Bonn 1914-1918
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Mittwoch, 21. Juli 1915

  

Der Bonner Wehrbund veranstaltete am verflossenen Sonntag keine gemeinsame Uebung seiner Abteilungen, um deren Mitgliedern Gelegenheit zu geben, sich auf das am nächsten Sonntage stattfindende Wetturnen vorzubereiten. Nur wer freiwillig wollte, konnte sich an den Uebungen Knien, Hinlegen und den verschiedenen Arten des Kriechens sowie dem Meldedienst beteiligen. Die Uebungsstätte war der Spielplatz an der Kölnstraße. Am kommenden Sonntag wird den jungen Wehrbündlern Gelegenheit geboten, körperliche Geschicklichkeit in den mannigfachsten Uebungen zu erproben. Außer einem Dreikampf im Werfen von Handgranaten, Hochspringen, 100-Meter.Lauf werden als Einzelwettkämpfe, Zielwerfen mit Handgranaten, Hindernislauf und als Mannschaftswettkämpfe Eilbotenlauf, Lauf über 1000 Meter, Exerzierübungen veranstaltet. An diesen Uebungen kann jeder junge Mann im Alter von 16 bis 18 Jahren teilnehmen.

Mit dem Lebensmittelwucher werden sich die Stadtverordneten in der übermorgigen Sitzung beschäftigen. Auf der Einladung zur Stadtverordnetensitzung steht als 11. Punkt die schon mitgeteilte Anfrage des Stadtverordneten Henry.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Als Ausdruck ihres vaterländischen Empfindens und der tiefen Dankbarkeit gegen unsere heldenmütigen Krieger hat Frau Justizrat Conzen den Betrag von 5000 Mark gestiftet, deren Zinsen in erster Linie als Beihülfe für Kriegsbeschädigte der Stadt Bonn ohne Unterschied der Konfession verwendet werden sollen, um sie wieder erwerbsfähig zu machen (Beihülfen zu künstlichen Gliedern oder deren Erneuerung usw.) und falls solche nicht mehr vorhanden sind, für Hülfsbedürftige, die an den Schlachten des gegenwärtigen Krieges teilgenommen haben, und falls deren keine mehr vorhanden sind, ganz allgemein für Hülfsbedürftige.
  
Ueber die Annahme und Anlegung der Schenkung als Sophie Conzen-Stiftung, die vom Armenrat empfohlen wird, werden die Stadtverordneten am Freitag beraten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Dolmetscher gesucht. Das Bezirkskommando in Bonn ersucht sprachenkundige ungediente nur garnisondienstfähige Landsturmpflichtige sich sofort spätestens bis zum 21. d. M. als Dolmetscher zu melden.

Als Oberschwester ist gegenwärtig auf dem österreichischen Kriegsschauplatze eine deutsche Studentin tätig, nämlich Fräulein cand. Phil. Maria Liessem, deren Familie auch in der hiesigen Gegend wohlbekannt ist. Der Vater, ein geborener Lengsdorfer, ist Lehrer in Köln, der Großvater war über 50 Jahre Lehrer in Lengsdorf. Nachdem Fräulein Liessem ihre Studien in Köln und Bonn beendet, reiste sie wenige Tage vor Ausbruch des gegenwärtigen Krieges auch noch studienhalber nach England. Es gelang ihr, mit dem letzten unbehelligt auslaufendem Dampfer London zu verlassen und, obgleich ein französisches Schiff den Dampfer verfolgte, glücklich in ihr deutsches Vaterland zurückzukehren. Sofort stellte sie sich im Festungslazarett Metz als Krankenpflegerin dem Roten Kreuz zur Verfügung und war hier 2½ Monate tätig. Dann ging sie mit dem Feldlazarett nach Lille in Frankreich und waltete dort bis in die vorderste Feuerlinie ihres neuen edlen Berufes. Darauf wurde sie von der Leitung nach dem galizischen Kriegsschauplatze geschickt. Hier erhielt sie für ihre hervorragenden Leistungen als Krankenpflegerin die österreichische silberne Ehrenmedaille mit der Kriegsdekoration und wurde zur chirurgischen Oberschwester ernannt. Sie ist gegenwärtig noch in Galizien tätig.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 22. Juli 1915

   

Ausstellung von Lazarett-Arbeiten. Man schreibt uns: Eine Ausstellung der Arbeiten der Verwundeten aus hiesigen Lazaretten findet vom Freitag bis Sonntag in der Fürstenstraße statt. Sie legt wiederum Zeugnis ab für den regen Eifer und das große Geschick, welches einzelne unserer Feldgrauen für die unterhaltende Beschäftigung in ihren Stunden unfreiwilliger Muße aufwenden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Tätigkeit der Damen, welche die Anleitung zu den mannigfachen Arbeiten geben, einen günstigen Erfolg auf viele Patienten ausüben, und mancher dankbare Schüler sich gerne dieser Arbeitsstunden erinnert. Durch die Unterstützung von monatlich 200 Mark der Vaterländischen Vereine war es möglich, die privaten Anfänge in dieser Richtung auszugestalten, sowie dank der Zuwendung von Material einzelner hiesiger und auswärtiger Firmen, die vor allem Linoleum, Schnitzmesser und Stoffreste schenkten. Wer die ausgestellten Gegenstände betrachtet, wird nicht im Zweifel darüber sein, daß die Ansprüche an Material sehr vielseitig sind. Gerne nimmt unsere Sammelstelle Colmantstraße 33 auch die kleinste Gabe entgegen, und bittet alt und jung um freundliches Gedenken.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Juli 1915Verfügung gegen die Preistreibereien im Festungsbezirk Köln. Gegen die Preistreibereien richtet sich eine Bekanntmachung des Gouverneurs der Festung Köln, die wir in der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlichen. Es heißt darin, daß die Preissteigerungen zum Teil künstlich herbeigeführt worden seien, und daß gewinnsüchtige Absicht zu unlauteren Machenschaften im geschäftlichen Verkehr mit den für die Volksernährung und Unterhaltung unentbehrlichen Gegenständen geführt habe. Sowohl Produzenten als auch Händler hätten die Waren aus dem Verkehr zurückgehalten, um die Nachfrage zu erhöhen und dadurch höhere Preisangebote zu erzielen. Neben der Bestrafung, die den Preistreibern angedroht wird, soll auch deren Namen öffentlich namhaft gemacht werden.

