Bonn 1914-1918
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    • Liebesgabenfahrten 1914
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    • Die letzten Monate
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Freitag, 26. März 1915  

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. März 1915Der Deutsche Industrieschutzverband, Sitz Dresden, hat eine Stelle zur Unterbringung von Kriegsinvaliden errichtet. Aus den Kreisen seiner über 5.300 Mitgliedsbetriebe liegt eine große Anzahl von Angeboten freier Stellen vor. Die Arbeit suchenden Invaliden werden aufgefordert, sich an den Deutschen Industrieschutzverband, Dresden-A., Sidonienstraße 25, 1. Etg., zu wenden. Auch können Nichtmitglieder des Verbandes, die Kriegsinvaliden in ihre Betriebe aufnehmen wollen, dies dort melden. Die Vermittlung ist völlig kostenlos.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Die Goldsammlung des Kgl. Gymnasiums, die heute vor einem Monat begann, hat bis jetzt 86000 Mk. eingebracht. Die Schüler hatten deshalb gestern einen freien Tag.

Das Kriegsgericht verhandelte gestern in mehreren Fällen wegen unerlaubter Entfernung. Angeklagt waren u.a. einige polnische Arbeiter und Arbeiterinnen, die ohne polizeiliche Erlaubnis ihren Aufenthaltsort verlassen hatten. Das Gericht erkannte auf Gefängnisstrafen von 3 – 4 Tagen.

Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. März 1915In einer Bismarck-Gedenkfeier, die gestern abend im Bürgerverein stattfand, (sie war nicht sehr gut besucht) sprach der Bismarckdichter Max Bewer von „persönlichen Erinnerungen“ an den Eisernen Kanzler Anzeige im General-Anzeiger vom 26. März 1915während dessen Aufenthalt in Friedrichsruh. Er sprach, ohne viel Neues zu sagen, mit Wärme und Begeisterung von Otto von Bismarck, rühmte vor allem seinen, auf dem Fundament eines unerschütterlich starken Glaubens an das Christentum beruhenden Nationalliberalismus und stellte diesen dem christentumsfeindlichen internationalen Sozialismus gegenüber. Frau Auguste Thiery, die man in diesem Winter als Rezitatorin in Wohltätigkeitsveranstaltungen schätzen gelernt hat, trug Bismarckgedichte von Fontane und Max Bewer vor. Frl. Henny Wolff sang mehrere Lieder, zu denen sie von Herrn Musikdirektor Heinrich Sauer auf dem Flügel begleitet wurde. Das Publikum spendete starken Beifall.

Sanitätshunde. Der Deutsche Verein für Sanitätshunde in Oldenburg hat die hiesige Meldestelle angewiesen baldmöglichst noch weitere 20 Führer und Hunde auszubilden. Militärfreie oder landsturmpflichtige Herren, die sich diesem Dienste widmen wollen, können sofort eintreten. Meldung bei dem Leiter der Meldestelle Herrn Polizei-Kommissar Flaccus, Kirsch-Allee 23 wohnhaft. Die Sanitätshundführer werden unter Berücksichtigung früher erlangter Dienstgrade, als aktive Soldaten bei einer Sanitätskompagnie eingestellt. Sie werden, soweit erforderlich, bei der Meldestelle auch schon militärisch ausgebildet. Die Angehörigen derselben haben daher dieselben Ansprüche wie alle übrigen Militärpersonen. Der Bedarf an Hunden ist vorläufig gedeckt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 27. März 1915  

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. März 1915Kaiser-Wilhelm-Spende deutscher Frauen. Der Gedanke, dem Kaiser in dieser für ihn so schweren Zeit eine mit einer Huldigungsschrift verbundene Spende zu überreichen, hat in den weitesten Kreisen der deutschen Frauenwelt festen Boden gefaßt. Es entspricht offenbar einem Herzensbedürfnis der Frauen, gerade jetzt dem Kaiser eine Freude zu machen. Es ist zwar schon viel gesammelt worden, aber der Krieg erfordert ja auch immer neue Opfer. Und es ist den Frauen, die oft nicht recht wissen, zu welcher der vielen Sammlungen sie beisteuern sollen, äußerst sympathisch, dem Kaiser die Verteilung ihrer Spenden zu überlassen, da sie mit Recht annehmen, daß er am besten wissen wird, wo es am nötigsten ist. So wird die Kaiserspende zu einer Zentralsammelstelle für die deutsche Frauenwelt. In vielen größeren Orten und in den meisten Landkreisen haben sich bereits örtliche Ausschüsse gebildet, welche die Sammlung der Namen und Spenden in die Hand genommen haben. Auch in Süddeutschland gewinnt der Gedanke immer mehr Boden, und dort ist eine feste Organisation im Werden. Schon jetzt sind – fast nur aus kleineren Orten – bereits bedeutende Summen eingegangen, so daß die Spende u. a. in der Lage war, sich mit 150.000 M. an der Zeichnung der Kriegsanleihe zu beteiligen. Nähere Auskunft über die Spende und über die Ortausschüsse erteilt die Hauptgeschäftsstelle Berlin-Zehlendorf, Gymnasium.

Tätigkeit unserer Verwundeten. Womit sich unsere braven Verwundeten beschäftigen, zeigt eine reizende Schnitzarbeit, in Form eines Bilderrahmens, welche von Verwundeten des hiesigen Johannis-Hospitals aus Linoleum, das die Firma den Verwundeten zur Verfügung gestellt hatte, sehr sauber und geschmackvoll hergestellt wurde. In einem Schreiben, unterzeichnet von mehreren Verwundeten, danken diese der Firma für die freundliche Überlassung des Linoleums. Der geschnitzte Rahmen ist ausgestellt im Schaufenster der Bonner Tapeten-Manufaktur A. Schleu, Münsterplatz 19.

