Bonn 1914-1918
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    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
      • -- Bilder
      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
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Montag, 21. Juni 1915

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 21. Juni 1915In einem Bonner Gasthof sind in der Nacht zu Samstag einem Reisenden zwei Handkoffer mit Goldsachen im Werte von über 60.000 Mark gestohlen worden. Die Koffer mit ihren gesamten Inhalt wurden aber schon am Samstag von der Kölner Polizei in einer Wirtschaft in Kalk beschlagnahmt. Als Dieb kommt der Hausbursche des Gasthofes in Betracht. Er hatte die Handkoffer zum Beueler Bahnhof fahren sollen, war aber damit verschwunden. Den Handwagen, den er benutzt hat, fand man nachher herrenlos am Bahnhofe. Die hiesige Polizei ermittelte, daß der Hausbursche nach Kalk gefahren war, auch die Koffer dahin aufgegeben hatte, und so konnte das gestohlene Gut, das schon zu weiteren Versand in Kisten verpackt war, noch rechtzeitig gefunden werden. Der Dieb konnte noch nicht festgenommen werden.

Flottenbund deutscher Frauen. Der für heute geplante Ausflug mußte bis zum Juli verschoben werden, da die Verwundeten wegen dienstlicher Hindernisse keinen Urlaub erhalten können. Die bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Die Bonner Bäcker-Innung gibt bekannt, daß der Preis des Schwarzbrotes von heute an auf 65 Pfennig ermäßigt worden ist. Ferner wird bekannt gegeben, daß Mehl an sämtliche Käufer abgegeben werden muß.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 22. Juni 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1915Auf der Bismarck-Säule wurde gestern abend, wie alljährlich zur Sonnenwende, das Bismarck-Feuer angezündet. Es leuchtete weithin durch den lauen Sommerabend.

Eine Bestanderhebung unversponnener Schafwollen wird angeordnet. Meldepflichtig sind sämtliche Vorräte von unversponnenen Schafwollen und zwar: Ungewaschene Wollen einschließlich Rückenwäschen, gewaschene und karbonisierte Wolle, Kammzug, Kämmlinge, Wollabgänge, Fäden, Wickel, Zugabrisse, Scherhaare, Walk- und Rauhflocken, sonstige Kämmereiabgänge, sonstige Wollabgänge aus den Kammgarnspinnereien, sonstige Wollabgänge aus anderen Betrieben mit Ausnahme von Kunstwollen. Sämtliche meldepflichtige Bestände sind erstmalig spätestens bis zum 10 Juli 1915, sodann in gleicher Weise spätestens bis zum 10. eines jeden folgenden Monats unter Benutzung der vorschriftsmäßig auszufüllenden amtlichen Meldescheine für unversponnene Schafswollen an das Wollgewerbeamt der Kriegsrohstoff-Anteilung , Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstraße 11, zu melden. Für die Meldepflicht ist der am 30 Juni 1915, 12 Uhr nachts, bzw. der an jeden folgenden Monatsletzten 12 Uhr nachts bestehende tatsächliche Zustand maßgebend.

Metropol-Theater. Der Spielplan dieser Woche enthält drei große Filmwerke: Der König des Meeres, Die Schmuggler und Der goldene Skarabäus. Außerdem werden die neuesten Kriegsaufnahmen, Naturdarstellungen und heitere Werke vorgeführt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juni 1915Fußball-Wettspiel um den Kriegspokal. Vergangenen Sonntag standen sich auf dem Jahnplatz in Siegen der Bonner F.-B. und der F.-C. „Germania“ Siegen im Zwischenrundenspiel um den Kriegspokal gegenüber. Der Spielverlauf war folgender: Ein Eigentor Siegens verhilft B. F.-B. zum ersten Erfolg. Kurz darauf gleicht Siegen aus. Bis Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. Juni 1915Halbzeit stellt B. F.-B. durch seinen Mittelstürmer Iven das Resultat auf 2:1. Bis zum Schluß gelingt es Iven, noch zweimal einzusenden. Durch dieses Spiel hat sich der B. F.-B. die Berechtigung errungen, am Endspiel um den Kriegspokal teilzunehmen.

Ueber die Einwirkung des Krieges auf den Haus- und Grundbesitz berichtete auf dem Verbandstag der Rheinisch-Westfälischen Grundbesitzer in Gelsenkirchen der Geschäftsführer Heinicke. Er stellte fest, daß die Sparkassen sich stets entgegenkommend gezeigt hätten, wo immer der Hausbesitzer sich an sie unter der Kriegsnot um Stundung der fälligen Zinsen gewendet habe. Dagegen hätten die Hypothekenbanken nicht selten die Zwangslage der Haus- und Grundbesitzer ausgenutzt. Redner erörterte die verschiedenen Bundesratsverordnungen über Mieter und Hausbesitzer und pries die Mieteinigungsämter, die recht Ersprießliches verhießen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Ueber Welsch-Tirol, das neue Kampfgebiet, wird am Donnerstag, 24. Juni, pünktlich abends 8½ Uhr, im großen Hörsaal der Universität (gegenüber Schaafhausenscher Bankverein) Herr Dr. R. F. Günther einen Vortrag halten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 23. Juni 2015

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1915Lemberg erobert! Diese freudige Nachricht, die gestern in der achten Stunde in Bonn eintraf, wurde überall mit großem Jubel aufgenommen. Feierliches Glockengeläut ertönte von allen Kirchen, die Häuser wurden rasch mit Siegesfahnen geschmückt, und auf den Straßen wurde manches Hurra den tapferen deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen gewidmet.

„Hindenburgstraße“ soll die, wie den Stadtverordneten von der Baukommission vorgeschlagen wird, neue Straße in der Verlängerung der Schumannstraße von der Pützstraße bis zur Dottendorfer Kirche genannt werden. – Ferner wird vorgeschlagen, den Dottendorfer Rheinweg von der Koblenzer Straße bis zum Bahnhof Bonn-Trajekt „Friedrich-Wilhelm-Straße“ und den bisherigen Eselsweg, nordwestlich des neuen Johanniterkrankenhauses Friedrich-Wilhelm-Stift „Johanniter-Straße zu nennen.

