Mittwoch, 26. Januar 1916
Arndt-Eiche in Eisen. Die Freude an unserem Bonner Kriegswahrzeichen mehr sich mit jedem Tage, und die Einnahmen werden allmählich immer größer. Zurzeit – also fünf Wochen seit der Einweihung – beträgt die Gesamteinnahme bereits über 20.000 Mark. Am vergangenen Montag betrug die Tageseinnahme 1.011 Mark; gewiß ein überaus erfreuliches Ergebnis.
Ein reizendes Bildchen war es am vergangenen Sonntag, als an der einen Seite der Eiche zwei kleine Kinder im Alter von etwa 2 Jahren mit Unterstützung ihrer Mutter ihren Nagel einschlugen, während an der anderen Seite ein 88jähriger, aber noch rüstiger Greis mit wallendem weißen Barte seinen Nagel in den Stamm der Eiche einschlug mit den vernehmbar gesprochenen Worten: Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte. [...]
Der Bonner Lazarettzug ist gestern nachmittag von seiner 25. Fahrt in Bonn eingetroffen. Nachdem ein Teil der mitgebrachten Verwundeten in die hiesigen Lazarette gebracht worden war, ist der Zug nach Andernach und Koblenz weitergefahren.
Die Lichtspiele der Woche. In Bonner Lichtspielen werden in dieser Woche die Dramen „Mein ist die Rache“ und „Judaslohn“ sowie die Lustspiele „Auf Hoheits Fürsprache“, „Gefüllte Karpfen“ und „Der Schirm des Anstoßes“ gegeben. Von den übrigen Filmen ist vor allem die Aufnahme des Einzuges der Deutschen in Warschau zu nennen.
Im Metropol-Theater wird der vierte Film der bekannten Filmdarstellerin Maria Carmi-Vollmöller vorgeführt: „Die rätselhafte Frau“, Tragödie in fünf Akten. Ferner sind zu nennen das Lustspiel „Seine schwache Seite“ und der Abenteuerfilm „Das Kind in der Leopardenhöhle“.
Das Viktoria-Theater bringt in diesen Tagen als besonderes Zugstück das dreiaktige phantastische Filmspiel „Marionetten, Pierrots und Kolombinchens Abenteuer“, außerdem eine Reihe anderer Filme.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Im Kriegskinderheim auf Hoheneich [in Endenich] sind annähernd 45 Kinder bis zu vier Jahren in voller Pflege, darunter eine hohe Zahl im Säuglingsalter. Außer der Leiterin und ihrer Schwester sind fünf junge Damen und zwei Angestellte unausgesetzt mit der Körperpflege der Kinder und der Versorgung ihrer Wäsche usw. tätig. Der Gesundheitszustand der Kleinen ist recht befriedigend. Kinderchen, die schon seit Beginn des Krieges gepflegt werden, gedeihen zur Freude der Pflegerinnen vortrefflich. Trotz vieler Opfer wird die Sorge um die Beschaffung der täglichen Bedürfnisse immer größer. Bisher gelang es mit annähernd 20 Mark für das Kind und den Monat die nötigsten Kosten zu bestreiten, jetzt muß aber mit größeren Ausgaben gerechnet werden. Der Dank der Väter wird durch viele Karten aus den Schützengräben rührend ausgedrückt. Man möge das Kriegskinderheim nicht vergessen, wenn in diesen Tagen zum Geburtstag des Kaisers die Herzen und Hände sich zu Taten der Liebe öffnen.