Unsere Feldgrauen kommen! Die nur noch einige Tage in Deutschland weilende Kapelle des Res.-Inf.-Regts. 69 veranstaltet am kommenden Samstag in der Stadthalle ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Krieger. Im Interesse der guten Sache ist den Veranstaltern ein volles Haus zu wünschen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Vom Wetter. Der anhaltende Regen, welchen wir die letzte Zeit hatten, ist einer besseren Witterung gewichen und schönes trockenes Wetter mit Sonnenschein ist eingetreten. Dieses ist im Interesse der jetzt vollauf stattfindenden Kornernte mit Freuden zu begrüßen, da nun dieses zum Brotbacken unentbehrliche Nahrungsmittel gut und sicher eingebracht werden kann.

Mehr Brot für die körperlich schwer Arbeitenden. Die Reichsverteilungsstelle hat beschlossen, den Kommunalverbänden über ihren, im Verteilungsplan festgesetzten Bedarfsanteil hinaus, Mehl zu einer höheren Brotversorgung der körperlich schwer arbeitenden, erwerbstätigen Bevölkerung zu überweisen. Die Zuteilung der erhöhten Brotmenge erfolgt nur auf Antrag, sie beträgt in Bonn für jede körperlich schwer arbeitende, erwerbstätige Person ¼ eines 3 ½ pfündigen Brotes wöchentlich. Bezugsberechtigt sind männliche und weibliche Einwohner mit einem eigenen Arbeitseinkommen bis zu 3000 Mark jährlich, also insbesondere gewerbliche (industrielle) und landwirtschaftliche Arbeiter, kleine Landwirte (auch Selbstversorger), Handwerker, kleine Beamte (Eisenbahn-. Straßenbahn-, Post-, Polizei- und andere Unterbeamten), immer unter der Voraussetzung, daß sie schwere Arbeit verrichten. Mit Rücksicht auf die geringe Mehlmenge, welche die Reichsverteilungsstelle für die körperlich schwer arbeitende Bevölkerung überweist, können nur die dringendsten Anträge berücksichtigt werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Acht Tage Zeit! will unsere Stadtbehörde in Bonn sich nehmen, um zu beraten, welche Maßregel zu ergreifen ist gegen den abscheulichen Wucher mit den allernotwendigsten Lebensmitteln. Acht Tage, von Freitag bis Freitag! Also gerade Zeit genug, um dem ekelhaften Treiben noch die Möglichkeit zu lassen, das Schäfchen wenigstens bis zum Schwanze aufs Trockene zu bringen. Wer bisher noch nicht wußte, wo er dran war, dürfte es jetzt wissen. Man möge die Entrüstung einem Bürger verzeihen, dem keine „blauen Lappen“ zur Verfügung stehen, womit eine Köchin oder ein Dienstmädchen zum Kolonial-, Delikatessen-, Butter- und Eierhändler oder zum Markt geht. Nun! Der Krug geht ..., und der Krieg besteht, und leichter trägt da, was er trägt, wer Geduld zur Bürde legt. Joh. Lamberg

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Freitag, 23. Juli 1915

   

Gegen das Rauchen der Jugend hat der kommandierende General des 8. Armeekorps eine Verordnung erlassen, die den Verkauf von Streichhölzern, Feuerwerkskörpern, Zigarren, Zigaretten und Tabak an Personen unter 16. Jahren verbietet. Die Verordnung gilt auch für Bonn.

Der Bonner Männer-Gesang-Verein wiederholt sein Konzert vom vorigen Sonntag übermorgen nachmittag zu volkstümlichem Eintrittspreise in der Stadthalle. Der Reinertrag dieser Veranstaltung ist auch wieder für die geplante Bonner Nagel-Figur bestimmt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juli 1915Zur Lebensmittelteuerung. Man schreibt uns aus Köln, 23. Juli: In der gestrigen Stadtverordnetensitzung beantwortete Oberbürgermeister Wallraf zwei Fragen betreffend die Lebensmittelteuerung und ihre Ursachen und die Gegenmaßnahmen der Stadt:
    Eine Regelung der Preisfragen, soweit sie im Rahmen der Möglichkeit liegt, werde nunmehr von den Zentralstellen des Reiches tatsächlich ins Auge gefaßt. Durchgreifendes auf dem Gebiete könne nur von einer Zentralstelle für das ganze Reich geschehen; das Vorgehen der Gemeinden bleibe stets nur Stückwerk. Die Vorschriften der Zentralstelle gegen Lebensmittelwucher sollten schärfer gefaßt und dadurch wirksamer gemacht werden. Daneben scheine eine Preisregelung in weitem Maße geplant zu sein. Die Getreide- und Mehlpreise sollen keine Preissteigerung erfahren. Die Stadt Köln wird, um in der Fleischpreisfrage weiterhin preisdrückend wirken zu können, die jetzt zum Verkauf gelangten Städtischen Fleischbestände fortdauern ergänzen. Um gegen die Preisteuerung von Obst und Gemüse vorzugehen, wird die Stadt von Freitag ab Gemüse und Obst auf den Märkten und in besonderen Verkaufsstellen zum Verkauf bringen. Die Stadt hat ferner Abschlüsse zur Bestellung von 1000 Morgen Land mit Gemüse gemacht, Bezüglich der Milchpreisfrage konnte von Beig. Adenauer mitgeteilt werden, daß für Köln der Milchpreis von 26 Pfg. vorläufig im Handel bestehen bleibt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Straßenbenennungen. Man sollte die verlängerte Schumannstraße Brahmsstraße nennen und das Baumschulenwäldchen Hindenburg-Park. Das entspräche der Bedeutung Hindenburgs. A.F.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Juli 1915Freie Bahnfahrt für sämtliche Heimaturlauber. Amtlich. Bisher wurden nur der zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit und zur Frühjahresbestellung und Ernte in die Heimat beurlaubten Mannschaften freie Eisenbahnfahrt gewährt. Nunmehr ist für sämtliche Mannschaften bei Heimaturlaub während des Krieges frei Eisenbahnfahrt bewilligt worden.

