Bonn 1914-1918
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    • Sachbücher
    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
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      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
  • Exkursionen
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Dienstag, 16. November 1915

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. November 1915Bußtag und Totensonntag. An den Vorabenden der beiden Tage und an diesen selbst dürfen keine Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten veranstaltet werden, was in diesem Jahre ja von selbst unterbleiben würde. Am Bußtage dürfen öffentliche theatralische Vorstellungen, Schaustellungen und sonstige öffentliche Lustbarkeiten außer ernsten Musikstücken nicht stattfinden. Am Totensonntage sind nur theatralische Vorstellungen ernsten Inhalts gestattet.

Heute kein fleischloser Tag. Der Oberbürgermeister macht bekannt, daß am heutigen Dienstag (also am Vortage des Bußtages) der Verkauf von Fleisch und Fleischwaren in Läden an die Verbraucher gestattet ist. Für die Wirtschaften usw. bleibt das in der Bundesratsverordnung ausgesprochene Verbot (fleischloser Tag) aber bestehen.

Aufgehobenes Verbot. Das Gouvernement der Festung Köln hat das Verbot, Postkarten zu verkaufen, die aus lösbaren Schichten zusammengesetzten Papiers hergestellt sind oder die in Papierschichten eingelassene Photographien usw. enthalten, aufgehoben.

Enteignung von Kartoffeln. Der Oberpräsident der Rheinprovinz macht bekannt, daß auch bei Kartoffelerzeugern, die weniger als ein Hektar angebaut haben, die Kartoffeln enteignet werden können.

Fürsorge für kriegsbeschädigte Akademiker. Um für die kriegsbeschädigten Akademi­ker in gleicher Weise, wie es für andere Stände geschehen ist und noch geschieht, eine Stelle zu schaffen, an die sie sich wegen Beratung und nötigenfalls auch wegen Unterstüt­zung werden können, haben sich die rheinischen Hochschulen – Universität Bonn, techni­sche Hochschule Aachen, Handels-Hochschule Cöln – mit der Provinzialverwaltung zu­sammengetan, und es ist so als Glied der allgemeinen Provinzialfürsorge eine Beratungs- und Unterstützungsstelle für kriegsbeschädigte Akademiker in der Rheinprovinz mit dem Sitze an der Universität Bonn begründet worden. Den Ehrenschutz über die neue Einrich­tung hat Ihre Königliche Hoheit Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe übernommen. Die Beratungs- und Unterstützungsstelle hat (wie die „Kriegsbeschädigtenfürsorge in der Rheinprovinz mitteilt) drei Abteilungen, eine für Akademiker mit Universitätsbildung in Bonn, eine für solche mit technischer Hochschulbildung in Aachen und eine für solche mit Handels-Hochschulbildung in Köln. Eine größere Anzahl Angehöriger aller einschlägiger Berufe, Hochschullehrer und Männer der Praxis, aber auch Angehörige anderer Berufe, in die überzutreten etwa kriegsverletzten Akademikern geraten werden könnte, sollen zur re­gelmäßigen Mitarbeit gewonnen werden. Den Kriegsgeschädigten soll so sachkundiger Rat verschafft, es soll ihnen Hilfe, sei es durch Vermittlung gesundheitlicher Maßnahmen durch Berufsberatung, durch Berufsausbildung oder durch Stellenvermittlung gewährt wer­den, alles in einer Form, würdig ihrer akademischen und kriegerischen Vergangenheit. Es soll aber schließlich auch, soweit es sich als nötig herausstellen wird, für Zeiten der Er­werbsunfähigkeit zum standesgemäßen Lebensunterhalt beigetragen werden. Der für die Beratungs- und Unterstützungsstelle gebildete Ausschuß bezeichnet es als Ehrensache aller akademisch Gebildeten, für ihre Berufsgenossen einzutreten, indem sie die hierfür besonders erforderlichen Mittel aufbringen. „Zwar wissen wir wohl zu würdigen, wie schwere Ansprüche an die Spendefreudigkeit fortwährend gestellt werden. Aber welchem alten akademischen Bürger, welchem jungen Studierenden, dem selbst ein glücklicheres Los gefallen, sollte gerade dies nicht besonders am Herzen liegen, für das Schicksal der im Dienste des Vaterlandes gesundheitlich beschädigten Kommilitonen zu sorgen und dazu beizusteuern, daß für sie alles Menschenmögliche geschehe! Zuversichtlich wenden wir uns darum an unsere Landsleute und Berufsgenossen mit der herzlichen Bitte um einen einmaligen Beitrag für die Zwecke unserer Beratungs- und Unterstützungsstelle, - von der Höhe, die er erreicht, wird das Maß der Hilfeleistungen, die wir außer den Provin­zialleistungen gewähren können, abhängen. Jede, auch die kleinste Gabe ist willkom­men. Jeder ist dringend gebeten, im Maße seiner Kräfte beizusteuern. Einzahlungen bitten wir an den Schaaffhausen'schen Bankverein, A.-G. in Köln oder an eine seiner Filialen richten zu wollen. Ueber die Eingänge soll später öffentlich Rechnung gelegt werden.“ Es ist beabsichtigt, mit dem in Berlin gebildeten akademischen Hilfsbund, der für ganz Deutschland die gleichen Zwecke verfolgt, unter Wahrung der notwendigen Selbstständig­keit zusammen zu arbeiten. Dies wird dadurch gewährleistet, daß die drei Hochschulen zugleich Mitglieder des akademischen Hilfsbundes sind und je einen Ortsausschuß des akademischen Hilfsbundes bilden. Dem Ausschuß gehören vom Lehrkörper der Universität an der Rektor, Geheimrat Anschütz, der Prorektor, Geheimrat Landsberg, die Professoren Geheimrat Schulte und Smend, ferner die Herren Geheimrat Ebbinghaus, Kurator der Bonner Universität, und Geheimrat Kreusler, Direktor der Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf, Exzellenz Hamm, Berghauptmann Krümmer und Bischof Moog aus Bonn, Oberpräsident Freiherr v. Rheinbaben, Landeshauptmann v. Renvers, Kardinal v. Hartmann, Generalsuperintendent Klingemann, Landrat v. Groote, Vorsitzender der rheini­schen Landwirtschaftskammer, u.a.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. November 1915Humor in der Soldatensprache. Ein sonderbares Gebiet deutschen Wesens ließ gestern abend im Allgemeinen Deutschen Sprachverein Prof. Dr. Immen aus Essen aufleben. Wenn Soldaten unter sich sind, im Dienst und außer Dienst, in der Kaserne, auf den Uebungsplätzen, im Manöver und im Kriege, beackern sie recht reichlich mit Spott und Humor Alles und Jedes. Die notwendige Strenge und nebengehende Härte bedürfen eines Ausgleiches, eines Gegengewichtes, und den habe sich der Soldat aller Zeiten im befreienden und lösenden Humor geschaffen. Freilich der Humor sei derb, aber der Soldat könne derbe Kost vertragen. Die Rede ging dann vom Kommiß als der Allgemeinheit des Militärwesens über den Hammel des Rekruten, den Schwamm der nicht ins Manöver gezogenen, den als Lateiner und Blindgänger verulkten Einjährigen, über den Spinner und Kohldampfschieber des Unteroffiziers zum Feldwebel, dem Spies. Der „Alte“ ist der Hauptmann, mag er noch so jugendlich sein.
   Dann lebten all die ulkigen Namen auf, die die Regimenter und Waffengattungen sich gegenseitig zulegen. Da liefen die Sandhasen, da hüpften die Laubfrösche; die Kavalleristen hatten es mit dem Mist zu tun und schwer mußten ihre bunten und verzierten Röcke herhalten. Bumsköppe und Schöppejungen und Speckfahrer traten auf und letzteren, dem Train, galt sogar ein Verslein:
   „Sieg oder Tod; wir fahren Brot!“
Da war kein Truppenteil, der ohne Spottnamen vorbei kam, da war keine Dienstvorrichtung, die nicht dem Humor lachenden Tribut zu zollen hatte, keine Charge, kein Dienstgrad; vor nichts macht der spöttelnde Soldat Halt. Der Zahlmeister ist der Scheinwerfer; er gibt Geldscheine aus, der Unterarzt der Carbolfähnrich und der Arresthausaufseher der Vater Philipp.
   Ist der Soldat angeheitert, so hat er u. a. dem Kater auf den Schwanz getreten, bleibt er über Urlaub, so wichst er den Zapfen und leere Flaschen sind für ihn Ausbläser. Ist er nicht, wie er sein sollte, so wird er angehaucht und exerziert er nach, so treibt er Sport; dabei wird er geschliffen, aufgeschwänzt und gezwiebelt.
   Eine Stunde und mehr lachte der Humor und grinste der Spott in der zahlreich besuchten Versammlung, der auch eine Anzahl Verwundeter beiwohnte. Die lächelten verständnisinnig und auf dem Heimwege fand der Wunsch mit dem der Redner abtrat: „Möge unseren Soldaten der Humor nicht ausgehen“ bei ihnen sofortige Erfüllung. Unter sich gaben die Feldgrauen eine gute sehr deutsche Fortsetzung des Vortrages. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 16. November 1915Populärwissenschaftliche Vorträge. Am Donnerstag findet der Vortrag des Direktors der Urania-Berlin, Herrn Prof, Dr. Schwahn über das Isonzo- und österreichische Adriagebiet statt. Es dürften wohl wenige sein, die nicht den Schauplatz der Heldenkämpfe der österreichisch-ungarischen Truppen kennen lernen möchte. Im Anschluß hieran verweisen wir auf die heutige Anzeige, die das Nähere über den ersten am Donnerstag den 25. November und für die Abonnenten freien Vortrag des Herrn Generalmajors a. D. Bahn „Der Kriegsschauplatz auf dem Balkan“ enthält.

Weihnachtsgaben für unsere Truppen. Wie im vergangenen, so ergeht auch im laufenden Jahre an alle Bonner wieder der Ruf: Schafft Weihnachtsgaben für unsere tapferen Truppen, die immer noch fern von der Heimat weilen und Deutschland gegen die Welt von Feinden schützen. Die Sammelstellen für die Mitglieder des Vaterländischen Frauen-Vereins Stadtkreis Bonn und alle, die sich ihm anschließen wollen, befindet sich im Oberbergamte, Konviktstraße 2, Zimmer 43 und ist vom 22. bis 27. November von 9 bis 12 und 3 bis 6 Uhr täglich geöffnet. Die Spenden sind für die im Felde stehenden Truppen – ohne Unterschied – bestimmt, nicht nur für die Bonner Garnison, für welche unseres Wissens noch eine besondere Sammlung erfolgt. Nach der Anweisung der Militärbehörden sollen die Gaben für den einzelnen Mann nur aus zwei Stücken bestehen; zur Vereinfachung der Ausgabe bei der Truppe sind je fünf Gaben in einem Pakete zu vereinigen, das mit der Aufschrift: „Weihnachtsgaben für fünf Mann“ und mit der Adresse des Absenders zu versehen ist. Aufdrücke dazu werden in dem Geschäfte von Frl. Biederbeck, am Hof 12a, und im Oberbergamte gern abgegeben. Für die Spenden selbst wird empfohlen: vor allem Wollsachen wie Unterhosen, Unterjacken, Westen, Schals, Handschuhe, Strümpfe, Pulswärmer, Leibbinden, dann Taschentücher, Bleistifte, Briefpapier, Hosenträger, Kämme, Bürsten, Musikinstrumente, Spiele, Tabak, Tabakspfeifen, Messer, Uhren, Tee, Wurst, Schokolade, Honigkuchen und dergl. mehr.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 17. November 1915

Wegen des Buß- und Bettages erscheinen an diesem Tag keine Ausgaben des General-Anzeigers und der Deutschen Reichs-Zeitung.

   

Anzeige in der Bonner Zeitung vom 17.11.1915Der Aufruf der Frau Kronprinzessin, beizutragen zur Linderung der Not armer Kriegsmütter, hat in allen deutschen Landen begeisterten Widerhall gefunden. Besonders freudig wurde die von der hohen Frau veranlaßte Herausgabe des Kriegsbilderbuches begrüßt, das Mitte dieses Monats unter dem Titel „Vater ist im Kriege“ zum Besten der Kriegskinderspende deutscher Frauen erscheinen soll. Es wird auf 50 Seiten 24 farbige Bilder namhafter Künstler mit Versen von Rudolf Presber enthalten und vornehm und dauerhaft gebunden für den billigen Preis von nur 1,20 Mark zum Verkauf gelangen. Die Vorausbestellungen sind so zahlreich eingegangen, daß schon die erste Auflage die stattliche Zahl von 2650.000 Exemplaren erreichte. Trotz dieses Erfolges reichen die Mittel noch immer nicht aus, alle Unterstützungsgesuche armer Kriegsmütter zu berücksichtigen. Die Kriegskinderspende deutscher Frauen bedarf der werbenden Mitarbeit aller Kreise an dem Liebeswerk der Kronprinzessin und bittet diejenigen, die bereit sind, die Verbreitung des Kriegsbilderbuches zu fördern, sich mit dem Verlag Hermann Hillger, Berlin W.9, der mit der Auslieferung betraut wurde, in Verbindung zu setzen.