Sorgt zeitig für die Feuerung! Der Bonner Kohlen-, Koks- und Briketthändlerverein erinnert die Verbraucher in ihrem eigenen Interesse daran, schon jetzt die Feuerungsvorräte für den nächsten Winter zu bestellen, da von August an bestimmt eine allgemeine Knappheit der Brennstoffe eintreten wird.

Der Verkauf von sog. Fruchteis auf den Straßen und öffentlichen Plätzen sowie aus den Türnischen oder aus Verkaufsstellen, die in ähnlicher Weise zur unmittelbaren Abgabe des Fruchteises hergerichtet sind, wird vom Militärpolizeimeister für den Befehlsbereich der Festung Köln (also auch für Bonn) aus gesundheitlichen Gründen verboten. Zuwiderhandlungen werden in jedem Einzelfalle mit Geldstrafe bis zu 30 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft, bestraft. Rechtsmittel sind hiergegen nicht zulässig.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1915Die Wiedereroberung Lembergs wurde in Bonn gestern abend kurz nach 8 Uhr durch unser 8 Uhr-Abendblatt und durch unsere Aushänge bekannt. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die frohe Siegesbotschaft durch die Stadt. Feierliches Glockengeläute verkündete weithin das für den weiteren Verlauf des Krieges bedeutungsvolle Ereignis. Wie stark die Anteilnahme der Bürgerschaft an dem Sturmlauf unserer verbündeten Truppen in Galizien gegen die jetzt nur noch am Dnjestrabschnitt stehen Russenheere ist, davon gaben Szenen vor unserem Geschäftshause an der Bahnhofstraße ein lebhaftes Bild. Hochrufe und vaterländische Gesänge ertönten und auf allen Gesichtern las man die Freude über den errungenen großen Sieg. Im Nu waren namentlich im Inneren der Stadt an vielen Häusern deutsche und österreichische Flaggen heraus und in den öffentlichen Lokalen kam die Siegesfreude durch vaterländische Kundgebungen zum Ausdruck. Etwa 100 junge Mädchen, die, von einem Ausflug zurückkehrend, just in dem Augenblick mit dem Zuge hier eintrafen, als die Siegesnachricht bekannt wurde, stimmten begeistert die „Wacht am Rhein“ an und sangen dann noch bei Mandolinen- und Gitarrenbegleitung einige frischfröhliche Wanderlieder. Aber nicht umsonst taten sie es. Mit dem Hut in der Hand gingen einige durch die große Zuhörerschaft und sammelten – fürs Rote Kreuz. Daß die jungen Damen für diesen wohltätigen Zweck ein schönes Stück Geld einheimsten, versteht sich von selbst. – In Godesberg veranstalteten die Schüler des Pädagogiums aus Anlaß der Wiedereroberung Lembergs einen Fackelzug durch die reichbeflaggten Straßen und sogar die in Godesberg wohnenden Russen wurden von der allgemeinen Begeisterung erfaßt und beflaggten ihre Häuser.

Die Sonnenwendfeier der deutschen Studentenschaft in Friedrichsruh hielt sich natürlich nur in recht bescheidenem Rahmen, soweit es sich um die Anzahl der Teilnehmer handelt. Der Geist der Kundgebung war umso achtungsgebietender. Den Zug eröffnete der ????ausschuß der Universität Bonn, der die Chargierten Kempf – Alemannia, Schlitt – Ripuaria und Voß – Verein Deutscher Studenten mit dem Universitätsbanner entsandt hatte. Den Chargierten folgten die übrigen Festteilnehmer in zwangloser Ordnung. Nach einer Ansprache des Landrats von Bonin legte stud. jur. Kempf aus Bonn einen Eichenkranz mit deutschen Farben im Mausoleum nieder. Gräfin Gödela von Bismarck empfing die Bonner Chargierten auf der Schloßterrasse. Abends fand die Schlußfeier an der Bismarck-Säule auf dem Hamberge statt. Referendar Flex von der Bonner Almannia, Leutn. d. R. zur See, und der zweite Vizepräsident der Hamburger Bürgerschaft Dr. Bagge hielten Ansprachen. Bagge’s Rede klang in den gemeinsam gesungenen Treueschwur an der Bismarck-Säule aus, während die Flammen hinaufloderten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juni 1915Die Strafbestimmungen in der Verordnung des Militärpolizeimeisters der Festung Köln über die Meldepflicht innerhalb von 12 Stunden setzen eine Geldstrafe von 30 Mark fest, gegen die ein Einspruch nicht möglich ist. Stadtverordneter Schmitz hat nun an die Stadtverwaltung eine Interpellation eingereicht, in der die Stadtverwaltung gefragt wird, ob sie gewillt ist, Schritte zu tun, um die Milderung dieser Bestimmungen herbeizuführen. Die Sache wird am Freitag besprochen werden.

Ueberfahren. Ein etwa 60 Jahre alter unbekannter Mann ließ sich gestern abend in selbstmörderischer Absicht am Güterbahnhof von einem Zuge überfahren. Er wurde sofort getötet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

  