Liebesgaben für die Karpathenarmee. Die Liebesgabenspenden für die Karpathenarmee sind außerordentlich reichlich geflossen und der Opfersinn der Bonner hat sich erneut in hervorragendem Maße betätigt, sodaß allen Gebern herzlicher Dank gesagt werden muß. Im Einverständnis mit dem K. u. K. österreichisch-ungarischen Etappenkommando sind nun 2 vollgefüllte Eisenbahnwagen unter Leitung der Herren Krantz und Bankdirektor Weber abgegangen. Die Wagen werden über Wien, Budapest nach Stryl und von dort zur Front geführt. Der Inhalt der Wagen ist ein sehr reichlicher und wertvoller. Für 1000 Mann sind Hemden, Unterhosen, Strümpfe, Fußlappen, Taschetücher und Handtücher mitgesandt, dann große Mengen Chokolade, Konserven, Läusepulver, Bürsten, Seife, Spielkarten, Kerzen, Nähzeug, Streichhölzer, Bücher, 40.000 Zigarren und Zigaretten, Tabak, Pfeifen, Wein, Zitronensäfte, 10.000 Flaschen Mineralwasser, Schinken, Dauerwurst, Zucker und Salz und schließlich noch 450 Liebespakete, die in liebevoller Weise von der Bürgerschaft für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wurden. Sicher wird diese Sendung große Freude bei den tapferen Truppen hervorrufen, die nun schon im monatelangen, heißen Ringen um die Ehre unseres Vaterlandes stehen, und mancher stille Dank wird von dort zu den Ufern des Rheines nach unserem schönen Bonn kommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 24. Juli 1915

   

Der Bonner Männer-Gesangverein hat zu seinem Konzert am morgigen Sonntag auch die verwundeten Soldaten der hiesigen Lazarette eingeladen und für sie besondere Plätze im Mittelsaal reserviert. Das Konzert beginnt um 4¾ Uhr.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Juli 1915Arbeiten von Verwundeten. Wir machen nochmals auf die Arbeiten von Verwundeten der hiesigen Lazarette aufmerksam, die die geschickten Erzeugnisse ihres Fleißes im Geschäftslokal Fürstenstraße 4 zum Verkauf ausgestellt haben.

Ernte der Frühkartoffeln. Man schreibt uns vom Lande: Der starke Anbau von Frühkartoffeln macht sich jetzt in einer stark gesteigerten Anfuhr auf dem Kartoffelmarkte geltend. Nun hat aber das Erscheinen dieser Frühkartoffeln viele Privatleute, die im Frühjahr auf irgend einem Stück Pachtland auch Kartoffeln pflanzten, veranlaßt, auch ihrerseits mit der Kartoffelernte zu beginnen, um nicht die verhältnismäßig hohen Marktpreise zahlen zu müssen. In ihrem Interesse liegt es nicht, wenn es sich um wirkliche Frühkartoffeln handelt. Die nicht vorgetriebenen Kartoffeln bedürfen noch längerer Zeit bis zur Ernte. Man soll damit nicht eher beginnen, bis das Laub welk und trocken wird, sonst erhält man nur kleine, unreife und ungesunde Knollen, die sich aber nach drei Wochen schon so entwickelt hätten, daß sie das Doppelte und Dreifache im Ertrage geben würden.