Abgabe von Waldstreu während des Krieges. Die von der Kgl. Regierung in Köln, durch Erlaß des Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 24. August 1914 erteilte Ermächtigung, den Anwohnern des Waldes zur Erleichterung der Viehhaltung während des Krieges Waldstreu aus den Staatsforsten abzugeben, ist auf die Abgabe von Torfstreu ausgedehnt worden. Ferner ist die Kgl. Regierung zur Abgabe von Waldstreu aller Art an Gärtner und Gärtnereibetriebe als Ersatz für Pferdedünger zum Packen von Frühbeeten für Gemüseaussaat usw. ermächtigt worden. In der Regel sind für diese Streuabgaben an Gärtner und Gärtnereibesitzer die vollen Taxsätze zu entrichten; bei vorliegender Bedürftigkeit kann aber zur Zeit der Abgabezins auf ½ der Taxe – zuzüglich der von der Verwaltung etwa aufgewendeten Werbungskosten – ermäßigt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. März 1915Bonner Soziale Wohlfahrtsvereinigung. In der letzten ordentlichen Hauptversammlung erstattete der Vorsitzende, Bankdirektor Steinberg, den Jahresbericht. Daraus ging hervor, daß die Städt. Volksunterhaltungsabende gut besucht waren und die wissenschaftliche Volksbibliothek beträchtlich erweitert wurde. Seit Kriegsbeginn sind fünf vaterländische Volksabende veranstaltet worden. Weitere Abende mußten wegen der hohen Kosten unterbleiben. Das Speisehaus für weibliche Personen wird täglich von etwa 100 bis 120 Personen besucht, ein Beweis, daß die Besucher mit der Küche zufrieden sind. Auch das Volksheim erfreut sich eines regen Besuchs. Die Abgabe billiger Nahrungsmittel, insbesondere von Pflaumenmus, Obst, Kunsthonig und Roggenzuckerbrot hat lebhaften Anklang gefunden. Aus finanziellen Gründen ist das Volksheim von der Vereinigung abgezweigt und als besonderer Verein „Bonner Volksheim“ gegründet worden. Gerichtsassessor Küppers berichtete über die Rechtsauskunftstelle für Männer. Im Laufe des Jahres sind 561 Ratsuchende erschienen, denen in 648 Sachen 1014 Auskünfte erteilt oder Hilfe gewährt wurde. Die Stadt unterstützt die Auskunftstelle mit einem jährlichen Betrag Anzeige im General-Anzeiger vom 27. März 1915von 300 Mk. Im Anschluß hieran berichtete Justizrat Meyer, daß die Stadt in Gemeinschaft mit den Rechtsauskunftstellen ein Miet-Einigungsamt eingerichtet habe, dessen Leitung ihm übertragen sei. Der Wohlfahrtsvereinigung wurde für ihre Kriegshilfe 2000 Mk. zur Verfügung gestellt, Anstelle von fünf ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern wurden Prof. Dr. Sadóe, Dr. Schaffnit, Privatdozent Dr. Coenders, Lic. Weber und Rektor Dicke gewählt. Die übrigen Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. Aus dem Vermögen der Vereinigung sollen weitere 500 Mk. dem Volksheim bewilligt werden. Demnächst sollen im Volksheim Zusammenkünfte stattfinden zur Aussprache über wichtige Fragen. Lic. Weber wird am ersten dieser Abende über die Beschäftigung Verwundeter in den Lazaretten sprechen.

Fleißige Goldsammlerinnen. Noch in den letzten Wochen haben die Schülerinnen des Drammer’schen Lyzeums wiederum 11.700 Mk. Gold gesammelt, so daß ihnen noch ein schulfreier Tag am Montag beschieden sein wird. Im ganzen sammelte die Anstalt 21.700 Mark Goldgeld.

Die Neun-Milliarden-Anleihe würde in Tausendmarkscheinen aufeinandergelegt eine Säule von 900 Metern Höhe ergeben; in Zwanzigmarkstücken würde sie 360 Doppelwaggons füllen, was einem Güterzug von 3 ½ Kilometer Länge entspricht.

Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. März 1915Schlagsahne. Es tut einem in der Seele weh, zu hören, wie die armen Leute klagen, daß sie bei den hohen Lebensmittelpreisen nicht wissen, wie sie die Ihrigen sättigen sollen, wenn man dabei sieht, wie sich in den Konditoreien die Menschen drängen, um Kuchen zu essen und Berge von Schlagsahne zu vertilgen. Dabei wird noch die Besorgnis laut, daß Milch und Butter teurer werden. Der Gedanke drängt sich auf, ob nicht von der Milch, die sich im Handel befindet und oft so fettarm ist, ein Teil der Sahne abgenommen wurde. Wie wäre es sonst zu verstehen, daß der Preis für Milch und Vollmilch verschieden und Vollmilch auch bedeutend besser ist. Alle Milch, die im Handel ist, sollte Vollmilch sein und es müßte dafür gesorgt werden, daß diese Nahrungsmittel in voller Güte und in reichlichem Maße dem Volke zum alten Preise erhalten bliebe. An Milch kann ja kein Mangel sein, nachdem die großen Mengen frei wurden, die früher zum Weißbrotbacken verwendet worden sind. Die Konditoreien haben den Beweis erbracht, daß auch sie jetzt noch imstande sind, wohlschmeckenden Kuchen zu bereiten. Am Kuchen sollten sich die Leckermäuler aber genügen lassen und die Sahne, die zur Schlagsahne verarbeitet wird, der Volksernährung nicht entziehen. H.H.

Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Eine große Wehrbund-Übung im Siebengebirge. Der Düsseldorfer Wehrbund veranstaltet am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag mit seinen sämtlichen Kompagnien unter Leitung des Bezirkskommandeurs von Düsseldorf eine zweitägige Geländeübung im Siebengebirge. Die Wehrbundkompagnien aus Bonn, Godesberg, Oberkassel, Königswinter werden zu gegebener Zeit als Verstärkungen dieser Uebungen eingesetzt werden. Die Bonner Abteilungen, die vom Königlichen Gymnasium und von der Realschule gestellt werden, nehmen bereits am Samstag nachmittag teil. Die übrigen Abteilungen des Bonner Wehrbundes treten Sonntagmorgen um halb acht in der Doetschstraße an. Sie werden von Beuel aus mit der Bahn nach Königswinter befördert, wo sie weiterer Anordnung gewärtig bleiben. Die Kritik der Uebung findet in Honnef statt.

Stückgutverkehr. Die durch den Krieg herbeigeführte Beschränkung der Entladeverhältnisse haben eine Ansammlung von Güterwagen im hiesigen Bahnhofe bewirkt, die der Entladung harren. Um Verkehrsstockung zu vermeiden werden am Sonntag den 28. März die Güter wie an Wochentagen zugestellt. Da Sonntag freier Geschäftsverkehr ist, wird die Ablieferung der Güter ohne Schwierigkeiten möglich sein, indessen wird auch das Privatpublikum im Interesse ungehinderten Verkehrs hiervon in Kenntnis gesetzt.

