraße enthielt. Der Flieger hatte also die Adresse seiner Sendung ziemlich zielsicher erreicht.

In den Kriegküchen unserer Stadt pulsiert überaus frisches Leben, das jedem Einsichtigen Freude erweckt und die beste Gewähr dafür ist, daß man mit der Schaffung solcher Kriegsküchen einen überaus guten Griff tat. Wenn nach dem anerkannten Sprichwort „Die Liebe geht durch den Magen“ in diesem Falle der Nagel auf den Kopf getroffen wird, da doch die Kriegsküchen in erster Linie zur Befriedigung des Magens dienen, so ist es nicht verwunderlich, daß sich in unseren Kriegsküchen die Liebe unserer Bürgerschaft in steigendem Maße zuwendet Vergleicht man die Einrichtung dieser Kriegsküchen in den verschiedensten Bezirken des Reichs, so kann man mit gutem Gewissen die Bonner Einrichtung, - obschon sie noch jung – doch eine Musterküche hinstellen. Sowohl in den freundlichen Räumen des Fuhrparks in der Ellerstraße als auch in den Sälen der Eintracht in der Sandkaule und in der Klemens-Auguststraße spielt sich in den Morgenstunden (wie das an dieser Stelle bereits des öfteren geschildert) ein frisches Tun und Treiben ab. Hilfsbreite Damen der Stadt schalten und walten hinter mächtigen Speisekesseln. Pünktlich zur Mittagsstunde steigt verlockender Duft der fertigen Speisen in die Nase. Hübsch säuberlich, in Reih und Glied ohne Gedrängel empfangen die Bürger das Essen und zwar für diese Kriegszeiten so reichlich, daß jedem, der eine Portion verdaut hat, die Katze den Magen nicht wegschleppt. So gab es gestern eine treffliche Freitagskost: frische Kartoffeln mit Petersilie und Kabeljau, darüber ein pikante Tunke. Wie Schreiber dieser Zeilen an eigenem Leibe erfahren, war dieses Mittagessen überaus schmackhaft zubereitet, was übrigens von allen Abnehmern bestätigt wurde.
  
Wenn hier und da ein Mittagessen nicht ganz so mundgerecht nach dem Geschmack Einzelner ausfällt, so ist das nicht immer zu vermeiden, wenn man die Schwierigkeiten der Nahrungsmittelbeschaffung zum ersten und zum zweiten die ungeheuren Kosten bedenkt, die eine solche Massenspeisung verursacht. Nichts ist leichter als nörgeln und kritisieren (es gibt Leute, die bringen das zur Genialität). Besser machen aber ist die Kunst; und besser wird’s schon, da sich täglich Lehren aus dem Bestehenden ergeben.
   Als besonders vorteilhaft möchten wir die Einrichtung bezeichnen, wie sie im Eintrachtsaale der Sandkaule besteht. Dort ist jedermann Gelegenheit geboten, das Mittagessen an Ort und Stelle an weißgedeckten Tischen zu verzehren. Bunte Blumen auf den Tischen geben dabei dem Speiseraum ein trauliches, anheimelndes Gepräge.
   Wer diese Küchen besucht? Das ist ein großer Kreis Arbeiter, Beamte jeglicher Berufe, Studenten und Studentinnen, vor allem aber unsere Bürgerfrauen, deren Männer im Felde stehen.
   Wie sehr die Einrichtung sich in des Wortes wahrster Bedeutung dem „Geschmack“ der Bürger angepaßt hat, beweist die stets steigende Benutzung. Ja, man hat sich sogar veranlaßt gesehen, für die Folge auch an Sonn- und Feiertagen zu kochen. Wenn erst Anfang August die weitere Kriegsküche in Kessenich eröffnet ist, wird die Stadt Bonn tagtäglich etwa 7000 Personen mit ausreichender und kräftiger Mittagskost versorgen können.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juli 1916Die Gemeinnützige Schreibstube des Vereins zur Beschäftigung Arbeitsloser e. V. ist durch den Krieg sehr in Mitleidenschaft gezogen. Während sie in Friedenszeiten täglich durchschnittlich 18 Stellenlose mit Anfertigung von Reklamearbeiten (Adressenschreiben und Vervielfältigung von Briefen für Fabriken und kaufmännische Betriebe) beschäftigte, ließen solche Arbeiten seit Kriegsbeginn fast sämtlich nach. Indes konnte die Schreibstube als Ersatz für diesen Ausfall eine Anzahl Stellenlose außerhalb ihrer Geschäftsräume bei kaufmännischen Firmen vorübergehend beschäftigen. Wenn auch hierdurch ein großer Teil Stellenloser so lange versorgt ist, bis sie in längere oder dauernde Arbeit kommen, so bleibt der Schreibstube doch immer ein wesentlicher Teil bedürftiger Leute übrig, die selbst in Aushilfeposten schwer unterzubringen sind und für die sie in anderer Weise besorgt bleiben muß. Es sind dieses hauptsächlich die über 55 Jahre alten stellenlosen Kaufleute und Schreiber, sowie bedürftige schwächliche Kriegerfrauen und Töchter von gefallenen Kriegern, die sich durch einfache schriftliche Arbeiten noch einen kleinen Nebenverdienst sichern wollen. Die Schreibstube kann aber all diesen Personen nur dann etwas Beschäftigung geben, wenn sie, wie in Friedenszeit, seitens der kaufmännischen Firmen durch Ueberweisung schriftlicher Arbeiten unterstütz wird. Darum sei auch an dieser Stelle auf die gemeinnützige Einrichtung erneut hingewiesen, die Schreibstube befindet sich Bonn, Münsterstraße 28.

Das städtische Gaswerk hat besondere Maßnahmen getroffen, um den Gasbezug weiter zu erleichtern. Um Hausbesitzern, die noch nicht mit Gas versehen sind und nicht für Gas-Automatik-Anlagen, sondern gewöhnliche Gasabnahme in Frage kommen, die Herstellung der Zu- und Innenleitungen zu erleichtern, wird das Gaswerk auf Antrag die Leitungen solcher Häuser auf eigene Kosten herstellen lassen und die vorgelegten Beträge ratenweise nach Friedensschluß einziehen. Anträge wolle man an das städtische Gaswerk oder an einen der zugelassenen Installateure richten, wo die näheren Bedingungen zu erfahren sind. Hierzu sei auch auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil verwiesen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 23. Juli 1916

        