Ueber 15 Jahre alte Ausländer müssen sich nach einer Bekanntmachung des stellvertretenden Generalkommandos in der heutigen Nummer unseres Blattes binnen 8 Stunden nach ihrer Ankunft am Aufenthaltsort bei der Ortspolizeibehörde anmelden. Jeder, der einen Ausländer aufnimmt, hat sich zu vergewissern, ob auch die Anmeldung bewirkt worden ist.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Auch die Kaiser-Friedrich-Goldstücke zur Reichsbank! Im Publikum werden vielfach Goldstücke mit dem Bildnis des Kaisers Friedrich zurückgehalten, weil sie zum Andenken an den großen Dulder verwahrt werden. Auch diese Goldstücke müssen der Reichsbank aus den schon oft dargelegten Gründen zugeführt werden. Um den Besitzern die Trennung davon zu erleichtern, sind die Reichsbankstellen angewiesen worden, Goldmünzen seltenerer Prägung (hierfür werden wohl vornehmlich solche mit der Jahreszahl 1888 in Frage kommen) unter Verpflichtung der Rückgabe gleichartiger Stücke im Umtausch gegen Papiergeld innerhalb 12 Monaten nach Friedensschluß gegen Empfangsbestätigung anzunehmen. Aufgrund dieser Verfügung darf angenommen werden, daß aus den „Sparstrümpfen“ nunmehr auch diese Goldmünzen zur Reichsbank wandern, da der Besitz eines solchen Goldstückes nach dem Kriege gesichert ist.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 25. Juli 1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1915Eine Vereinfachung der Wirtshauskost ist auch in Bonn von der Stadtverwaltung mit Vertretern des Wirtsgewerbes vereinbart worden. Danach dürfen feste Mittagessen nur zwischen 12 und 2 Uhr abgegeben werden. Es muß ein kleines Gedeck aus Suppe und einem Gang gegeben werden, daneben darf ein größeres Gedeck, das außer Suppe höchstens zwei Gänge, aber nur einen Fleischgang, enthält, angeboten werden. Der Nachtisch fällt fort. Feste Abendessen dürfen nicht mehr verabreicht werden. In die Tageskarten sollen möglichst auch halbe Gerichte zu entsprechend niedrigeren Preisen aufgenommen werden. Die Tageskarten sollen mehr Gemüse, Salat, Obst, und Mehlspeisen, aber nur höchstens zwölf Fleischgerichte anbieten. An Stelle des gebratenen soll mehr gekochtes Fleisch verwendet werden. Die Gemüsekost ist in den Vordergrund zu stellen, der Kartoffelverbrauch dagegen auf das Geringstmaß zu beschränken. Diese Bestimmungen treten am 1. August in Kraft. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1915Ein Elternnachmittag im „Mädchenhort“ vereinigte am Sonntag die Angehörigen seiner Schützlinge – von den Vätern war freilich ein Feldgrauer auf Urlaub erschienen – zu einigen angeregten und trotz der ernsten Zeit fröhlichen Stunden. Dem gemeinsamen Kaffeetrinken folgte ein fesselnder klarer Vortrag über die Lage auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen an Hand der Karten, der Alt und Jung gleichermaßen im Bann hielt. Patriotische Chöre der Kinder, darunter das mit besonderer Begeisterung gesungene Hindenburglied, folgten den verschiedenen Abschnitten. Dann zog die ganze Gesellschaft in das schöne Gartenland des Mädchenhorts, wo die Kinder voll Stolz ihren Müttern die eigenen kleinen Beete zeigten und die großen Kartoffel- und Gemüsepflanzungen, die in diesem Kriegsjahr einen breiteren Raum als gewöhnlich einnehmen, gebührend bewundert wurden. Mit einigen Reigenaufführungen der Kinder fand das Zusammensein seinen Abschluß. – Große Freude und Beruhigung erregte es unter den Müttern, als ihnen mitgeteilt wurde, daß auch während der großen Ferien der Hortbetrieb vor- und nachmittags im Gartenland beibehalten werden sollte. Trotz den ziemlich bedeutenden Kosten hat sich der Verein zu dieser Maßregel entschlossen, da es ja für die arbeitenden Mütter keine Ferien gibt, die Kinder also noch mehr als während der Schulzeit auf die Straße angewiesen wären. Zudem hofft man, durch den täglichen Aufenthalt in Sonne und frischer Luft und das Verabreichen von Milch den Gesundheitszustand auf befriedigender Höhe zu erhalten. Da die finanziellen Kräfte des Mädchenhortes durch die außerordentliche Erweiterung des Betriebes seit Kriegsbeginn ziemlich erschöpft sind, hat sich die dem Verein angeschlossene „Bonner Ferienkolonie“ bereit erklärt, die Mittel für den Ferienbetrieb zur Verfügung zu stellen. Beide Vereine hoffen aber gern, daß sich unter unsern opferwilligen Mitbürgern auch solche finden, die für diese Kriegshülfe – den siegreich heimkehrenden Vätern gesunde, kräftige Kinder zu übergeben – bereitwillig ihr Scherflein beitragen. Spenden, kleine und große, nehmen die Vorsitzenden des Mädchenhortes und der Bonner Ferienkolonie, Frau Geheimrat Landsberg, Humboldtstraße 14, und Frl. Anni Trompetter, Mozartstraße 22, gern entgegen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Juli 1915Die Vaterländischen Festspiele, die in Bonn zu einem jedes Jahr gefeierten Volksfeste geworden waren, können dieses Jahr, da fast alle Mitglieder der Turn- und Sportvereine im Felde stehen, nicht stattfinden. Statt dessen werden, den Zeitumständen entsprechend, vom Bonner Wehrbunde am heutigen Sonntag, nachmittags ½ 4 Uhr, auf der Gronauwiese Wettkämpfe abgehalten werden, die im Unterschiede von den früheren Festspielen einen kriegsmäßigen Charakter tragen sollen. So wird außer verschiedenen Arten von Laufen und Springen mit Gepäck, das Werfen von Handgranaten und Exerzieren gezeigt werden. Am Schluß werden als Preise Kränze verteilt. Alle Freunde der Wehrbarmachung unserer deutschen Jugend werden zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag , 26. Juli 1915

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Juli 1915Lebensmittelpreise und Kleinhandel. Im Landesausschuß Rheinland und Westfalen des Reichsdeutschen Mittelstandsverbandes fand eine Sitzung statt, die sich eingehend mit den Lebensmittelpreisen befaßte. Das Bestreben, energische Maßnahmen gegen Lebensmittel-Wucher zu ergreifen, findet im gesamten Mittelstande und insbesondere im Lebensmittelkleinhandel, der vornehmlich unter diesen Mißständen zu leiden hat, ungeteilten Beifall. Es wurde beschlossen, sich den Behörden zur Hilfeleistung bei der Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Verfügung zu stellen und ein Arbeitsausschuß mit weitgehenden Vollmachten eingesetzt.

Das gestrige Konzert des Bonner Männer-Gesang-Vereins in der Stadthalle hatte wieder einen großen Erfolg. Von den Chören fand vor allem „Der Deutschen Kriegslied 1914“ von Sauer so starken Beifall, daß ein Teil des Kriegsliedes wiederholt wurde. Auch der Solist, Herr Tasche, mußte sich zu einigen Zugaben verstehen. Der Verein hatte zu dem Konzert auch etwa 300 Verwundete aus hiesigen Lazaretten eingeladen und sie mit Getränken und Zigarren bewirten lassen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Preisverzeichnisse im Kleinhandel. Der Gouverneur der Festung Köln macht in der heutigen Nummer unseres Blattes bekannt, daß Kleinhändler in Fleisch, Fleischwaren, Fettwaren, Butter, Schmalz, Speisefetten, Eiern, frischem Gemüse, frischen Hülsenfrüchten, frischem Obst und Kartoffeln die Preise dieser Gegenstände in ein Verzeichnis einzutragen haben. Das Verzeichnis ist in einer für jedne Käufer deutlich erkennbaren Weise und zwar innerhalb des Verkaufsraumes und außerhalb des selben an der Tür oder dem Fenster durch Anschlag bekannt zu machen. Als Verkaufsstellen im Sinne dieser Verordnung gelten auch die Verkaufsstände an den Wochenmärkten, in den Markthallen und im Straßenhandel. Diese Verordnung soll die übertriebenen Preisforderungen im Kleinhandel verhindern. Bis zum 28. ds. Mts. müssen diese Preisverzeichnisse zum Aushang gebracht sein.

