Bonn 1914-1918
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  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
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      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
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Freitag, 26. Februar 1915 


Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1915Städtischer Speckverkauf. Morgen Samstag findet wiederum ein Verkauf von Speck durch die Stadtverwaltung im Hause Rathausgasse 27 statt. Die Preise sind die gleichen wie beim ersten Verkauf, und zwar kostet der gesalzene Speck 1 Mk., der geräucherte 1.20 Mk. Die Verkaufszeit ist von 2 Uhr bis 7 Uhr nachmittags.

Das Kriegsgericht verhandelte gestern in mehreren Fällen wegen verbotenen Waffentragens und unerlaubte Entfernung. Es wurden u. a. vier Polen aus Russisch-Polen, die in der Umgegend in Arbeit waren und die Arbeitsstätte ohne polizeiliche Erlaubnis verlassen hatten, um eine bessere Arbeitsmöglichkeit aufzusuchen, zu Gefängnisstrafen von jeweils drei Tagen verurteilt. Eine Polin, die sich von Quadenhof nach Duisdorf begeben hatte, weil ihr, wie sie durch den Dolmetscher sagen ließ, das Essen zu schlecht war, wurde unter Anrechnung mildernder Umstände zu einem Tag verurteilt. – Ein Ackerer, der erst kürzlich wegen Wilddieberei von der Strafkammer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, wurde wegen unerlaubten Waffentragens zu einer Zusatzstrafe von fünf Wochen verurteilt. Der Angeklagte war von einem Förster im Walde angetroffen worden, als er sich in der Nähe eines verendenden Rehs zu schaffen machte und bei dieser Gelegenheit ein zusammenlegbares Gewehr verbarg. Vor Gericht behauptete der Angeklagte, er habe das Gewehr verkaufen wollen und habe den nächsten Weg durch den Wald genommen. Natürlich schenkte ihm das Gericht keinen Glauben.

Umtausch von Goldstücken. Am Mittwoch und gestern waren die Gymnasiasten und Realisten – es sollen auch „höhere Töchter“ gesehen worden sein – auf der Jagd nach dem Golde. Manches Goldfüchslein haben sie aus dem Bau herausgeholt. An einer Schule wurden an einem Tage beinahe 12.000 Mk. umgetauscht. „Weidmannsheil“ den jungen Rimroden. Die Alten mögen den Jungen das Geschäft nicht zu schwer machen.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Februar 1915Verein von Altertumsfreunden im Rheinlande. Im Kreise der Mitglieder dieses Vereins und seiner Gäste sprach Geheimrat Paul Clemen in einem fast zweistündigen Vortrag von der Kathedrale von Reims. Sie gilt als die Königin unter den Kathedralen der französischen Gothik, bemerkte der Redner, weil sie in ihrem ganzen Gefüge ein glänzendes Beispiel war dieser wundervollen und in manchem so merkwürdigen Epoche. Was die Meister damals aus ihrer so sicher gehenden Empfindung und einem feinempfindenden Intellekt heraus geschaffen, das übersetzte, in der Nachempfindung selbst schaffend, Geheimrat Clemen in ein Kunstwerk des Wortes und der Rede, so daß belebt und durchseelt, das große, gewaltige und formenreiche Steingefüge vor einem dastand: im Grundriß und Gliederung, mit seiner Fassade und seinen unvergleichlichen Portalen, und auch mit den daran und darin angebrachten Skulpturen von köstlichster Schöpfung. Im Geiste und noch dazu im Lichtbild sah man, was die Kathedrale gewesen bis zum Herbst 1914. Wie sie geworden durch die den Deutschen aufgezwungene Beschießung, konnte Geheimrat Clemen an anderen Lichtbildern zeigen. Aber er konnte auch, als ein Kenner und Versteher solcher unvergleichlicher Kunstentäußerungen, das Leid mildern, das angesichts dieser Bilder den Kunstfreund erfüllen muß. Die Wunden, die die Granaten dem Kunstwerk geschlagen und es zum Teil unter Flammen gesetzt, seien ausheilbar, weil sein Grundgefüge nicht zerstört, in seiner Gliederung nichts zerbrochen sei. Allerdings, ein Teil des köstlichen Bildhauerschmuckes sei derart ausgeglüht, daß er wohl nicht mehr rettbar, kaum noch für Formenabgüsse zu Museumszwecken dienstbar gemacht werden könne.
  