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juli 1916Die Freie Bonner Fleischer-Innung des Liberalen Bürgervereins hat Oberbürgermeister Spiritus zum silbernen Bürgerjubiläum eine Mappe mit einem gedichteten Glückwunsch überreichen lassen. Die vierte der sechs Strophen lautet:
Unsere Innung will in Treue
Immer gehen Hand in Hand –
Dies gelobt sie heut aufs neue -
Mit dem Kommunalverband.
Wenn es klingt nicht zu verwegen,
Grüßt sie in dem Haupt der Stadt
Ihren Meister und Kollegen,
Der die größte Schlachtung hat.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Zur Theaterfrage. Wie uns Herr Stadtverordneter Oskar Simon mitteilt, ist vor einiger Zeit in einer geheimen Sitzung der Stadtverordneten der Beschluß gefaßt worden, für den kommenden Winter abermals mit Herrn Hofrat Rémond von den Vereinigten Kölner Stadttheatern einen Vertrag ähnlich dem bisherigen zu tätigen, wonach die Kölner Bühne im kommenden Winter wiederum in Bonn allwöchentlich Gastvorstellungen geben wird. Herr Oskar Simon hat dem Beschluß widersprochen, da er nach wie vor für ein eigenes Theater-Unternehmen eintritt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juli 1916Ueber die neue Kleiderkarte herrschen noch vielfach falsche Vorstellungen. Daher sei darauf hingewiesen, daß die sich nicht in den allerbilligsten Preislagen bewegende Kleidung der Bevölkerung nach wie vor ohne Bezugsschein käuflich erworben werden kann. Die minderbemittelten Kreise werden auf Grund der sehr entgegen kommend gehaltenen Ausführungsbestimmungen leicht sich die erforderlichen Bezugsscheine beschaffen können.

Petroleum. Bekanntlich darf gemäß einer Bekanntmachung des Reichskanzlers, Petroleum zu Leuchtzwecken in der Zeit vom 1. Mai bis einschließlich 31. August 1916 nicht verabfolgt werden. Dieses Verbot aber findet keine Anwendung auf den Absatz von Petroleum für Positionslaternen, sowie für die im Interesse der öffentlichen Sicherheit polizeilich angeordnete Beleuchtung. Darunter gehört auch das Beleuchten der fahrenden und über Nacht an Straßen usw. stehenden Fuhrwerke, Haufen von Baumaterialien usw. Auch in anderen äußerst dringlichen Fällen kann die Behörde eine Ausnahme machen, z. B. um in Krankheitsfällen das allernötigste Licht zu schaffen, sofern andere Lichtquellen nicht zur Verfügung stehen. Man wende sich mit diesbezüglichen Anträgen an die zuständige Behörde. In vielen Städten ist dies das Gewerbeamt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 24. Juli 1916

     

Esperanto. Ein kostenloser brieflicher Unterrichtslehrgang zur Erlernung der „verbesserten Esperanto-Weltsprache“ wird, wie man uns mitzuteilen bittet, demnächst beginnen. Leser unserer Zeitung, die an dem Lehrgang teilzunehmen wünschen, wollen ihre Adresse an Herrn Gefr. Kurt Haeseker, Bonn, Reservelazarett II, Abt. I, Venusberg, senden.

Palast-Theater. Seit Freitag bringt der Spielplan der Rheinischen Lustspiel-Gesellschaft die beiden Possen „Um ein Weib“ und „Sein Schwindelkind“. In der ersten ist die Schwester eines jungen Ehemannes in der üblen Lage, für eine liebenswürdige Freundin gehalten zu werden, bis sich die Geschichte aufklärt. Es entstehen dabei die spaßigsten Begebenheiten, zu denen Herr Direktor Enger als Rentner Pinneberg seine Witzschlager in reicher Fülle spendet. Noch toller sind die Vorkommnisse in „Sein Schwindelkind“. Hier ist der Gatte Anton Brüller in größter Verlegenheit wegen der Ankunft seines Pflegesohnes, den er so geheim gehalten hat, daß er ihn selbst nicht einmal kennt. So entwickeln sich viele lustige Verwechselungen. Auch in diesem Stück weiß Herr Direktor Enger als Anton Brüller immer neuen Stoff zum Lachen zu geben. Die übrigen Mitwirkenden verdienen ihres flotten Spiels wegen gleichfalls Anerkennung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Uebermäßige Preissteigerungen bei Tabakerzeugnissen. Man schreibt uns: Die Bundesratsverordnung vom 23. Juli d. Js. richtet sich gegen die übermäßige Preissteigerung beim Handel mit Nahrungsmitteln und Gegenständen des täglichen Bedarfs Sie enthält Strafvorschriften gegen Erzeuger und Händler, die für solche Gegenstände Preise fordern, die einen übermäßigen Gewinn enthalten. In den Kreisen des Kleinhandeln mit Tabakerzeugnissen besteht nun vielfach die Ansicht, daß Zigarren und Zigaretten nicht als Gegenstände des täglichen Bedarfs im Sinne der Verordnung anzusehen seien und daß infolgedessen sich die Verordnung nicht auf die Preisfestsetzung für diese Erzeugnisse beziehe. Diese Auffassung ist nach einer Reichsgerichtsentscheidung unzutreffend. Nach Ansicht des Reichsgerichts beschränkt sich die Verordnung nicht nur auf Nahrungsmittel im engeren Sinne, sondern auch auf reine Genußmittel, sofern diese nur Gegenstände des täglichen Gebrauchs geworden sind. Die Gegenstände müssen nur solche sein, für die in der Gesamtheit des Volkes täglich ein Bedürfnis vorliegen kann, das Befriedigung heischt. Im selben Sinne hat auch die Reichsprüfungsstelle entschieden, nachdem die Frage in Beratungen mit Sachverständigen erörtert und bejaht worden ist. Auch der Ernährungsbeirat des Reichtages hat die gleiche Auffassung vertreten. Die Preisprüfungsstellen haben infolgedessen ihre Tätigkeit der Ermittlung von Preisen für Gegenstände des täglichen Bedarfs auch auf Tabakerzeugnisse ausgedehnt. Zur Klärung der Frage, was in der gegenwärtigen Zeit unter einem übermäßigen Gewinn für Gegenstände des täglichen Bedarfs zu verstehen sei, hat ein süddeutsches Landespreisamt Gutachten von Sachverständigen eingeholt, und ist daraufhin zu der Auffassung gekommen, daß in der jetzigen Kriegszeit der Kleinhandel über einen Zuschlag von 15 bis 20 v. H. zu dem Einkaufspreis und den Betriebsunkosten nicht hinausgehen dürfe. Dabei ist zu berücksichtigen, daß ein solcher Aufschlag bei den infolge des Krieges wesentlich höheren Einkaufspreisen jetzt auch einen größeren Nutzen verursacht, als er bei den niedrigen Friedenspreisen erzielt wurde. Auch Tabakerzeugnisse in den höheren Preislagen, die vorwiegend von den begüterten Kreisen begehrt werden, dürfen nicht mit einem höheren Gewinnaufschlag verkauft werden, wie die in niedrigen Preislagen, denn Preiswucher ist nach dem Urteil des Reichsgerichts gegen Arme und Reiche in gleicher Weise verboten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Ausfuhr von Vieh. Der Herr Oberpräsident hat die sämtlichen Güterstellen anweisen lassen, daß nur von solchen Personen Vieh zur Verladung angenommen wird, die sich durch Bescheinigungen des Viehhandelsverbandes ausweisen.