Unfall. Gestern nachmittag fiel in der Nähe der Gronau ein Knabe von einem Geländer, auf dem er herumkletterte, und brach den linken Arm. Ein Vorübergehender legte dem Jungen einen Notverband an und schickte ihn zum Arzt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Gegen die Vorkäufer auf dem Wochenmarkt ist man jetzt allgemein erbost. Warum sind denn so viele Vorkäufer? Die Landwirte haben keine Leute, um ihre Arbeit machen zu lassen und beeilen sich, morgens früh vom Markt nach Hause zu kommen, um ihre Arbeiten auf dem Felde ausführen zu können. Da sind sie froh, wenn die Vorkäufer ihnen die Sachen abkaufen, und die wollen doch auch leben. Ferner bedenkt man nicht, was die Vorkäufer auf dem Markt für die Lazarette und die einzelnen Verwundeten alles schon gegeben haben und noch täglich geben. Das muß doch auch berücksichtigt werden. Eine Vorkäuferin.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

  

Zusatzbrotkarten im Landkreise Bonn. In der heutigen Nummer unseres Blattes veröffentlicht Landrat v. Nell eine Bekanntmachung über die Regelung des Mehl- und Brotverbrauchs im Landkreise Bonn. Danach erhält auf Antrag jeder über 12 Jahre alte Einwohner mit einem eigen. Arbeitseinkommen bis 2500 M., der in der Landwirtschaft oder in der Industrie beschäftigt ist, eine Zusatzbrotkarte über höchstens 350 Gramm Mehl für die Woche.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag , 27. Juli 1915

   

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 27. Juli 1915Die Gemeinnützige Schreibstube des Vereins zur Beschäftigung Arbeitsloser (Münsterstraße 28, Fernsprecher 2723) kann zurzeit die vielen Arbeit suchenden Stellenlosen nicht voll beschäftigen, da es ihr an Aufträgen mangelt. Die Leitung bittet daher, den gemeinnützigen Zweck des Unternehmens durch Zuweisung von Aufträgen (Massenadressen, Abschriften, Vervielfältigungen usw.) und durch Inanspruchnahme ihrer Stellenvermittlung zu fördern.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Den Arbeiten der Verwundeten, die seit einigen Tagen in der Fürstenstraße zum Verkauf ausgestellt sind, wird vonseiten der Bürgerschaft großes Interesse entgegengebracht. Zeitweilig war das Lokal von Schaulustigen dicht gefüllt, die – was die Hauptsache ist – auch fleißig Einkäufe machten. Wie wir noch ergänzend mitteilen wollen, hat die Leitung der Bonner Betonfabrik an der Kölnstraße die Materialien für die prächtigen Terrazzoarbeiten den Verwundeten unentgeltlich abgegeben und auch die Soldaten in den eigenen Arbeitsräumen in jeder Weise bei der Arbeit unterstützt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Petroleumpreise. Bis vor kurzem konnte man an vielen Schaufenstern Reklameschilder mit der Aufschrift lesen: Petroleum in jedem Quantum zu haben, Liter 75 Pfg. oder auch 80 Pfg. Seit dem 15. Juli sind nun Höchstpreise von 32 Pfg. für das Liter Petroleum festgesetzt worden. Aber man kann nirgendwo welches erhalten. Die Geschäftsleute sagen, wir haben keines. Sollte wirklich die eingetroffene Menge so rasch verbraucht sein? Eine Hausfrau.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Juli 1915Die Prozession der St. Matthias-Bruderschaft, die wie alljährlich, am verflossenen Sonntag zur Verehrung des hl. Apollinarius von Bonn nach Remagen zog, war wiederum so recht ein Bild religiöser Gesinnung und religiösen Geistes unserer katholischen Mitbürger. Nahezu 1000 Pilger zogen um 3 Uhr morgens, nachdem eine Anzahl in der Münsterkirche die hl. Kommunion emfpangen hatten, aus. Bei der hl. Messe in Mehlem war die Beteiligung am Empfange der hl. Kommunion eine außerordentlich rege. Nachmittags gegen 5 Uhr kehrte die Prozession mit einem Sonderdampfer wieder nach Bonn zurück.

Wohltätigkeitskonzert der 69er Infanterie-Kapelle. Am Samstag abend hatte sich die Kapelle des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 69 zu einem Konzert hier eingefunden, dessen Ertrag zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Krieger bestimmt war. Leider war die Stadthalle nur schwach besetzt. Die guten Darbietungen hätten besseren Besuch verdient gehabt. Militärmärsche, Ouvertüren aus Opern von Flotow, C. M. v. Weber, Wagner und Mozart wechselten in angenehmer Reihenfolge ab. Man freute sich wieder einmal ein schönes Militärkonzert zu hören und die Besucher brachten den Soldaten und ihrem Führer Musikmeister Blum lebhaften Beifall dar.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch , 28. Juli 1915