Viktoria-Theater. Der neue Spielplan bringt den Reiterroman in drei Bänden „Seine Karriere“, die Dramen „Des Kaisers Doppelgänger“ und „Erlöschtes Licht“ sowie die Lustspiele „Zwei wohlbeleibte Liebhaber“ und „Das Ewig-Weibliche“.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Donnerstag, 18. November 1915

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. November 1915Glockengeläut am Totensonntag. Das Königliche Konsistorium in Koblenz hat für das Totenfest folgendes bestimmt: „In dieser Kriegszeit, da der Kampf für das Vaterland so viele blühende Menschenleben gefordert hat, werden die evangelischen Gemeinden die Feier des Totensonntags unter verstärkter Teilnahme, aber auch mit vertieftem Ernst und vertiefter Andacht begehen. Um die Feier erhebender und eindruckvoller zu gestalten, um auch denen, die das Gotteshaus nicht aufsuchen, ins Gedächtnis zu rufen, daß die Gemeinde ihrer Toten vor dem Angesicht Gottes gedenkt, ordnen wir hiermit an, daß in sämtlichen Kirchengemeinden unseres Aufsichtsbezirks am Totensonntag in der Zeit von 12 bis 12 ½ Uhr in allen Kirchen ein feierliches Geläute mit allen Glocken veranstaltet werde.“
  
Die Sammlungen an den Kirchentüren am Totensonntag ist behördlich für den Preußischen Landesverein vom Roten Kreuz in Berlin bestimmt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. November 1915Der Dragoner-Verein in Bonn hat am Sonntag im „Hotel zur Post“ seine neue Standarte geweiht. Wie der Vereinsvorsitzende nach Begrüßung der Erschienenen mitteilte, hat der Verein seine Ersparnisse, die dadurch entstehen, daß von den üblichen Festlichkeiten und Vergnügungen abgesehen wurde, den bedürftigen Kameraden oder deren Familien zugute kommen lassen. Fräulein Kluge sprach hierauf sehr schön ein Vorwort, worauf Herr Rittmeister d. Landw.-Kav. Weyermann die Standarte enthüllte und weihte. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Fräulein Nicolai überreichte eine von den Frauen des Vereins gestiftete Standartenschleife. Der Ulanen-Verein, Kürassier-Verein, Pionier-Verein, Allgemeiner Militär-Verein, Verein ehem. Hohenzollernscher Füsiliere, Verein ehem. 69er und Verein ehem. Kolonialtruppen überreichten je einen Standartennagel.

Ein Ostpreußen-Abend fand am Montag statt. Die Anwesenden wurden von der Vorsit­zenden, Frau Geheimrat Krüger, mit herzlichen Worten begrüßt. In Ostpreußen sei jetzt nach den wilden Kriegsstürmen die Ruhe der Arbeit eingekehrt. Der Wiederaufbau müsse aus Mangel an Material und Arbeitern bis zum Friedensschluß warten. Der schöne und sympathische Gedanke der Patenschaft sei am besten geeignet, die verstörten Herzen wieder mit Vertrauen und Mut zu erfüllen. München habe besonders schöne zweckmäßige Zimmereinrichtungen geschickt. Bonn sei mit der Rheinprovinz für Stadt und Kreis Neiden­burg eingetreten. Innerhalb dieses Rahmens liege die Frauenhilfe der heutigen Aussteu­ern. Aus Bonn seien etwa 48 Ausstattungen beschafft worden, darunter vier aus der deut­schen Kolonie in Argentinien und vier von der Klostermannschen Schule. 16 große Kisten mit Wäsche und Kleidungsstücken sind an die verwüsteten Orte geschickt worden. Solche Sendungen, wie auch Lebensmittel sind auch jetzt noch erbeten. Die Stiftung schöner Bü­cher einer Dame habe in Bialla den Grundstock zu einer kleinen Bibliothek gelegt. Nach dem Kassenbericht, den Frau Pfarrer Lammers erstattete, belief sich die Einnahme auf 1379,35 Mark, der Bestand beträgt augenblicklich 209,80 Mark.
  
Frau Landgerichtsrat Frost hielt einen Vortrag über ihre Eindrücke in Neidenburg. Der Ort selbst steht noch unter dem Zeichen völliger Verwüstung. Im Krankenhaus und dem Laza­rett fehlt es an Wäsche und Lebensmitteln. Neidenburg hat 8800 Einwohner, von denen die meisten geflohen waren. 300 Granaten schlugen in dem Ort ein. Von 370 Grund­stücken sind 210 von den eingezogenen Russen zerstört worden. Am 31. März nahmen die Deutschen wieder Besitz von Neidenburg und wurden mit jubelnder Freude begrüßt. Verlassene und verödete Dörfer liegen ringsum. Soldau mit Kirche ist ganz zerschossen. Eine neue Eisenbahnlinie führt nach Königsberg. Es sei eine große Aufgabe, die Landleu­te wieder den Wert des eigenen Besitzes fühlen zu lassen. Der fesselnde Vortrag wurde mit warmem Beifall aufgenommen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Wucherpreise für Heringe. Der Direktor der Bonner Versuchsstation, Professor Neubauer, weist eingehend nach, daß der gegenwärtig hohe Heringspreis im schreiendsten Gegensatz zu dem reichen Heringsfang dieses Jahres steht und in keinster Weise gerechtfertigt ist. So betrage z. B. in Holland der diesjährige Heringstand 438.000 Tonnen gegen 330.000 Tonnen im Vorjahre. Während in Friedenszeiten die Preise für den üblichen Handelsmarkt „Prima-Original“ zwischen 20 und 30 Mk., mitunter etwas darüber, schwankten, fordert heute Holland für dieselbe Marke einen Preis von 140 Mark. Die holländischen Fischer würden jedoch in der Ausführung ihres Berufes nicht so stark behindert, daß sich die unverhältnismäßige Mehrforderung rechtfertigen ließe. Es sei hohe Zeit, daß die beabsichtigte Einführung von Höchstpreisen für Fische sehr bald erfolge.

Soldaten-Weihnacht. Die Vaterländischen Vereinigungen von Bonn wenden sich in einem Aufrufe, der im Anzeigenteil dieser Zeitung abgedruckt ist, an den mildtätigen Sinn der Bonner Bevölkerung um Unterstützung bei der Versendung von Weihnachtsgaben an unserer Bonner Krieger im Felde. Es bedarf wohl nur eines Hinweises auf die großen Opfer unserer tapferen Feldgrauen, die durch ihre treue Wacht die Verwüstungen von unserem heimatlichen Boden ferngehalten haben und noch immer fernhalten, um die Zuhausgebliebenen zu eifriger Liebestätigkeit anzuspornen. Gerade die herannahende Weihnachtszeit, die so manchen sich daran erinnern läßt, wem er zu Dank verpflichtet ist für eine während des Jahres erwiesenen Wohltat, muß uns veranlassen, in ganz besonderer Weise an unsere Lieben im Felde zu denken. Wir empfehlen daher den Aufruf auch unsererseits aufmerksamer Beachtung und wünschen den Bestrebungen den besten Erfolg.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 19. November 1915

    

Wehrbund. Eine Abteilung des Bonner Wehrbundes besetzte am verflossenen Sonntage die Ortschaften Meßdorf und Lessenich, um sie gegen den von Endenich vorrückenden Gegner zu verteidigen. Dieser verschleierte seinen Anmarsch so geschickt, daß es ihm gelang, Duisdorf zu erreichen, ohne entdeckt zu werden. Obwohl schließlich Radfahrerpatrouillen der Verteidiger die Meldung brachten, daß gegnerische Mannschaften in Duisdorf lagerten, konnte doch nicht festgestellt werden, ob dies die gesamte gegnerische Mannschaft sei. Die Verteidiger waren durch das abwartende Verhalten ihrer Gegner zu scharfer Wachsamkeit gezwungen, die gut ausgeübt wurde. Ein Angriff, den der Gegner mit schwacher Mannschaft unternahm, konnte abgeschlagen werden. Während dies geschah, war es dem Angreifer gelungen, seinen Haupttrupp an Lessenich unentdeckt heranzubringen und den Ort zu nehmen. Nach dem Rückmarsch nach Bonn endigte ein stramm auf dem Kaiserpaltz ausgeführter Parademarsch die Uebung.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Ein Bonner Studentengruß aus dem Schützengraben. Ein Bonner Student, der die Hälfte seiner schönen Studienzeit bei uns am Rhein verlebt hat, bekundet in nachstehenden Versen, welch trefflicher Geist trotz Regen, Kälte und Novemberstürmen in unseren Schützengräben und Unterständen angesichts des Feindes herrscht. Nachdem der wackere Studiosus uns in seinem Schreiben im einzelnen schilderte, wie ernst das Leben an der Front ist, bemerkt er, daß er trotzdem in seinen Mußestunden beim letzten Kerzenrest im Unterstande im „Faust“ lese und daß bei den Kameraden keine Klage laut werden über den zweiten Winterfeldzug. Dann bemerkt der tapfere Jüngling: „Kopf hoch!“ heißt hier unsere Parole und so soll es auch in der Heimat sein. Ebenso frisch und lebensfroh sind seine von echt vaterländischem Empfinden erfüllten Verse, die lauten:

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. November 1915Studios Spruch hieß: Fröhlich schwärmen,
Sich des heitern Lebens freun.
Keine Sorgen, weg mit Härmen;
Jugend lacht wie Sonnenschein.

Hell blitzt in der Faust der Schläger,
Golden perlt im Glas der Wein;
Waren keine Würdenträger,
Wollten freie Burschen sein,

Die den hohen Treuschwur halten,
Für das Vaterland erglühn,
Gegen Feind und Feindsgewalten
Hochgemut zu Felde ziehn.

Sangens! – Jäh stieg Kriegsgewitter
Drohend aus des Schicksals Schoß.
Kurzer Abschied riß uns bitter
Von den liebsten Freunde los.

Schnitter Tod ging durch die Fluren,
Schritt so emsig, mähte gut.
Flandern, Polen und Masuren
Tranken junges Heldenblut.

Nicht verzagt! Wen Erde deckt,
Der ruht aus nach reichem Leben,
Sieh, der Schild blieb unbefleckt,
Der ihm auch zum Schirm gegeben.

Neider, Eure Stunde schlägt! –
Starrt noch rings die Welt in Waffen,
Deutsches Schwert hat Bahn gefegt,
Hin zum Ziel, das wir erschaffen:

Künftig sollen fremde Reiche
In uns gute Nachbarn sehn,
Soll die sturmumbrauste Eiche
Still und breit im Frieden stehn.

Harret! – Noch ist in uns allen
Nicht der Funke ausgebrannt,
Stolz lebt das, wofür wir fallen:
Freiheit, Ehre, Vaterland!

Kriegsfr. Gefr. Engelhardt.

Ueber den Isonzo und Oesterreichs Adriaküste sprach gestern abend im 3. pop.-wissenschaftlichen Vortrag Prof. Dr. Schwahn aus Berlin. Es war eine ziemlich poetische Fahrt von herrlichen Lichtbildern begleitet. Hoch auf den Tauern begann sie, führte durch die Julischen Alpen den Isonzo entlang, zeigte Görz mit seinem heiß umstrittenen Brückenkopf und endete erstmalig bei Montfalkona und am Meerbusen und in Stadt und Hafen von Triest. Wildromantische Gebiete des Karst, jene öden Berglande von Kalk, wurden durchwandert. Doch Rede und Bild zeigten die Karstlandschaften von ihrer besten Seite, mit reich ausgestalteten Stalaktiten-Höhlen, schäumenden Wasserfällen und brandender See an zerklüfteten Kalkfeldern. Wilde groteske Szenerien.
  