Kriegskochausstellung. Bei der am Freitag, den 25. Juni, nachmittags 4½ Uhr, im Bürgerverein stattfindenden Kriegskochausstellung sollen Kochbücher über die Herstellung von Gerichten zum Preise von 10 Pfg. abgegeben werden. Den ausgestellten Speisen wird eine Kostenberechnung beigelegt, sodaß die Beschauerinnen sich sofort überzeugen können, ob die Speisen für ihren Haushalt geeignet sind. Der Besuch der Ausstellung kann sehr empfohlen werden, da die ausgestellten Speisen für die jetzige Zeit eine wirkliche Bereicherung bieten, sie sind nahrhaft, billig und gut. Es wird sehr um pünktliches Erscheinen gebeten.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Donnerstag, 24. Juni 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Juni 1915Liebesgabenzug für die türkische Armee. Das im Einvernehmen mit dem Deutschen Komitee für die Sammlungen zugunsten des Roten Halbmondes gegründete jüdische Hilfskomitee „Roter Halbmond“ hat im Kreise der deutschen Juden über 100.000 Mark aufgebracht. Die dafür angekauften Liebesgaben sind mit einem Sonderzuge nach Konstantinopel gebracht und den türkischen sowie auch den zusammen mit ihnen kämpfenden deutschen Soldaten und Seeleuten zugeführt worden. Das jüdische Hilfskomitee „Roter Halbmond“ bittet um weitere Gaben – Geld, Nahrungs- und Genußmittel, Wäsche usw. – an Kommerzienrat Gerson Simon, in Firma Jacob und Richter, Berlin SW. 19, Kommandantenstr. 85/86, mit der Bezeichnung „Für den Roten Halbmond“ bzw. an das Bankhaus Veit Selberg u. Co., Berlin W. 8, Französische Straße 49 (Postscheck-Konto: Berlin Nr. 4396 „Für Roter Halbmond“).

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Juni 1915Johannistag. Mit dem Johannistag hat das schaffende Jahr den Höhepunkt des Blühens erreicht, nun geht es zur Reife über. Bunteste Farbenpracht entzückt in den Gärten und die Rosen strömen den stärksten Duft aus. Auch in unseren Feldern und Fluren hat der ausgiebige Regen, der gestern über unsere Gegend niederging, wahre Wunder getan. Gierig nahm der ausgetrocknete Boden das segenspendende Naß in sich auf, und alles, was draußen grünt und blüht, erwachte wieder zu neuem, fruchtbringendem Leben. Die Ernte ist nun bald nicht mehr weit, und man darf hoffen, daß sie gut wird.

Bereitung von Backwaren. Laut einer Bekanntmachung in der heutigen Nummer unseres Blattes ist für den Umfang des Landkreises Bonn bis zum 1. Oktober 1915 die Arbeitszeit in den Bäckereien und Konditoreien von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends festgesetzt worden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 24. Juni 1915Doktordiplome in deutscher Sprache. Bei der am kommenden Freitag in der philosophischen Fakultät stattfindenden Doktorpromotion werden zum ersten Male Diplome in deutscher (bisher lateinischer) Sprache verliehen werden.

Der Bonner Wehrbund marschierte am verflossenen Sonntag nach Köln in der Stärke von 114 Mann zur Besichtigung des Uebungsplatzes des Ersatz-Bataillons Pionier-Regiments Nr. 24. Um 9½ erfolgte der Abmarsch und wenige Minuten nach 3 Uhr waren die Jugendkompagnien am Ziele des Marsches, dem Uebungsplatze, der Mühlheim gegenüber liegt, angelangt. Nach kurzer Rast ging unter der vortrefflichen Führung des Herrn Hauptmann Meyer die Besichtigung des Uebungsplatzes vor sich. Alles, was auf dem Platze sehenswert war, wurde gezeigt und erklärt. Mit lebhafter Teilnahme folgte die Jungmannschaft den belehrenden Worten des Führers, zog, seiner Aufforderung folgend, durch die nach den neuesten Erfahrungen angelegten Schützengräben, sah sich die granatensicheren Unterstände an nebst den Unterkunftsstellen für die Offiziere, kletterte unermüdlich in die Minenschächte und stand fassungslos vor dem durch eine Minensprengung verwüsteten Schützengraben. Den Drahtverhau, die Wolfsgruben, das Fort mit seinen schwer zu überwindenden Hindernissen, die Verderben bringenden Sprengmittel verschiedenster Art, die Funkerstation , die Mittel zur Erzeugung flammenden Feuers, das den Gegner unwiderstehlich aus seiner Stellung vertreibt, wurde der Jungmannschaft gezeigt und sachlich erklärt. Sie erfuhr, daß zur Sprengung der Eisenteile oder Pfeiler einer Brücke die Verwendung der Zündmasse nur nach vorausgegangener mathematischer Berechnung der zu zerstörenden Teile erfolge und es drängte sich ihr die Ueberzeugung auf, daß eine Truppe, die zu Wasser und zu Lande eine so umfassende Ausbildung erhält, wahrlich eine Elitetruppe sein müsse. (....) Selbstverständlich wurde dem Führer der gebührende Dank ausgesprochen nach Beendigung der Besichtigung. Die Rückbeförderung der Jungmannschaft, die an körperlicher Ausdauer Vortreffliches leistete, da keine Einkehr stattfand, erfolgte mit der Eisenbahn mit dem Zuge 7.32 Uhr von Köln. Hoffentlich veranlaßt der Umstand, daß sich in den nächsten Tagen auch die Achtzehnjährigen und Siebzehnjährigen in die Stammrolle eintragen müssen, recht viele zum Eintritt in den Wehrbund. Die Art der Ausbildung fördert nicht nur das weitere sehr notwendige körperliche Ausreifen, sondern erleichtert ihnen auch, was für sie nicht ohne Vorteil ist für den Fall der Einberufung, das Verständnis der militärischen Formationen und damit die Erfüllung der Dienstpflicht.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 25. Juni 1915

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 25. Juni 1915Nationaler Studentendienst. Im Auftrage der Bonner Sozialstudentischen Zentrale und vieler studentischer Korporationen und Vereinigungen sprach am Montag abend im Hähnchen Herr Dr. Sonnenschein über „Nationaler Studentendienst“. Er führte aus, daß der Weltkrieg in den rauschenden Augusttagen und jetzt in der Gemeinsamkeit des Schützengrabens Solidarität aller Stände geschaffen habe. Doch diese Solidarität sei bedroht von dem Kastengeist, der hinter der Front noch immer nicht ausgestorben sei, der nach dem Kriege vielleicht wieder zur Herrschaft kommen werde und die Gefahr in sich trage, daß die in gemeinsamen Kämpfen und Mühen so teuer erworbene Gemeinschaft wieder untergehe in der Flut der kleinen Vorurteile. Darum sein es während des Krieges und später im Frieden doppelt nötig daß die Zurückbleibenden nach gegenseitiger Verständigung streben, daß insbesondere der Akademiker das Volk kennen zu lernen suche und daß er, der später sein geistiger Führer werden solle, sich klar sei über dessen Wesen, Wünsche, Leben und Not. Das könne restlos nur geschehen durch praktisch Fühlungnahme durch Sozialarbeit. Wie das zu erreichen und im einzelnen zu gestalten sei, führte der Redner dann des näheren aus. Die Wirkung seiner Worte war restlos und ließ in den zahlreich erschienenen Zuhörern das Gelöbnis zum Volksgenossentum und zum Ringen darum zurück.

