Bonn 1914-1918
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Samstag, 26. Juni 1915

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Auf die Bonner vaterländischen Abzeichen, die zum Besten der Kriegsfürsorge verkauft werden, sei hiermit noch einmal ganz besonders hingewiesen. Diese Abzeichen, die in Form von Broschen und Anhängern zu haben sind, dienen nicht nur einem Zweck, der uns allen jetzt als die nächste und dringendste Sorge am Herzen liegen muß, sie bilden auch eine bleibende Erinnerung an die Tage der Kämpfe, Sorgen und Siege der Gegenwart. Man darf wohl die Erwartung aussprechen, daß diese Bonner vaterländischen Abzeichen mit der gleichen Freude gekauft werden, wie ähnliche Erinnerungszeichen in anderen Städten. Die Bonner Bürgerschaft, die sich bisher bei allen der Kriegsfürsorge gewidmeten Unternehmen durch ihre Opferwilligkeit ausgezeichnet hat, wird sich gewiß auch diesmal von keiner anderen Stadt übertreffen lassen. Die Abzeichen sind zu haben bei den Heferinnen der vaterländischen Vereine, in der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft und im Rathause, Zimmer 26.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Die Stadtverordnetenversammlung nahm in ihrer gestrigen Sitzung zunächst den Dank des deutschen Genesungsheimes für das ihm bewilligte Geschenk von 5.000 Mark entgegen. Sie beschloß dann die Annahme eines Vermächtnisses, genehmigte mehrere Sonderrechnungen, sowie die Hauptrechnung für 1913. Die Beschaffung einer Kokstransportanlage für das Gaswerk wurde in geheime Sitzung verwiesen. Mit der Beschaffung von Möbeln für die Steuerzahlstelle und eines neuen Dampffasses für die Tierkörperverwertungsanstalt erklärte die Versammlung sich einverstanden, ebenso mit der Abänderung der Bestimmungen über die Einziehung der Baupolizeigebühren. Die Benennung von Straßen wurde bezüglich der Hindenburgstraße vertagt, mit der Benennung der beiden anderen Straßen erklärten sich die Stadtverordneten einverstanden, ebenso wie mit der Verlängerung von Pachtverträgen und der Ermäßigung einer Anerkennungsgebühr. Die satzungsgemäß aus dem Stadtausschuß ausscheidenden Mitglieder Apotheker Dr. von Velsen und Rentner Max Herschel wurden einstimmig wiedergewählt. Die Ersatzwahl für Fabrikdirektor Julius Rossberg wurde vertagt. Auf die Interpellation des Stadtverordneten Schmitz über die Polizeiverordnung des Polizeimeisters der Festung Köln vom 28. April ds. Js. über die Meldepflicht erwiderte Oberbürgermeister Spiritus, daß die Verwaltung bereits Vorstellungen gegen die Polizeiverordnung erhoben habe. Von einer Besprechung der Interpellation wurde abgesehen, da es sich nicht um eine Gemeindeangelegenheit handelte.

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Ruhebänke. An mehreren Haltestellen der städtischen Straßenbahn sind neuerdings weißgestrichene Ruhebänke aufgestellt. So auf dem Kaiserplatz, an der Poppelsdorfer Allee, an der Coblenzerstraße usw.

Eine eiserne Schaluppe, die in der Nähe der Gronau herrenlos auf dem Rhein trieb, wurde heute in der Frühe von einem städtischen Badewärter an Land gebracht. In dem Nachen lagen verschiedene Kleidungsstücke, eine Hose, eine leinene Jacke und ein Paar Schuhe. Man nimmt an, daß der Besitzer dieser Sachen beim Baden ertrunken ist.