Dann fuhr Redner die Küste der blauen Adria entlang, und lieblich und wunderlich wurden die Bilder und poetischer die Sprache. Reich gegliedert ist die Küste, voller stiller Meerengen und Buchten. So kam er von Pola durch Wirrnisse von Inseln, zweckmäßige Stützpunkte und Schlupfwinkel der österreichischen Flotte und an der Küste von Dalmatien vorbei bis zu den Hammeldieben, über die König Nikita von seinen schwarzen Bergen aus gebietet. Und in blumenreicher Rede und farbenprächtigen Bildern schritt die Geschichte einher. Die ging über reiche Römerspuren, haftete an Miramar, dem Landsitze des unglücklichen österreichischen Erzherzogs Maximilian, dem die mexikanische Kaiserkrone den Tod brachte, lauschte den Manen Dante’s, der an diesem blauen azurblauen Meere in der Verbannung lebte und hielt an im stolzen Landsitze des Deutschen Kaisers, auf Korfu. Land und Leute lebten auf, ein bezauberndes Land, dem die Sehnsucht gleich zuflog; wilde, seltsame Menschen, mit kräftigen Gliedern, die seltsam gekleidet recht faul in die Welt hinein zu leben scheinen. Der Handel erschien; der Handel zur See mit reicher Schifffahrt sehr bedeutend: der Handel mit Fischen, mit Brennholz, mit Obst und mit Insektenpulver, das auf den Bergen Kroatiens und Montenegros aus einer Wucherblume gewonnen wird. Ein erbärmlicher Handel schien dies. Die Hörer aber lauschten auf, als Redner verkündete, daß hier der echte französische Bordeaux-Wein beheimatet sei und über Frankreich den Deutschen zum Trinken gereicht wird.
   Allem in allem, es wurden beachtenswerte Landstriche in Wort und Bild gezeigt, und daß Oesterreich sich diese niemals abnehmen lassen wird, ist verständlich. Niemals kann unser Bundesgenosse sich vom Meer abdrängen lassen. Wir werden ihm ja auch dabei mit besten Kräften und mit bewährten Mitteln helfen.
   Recht erheiternd lief nebenbei ein ergötzlicher Kampf des Redners mit dem Projektions-Apparat und verstellten Bildern: „In Berlin kommt das nicht vor!“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. November 1915Bonner Kriegsnagelung. Die Vaterländischen Vereinigungen haben die Errichtung eines Kriegsmals so gefördert, daß seine feierliche Einweihung voraussichtlich am 18. Dezem­ber d.J. stattfinden wird. Wie bereits mitgeteilt, hat Herr Kommerzienrat Soennecken das Standbild selbst gestiftet. Ueber dieses Standbild fand ein Preisausschreiben zwischen namhaften Künstlern statt und das Preisgericht hat nach längeren Beratungen einstimmig beschlossen, dem Bonner Bildhauer, Herrn Karl Menser, den 1. Preis in Höhe von 500 Mark zuzuerkennen. Es ist erfreulich, daß auf diese Weise gerade ein Bonner Künstler dazu kommt, seine Kunst auch noch für spätere Zeiten festzulegen. Der Menser'sche Ent­wurf kann als ein in künstlerischer und allegorischer Auffassung überaus glücklicher be­zeichnet werden. Er hat die Ernst Moritz Arndt-Säule dem Wesen Arndts entsprechend in schlichten, ernsten und wuchtigen Formen gehalten. Aus mächtiger Basis, mit dem Wel­lenband, als Sinnbild des deutschen Rheins, geschmückt, wächst die Deutsche Reichsei­che empor und soll dem Volk Arndts Bild als Mahnung vergegenwärtigen. Umschlungen wird der kraftvolle Sockel von dem gerade in unsere harte Kriegszeit passenden Arndt­schen Ausspruch: „Nun brause fröhlich Rhein, nie soll auf meinem Hort, ein welscher Wäch­ter sein, das brause fort und fort.“ Die Verästelung der Reichseiche umschlingt den Na­menszug Kaiser Wilhelm II, das Eiserne Kreuz, das Bonner Wappen und ein Bildnis Ernst Moritz Arndts und trägt als Abschluß die deutsche Kaiserkrone, die Ernst Moritz Ernst vor­ahnend ersehnt, Friedrich Wilhelm IV. angeboten hatte und um die sich heute in schwerer Zeit das ganze deutsche Volk in Treue und Einigkeit schart. Um die Eiche halten 4 Adler, Schlangen in den Klauen haltend, den Deutschen Stamm beschützend, als Sinn­bild unse­res tapferen Heeres, das eine Welt von Feinden niederzwingt, Wacht. Das Kriegsdenkmal wird in einem einfach gehaltenen, als dorischen Tempelbau geplanten Um­bau auf dem Münsterplatz aufgestellt und der Tempel wird den Spruch tragen: „Das Vater­land gehört al­len und alle gehören dem Vaterland.“ Als Nagelflächen sind vorgesehen: die Grundflächen um den Sinnspruch, der Eichstamm, die Sockel und die Flügel der Adler. Auch ist reichlich Gelegenheit für Vereine und hochherzige Stifter gegeben, entweder sich durch Anbringung eines beschrifteten Eichenblattes oder anderer Schildflächen zu verewi­gen. Auch werden für die Krone goldene Nägel und für das Wellenband des Rheins silber­ne Nägel eingeschlagen werden. Die weiteren Vorbereitungen, mit de­nen sich auch bald ein größerer Ehrenausschuß beschäftigen wird, versprechen das güns­tigste Ergebnis und die Bonner Bürgerschaft wird in ihrem bekannten opferfreudigen Sinn auch bei der Kriegs­nagelung beweisen, daß sie echt vaterländischer Geist durchweht. Nach der Benagelung soll das Standbild im Ernst Moritz Arndt Hause aufgestellt werden. Der Architekten- und In­genieur-Verein hat es in seiner steten Hilfsbereitschaft freundlichst übernommen, die bauli­che Anlage zu entwerfen und bei dem Hallenbau für das Standbild selbst die Leitung zu übernehmen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 20. November 1915

    

Für verstümmelte Kriegsbeschädigte hielt Herr Dr. med. Richarz im Vortragssaale der städtischen Fortbildungsschule einen sehr fesselnden Lichtbildervortrag nach Bildern aus dem Buch von Professor Bisalski. Der Vortragende zeigt zunächst die Möglichkeit der Betätigung mit dem Armstumpf, ohne jedes künstliche Hilfsmittel. Danach führte er im Bilde den Bau künstlicher Gliedmaßen und Arbeitsprothesen vor und erläuterte in anschaulicher Art die Arbeitsweise mit diesen bei den verschiedensten Werkzeugen und an einer Reihe von Maschinen. Mit einer Aufmunterung an die 200 erschienenen Soldaten, in Zuversicht und Ausdauer durch werktätige Arbeit Zufriedenheit für die Zukunft zu suchen, schloß der Redner seinen lehrreichen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag.

Bonner Lichtspiele. Der neueste Spielplan enthält den ersten Film, in dem der bekannte Humorist Guido Thielscher auftritt, und zwar „Guido der Erste von Pleitanien“, eine dreiaktige Posse. Außer kleineren Stücken wird ferner das dreiaktige Schauspiel „Die Vergangenheit seiner Frau“, ein schwedischer Kunstfilm mit spannendem Inhalt geboten.

Viktoria-Kino. Das von heute ab gültige Programm enthält u. a. den Detektivfilm „Der verhängnisvolle Fingerabdruck“, das dreiaktige Drama „Das Brandmal ihrer Vergangenheit“ und das Lustspiel „Kehre zurück, alles vergeben“.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Das außerordentliche Kriegsgericht verurteilte vorgestern eine russischen Arbeiter, der schon zum dritten Male ohne polizeiliche Abmeldung seinen Arbeitsplatz gewechselt hatte, zu einem Monat Gefängnis, worauf eine Woche Untersuchungshaft angerechnet wurde. -
  
Wegen Widerstandsleistung gegenüber einem Jagdschutzbeamten hatte sich ein Ackerer aus Niederbachem zu verantworten. Er war von dem Beamten auf der Straße angehalten worden, wobei man festgestellt hatte, daß er in seinem Rucksack zwei Kaninchen, ein Frettchen und Fangnetze mit sich führte. Als der Beamte ihm mit Gewalt den Rucksack abnehmen wollte, wehrte sich der Angeklagte dagegen. Die von dem Jagdschutzbeamten mit Beschlag belegten Kaninchen wurden dem Angeklagten später auf Anordnung des Gerichts zurückgegeben. Das außerordentliche Kriegsgericht kam zu seiner Freisprechung. Das Kaninchenfangen sei nicht an die Zustimmung des Jagdberechtigten gebunden. Nachdem der Jagdschutzbeamte sich überzeugt hatte, daß der Angeklagte nur Kaninchen in seinem Rucksack hatte, konnte von dem Verdacht eines Jagdvergehens nicht mehr die Rede sein. Bei der Beschlagnahme des Rucksacks befand sich der Beamte also nicht in der rechtmäßigen Ausübung seiner Amtsgewalt und ein Widerstand war nicht strafbar. – Wegen Widerstandsleistung gegen einen Forstschutzbeamten war eine Frau aus Muffendorf angeklagt. Ein Privatförster hatte ihrem Kinde das Streusammeln verboten, sowie einen Rechen und ein Stück Seil weggenommen. Die Frau hatte sich daraufhin selbst in den Wald begeben, da ihrer Ansicht nach das Sammeln von Streu erlaubt sei. Bei dem Zusammentreffen mit dem Förster behaupten beide Parteien, sowohl die Frau wie der Mann, geschlagen worden zu sein. Das Kriegsgericht hielt dafür, daß die Sache nicht aufgeklärt sei und auch durch Zeugen nicht aufgeklärt werden könne.

Sahne für Kranke. In den Fällen, in denen vom Arzt eine chronische Krankheit bescheinigt wird, die einen ständigen Genuß von Sahne erforderlich macht, wird nach Berliner Zeitungen in Zukunft die Erlaubnis nicht mehr für eine bestimmte Woche, sondern „bis auf weiteres“ erteilt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Unfall. Gestern mittag wurden auf der Rheindorfer Straße zwei Mädchen, die nicht auf die Warnungszeichen gehört hatten, von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn angefahren und leicht verletzt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 21. November 1915

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. November 1915Der Axenfeldsche Frauenchor, der wegen seiner Vortragskunst geschätzt ist, veranstaltet am 30. November im großen Saal der Lese ein Konzert zum Besten des Vereins „Mädchenhort“. Außer Chören von Wilhelm Berger und Romanzen von Brahms werden auf vielfachen Wunsch das „Ständchen“ von Schubert und der große Chor „Gott in der Natur“ zur Aufführung gelangen sowie zwei Volkslieder a capella von Hagemann, die dem Chor gewidmet sind. Als Solistin ist die Konzertsängerin Frau Juli Klimmerboom aus Köln gewonnen worden, welche kürzlich unter Direktor Abendroth mit großem Erfolg in Essen sang. Nicht nur der künstlerischen Darbietungen, sondern auch des guten Zwecks wegen ist den Veranstaltern ein volles Haus zu wünschen. Da sich seit Kriegsbeginn die Zahl der Hortschützlinge mehr als verdoppelt hat, sind jetzt neue Mittel dringend erforderlich, damit der Verein sein Liebeswerk an den Kindern der Tapferen im Felde im bisherigen Umfange fortsetzen kann.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

     

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 21. November 1915Eine wechselseitige Verständigung auf dem weiten Felde der Armenpflege und Wohltätigkeit regt die städtische Verwaltung wie seit Jahren zur Weihnachtszeit auch heute wieder an. Ein solches Zusammenwirken ist notwendig, um an der rechten Stelle zu helfen und zu verhindern, daß einzelne, die mit den zahlreichen Wohltätigkeitseinrichtungen genau vertraut sind, an mehreren Stellen beschenkt und dadurch die verfügbaren Mittel anderen vielleicht Bedürftigeren entzogen werden. Es wird empfohlen, eine Liste derjenigen Personen, die zur Beschenkung in Aussicht genommen sind, bis zum 1. Dezember an die städtische Auskunftstelle für Wohltätigkeit, Franziskanerstr. 8 I., einzureichen. In dieser Liste sind Vor- und Zunamen sowie die genaue Wohnung des Familienoberhauptes, und sofern es sich um eine Bescherung von Kindern handelt, auch deren Vorname und ungefähres Alter einzutragen. Die städtische Auskunftstelle vergleicht diese Listen und sendet sie dem Einsender mit den erforderlichen Bemerkungen bis zum 10. Dezember zurück. Es wird dringend gebeten, von der Benutzung der städtischen Auskunftstelle für Wohltätigkeit weitgehendsten Gebrauch zu machen, da andernfalls ohne Prüfung ausgeübte Wohltätigkeit mehr schadet als nützt.

Obstwein wurde in diesem Jahre bei der überall so sehensreich ausgefallenen Obsternte am Vorgebirge diesmal wieder mehr gekeltert, als es in den letzten Jahren der Fall war. Mit der Weinverarbeitung aus Fallobst von Aepfeln und Birnen wurde stellenweise schon im September begonnen. Sommerobst liefert zwar einen sehr schönen, angenehm schmeckenden Wein, der aber in Bezug auf Haltbarkeit, Bekömmlichkeit und Aroma von dem aus Herbst- und aus Winterobst hergestellten Getränke weit übertroffen wird. Der erstere ist bereits abgestochen und glanzhell geworden und von den Vorgebirglern jetzt schon in Gebrauch genommen. Der Obstwein wird hier von Privatleuten nicht für den Verkauf gekeltert, sondern dient den Landwirten in der Familie als Haustrunk, an dem sie sich nach des Tages Last erquicken, und stolz ist der Hausvater, wenn er in den Keller hinabsteigen und seinen Krug mit eigenem Wachstum füllen kann. Aber auch in einzelnen Wirtschaften wird hiesiger Obstwein zu angemessenem Preise ausgeschenkt.