Liebesgaben aus Brasilien. In den deutschen Ansiedlungen Brasiliens, ganz besonders in den brasilianischen Städten Blumenau, Itajahi und Joinville sind nicht nur ansehnliche Geldbeträge nach Deutschland für das Rote Kreuz und die Kriegshilfe geschickt worden, es wurde u. a. auch eine bedeutende Sendung Zigarren, Zigarillos, Honig und Fruchtkonserven nach Deutschland gesandt, die durch Vermittlung des Hauses Magnus u. Co., Rio de Janeiro und Hamburg wohlbehalten eingetroffen ist. Die Zigarren und Zigarillos sind dem Zentral-Depot für Liebesgaben in Berlin zur Verteilung ab die Marine und an das Heer zur Verfügung gestellt. Auch das Rote Kreuz in den verschiedenen Hauptstädten des deutschen Reiches hat aus der Sendung Honig und Fruchtkonserven erhalten. Es ist bemerkenswert, daß die deutsche Ansiedlung in Brasilien, Blumenau, ausdrücklich S. M. S. Kaiser berücksichtigt hat, indem unsere lieben Landsleute bestimmten, daß in Erinnerung an den unvergeßlichen Besuch des Schiffes eine reichhaltige Liebesgabe der Besatzung überreicht werden soll. Auch diese Sendung ist bereits dem Kommandanten S. M. S. Kaiser für die Besatzung übergeben worden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juni 1915„Welschtirol, das neue Kampfgebiet“, war der Gegenstand eines Vortrages, den gestern abend Dr. R. F. Günther im vollbesetzten großen Hörsaal der Universität hielt. Redner sprach zuerst von der „Italia irredenta“, jener Partei in Italien, welche die Vereinigung aller italienisch redenden Gebietsteile außerhalb des Königreichs Italien mit diesem erstrebt. Aber weder rechtlich noch geschichtlich sei ein solcher Anspruch gerechtfertigt: Südtirol sei ursprünglich deutsches Reichsland gewesen. Dr. Günther kam ferner auf die Zugeständnisse zu sprechen, die Oesterreich Italien gemacht habe, um darzutun, was preiszugeben die österreichische Monarchie willens gewesen sei. Nach Welschtirol, ins neue Kampfgebiet, führten alsdann Lichtbilder, wozu Dr. Günther durch einige Täler den Führer machte. Die Bilder waren unklar – und man freute sich dessen beinahe. Denn es ist sehr schmerzhaft, in einer Zeit verhinderter Reisepläne ein Stück schöner Welt nur auf der weißen Wand sehen zu dürfen. Aber so unklar waren die Bilder doch nicht, um sehen zu können, daß die Bewohner dieses schönen Landes sehr ärmliche Leute sind. Für sie, die auf dem Vorposten des Deutschtums stehen, über deren Scholle nun die Kriegsfurie wütet, bat Dr. Günther um Liebesgaben.

Schädlichkeit des Zigarettenrauchens bei Jugendlichen. Man schreibt uns: Die schon so häufig gerügte, in den letzten Jahren aber immer mehr überhandnehmende Unsitte des Zigarettenrauchens jugendlicher Personen, ist besonders in gesundheitlicher Beziehung von äußerst schädlichem Einfluß. So wird neuerdings aus der Gemeinde Großenbaum (Landkreis Düsseldorf) mitgeteilt, daß sich bei einem jungen Menschen von 17 Jahren infolge des übertriebenen Zigarettengenusses eine Gehirn-Entzündung entwickelt habe, die nunmehr den Tod des Betreffenden zur Folge hatte. Verschiedene Behörden sind denn schon zu einem Verbot des Zigarettenverkaufes an jugendliche Personen übergegangen und auch das Generalkommando in Münster hat in diesem Sinne eine Warnung erlassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Bonner Bürgerverein. In der gestern abgehaltenen Hauptversammlung des geselligen Vereins Bonn Bürger-Verein trug der Vorsitzende den Jahresbericht vor, nach welcher der Verein am 1. Januar 1915 550 Mitglieder zählte. Bei der Neuwahl für die im regelmäßigen Geschäftsgang ausscheidenden Vorstandsmitglieder, welche eine Wiederwahl aus Gesundheitsgründen ablehnten, wurden die Herren Kaufmann Theodor Bahnen und Lehrer Wilh. v. Birgelen in den Vorstand gewählt. Zum Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Schumacher II wieder- und Kaufmann Carl Lauffs zum stellvertretenden Vorsitzenden neugewählt. Die Anregung, auch in Bonn nach dem Wiener und Kölner Vorbild ein Holzbildnis zum Einschlagen von Nägeln zur Erinnerung an die große Zeit und zur Beschaffung von Mitteln für vaterländische Zwecke zu errichten, fand allseitige Zustimmung, zumal gerade die Nachricht von der Einnahme von Lemberg eintraf. Ein allgemeiner Bürgerausschuß zur Beratung der Angelegenheit ist in der Bildung begriffen. Anfragen und Zuschriften nimmt Rechtsanwalt Schumacher II in Bonn, Wilhelmstraße 26, entgegen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Benennung von Straßen.
Einer Straße den Namen Hindenburgstraße zu geben, wird allgemeinen Beifall finden und eine dauernde Erinnerung an den verdienstvollen Heerführer und an den gegenwärtigen Krieg sein. Gibt es ja auch zur Erinnerung an den 1870er Krieg eine Wörthstraße in Bonn. Bekanntlich haben bei Wörth süddeutsche Truppen gekämpft, während bei Spichern viele Rheinländer kämpften. Wäre es da nicht am Platze, auch eine Straße als „Spicherer Bergstraße“ ins Auge zu fassen. Vielleicht ließe sich dieses schon dadurch erledigen, daß die jetzige Bergstraße diesen Namen erhält. Ein Veteran von 1870/71.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Samstag, 26. Juni 1915