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juli 1915Die vaterländischen Festspiele, die in früheren Jahren unsere sportgewandte Jugend an einem Sonntage des Julis zur Betätigung ihrer körperlichen Rüstigkeit auf der Wiese der Gronau vereinte, mußten in diesem Kriegsjahre ausfallen. Die Jünglinge und Männer, die da liefen und sprangen, den Fußball traten, Gewichte hoben, das Rad in gewagten Kurven lenkten, ruderten und schwammen, stehen im Felde, um im ernsten Kampfe zu erproben, wozu sie im friedlichen Wettstreite sich vorbereitet hatten. An die Stelle der Festspiele trat am verflossenen Sonntag der Wettkampf in kriegerischen Uebungen, den der Bonner Wehrbund für seine Mitglieder veranstaltet hatte. Alle Uebungen fanden nicht im Sportanzuge, sondern in der gewohnten Straßenkleidung mit Rucksackbelastung statt. Zu einem Dreikampfe vereinigt waren der Hochsprung, der 100-Meter-Lauf und der Wurf von gefüllten Konservenbüchsen, die im Felde als Handgranaten auch ihre Verwendung finden. Es galt im Einzelkampfe über Hürden zu springen, mit Kriechen unter einer Leiter sich fortzubewegen, einen 5 Meter langen Drahtverhau zu überwinden und mit sicherem Wurf eine Kavallerie-Handgranate in einen 1 ½ Meter breiten Schützengraben zu werfen. Als Abteilungskämpfe waren Eilbotenlauf über 400 Meter, 1000-Meter-Lauf und Exerzieren bestimmt. (...) Der Verlauf der Veranstaltung bewies, daß unter den Mitgliedern des Wehrbundes einem vaterländischen Zwecke entsprechend ein guter Geist herrscht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juli 1915Stillbescheinigungen für Wöchnerinnen im Landkreise Bonn. Die im Interesse von Mutter und Kind eingeführte Stillunterstützung soll die Mütter anregen, ihre Stillpflicht pünktlich und gewissenhaft zu erfüllen; gerade in der Sommerzeit ist dies für die Erhaltung des Kindes von besonderer Bedeutung. Das Stillgeld soll den Müttern aber auch unverkürzt zukommen, für die Ausfertigung des Stillscheines dürfen irgend welche Abgaben nicht erhoben werden. Die Mütter wollen sich dieserhalb möglichst an die nächste Mütterberatungsstelle wenden.

Die Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe, welche Selbstversorgung mit Getreide und Mehl beanspruchen, haben dieses bis zum 30. d. M. einschl. anzuzeigen und dabei die Durchführbarkeit durch Angabe der Zahl der zur Wirtschaft gehörenden und für die Selbstversorgung in Betracht kommenden Personen, sowie durch Angabe der für die Zeit der Selbstversorgung verfügbaren Vorräte an Getreide bezw. Mehl nachzuweisen. Anträge werden im städtischen Mehlamt, Am Hof 1 entgegengenommen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Rheinfahrt verwundeter Krieger. In sinniger Weise feierte gestern die Verbindung studierender Frauen „Hilaritas“ ihr Stiftungsfest. Sie hatte eine Anzahl Verwundeter zu einer Fahrt nach der Rheininsel Grafenwerth eingeladen und bewirtete sie an blumengeschmückter Tafel mit Kaffee und einem Abendimbiß. Patriotische Lieder und Reden, ein Spaziergang auf der einzig schön gelegenen Insel verkürzten die Zeit. Eine wohlgelungene Gruppenaufnahme und die von dem Inselpächter gestifteten Ansichtskarten dürften unseren tapferen Soldaten eine angenehme Erinnerung an die schöne Rheinfahrt mit Bonner Studentinnen sein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag , 29. Juli 1915

    

Auf dem Markte mußten gestern zum erstenmal die vom Guvernör der Festung Köln vorgeschriebenen Preisverzeichnisse auf den Verkaufsständen aufliegen oder angebracht sein. Die Verkäufer und besonders die Verkäuferinnen kamen der neuen Vorschrift teilweise nur unwillig nach, dann nahmen sie die Sache aber humoristisch und belachten gegenseitig ihre „Preisverzeichnisse“, die das verschiedenartigste Aussehen hatten. Man sah Schiefertafeln, gerade oder auch schief geschnittene Pappstücke, oft auch nur ein Notizbuchblatt, und in den Aufschriften waren Verstöße gegen die Rechtschreibung nicht gerade selten. Die angegebenen Preise sind natürlich Höchstpreise, „gehandelt“ wird nach wie vor, das bisher vielfach übliche Verfahren, von scheinbar „besseren“ Kauflustigen höhere als die üblichen Preise zu fordern, wird durch die Preisverzeichnisse aber sehr eingeschränkt. Auch an und in den Ladengeschäften, in denen Fleisch- und Fettwaren, Eier, Gemüse, Obst und Kartoffeln verkauft werden, müssen seit gestern Preisverzeichnisse angebracht sein, ebenso müssen die Straßenhändler mit Gemüse, Obst usw. solche Verzeichnisse führen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Juli 1915Reiche Frühkartoffelernte. Aus Beuel wird uns geschrieben: Gestern habe ich einen Strauch Frühkartoffeln ausgehackt, woran sich stark fünf Pfund Kartoffeln befanden. Die meisten Sträucher haben bis 4 ½ Pfund. Ich pflanze jetzt schon im 30. Jahr Kartoffeln, aber bis jetzt habe ich eine solche Ernte von Frühkartoffeln noch nicht gehabt. Dabei sind sie gesund und wohlschmeckend. (Wir wünschen allen Kartoffelbauern ein solches Ergebnis und den Verbrauchern einen dieser Ernte entsprechenden Kartoffelpreis. Red.)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Neuer Katholischer Studentinnen-Verein. An der Universität Bonn hat sich aus den Reihen des katholischen Studentinnenvereins „Hrotsvit“ ein neuer, selbständiger, katholischer, deutscher Studentinnenverein gebildet. Die Gründung eines neuen Vereins war bei der großen Mitgliederzahl der „Hrotsvit“ (über 60) ein dringendes Bedürfnis. Der neue Verein führt den Namen „Hochwart“ und den Wahlspruch „Wahrheit, Deutschtum, Freude.“ Er erstrebt bei seinen Mitgliedern religiöse Vertiefung und wissenschaftliche Förderung und eine innige Verbindung von Wissenschaft und Leben. Zu diesem Zwecke finden alle 14 Tage Vorträge mit anschließender Besprechung statt, hauptsächlich über Themen mit philosophisch, ethischem Inhalt. (...) Staatsbürgerliche und soziale Schulung der Mitglieder soll durch Vorträge aus diesem Gebiet und rege Beteiligung an sozialen Bestrebungen erreicht werden. Wahl und Maß dieser Beteiligung bleibt den einzelnen überlassen. – Wahre Freude und edle Geselligkeit suchen wir zu pflegen durch Wanderungen in die Natur und durch Kunstabende, die jede zweite Woche stattfinden und unter einheitlichem Gesichtspunkt mit Zuhilfenahme von Instrumental- und Vokalmusik, Vorlesen, Vortrag, Betrachten von Bildern usw. zu einem einheitlichen Ganzen gestaltet werden. Durch Teilnahme an sozialen Bestrebungen und dadurch, daß an den Vortrags- und Kunstabenden auf die Auswirkungen deutscher Wissenschaft und Kunst besonderes Gewicht gelegt wird, glauben wir, daß das Wort Deutschtum, das wir in unsern Wahlspruch aufgenommen haben, uns nicht ein bloßes Wort sein wird.