Weihnachtssendungen. Die Reichs-Postverwaltung richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssendungen bald zu beginnen, damit die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zusammendrängen. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlichen Beförderungsfristen einzuhalten und namentlich auf weite Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung vor dem Weihnachtsfeste zu übernehmen, wenn die Pakete erst am 22. Dezember oder später eingeliefert werden. Zur Beschleunigung des Betriebs trägt es wesentlich bei, wenn schon der Absender die erforderlichen Marken auf die Paketkarte klebt. Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist für die Zeit vom 12. bis einschließlich 24. Dezember weder im inneren deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Auslande gestattet. Gemeinschaftliche Einlieferungsbescheinigungen über mehrere Pakete werden in den bezeichneten Zeit nicht ausgestellt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Montag, 22. November 1915

    

Am gestrigen Totensonntag wurde bei den Gottesdiensten in den evangelischen Kirchen der Verstorbenen, vor allem der auf dem Felde der Ehre gefallenen und in den Lazaretten ihren Verwundungen erlegenen Krieger gedacht. Mittags von 12 bis ½1 Uhr ertönte von den Türmen der evangelischen Kirchen am Kaiserplatz, in Poppelsdorf und in Beuel feierliches Geläut mit allen Glocken, das gleichfalls dem Gedächtnis der Toten gewidmet war. Die Friedhöfe waren gestern nachmittag die Ziele vieler Tausender, die an den Gräbern ihrer Angehörigen oder an den Kriegergräbern sich dem Gedenken an die Verstorbenen hingeben wollten. In Beuel fand gestern nachmittag eine Friedhofsfeier an den Kriegergräbern statt, die sehr stark besucht war.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. November 1915Die Kartoffelnot in Bonn. Seit einiger Zeit herrschen in der Versorgung der Bevölkerung der Stadt Bonn mit Kartoffeln so beklagenswerte, auf allen Teilen der Bürgerschaft je länger je schwerer lastende Zustände, daß es an der Zeit ist, sie öffentlich zur Sprache zu bringen. Es geschieht in der Hoffnung, dadurch schleunige Abhülfe herbeizuführen.
   Seit mehr als einer Woche sind bei den Händlern in der Stadt und auf dem Markt keine Kartoffeln mehr zu kaufen. Man ist damit ganz auf den städtischen Verkauf angewiesen. Allein bei der Verkaufsstelle in der Sternstraße sind Kartoffeln manchmal gar nicht zu haben, meistens nach kurzer Zeit ausverkauft, weil die vorhandene Menge der Nachfrage ganz und gar nicht entspricht. An dem städtischen Verkauf auf dem Markt, wo sie, ebenso wie in der Sternstraße, nur zehnpfundweise verkauft werden, ist der Andrang begreiflicherweise sehr groß. Auch hier entspricht der Vorrat bei weitem nicht der Nachfrage, und es entstehen oft Unterbrechungen im Verkauf von etwa einer Stunde, bis die Mengen herbeigeschafft sind. Inzwischen stehen die dichtgedrängten Käuferinnen, die zu Hause nötige Arbeit zu dieser Zeit haben, Kinder ohne Aufsicht oder das Mittagessen auf dem Feuer wissen, manche auch mit kleinen Kindern auf dem Arm, frierend, klagend, erbittert da und warten – warten! Die Herren von der Stadtverwaltung können dies traurige Bild jeden Vormittag von den Fenstern ihrer wohldurchwärmten Amtsstuben aus selbst ansehen. Wie schnell, zumal in einer kinderreichen Familie, 10 Pfund Kartoffeln verbraucht sind, oft schon in einem Tage, weiß jede Hausfrau. Dann muß der mühselige Gang zum Kartoffel-Verkauf wieder getan werden. Die Kartoffelhändler, die seit Jahren auf dem Markt ihre Kunden bedienen, erklären, sie dürfen nicht verkaufen. Ein Händler im Cassiusgraben, der einen großen Vorrat hat und noch vor einigen Tagen feste Bestellungen übernahm, erklärt jetzt, vorläufig nicht liefern zu wollen. Ein anderer am Stiftsplatz gibt Kartoffeln in kleinen Mengen ab, bei gleichzeitigem Einkauf von Obst.
   Die Großhändler erklären, keine Ware zu bekommen, und darum die schon vor Wochen fest versprochenen, von einer Woche zur anderen verschobenen Lieferungen nicht ausführen zu können.
   Das sind unerträgliche Verhältnisse und es ist nicht einzusehen, weshalb hier nicht schon längst mit voller Energie und Strenge die Stadtverwaltung eingriff, wie das in anderen Städten geschah, wo der Kartoffel-Verkauf sich in voller Ordnung und Ruhe vollzieht. Die Bonner Bürger haben Anspruch darauf, in angemessener Weise und Menge ihre Kartoffeln kaufen zu können. Die Ernte war überreich. Die schwere Kriegszeit und die ungeheuerliche Lebensmittel-Teuerung erfordert ohnehin sehr große Opfer, bringen drückende Sorge und Not in die meisten Familien, da sollte durch solche Mißstände die Lage, die durch den einsetzenden Frost immer schwieriger und bedrohlicher wird, nicht noch erschwert, die Erbitterung weitester Kreise nicht noch mehr gesteigert werden. Eine um das Wohl der Allgemeinheit besorgte Hausfrau.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)

   

Anzeigen im General-Anzeiger vom 22. November 1915Vor der Strafkammer stand am Samstag die Ehefrau eines hiesigen Bäckermeisters unter der Anklage, daß sie gegen die Verordnung über das Brotbacken verstoßen habe. Sie hatte Brot zu einer Zweigstelle nach Beuel bringen lassen, was ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis des Oberbürgermeisters nicht gestattet ist. Angeblich war das Mehl, aus dem das Brot gebacken war, von der Gemeinde Beuel geliefert. Die Strafkammer verurteilte die Angeklagte die bereits mehrfach vorbestraft war, zu 80 Mk. Geldstrafe. – Wegen einer ähnlichen Uebertretung stand ein hiesiger Bäckermeister vor Gericht. Er hatte für einen Bäckereibesitzer aus Niederholtdorf Brot gebacken, der ihm das Mehl dafür lieferte und für jedes Brot einen Backlohn bezahlte. Das Brot war nach dem Backen sofort noch warm zur Ablieferung verladne worden. Da die Abgabe von Brot ohne schriftliche Genehmigung des Oberbürgermeisters verboten ist, und das Brot überhaupt erst am zweiten Tage nach dem Backen abgegeben werden darf, verurteilte die Strafkammer den Bäckermeister, der ebenfalls schon verschiedentlich vorbestraft ist, zu 50 Mk. Geldstrafe.

Wegen Kindesaussetzung wurde am Samstag ein 18-jähriges Mädchen von der Strafkammer zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Das Kind war im Krausfeld gefunden worden, ist aber nach einigen Wochen gestorben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. November 1915Zur Beruhigung der Eltern, deren Söhne in Rußland oder auch in Frankreich für vermißt geführt werden, teilt uns Herr Otto Jahn in Bonn folgendes mit: Mein Sohn Walter war seit Februar vermißt und alle Nachforschungen blieben ohne Erfolg. Heute nach neun Monaten erhielt ich von demselben eine Karte, abgeschickt am 23.9., daß er sich als Kriegsgefangener in Russisch-Asien befindet. Ferner wird aus Rheindorf, Bez. Düsseldorf, den 19. Nov. geschrieben: Bereits im August vergangenen Jahres erhielten hier die Eheleute Schäfers die amtliche Mitteilung, daß ihr Sohn den Heldentod gestorben sei. Heute, nach vierzehn Monaten, erhielten die Eltern einen Brief von ihrem „toten Sohn“, demzufolge er damals infolge schwerer Verwundung in französische Gefangenschaft geraten ist.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 23. November 1915

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. November 1915Krieger-Heimstätten. Die Erfahrung, welche unser Vaterland nach dem Kriege 1870/71 machen mußte, daß nämlich in der sogen. „Gründerzeit“ eine wilde Bodenspekulation Platz griff, welchen den Grund und Boden in unseren Städten maßlos verteuerte und ebenso den Preis der Mietwohnungen auf ein Uebermaß hinaufschnellen ließ – Uebelstände, die auch heute noch andauern –, lassen befürchten, daß diesmal nach Abschluß des großen Krieges ähnliche Erscheinungen eintreten. Es darf nicht sein, daß unsere zahllosen heimkehrenden Krieger plötzlich ohne Grund höhere Mieten bezahlen oder gar, weil sie mit einer großen Familie gesegnet sind, keine erschwingliche Wohnung finden. Hat man doch 1871 und in den folgenden Jahren in manchen Großstädten für wohnungslose Krieger Baracken bauen müssen! Es ist daher in Deutschland eine große Bewegung im Gange, welche ein Wohnungs- und Siedelungsgesetz fordert, damit unseren heimkehrenden Kriegern und den Angehörigen unserer gefallenen Helden die Möglichkeit gegeben wird, sich eine gesunde Wohnung und einen festen Sitz in dem neu erkämpften Vaterlande zu erwerben, der nicht durch die geschäftlichen Rücksichten des Bodenhandels bedroht werden kann. Hier liegt eine Lebensfrage für die gesunde Gestaltung der inneren Verhältnisse im neuen Reich vor, deren Wichtigkeit nicht laut genug betont werden kann. Es ist ein Verdienst des Liberalen Bürgervereins, daß er zu einer öffentlichen Besprechung dieser Angelegenheit am Donnerstag, den 25. ds. [Monats], abends 8 ½ Uhr im Gartensaal des „Hähnchen“ Gelegenheit gibt. Herr Pfarrer Strauß hat es in dankenswerter Weise übernommen, die grundlegenden Gesichtspunkte der Bewegung zur Schaffung von Kriegerheimstätten in einem Vortrag darzulegen. Daran wird sich dann eine freie Aussprache knüpfen. Z dieser Versammlung sind die Mitbürger und Bürgerinnen aller Parteien eingeladen.

Durchsucht Kisten und Kasten! Fast in allen deutschen Staaten wird jetzt mit behördlicher Befürwortung und Unterstützung die Reichssammlung Vaterlandsdank durchgeführt. Zahlreiche Vorstände von Frauenvereinen, vom Roten Kreuz und anderen Wohlfahrtseinrichtungen haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt, mit großem Erfolg beteiligen sich auch die Schulen an dem Sammeln von entbehrlichem Gold und Silber und Schmuck aller Art, goldenen und silbernen Uhren, silbernem Tischgerät, Ketten, Münzen und Medaillen, goldenem Zahnersatz und ähnlichem. So kommt aus Kisten und Kasten nutzlos Umherliegendes in solcher Menge zusammen, daß die Hauptgeschäftsstelle des Vaterlandsdankes zur dritten Kriegsanleihe für die Witwen und Waisen der im Kriege Gefallenen bereits ½ Million Mark zeichnen konnte. Noch liegen große Mengen solcher dinge ungenützt umher, deshalb sammelt der Vaterlandsdank weiter und gibt jedem Spender zur Erinnerung an unsere große Zeit einen Ring aus dem von der Firma Krupp gestifteten platinähnlichen, nicht rostenden Eisen, zu dem Professor Peter Behrens den Entwurf geliefert hat.

Verbotener Hausanstrich. Nach einer früheren Verordnung des Bundesrats durften die Außenseiten der Häuser, Mauern und Zäune nicht mehr mit Farben angestrichen werden, zu deren Herstellung Bleiweiß und Leinöl verwendet worden ist. Eine neue Verordnung setzt statt der Worte „Bleiweiß und Leinöl“ die Worte „pflanzliche oder tierische Oele“, so daß es also verboten ist, Häuser, Mauern und Zäune mit Farben anzustreichen, zu deren Herstellung pflanzlich oder tierische Oele verwendet worden sind.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 23. November 1915Das neue Johanniter-Krankenhaus (Friedrich Wilhelm-Stift) wird morgen (Mittwoch) nachmittag feierlich seiner Bestimmung übergeben. Mit ihm hat unsere Stadt ein Krankenhaus erhalten, das nach allen Regeln der Baukunst, die nur für solche Zwecke in Betracht kommen können, errichtet ist, das aber auch in jeder Beziehung den weitesten Ansprüchen, die Krankenpflege und ärztliche Wissenschaft heute an ein Krankenhaus stellen, erfüllen wird. (...)
   Das Johanniter-Krankenhaus ist eng umschlossen von großen noch in der Entwicklung befindlichen Gärten. Weite Rasenflächen umstehen schlanke Bäume und sparsam gesetzte Gesträuche. Die Zeit wird aus dem all einen hübschen Park machen, mit kühlen schattigen Pfaden und sonnigen Wiesen.
   Der Gesamteindruck: Alles wie es einem Krankenhaus unserer heutigen Zeit zukommt.
   Kluger Sinn hat hier trefflich gewaltet.