Verlängerung des Inventurausverkauf-Verbots. Das bisher nur für den Monat Januar erlassene Verbot der Veranstaltung von Inventur- und Saison-Ausverkäufen in Web- und Wirkwaren aller Art, weißen Wochen und ähnlichen Veranstaltungen, bei denen herabgesetzte Preise angekündigt werden, wird, wie „Der Konfektionär“ mitteilt, in unveränderter Weise auch für den Monat Februar verlängert. Um eine Aussprache über die zu dem Verbote geäußerten Wünsche der Detaillisten herbeizuführen, findet in den ersten Tagen des Februar im Reichsamt des Inneren eine Besprechung statt, zu der die beteiligten Kreise Einladungen erhalten haben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Metallablieferung. Um vielfach geäußerten Wünschen entgegenzukommen, werden zukünftig auf Antrag die unentgeltlich zur Verfügung gestellten Gegenstände in den Wohnungen abgeholt. Die Besitzer, die unentgeltlich Gegenstände an den Reichsmilitärfiskus abtreten, werden daher gebeten, dieses durch Postkarte „an den Herrn Oberbürgermeister zu Bonn, Rathaus“, mitzuteilen. Die Abholung erstreckt sich jedoch nur auf die unentgeltlich zur Verfügung gestellten Gegenstände. Bei den gegen Bezahlung abzuliefernden Gegenständen kann ein Abholen nicht erfolgen, da in den Uebernahmepreisen die Ueberbringungskosten enthalten sind.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Der „Deutsche Frauendank 1915“ bittet bei Gelegenheit von Kaisersgeburtstag auch seiner Sammlung zu gedenken, da die Spende noch keine genügende Grundlage bildet für eine ausreichende Beihilfe zur Berufsbildung der Kinder von Gefallenen und Kriegsteilnehmern der Stadt Bonn. Neun Zehntel der gesamten Summe stehen zu diesem Zweck dem Arbeitsausschuß zur Verfügung, der auch das Kapital angreifen darf. Gaben nimmt entgegen die Deutsche Bank am Kaiserplatz auf Konto „Deutscher Frauendank 1915“ Elisabeth Korff.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Donnerstag, 27. Januar 1916
Kaisergeburtstagsfeiern. Das königliche Gymnasium vereinigte gestern nachmittag in der Aula der Anstalt seine Lehrer und Schüler zu einer Kaisergeburtstagsfeier, an der auch zahlreiche Angehörige der Schüler teilnahmen. Die Feier wurde eingeleitet mit Richard Wagners Kaisermarsch, der von dem Musikverein des Gymnasiums mit rhythmischem Schwung und guter Klangwirkung gespielt wurde. Es folgten Gedichtvorträge durch Schüler der verschiedenen Klassen. Die gewählten Gedichte waren sämtlich der gegenwärtigen großen Zeit angepaßt, die Vortragenden brachten die darin behandelten Stoffe recht klar zum Ausdruck. Auch der Schülerchor trat zweimal auf, er sang ein altniederländisches Gebet für das Vaterland und später Waltharis „Für Kaiser und Reich“. Die Festrede hielt dann Herr Oberlehrer Kentenich. Er wies darauf hin, daß man diesem Geburtstage des Kaisers, dem zweiten im Weltkrieg, mit viel größerer Gewißheit das stolze Bewußtsein haben dürfe: wir haben obgesiegt über eine Welt von Feinden, die uns erniedrigen, unsern Staat vernichten wollten. Eine deutsche Volkskraft habe sich in diesem Kriege geoffenbart, die niemand vorher geahnt hätte. Diese Volkskraft werde durch große Führer in die richtigen Bahnen geleitet, und der oberste Führer, nicht nur dem Range nach, sondern viel mehr auch der Tat nach, sei unser Kaiser. Der Kaiser habe nicht auf den Krieg hingearbeitet oder eine Weltherrschaft angestrebt, dennoch sei es sein Verdienst, daß die deutsche Wehrmacht ausgebaut wurde und dadurch so gewaltige Erfolge errungen werden konnten. Ferner habe der Kaiser das deutsche Wirtschaftsleben gefördert, die Lage der unteren Volksschichten gehoben, Wissenschaft, Kunst und Technik begünstigt und auch die Partei, und Bekenntnisgegensätze zu mildern verstanden. Zum Kaisergeburtstage wolle man geloben, nach dem Vorbilde und im Sinne des Kaisers jeden persönlichen Vorteil dem Wohl der Gesamtheit unterzuordnen und mit allen Kräften, selbst mit Einsetzung von Blut und Leben, an der Durchführung der großen Aufgaben Deutschlands mitzuwirken. Mit großer Begeisterung wurde das Kaiserhoch, daß die Rede abschloß, aufgenommen und dann zum Schluß der Feier die Nationalhymne gesungen.