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Auf die Bonner vaterländischen Abzeichen, die zum Besten der Kriegsfürsorge verkauft werden, sei hiermit noch einmal ganz besonders hingewiesen. Diese Abzeichen, die in Form von Broschen und Anhängern zu haben sind, dienen nicht nur einem Zweck, der uns allen jetzt als die nächste und dringendste Sorge am Herzen liegen muß, sie bilden auch eine bleibende Erinnerung an die Tage der Kämpfe, Sorgen und Siege der Gegenwart. Man darf wohl die Erwartung aussprechen, daß diese Bonner vaterländischen Abzeichen mit der gleichen Freude gekauft werden, wie ähnliche Erinnerungszeichen in anderen Städten. Die Bonner Bürgerschaft, die sich bisher bei allen der Kriegsfürsorge gewidmeten Unternehmen durch ihre Opferwilligkeit ausgezeichnet hat, wird sich gewiß auch diesmal von keiner anderen Stadt übertreffen lassen. Die Abzeichen sind zu haben bei den Heferinnen der vaterländischen Vereine, in der Rheinisch-Westfälischen Diskonto-Gesellschaft und im Rathause, Zimmer 26.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Die Stadtverordnetenversammlung nahm in ihrer gestrigen Sitzung zunächst den Dank des deutschen Genesungsheimes für das ihm bewilligte Geschenk von 5.000 Mark entgegen. Sie beschloß dann die Annahme eines Vermächtnisses, genehmigte mehrere Sonderrechnungen, sowie die Hauptrechnung für 1913. Die Beschaffung einer Kokstransportanlage für das Gaswerk wurde in geheime Sitzung verwiesen. Mit der Beschaffung von Möbeln für die Steuerzahlstelle und eines neuen Dampffasses für die Tierkörperverwertungsanstalt erklärte die Versammlung sich einverstanden, ebenso mit der Abänderung der Bestimmungen über die Einziehung der Baupolizeigebühren. Die Benennung von Straßen wurde bezüglich der Hindenburgstraße vertagt, mit der Benennung der beiden anderen Straßen erklärten sich die Stadtverordneten einverstanden, ebenso wie mit der Verlängerung von Pachtverträgen und der Ermäßigung einer Anerkennungsgebühr. Die satzungsgemäß aus dem Stadtausschuß ausscheidenden Mitglieder Apotheker Dr. von Velsen und Rentner Max Herschel wurden einstimmig wiedergewählt. Die Ersatzwahl für Fabrikdirektor Julius Rossberg wurde vertagt. Auf die Interpellation des Stadtverordneten Schmitz über die Polizeiverordnung des Polizeimeisters der Festung Köln vom 28. April ds. Js. über die Meldepflicht erwiderte Oberbürgermeister Spiritus, daß die Verwaltung bereits Vorstellungen gegen die Polizeiverordnung erhoben habe. Von einer Besprechung der Interpellation wurde abgesehen, da es sich nicht um eine Gemeindeangelegenheit handelte.

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Ruhebänke. An mehreren Haltestellen der städtischen Straßenbahn sind neuerdings weißgestrichene Ruhebänke aufgestellt. So auf dem Kaiserplatz, an der Poppelsdorfer Allee, an der Coblenzerstraße usw.

Eine eiserne Schaluppe, die in der Nähe der Gronau herrenlos auf dem Rhein trieb, wurde heute in der Frühe von einem städtischen Badewärter an Land gebracht. In dem Nachen lagen verschiedene Kleidungsstücke, eine Hose, eine leinene Jacke und ein Paar Schuhe. Man nimmt an, daß der Besitzer dieser Sachen beim Baden ertrunken ist.

Warnung vor Agenten des feindlichen Auslandes. Es ist festgestellt worden, daß im Dienst des feindlichen Auslandes stehende Agenten von den Angehörigen von Soldaten hier im Rheinland und in Westfalen Feldpostbriefe ankaufen, oder Einsichtnahme in solche zu erlangen suchen. Die Briefsammler geben dabei in der Regel an, es handelte sich um patriotische Werke, in denen die Briefe zum Abdruck kommen sollen. Da durch dieses Vorgehen die Interessen der Landesverteidigung gefährdet werden, wird die Bevölkerung vor dem Verkaufe von Feldpostbriefen oder der Gestattung der Einsichtnahme von solchen eindringlich gewarnt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Juni 1915Kriegs-Kochausstellung. Gestern nachmittag veranstaltete der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe und der Interkonfessionelle Hausfrauenverband eine Kriegs-Kochausstellung, die außerordentlich gut besucht war. Auf Tischen waren die bereiteten Speisen fein säuberlich ausgelegt und luden zu Mundproben ein. Es gab da: Fleisch-, Fisch- und Gemüsesülzen, um das Publikum auf den Wert der so zweck- und nahrhaften Gelatine aufmerksam zu machen; selbst Speisereste sah man eingesülzt da liegen, und auch sie regten an. Den Gemüsen war wiederum eine besonders große Aufmerksamkeit entgegengebracht worden – und man hatte sich in der vielseitigsten Zubereitung versucht -, um Gemüse auch als Abendkost anstelle der teuren Fleischkost einzuführen. Eine andere Abteilung hatte sich mit der fleischlosen Kost befaßt. Auf weiteren Tischen waren die Speisen für Magen- und Zuckerkranke zu sehen, aber der Tisch der Tische wird für „manche“ und wohl auch für „manchen“ der Tisch gewesen sein, auf dem die Puddinge, auch kriegsgemäß und teilgemäß mit Gelatine hergestellt, in allen Farben entzückten. Kriegsgemäße Backwaren, darunter Kriegsbrot für Leute mit nervösem Magen, bot ein anderer Tisch. Eintopfgerichte und Kochkisten verschiedener Art waren an anderen Stellen zu sehen. Da an jedem Tisch die Rezepte für nur 10 Pfennig käuflich waren, wird manche Hausfrau der Anregung folgen und den Versuch machen. Und damit wäre dann ja der praktische Erfolg der Ausstellung erreicht. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Die Eigentümer von Sojabohnen im Bereich des 8. Armeekorps werden aufgefordert, Meldungen aller Vorräte innerhalb 8 Tagen an die stellvertretende Intendantur ihres Korpsbezirks zu erstatten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 27. Juni 1914