Bonner Kriegsküchen. Im Anzeigenteil ist eine neue Liste der Namen von Personen veröffentlicht, die Beiträge zum Besten der Kriegsküche gestiftet haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 25. Juli 1916

      

Ihre Königliche Hoheit Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe ist gestern abend aus Bückeburg nach Bonn zurückgekehrt.

Die Zusicherung unverkürzbarer Kriegsrenten betrifft eine neue Verfügung im Armee-Verordnungsblatt. Es heiß darin: Auf Antrag des Versorgungsberechtigten ist den aus Anlaß des gegenwärtigen Krieges aufgrund einer Kriegsdienstbeschädigung zu versorgenden Personen, bei denen nach der Art des Versorgungsgrundes ein späteres Herabsinken der Erwerbstätigkeit unter 10 Prozent nicht zu erwarten ist, eine Bescheinigung auszustellen, daß ein gänzlicher Fortfall der Rente später nicht mehr eintritt, die Kriegszulage also nie fortfallen kann. Ist bei Empfängern der Verstümmelungszulage nach der Art der Verstümmelung auch der Fortfall der Verstümmelungszulage nicht zu erwarten, so ist die Bescheinigung nach dieser Richtung hin zu ergänzen. Die Rentenliste oder Rentennachliste erhält einen dem Vorstehenden entsprechenden Vermerk in Spalte 10. Für das geschäftliche Verfahren gelten die für die Festsetzung von Versorgungsgebührnissen maßgebenden Vorschriften. Vorstehendes findet auch auf die bereits erfolgten Rentenfeststellungen Anwendungen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Ueber Technik und Menschenkraft im Kampf fürs Vaterland sprach gestern abend Oberstleutnant Hans Zwenger im Saale des Bonner Bürgervereins. Der heutige Krieg beweist, daß die Technik ungeahnte Triumphe feiert. Wieso und warum das geschieht, erläuterte der Vortragende an Hand vieler Lichtbilder vom östlichen und westlichen Kriegsschauplatz. Geschütze, Brückenbaus, Verwendung der Automobile, Wasserversorgung, Scheinwerfer, Fernsprecher, Funktelegraphie und viele andere Dinge wurden eingehend beleuchtet und daran spannende Schilderungen angeknüpft. Wenn aber die Technik auf solcher Höhe stehe, so sei das nur möglich durch den bedienenden Menschengeist. Technik und Menschengeist gehen in diesem Kriege zusammen und mit beiden werde Deutschland den Krieg zum guten Ende führen. Bis dahin aber gelte immer wieder das eine: Durchhalten!
  
Der Vortrag war gut besucht und fand, ebenso wie der Nachmittags-Vortrag vor den Schülern hiesiger Schulen, Dank und Anerkennung. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern ist zum Besten der Kriegswohlfahrt bestimmt. Bei Nachmittagsvortrag fehlte es an Aufsicht. Viele Knaben benahmen sich sehr ungehobelt.

Ein russischer Flüchtling festgenommen. Am Samstag gegen Abend bemerkte Herr Blömer, wie ein Mann aus dem Walde in ein Roggenfeld auf Paulshof [Venusberg] lief. Herr Bitzer, der gerufen wurde, folgte der Spur und fand bald einen russischen Gefangenen, der sich schlafend stellte. Nachdem Herr Bitzer ihm seinen Stock weggenommen hatte, nahm er den Ausreißer mit. Unterwegs versuchte der Russe in den Wald zu entweichen, wurde jedoch mit Hilfe des Hundes wieder eingefangen und der Militärwache auf dem Exerzierplatz übergeben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Kinderpflege auf dem Lande. Die Provinzialabteilung Rheinprovinz des Deutschen Vereins für Wohlfahrts- und Heimatpflege Bonn, Endenicher Allee 60, hat vor einigen Wochen ein Flugblatt verbreitet und sich bereit erklärt, geeignete Mädchen aus der Stadt zur Kinderpflege während der Ernte auf das Land zu vermitteln. Bedingung war, daß den Helferinnen freie Wohnung und Verpflegung zugesichert wurden. Es haben sich eine große Anzahl geeignete, teilweise sogar besonders in der Kinderpflege vorgebildete Kräfte zur Verfügung gestellt. Die Anzahl der Landgemeinden jedoch, die eine Einrichtung zur Pflege und Wartung der Kleinen einzurichten gedenken, ist bisher noch sehr gering. Dort, wo sie bereits zustande gekommen sind, erfreuen sie sich lebhaften Zuspruchs und großer Beliebtheit.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 26. Juli 1916

      

Anzeige in derDeutschen Reichs-Zeitung vom 26. Juli 1916Das Schwein des kleinen Mannes ist nicht gefährdet, es unterliegt nicht der Beschlagnahme, wie ungeachtet aller Versicherungen von zuständiger Stelle in den Kreisen der Kleinviehhalter noch immer befürchtet wird. Daß dem Züchter das für seine Eigenversorgung bestimmte Schwein belassen wird, haben erst vor kurzem noch der preußische Minister des Inneren und die Minister für Handel und Gewerbe sowie für Landwirtschaft angeordnet. Es ist ausdrücklich bestimmt worden, daß die zur notwendigen Versorgung der Haushaltsangehörigen bestimmten Tiere dem Viehhalter zu belassen sind, daß sie ihm auch dann nicht zu nehmen sind, wenn es sich darum handelt, den Bedarf des Heeres, der Marine oder der Zivilbevölkerung zu decken. Die erwähnte Bestimmung des Erlasses lautet wörtlich, „daß im Falle der Enteignung der unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Versorgungsverhältnisse zur Erhaltung der Haushaltsangehörigen notwendige Bestand an Schweinen jedem Viehhalter zu belassen ist. Bei Bemessung der hiernach dem einzelnen Viehhalter zu belassenen Schweine wird davon auszugehen sein, daß dem Selbstversorger für jeden Wirtschaftsangehörigen eine Fleischmenge von bis zu 500 Gr. die Woche zugestanden werden müsse.“

Das Metropol-Theater bringt diese Woche die Filmtragödie in vier Abteilungen „Du sollst nicht richten“, das dreiaktige Drama „Der Peitschenhieb“ sowie die Lustspiele „Eine uhr-komische Geschichte“ und „Wie man seinen Mann kuriert“.