Das Städtische Gymnasium und Realgymnasium feierte gestern nachmittag 5¼ Uhr mit zahlreich erschienenen Gästen den Geburtstag unseres Kaisers in der Aula der Anstalt. Das Schülerorchester hatte in Webers Jubelouvertüre und Mendelssohn-Bartholdys „Kriegsmarsch der Priester aus Athalia“ eine glückliche Wahl getroffen und trug beide Stücke wirkungsvoll vor. Der Chor hatte sich mit seinen Liedern dem Geist der Stunde angepaßt und fand selbst mit dem altvertrauten „Gebet nach der Schlacht“ und „Lützows wilde Jagd“ begeisterten Beifall. Die von den Schülern vorgetragenen Gedichte waren alle aus unserer großen Zeit herausgewachsen. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Professor Sommer über die Wurzel unserer Kraft. Aus Geschichte und Gegenwart bewies er, daß das Geheimnis unserer Stärke nicht in dem von unseren Feinden so vielgeschmähten Militarismus oder in unserer Organisation liegt, sondern in der sittlichen Kraft unseres Volkes. Diese aber ist herausgewachsen aus dem Verhältnis von Staat und Gesellschaft, wie es die Hohenzollern in Preußen-Deutschland gestaltet haben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Kaisers Geburtstag.
Flaggenschmuck von den staatlichen und städtischen Gebäuden sowie von zahlreichen Häusern der Bürgerschaft künden äußerlich den hohen Festtag, den das deutsche Vaterland heute begeht. Mehr noch zeigt sich in allen Schichten der Bevölkerung, daß man mit Herz und Hand des Geburtstages unseres Kaisers und Königs gedenkt. Der hochherzige Wunsch des Kaisers, seinen Geburtstag dadurch zu feiern, daß wir unserer Krieger, der verwundet oder beschädigt aus dem Felde heimgekehrten Helden und ihrer Angehörigen gedenken, und die Mittel stärken, die erforderlich sind, um alle die von dem großen Weltringen unmittelbar oder mittelbar betroffen werden, vor leiblicher Not zu bewahren, ist auch in Bonn auf fruchtbaren Boden gefallen. Die Sammlungs-Ergebnisse werden dies zweifellos durch die Höhe der Summe bekunden. Wir können unserem Kaiser, der als einer der edelsten Friedensfürsten unserem Volke den Krieg mit allen seinen furchtbaren Wirkungen ersparen wollte, keine schönere Geburtstagsfreude bereiten, als daß wir alle am heutigen Tage ein besonderes finanzielles Opfer für alle Volksgenossen erbringen, die von den Kriegswirren am härtesten betroffen sind. Wir entsprechen damit nicht nur dem Wunsche, den unser Kaiser zu seinem Geburtstage ausgesprochen hat, sondern erfüllen damit auch einen Zoll der Dankbarkeit, den wir unserem Volk in Waffen und dem obersten Kriegsherrn schulden. [...]
Wir Erwachsenen, die wir den weltbewegenden Ereignissen ernster gegenüberstehen, als unsere Kinder, wir wissen, daß zu Beginn des Krieges, wo die Grenzen unseres Vaterlandes von Feinden ringsum bedroht waren, das von dem eisernen Kanzler geschaffene Reich von dem eisernen Willen Wilhelms II. in Not und Tod verteidigt wurde, und seine unerschütterliche Tatkraft und sein scharfer Blick für die zu berufenden militärischen Führer die Sturmwellen der Riesenheere unserer Feinde zerschellen ließ.