Die politische Bedeutung der Beschießung der Reimser Kathedrale schätzt Geheimrat Clemen gleich einer verlorenen Schlacht; die französische Regierung habe eine Fanfare daraus gemacht, und seit jener Stunde sei Amerikas Sympathie für uns dahin. Daß die Beschießung uns mit Absicht von der französischen Regierung auggedrängt wurde, das könne er nicht glauben; und doch dränge sich bei logischem Denken dieser Verdacht immer wieder auf.
   Geheimrat Clemen gab auch noch eine Bilderschau von Zerstörungen in Belgien und in anderen Teilen Frankreichs. Aber auch hier dem Schrecklichen gegenüber wieder das Tröstliche: im Verhältnis zum Erhaltengebliebenen wenig Zerstörtes, und unter dem noch manches rettbar. Das deutsche Rettungswerk an den Dingen der Kunst sei im Gange. Es setze überall und sofort da ein, wo die Verhältnisse es gestatteten.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 26. Februar 1915Förderung der Ziegenhaltung. Die Ziegenhaltung kann nicht genug für die Milchversorgung der Bevölkerung empfohlen werden. Die Knappheit an Futter nötigt viele Landwirte, ihr Vieh abzuschaffen. Ziegenmilch bietet einen besonders wertvollen Ersatz, vor allem auch für Säuglinge, wenn sie entsprechend verdünnt wird. Die Beschaffung des Futters ist weniger schwierig, da kein anderes Tier so anspruchslos ist wie die Ziege. Auf Veranlassung der Behörden wird jetzt auch vielfach in den Schulen versucht, die Ziegenhaltung zu fördern. Vor allem sollen die Kinder über die Lebensweise und den Nutzen der Ziegen unterrichtet und ihr Interesse dafür geweckt werden.

Im Polizei- und Sanitätshundverein Bonn wird am 2. März, abends 8½ im „Nordischen Hof“ unser Bonner Dichter Hans Eschelbach eigene Kriegsdichtungen vortragen. Auch Gäste sind willkommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 27. Februar 1915 

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Februar 1915Universität. Unsere Studenten als Kriegsteilnehmer. Bis jetzt haben die Ermittlungen ergeben, daß von dem im laufenden Halbjahr eingeschriebenen 3915 Studierenden 2702 oder rund 60 Prozent dem Heer eingereiht sind. Es entfallen auf die kath-theol. Fakultät 59 Proz., die evgl.-theol. 79 Prozent, die juristische 70 Proz., die medizinische 81 Proz. und die philos. 67 Prozent.

Bonner Wehrbund. Die Kessenicher Abteilung des Wehrbundes veranstaltet am Sonntag abend um 8 Uhr im Saal der Frau Schumacher in Kessenich einen Vortragsabend, bei dem Herr Professor Dr. Clemen über den Krieg in den deutschen Kolonien sprechen wird. Es werden auch noch andere Ansprachen gehalten und dem Geiste der Zeit und des Wehrbundes entsprechende Veranstaltungen dargeboten werden. Alle Mitglieder und Freunde des Wehrbunds sind mit ihren Familien zum Besuch dieses Abends eingeladen.

Eine Einschränkung des Automobilverkehrs. Der Bundesrat hat eine Verordnung betr. die Einschränkung des Verkehrs mit Kraftfahrzeugen erlassen. Die Notwendigkeit, mit den vorhandenen Vorräten an Gummi, Treiböl und Schmieröl hauszuhalten, rechtfertigt eine Maßnahme, die diese für unsere Industrien so wichtigen Rohstoffe einer in Kriegszeiten entbehrlichen Verwendung im Dienste des Luxus und der Bequemlichkeit entzieht. Durch die neue Verordnung wird der Verkehr von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen und Plätzen von dem 15. März d. J. an von einer erneuten Zulassung abhängig gemacht, die nur erteilt werden darf, wenn für den Verkehr des Fahrzeuges ein öffentliches Bedürfnis besteht. Wird so einerseits Vorsorge dahin getroffen, daß von den rund 50.000 Kraftfahrzeugen, die zurzeit noch im Verkehr sein dürften, in Zukunft etwa die Hälfte von den Straßen verschwinden wird, so sind doch andererseits Ausnahmen in genügendem Umfange vorgesehen, um berechtigten Interessen auch fernerhin zu genügen. So soll der Verkehr mit Kraftomnibussen und Kraftdroschken, wenn auch in eingeschränktem Maße, aufrecht erhalten werden. Insbesondere werden bei der Zulassung von Lastkraftzeugen die Bedürfnisse des Gewerbebetriebes angemessene Berücksichtigung finden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Februar 1915Reichswollwoche. Um hervorgetretenen Zweifeln zu begegnen, wird darauf hingewiesen, daß der letzte Ablieferungstermin für die aus den Ergebnissen der Reichswollwoche hergestellten Decken an die Heeresverwaltung oder die von dieser dafür bestimmten Annahmestellen, soweit dafür Bezahlung geleistet werden soll, der 28. Februar ist. Spätere Decken können nur wie Liebesgaben behandelt werden.