In den Bonner Lichtspielen wird in diesen Tagen als Stuart Webbs letztes Abenteuer das Detektivschauspiel „Der Amateur“ aufgeführt. Der Spielplan kündigt weiter an das dreiaktige Drama „Der dritte Akt“, das Lustspiel in drei Akten „Die sieben Frechdachse“ und andere kleine Filme.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Ein Schaffell, frisch abgezogen, wurde gestern morgen von einem Feldhüter auf einem Fruchtfeld unterhalb der Gronau gefunden. Der dazugehörige Hammel fehlte natürlich. Er scheint wohl in den falschen Kochtopf geraten zu sein. Der Eigentümer des Hammels konnte bisher nicht ermittelt werden; auch von dem Spitzbuben hat man noch keine Spur.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Die Lindensamen reifen bald heran, und das gibt uns Anlaß, darauf hinzuweisen, daß sie 58 Prozent fettes, feines Oel enthalten, also mehr als alle anderen deutschen Oelsamen. Es wäre zu wünschen, wenn allerwärts eingesammelt werden würden. Bei dem bedeutenden Anbau des Baumes in Deutschland könnte eine Masse Lindensamen zur Oelgewinnung herangebracht werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

    

Das städtische Bekleidungsamt wird in den nächsten Tagen auch in Tätigkeit treten; es ist untergebracht im Gebäude der Universität, deren nördlicher Teil damit vollständig vom städtischen Lebensmittel- und Bekleidungsamt belegt ist. Infolge der Rationierung der Web-, Wirk- und Strickwaren ist der Kauf von Bekleidungsstücken bekanntlich ab 1. August nur noch gegen Bezugsscheine möglich. Diese Bezugsscheine liegen in den betreffenden Geschäften aus, sie müssen vom Käufer entsprechend ausgefüllt werden und vom Bekleidungsamt abgestempelt werden, das über die Bedürfnisfrage vorher entscheidet. Natürlich wird hier keine hochnotpeinliche Untersuchung über das Bedürfnis angestellt, aber durch eine genaue Kartothek wird nach und nach eine sorgfältige Uebersicht über dem Bedarf jedes einzelnen geschaffen. Bekanntlich unterliegen ja auch die teureren Bekleidungstücke nicht dem Bezugschein.
  
Eine Kommission wir in Geschäften die Preise der Web-, Wirk- und Strickwaren daraufhin prüfen, ob diese nicht durch eine unberechtigte Preiserhöhung der Bezugscheinpflicht entzogen werden. [...]

„Der Streik der Bonner Ehrendamen“. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht die Rheinische Zeitung folgendes:
  
Am Samstag hat der Beigeordnete Piehl, der Leiter des städtischen Lebensmittelamtes, die Vertreter der Bonner Presse zu einer Besprechung eingeladen. Er kam auch auf die Kriegsküchen zu sprechen, wozu er unter anderem folgendes ausführte: Die vorgebrachten Klagen über die Art der Tätigkeit und Ungehörigkeiten einzelner ehrenamtlich wirkender Damen soll genau geprüft werden. Sofern die ehrenamtlichen Damen sich nicht bewähren, werden ausschließlich bezahlte Kräfte angestellt werden. Es ist das Bestreben der Stadtverwaltung, die Kriegsküchen mustergültig zu organisieren.“
   Jeder rechtlich denkende Mensch konnte sich über diese Worte, die eine Gewähr dafür geben sollen, daß die Kriegsküchen mustergültig organisiert werden sollten, nur freuen. Anders aber die Ehrendamen in der Kriegsküche in Poppelsdorf. Die Bonner Presse berichtete in den Sonntagsausgaben über die Besprechung und über die eventuelle Absicht der Beseitigung der Ehrendamen durch die Stadtverwaltung. Dieses schlug bei den in der Poppelsdorfer Kriegsküche tätigen Ehrendamen den Boden aus dem Faß. Im größten Andrang verließen sie den Schauplatz ihrer Tätigkeit und stellten mit seltener Einmütigkeit ihre Arbeit ein. Sie kümmerten sich nicht darum, wie der Koch und die Arbeiterfrauen mit der Ausgabe des Essens fertig werden konnten.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Donnerstag, 27. Juli 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juli 1916Der Bonner Lazarettzug K.1 hat seine Verwundeten von der 40. Fahrt nach Brackwede, Hannover, Hildesheim und von der 41. Fahrt nach Brühl, Bonn, Remagen und Neuenahr gebracht und befindet sich wieder auf der Ausfahrt.
 
Da der Lazarettzug in der letzten Zeit einen beschleunigten Betrieb erfahren hat, sind die Vorräte an Zigarren, Zigaretten, Tabak, Rot- und Weißwein, Schokolade, Marmeladen in Eimern, Kompotts in Büchsen, Himbeer- und Zitronensäften so gut wie ganz aufgezehrt. Wir bitten daher, den Lazarettzug jetzt durch Ueberweisung von derartigen Liebesgaben, besonders Zigaretten und Rotwein, zu unterstützen. Die Gegenstände sind alle abzugeben Bahnhofstraße 40. [...]

Die Schuhmacher, die eine Lederkarte beanspruchen, müssen sich beim Oberbürgermeister anmelden und dabei die Art und Größe ihres Betriebes angeben. Die Anmeldungen werden dann gesammelt an die Bezirkskommission für die Verteilung von Bodenleder im Bezirk der Handwerkskammer Köln und von ihr aus nach Berlin weitergegeben. Die Lederkarten werden in Berlin ausgestellt. Unter Vorlage dieser Lederkarten müssen die Schuhmacher sich in der Zeit vom 7. bis 12. August bei einem Lederhändler oder einer Rohstoffgenossenschaft in die Kundenliste eintragen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juli 1916Kartoffelkrankheit. Aus Hersel schreibt man uns: In einzelnen Kartoffelfeldern zeigen sich die Anfänge der von den Landleuten gefürchteten Kartoffelkrankheit. Sie wird durch einen unscheinbaren Pilz hervorgerufen und dieser befällt nach einer langen Regenperiode zunächst die Blätter, auf denen er anfangs gelbliche, dann aber braune und schwarze Flecken erzeugt. Die kranken Blätter rollen sich von unter nach oben kahnförmig zusammen und fallen rasch ab, sodaß nach wenigen Tagen nur noch die Stengel dastehen, während die Blätter am Boden vermodern und dem Pilz dadurch die Möglichkeit verschaffen, sich leicht auf die Knolle in der Erde zu verpflanzen und da die „Stockfäule“ hervorzurufen. – Einstweilen sind die Kartoffeln noch gesund und bis jetzt sind faule oder auch nur angefaulte noch nicht gefunden worden, doch soll es nach dem Urteil bewährter Fachleute nicht ratsam sein, mit der Ernte noch länger zu zögern. Auch dürfen diese Kartoffeln niemals in größeren Mengen zusammen lagern, weil sie sonst rasch dem Verderben ausgesetzt sind. Als Saatgut können sie unter keinen Umständen dienen. Sorten mit dünnschaliger haut unterliegen erfahrungsgemäß dem Kartoffelpilz viel leichter als rote mit rauher und widerstandsfähiger Haut.