Wir danken dies dem Kaiser, indem wir auch hier im Rheinland, in unserem schönen Bonn, dem sich dank der raschen Entschlusskraft unseres Kaisers und der Umsicht seiner genialen Führer kein Feind nahen konnte, indem wir heute und für die weitere Dauer des Krieges jeder an seinem Teile dazu beitragen, daß die Einwirkungen des Krieges durch Wohlfahrtsbestrebungen aller Art nach Möglichkeit gemildert werden. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Städtischer Butterverkauf. Am Freitag nachmittag um 3 Uhr beginnt der Verkauf ausländischer Butter im Hofe Franziskanerstraße 8 a (Eingang nur von der Rathausgasse aus). Das Pfund kostet wie bisher 2,80 Mark. Das Brotbuch gilt als Ausweis. Die abzugebende Menge richtet sich nach der Kopfzahl der Familie. (Siehe Anzeige)
Bügel-, Näh- und Servierkurse veranstaltet der Interkonfessionelle Hausfrauenbund auch in diesem Jahre wieder. Die Beteiligung an diesen Kursen, die sich schon früher großen Anklanges erfreuten, ist in der jetzigen Kriegszeit unbeschäftigten Frauen und Mädchen, sowie Dienstboten zur Weiterbildung ganz besonders zu empfehlen.
Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe wird seine allwöchentliche Kochkistenvorführung diesmal wegen des Festtages nicht Donnerstag, sondern Freitag, den 28. Januar, nachmittags 4-6 Uhr, in der Beratungsstelle am Hof abhalten. Bei der großen Bedeutung, die die Kochkiste in dieser lebensmittelknappen Zeit gewonnen hat, kann der Besuch dieser Vorführungen nicht warm genug empfohlen werden. Um die Kenntnis sparsamen und doch nahrhaften Kochens möglichst zu verbreiten, beabsichtigt der Ausschuß demnächst auch die fettlose Küche praktisch vorzuführen und hält stets gut ausprobierte Rezepte für Kriegsküche, vor allem für die noch viel zu wenig bekannten Eintopfgerichte, zur Verfügung. Es ist jedem anzuraten, von diesen Einrichtungen möglichst weitgehenden Gebrauch zu machen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 28. Januar 1916
Zur Erinnerung an das hundertjährige Bestehen des Königlichen Oberbergamtes haben die Steinkohlenbergwerke des linksrheinischen Niederrheins dem Oberbergamt für den Sitzungssaal des Dienstgebäudes zwei von Prof. Max Fleck – Berlin gemalte lebensgroße Portraitbilder Kaiser Wilhelms II. und König Friedrich Wilhelms III. zum Geschenk gemacht. Da die Kriegszeit eine größere Feierlichkeit verbietet fand heute am Geburtstage Sr. Majestät die Uebergabe der Gemälde durch die Herren Vertreter der Bergwerksindustrie mit einer Ansprache des Herrn Bergwerksdirektors Pattberg von der Zeche Rheinpreußen statt. Als Vertreter ihrer Werke hatten sich noch eingefunden die Herren Bergassessor a. D. Dr. Ing. Klemme von Zeche Wilhelmine Mevissen, Bergwerksdirektor Brenner von Zeche Friedrich Heinrich, Bergwerksdirektor Bergassessor a. D. Hornung und Bergassessor a. D. Jungeblodt von den deutschen Solvaywerken, Bergassessor Etzold von der niederrheinischen Bergwerks-Gesellschaft und Bergwerksdirektor Röcken von der zeche Diergardt. Herr Berghauptmann Krümmer übernahm mit dem Ausdruck des Dankes die Gemälde für die königliche Behörde, deren Sitzungssaal durch dieses Geschenk einen weiteren schönen Schmuck erhalten hat. – Nach dieser Feier vereinigten sich die Mitglieder des Oberbergamtes mit den Herren der Bergwerksindustrie zu einem Zusammensein in der Lese- und Erholungsgesellschaft.