 (Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 27. März 1915Ein „Bismarck-Gedenk-Abend“
vereinigte einen mittelgroßen Hörerkreis am vergangenen Donnerstage im großen Saale des Bonner Bürger-Vereins. Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete die Festrede, die „nach persönlichen Erinnerungen in Friedrichsruh“ über „Bismarcks Geist in der Zukunft“ der Bismarckverehrer Max Bewer aus Dresden-Laubegast hielt. Für Bewer ist Bismarck Mittelpunkt der Weltanschauung; nach ihm orientiert er sich nicht allein in politischer und sozialer, sondern auch in ethischer und religiöser Hinsicht. Obgleich Bewer versprach, seine Rede in der Zeit des Burgfriedens nicht zu einer politischen werden zu lassen, obwohl er Worte höchster Anerkennung für unseren Kaiser fand, dessen berühmtes Wort dem Streite der Parteien Einhalt gebot, war seine Rede doch durchsetzt von Spitzen gegen Gesinnungsfremde, und es fehlte nicht einmal an persönlichen Angriffen. Um nicht in einen ähnlichen Fehler zu verfallen, muß ich mir jede Beurteilung der Rede versagen und mich auf einige tatsächliche Feststellungen beschränken. Bewer sprach von „Nietzsche, Napoleon und anderen überflüssigen Gestalten“, Ludwig Frank erschien ihm „wie ein dürres Blatt, das der Wind aufgewirbelt hat“, und soziale Pastoren, wie Paul Göhre – wenn ich mich nicht irre, steht er als Kriegsfreiwilliger unter Waffen -, den bekannten Verfasser der Bücher „Drei Monate Fabrikarbeiter und Handwerksbursche“ und „Lebensgeschichte eines modernen Fabrikarbeiters“, bringt der „Sozialaristokrat“ Max Bewer mit „theologischem Sansculottentum“ in Zusammenhang.
   Einige Dichtungen Bewers, denen künstlerischer Wert nicht abging, trug Frau Auguste Thiery zwar ungekünstelt, aber ohne innere Anteilnahme und technisch keineswegs vollendet vor. Dagegen verdienen die Leistungen Hanny Wolfs, die an Stelle des zum Militär einberufenen Dr. J. M. Verweyen mit wohltönender Stimme verschiedene Lieder sang, uneingeschränktes Lob.
Z.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Sonntag, 28. März 1915  

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1915Osterliebesgaben. In einem Aufruf im Anzeigenteile unserer heutigen Nummer wird die Bonner Bürgerschaft gebeten, ihren bewährten Opfersinn auch darin zu zeigen, daß sie unseren braven Bonner Regimentern zu Ostern zahlreiche Liebesgaben spendet. Wir sind der festen Zuversicht, daß die Vaterländischen Vereine, die den Aufruf erlassen, nicht vergebens bitten werden, daß alle nach ihren Kräften dazu beitragen werden, unseren tapferen Soldaten eine Osterfreude zu bereiten.

Mehr als genug Wollsocken! Dem Vernehmen nach werden im Wege der Heimstrickerei noch große Mengen Wollsocken für das Heer gefertigt. Der Bedarf an solchen Socken ist indes laut Mitteilung des Kriegsministeriums auf absehbare Zeit überreichlich gedeckt, da sowohl bei den betreffenden militärischen Dienststellen, als auch im Handel große Vorräte lagern. Es erscheint deshalb wünschenswert, die Herstellung von Wollsocken für das Heer bis auf weiteres einzustellen, und die Wolle für andere Verwendung verfügbar zu machen.

Die Kriegspflichten der Hausfrau, der von Frau Edith Schumacher, geb. Zitelmann, zum Besten des Bonner Säuglingsheims gehaltene Vortrag ist soeben im Bonner Verlag der Deutschen Vereinigung in Druck erschienen und kann durch den Buchhandel zu dem billigen Preise von 30 Pfg. (10 Stück 2,50 M., 100 Stück 20,50 M.) bezogen werden. Wir machen auf die nützlichen und beherzigenswerten Anregungen des Vortrages nochmals aufmerksam. Die Ratschläge und Hinweise, die von Frau Edith Schumacher gegeben werden, sind wie ein Katechismus der Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1915Hausfrauenpflichten in ernster Zeit. Sie sollten von jeder Hausfrau gelesen, bedacht und befolgt werden, die mitwirken will im Kampf gegen Gedankenlosigkeit und Bequemlichkeit.

Kriegsbilder aus dem Osten. Das städtische Verkehrsamt hat den Vertrieb einer Postkartenreihe mit sechs Aufnahmen vom östlichen Kriegsschauplatz übernommen. Die Postkarten, deren interessante Bilder durch klaren und schönen Druck ausgezeichnet sind, können im Verkehrsamt (Poststraße) sowie an den Konzertkassen in der Stadthalle zum Preis von 1 Mark gekauft werden. Da der Reinertrag für unsere im Osten kämpfenden Truppen bestimmt ist, sei hier besonders auf diese Postkarten hingewiesen.

 (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Erhebung der Anleihescheine. Obgleich nächste Woche der erste Zinsschein der vorigjährigen Kriegsanleihe fällig wird (auch schon vorher eingelöst werden kann), zögern viele Zeichner mit Erhebung ihrer Anleihescheine. Wie wiederholt im Inseratenteil, so wird hiermit auch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß die Anleihescheine erster Ausgabe an den Zeichnungsstellen zum Abholen bereit liegen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 28. März 1915Wegen der Hühner waren zwei Einwohner aus Pützchen in Feindschaft geraten. Beide erfreuen sich des Besitzes eines Hühnerstalles. Die Hühner des einen flogen nun auf das Grundstück des anderen und umgekehrt. Hier wie dort erfolgte Strafanzeige. Am 9. Januar wurde ein Hühnerbesitzer vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 1 Mk. verurteilt. Gegen diese Strafe legte der Verurteilte Berufung ein. Gestern behauptete er vor der Strafkammer, es handele sich um einen Racheakt, seine Hühner hätten nie den umfriedeten Hof verlassen. Das Gericht nahm an, daß die Hühner recht wohl auf das benachbarte Grundstück hätten fliegen können, und da dies auch von der Gegenseite bestätigt wurde, wurde die Berufung verworfen.

Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. März 1915Die Tennishöfe auf dem städtischen Sportplatz an der Reuterstraße sind spielbereit.