Warnung vor Agenten des feindlichen Auslandes. Es ist festgestellt worden, daß im Dienst des feindlichen Auslandes stehende Agenten von den Angehörigen von Soldaten hier im Rheinland und in Westfalen Feldpostbriefe ankaufen, oder Einsichtnahme in solche zu erlangen suchen. Die Briefsammler geben dabei in der Regel an, es handelte sich um patriotische Werke, in denen die Briefe zum Abdruck kommen sollen. Da durch dieses Vorgehen die Interessen der Landesverteidigung gefährdet werden, wird die Bevölkerung vor dem Verkaufe von Feldpostbriefen oder der Gestattung der Einsichtnahme von solchen eindringlich gewarnt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Kriegs-Kochausstellung. Gestern nachmittag veranstaltete der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe und der Interkonfessionelle Hausfrauenverband eine Kriegs-Kochausstellung, die außerordentlich gut besucht war. Auf Tischen waren die bereiteten Speisen fein säuberlich ausgelegt und luden zu Mundproben ein. Es gab da: Fleisch-, Fisch- und Gemüsesülzen, um das Publikum auf den Wert der so zweck- und nahrhaften Gelatine aufmerksam zu machen; selbst Speisereste sah man eingesülzt da liegen, und auch sie regten an. Den Gemüsen war wiederum eine besonders große Aufmerksamkeit entgegengebracht worden – und man hatte sich in der vielseitigsten Zubereitung versucht -, um Gemüse auch als Abendkost anstelle der teuren Fleischkost einzuführen. Eine andere Abteilung hatte sich mit der fleischlosen Kost befaßt. Auf weiteren Tischen waren die Speisen für Magen- und Zuckerkranke zu sehen, aber der Tisch der Tische wird für „manche“ und wohl auch für „manchen“ der Tisch gewesen sein, auf dem die Puddinge, auch kriegsgemäß und teilgemäß mit Gelatine hergestellt, in allen Farben entzückten. Kriegsgemäße Backwaren, darunter Kriegsbrot für Leute mit nervösem Magen, bot ein anderer Tisch. Eintopfgerichte und Kochkisten verschiedener Art waren an anderen Stellen zu sehen. Da an jedem Tisch die Rezepte für nur 10 Pfennig käuflich waren, wird manche Hausfrau der Anregung folgen und den Versuch machen. Und damit wäre dann ja der praktische Erfolg der Ausstellung erreicht. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Die Eigentümer von Sojabohnen im Bereich des 8. Armeekorps werden aufgefordert, Meldungen aller Vorräte innerhalb 8 Tagen an die stellvertretende Intendantur ihres Korpsbezirks zu erstatten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 27. Juni 1914

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juni 1915Der Bonner Lazarettzug K 1 hat auch die zwölfte Fahrt mit großer Schnelligkeit ausgeführt. Er fuhr am Samstag mittag vom hiesigen Güterbahnhofe ab, lud am Dienstag in Chauny 200 Verwundete aus den letzten Gefechten bei Moulin sous Touvent, sowie 40 im August und September v. J. schwer verwundete und jetzt erst beförderungsfähige Franzosen. Ausgeladen wurde am Donnerstag in Bayreuth. Der Zug steht jetzt zur nächsten Fahrt auf dem Godesberger Güterbahnhof bereit.
   Die wachsende Fliegenplage nötigt zur Bitte um Geldspenden für geeignete Schutznetze. Ferner werden besonders dringend Zigarren, Zigaretten, Marmeladen als Liebesgaben erbeten. Endlich Konserven aller Art in Blechdosen. Da der Vorrat an Verbandsstoffen zu Ende geht, so sind auch davon größere Mengen, noch besser aber Geld zu ihrer Beschaffung erforderlich. – Sammelstelle Bahnhofstraße 40.
   Den Bonner Marktfrauen sei auch diesmal für die reichlichen Spenden an frischen Gemüsen, von denen wiederum mehrere Körbe an Lazarette in Chauny abgegeben werden konnten, und nicht minder allen übrigen freundlichen Spendern herzlich gedankt. (...)