Ballons französischer Herkunft abliefern. Am 23. ds. Mts. wurde hier in der Alexanderstraße ein Ballon mit daranhängenden Zeitschriften französischer Herkunft, welche jedoch in deutscher Sprache abgefaßt und überhaupt auffallende deutsche Abzeichen tragen, gefunden. Es liegt im Interesse der Landesverteidigung, wenn solche Ballons mit möglichst vollständigem Anhang sofort der nächsten Militärbehörde oder Polizeiverwaltung abgegeben werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Arndt-Eiche in Eisen hatte gestern naturgemäß einen starken Zuspruch. Außer vielen Einzelpersonen waren es mehrere Vereine, die am Denkmal zur Nagelung erschienen. Eichenblätter schlugen u. a. noch am gestrigen Tage ein der Zweig-Verein Bonn des Bundes Deutscher Militäranwärter, der Bonner Zweig-Verein des Preußischen Beamten-Vereins, der Architekten- und Ingenieur-Verein Bonn, das Rekruten-Depot I des Inf. Reg. 160.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 29. Januar 1916
Arndt-Eiche in Eisen. Die Tageseinnahme an Kaisers Geburtstag betrugen 1450 M. U. a. besuchte auch das Rekrutendepot I des Infanterie-Regiments Nr. 160 das Wahrzeichen, die Benagelung durch das Depot brachte 289,50 M. Die Gesamteinnahme ist inzwischen auf annähernd 26.000 M. gestiegen.
Für den nächsten Sonntag sind wieder verschiedene Vereine angemeldet. Vormittags 11 Uhr wird der Männer-Gesangverein Grau-Rheindorf zur Nagelung erscheinen. Mittags 12 Uhr hält der Verband der katholischen Jugendvereine eine Kaisergeburtstagsfeier und feierliche Nagelung an der Arndt-Eiche ab. Nachmittags 4 ¾ Uhr wird der Bonner Männer-Gesangverein in feierlicher Weise die Nagelung seines Schildes vornehmen. Nachmittags 6 Uhr erscheint der Vorstand der Schützengesellschaft St. Sebastian in Bonn-Endenich zur Nagelung.
Da die Nachfrage nach Eichenblättern eine sehr rege ist, ist nun auch mit dem Verkauf der Federn der Adlerflügel begonnen worden. Diese sind zu verschiedenen Preisen, nämlich zu 100, 150 und 200 M. zu haben. Nähere Auskunft wird an der Arndt-Eiche selbst erteilt.
Eine Sammlung für das bulgarische Rote Kreuz durch die Handelskammer zu Bonn bei den in ihrem Bezirk ansässigen Firmen hat die Summe von 5666 Mark ergeben. Diese Summe ist an den Deutschen Hilfsausschuß für das bulgarische Rote Kreuz mit den Zeichnungslisten abgesandt worden. Es ist darauf ein Dankschreiben mit dem Ausdruck der besonderen Freude über das reiche Ergebnis der Sammlung, die neben anderen Sammlungen zu demselben Zweck in dem Regierungsbezirk Köln einherging, eingegangen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Frühlingszeichen im Januar. Hartmonat heißt der Januar wegen der grimmigen Kälte und der harten Frostnächte, die er in der Regel sonst zu bringen pflegt.
So wie der diesjährige Januar sich bislang gezeigt hat, verdient er diesen Namen diesmal nicht. Nicht, daß in den Vorgärten der Fremdling „Genista Japonika“ der rankende Strauch, und im Durchstich der Bahn vor dem Kottenforste der russische Ginster, der stachelige, daß beide prächtig hellgelb blühen, auch nicht, daß die Hasel ihre Kätzchen lang und gelb auszieht und daß Rosen und Brombeeren ihr Laub nicht abwerfen. Die ersten blühen unentwegt im härtesten Winter bei schärfstem Frost; die letzteren haben sich im milden Rheintale schon längst abgewöhnt, die Blätter abzuwerfen. Auch Schneeglöckchen zeigen sich oft sehr fürwitzig, wenn ihre Zeit noch gar nicht da ist. Aber zu den seltsamen Dingen gehört, daß Schneeglöckchen jetzt schon in voller Entfaltung blühen, daß Veilchen, die Ende März und Anfang April in volle Blüte stehen und duften, und daß Aprikosen blühen. Es blühen voll und prall in den Vorgärten die verschiedenen Arten von Schlüsselblumen; mit ihnen blühen die gefüllten Maßliebchen und ganz besonders freudig und farbenbunt die Stiefmütterchen. Und aus ihrem dunklen winterharten Laub leuchten hier und da die hellblauen Blüten-Sterne des Immergrün.