Eine Aussprache über die Ergebnisse der Nachforschungen nach Kriegsgefangenen findet wieder am Montag abend 8½ bei Lücking am Weiher statt.

Gegen das Branntweintrinken. Das Stellvertretende Generalkommando des 8. Armeekorps hat für den Bezirk des Korps jeden Ausschank von Trinkbranntwein sowie von Getränken, die aus Branntwein gemischt sind, an Samstagen, Sonntagen, Montagen, Feiertagen und dem auf sie folgende Wochentage verboten. An den übrigen Tagen ist der Ausschank nur von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends gestattet. Er darf nur zum sofortigen Genuß auf der Stelle, nur gegen Barzahlung und nicht durch Automaten erfolgen. Die Ortspolizeibehörden können den Ausschank einzelnen größeren Gasthöfen und Wirtschaften, insbesondere Bahnhofswirtschaften, ausnahmsweise auch an den Tagen und zu den Stunden, an denen er sonst nach dieser Verordnung verboten ist, gestatten. Der sonstige Verkauf von Trinkbranntwein, Weingeist, Sprit, Rum, Kognak, Arrak, Likör u. dgl. ist mit wenigen bestimmten Ausnahmen verboten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 Montag, 29. März 1915  

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. März 1915Der Palmsonntag, von dem man sonst erwartet, daß er ein warmer Frühlingssonntag ist, brachte gestern trotz des Sonnenscheins einen frischen Ostwind. Spaziergänger sah man nur wenige draußen. Die Stadt selbst bot auch nicht das lebhafte Bild, wie es in früheren Jahren der für die Geschäftsleute freie Sonntag mit sich brachte.

Die als Sanitätsmannschaften unter Vorbehalt entlassenen medizinischen Studierenden können nach dem Bestehen der ärztlichen Vorprüfung und nach dem Besuch von zwei klinischen Semestern auf ihren Antrag für den Mobilmachungsfall in Stellen von Unterärzten verwendet werden.

Rhabarberblätter als Gemüse. Aus dem Felde wird uns folgendes Rezept zugesandt: Es wird nur wenigen Hausfrauen bekannt sein, daß die Rhabarberstaude nicht nur die fleischigen Stiele als wohlschmeckenden, gesunden Nachtisch liefert, sonders daß auch die großen Blätter, nach der Entfernung der Rippen, wie Spinat gekocht, ein wohlschmeckendes Gemüse geben. Da in dieser Zeit alles nach Möglichkeit verwendet werden muß, sollte jede Hausfrau die sehr ergiebigen Rhabarberblätter in der angegebenen Weise verwenden.

 (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Deutsche Frühlingsmode
Das „Los von Paris" ist namentlich in der Mode zum Schlagwort geworden. In einer französi­chen Zeitung erschien vor kurzem ein Bild, auf dem unter dem Titel: „Dank dem aufgeklärten Patriotismus seiner Eleganten hat Deutschland endlich eine selbständige Mode ganz allein für sich geschaffen", grotesk-komische Damen in Uniformen und mit Helmen, Federbüschen und Stulpenstiefeln einherspazieren. Jawohl, Deutschland hat sich auch eine selbständige Mode, eine Mode ganz allein für sich zurecht gemacht, aber keine häßliche, unkleidsame und lächerliche, sondern eine sehr reizvolle, ansprechende und elegante.
   Den ganzen Winter hindurch haben die Damen mit großer Selbstverleugnung ihre Mußestun­den dem Anfertigen von Halstüchern, Pulswärmern und Westen gewidmet und seit 8 Mona­ten freiwillig auf alle Vergnügungen seligen Angedenkens verzichtet, um nur von den drau­ßen im Felde Stehenden zu sprechen und für sie zu arbeiten. Die Anzeige im General-Anzeiger vom 29. März 1915feinen Finger strickten und häkel­ten und dienten auf diese Weise dem Vaterlande. Das verdient doch eine Belohnung: Und der Frühling bringt sie. Die Freuen zeigen wieder ein ganz klein wenig Freude am hüb­schen An­ziehen. Schon sieht man überall auf den Verkaufstischen und bei den Schneiderin­nen die leichten Leinen, Batiste und feinen Spitzen liegen, und bei den Putzmacherinnen weiden sich die Augen an den blumenbesetzten Hüten. Wir werden eine neue, eine deutsche Mode in diesem Sommer bekommen. Vielleicht eine Schützengrabenmode? Ach nein! Aber beinahe könnte man es glauben, so kurz sind die Röcke und so hoch die Stiefel! Aber die Mode ist es sich schuldig, jede schmerzhafte Erinnerung aus ihrem Gesichtskreis zu verban­nen! Heute kämpfen wir noch, aber morgen rufen wir: „Sieg!"
   Die Kleider sind reizend und eigenartig mit ihren weiten Röcken, die die engen winterlichen verdrängt haben, ohne sich aber deswegen bis zur Krinoline zu versteigen. Immerhin haben manchen den liebenswürdigen Umfang von 4 bis 41/2 Metern. Die einen verlegen ihre Weite – Bäuerinnenröcken ähnlich – um die Taille herum, andere sichern sie sich durch mehr oder weniger breite Falten. Es gibt auch solche, bei denen die Weite von einem um den Oberkör­per fest herumgelegten Mieder ausgeht. Manche sind gerade, andere schräg geschnitten, was ihnen gestattet, tütenförmige Falten zu bilden, die zusammen mit Volants die größten Triumphe davontragen. Fast alle beschließen jedoch ihre Laufbahn dort, wo der hohe Stiefel die seinige beginnt.
   Dagegen verlängern sich die Aermel zusehends und fallen graziös auf die Hände herab. Die meisten Blusen lassen die Körperformen vorteilhaft zur Geltung kommen, manche ha­ben Kragen, andere jedoch bleiben dem dreieckigen Halsausschnitt getreu.
    Um die Harmonie dieser weiten, kurzen Kleider zu vervollständigen, werden schöne Seiden für die schwarzen Lackstiefel am Tage und die gekreuzten Kattune des Abends verwandt. Für Schneiderkleider gibt man Serge und Wolle den Vorzug. Immerhin braucht man sich mit dem Weitermachen der Kleider noch nicht allzusehr zu beeilen. Es gibt noch eine ganze Menge von Schneidern und Schneiderinnen, die den Saum der Röcke nur aus dem Grunde eng las­sen, um ihre Kundinnen am Fortlaufen zu verhindern. Denn es gibt nichts Häßlicheres als eine Frau, die zu große Schritte nimmt.
   Und die Hüte? Das ist ein sehr unterhaltendes Kapitel, wenn die kleinrandigen auch im allge­meinen Herrscher zu sein scheinen. Garniert wird nur wenig, denn der Reiz liegt hauptsäch­lich in den Farben, die sehr kühn sind. Viele Bänder, Schleifen, Schluppen, die sogar zum Schmuck der Hutnadeln verwandt werden. Bisweilen schlängeln sich auch zwei parallel lau­fende Kränze von Feldblumen um die hohe, runde Hutform herum: Primeln, Veilchen, Ane­monen, Reiher und Federn scheinen etwas vernachlässigt zu werden. Der Blumenschmuck ist billiger und schon aus diesem Grunde für die jetzige Zeit praktischer. 