Bonner Männer-Gesang-Verein. Auch in Bonn wird bekanntlich geplant, eine Figur aufzustellen und durch Einschlagen von Nägeln Mittel für die Kriegshilfe bezw. das Rote Kreuz aufzubringen. In erster Linie gilt es nun, die Mittel für eine solche Figur aufzubringen. Wie wir soeben erfahren, hat der Bonner Männer-Gesang-Verein in seiner letzten Vorstands-Sitzung beschlossen, der Verwirklichung des Planes sofort näher zu treten. Der altbekannte Verein wird an einem der nächsten Sonntage im Bonner Bürgerverein ein Gartenkonzert veranstalten, dessen Reinertrag als Grundstock für die Errichtung einer solchen Figur dienen und dem in der Bildung begriffenen Ausschusses überwiesen werden soll. Gutes Wetter und zahlreicher Besuch möge im Interesse des guten Zweckes dieser Veranstaltung beschieden sein. Das Nähere wird demnächst durch Anzeigen in den Tageszeitungen bekannt gegeben werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeigen im General-Anzeiger vom 27. Juni 1915Zur Vermeidung von Störungen in der Kriegsindustrie. Das hiesige Königl. Bezirkskommando übermittelt uns folgenden Korpsbefehl des Generalkommandos des 8. Armeekorps:
Zahlreiche Kriegslieferanten sind im Zweifel, ob unentbehrliche Facharbeiter, die bis 30. Juni 1915 beurlaubt oder zurückgestellt sind, am 1. Juli 1915 ohne weiteres sich zu stellen haben, oder ob sie diesbezüglichen Befehl abwarten können. Um Störungen in der Kriegsindustrie zu vermeiden, wird hiermit auf Befehl des stellvertretenden Generalkommandos, 8. Armeekorps, bekannt gegeben, daß diese Leute, - es handelt sich nur um unentbehrliche industrielle Facharbeiter – bei Ablauf ihrer Zurückstellung oder Beurlaubung sich nicht ohne weiteres zu stellen haben, sondern Gestellungsbefehl abwarten sollen.
   Als „Kriegslieferungen“ sind, entsprechend ihrer Bedeutung für die Durchführung des Krieges, anzusehen alle Arbeiten, die zur Herstellung des Bedarfs für die Bewaffnung, Ausrüstung, Bekleidung, Ernährung und Unterbringung der Wehrmacht des deutschen Reiches und seiner Verbündeten, sowie zur Erhaltung des gesamten deutschen Volkes und seines Wirtschaftslebens erforderlich sind. Ob den Lieferanten einer Firma dieser Charakter zukommt, ist im Einzelfall zu prüfen. Allgemein ausgeschlossen vom Begriff eines Kriegslieferanten sind jedenfalls nur die Luxusgewerbe, wie z.B. die Spielwaren-, Schmuckwaren-, Musikinstrumenten-Industrie usw.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Nächtliche Ruhestörer. Wir möchten die Stadtverwaltung einmal auf die Radauszenen aufmerksam machen, die sich nachts in der Kommandarie- und Neustraße abspielen. Bei Harmonikaspiel wird dort auf offener Straße getanzt und derartig skandaliert, daß es der Nachbarschaft nicht möglich ist, ein Auge zuzumachen. In der Nacht zum Freitag wurde, trotzdem die Anwohner um 11 ½ Uhr um Ruhe gebeten hatten, noch bis 1 Uhr weiter gesungen, Harmonika gespielt und getanzt. Es wäre zu wünschen, wenn die Polizei sich ins Mittel legte, damit es den Leuten, die sich am Tage müde gearbeitet haben, möglich ist, nachts auszuruhen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

  

Frisches Obst, insbesondere Erdbeeren und Kirschen, darf in Pappkästen mit der Feldpost nicht verschickt werden, weil die Früchte schon nach kurzer Beförderungsdauer Flüssigkeit absondern, wodurch andere Sendungen beschädigt werden. Die Versendung ist nur in sicher verschlossenen Blechbehältern zulässig. Am besten wird von der Versendung überhaupt abgesehen, weil keine Gewähr besteht, daß die Früchte in gutem Zustande ankommen. Ungenügend verpackte Feldpostsendungen mit frischem Obst werden von den Postangestellten zurückgewiesen werden.