So blüht es; zum weiteren Blühen aber drängen sich schon mit mächtigen Knospen die Rhododendronbüsche, und zum Platzen, zum Aufbrechen dick und saftig stehen nicht wenige Birnbäume. In die Knospen treiben Apfel- und Kirschbäume in Garten und am Hang. Syringen, Maiblumen auch genannt, schlage aus, als wenn bereits das Mailüfterl wehte.
Sieht es so in den immerhin wärmeren Gärten im Stadtgebiete mit dem vorzeitigen Erwachen aus dem Winterschlafe aus, so bleibt auch der an sich kühlere Wald nicht zurück. Die Birken haben ihre Kätzchen wie der Haselstrauch vorgetrieben; Weiden aller Art sind im Begriff zu folgen. Die Ulmen am Berghang and am Wiesenrand sind mit einem blassroten Schimmer überzogen und die Rüstern in den Rheinanlagen machen es trotz der Schattenlage nach: die Knospen schwellen.
Im Walde, am Waldrande stehen im frischen Laub das kletternde Geisblatt und der Holunder. Als dritter im Bunde schickt sich der Schlehdorn an, seine Blüten zu öffnen. Und was der sonnige Waldrand kann, können auch die städtischen Anlagen. Ganze Gebüschgruppen, ganze Randstreifen leuchten hier schon in roten und gelben Blütenknospen und im frischen Frühlingsgrün. So am Rosenweiher im Hofgarten, im Baumschulwäldchen, an der Gronau.
Und tiefer im Boden regt sich’s auch; Lilien, Krokus, Skyla, Narzissen haben die schützende Erddecke durchstoßen und treiben zum Licht. Die Rasenflächen in den städtischen Anlagen und Gärten, die Wiesen werden grün. Vielfach waren die Gräser überhaupt nicht dürr geworden.
Alles treibt dem Frühling entgegen und – der ist doch noch so fern. Wohl liegen die Temperaturmittel weit über dem Durchschnitt, der dem Januar zukommt, aber wo ist das Licht? Das Licht, das zum Leben, zum Grünen und Blühen so notwendig! Regen und Nebel beherrschen die Erde und gar selten macht sich die Sonne.
Es ist noch allzu früh in der Zeit und unangebracht ist dieses Treiben, dieses Blühen im Januar, wie überlaute Fröhlichkeit in dieser Kriegszeit es wäre, da wird leider manche Hoffnung und manch junges Leben zerstört werden.
Da ist doch die Tierwelt, da sind doch die Vögel klüger. Noch schmettert kein Fink sein Lied und keine Amsel singt vor Tag und Tau. Bescheiden wohl zirpt ein hoffnungsfrohes Meischen sein: „De Zitt de kütt; de Zitt de kütt“ bei der Raupenschau und auch die Krähen setzen wohl gar einmal an einem besonders schönen Tage zu einem Hochzeitsfluge hoch in den Lüften an, aber es sind nur Ansätze. Noch ist es nicht die Zeit zum Freien und Blühen.[...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Sammlung von Wollsachen und von geeignetem Lesestoff für die Truppen. Unsere Vaterländischen Vereinigungen treten an die Bürgerschaft erneut mit der Bitte heran, Wollsachen zur Versorgung unserer braven Truppen mit wärmender Unterkleidung abzuliefern. Dringend nötig sind: Aermelwesten, Brustschützer, Rückenschützer, Kniewärmer, Strümpfe, Leibbinden, Pulswärmer, Unterhosen, Unterjacken, Wollhemden, Kopfschützer. Vor allen Dingen werden aber zur Verarbeitung gern alte Westen, Mäntel und Decken angenommen. Gerade die letzten Gegenstände werden in den Frauen-Arbeitsstätten hergerichtet und bringen so armen Kriegerwitwen wieder einen angemessenen Verdienst. Wenn die Heeresverwaltung auch wärmende Unterkleidung in ausreichendem Maße zur Verfügung stellt, so ist es doch an vielen Plätzen nötig, über dieses Maß hinaus nachzuhelfen. Auch ist nach wie vor an der Front ein großer Mangel an geeignetem Lesestoff und die Vaterländischen Vereine bitten, auch hier helfend einzugreifen. In vielen Haushaltungen wird so manches überflüssige Buch stehen, was unsere tapferen Krieger an der Front über so manche schwere Stunde hinwegtrösten kann. Wollsachen und Lesestoff sind an der Sammelstelle der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft, Münsterplatz 1-3, abzuliefern. Es genügt jedoch auch eine Mitteilung durch Fernsprecher Nr. 175 oder durch eine Karte, dann werden die zur Verfügung stehenden Sachen gerne abgeholt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 30. Januar 1916
Kaiserfeier der Universität. Der Komponist der bei der Kaisergeburtstagsfeier der Universität gesungenen Festhymne für gemischten Chor ist Johann Georg Bratsch (1817-1887), ein Freund Spohrs und Hillers, der von 1850-1872 der hochangesehene Direktor der s. Z. einzigartigen Würzburger Musikschule war, neben einer größeren Reihe von hübschen Liedern mit Klavierbegeleitung auch Messen, Oratorien und größere Chöre verfaßte und als Kontrapunkt sehr geschätzt war. Der Tondichter des Liedes „Oh Deutschland hoch in Ehren“, der Engländer Pearson, verkehrte eifrig mit ihm. Die vom Bonner Männergesangverein vorgetragene Bearbeitung stammt von unserem hochverdienten Kapellmeister Herrn Heinrich Sauer.