(Bonner Zeitung)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. März 1915Scharfer kalter Märzwind stritt gestern mit warmem Sonnenschein um die Herrschaft des Tages. Wo der Wind, der aus Nordosten kam, einen faßte, erschauderte man vor Kälte bis ins Mark. Wo die Sonne im Windschutz strahlte, war es mollig warm. In der Nacht, auch schon in den vorhergehenden Nächten, fror es wie mitten im Winter. Die Fenster zeigten in Ostlage Eisblumen. Ein selten klarer Tag war gestern. Vom Kreuzberg aus sah man Köln mit allen seinen Türmen, mächtig überragt von seinem Dom, und auf diesem sogar, auf der First des Kirchenschiffes den Dachreiter; eine Seltenheit.
   Der Kreuzberg war gestern das Ziel vieler frommer Beter, die am Palmsonntag, als den letzten Fastensonntag hierhergekommen, um ihre Andacht zu verrichten. Bis spät in den Abend zogen kleinere und größere Gruppen betend den Berg hinan und zur Wallfahrtskirche. Dem Ernst der Zeit entsprechend fehlten die Fastenbrezeln sowie alle Verkaufsstände.
   Der geschäftsoffene Sonntag hatte gestern viele Käufer nach Bonn geführt. Vom frühen Morgen schon an zogen aus der Umgegend die Menschen in überfüllten Zügen und kleinen und großen Trupps in die Stadt, um am Nachmittag mit Paketen geladen heimzukehren. Die Abendzüge waren derart besetzt, daß die Zugbeamten die Heimreisenden kaum unterzubringen vermochten.

Zusammensetzung des Einheitsbrotes. Nach einer Bekanntmachung des hiesigen Landrats wird mit der Zustimmung des Regierungspräsidenten bestimmt, daß bis auf Weiteres Feinbrot aus 10 Teilen Weizenmehl, 20 Teilen Roggendoppelschrot und 10 Teilen Kartoffelmehl bereitet wird. Schwarzbrot ist bis auf Weiteres aus 80 Teilen Roggenschrot, 10 Teilen Weizenmehl oder Weizenschrot und 10 Teilen Kartoffelmehl herzustellen. (Siehe Bekanntmachung im Anzeigenteil)

Ein Nichtrauchertag. Die Raucher von Breslau beabsichtigen, am 6. Mai, dem Geburtstag unseres Kronprinzen, einen allgemeinen Nichtrauchertag zum Besten unserer tapferen Truppen im Felde einzurichten. Jeder Raucher, ob arm oder reich, soll seinen Tagesverbrauch an Tabak, Zigarren oder Zigaretten gewissenhaft berechnen und das Geld für den 6. Mai bereit halten. Die Tabakindustrie wird durch diesen Nichtrauchertag keine Einbuße erleiden, da in erster Linie wiederum Rauchwaren für unsere Truppen eingekauft werden sollen. Die Breslauer Raucher hoffen, daß alle übrigen deutschen Städte dem Plane zustimmen werden und auch ihrerseits am 6. Mai einen solchen Nichtrauchertag veranstalten. Man hofft auf diese Weise einige Millionen Mark zum Besten unserer im Felde stehenden Soldaten aufzubringen.

Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. März 1915Der Hauptvorstand vom Eifelverein hielt gestern Mittag im Bonner Bürgerverein eine Sitzung an, die der stellvertr. Vorsitzende Dr. Andreae leitete. Die Versammlung genehmigte nachträglich die Zeichnung von 50.000 M. auf die Kriegsanleihe. Der Rechnungsabschluß wurde in der vorgelegten Form genehmigt. Das Vereinsvermögen beträgt 59.000 M. Dann wurde Bericht erstattet über die einzelnen Gebiete der Vereinstätigkeit. Von der geplanten Herausgabe eines Eifelführers in französischer Sprache wurde Abstand genommen. Die Sommerfrischen sollen auch im kommenden Jahr offen gehalten werden. Die Instandsetzung der Oberburg in Manderscheid, die 6 ½ tausend Mark kostet und für die gestern ein Vorstandsmitglied 1500 M. zur Verfügung stellte, soll sofort in Angriff genommen werden. Die Hauptversammlung soll am Sonntag nach Pfingsten in Wittlich abgehalten werden. Folgender Antrag der Ortsgruppe Bonn:
   „Die zum Militärdienst eingezogenen Vereinsmitglieder sind von den Ortsgruppen allgemein für das laufende Jahr von der Zahlung der Vereinsbeiträge freizustellen. Für diese Mitglieder sind von den Ortsgruppen Beiträge an den Hauptverein nicht zu entrichten“ wurde in dem Sinne angenommen, daß es jeder Ortsgruppe überlassen bleibt, die Mitglieder von der Zahlung der Beiträge zu befreien.

Weil er „geschwefelte“ Leberwurst verkauft hatte, ist ein Metzger von hier im Januar von der Strafkammer zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt worden. Das Nahrungsmittelamt stellte auf 100 Gramm Wurst 7 bis 8 Milligramm schweflige Säure fest. Der Angeklagte legte gegen das Urteil Berufung ein, weil er die Säure der Wurst nicht „zugesetzt“, sondern nur Schwefeldämpfe beim Räuchern verwendet habe, wie das bei den Bonner Metzgern seit über 10 Jahren üblich sei. Das Reichsgericht verwarf die Berufung mit der Begründung, jeder Schwefelsäurezusatz zur Wurst sei strafbar, gleichviel, ob die Säure durch das Räuchern oder auf andere Weise in die Wurst eingedrungen sei. Daß das Schwefeln bei den Bonner Metzgern üblich sei, schütze den Angeklagten nicht vor Strafe.