Fallobst. Man schreibt uns: In vielen Gärten sieht man sich jetzt veranlaßt, die fruchtbeladenen Obstbäume mit Stützen zu versehen oder wenigstens einzelne fruchtbeladene Aeste aufzubinden. Es ist ernste Pflicht, den Obstsegen nach Möglichkeit zu schützen und einzusammeln. Das Fallobst aber mehr sich, denn die wurmstichigen Früchte müssen abfallen, sollen aber niemals längere Zeit unter den Bäumen liegen bleiben, weil sonst die darin sitzenden Maden ausschlüpfen und sich im Boden oder hinter dem Rindenschorf des Baumes verpuppen, um als Schmetterling im nächsten Jahre ihre Eier wieder an die Früchte zu legen. Viele der abfallenden Kernobstfrüchte sind jetzt so weit entwickelt, daß sie sich ganz gut im Haushalt wie in der Küche zu mancherlei wirtschaftlichen Zwecken wie beispielsweise zur Herstellung von Kompott, Gelee, Mus und Pasten benutzen lassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Hohes Alter. Am 26. Juli beging unser Mitbürger M. Appel aus Endenich seinen 90. Geburtstag in körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Der Jubilar ist einer der letzten Mitkämpfer von 1848. Er stand in einem Deutzer Dragonerregiment in Baden. Noch viele Episoden dieses Kampfes erzählt er im Kreise seiner zahlreichen Enkel. Vor Jahresfrist feierte er das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Das älteste Kind ist 62 Jahre alt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 28. Juli 1916

    

Die vierte Kriegsküche der Stadt Bonn wird nächsten Montag in Kessenich, Burbacherstraße 19 (Wirtschaft Lindenhof) eröffnet. Die Wochenkarten für diese neue Küche werden zuerst Samstag von 4 bis 7 Uhr und Sonntag von 11 bis 1 Uhr ausgegeben, im übrigen können die Wochenkarten zur Teilnahme an der Massenspeisung von jetzt ab an jedem Tage zwischen 11 und 1 Uhr in der betreffenden Küche gekauft werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juli 1916Städtisches Bekleidungsamt. Am 1. August d. J. wird am Hof Nr. 14, Eingang Römerplatz, das städtische Bekleidungsamt eröffnet. Eine weitere Kriegsmaßnahme. Von diesem Tage ab können nämlich der größte Teil der Web-, Wirk- und Strickwaren nur gegen Bezugsschein gekauft werden. [...]
Wie erhält der Kunde nun seine Waren mit einem Bezugsschein?
1) Er holt sich einen Bezugsschein im städtischen Bekleidungsamte oder im städtischen Verkehrsamte, Poststraße 27 oder in allen einschlägigen Geschäften.
2) Er füllt diesen Bezugsschein aus, oder läßt ihn durch die Geschäfte selbst ausfüllen. Dabei ist darauf zu achten, daß für jeden Gegenstand ein besonderer Bezugsschein ausgestellt werden muß. Es dürfen daher nicht auf einen Bezugsschein z. B. 6 Paar Strümpfe und 7 Meter Wäsche- oder Futterstoff aufgeschrieben werden, sondern für die 6 Paar Strümpfe und 7 Meter Wäschestoff muß je ein besonderer Bezugsschein ausgestellt werden.
3) Nach Ausfüllen des Bezugsscheines muß dieser dem städtischen Bekleidungsamte am Hof Nr. 14 zur Prüfung vorgelegt werden.
4) Der geprüfte Bezugsschein berechtigt dann zum Einkauf in jedem beliebigen Geschäft und hat im ganzen Reich seine Gültigkeit. Hierbei ist darauf zu achten, daß nur der Bezugsschein gültig ist, der am Ort des Wohnsitzes von der betreffenden Prüfungsstelle abgestempelt ist, d. h. ein Bonner Einwohner kann niemals einen Bezugsschein auf dem städtischen Bekleidungsamt in Cöln oder Coblenz erhalten.
5) Nach Abgabe der Waren auf dem Bezugsschein haben die Geschäftsinhaber den Bezugsschein durch Lochen, durch Durchstreichen, oder durch andere Maßnahmen zu entwerten und diese Bezugsscheine zu sammeln und am 1. jeden Monats dem städtischen Bekleidungsamt abzuliefern.
[...]
   Die Prüfung der Bezugsscheine auf dem städtischen Bekleidungsamt hat den Zweck, den Verbrauch zu regeln und auf das notwendige Maß einzuschränken. Deshalb erhält dort jeder Familienvorstand ein bestimmtes Kartenblatt, aus dem alle Kleidungsstücke und Waren, die er für sich und seine Familien-Angehörigen nach dem 1. August d. J. bezogen hat unter entsprechender Zeitangabe ersichtlich werden.
[...]
   Dem städtischen Bekleidungsamt wird eine ungeheure Arbeitslast aufgebürdet, wenn man bedenkt, daß voraussichtlich täglich 9-10.000 Bezugsscheine durchschnittlich geprüft werden müssen. Eine Zahl, die sich z. B. zu Weihnachten usw. noch erheblich steigern wird. Die Einrichtung ist aber von Reichs wegen getroffen und an für sich eine recht umständliche Geschichte. Aber die Prüfung der Bedürftigkeit in unserm städtischen Bekleidungsamt soll durchaus nicht engherzig vorgenommen werden. Man wird vielmehr nur dort eingreifen, wo das Einkaufsgesuch dem Bedürfnis offenkundig nicht entsprechen kann.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Stellenwechsel von polnischen Arbeitern. Das Kaiserl. Deutsche Polizei-Präsidium in Lodz macht in einer Zuschrift vom 5. ds. Mts. auf eine in deutscher und polnischer Sprache verfaßte Bekanntmachung aufmerksam, worin den in letzter Zeit verschiedentlich beobachteten falschen Vorstellungen der russischen Arbeiter über die Ernährungsverhältnisse in Polen entgegengetreten wird. In der Bekanntmachung wird insbesondere darauf hingewiesen, daß auch in Polen keineswegs ein Ueberschuß an Nahrungsmitteln vorhanden sei, sondern im Gegenteil allenthalben die äußerste Sparsamkeit geübt werden müsse. Die Bekanntmachung fährt dann fort: „Die in Deutschland beschäftigten, von hier stammenden Arbeiter können mit der ihnen in Deutschland gebotenen Verpflegung somit durchaus zufrieden sein.“ Weiterhin werden die in Deutschland beschäftigten Arbeiter eindringlich vor dem Stellenwechsel, insbesondere vor dem unerlaubten Stellenwechsel und seinen Folgen verwarnt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 29. Juli 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Juli 1916Höchstpreise für Gemüse. Auf Anordnung des Regierungspräsidenten hat der Oberbürgermeister wieder Richtpreise für Gemüse festgesetzt. Sie treten am 1. August in Kraft. Es sind Erzeuger-, Groß- und Kleinhandelspreise vorgeschrieben. Hoffentlich wiederholen sich diesmal nicht die üblen Erfahrungen, die die Stadt Bonn im Juni mit den Gemüserichtpreisen machen mußte.