Ueber Kriegsbeschädigte und Ersatz für verlorene Glieder sprach gestern abend im großen Hörsaale der Fortbildungsschule Prof. Dr. F. A. Schmidt vor einer zahlreichen Zuhörerschaft. „Der entsetzliche Krieg wird einmal zu Ende gehen; dann handelt es sich darum, den heimgekehrten verstümmelten Kriegern die Sorgen abzunehmen und sie mit geeigneten Waffen zu versehen, den Kampf um das Dasein wieder aufzunehmen. Die Zahl der Verstümmelten wird sehr viel größer sein, wie nach den früheren Kriegen, weil die heutige Wundheilkunde viel mehr Leben erhalten konnte, die früher verloren waren. Für diese Kriegsbeschädigten, die Verluste an Beinen, Armen, Händen erlitten, handele es sich Ersatz für die verlorenen Glieder zu schaffen; das sei gelungen. Anzustreben sei, die beschädigten Leute ihrem Berufe zu erhalten; grundsätzlich werde davon abgesehen „Pöstchen“ zu schaffen. (...)
   Dann bat Herr Prof. Schmidt ein lebendes und sehr beredtes Beispiel dieser Art auf die Bühne, Herr Natius aus Godesberg. Unser Landsmann verlor 1878 durch einen Sensenschlag seine linken Unterarm. Er war gelernter Schlosser und verzweifelte fast an seinem Geschick. (...) Da ersann er denn den eisernen Arbeitsarm, wie ihn jetzt unsere Ärzte auch für unsere Kriegsbeschädigten empfehlen.
   Dieser eiserne Arm ließ Herrn Natius dann arbeiten, daß es eine Art hatte. Rasch saß das Geschirr im Haken und dann flog der Spaten, flog die Schüppe durch die Luft, die Axt zischte nur so daher und ein 30pfündiger Zuschlagshammer wirbelte nach allen Richtungen durch die Luft und die schwere Spitzhacke sauste um sein Haupt: „Diese Schule breche ich ab, eine Kleinigkeit; ich fälle meterdicke Eichen, schachte mit dem besten Arbeiter um die Wette; ich schnitze und schmiede, und ich treibe die schönsten Humpen aus dem sprödesten Metall.“ So arbeitete der Kunstarm und so gingen mit urwüchsigem Humor die Reden. (...)
   Allen unsren wackeren kriegsbeschädigten Kriegern aber wünschte Herr Prof. Dr. F. A. Schmidt die Arbeitslust, den eisernen Willen, aber auch den goldnen Humor unseres Natius. Großer Beifall dankte dem Redner für Vortrag und für die Gelegenheit, Herrn Natius arbeiten zu sehen.

Zusammenstoß. Auf der Rheinbrücke stieß heute morgen ein Straßenbahnwagen mit einem Fuhrwerk zusammen, das Schweine geladen hatte. Das Fuhrwerk wurde zertrümmert und die Schweine stoben nach allen Richtungen auseinander. Der Verkehr auf der Rheinbrücke war längere Zeit gestört.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 21. Nov. In der vorigen Nacht drangen Diebe in das Ladenlokal eines Kaffeegeschäfts am Eingang in die Bonnerstraße ein und raubten außer dem im Geschäft zurückgelassenen Kassenbestand noch größere Mengen von Waren an Kaffee, Schokoladen, Feingebäck und dergleichen. Auf der Theke fand man des Morgens ein scharfes Messer vor, das die Diebe zurückgelassen hatten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

Mittwoch, 24. November 1915

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. November 1915Spendet Weihnachtsgaben für unsere rheinischen Truppen. Man schreibt uns: Die Heeresverwaltung und die freiwillige Krankenpflege haben es übernommen, dafür Sorge zu tragen, daß jeder unserer braven Krieger, sei er im Felde, sei er im Lazarett, eine Weihnachtsgabe erhält und durch diese Weihnachtsgabe gleichzeitig einen Gruß aus der Heimat. Daher ist Vorsorge getroffen, daß unsere rheinischen Truppen auch aus der Rheinprovinz versorgt werden. Der stellvertretende kommandierende General des 8. Armeekorps, General der Infanterie von Ploetz, und der Territorialdelegierte der freiwilligen Krankenpflege für die Rheinprovinz, Staatsminister Oberpräsident Frhr. v. Rheinbaben, haben diese umfangreiche Organisation in die Wege geleitet. Die Vaterländischen Vereinigungen werden die von Bonn aus in Frage kommenden Sendungen herrichten. Die Zahl dieser Sendungen ist sehr groß, sie beträgt rund 11.000, dazu kommen noch etwa 1.000 Sendungen, die auf Wunsch von Angehörigen Bonner Kriegern gesandt werden. Die Aufgabe, die unserer Bürgerschaft gestellt wird, ist daher groß, aber auch recht dankbar. Wenn man bedenkt, daß jede Sendung auch nur einen Wert von etwa 5 M. hat, so entspricht dies schon einer Gesamtaufwendung von rund 60.000 M. Dieses Opfer ist dann aber nur zu bringen, wenn die gesamte Bürgerschaft einmütig sich dessen bewußt ist, was sie unseren braven Truppen schuldet. Die Opferfreudigkeit der Bonner darf hier unter keinen Umständen zurückstehen, denn das würde ein Makel für uns alle bedeuten, wenn diese kleine Last, die wir gern und freudig auf uns nehmen, nicht überwunden werden könnte. Die Sammelstelle, Münsterplatz 1/3, in der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft nimmt Geldspenden und entsprechende Gaben an, und zwar tut dabei Eile not, denn bereits Ende dieses Monats müssen die Sendungen nach dem Felde abgehen. Rheinlände! Gebt daher freudig und schnell, jeder nach seinen Kräften.

Beim Einsteigen in den noch nicht haltenden Zug der elektrischen Bahn Bonn-Siegburg kam gestern abend auf der Brückenstraße ein Mädchen aus Endenich, das zur Geschoßfabrik fahren wollte, mit einem Fuß unter ein Rad der Bahn. Das Mädchen, dem anscheinend einige Zehen abgequetscht worden sind, wurde im Reservelazarett Beethovenhalle verbunden und dann durch Krankenträger vom Roten Kreuz zur Klinik gebracht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Bonner Wochenmarkt. Der gestrige Markt war im allgemeinen schlecht beschickt. Besucht war er auch nicht besonders und der Verkauf ließ viel zu wünschen übrig. In den Reihen der Vorkäufer waren fast den ganzen Morgen über nur ganz vereinzelt Käufer wahrzunehmen, dagegen war der Verkauf bei den Gemüsebauern etwas lebhafter. Auch gestern waren wieder (außer beim städtischen Verkauf) auf dem ganzen Markt keine Kartoffeln aufzutreiben. (Die Stadtverordneten werden sich am Freitag mit der Kartoffelversorgung beschäftigen.) (...) Das Angebot in guter Butter und frischen Eiern wird von Tag zu Tag immer kleiner und trotz der hohen Preise waren Butter und Eier gestern kaum zu haben. Die Preise waren im allgemeinen dieselben wie am letzten Hauptmarkttage. (...)

Wochenzulagen für die städtischen Arbeiter empfiehlt die Finanzkommission vom 1. Dez. ds. J. ab zu gewähren und zwar für Unverheiratete 1 Mark, für Verheiratete ohne Kinder 1,50 Mark, mit 1 oder zwei Kindern unter 16 Jahren 2 Mark, mit drei oder vier Kindern unter 16 Jahren 2,50 Mark, mit mehr als vier Kindern 3 Mark. Die Stadtverordnetenversammlung wird am Freitag hierüber beschließen.

Der Wehrbund (7. und 8. Abtlg., Realschule und Kgl. Gymnasium) veranstalteten am Samstag nachmittag auf dem Venusberg eine Geländeübung in drei Abteilungen, einer deutsch-österreichischen, einer serbischen und einer bulgarischen. Es war die Aufgabe gestellt, die Serben mit vereinten Kräften zu schlagen. Es gelang den Deutsch-Oesterreichern, sich durch eine Partrouille mit den Bulgaren in Verbindung zu setzen. Das Gefecht nahm aber trotzdem einen ganz anderen Ausgang. Die Serben, die vom Glück begünstigt und trefflich geführt waren, schlugen die Hälfte der Bulgaren zurück und setzten die andere Hälfte außer Gefecht. Dann errangen sie auch einen vollständigen Sieg über die Oesterreicher. Nach einer kurzen Kritik auf dem Exerzierplatz zog die wieder geeinte Schar durch den mondbeschienenen Wald zur Stadt zurück.

Bei dem Zurückbringen von Leichen Gefallener wird nach dem Kriege auf den deutschen Staatseisenbahnen und Privatbahnen eine Frachtermäßigung von 50 vom Hundert gewährt werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Kriegsmal für Bonn. Die Baukommission schlägt den Stadtverordneten vor, den Vaterländischen Vereinigungen von Bonn die Genehmigung zur Aufstellung des geplanten Kriegsmals „E. M. Arndt in Eisen“ auf dem Münsterplatze zu gestatten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Duisdorf 22. Nov. Der Bürgermeisterrat beschloß am Samstag: Zur Deckung der zu zahlenden Utnerstützungen an Familien eingezogener Krieger soll bei der Kreissparkasse eine Anleihe von 15.000 Mark gemacht werden. Da die Tätigkeit des hiesigen Armenarztes durch den Krieg einen erheblich größeren Umfang angenommen hat, wurde demselben eine entsprechende Gehaltserhöhung für die Dauer des Krieges zugebilligt. Ebenso wurde dem Antrage eines Angestellten des Bürgermeisteramtes, der zur Fahne einberufen ist, auf Weitergewährung eines Teiles des Gehaltes, stattgegeben. Auch das Gesuch des Franziskanerstiftes hierselbst um Erhöhung der Pflegesätze zur Verpflegung der Ortsarmen fand Erhöhung und wurden die Sätze, den gegenwärtigen Nahrungsmittelpreisen entsprechend, erhöht. Zum Schlusse wurde noch ein Betrag bewilligt, um den Kriegern der Bürgermeisterei vor Weihnachten Liebesgaben zu senden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)

Donnerstag, 25. November 1915

   

Der Bonner Lazarettzug K. 1 hat auf seiner 21. Fahrt 230 Verwundete in Laon, La Fère und Chauny geladen und in Aachen und Köln ausgeladen. Zurzeit steht er abfahrtsbereit in Godesberg.
   An Liebesgaben sind nach wie vor immer erwünscht: Zigarren, Zigaretten, Hemden, Pantoffeln, Taschentücher, Marmeladen in Blecheimern, ferner einige Fahrräder. Dies alles ist abzugeben Bahnhofstraße 40. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Godesberg. Die am 12. Sept. begonnene Benagelung des „Eisernen Kreuzes“ hat bisher 16.265 M. ergeben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

    

Vortrag. „Das Ideal der christlichen Ehe“ war das Thema eines Vortrages, den der hochw. Benediktinerpater Timotheus Kranich im Katholischen Frauenbund vor einer zahlreichen Hörerschaft gestern abend im Bürgerverein hielt. Anknüpfend an die Erschaffung des Menschen und den Ausspruch Gottes: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei“ brachte der Vortragende zum Ausdruck, daß durch die Beigabe des Weibes als Lebensgefährtin des Mannes die Ehe von Erschaffung der Welt an von Gott geheiligt sei. Goethe habe die Ehe als den Anfang und den Gipfel der Kultur bezeichnet. Sehr eingehend beschäftigte Redner sich mit dem Verstehen und Ineinanderleben der Ehegatten, und betonte auch, daß es wohl keine Ehe gäbe, in der nicht einmal irgend eine Mißhelligkeit vorkomme, aber die Eheleute müßten dahin streben, diese Dissonanzen auszugleichen, damit das eheliche Zusammenleben zu einem schönen und idealen werde. Besonders in der ersten Zeit der Ehe komme es zwischen den Neuvermählten häufig zu Unstimmigkeiten, und Fürst Bülow habe einmal gesagt, daß für viele die Flitterwochen zu Gewitterwochen werden. Auch über das traurige Kapitel der vielen Ehescheidungen verbreitete sich der Vortragende und erwähnte, daß in Berlin in einem Jahr nicht weniger als 30.000 Ehescheidungen beantragt worden seien. Ueberall sei der Kampf gegen die christliche Ehe entbrannt und die freie Liebe werde verherrlicht. Die Ehe sei ein von Gott eingesetztes Sakrament und die Ideale der christlichen Ehe sollten von den Eheleuten hochgehalten werden. – Der Vortrag fand dankbare Aufnahme bei den Zuhörern.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Das Johanniter-Krankenhaus „Friedrich Wilhelm-Stift“ wurde gestern nachmittag durch eine kleine Feier eröffnet. Als Ehrengäste wohnten ihr u. a. Ihre Königliche Hoheit Frau Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe, der Oberpräsident der Rheinprovinz Exzellenz Freiherr von Rheinbaden, Regierungspräsident Dr. Steinmeister, ferner die Vertreter der städtischen Universitäts- und Kirchen-Behörden bei. Die Weiherede hielt Generalsuperintendent D. Klingemann. An die Weihe schloß sich ein Rundgang durch das Gebäude und später eine Sitzung in der Lese an, bei der des Ereignisses noch in mancher Rede gedacht wurde. (...)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 26. November 1915