 (Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 30. März 1915  

  

Keine besonderen Osterliebesgaben-Sendungen. Wie aus verschiedenen Zeitungsanzeigen ersichtlich ist, werden anläßlich des bevorstehenden Osterfestes größere Liebesgaben-Paketsendungen für die Feldtruppen geplant und Aufrufe zur Sammlung von Geldspendungen für diese Zwecke erlassen. Die Heeresverwaltung macht wiederholt darauf aufmerksam, daß es nicht angängig ist, besondere Liebesgaben-Sendungen an die Front zu schicken. Weder die Militärpaketdepots noch die Güterabfertigungsstellen übernehmen die Vorführung derartiger besonderer Transporte. Eine Massenauslieferung von Osterpaketsendungen würde eine Sperrung des Militär-Paketdepots nach sich ziehen können. Soweit Sammlungen für Osterliebesgaben bereits im Gange sind, sind die Pakete auf dem einzig zulässigen Wege, nämlich durch die im Bezirke stellvertr. Generalkommandos errichteten amtlichen Abnahmestellen vorzuführen. Diese Abnahmestellen sorgen für die Weiterleitung unter Berücksichtigung des Bedarfs und der Möglichkeit der Weiterverfrachtung, ohne sich jedoch an einen bestimmten Zeitpunkt, wie das Osterfest, binden zu können.

Verbot der Sendungen von Osterkarten. Ein neues Armeeverordnungsblatt enthält u.a. folgende Verordnungen: Verbot der Versendung von Oster- und Pfingstkarten, in gleicher Weise wie die Versendung von Neujahrsglückwunschkarten wird Angehörigen des Heeres auch die Versendung von Oster- und Pfingstglückwunschkarten untersagt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. März 1915Kein Osterkuchen! Man schreibt uns: Es ist eine durch alte Gewohnheit geheiligte schöne Friedenssitte, alle Hauptfeste auch auf dem Familientisch mit Kuchen und Gebäck aller Art über den gewöhnlichen Alltag hinauszuheben. Niemand wird an ihr, schon wegen der Kinder, in gewöhnlichen Zeiten rütteln wollen. Im Frieden ist die Kuchenbäckerei Privatsache und jede Hausfrau hat frei, selbst zu entscheiden, ob sie einen oder mehrere Kuchen backen oder beim Bäcker bestellen will. In diesem Kriegsjahr ist es anders. In ihm müssen wir wohl auf vieles, auch wichtiges verzichten. Wir werden uns daher auch beim Osterfest von liebgewordenen alten Gewohnheiten, so selbstverständlich sie uns auch erscheinen mögen, trennen können. Kuchen, ob sie im eigenen Haus von den eingelegten Mehlbeständen gebacken oder in Konditoreien aus Bananen-, Reis- oder Maismehl, Eiern und Schlagsahne hergestellt werden, bedeuten einen unzeitgemäßen Aufwand, da sie nicht aus Nahrungsbedürfnis, sondern darüber hinaus aus Wohlgeschmack verzehrt werden. Ein jeder weiß aber, wie bitter Not Sparsamkeit mit allem, insbesondere mit Eiern, Sahne und Mehl jeder Art uns tut. Es sollte daher die Herstellung von Osterkuchen in diesem Jahr unterbleiben und die Festlichkeit des Ostertisches stattdessen durch Zugabe von Honig und Fruchtmarmeladen zum gewöhnlichen Kriegsbrot hergestellt werden!

In den Lichtspielen (Stern) wird in dieser Woche das große Drama aus der Zeit der Christenverfolgung „Quo vadis?“ in vollständig neuem Gewande vorgeführt. Außerdem gelangt ein Film zur Vorführung, der auch das Interesse der Besucher erregen wird: „Der Sanitätshund im Kriegsdienst“.

Kanonen, Kochlöffel und Pflugschar! Der bayrische Abgeordnete Steets hat in den letzten Tagen Vorträge über die sozialen und wirtschaftlichen Maßnahmen des Bundesrates gehalten. Dabei sagte er u.a. Jeder Haushalt müsse jetzt in Kriegszustand gesetzt werden. Kanonen, Kochlöffel und Pflugschar seien die drei Faktoren, die uns den Sieg erringen werden. Ein gutes, beherzigenswertes Wort!

  (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Pfadfinder-Uebungen. Da demnächst der stellvertr. Landes-Feldmeister Dr. Brunzlow erwartet wird, macht sich beim Pfadfinderkorps eine lebhafte Uebungstätigkeit bemerkbar. An die große Sanitätsübung vom vorletzten Sonntag schloß sich am Samstag ein Uebung gegen die Höhe über Godesberg, die besonders den Radfahrer-Vortrupps Gelegenheit zu wirkungsvollem Eingreifen bot. Eine weitere Uebung unter Führung der 4. Kompagnie und Beteiligung aller Kompagnien findet am Mittwoch nachmittag statt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. März 1915