Militärische Jugendübungen werden am morgigen Sonntage die städtischen Fortbildungsschulen auf dem städtischen Spielplatze an der Kölnstraße vor geladenen Gästen ausführen. Die Uebungen beginnen um 4½ Uhr. Um 5½ Uhr findet die Enthüllung der neuen, den Fortbildungsschulen von der Bonner Fahnenfabrik geschenkten Fahne statt. Die Bonner Liedertafel wird bei der vaterländischen Feier Männerchöre vortragen. Die Musik ist vom hiesigen Landsturm-Bataillon zur Verfügung gestellt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Pützchensmarkt. Der Beueler Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, in diesem Jahr den Markt in Pützchen wieder abzuhalten.

Zwei Russen, die vor einiger Zeit aus dem Dresdener Gefangenenlager flüchteten, kamen in der Nacht zum Donnerstag gegen 4½ Uhr in Godesberg an. Als sie das Bahngeleise an der Plittersdorfer Straße überschreiten wollten, wurden sie von dem Bahnwärter Friedrich Prinz angehalten. Dem Bahnwächter gelang es, einen der Flüchtlinge dingfest zu machen, während der zweite in der Richtung auf Bonn zu weiter lief. Er kam jedoch nicht weit. Hier in Bonn wurde der Russe auf dem Bahnkörper zwischen Weber- und Lessingstraße von den Schrankenwärtern in dem Augenblick erwischt, als er über die Mauer eines Gartens an der Schumannstraße klettern wollte. Er wurde der militärischen Wache übergeben. Die beiden Ausreißer steckten noch in ihrer Gefangenenkleidung; sie hatten Beine und Schuhe mit Sackleinen bewickelt. In einem Sack führten sie Brot und Aepfel mit sich.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     

Städtischer Kartoffelverkauf. Bei den städt. Verkaufsstellen werden in der Zeit vom 30. Juli bis 12. August 7 Pfund Kartoffeln für den Kopf und die Woche abgegeben. Es ist den Verbrauchern freigestellt, den ganzen Bedarf für diese zwei Wochen auf einmal zu entnehmen. Dies wird von der Verwaltung dringend empfohlen, da mit Eintritt der Kornernte die Zufuhr der Kartoffeln ungenügend werden könnte und alsdann keine Gewähr für eine ausreichende Versorgung gegeben werden kann. Der Kartoffelpreis beträgt für die Abteilung A 9 Pfg., Abteilung B 11 Pfg., und Abteilung C 12 Pfg. das Pfund. Die Kartoffeln werden an allen Wochentagen in den in der heutigen Nummer unseres Blattes angegebenen 57 Verkaufsstellen abgegeben. Es empfiehlt sich, die heute veröffentlichte Bekanntmachung auszuschneiden, da für die Folge nur die neu hinzugekommenen oder fortfallenden Verkaufsstellen veröffentlicht werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 30. Juli 1916

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juli 1916Arndt-Eiche in Eisen. Der Verkehr an der Arndt-Eiche war in den letzten Wochen und Monaten weniger lebhaft. Die wirtschaftlichen Verhältnisse und die Sammlungen für andere Wohlfahrtszwecke haben die Eingänge bei der Arndt-Eiche geringer werden lassen. Trotzdem dürfte es wünschenswert sein, daß auch die Zwecke der Arndt-Eiche weiter unterstützt werden; besorgt diese Sammlung doch insbesondere die Unterstützung der Witwen und Waisen von Bonner Kriegern.
   Im Monat Juli haben u. a. feierlich genagelt der Verein Frauenbildung – Frauenstudium, der Verein deutscher Spülwaren- und Sanitäts-Geschirr-Fabriken in Bonn und der Evangelische Frauenverein in Kessenich. Mitte des Monats erschienen zur Nagelung etwa 100 Kinder des städtischen Pflegehauses; der hierfür erforderliche Geldbetrag war von wohltätiger Seite zur Verfügung gestellt worden.
   Auch für die nächste Zeit steht die Nagelung durch mehrere Vereine und Verbände in Aussicht. [...]
   Nachdem auch der jüngste Jahrgang der Volksschüler sich an der Nagelung beteiligt hat, ist nunmehr der obere Stamm der Eiche selbst vollständig benagelt. Im übrigen weist die Eiche eine Reihe eigenartiger und künstlerischer Zierate auf, die mit sinnigen und vaterländischen Sprüchen versehen sind; schon jetzt lohnt sich eine nähere Besichtigung der Eiche, die immer mehr eine Sehenswürdigkeit der Stadt Bonn wird. Vielfach wird neuerdings wieder die Anbringung von Adlerfedern oder Eisenplatten dazu benutzt, den Namen gefallener Angehöriger oder Freunde zu verewigen.
 Anzeige in derDeutschen Reichs-Zeitung vom 30. Juli 1916  Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, unsere Mitbürger, die ein Herz für die Not der Witwen und Waisen unserer gefallenen Bonner Krieger haben, zu bestimmen, nach ihrem Vermögen größere oder kleinere Beiträge zu spenden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Vaterländische Festspiele. Heute Sonntag findet auf dem Sportplatz an der Richard-Wagnerstraße ein Ausscheidungsspiel für die Endrunden am 13. August 1916 zwischen Borussia-Bonn und Bonner Turnverein statt. Bei der Gleichwertigkeit der beiden Mannschaften steht ein spannendes Spiel in Aussicht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Billige Frühkartoffeln. Das städtische Lebensmittelamt verkauft von heute nachmittag an, soweit der Vorrat reicht, an der Verkaufsstelle in der Maxstraße und auf dem Stiftsplatze an der Ecke der Sandkaule nicht besonders haltbare Frühkartoffeln zum Preise von 5 Pfg. das Pfund ohne Kartoffelkarte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 31. Juli 1916