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juni 1915Der Bonner Lazarettzug K 1 hat auch die zwölfte Fahrt mit großer Schnelligkeit ausgeführt. Er fuhr am Samstag mittag vom hiesigen Güterbahnhofe ab, lud am Dienstag in Chauny 200 Verwundete aus den letzten Gefechten bei Moulin sous Touvent, sowie 40 im August und September v. J. schwer verwundete und jetzt erst beförderungsfähige Franzosen. Ausgeladen wurde am Donnerstag in Bayreuth. Der Zug steht jetzt zur nächsten Fahrt auf dem Godesberger Güterbahnhof bereit.
   Die wachsende Fliegenplage nötigt zur Bitte um Geldspenden für geeignete Schutznetze. Ferner werden besonders dringend Zigarren, Zigaretten, Marmeladen als Liebesgaben erbeten. Endlich Konserven aller Art in Blechdosen. Da der Vorrat an Verbandsstoffen zu Ende geht, so sind auch davon größere Mengen, noch besser aber Geld zu ihrer Beschaffung erforderlich. – Sammelstelle Bahnhofstraße 40.
   Den Bonner Marktfrauen sei auch diesmal für die reichlichen Spenden an frischen Gemüsen, von denen wiederum mehrere Körbe an Lazarette in Chauny abgegeben werden konnten, und nicht minder allen übrigen freundlichen Spendern herzlich gedankt. (...)

Bonner Männer-Gesang-Verein. Auch in Bonn wird bekanntlich geplant, eine Figur aufzustellen und durch Einschlagen von Nägeln Mittel für die Kriegshilfe bezw. das Rote Kreuz aufzubringen. In erster Linie gilt es nun, die Mittel für eine solche Figur aufzubringen. Wie wir soeben erfahren, hat der Bonner Männer-Gesang-Verein in seiner letzten Vorstands-Sitzung beschlossen, der Verwirklichung des Planes sofort näher zu treten. Der altbekannte Verein wird an einem der nächsten Sonntage im Bonner Bürgerverein ein Gartenkonzert veranstalten, dessen Reinertrag als Grundstock für die Errichtung einer solchen Figur dienen und dem in der Bildung begriffenen Ausschusses überwiesen werden soll. Gutes Wetter und zahlreicher Besuch möge im Interesse des guten Zweckes dieser Veranstaltung beschieden sein. Das Nähere wird demnächst durch Anzeigen in den Tageszeitungen bekannt gegeben werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeigen im General-Anzeiger vom 27. Juni 1915Zur Vermeidung von Störungen in der Kriegsindustrie. Das hiesige Königl. Bezirkskommando übermittelt uns folgenden Korpsbefehl des Generalkommandos des 8. Armeekorps:
Zahlreiche Kriegslieferanten sind im Zweifel, ob unentbehrliche Facharbeiter, die bis 30. Juni 1915 beurlaubt oder zurückgestellt sind, am 1. Juli 1915 ohne weiteres sich zu stellen haben, oder ob sie diesbezüglichen Befehl abwarten können. Um Störungen in der Kriegsindustrie zu vermeiden, wird hiermit auf Befehl des stellvertretenden Generalkommandos, 8. Armeekorps, bekannt gegeben, daß diese Leute, - es handelt sich nur um unentbehrliche industrielle Facharbeiter – bei Ablauf ihrer Zurückstellung oder Beurlaubung sich nicht ohne weiteres zu stellen haben, sondern Gestellungsbefehl abwarten sollen.
   Als „Kriegslieferungen“ sind, entsprechend ihrer Bedeutung für die Durchführung des Krieges, anzusehen alle Arbeiten, die zur Herstellung des Bedarfs für die Bewaffnung, Ausrüstung, Bekleidung, Ernährung und Unterbringung der Wehrmacht des deutschen Reiches und seiner Verbündeten, sowie zur Erhaltung des gesamten deutschen Volkes und seines Wirtschaftslebens erforderlich sind. Ob den Lieferanten einer Firma dieser Charakter zukommt, ist im Einzelfall zu prüfen. Allgemein ausgeschlossen vom Begriff eines Kriegslieferanten sind jedenfalls nur die Luxusgewerbe, wie z.B. die Spielwaren-, Schmuckwaren-, Musikinstrumenten-Industrie usw.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Nächtliche Ruhestörer. Wir möchten die Stadtverwaltung einmal auf die Radauszenen aufmerksam machen, die sich nachts in der Kommandarie- und Neustraße abspielen. Bei Harmonikaspiel wird dort auf offener Straße getanzt und derartig skandaliert, daß es der Nachbarschaft nicht möglich ist, ein Auge zuzumachen. In der Nacht zum Freitag wurde, trotzdem die Anwohner um 11 ½ Uhr um Ruhe gebeten hatten, noch bis 1 Uhr weiter gesungen, Harmonika gespielt und getanzt. Es wäre zu wünschen, wenn die Polizei sich ins Mittel legte, damit es den Leuten, die sich am Tage müde gearbeitet haben, möglich ist, nachts auszuruhen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

  

Frisches Obst, insbesondere Erdbeeren und Kirschen, darf in Pappkästen mit der Feldpost nicht verschickt werden, weil die Früchte schon nach kurzer Beförderungsdauer Flüssigkeit absondern, wodurch andere Sendungen beschädigt werden. Die Versendung ist nur in sicher verschlossenen Blechbehältern zulässig. Am besten wird von der Versendung überhaupt abgesehen, weil keine Gewähr besteht, daß die Früchte in gutem Zustande ankommen. Ungenügend verpackte Feldpostsendungen mit frischem Obst werden von den Postangestellten zurückgewiesen werden.