Unfall. In der Sternstraße fiel gestern vormittag beim Fensterputzen ein junger Mann in eine Spiegelscheibe, welche entzwei ging. Der junge Mann wurde nicht unerheblich verletzt und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag , 30. Juli 1915

   

Die Aenderungen der Marktordnung, die von der letzten Stadtverordnetenversammlung beschlossen worden sind, treten nächsten Montag in Kraft. Von Montag ab bleibt der südliche Teil des Marktes vor dem Rathause solchen Verkäufern vorbehalten, die nur Erzeugnisse aus eigenen Wirtschaftsbetrieben feilbieten, während die Händler und Verkäufer auf den nördlichen Teil des Marktes (nach der Sternstraße hin) verwiesen werden. Beide Teile sollen durch eine Absperrung voneinander abgegrenzt werden. Außerdem wird der Marktverkehr auch an den Dienstag- und Freitag-Nachmittagen freigegeben, es dürfen dann jedoch nur Erzeugnisse aus eigenen Betrieben feilgeboten werden. Standgeld wird an den Nachmittagen nicht erhoben.

Dank- und Bittgottesdienste sind für nächsten Sonntag, den Jahrestag des Kriegsbeginn, von den evangelischen und katholischen Kirchenbehörden angeordnet worden. Der Evangelische Oberkirchenrat weist in seiner Verfügung an die Konsistorien darauf hin, daß die Gemeinden dem Dank für die bisherige Hilfe Gottes und der Bitte um seinen ferneren Beistand dadurch Ausdruck geben möchten, daß sie ihre Opfergaben zur Linderung der in den Gemeinden entstandenen Kriegsnöte darbringen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 30. Juli 1915Freikarten für Verwundete auf der Straßenbahn. Wiederholt sind wir von unserem Leserkreise ersucht worden, dafür einzutreten, daß den Verwundeten unserer Stadt freie Straßenbahnfahrt gewährt werde. Wie uns die Direktion der Straßenbahnen der Stadt Bonn mitteilt, sind dem Herrn Lazarettdirektor eine große Anzahl Freikarten zur Verfügung gestellt worden, die von diesem auf die einzelnen Lazarette verteilt worden sind.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Bänke an den Haltestellen der Elektrischen. Die durch die neuen Bänke an einzelnen Haltestellen gewährte Bequemlichkeit, veranlaßt die Bitte um ihre Vermehrung. Der Vorschlag, die lange Coblenzerstraße damit zu bedenken, ist sicher Jedem hochwillkommen. P.M.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Auf dem Markte müssen jetzt die vom Gouverneur der Festung Köln vorgeschriebenen Preisverzeichnisse an den Verkaufsständen angebracht sein. Die Verkäufer und Verkäuferinnen kamen der neuen Vorschrift teilweise nur ungern nach, meist wohl, weil sich eine Anbringung zu umständlich gestaltet. Man sieht daher Schiefertafeln, Pappstücke, oft auch nur Notizbuchblätter als Preisverzeichnisse figurieren und findet dabei nicht nur Gelegenheit, die Höchtspreise, – denn nur diese werden angegeben –, zu studieren, sondern auch die Rechtschreibefähigkeit der Marktfrauen. Auf die Preisgestaltung selbst dürfte die Einrichtung keinen Einfluß ausüben. Sie erspart das Nachfragen nach den Preisen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 31. Juli 1915

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Juli 1915Opfertag. Man schreibt uns: Der Jahrestag der Mobilmachung, der 1. August, soll auch hier in Bonn dadurch hervorgehoben werden, daß er zu einem besonderen Opfertag gestaltet wird. Die Vaterländischen Vereinigungen werden daher am Sonntag, den 1. August, und am Montag, den 2. August, eine Haus- und Straßensammlung durch ihre bewährten Helferinnen, die mit amtlichen Ausweiskarten versehen sind, ausführen lassen und bei dieser Gelegenheit auch Postkarten und die Vaterländischen Abzeichen verkaufen. Die Sammlungen sind durch den Herrn Oberpräsidenten der Rheinprovinz genehmigt. Die Aufgaben, die unseren Vaterländischen Vereinigungen gestellt werden, wachsen mit der Kriegsdauer von Tag zu Tag und erfordern große Summen. Wir hoffen daher, daß auch den weiteren Bestrebungen der Bonner Kriegsfürsorge überall mit freudigem Herzen und mit offener Hand entgegengetreten wird. Vor allen Dingen bitten wir, die Helferinnen in ihrem oft recht schwierigen Amt durch Rat und Tat zu unterstützen. Es ist auch Ehrenpflicht aller Bonner Bürger und Bürgerinnen, an diesem bedeutungsvollen Tage die Vaterländischen Abzeichen, die als Kunststücke weit und breit bereits großen Ruf genießen, anzulegen und dadurch zu zeigen, daß sie daheim mit unseren braven Truppen fühlen.

In der Synagoge wird heute zum Jahrestage des Kriegsbeginns ein Dank- und Bittgottesdienst mit Predigt abgehalten.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Auf sein Brotbuch hatte ein Invalide, dessen Tochter gestorben war, das für die Tochter zustehende Brot weiter bezogen. Das Amtsgericht hatte ihn dafür in eine Geldstrafe von 10 Mark genommen. Auf seinen Einspruch hin ermäßigte das Schöffengericht gestern die Strafe auf 3 Mark.