Die Kunst im Schützengraben. Herr Ernst Heyer, Wehrmann im Res.-Inf.-Reg. Nr. 29, im Frieden Organist an der St. Remigiuskirche in Bonn, hat im Schützengraben einen Marsch für Klavier komponiert: „Marsch des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 29“. Das Werk hat bereits vielen Beifall gefunden. Es ist in dem bekannten Verlag von P.J. Tonger in Köln erschienen und kostet 1 Mark. Der Reinertrag wird zum Besten der Hinterbliebenen von Angehörigen des Res.-Inf.-Reg. Nr 29 verwendet.

Weibliche Steuerleute. Der empfindliche Mangel an männlichem Personal macht sich auch auf den Rheinschiffen bemerkbar. Man sieht jetzt vielfach weibliche Steuerleute auf den Schiffen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 28. Juni 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1915Die Stellung der Hausfrau in der Volkswirtschaft. In der Kriegskochausstellung des Ausschusses für hauswirtschaftliche Kriegshilfe und des Bonner Hausfrauenbundes sprach (…) Syndikus Dr. Rudolf Albrecht aus Düsseldorf über die Stellung der Hausfrau in der Volkswirtschaft. Er führte etwas aus: Zu dem Kriegsplan Englands gehörte auch die Aushungerung des nichtkämpfenden deutschen Volkes, eine Tat der Roheit, wie sie die Weltgeschichte bisher nicht gekannt hat. Der Plan Englands ist zuschanden geworden, die deutschen Hausfrauen haben sich willig der entsprechenden Führung untergeordnet und den Feind mit dem Kochlöffel aus dem Lande hinaus gejagt. So begrüßenswert dieser Erfolg ist, so anerkennenswert ist aber auch, daß der breitesten Oeffentlichkeit zum ersten Male die Augen aufgegangen sind über die Wichtigkeit der Hausfrauenarbeit für unsere gesamte Volkswirtschaft. (…) Die engeren Aufgaben der Hausfrau werden bestimmt durch die Wohnung, die Ernährung der Familie und die Erziehung der Kinder. (…) Zur Erreichung aller vorher genannten Ziele kommt es zunächst immer wieder auf die einzelne Hausfrau an. Sie muß zuerst ihre Aufgaben bis in alle Einzelheiten erkennen und zu erfüllen suchen. Manches davon ist aber ohne die Mitwirkung der Gemeinden und des Staates nicht durchführbar. Darum haben die Hausfrauen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß ihnen der gebührende Einfluß auf Verwaltung und Gesetzgebung eingeräumt werde. Vieles muß noch erreicht werden auf diesem Gebiete, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß in dieser ernsten Zeit die Hausfrauen voll und ganz ihre Schuldigkeit getan haben, sodaß sie mit Recht von sich sagen können: „Lieb Vaterland magst ruhig sein, fest steht und treu Hausfrauenwacht am Rhein.“

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1915Bonner Männer-Gesang-Verein. Vor kurzem ist in Köln am Gürzenich eine Figur, darstellend den „Kölsche Boor“, aufgestellt worden, die durch Einschlagen von Nägeln mit einem Eisenpanzer versehen werden soll. Das Einschlagen der Nägel erfolgt gegen Entrichtung eines bestimmten Geldbetrages. Der Reinertrag ist zum Besten der Kriegshilfe bezw. des Roten Kreuzes bestimmt. In Darmstadt ist für ähnliche Zwecke eine Figur in Form eines eisernen Kreuzes aufgestellt worden. Auch in Bonn ist der Plan zur Aufstellung einer in dieser Weise zu benagelnden Figur aufgetaucht. (…) Wie wir soeben erfahren, hat der Bonner Männer-Gesang-Verein in seiner letzten Vorstandsitzung beschlossen, der Verwirklichung des Planes sofort näherzutreten. (…)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