Die Kunst im Schützengraben. Herr Ernst Heyer, Wehrmann im Res.-Inf.-Reg. Nr. 29, im Frieden Organist an der St. Remigiuskirche in Bonn, hat im Schützengraben einen Marsch für Klavier komponiert: „Marsch des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 29“. Das Werk hat bereits vielen Beifall gefunden. Es ist in dem bekannten Verlag von P.J. Tonger in Köln erschienen und kostet 1 Mark. Der Reinertrag wird zum Besten der Hinterbliebenen von Angehörigen des Res.-Inf.-Reg. Nr 29 verwendet.

Weibliche Steuerleute. Der empfindliche Mangel an männlichem Personal macht sich auch auf den Rheinschiffen bemerkbar. Man sieht jetzt vielfach weibliche Steuerleute auf den Schiffen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 28. Juni 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1915Die Stellung der Hausfrau in der Volkswirtschaft. In der Kriegskochausstellung des Ausschusses für hauswirtschaftliche Kriegshilfe und des Bonner Hausfrauenbundes sprach (…) Syndikus Dr. Rudolf Albrecht aus Düsseldorf über die Stellung der Hausfrau in der Volkswirtschaft. Er führte etwas aus: Zu dem Kriegsplan Englands gehörte auch die Aushungerung des nichtkämpfenden deutschen Volkes, eine Tat der Roheit, wie sie die Weltgeschichte bisher nicht gekannt hat. Der Plan Englands ist zuschanden geworden, die deutschen Hausfrauen haben sich willig der entsprechenden Führung untergeordnet und den Feind mit dem Kochlöffel aus dem Lande hinaus gejagt. So begrüßenswert dieser Erfolg ist, so anerkennenswert ist aber auch, daß der breitesten Oeffentlichkeit zum ersten Male die Augen aufgegangen sind über die Wichtigkeit der Hausfrauenarbeit für unsere gesamte Volkswirtschaft. (…) Die engeren Aufgaben der Hausfrau werden bestimmt durch die Wohnung, die Ernährung der Familie und die Erziehung der Kinder. (…) Zur Erreichung aller vorher genannten Ziele kommt es zunächst immer wieder auf die einzelne Hausfrau an. Sie muß zuerst ihre Aufgaben bis in alle Einzelheiten erkennen und zu erfüllen suchen. Manches davon ist aber ohne die Mitwirkung der Gemeinden und des Staates nicht durchführbar. Darum haben die Hausfrauen nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, dafür zu sorgen, daß ihnen der gebührende Einfluß auf Verwaltung und Gesetzgebung eingeräumt werde. Vieles muß noch erreicht werden auf diesem Gebiete, wenn auch nicht verkannt werden soll, daß in dieser ernsten Zeit die Hausfrauen voll und ganz ihre Schuldigkeit getan haben, sodaß sie mit Recht von sich sagen können: „Lieb Vaterland magst ruhig sein, fest steht und treu Hausfrauenwacht am Rhein.“

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1915Bonner Männer-Gesang-Verein. Vor kurzem ist in Köln am Gürzenich eine Figur, darstellend den „Kölsche Boor“, aufgestellt worden, die durch Einschlagen von Nägeln mit einem Eisenpanzer versehen werden soll. Das Einschlagen der Nägel erfolgt gegen Entrichtung eines bestimmten Geldbetrages. Der Reinertrag ist zum Besten der Kriegshilfe bezw. des Roten Kreuzes bestimmt. In Darmstadt ist für ähnliche Zwecke eine Figur in Form eines eisernen Kreuzes aufgestellt worden. Auch in Bonn ist der Plan zur Aufstellung einer in dieser Weise zu benagelnden Figur aufgetaucht. (…) Wie wir soeben erfahren, hat der Bonner Männer-Gesang-Verein in seiner letzten Vorstandsitzung beschlossen, der Verwirklichung des Planes sofort näherzutreten. (…)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

  

Ein reizender Vorschlag. Bekanntlich will man auch hier in Bonn eine Figur aufstellen, die zum Besten der Kriegshilfe „vernagelt“ werden soll. Was die Figur darstellen soll, ist bisher noch nicht erörtert worden. Viele sind der Meinung, daß es die Bonna sein müßte, der die Ehre zuteil werden soll. Ein Leser unseres Blattes ist jedoch anderer Ansicht. Er bittet uns, dafür einzutreten, Sir Edward Grey auszuhauen und den Bonnern zur Vernagelung vorzuführen. Er verspricht sich mit diesem Gentleman einen großartigen Erfolg, denn jeder Bonner würde sich ein Vergnügen daraus machen, den edlen Herrn gründlich zu vernageln. Die Sache hat etwas für sich.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Dienstag, 29. Juni 1915

Wegen des Feiertages Peter und Paul erscheint an diesem Tag nur die Bonner Zeitung.

  

Deutsche Bezeichnungen. Man schreibt uns: Die bisher gegebenen vielfachen Anregungen, die darauf hinzielten, die fremdsprachigen Inschriften, Aufschriften und Anschläge, insbesondere in und an Verkaufsläden, Gasthäusern und Geschäftsräumen, zu beseitigen und ausländische Bezeichnungen auf Geschäftspapieren, Rechnungszetteln, Waren und Warenproben zu unterlassen, haben bedauerlicherweise einen durchgreifenden Erfolg bis jetzt nicht erzielt. Vom stellvertr. General-Kommando des 8. Armeekorps wird deshalb erneut auf möglichste Verdeutschung aller vermeidbaren Fremdwörter gedrängt. – Man kann wohl die Erwartung hegen, daß nunmehr auch in Bonn dort, wo es noch nicht geschehen ist, mit den das deutsche Empfinden verletzenden fremdländischen Bezeichnungen gründlich aufgeräumt wird.