Sollen wir Ostereier essen? Wir haben bisher Darlegungen veröffentlicht, die sich gegen das gefärbte Osterei richteten. Nun mehren sich aber die Angaben, daß wir Eier genug haben, daß wir also auf unser geliebtes Osterei nicht zu verzichten brauchen. So schreibt ein Einsender dem Berl. Lok.-Anz.: In Berlin wurden in der Zeit vom 12. d. Mts. bis zum 19. d. Mts. also in einer Woche ca. 200 Waggonladungen Eier, darunter etwa die Hälfte Doppelladungen zugeführt. Der Inhalt einer Ladung beträgt ca. 60 Kisten, einer Doppelladung ca. 110 Kisten; im Durchschnitt also ca. 85 Kisten pro Wagen, oder im ganzen 17.000 Kisten. Eine Kiste enthält 1440 Stück. Es sind somit in einer Woche in Berlin eingeführt worden 17.000 Kisten à 1440 Stück = 24.480.000 Eier. Nimmt man die Bevölkerung von Groß-Berlin und seinen weiteren Vororten mit 3 ½ Millionen an, so ergibt sich pro Tag und Kopf der Bevölkerung ein Ei. Es kann also jedermann, ohne Kranke und Schwache zu schädigen, täglich ein Ei essen. Gerade in der jetzigen Jahreszeit kommt das Ei ganz frisch an den Markt, ist darum sehr fein im Geschmack und äußerst nahrhaft. Die weitere Zufuhr dieses für die Volksernähring so wichtigen Lebensmittels ist dauern gesichert. Während Ungarn sonst seine Hauptproduktion nach England, Frankreich und Belgien exportiert, liefert es jetzt ausschließlich nach Deutschland. Dazu kommen die großen Importe aus Dänemark, Schweden, Holland, und schließlich bleibt noch die gerade in den nächsten Monaten sehr starke Inlandsproduktion, so daß von einer Knappheit in Eiern in absehbarer Zeit gar keine Rede sein kann. Würde nur jeden fünften Tag ein Ei pro Kopf verbraucht werden, so müßten innerhalb fünf Tagen vier Eier pro Kopf der Bevölkerung zugrunde gehen, oder auf 3 ½ Millionen Einwohner 14.000.000 Eier. Da Eier leicht verderblich sind und nicht aufgespeichert werden können wie etwa Dauerwurst oder Dörrgemüse, so würden in fünf Tagen, das Ei zu 10 Pfg. gerechnet, 1.400.000 Mark dem Volksvermögen entzogen werden. Es kann also nicht dringend genug empfohlen werden, Eier zu essen; gerade dieser Artikel ist jetzt im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln sehr wohlfeil geworden und wird täglich aus dem Auslände neu ersetzt. Die Eierimporteure Berlins sind in der Lage, mit Leichtigkeit noch erheblich größere Mengen an den Markt zu bringen, sobald der Konsum das verlangen sollte. Wenn also die Hausfrau und Mutter ihre Kinder zum Osterfest durch Schokoladeneier und sonstige Süßigkeiten erfreuen will, so läßt sich nichts dagegen einwenden, aber als Nahrungsmittel allerersten Ranges steht das Hühnerei obenan, und niemand braucht sich den Genuß desselben verkürzen zu lassen.

Kälte. In vergangener Nacht sank das Thermometer am Wetterhäuschen im Hofgarten auf 2 Grad unter Null.

Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. März 1915Der Bonner Wehrbund beteiligte sich unter der Führung von Herrn Geheimrat Brinkmann am Samstag und Sonntag an einer Geländeübung in größerem Verbande, die auf Anregung von Düsseldorf im Siebengebirge stattfand. Am Samstag abend vereinigten sich Teile des Bonner Wehrbundes mit den Freiwilligen-Regimentern und Jugendkompagnien von Düsseldorf, Beuel, Godesberg und anderen Orten der Umgegend in Niederdollendorf, um im Nachtgefecht den durch die Jugendwehren von Königswinter, Rhöndorf, Honnef und anderen rechtsrheinischen Ortschaften besetzten Petersberg zu erstürmen. Gegen 10 Uhr führte die Siebengebirgsbahn die Bonner aus Königswinter zurück, während die Düsseldorfer später in den verschiedenen Ortschaften Quartier bezogen. Am Sonntag vormittag galt es, den Gegner, der sich auf der Linie Drachenberg-Hirschberg-Ofenkaule festgesetzt hatte, umfassend anzugreifen und auf dem Drachenfels einzuschließen. Litt die Uebung am Samstag abend einigermaßen unter dem Mangel einheitlicher Leitung, so wurden diese Fehler am Sonnatg glücklich vermieden. Die Uebung gestaltete sich infolgedessen für alle Teilnehmer sehr lehrreich und anregend. Die Bonner Abteilungen, die morgens um 8 Uhr mit der Eisenbahn von Beuel nach Königswinter befördert worden waren, trafen nachmittags bereits um 3 Uhr nach flottem Rückmarsch wieder in der Stadt ein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 31. März 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Im Interesse der Landesverteidigung muß jeder Rückgang in der Fertigung der Heeresbedürfnisse, insbesondere der Munition, vermieden werden. Hierzu ist es erforderlich, daß auch die in der Heimat stehenden Männer hinter ihren im Felde stehenden Brüdern an Opferwilligkeit nicht zurückstehen, sondern sich bereit finden, während der bevorstehenden Feiertage den dringen nötigen Heeresbedarf zu fertigen. Daher werden die deutschen Arbeiter dem Wunsche der Heeresverwaltung, die Arbeit während der bevorstehenden Feiertagen in den staatlichen Betrieben als auch in den mit Heereslieferungen betrauten Privatfirmen nur am ersten Feiertag ruhen zu lassen, gern entsprechen.

Fahnen heraus am Bismarcktage. Berliner Blätter teilen mit, daß die Stadt Berlin zur Feier von Bismarcks 100. Geburtstage beflaggt sein wird. Auch die Stadt Bonn wird diesen bedeutungsvollen Tag wohl im Schmucke der vaterländischen Fahnen sehen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Bismarckfeier des Städtischen Gymnasiums und Realgymnasiums. Kein im üblichen Rahmen sich bewegender Schulakt in der Aula war es, durch den das Städtische Gymnasium den 100. Geburtstag Bismarcks feierte. Der ganze letzte Schultag wurde dem Gedächtnis des großen Kanzlers gewidmet. Um 9 Uhr zog die Schülerschar unter Führung der Lehrer, die Schulfahne voraus, den Rhein entlang zur Bismarcksäule. Mit Richard Dehmels „Gebet ans Volk“ leitete der Chor die Feier ein. Wohlgelungene Gedichtvorträge („Wo Bismarck siegen soll“ und „Bismarck als Führer zum Siege“) atmeten den Geist, der alle an diesem Festtag beseelt. Machtvoll drang die Ansprache des Direktors Dr. Riepmann in die Herzen der um die Säule gescharten Zuhörer. Wie die alten Germanen ihren Göttern in der freien Natur, in Hainen und auf Bergeshöhen ihre Huldigung dargebracht hätten, so feierten auch wir den ganz großen Helden unseres Volkes am würdigsten unter freiem Himmel, dort, wo ein wuchtiger Turm oder eine Riesensäule ihre überragende Größe der Nachwelt versinnbildlicht. So großes die Helden der Befreiungskriege, deren Andenken die Schule vor 1 ½ Jahren auf der Terrasse des Drachenfelses gefeiert hat, geleistet haben, das größte Ziel, die staatliche Einigung der verschiedenen deutschen Stämme, war einem Größeren zu erreichen, vorbehalten. Daher ist Bismarck kein Mann der Vergangenheit, sondern eine Gegenwartsgröße. Er lebt in uns und ist ein Volksheld geworden. Gerade in unserer großen, eisernen Zeit wird uns die belebende Kraft, die von seiner Persönlichkeit und seinem Werk ausströmt, besonders kund in der festen Zuversicht, die Heer und Volk beseelt, daß der stolze Bau, den des Reiches Baumeister geschaffen, alle Stürme überdauert und gefestigt daraus hervorgeht. Mächtig ertönte der Heilruf, in dem die Versammelten dem Gefühl der Dankbarkeit und Verehrung Ausdruck verliehen, begeistert erklang das gemeinsame Lied: „Deutschland, Deutschland über alles“. Die rauschenden Wogen des Rheins gaben den Rhythmus, die Sonne sandte Strahlen der Verheißung, die lichtdurchflutete Landschaft verlieh der Feier eine weihevolle Stimmung. Auf dem Rückmarsch gab sich die Begeisterung der Schüler noch in manch flott gesungenem Lied, so auf Hindenburg und Zeppelin, kund.