  

Ein reizender Vorschlag. Bekanntlich will man auch hier in Bonn eine Figur aufstellen, die zum Besten der Kriegshilfe „vernagelt“ werden soll. Was die Figur darstellen soll, ist bisher noch nicht erörtert worden. Viele sind der Meinung, daß es die Bonna sein müßte, der die Ehre zuteil werden soll. Ein Leser unseres Blattes ist jedoch anderer Ansicht. Er bittet uns, dafür einzutreten, Sir Edward Grey auszuhauen und den Bonnern zur Vernagelung vorzuführen. Er verspricht sich mit diesem Gentleman einen großartigen Erfolg, denn jeder Bonner würde sich ein Vergnügen daraus machen, den edlen Herrn gründlich zu vernageln. Die Sache hat etwas für sich.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Dienstag, 29. Juni 1915

Wegen des Feiertages Peter und Paul erscheint an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.

  

Deutsche Bezeichnungen. Man schreibt uns: Die bisher gegebenen vielfachen Anregungen, die darauf hinzielten, die fremdsprachigen Inschriften, Aufschriften und Anschläge, insbesondere in und an Verkaufsläden, Gasthäusern und Geschäftsräumen, zu beseitigen und ausländische Bezeichnungen auf Geschäftspapieren, Rechnungszetteln, Waren und Warenproben zu unterlassen, haben bedauerlicherweise einen durchgreifenden Erfolg bis jetzt nicht erzielt. Vom stellvertr. General-Kommando des 8. Armeekorps wird deshalb erneut auf möglichste Verdeutschung aller vermeidbaren Fremdwörter gedrängt. – Man kann wohl die Erwartung hegen, daß nunmehr auch in Bonn dort, wo es noch nicht geschehen ist, mit den das deutsche Empfinden verletzenden fremdländischen Bezeichnungen gründlich aufgeräumt wird.

Sanitätshunde. Von der hiesigen Meldestelle ist heute der erste Führer, Herr Gerh. Brach aus Bonn, mit seinem Sanitätshunde nach dem neueingerichteten Militär-Ersatzdepot für Sanitätshundführer und Sanitätshunde in Fangschleuse bei Berlin abgegangen. Von der Bonner Meldestelle sind bis jetzt 55 Führer und 58 Hunde ins Feld geschickt worden. Zur Ausbildung als Sanitätshundführer wurden weiter 16 Herren eingestellt. Die erforderlichen Hunde haben die Eigentümer derselben wieder unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Die Meldestelle bitte um weitere Unterstützung. Der kleinste Betrag wird dankbar angenommen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Mittwoch, 30. Juni 1915

  