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. November 1915 Wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für grüne Bohnen hatten sich gestern 32 Angeklagte vor dem hiesigen außerordentlichen Kriegsgericht zu verantworten. Acht Händler bezw. Händlerinnen, und zwar vier aus Bonn, je einer aus Bornheim, Duisdorf, Dransdorf und Gieldsdorf, waren angeklagt, im August und September bei Bohnenkäufen am Bahnhof Duisdorf höhere als die vom kommandierenden General festgesetzten Höchstpreise geboten und bezahlt zu haben, die übrigen 24 Angeklagten sind Landwirte, Landwirtsfrauen, in zwei Fällen auch Töchter aus Duisdorf und Umgegend, die das die Höchstpreise überschreitende Angebot der Händler angenommen und sich dadurch strafbar gemacht haben sollen. Es handelte sich um Höchstpreisüberschreitungen von 25 Pfg. bis 1,25 M. für den Zentner. Die Angeklagten brachten die  verschiedensten Ausreden vor. Die Händler wollten teils das Bringen der Bohnen zum Bahnhof, teils die Säcke mitbezahlt haben, die Bauern beriefen sich auf „die andern“, die es auch so gemacht hatten, oder schützten Unkenntnis vor. Der Anklagevertreter beantragte gegen zwei Händler und fünf Bauern Freisprechung, gegen alle übrigen Gefängnisstrafen, und zwar gegen zwei Händler je eine Woche, gegen drei je drei Tage und gegen einen Händler einen Tag Gefängnis, gegen eine Bäuerin vier, eine andere drei, einen Bauern ebenfalls drei, gegen einen Bauern und ein 18jähriges Mädchen je zwei Tage und gegen alle übrigen Angeklagten je einen Tag Gefängnis. Das Urteil soll Samstag vormittag ½11 Uhr verkündet werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeigen im General-Anzeiger vom 26. November 1915Zur Milchversorgung im Stadtbezirk Bonn. Die Preisprüfungsstelle Bonn-Stadt veröffentlicht in der heutigen Nummer unseres Blattes eine Bekanntmachung, wonach derjenige, der in den Bezirk Bonn Milch (Voll-, Mager- und Buttermilch) einführt, im hiesigen Bezirk erzeugt und vertreibt, verpflichtet ist, die abgesetzte Milchmenge und den hierfür erhaltenen Einheitspreis für 1 Liter Milch halbmonatlich , und zwar am 1. und 15. jeden Monats, der Preisprüfungsstelle Bonn-Stadt, Rathausgasse 10-12, Zimmer 19, anzumelden. Zur Anmeldung ist ein vorgeschriebener Meldeschein zu benutzen, der bei den Polizeikommissariaten unentgeltlich zu haben ist. Nicht nur die ansässigen Milchhändler, Milcherzeuger usw. sind zur Anmeldung verpflichtet, sondern auch die auswärtigen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. und im Unvermögensfalle mit Haft bis zu vier Wochen bestraft. Die Verordnung tritt mit dem heutigen Tage in Kraft.

Höchstpreise für Schweinefleisch in Bonn. Der Oberbürgermeister veröffentlicht in der heutigen Nummer unseres Blattes eine Bekanntmachung über die Höchstpreise für Schweinefleisch. In der Bekanntmachung sind die Preise für Schweinefleisch und Schweinefleischwaren aufgeführt, die die Metzger von ihren Kunden im Kleinverkauf verlangen dürfen. Die Preise sind teilweise nicht unerheblich niedriger als die bisher bezahlten. Die Verordnung tritt am 1. Dezember d. J. in Kraft.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Mißbräuchliche Anwendung des Vermerks „Feldpost“ auf Briefsendungen. Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß recht häufig gewöhnliche Briefe und Postkarten widerrechtlich mit dem Vermerke „Feldpost“ verschickt werden, um dadurch da Porto zu ersparen. Es kommt sogar vor, daß Privatpersonen ohne jede militärische Eigenschaft zur Täuschung der Postbehörde auf den Sendungen Angehörige des Feldheeres usw. fälschlich als Absender angeben. Das Publikum wird im eigenen Interesse darauf aufmerksam gemacht, daß alle derartigen Fälle auf Grund des Postgesetzes von der Postverwaltung verfolgt und von ihr oder den ordentlichen Gerichten mit Geldstrafe, an deren Stelle im Nichtzahlungsfalle Haft tritt, geahndet werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 27. November 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. November 1915Die Frage der Krieger-Heimstätten im Liberalen Bürgerverein. Die auf Donnerstag abend in das Hähnchen berufene Versammlung des Liberalen Bürgervereins wurde von dem Vorsitzenden, Herrn Professor Schmidt, mit dem Hinweis eröffnet, daß der Liberale Bürgerverein sich wiederholt schon mit der Frage der Kriegsbeschädigten und ihrer Arbeitsfähigkeit beschäftigt habe und nun eine andere wichtige Zukunftsfrage für unsere Krieger und unser ganzes Volk behandeln wolle: wie den aus dem Felde heimkehrenden Kriegern, auch den gesunden, im deutschen Vaterlande eine glückliche Zukunft bereitet werden könne, so daß sie an dem von ihnen so tapfer verteidigten Vaterlande auch ihre ungetrübte Freude haben könnten. Diese Aufgabe solle durch die Bestrebungen der Kriegerheimstättenbewegung gelöst werden.
   Der Hauptredner des Abends, Herr Pfarrer Strauß, legte sodann in seinem etwa anderthalbstündigen, außerordentlich fesselnden Vortrage die Entwicklung und die Ziele der Heimstättenbewegung dar. Er führte etwa aus: Schon vor Jahresfrist habe ein inzwischen gefallener Krieger in einem Briefe an seine Mutter die Frage aufgeworfen, ob unser gutes tüchtiges deutsches Volk dasselbe wieder erleben solle, wie nach den Freiheitskriegen vor hundert Jahren und nach dem Kriege 1870/71, daß wieder die Familieväter an dem Heimatboden, für den sie kämpften, keinen Anteil haben sollten. Das sei des Deutschen Reiches Schicksalsfrage nach dem Kriege.
   Die Wohnungsnot ergab sich schon vor dem Kriege aus der Ueberfüllung der Wohnungen, die es mit sich bringt, daß viele Personen einer Familie und sehr häufig noch Schlafburschen in kleinen Wohungen von oftmals nur einem Raum zusammengepfercht sind, daß diese Wohnungen unverhältnismäßig teuer sind, so daß gerade die kleinsten Leute ein Viertel bis ein Drittel ihres Jahreseinkommens für Wohnungsmiete ausgeben müssen, aus der berüchtigten Frage nach der Kinderzahl und dem Zusammenwohnen vieler Menschen (in Berlin durchschnittlich 75) in einem Hause. Wohnungsnot entspringt nicht nur aus der Ueberfüllung der Stuben, sondern auch aus der Art des Wohnens. Die Wohnungsnot begünstigt die Seuchen, vor allem die Tuberkulose, sie beeinflußt ungünstig die Kindererziehung, da die Kinder gleichsam auf der Straße aufwachsen müssen, und fördert die Unsittlichkeit. So ist die Wohnungsfrage tatsächlich eine Frage der Gesundheit, Sittlichkeit und Wehrkraft und damit wirklich die Schicksalsfrage des deutschen Volkes nach dem Kriege. (...)
   Durch die Bestrebungen der Heimstätten-Bewegung soll nun den beiden großen Gefahren der Wohnungsnot in den Städten und der Entvölkerung des Landes begegnet werden. Es soll durch Reichsgesetz jedem Krieger ermöglicht werden, eine Heimstätte zu erhalten, die außer dem Wohnhaus einen Nutzgarten, einen gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Betrieb umfaßt. Als bestes Vorbild könnte die Gesetzgebung in Serbien dienen, wo bisher ein Morgen Land für Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie fünf Morgen Ackerland unverkäufliches und unpfändbares Eigentum jeder Bauernfamilie waren. Bei uns in Deutschland müßte geeignete Siedlungsgelände aufgeteilt und jedem Bewerber, in erster Linie den Kriegsbeschädigten sowie den gesunden Kriegern und den Kriegerwitwen, ein Stück überwiesen werden. (...)
Anzeige im General-Anzeiger vom 27. November 1915   Die Kriegerheimstättenbewegung hat im deutschen Volk großen Beifall gefunden. Nachdem auf Anregung Damaschkes und des Bundes der Bodenreformer im März d. J. sich 28 Vereinigungen zusammengeschlossen hatten, gehören jetzt schon dem Hauptausschuß für Kriegerheimstätten 2100 Vereinigungen an, darunter der Reichsverband der deutschen Klein- und Mittelstädte, große wirtschaftliche Verbände wie der Verband der mittleren Post- und Telegraphenbeamten, der Verband evangelischer Arbeitervereine, auch katholische Arbeiterorganisationen, in Bonn die evangelischen Bürgervereine Eintracht und Bonn-Süd. Aerzte, Erzieher und Volkswirte befürworten den Plan aufs Wärmste. Auch von den Kriegern selbst, ihren Angehörigen und den Verwundeten wird er freudigst begrüßt, allerdings hegt man in diesen Kreisen starke Zweifel an der Durchführbarkeit. Aber gerade diese Tatsache, daß die kleinen Leute nicht mehr daran zu glauben wagen, es könnte für sie so etwas geschaffen werden, sollte ein besonderer Ansporn sein. (...)
   Der Vortragende regte dann den Anschluß auch des Liberalen Bürgervereins an die Kriegerheimstättenbewegung an. Auch in Bonn seien die Wohnungsverhältnisse nicht einwandfrei, auch in Bonn sei die Frage nach der Kinderzahl üblich. Daß hier ein dringendes Bedürfnis nach guten Wohnungen bestehe, beweise ja die Bewerberzahl der Gartenstadtgesellschaft. Es gehe aber nicht um Bonn allein, sondern um unser ganzes deutsches Volk. (...)
   Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die sich anschließende Aussprache eröffnete der Vorsitzende, Herr Professor Schmidt, der die Bonner Wohnungsverhältnisse als durchaus nicht rosig bezeichnete. Es herrschten auch hier in ganzen Straßen und Stadtvierteln gesundheitlich traurige Verhältnisse. Wenn, wie er als Schularzt wisse, eine große Anzahl der Bonner Kinder an Blutarmut und Rachitis leide, so liege das zum großen Teil an den kümmerlichen Wohnungsverhältnissen in manchen Teilen der Altstadt. (...)

Das Schauturnen des 25. Bonner Turnlehrerinnen-Kursus, das Donnerstag und Freitag in der Turnhalle der Nordschule stattfand, nahm einen äußerst anregenden Verlauf. Nachmittags um 5 ¼ Uhr traten die Turnerinnen in bequemer, kleidsamer Tracht an, um zunächst Aufstellung zu gemeinsamen Freiübungen zu nehmen. In der Anordnung der in ruhiger, langsamer Bewegung ausgeführten Uebungen fanden die Grundsätze der deutschen und schwedischen Methode Berücksichtigung. Nach einer Laufübung folgte das Geräteturnen. Um einen Wechsel in der Beschäftigung herbeizuführen und den Körper allseitig zu üben, wurden Uebungen an den verschiedenen Geräten vorgenommen. Das mit großer Sicherheit ausgeführte Geräteturnen zeugte von hoher turnerischer Leistungsfähigkeit der Kursistinnen. Den Schluß der Veranstaltung bildete ein reizender und in prächtiger Weise ausgeführter „Schiffertanz“. Die zahlreich erschienenen Zuschauer brachten den gesamten, unter Leitung des Turninspektors Schroeder stehenden Darbietungen ein allseits reges Interesse entgegen und spendeten am Schlusse lebhaften Beifall.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. November 1915Die Stadtverordneten hatten gestern schon wieder mal Gelegenheit, zwei Schenkungen in die Obhut der Stadt zu nehmen. Ein gefallener Bonner Offizier hat im Feldzuge erblindeten Soldaten aus Bonn und in Not geratenen Bonner Familien gefallener Soldaten 3.000 Mark vermacht und ein Kölner Wohltäter die städtischen Armen mit 3.000 Mark bedacht. Den edlen Spendern wurde warmer Dank zuteil. – (...) – Etwas spät zwar, aber doch nicht zu spät, erhält Bonn sein Kriegsmal. Die Versammlung stellte ihm seinen würdigen Münsterplatz zur Verfügung, der, weil er vom Hauptverkehrsstrom umflossen, auch gewiß viele Opferfreudige dem Mal zur Nagelung zuführen wird. Die Petroleumnot hat unserer Gasfabrik so viele Freunde erworben, daß sie ihnen nicht allen Gasmesser zuwenden konnte. Ihr Verbrauch wird mit einer billigen Pauschalsumme, der ein Erfahrungssatz zu Grunde liegt, vergütet, bis wieder Messer zur Verfügung stehen. – Ihr soziales Empfinden bekundeten Verwaltung und Versammlung wieder dadurch, daß sie den städtischen Arbeitern trotz einer im April erfolgten Lohnerhöhung von 10 Prozent jetzt noch wöchentliche Teuerungszulagen zusprachen, die den Stadtsäckel mit der sehr erheblichen Summe von 52.000 Mark jährlich belasten werden. Ein Stadtverordneter schnitt bei dieser Gelegenheit die in allen Zweigen des Baugewerbes herrschende Erwerbslosigkeit an und bat um oberbürgermeisterliche Aufmunterung derjenigen Bürger, die irgendwie Bauhandwerker beschäftigen könnten. – Unserer Freunde im Orient, der tapferen Bulgaren, gedachte die Versammlung, indem sie dem Bulgarischen Roten Kreuz 2.000 Mark überwies.