     

Anzeige in derDeutschen Reichs-Zeitung vom 31. Juli 1916Fahnenweihe der Fortbildungsschule. Der Bonner Fortbildungsschule ist bekanntlich vor einiger Zeit von Herrn Dr. Meyer, dem Inhaber der Bonner Fahnenfabrik, eine Fahne geschenkt worden. Gestern nachmittag ist die Fahne auf dem städtischen Spielplatze an der Kölnstraße eingeweiht worden. Vorher zeigten die etwa 800 Schüler dem Garnisonältesten, Generalleutnant Exzellenz v. Boetticher, und einer größeren Anzahl Offiziere, ferner dem Oberbürgermeister, den Vertretern der Handelskammer, des Handwerks, den Stadtverordneten, dem Schulvorstand und zahlreichen anderen Zuschauern den Stand ihrer Ausbildung in den vorgeschriebenen militärischen Jugendübungen. Unter der Leitung von Offizieren und Unteroffizieren wurden Bewegungs- und Freiübungen vorgeführt, Hindernisse überwunden, das Kriechen mit möglichst flach ausgestrecktem Körper, Speer- und Handgranatenwerfen geübt, auch Lauf- und andere Spiele wurden veranstaltet. Als alle Abteilungen besichtigt worden waren, sammelten sich die Ehrengäste und die jungen Leute um die noch verhüllte neue Fahne zu einer kurzen vaterländischen Feier. Nach einem Musikstück der Landsturmkapelle und dem Vortrag der Wacht am Rhein durch die Bonner Liedertafel nahm Oberbürgermeister Spiritus das Wort. Er habe soeben den Eindruck gewonnen, daß die jungen Leute ganz hervorragend gelernt haben, ihren Körper zu stählen und sich in Mannszucht zu festigen. Ihren fröhlichen Mienen sei es anzusehen, daß die militärischen Uebungen ihnen kein lästiger Zwang, sondern Vergnügen seien. So solle und müsse es auch sein. In dieser großen und ernsten Zeit habe jeder gern das Seine zu tun für des Vaterlandes Wohl, und auf die Jugend als die Zukunft müsse das Vaterland ganz besonderes Vertrauen setzen. Für jeden gesunden Deutschen sei es ja eine Selbstverständlichkeit, daß er auch Soldat werde und das Vaterland verteidigen helfe. Zu den besten Soldaten gehörten aber die, die schon vorher in den Jugendorganisationen vorgebildet worden seien. Nun habe ein edelmütiger Gönner der Fortbildungsschule für ihre militärische Jugendausbildung eine künstlerisch schöne Fahne geschenkt. Die Fahne sei dem Deutschen und insbesondere dem Soldaten das Sinnbild der Pflicht und der Treue gegen das Vaterland, das jeder mit schützen wolle, und gegen den Kaiser, der selbst ein Vorbild der Pflichttreue und des Gottvertrauens sei. Oberbürgermeister Spiritus ließ die Fahne enthüllen und brachte ein dreifaches Hurra auf den Kaiser aus. Die Anwesenden , vor allem die in guter Ordnung aufgestellten Jünglinge, stimmten begeistert in die Hurras ein und sangen Deutschland über alles. Fortbildungsschuldirektor Bins übernahm dann die neue Fahne. Er dankte dem Stifter der Fahne, den erschienenen Ehrengästen und den ausbildenden Offizieren und Unteroffizieren und gelobte im Namen der Schüler seiner Schule, daß sie, wie unsere tapferen feldgrauen Krieger, ihre Fahne stets hoch in Ehren halten und dem Vorbild unserer Kämpfer in Ost und West, Süd und Nord stets nachzueifern bestrebt sein würden. Der Redner schloß mit einem Hoch auf unser Heer und unsere Flotte.

Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe hat den Verkauf von Marmelade einstellen müssen, da die Vorräte ausverkauft sind und infolge der herrschenden Zuckerknappheit auf neue Zufuhr einstweilen nicht zu rechnen ist. Fast ein ganzes Jahr lang waren die Damen des Ausschusses und ihre Helferinnen unablässig bemüht, der minderbemittelten Bevölkerung durch Bereitstellung billiger Marmeladen den Fettmangel weniger fühlbar zu machen. Da sämtliche Hilfskräfte ehrenamtlich, d. h. ohne jede Vergütung, ihre Zeit und Kräfte dem guten Zweck zur Verfügung stellten, war es dem Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe möglich, die Marmeladen zum Selbstkostenpreis abzugeben. Obgleich der Andrang oft kaum zu bewältigen war und daher an die Ausdauer der bedienenden Damen hohe Anforderungen gestellt wurden, walteten sie bis zuletzt mit immer gleicher Freudigkeit ihres Amtes. Sie bedauern aufrichtig, durch die Umstände gezwungen, den Marmeladenverkauf aufgeben zu müssen. Da es durch Vermittlung der Stadt den hiesigen einschlägigen Geschäften jetzt wieder möglich ist, billige Marmelade zu verkaufen, dürfte auf diesem Wege den Bedürfnissen der Bevölkerung vorläufig genügt werden.
   Der Verkauf von Kindermilchmehl und einigen anderen Nährmitteln bleibt in den gleichen Räumen Am Hof weiter bestehen, ebenso wie die Beratungsstelle, die auch fernerhin auf regen Zuspruch hofft.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Godesberg, 30. Juli. Ein Schauturnen und ein Schaurudern des Evangelischen Pädagogiums hatte sich gestern eines äußerst regen Besuches und der allgemeinen freudigen Zustimmung zu erfreuen. Bis vor zwei Jahren hatte die Anstalt bekanntlich unausgesetzt um diese Zeit gewissermaßen als Schlußstein ihres Schullebens für das Sommerhalbjahr ein großes Turnfest abgehalten, das am Abend bei der Rückkehr der Schülerschar mit einem feierlichen Fackelzug durch das geschmückte und beleuchtete Godesberg abschloß. Durch den Krieg waren bis jetzt diese Festveranstaltungen zweimal ausgefallen. Der diesmal nun wieder aufgenommene Schulschlußakt, zu welchem auch die abkömmlichen „Ehemaligen“ in großer Anzahl erschienen waren, entsprach vollkommen dem Ernst und Geist unserer Zeit. Herr Dr. Lohmann brachte als Vorsitzender der „Besdep“ den Gruß und die Gefühle der Anhänglichkeit der ehemaligen Schüler zum Ausdruck. Der aus dienstlichen Gründen an der Teilnahme der Schulfeier verhinderte Fliegerleutnant Rübsamen erschien während des Schauturnens am Vormittag plötzlich mit seinem Flugzeug über dem Schulhofe bis zu einer beträchtlichen Tiefe und warf einen Brief und einen Kranz als Festgruß herab. Das von Herrn Oberlehrer Endemann am Vormittage vorgeführte Schauturnen übertraf wiederum alle gehegten Erwartungen und riß die Zuschauermenge vielfach zu Beifallskundgebungen hin, ebenso das am Nachmittag in der Nähe von Dreesen vorgeführte Schaurudern, das mit einer Auffahrt der ganzen Flotte des Godesberger Schüler-Rudervereins mit 25 Booten und 65 Ruderern abschloß. Herr Direktor Professor D. Kühne brachte in seiner Schlußansprache ein Hoch auf Kaiser und Vaterland aus.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