Bonner Adreßbuch. Am 2. Juli wird mit dem Druck des Bonner Adreßbuches begonnen werden. Der Verlag J. F. Carthaus erinnert an die rechtzeitige Einsendung etwa noch ausstehender Adreßkarten. Nach dem 1. Juli können Aenderungen nicht mehr berücksichtigt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Eine große Katholikenversammlung fand gestern abend im dicht besetzten Dreikaisersaale statt. Herr Rechtsanwalt Henry begrüßte die Versammlung. Er beglückwünschte zunächst die beiden Reichstagsabgeordneten Dr. Spahn und Chrysant zu ihrem Namenstag und Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Juni 1915brachte ein Hoch auf den Kaiser und den Papst aus. Nachdem der Münsterchor einen Chor vorgetragen hatte, ergriff Herr Abgeordneter Oberlandesgerichts-Präsident Dr. Spahn das Wort zu einer Rede über: Krieg und Wirtschaft. Deutschland habe seine Politik auf den Frieden gestellt eingedenk der Warnung Bismarcks vor einem ruchlosen Präventivkrieg. Der Krieg sei der größte der Welt geworden. (...)
   Wann der Friede kommt, wissen wir nicht, ob er unser Vaterland stärken wird, wir können es nur hoffen. Dieser Krieg muß aber das Reich stärken helfen. Was das dritte Jahrtausend bringen wird, läßt sich aus der Geschichte nicht erklären. Wir wollten keinen Eroberungskrieg führen. Aber Belgien darf nicht mehr ein Bollwerk Englands sein (Bravo!). Rußlands Dampfwalze müssen wir jederzeit abweisen können. (...) Wir werden weitere Opfer für Heer und Marine bringen müssen. Für die Hinterbliebenen werden wir umfangreich zu sorgen haben. (...) Möge Deutschlands Sonne allezeit auf ein glückliches Reich strahlen.
   Lebhafter Beifall wurde dem Redner für seine mehr als einstündigen Ausführungen zuteil.
   Nach einem Gesangsvortrag des Münsterchores sprach Herr Universitätsprofessor Dr. Brandt über die religiös-sittliche Mission des Krieges. Wenn auch der Krieg der Vernichter sei, so sei ihm doch eine Mission zuzuschreiben, die große sittlich-religiöse Werte für unser Volk geschaffen habe und es einer großen Zukunft entgegenführe. Er habe tief in das religiöse Gebiet eingegriffen zur Besserung. (...)
   Und wie leer war manches Jünglingsleben geworden. Da kam der Krieg und zeigte, daß die Selbstsucht weggeweht und daß die Opferfreudigkeit, das Heldentum geblieben war. Wenn Deutschland auf diesem Wege fortschreite, werde die Gottesmutter den Gottessohn bitten, daß bald ein ehrenvoller Friede Deutschland beschieden sein möge.
   Starker Beifall erscholl am Schlusse dieser Rede. Mit einem Liede zu Ehren der Gottesmutter wurde die Versammlung geschlossen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Godesberg, 30. Juni. Gestern nachmittag fand im hiesigen Ortsteile Schweinheim die kirchliche Einweihung der neuen Sebastianuskapelle statt. Die Bewohner hatten ihre Häuser und den vollendeten Neubau reich beflaggt. Um 4 Uhr bewegte sich von der großen Pfarrkirche aus eine stattliche Prozession hinauf zur Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Weihestätte unter Teilnahme der Mitglieder des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung, sowie des Kirchenchors Cäcilia und der Fahnendeputationen der katholischen Vereine. (...) Von einer weiteren weltlichen Nachfeier war entsprechend der heutigen ernsten Zeit abgesehen worden.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und fern“)

   

Für Briefmarkensammler. Wie bereits im vorigen Jahre für Belgien, sind nun auch für die von unseren Truppen besetzten Teile Russisch-Polens deutsche Reichspostmarken mit dem Aufdrucke Rußland-Polen erschienen. Briefmarkensammlern hat der Weltkrieg überhaupt viel Anregung gebracht. Die meisten kriegführenden Staaten haben dem Roten Kreuz durch Herausgabe frankaturfähiger Marken namhafte Beträge zugewandt. Allen voran ist Ungarn gegangen, das nicht weniger als 34 Wohltätigkeitsmarken im Nennwert von zusammen über 20 Mark hat erscheinen lassen. Seinem Beispiele ist die österreichische Post gefolgt, die kürzlich 5 wundervolle Kriegsmarken herausgegeben hat, welche mit 1-3 Heller Aufschlag zugunsten des Roten Kreuzes verkauft werden. Auf den einzelnen Werten findet sich Infanterie im Schützengraben, Kavalleriepatrouille, Motormörser in Feuerstellung, das Kampfschiff „Viribus unitis“ und ein Kriegsaeroplan dargestellt. Für die in österreichisch-ungarische Verwaltung genommenen Teile Rußlands hat man 21 Marken der kursierenden Ausgabe für Bosnien mit K. u. K. Feldpost überdruckt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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