Verhandlungen der Stadtverordneten am Freitag den 26. November.
(...)
Kartoffelversorgung der Stadt.
Beigeordneter Piehl gab hierzu interessante Aufschlüsse, wie die Stadt der Kartoffelnot entgegen getreten ist. Die Versorgung der Bonner Bürger mit Kartoffeln sei bis zur nächsten Ernte gesichert. In der Zeit vom 8. bis 23. November seien im ganzen 89 Waggons zu 200 Zentner verkauft worden; davon allein im Kleinverkauf 1.606 Zentner, die in Mengen von 10 – 20 Pfund ausgewogen worden sind. 2.472 Familien hatten sich an dem Bezug des zentnerweisen Verkaufs beteiligt, außerdem sieben klinische Anstalten und Truppenverbände. Der Kleinverkauf auf dem Markt und in den Verkaufsstellen in der Stern- und Stockenstraße, der durch die Gartenbauverwaltung und ehrenamtliche Verkäuferinnen geschehe, habe allein 6.077 Zentner umgesetzt. Zu dem höheren Selbstkostenpreis von 4 Mark seien 442 Zentner abgesetzt worden. Arbeiter und Angestellte der Stadt, sowie Angestellte unter 3000 Mark Einkommen hätten 5.100 Zentner abgenommen. Unterstützungsbedürftige und Kriegerfamilien 2.610 Zentner. Als der zentnerweise Verkauf begonnen habe, sei der Kleinverkauf merklich zurück gegangen.
   Der Großverkauf ist nie zum Stocken gekommen. Nur an zwei Tagen im November habe von 10 – ½12 Uhr morgens der Kleinverkauf ausgesetzt werden müssen, weil der Andrang der Käufer gerade um diese Zeit so ungeheuer groß gewesen sei, daß nicht rechtzeitiger Nachschub herangebracht werden konnte. Die Käufer müßten sich mehr dazu herbeilassen, schon am frühen Morgen zum Kartoffelkauf zu kommen.
   Um den Schwierigkeiten im Kleinverkauf noch weiter zu begegnen, wird in der nächsten Woche im Verwaltungsgebäude in Poppelsdorf eine neue Verkaufsstelle eingerichtet und, wenn nötig, werden noch weitere eröffnet. (...)

Bonner Wochenmarkt. Der gestrige Markt war im allgemeinen auffallend schlecht beschickt. Besucht wurden vorwiegend die Reihen der Gemüsebauern. Die Verkäufer klagen in letzter Zeit vielfach über sehr schlechten Verkauf. Viele äußerten sich sogar, daß sie, wenn der Verkauf nicht flotter werde, den Markt den Winter über nicht mehr besuchen wollten. Außer beim städtischen Verkauf waren auch gestern wieder auf dem ganzen Markt keine Kartoffeln zu haben. Dagegen werden jetzt wieder unmittelbar vom Land Kartoffeln an die Verbraucher mit Fuhrwerk ans Haus gebracht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Mehr Druck. Es wird in den allerletzten Tagen vielfach bemerkt, daß in den oberen Etagen der Häuser die Gasbeleuchtung bis abends 8 Uhr so schwach ist, daß es unmöglich ist, bei dem Lichte zu arbeiten oder zu lesen. Erst wenn um 8 Uhr die Geschäfte die Gasbeleuchtung löschen, wird die Beleuchtung eine normale. Um dringende Abhülfe bitten Mehrere Bewohner der Altstadt

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Sonntag, 28. November 1915

   

Feldpostversand von Alkohol. Der Gouverneur der Festung Köln erläßt folgende Bekanntmachung: Ich verbiete die Ausstellung in Schaufenstern und Läden und öffentliche Anpreisung feldpostversandfähiger Pakete und Doppelbriefe mit alkoholischen Getränken oder Essenzen zur Herstellung alkoholischer Getränke, oder die allgemeine öffentliche Anpreisung derartiger Erzeugnisse mit dem Zusatz: „Fürs Feld“ oder „Feldversand“ oder „Für unsere Feldtruppen“ oder mit ähnlichen Wendungen. Zuwiderhandlungen werden auf Grund des § 9 des Belagerungszustandsgesetzes mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, sofern nicht nach den allgemeinen Strafbestimmungen höhere Strafen verwirkt sind.“

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. November 1915Warnung vor einem Sammellisten-Schwindler. Ein angeblich verwundeter Soldat hat in den letzten Tagen in verschiedenen besseren Häusern unter Vorzeigung einer Sammelliste Geldbeträge zu erschwindeln versucht. In der Liste sind bereits verschiedene Beträge in Höhe von 5, 10 und 15 Mark eingetragen. Angeblich soll der Ertrag zur Unterstützung der Hinterbliebenen gefallener Krieger Verwendung finden. Wie durch die hiesige Kriminalpolizei festgestellt worden ist, sind die gezeichneten Beiträge von dem Schwindler gefälscht worden. Es wird ersucht, den jungen Mann, der einen grauen Militärmantel trägt, im Betretungsfalle anzuhalten und die Polizei zu benachrichtigen. Der Schwindler ist etwa 20 Jahre alt und bartlos.

Städtischer Sportplatz (Bonner Eisclub). Mit Herstellung der Eisbahn ist heute begonnen worden. Ob sie indes schon morgen Sonntag (evtl. nachmittags) eröffnet werden kann, hängt davon ab, ob in der kommenden Nacht die Kälte noch erheblich zunimmt.

Höchstpreise. Wie der Vorsitzende der Preisprüfungsstelle Bonn-Stadt in der heutigen Nummer unseres Blattes bekannt macht, ist in den Kreisen der Hersteller und des Handels vielfach die Meinung verbreitet, daß ohne Rücksicht auf ihre wirklichen Kosten immer die festgesetzten Höchstpreise verlangt werden dürfen. Sie sind der Meinung, daß sie dabei unter allen Umständen gegen eine Verfolgung wegen Lebensmittelwuchers geschützt seien. Diese Meinung ist irrig. Die Höchstpreise bedeuten nur, daß zu höheren Preisen nicht verkauft werden darf; sie geben aber kein unbedingtes Recht, zu diesen Höchstpreisen zu verkaufen. Alles Nähere ist aus der Bekanntmachung, die auf Seite 6 abgedruckt ist, zu ersehen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Das außerordentliche Kriegsgericht verkündete heute das Urteil gegen die 32 Angeklagten, die wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Stangenbohnen angeklagt waren. Das Urteil lautete gegen zwei Händler und vier Verkäufer auf Freisprechung, gegen die übrigen auf Gefängnisstrafen von einem Tage bis zu sechs Wochen. Die Händler erhielten 2 Tage bis zu sechs Wochen, die Züchter Strafen von einem bis zu 4 Tagen Gefängnis. Eine Verkäuferin soll für die bedingte Begnadigung vorgeschlagen werden. Das Gericht konnte den Einwand der Angeklagten, daß sie sich für das Fortbringen der Bohnen und die Verpackung eine besondere Entschädigung hätten bezahlen lassen dürfen, nicht gelten lassen, da die Bohnen in allem frei zu liefern waren. Wenn das Gericht das Vergehen der Händler als eine einheitliche Handlung betrachtet, so dient das aber nicht dazu, eine mildere Beurteilung eintreten zu lassen.

Die Zerstörung von Karthago. Die Viktoria-Lichtspiele in der Gangolfstraße haben für die Spielzeit von Samstag bis Montag wieder ein recht reichhaltiges und in jeder Weise gediegenes Programm zusammengestellt. Eine unbestrittene Zugnummer, mit das Beste, was die Lichtspielkunst bis heute aufweisen kann, bildet das gewaltige Schauspiel: Die Zerstörung von Karthago. Mit großem Genuß folgt das Auge des Beschauers den Prachtgemälden dieses Films und mit gespannter Aufmerksamkeit begleitete es die gewaltige Handlung, die sich in den Bildern abspielt. Gerade die Darstellung von weltgeschichtlichen Ereignissen der alten Geschichte sind ein besonders dankbarer Gegenstand der Lichtspielkunst und so kann man erwarten, daß auch dieses Werk wohl die verdiente Anerkennung finden wird.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 29. November 1915

   

Der Zigarren-Abschnitt-Sammelverein wird am Sonntag, den 12. Dezember, seine Weihnachtsfeier im großen Saale des Bonner Bürgervereins veranstalten. Es werden lebende Bilder gestellt werden, und der Münsterchor mit dem Knabenchor wird mitwirken. Der Vorstand hat beschlossen, auch Nichtmitgliedern gegen Bezahlung eines Eintrittsgeldes den Eintritt zu gestatten. Die zur Bescherung kommenden Kinder – 85 Knaben und 45 Mädchen – sind ausgewählt. Denselben ist bereits Maß für die Bekleidungsstücke, welche sie bekommen sollen genommen worden. Es war eine bunte Schar, die zu diesem Zwecke sich eingefunden hatte, und keine kleine Arbeit, diese frohe Gesellschaft im Zaume zu halten. Die Herren des Vorstandes haben noch viel Arbeit zu bewältigen, bis die Vorbereitungen für die Bescherung getroffen sind. Die Hauptsorge ist das Aufbringen der erforderlichen Mittel. Wer das Wirken des Zigarren-Abschnitt-Sammelvereins kennt, der wird aber gerne sein Scherflein diesem guten Zwecke opfern.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. November 1915Spendet Weihnachtsgaben für unsere rheinischen Truppen. Diese Aufforderung gewinnt angesichts des Eintritts bitterer Kälte an ganz besonderer Bedeutung. Unsere Oberste Heeresleitung gibt bekannt, daß unsere heldenmütigen Truppen trotz der schwierigsten Witterungsverhältnisse den serbischen Feldzug in zwei Monaten siegreich unter Erreichung unserer Ziele durchgeführt haben, und sagt unseren Truppen hierfür besondere Anerkennung. Genauso ist das Verhalten unserer Truppen auf den Kriegsschauplätzen im Westen und in Rußland, wo das Eintreten furchtbarer Kälte unsere wackeren Soldaten nicht hindert, nach wie vor treu ihre Pflicht zu erfüllen. Es ist daher unsererseits, die wir hinter der Front uns wohlgeborgen wissen dürfen, jetzt doppelte Pflicht. Unserer Truppen zu Weihnachten zu gedenken.

Sammlungen für Kriegswohlfahrtszwecke. Wer zugunsten von Kriegswohlfahrtszwecken eine öffentliche Sammlung, eine öffentliche Unterhaltung oder Belehrung oder einen öffentlichen Vertrieb von Gegenständen veranstalten will, bedarf hierzu nach der Bundesrats-Verordnung vom 22. Juli 1915, betreffend Regelung der Kriegswohlfahrtspflege, der behördlichen Erlaubnis. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschrift, auch die öffentliche Ankündigung einer derartigen Veranstaltung, bevor die erforderliche Erlaubnis erteilt ist, ist mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder Gefängnisstrafe bis zu drei Monaten bedroht.

Aufnahme des Bestandes an ausländischen Weinen. In der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlichen wir eine Bekanntmachung des Hauptzollamtes Apostelnkloster in Köln, wonach am 1. Dezember d. J. eine Aufnahme des Bestandes an ausländischen Weinen stattfindet. Es ist gleichgültig, ob sich der Wein in Fässern oder Flaschen befindet. Bei Unterlassung der rechtzeitigen Anmeldung tritt Bestrafung ein und außerdem können Vorräte, die verschwiegen werden, für dem Staat verfallen erklärt werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Arndt-Eiche in Eisen. Wir weisen noch mal auf die heute, Montag abend um 8 ½ Uhr im Festsaale des Bonner Bürgervereins stattfindende große Bürgerversammlung hin. Es findet eine Besprechung über die zwecks Errichtung des Bonner Kriegswahrzeichens getroffenen Maßnahmen statt. Herr Oberbürgermeister Spiritus wird persönlich den Vorsitz in der Versammlung führen.
  