Bonner Wochenmarkt. Auf dem gestrigen Wochenmarkt waren viele Artikel im Preise heruntergegangen oder unverändert, aber nicht gestiegen. Bei großem Angebot fand die Ware aber nicht den gewünschten Absatz. In letzter Zeit klagen die Verkäufer im allgemeinen über schlechten Absatz ihrer Waren. Es mag dies eine natürliche Folge der teils zu hohen Preise sein. Vielleicht haben sich auch viele Familien geeinigt, unter keinen Umständen mehr Waren zu ungebührend hohen Preisen zu kaufen. An allen Verkaufsständen ist jetzt eine Tafel mit einem Preisverzeichnis der zu verkaufenden Waren aufgestellt, wodurch das Fragen nach den Preisen im allgemeinen fortfällt und der Verkehr auf dem Markt viel ruhiger geworden ist. (...)
   Auf dem Großmarkt auf dem Stiftsplatz war wieder großes Angebot und fanden die Waren flotten Absatz. Die Preise waren hier im Verhältnis dieselben wie auf dem Wochenmarkt. (...)

Das außerordentliche Kriegsgericht verhandelte gestern gegen mehrere junge Leute aus der Umgebung wegen der Anklage in verbotener Weise Waffen getragen zu haben. Drei von ihnen wurden zu je 1 Tag Gefängnis verurteilt, während zwei noch jugendliche Angeklagte mit einem Verweis davon kamen. Drei russische Erntearbeiter waren verbotswidrig im Kreise Rheinbach aus einer Bürgermeisterei in eine andere verzogen. Das außerordentliche Kriegsgericht verurteilte sie zu Gefängnisstrafen von 14 Tagen, 1 Woche und 1 Tag. An einem verbotenen Tage hatte ein Geschäftsfräulein aus Godesberg Schnaps verkauft. Sie wurde deshalb zu einem Tag Gefängnis verurteilt. Der Geschäftsinhaber konnte nachweisen, daß er dem Fräulein die erforderlichen Anweisungen erteilt hatte und wurde deshalb freigesprochen. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Juli 1915Unter Strom gesetzt wird am 2. August die Oberleitung der Neubaustrecke der städtischen Straßenbahnen nach dem Stadtteil Dottendorf, von der Bergstraße bis zum Endpunkt an der Junkerstraße.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Wenn der arme Mann, der sich über die Teuerung des Gemüses auf dem Markte so sehr beklagt, nur mal morgens oder vormittags auf den Stiftsmarkt ginge, so könnte er oft vieles Gemüse, was och ganz gut zu gebrauchen ist, unentgeltlich bekommen, was manchmal rumliegt; außerdem kann man oft für 10 Pfg. für eine ganze Familie eine Mahlzeit zu kochen, kaufen. Es ist zwar kein Pfund Fett und Zubehör, auch keine 2 Pfund Wurst dabei. Wäre nichts teurer, als das Gemüse, brauchte man sich auch gar nicht zu beklagen. Was die Runkelrübenblätter anbetrifft, sind die ein sehr gutes Gemüse und ersetzt den Spinat. Wenn der arme Mann das noch nicht weiß, wäre es besser, sich in solche Sachen nicht zu mischen, jede vernünftige Hausfrau weiß das. Die Schweine bekommen auch Brot-und Fleischabfälle, mögen auch Bier, ob Schnaps, weiß ich nicht. Wenn die Landleute sich ihre Mühe und Arbeit mit einem solch hohen Lohne, wie man jetzt den Arbeitern bezahlen muß, die den Tag 4 bis 5 Mark bezahlt erhalten, und nur ein paar Stunden arbeiten, vielleicht 10 oder 11 Stunden, und jeder Tag hat 24 Stunden, berechneten, würden sie viel höhere Preise bezeihen müssen. Die Landleute arbeiten von morgens 4 Uhr bis abends so lange sie sehen können und erhalten ihre Mühe und Arbeit nie vergütet. Bekämen sie den Tag 4 bis 5 Mark Lohn oder solche hohes Monatsgehalt, wie die Städter, würden sie sich freuen. Ich habe noch nie gesehen, daß Jemand auf dem Lande so schnell reich wurde, wie in der Stadt, da kenne ich eine Unmenge Leute mit den hohen Gehältern oder Geschäften, die zufällig gut gingen, daß sie rasch vermögend wurden. Wenn die Landleute von Haus aus nicht vermögend sind, so bleiben sie in der Regel arm, trotz der sauren Arbeit. Wenn der arme Mann, der jedenfalls doch auch einen guten Lohn bezieht, mit demselben so sparsam umgeht, wie die Landleute mit ihren Pfennigen, so kann er bequem Gemüse satt kaufen und wäre auch längst kein armer Mann mehr.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

   

Lebensmittelwucher.
(...) Wir haben hier in Bonn eine vielleicht weniger große Not, als manche Großstadt. Aber hier hungert das Proletarierkind genau wie dort und wenn einem die große Not aus den hohlen Kinderaugen in den schmalen, blassen Gesichtern anschaut, dann ist man wirklich ratlos, wie hier durchgreifend geholfen werden kann. Der Einzelne ist nicht mehr imstande dazu. Hier muß ganz energisch vorgegangen, dem Lebensmittelwucher ganz gründlich ein Ende gemacht werden. Wie sollen unsere Feldgrauen vor dem Feinde bestehen, wenn sie ihre Lieben zu Hause hungernd und darbend wissen! Einer schrieb mir, er fürchte nicht den Feind, der vor ihm hinträte; aber der innere, der seine Lieben zum Hungern und Darben bringe, mache ihn zagen. Der Brief ist ein betrübendes Dokument aus großer Zeit, den ich mir aufheben werde für später, wenn die Plünderer des armen Volkes wieder in „Patriotismus“ machen wollen. Wir müssen und werden durchhalten. Aber selbstverständlich nur unter der Voraussetzung, daß alle von gleichem Opfersinn beseelt bleiben und die Raffgier einzelner nicht die Zügel schießen läßt. Urban.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

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