  (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Stadttheater. Mit der Aufführung des Müller-Schlösser’schen „Schneider Wibbel“ schließt heute die Reihe B. Nicht ohne Berechtigung haben viele Bühnen dieses Stück gerade im Kriegswinter neu eingeübt. – Schildert es doch in seiner Weise das französische Joch, unter dem unsere Rheinlande vor hundert Jahren seufzten. Der echt rheinische Humor treibt in diesem harmlosen Volksstück reiche Blüten. Mit Rücksicht auf die nahenden Ostertage und zum Abschluß der Spielzeit, die durch einige Feiertagsvorstellungen verlängert werden dürfte, soll morgen, am Gründonnerstag noch einmal „Faust“, und zwar als Volksvorstellung gegeben werden, eine Veranstaltung, welche alle Freunde klassischer Werke mit Freuden begrüßen werden.

Die belgische Zichorie. Nach Meldungen aus Belgien wird dort bereits jetzt im großen Maßstabe ein Gemüse gesammelt und auch für die Ausfuhr auch Deutschland vorbereitet, das man bei uns kaum kennt, obwohl es einer weiteren Verbreitung wert wäre: die Zichorie. Bei uns in Deutschland kennt man diese Pflanze nur als Kaffee-Ersatzmittel, oder als farbgebenden Zusatz zu allerlei Kaffee-Essenzen. Die junge Zichorienwurzel, die der Wurzel des Löwenzahns oder der Schwarzwurzel sehr ähnlich ist, liefert dagegen, wenn sie in jungem Zustande, bevor sie etwas hart zu werden beginnt, ein überaus feines, schmackhaftes Gemüse, dem außerdem noch eine medizinische Wirkung zukommt. Es kann weil Schwarzwurzel in einer mit Mehl gespeisten Buttertunke, oder abgekocht und mit brauner Butter begossen zubereitet werden. An manchen Orten kennt man ja den Zichorientee als Mittel gegen die Bleichsucht, sowie als Blutreinigungsmittel. Man kann deshalb den Gartenbesitzern nicht eindringlich genug den Anbau dieser Gemüseart empfehlen. Gerade jetzt wäre die richtige Zeit dazu.

 Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. März 1915Städtische Realschule. Aus dem Jahresbericht ist folgendes zu entnehmen: Die Mobilmachung brachte für das Schulleben durchgreifende Veränderungen. Von den neun angestellten Lehrpersonen sind bis heute fünf zum Heeresdienste einberufen, zwei davon verwundet und einer von diesen ist mit dem Eisernen Kreuzeausgezeichnet worden. Sechs Schüler meldeten sich zum freiwilligen Heeresdienst. Von den früheren Schülern starben sieben den Heldentod, während noch drei als vermißt bezeichnet werden. An den Uebungen des Wehrbundes, an der Woll- und Goldsammlung beteiligten sich die Schüler mit großem Eifer. Die Goldsammlung ergab in einer Woche die Summe von über 18.000 Mark. Durch Entscheidung des Kgl. Provinzialschulkollegiums in Koblenz vom 4. Februar 1915 wurde der Antrag auf Ausbau der Realschule zur Oberrealschule in dem jetzigen, durch einen Aufbau zu vergrößernden Gebäude abgelehnt und als Bedingung ein Neubau verlangt. Am Schlusse des Schuljahres erhielten 14 Schüler das Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Dienst. Die Schülerzahl betrug im Winterhalbjahr 192. Neuanmeldungen werden Mittwoch, den 14. April, von 10 – 1 Uhr, im Schulgebäude entgegengenommen. Die Aufnahmeprüfungen sind Donnerstag, den 15. April, von morgens 8 Uhr ab. Das alte Schuljahr wurde mit einer Bismarck-Gedenkfeier geschlossen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. März 1915Königliches Gymnasium zu Bonn. Dem Jahresbericht über das Schuljahr 1914 entnehmen wir: Mit dem Ende des Schuljahres 1913/14 ist Prof. Dr. Jos. Schmitz in den Ruhestand getreten. Am Freitag den 3. April 1914 schloß das Schuljahr mit der feierlichen Entlassung von 41 Abiturienten. Schon am Spätnachmittag und am Abend des 1. August erhielten zahlreiche Schüler der oberen Klasse Urlaub, um sich als Kriegsfreiwillige zu stellen. Am 3. August begannen die Notreifeprüfungen. Insgesamt haben 32 Oberprimaner und 3 Unterprimaner die Notreifeprüfung bestanden, dazu ein Auswärtiger. Ferner meldeten sich 35 als Kriegsfreiwillige und 4 erhielten das Einjährigen-Zeugnis. Mit dem Ausbruch des Krieges traten acht vollbeschäftigte Lehrer in das Heer ein, drei Schüler sind bereits den Heldentod gestorben. Für die Goldsammlung haben die Schüler der Anstalt bis jetzt 85.000 Mark an die hiesige Reichsbankstelle abgeliefert. Zwei Lehrern wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Die ersten Maikäfer haben Schulbuben gestern auf den Venusberg gefunden.

Bauernregeln im April: Dürre im April, kein Bauer will. – Aprilregen verheißt Segen. – Ist der April nicht gut, schneit’s dem Hirten auf den Hut. – Der Fledermäuse Abendflug macht’s Wetter im April sehr gut. – Auf Aprildonner folgt der Sommer. – St. Georgi und Marks (25.) machen oft noch Arg’s.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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