Die gesamte Bonner Bürgerschaft, Damen und Herren, ist freundlich zu zahlreichem Besuche der Versammlung, die ohne Verabreichung von Getränken und ohne Eintrittsgeld stattfindet, eingeladen. Hoffentlich wird, wie dies bei früheren Veranstaltungen, z. B. der „Rheinischen Kirmes“ in der Gronau, der Fall war, so auch jetzt bei der Errichtung des Bonner Kriegsmales, die gesamte Bonner Bürgerschaft, jung und alt, hoch und niedrig, in einmütiger Geschlossenheit für die Witwen und Waisen von Bonner Kriegern zusammenstehen.
   Ein zahlreicher Besuch der Versammlung wird eine günstige Vorbedeutung für den Erfolg der „Arndt-Eiche in Eisen“ sein.
   Die Vorarbeiten zur Aufstellung des Kriegswahrzeichens für Bonn, die vom hiesigen Architekten- und Ingenieurs-Verein ausgeführt werden, haben auf dem Münsterplatz begonnen. Der Bauzaun wurde am Samstag errichtet.

Mitbürger!
Spendet Weihnachtsgaben für unsere rheinischen Truppen.
Rund 12.000 Sendungen sind anzufertigen. Nur wenn die gesamte Bürgerschaft sich einmütig dessen bewußt ist, was sie unseren braven Truppen schuldet, kann diese Aufgabe zur Ehre unserer Stadt gelöst werden. Die Sammelstelle der Vaterländischen Vereinigungen Münsterplatz 1-3 in der Rhein.-Westf. Diskonto-Gesellschaft nimmt Geldspenden und Pfefferkuchen, Zigarren, Zigaretten, Tabak, Zucker, Schokolade, Stearin-Kerzen, Wäsche, Taschentücher, Strümpfe, Hosenträger, Bücher, Handschuhe, Feuerzeuge usw. entgegen. Eile tut not, denn bereits Ende d. M. müssen die Sendungen nach dem Felde abgehen, und die Arbeit ist eine große. Rheinländer! Gebt freudig und schnell, jeder nach seinen Kräften!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 30. November 1915

   

„Arndt-Eiche in Eisen“. Zur Besprechung des geplanten Bonner Kriegsmals „Arndt-Eiche in Eisen“ hatte sich gestern abend eine größere Anzahl von Bürgerinnen und Bürgern im Bonner Bürgerverein versammelt. Herr Oberbürgermeister Spiritus, der die Versammlung leitete, begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Auch Bonn solle ein Kriegswahr­zeichen erhalten als eine Ehrenchronik für spätere Zeiten, daß in dem gegenwärtigen großen Ringen auch die Bürgerschaft daheim nicht zurückgestanden sei, wo es dem Vaterl­and zu dienen galt. Die Bonner Bürgerschaft habe bisher nicht versagt, wo es galt, die Lei­den des Krieges lindern zu helfen, sie habe im Gegenteil in allen ihren Schichten größ­te Opferfreudigkeit bekundet. So werde auch die Bitte, das zu errichtende Kriegswahrzei­chen fleißig zu nageln und dadurch neue Mittel für die Kriegswohlfahrtspflege, besonders auch für die Witwen und Waisen gefallener Krieger aufzubringen, hoffentlich nicht vergeb­lich sein.
   Darauf nahm Herr Rechtsanwalt Dr. Schumacher das Wort, um die Bedeutung und den Zweck der Kriegswahrzeichen, besonders auch des Bonner Kriegsmals, darzulegen. Sie sollen Erinnerungszeichen an die große Zeit und an die gefallenen Krieger sein, sollen aber auch auf eigenartige Weise weitere Mittel für vaterländische Wohlfahrtszwecke be­schaffen. Der Gedanke stammt aus Wien, dessen altes Wahrzeichen, der „Stock von Ei­sen“ durch Einschlagen unzähliger Nägel in einen Baumstamm schließlich zu einer „eiser­nen“ Säule wurde. Zahlreich sind die zu Benagelung aufgestellten Gegenstände, verschie­den an Be­deutung und künstlerischer Gestaltung. Als Mittelpunkt des Bonner Wahrzei­chens hat man eine Persönlichkeit zum Mittelpunkt nehmen wollen, die sowohl ortsge­schichtlichen Wert, als auch über Bonn hinaus einen guten Klang und insbesondere in der jetzigen großen Zeit ein weitgehendes Interesse beanspruchen darf. Als geeignetste Per­sönlichkeit erschien Ernst Moritz Arndt, dessen Bedeutung für unser deutsches Volksleben und im besonderen für Bonn der Redner ausführlicher darlegte. Dem Stifter des Wahrzei­chens, Herr Kommerzi­enrat Soennecken, müsse man für den Gedanken der Arndt-Eiche, dem Künstler, Herrn Bildhauer Karl Menser, für die kunstvolle Ausgestaltung des Gedan­kens dankbaren Beifall zollen. (Eine Beschreibung des geplanten Kriegsmals, die der Red­ner dann gab, haben wir schon gebracht.) Durch Einschlagen von Nägeln, deren Köpfe mit Buchstaben versehen sind, und durch Zusammenstellen dieser Buchstaben zu Namen können der eigene Name oder die Namen gefallener Freunde und Vereinsmitglieder für alle Zeit eingegraben werden. Die Nagelung selbst, deren geringster Betrag 1 M., für Kin­der 50 Pfg. beträgt, soll nach ei­nem bestimmten Plan erfolgen. Bei der Zahlung wird eine künstlerisch ausgeführte Erinne­rungsurkunde übergeben werden, auf deren abtrennbaren Abschnitt der Name des Nageln­den zur Eintragung in das „Eiserne Kriegsbuch“ der Stadt Bonn vermerkt und den Auf­sichtspersonen übergeben wird. Auch das Sammeln von Gold­münzen wird voraussichtlich durch besondere Erinnerungszeichen gefördert werden. An­sichtskarten mit der Abbildung des Kriegsmals und einem Gedicht Rudolf Herzogs sol­len die die Kunde von unserer Arndt-Eiche auch außerhalb Bonns verbreiten. So soll das Bonner Kriegswahrzeichen der Kriegswohlfahrtspflege und auch der Fürsorge für die Wit­wen und Waisen von Bonner Krie­gern dienen und dazu beitragen, daß die Bonner Bürger­schaft auch auf diese Weise die Dankesschuld mit abträgt, die ganz Deutschland seinen tapferen Kriegern schuldet. Der Schwur: „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“ soll an der Bonner Arndt-Eiche durch Hand- und Hammerschlag bekräf­tigt werden. Der Redner schloß: Wie sich die Bonner Bürgerschaft früher bei fröhlichen An­lässen, z.B. bei der Rheinischen Kirmes und bei den Rheinischen Historischen Festspie­len, in friedli­chem Wettbewerb zu vaterstädti­schem Tun vereinte, so werde sie sich auch jetzt zu den höheren und hehreren Zwecken des vaterländischen Opfersinns und der Nächstenliebe einmütig um die Arndt-Eiche in Ei­sen scharen.
   Die Versammlung bekundete ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Redners durch lebhaften Beifall. Da sich niemand mehr zum Wort meldete, schloß Oberbürgermeister Spi­ritus die Versammlung mit der Bitte an alle Bürger und Bürgerinnen, dafür zu sorgen, daß das geplante vaterländische Werk reichen Erfolg haben werde.

Das Metropoltheater kündigt in dem neuen Spielplan außer den übrigen Neuheiten den Lustspielfilm „Ein brauner Lappen“ an. Bei der Vorführung des Films werden die Hauptdarsteller persönlich anwesend sein.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Glatteis! Glatteis im wahren Sinne des Wortes „regnete“ es gestern. Ein, zwei Frostnächte, dazwischen ein eisiger Wintertag, mit Temperaturen von 10 Grad unter Null, sie hatten den Boden, die Häuser, Bäume, kurz alles was draußen ist, mit in die Tiefe der Kälte gezogen. Nun ein Wetterumschlag von unerhörter Plötzlichkeit. Kaum daß der Tauwind aus Süden zu wehen begonnen, setzte auch schon Regen ein. Das war gestern mittag. Die Wirkung war verblüffend. Im Augenblick waren alle Bürgersteige, die Straßen, die Zweige an den Bäumen, die Leitungsdrähte, kurz alles, was mit den tiefen Temperaturen gegangen, mit einer Eisdecke überzogen. Die Folgen waren toll. Die Straßen waren kaum zu begehen und zu befahren. Die Menschen führten die neuesten Eiertänze auf ihren Wegen auf und stürzten trotzdem. Die Zugtiere tasteten sich unbeholfen weiter; trotz aller Mühe ihrer Lenker stürzten viele. Die Radfahrer traten wie toll und mußten trotzdem sehen, daß die Hinterräder nicht mehr die nötige Reibung auf der glatten Eisfläche hatten. Sie lachten, als das Ding stehen blieb; aber sie stürzten trotzdem. Hunde, die sich auf das Glatteis gewagt, torkelten hin und her, glotzten dumm um sich und wälzten sich am Boden. Unsere braven Straßenbahnen wollten nicht vom Fleck, alle Kraft und Mühe waren umsonst; diesem Glatteis waren auch sie nicht recht gewachsen. Alle Anerkennung; unter ungeheuren Schwierigkeiten brachten sie die Wagen fort. Wo nur die Straßenzüge geringe Steigung hatten, auf unserer Rheinbrücke, auf der Viktoriabrücke lag bald jeder Verkehr still, bis Sand und Asche die Glätte gemildert.
   Dabei richteten Sand und Asche noch nicht einmal viel aus. Immer wieder deckten sie sich mit gleitendem Eis; aller Regen, der den ganzen Nachmittag sanft hernieder rieselte, verwandelte sich, auf der Erde angekommen, sofort in Eis. Der Verkehr ging noch da am besten, wo starker Verkehr fortwährend die Eisschichten brach und so ein rauhes Eisgeschräppel schuf.
   Bäume und Häuser und Drähte hatten sich mit Eiskrusten überzogen. Das glänzte alles wie der schönste Weihnachtsbaum und von unten spiegelten sich die Straßen im blankesten Eisspiegel bis tief in die Nacht. Dabei klirrten und sangen die eisgepanzerten Zweige, wenn der Wind oder zeitweise der Sturm durch sie fuhr, in seltsamer Musik.
   Die Nacht ging der Regen und das laue Tauwetter weiter und heute morgen ist der Frost so weit aus der Erde gezogen, daß die fortwährende Eisbildung etwas nachgelassen hat.

Liebesgaben. Bürgermeister Breuer aus Beuel veröffentlicht in der heutigen Nummer unseres Blattes einen Aufruf an alle Einwohner der Bürgermeisterei Vilich. Es wird beabsichtigt, zu Weihnachten etwa 2000 Pakete mit Liebesgaben an jeden Soldaten aus der Gemeinde Vilich ins Feld zu senden. Um die nötigen Mittel zu beschaffen, soll in den nächsten Tagen eine Geldsammlung durch Damen aus der Bürgermeisterei veranstaltet werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Lichtbilder-Vortrag. Die hiesige Ortsgruppe des Westerwaldklubs veranstaltete am Freitag abend einen Lichtbilder-Abend, der sich großen Besuchs zu erfreuen hatte. Herr Schröder schilderte in wohlgelungener Weise die heißumstrittenen Stätten des österreichisch-italienischen Kriegsschauplatzes, führte in prächtigen Lichtbildern das Kampfgebiet vor Augen und wies auf dessen landschaftliche Schönheiten hin. Die vorgeführten Bilder zeichneten sich durch besondere Klarheit aus und fanden allseitiges Interesse. Reicher Beifall lohnte daher den Vortragenden. Es wäre zu begrüßen, wenn dieser sehr zeitgemäße Lichtbildervortrag einmal öffentlich einem größeren Kreise zugängig gemacht würde. Anschließend an diesen ersten Vortrag führte Landschaftsphotograph Groß die aufmerksamen Hörer zu einigen der schönsten Plätze im Westerwald. Nur einige Naturaufnahmen zeigte Herr Groß auf der Leinwand, darunter befanden sich eine Anzahl Gruppenaufnahmen, die gelegentlich früherer Wanderungen angefertigt wurden. Manchen der Anwesenden, die sich hier auf der Platte sahen, war dies eine angenehme Erinnerung von im Westewald erlebter fröhlicher Stunden.

Aschestreuen! Bei dem herrschenden Glatteis seien die Hauseigentümer oder die im Erdgeschoss wohnenden Anmieter an ihre Pflicht Asche zu streuen erinnert.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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