    

Die Bonner Kriegsküchen. Eine sachverständige Hausfrau sendet uns über die Poppelsdorfer Kriegsküche, die namentlich in den letzten drei Tagen unter Kontrolle gehalten hat, die nachfolgende Beurteilung.
   Freitag, 28. Juli. Graupen mit Backobst. War sehr kräftig, auch vollständig hinreichend zum Sattessen. Wünschenswert wäre gewesen, wenn das Backobst entweder durch das bei Hausfrauen übliche vorherige Einweichen (24 Stunden) oder durch längeres gelindes Kochen weicher, aufgequollener und deshalb auch bekömmlicher gewesen wäre. Dieses wäre ohne direkte Mehrausgaben zu erreichen. Eine geringe Erhöhung des Etats würde wohl vonnöten sein, um das ganze Gericht ein wenig süßer zu machen. Es wäre dann leichter, die zum Sattwerden nötige Portion zu verzehren, auch der Nährwert erführe eine kleine Steigerung.
   Samstag, 29. Juli. Erbsensuppe mit Kartoffeln und Fleischeinlage. War zu wenig konsistent, um selbst bei Verzehren des ganzen Quantums einen Arbeiter wirklich zu sättigen. Die Erbsen waren so hart, wie es in keinem einfachen Haushalt üblich ist, sie zu verabfolgen, schon allein weil der Verdauungsapparat das Gebotene so nicht ausnutzen kann. Gewürzt war in sehr gutem Mittelmaß. Also: Hülsenfrüchte unbedingt einweichen.
   Sonntag, 30. Juli. Dicke Bohnen mit Speck und Kartoffeln. Das erste meiner Ansicht nach völlig verfehlte Essen, das eigentlich als unumstößlicher Beweis dafür dienen kann, daß zur Massenspeisung sich nur Eintopfgerichte oder Hülsenfrüchte eignen. Dem sehr zu respektierenden Wunsch, die Eintönigkeit der Eintopfgerichte einmal durch ein fast hausmütterliches Mittagessen zu unterbrechen, stehen in der heutigen Entwicklung der Volksküchen so große Mängel in der Einrichtung entgegen, daß man lieber ein gutes Eintopfgericht als ein nur gut gemeintes Mittagessen geben sollte. Man würde das sicher auch richtig zu würdigen wissen. Die Dickbohnen waren nicht ganz gar geworden und hatten durch die für dieses Gericht zu kleine Fleischbeigabe weder genug Gewürz, noch genug Kraft bekommen. Die Kartoffeln waren häßlich und nicht gut im Geschmack. Beides nicht etwa Schuld der Köchin. Es ist besonders bei neuen Kartoffeln der Hausfrau Sitte, sie in der Schale zu kochen, dann abzuziehen und noch einmal schnell durchdampfen zu lassen. Das kann die Volksküche mit ihren Einrichtungen nicht machen. Sie schält – leider – die Kartoffeln und kocht sie. Im Wasser müssen dann die Kartoffeln bleiben, bis sie abgeholt werden, schon allein, weil man sie nicht anders heiß halten kann. So entsteht die häßliche graue Farbe der jetzt doch so schönen Erdäpfel, und wenn man Pech hat, bekommt man sie auch noch recht auseinandergekocht auf seine Portion Dickbohnen gelegt.

Der Ausflugsverkehr war am gestrigen Sonntag recht lebhaft. Die am Nachmittag rheinaufwärts fahrenden Schiffe waren mit Ausflüglern dicht besetzt und auch unsere Vorortbahnen hatten starken Verkehr. Mit dem Eintreten des warmen Wetters hat auch unsere Jugend das Baden im offenen Rhein wieder aufgenommen, und gestern nachmittag konnte man rechts- und linksseitig eine ganze Anzahl Knaben beobachten, die, nur mit einer Badehose bekleidet, die Leinpfade entlang liefen und sich auch dort, unbekümmert um die Spaziergänger, aus- und ankleideten. Abgesehen davon, daß das Baden im offenen Rhein wegen der damit verbundenen Lebensgefahr behördlich verboten ist, macht es einen unangenehmen Eindruck, wenn sich die Knaben in ihrem Badekostüm ganz ungeniert zwischen den Spaziergängern bewegen. In den verschiedenen geschlossenen Freibädern ist der Jugend reichlich Gelegenheit geboten, sich nach Herzenslust in den Wellen des Rheines zu tummeln. Wünschenswert wäre es, wenn jetzt zur Eröffnung der Badezeit gegen das Baden im offenen Rhein energisch eingeschritten würde; es könnten dann manche Unglücksfälle durch Ertrinken vermieden werden. Die nahenden Schulferien lassen diese Anregung ganz besonders geboten erscheinen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Eine patriotische Pflicht. Amtlicherseits wird erneut darauf hingewiesen, daß es Pflicht jedes Deutschen ist, Fluchtversuche, Diebstähle, Brandstiftungen, Beschaffung von Zivilkleidern und sonstige Verstöße von Kriegsgefangenen zu verhindern, die Wachtkommandos und Polizeibeamten hierin zu unterstützen und alle bekannt werdenden Verfehlungen von Kriegsgefangenen ungesäumt dem nächsten militärischen Posten oder den nächsten militärischen Dienststellen oder dem nächsten Polizeibeamten zur Kenntnis zu bringen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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