Sanitätshunde. Von der hiesigen Meldestelle ist heute der erste Führer, Herr Gerh. Brach aus Bonn, mit seinem Sanitätshunde nach dem neueingerichteten Militär-Ersatzdepot für Sanitätshundführer und Sanitätshunde in Fangschleuse bei Berlin abgegangen. Von der Bonner Meldestelle sind bis jetzt 55 Führer und 58 Hunde ins Feld geschickt worden. Zur Ausbildung als Sanitätshundführer wurden weiter 16 Herren eingestellt. Die erforderlichen Hunde haben die Eigentümer derselben wieder unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Die Meldestelle bitte um weitere Unterstützung. Der kleinste Betrag wird dankbar angenommen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Mittwoch, 30. Juni 1915

  

Bonner Adreßbuch. Am 2. Juli wird mit dem Druck des Bonner Adreßbuches begonnen werden. Der Verlag J. F. Carthaus erinnert an die rechtzeitige Einsendung etwa noch ausstehender Adreßkarten. Nach dem 1. Juli können Aenderungen nicht mehr berücksichtigt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Eine große Katholikenversammlung fand gestern abend im dicht besetzten Dreikaisersaale statt. Herr Rechtsanwalt Henry begrüßte die Versammlung. Er beglückwünschte zunächst die beiden Reichstagsabgeordneten Dr. Spahn und Chrysant zu ihrem Namenstag und Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Juni 1915brachte ein Hoch auf den Kaiser und den Papst aus. Nachdem der Münsterchor einen Chor vorgetragen hatte, ergriff Herr Abgeordneter Oberlandesgerichts-Präsident Dr. Spahn das Wort zu einer Rede über: Krieg und Wirtschaft. Deutschland habe seine Politik auf den Frieden gestellt eingedenk der Warnung Bismarcks vor einem ruchlosen Präventivkrieg. Der Krieg sei der größte der Welt geworden. (...)
   Wann der Friede kommt, wissen wir nicht, ob er unser Vaterland stärken wird, wir können es nur hoffen. Dieser Krieg muß aber das Reich stärken helfen. Was das dritte Jahrtausend bringen wird, läßt sich aus der Geschichte nicht erklären. Wir wollten keinen Eroberungskrieg führen. Aber Belgien darf nicht mehr ein Bollwerk Englands sein (Bravo!). Rußlands Dampfwalze müssen wir jederzeit abweisen können. (...) Wir werden weitere Opfer für Heer und Marine bringen müssen. Für die Hinterbliebenen werden wir umfangreich zu sorgen haben. (...) Möge Deutschlands Sonne allezeit auf ein glückliches Reich strahlen.
   Lebhafter Beifall wurde dem Redner für seine mehr als einstündigen Ausführungen zuteil.
   Nach einem Gesangsvortrag des Münsterchores sprach Herr Universitätsprofessor Dr. Brandt über die religiös-sittliche Mission des Krieges. Wenn auch der Krieg der Vernichter sei, so sei ihm doch eine Mission zuzuschreiben, die große sittlich-religiöse Werte für unser Volk geschaffen habe und es einer großen Zukunft entgegenführe. Er habe tief in das religiöse Gebiet eingegriffen zur Besserung. (...)
   Und wie leer war manches Jünglingsleben geworden. Da kam der Krieg und zeigte, daß die Selbstsucht weggeweht und daß die Opferfreudigkeit, das Heldentum geblieben war. Wenn Deutschland auf diesem Wege fortschreite, werde die Gottesmutter den Gottessohn bitten, daß bald ein ehrenvoller Friede Deutschland beschieden sein möge.
   Starker Beifall erscholl am Schlusse dieser Rede. Mit einem Liede zu Ehren der Gottesmutter wurde die Versammlung geschlossen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Godesberg, 30. Juni. Gestern nachmittag fand im hiesigen Ortsteile Schweinheim die kirchliche Einweihung der neuen Sebastianuskapelle statt. Die Bewohner hatten ihre Häuser und den vollendeten Neubau reich beflaggt. Um 4 Uhr bewegte sich von der großen Pfarrkirche aus eine stattliche Prozession hinauf zur Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Juni 1915Weihestätte unter Teilnahme der Mitglieder des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung, sowie des Kirchenchors Cäcilia und der Fahnendeputationen der katholischen Vereine. (...) Von einer weiteren weltlichen Nachfeier war entsprechend der heutigen ernsten Zeit abgesehen worden.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und fern“)

   

Für Briefmarkensammler. Wie bereits im vorigen Jahre für Belgien, sind nun auch für die von unseren Truppen besetzten Teile Russisch-Polens deutsche Reichspostmarken mit dem Aufdrucke Rußland-Polen erschienen. Briefmarkensammlern hat der Weltkrieg überhaupt viel Anregung gebracht. Die meisten kriegführenden Staaten haben dem Roten Kreuz durch Herausgabe frankaturfähiger Marken namhafte Beträge zugewandt. Allen voran ist Ungarn gegangen, das nicht weniger als 34 Wohltätigkeitsmarken im Nennwert von zusammen über 20 Mark hat erscheinen lassen. Seinem Beispiele ist die österreichische Post gefolgt, die kürzlich 5 wundervolle Kriegsmarken herausgegeben hat, welche mit 1-3 Heller Aufschlag zugunsten des Roten Kreuzes verkauft werden. Auf den einzelnen Werten findet sich Infanterie im Schützengraben, Kavalleriepatrouille, Motormörser in Feuerstellung, das Kampfschiff „Viribus unitis“ und ein Kriegsaeroplan dargestellt. Für die in österreichisch-ungarische Verwaltung genommenen Teile Rußlands hat man 21 Marken der kursierenden Ausgabe für Bosnien mit K. u. K. Feldpost überdruckt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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