Arndt-Eiche in Eisen. Der „Jägertisch“ im Hamburger Hof stiftete ein zweites Eichenblatt (100 Mk.) für die Arndt-Eiche.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Opfersinn. Dem Bahnwärter Daniel Rieck in Bonn, Dottendorferstraße 27, ist für die Festnahme eines entsprungenen russischen Kriegsgefangenen eine Belohnung zuteil geworden. Der Belohnte hat das Geld an das Rote Kreuz überwiesen.
Aus Kunst und Leben. Der Fliegeroffizier Eduard Böhme ist bei einem Fluge abgestürzt und tödlich verunglückt. Er war erst 22 Jahre alt, hat sich aber einen bekannten Namen durch seine glänzende Abwehr eines französischen Flugzeugangriffs auf die Stadt Freiburg i. Br. Erworben. Böhme brachte damals zwei der feindlichen Flugzeuge zum Absturz, während das andere schleunigst entfliehen mußte. Wie der Bericht der Obersten Heeresleitung vom 26. September 1915 bekanntgab, erhielt Böhme damals sofort das Eiserne Kreuz Erster und Zweiter Klasse. – Böhme ist in Bonn kein Unbekannter. Er landete vor längerer Zeit mit seinem Flugzeug hier und fand freundliche Aufnahme bei Herrn Gastwirt Johann Rieck. Ein Bild Böhmes und der beiden abgeschossenen Flugzeuge ist im Schaufenster unserer Geschäftsstelle ausgestellt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 31. Januar 1916
Der Bonner Männer-Gesang-Verein hat gestern nachmittag die feierliche Nagelung eines für 500 Mk. erworbenen Schildes an der Arndt-Eiche in feierlicher Weise vorgenommen. Nach einigen Chorvorträgen hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Justizrat Meyer, eine Ansprache, die den Zweck des Bonne Kriegsmals darlegte und mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch schloß. Alsdann wurde das mit gesammeltem Goldgeld erworbene Schild an der Eiche befestigt. Außerdem beteiligten sich die einzelnen Mitglieder selbst noch sehr eifrig an der Benagelung der Arndt-Eiche.
Der 56. Provinzial-Landtag der Rheinprovinz wurde gestern nachmittag durch den Oberpräsidenten Frhrn. V. Rheinbaben im Ständehaus zu Düsseldorf eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde wieder Oberbürgermeister Spiritus aus Bonn, zum stellvertretenden Vorsitzenden Graf und Marquis von und zu Hoensbroech (Schloß Haag) wiedergewählt. Der Landwirtschaftminister Frhr. von Schorlemer wohnte als Abgeordneter des Kreises Bernkastel der Eröffnung bei. An den Kaiser wurde folgendes Telegramm gesandt. „Seiner Majestät dem Kaiser und König: Eure Kaiserliche und Königliche Majestät haben vor wenigen Tagen zum zweiten Male in schwerer Kriegszeit Allerhöchstdero Geburtstag begangen. Die Wünsche, die die Rheinprovinz an diesem vaterländischen Festtage in tiefer Dankbarkeit erfüllte, wollen Euer Majestät Allergnädigst geruhen, von dem zu Düsseldorf vereinten Provinziallandtag der Rheinprovinz huldvollst entgegenzunehmen. Die Arbeit unserer diesjährigen Tagung gilt vor allem der Schaffung von Einrichtungen, die den heimkehrenden Kriegsteilnehmern die Wiederaufnahme der Friedensarbeit sichern und erleichtern sollen. Unsere Verhandlungen werden getragen sein von dem unerschütterlichen Vertrauen, daß es Eurer Majestät gelingen wird, unser Volk auch weiterhin zum Siege zu führen und auf den Sieg einen Frieden zu gründen, der den heimischen Gauen Sicherheit vor feindlichen Ueberfällen und dem deutschen Volke Raum und Gewähr gibt für die ungehinderte Entfaltung seiner wirtschaftlichen und kulturellen Kräfte. In dem Ringen um diesen Sieg und zur Sicherstellung der glückverheißenden Entwicklung des Vaterlandes werden Euerer Majestät alle Zeit getreuen Rheinländer, wie an der Front, so in der Heimat zu jedem Opfer an Gut und Blut bereit sein. Namens des Rheinischen Provinziallandtages Oberbürgermeister Spiritus, Vorsitzender.“
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Volkskonzert. Im Saale des Bonner Bürgervereins hatten gestern abend die Lejührkräfte des Ziskovischen Konservatoriums ein Konzert veranstaltet, das aaußerordentlich gut besucht war. Klavier- und Violinwerke sowie Gesänge verschiedener Komponisten waren es, die die Damen Auguste Körschgen, Elvira Schmuckler, Henny Wolff und Herr Alfered Naef in meist recht schöner Form boten. Die Pianistin Fräulein Körschgen spielte zur Eröffnung des Abends eine Bravourstudie von Isidor Seiß mit Verständnis und zeigte ferner ihre erhebliche Technick an dem D dur-Militärmarsch von Schubert. Durch die zu starke Betonung der Kantilene wirkte das Henselt’sche Wiegenlied etwas aufdringlich. Weit besser gelang ihr die am Schluß des Konzerts gespielte E dur-Polonaise von Liszt. Fräulein Schmuckler spielte mit viel Empfinden fünf grundverschiedene Werke von Händel, Bach, Gluck, Hummel-Burmester und Wieniawsky. Mit der Wiedergabe der Faust-Fantasie des letztgenannten Komponisten erneuerte sie die angenehmen Eindrücke, die wir schon früher von der virtuosen Geigerin gewonnen hatten. Von Fräulein Wolff hörten wir Lieder von Schütt, Fleck, Schumann, Menzen, Cahnbley und Wirtz. Die Sängerin gab sich Mühe, den Komponisten zum Erfolge zu verhelfen. Die Darbietung des Liedchens „Draußen im Garten“ von Cahnbley zeigte die Anmut der Stimme und des Vortrags der Sängerin und die Geschmeidigkeit ihrer Kehle. Besonders im Piano gibt die Stimme einen süßen Klang, die Aussprache ist deutlich verständlich. Herr Naef beherrscht mit reiner Stimme von ansehnlicher Fülle und Kraft mühelos den Umfang von zwei Oktaven und verbindet damit eine gute Atemführung und korrekte Aussprache. Trotz des lyrischen Charakters der Stimme liegen dem Sänger Sachen mit dramatischen Akzenten auch gut, das zeigte sich am Schluß des Liedes „Nachtmarsch zum Schützengraben“ von Josten. Etwas Originelles bot er mit den weinig gehörten Liedern „Verklungen“, „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ und „Columbus“ von Rud. Bergh; dafür sei ihm gedankt. Als Begleiter machten sich Fräulein Alice Schmuckler aus Köln und Herr Dr. Bergh aus Godesberg am Flügel verdient. Die Zuhörer nahmen die Vorträge freundlich auf und brachten reichen Beifall dar.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)