Stadttheater. Man schreibt uns: Der morgige Sonntag bringt eine Wiederholung der Faustaufführung, welche in den beiden ersten Vorstellungen so außerordentlich gefiel. Da wegen der langen Dauer der Vorstellung nicht jedem Goethe-Verehrer am Alltag genug Zeit verbleibt, sich dem Genuß einer guten Faust-Darstellung hinzugeben, so entspricht die morgige Wiederholung vielen Wünschen und einem ausgesprochenen Bedürfnis. Wer eine leichtere Kost liebt und auch in ernsten Zeiten sich erheitern will, was nicht minder einem berechtigten Bedürfnis entspricht, der besuche die Nachmittags-Vorstellung. Er wird bei dem neu einstudierten Moserschen Veilchenfresser auf seine Kosten kommen.

Schmückt mit Blumen die Bilder der gefallenen Helden. In Feindesland hat man Tausenden deutscher Söhne das Grab geschaufelt und fremde Erde deckt die Heldenleiber. Treue Kameradschaft hat die Ehrenhügel geschmückt mit Helmzier und grünem Reis. – Mit Blumen geschmückt zogen die Mutigen jubelnd hinaus in den Kampf und starben den Heldentod für Deutschlands reine, gerechte Sache. – Nicht ist es uns vergönnt, ihnen Blumen zu streuen aufs Grab, aber Blumen vermögen wir ihnen doch darzubringen. Spenden wir Blumen den Hinterbliebenen, auf daß sie das Bild ihrer Toten mit Blumen treuen Gedenkens schmücken können als Ausdruck tiefen Mitgefühls und ihnen zum Trost. – Mancher Schmerz wird gemildert, manche Träne getrocknet. – Schmückt mit Blumen die Bilder der gefallenen Helden.

Umprägung der Goldstücke. Die Reichsbank plant, wie schon früher mitgeteilt, alle eingezogenen Goldstücke umzuprägen und mit einem Lorbeerkranz zu versehen, um sie als „Mitkämpfer am Krieg“ kenntlich zu machen. Alle nach dem Krieg zum Vorschein kommenden Goldstücke, die diesen Lorbeerkranz nicht aufweisen, sollen von den öffentlichen Kassen nur mit erheblichem Kursverlust angenommen werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Von der Universität. Das Gerücht, an unserer Universität werde im kommenden Sommerhalbjahr nicht gelesen, ist ganz ohne Begründung. Es ist vielmehr für die Abhaltung aller erforderlichen Vorlesungen Sorge getroffen.

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 27. Februar 1915An dem Giebel des Hauses Rathausgasse Ecke Belderberg, dessen Umbau in der Kriegszeit vorgenommen wurde, ist ein Relief der Schutzpatronin der Artillerie, ein Standbild der heiligen Barbara, abgebracht worden. Darunter ist zu lesen:
Weil mit Mörsern und Haubitzen
In des Weltkriegs schwerer Zeit
Uns Sankt Barbara tat beschützen,
Ward dies Bildnis ihr geweiht.
            Erneuert 1914 – 1915

Abgabe von Schweinezuchtmaterial. Die Schweinezuchtstation der Landwirtschaftskammer für das veredelte deutsche Landschwein zu Haus Selbach bei Ründeroth, Kreis Gummersbach (Inhaber Gutsbesitzer E. Offermann zu Haus Selbach) hat zur Zeit noch eine größere Anzahl von Ebern im Alter von 4 – 11 Monaten und Sauen von 3 – 7 Monaten abzugeben. Interessenten können sich an den Stationsinhaber wenden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Februar 1915Millionen-Schwindel.
Je mehr Einzelheiten in der Steuerhinterziehungssache E Bötticher – Eitdorf bekannt werden, um so interessanten wird die Angelegenheit, um so mehr muß man sich fragen, „Wie ist es möglich, daß solche Betrügereien jahrelang unentdeckt bleiben, daß jahrelang der Staat um so riesige Summen hintergangen werden konnte?“
   Es handelt sich angeblich um mindestens 15 Millionen Mark, welches während eines Zeitraums von 18 Jahren hinterzogen worden sind. Für Eitdorf allein steht die Ziffer ziemlich genau fest: 2.300.000 Mark in 33 Monaten!
   B. stellte den Sprit ausschließlich aus Mais her. Es läßt sich ziemlich genau berechnen, wie viel Liter Sprit z.B. 1000 Klg. Mais ergeben. Fest steht, daß B. durch 2 Eitdorfer Firmen, aber auch von außerhalb sehr viel Mais erhielt. Ein Vergleich mit der Menge des versteuerten Sprits ergab eine gewaltige Differenz.
   „Wo ist der ganze Sprit geblieben?“ – „Er wurde mit der Bahn versandt.“
   „Wo sind die zur Feststellung erforderlichen Bücher?“ –
   „Sie sind leider beim Brand 1913 mit verbrannt.“
   „Güterabfertigung Eitdorf, über den Bahnversandt müssen Deine Bücher Auskunft geben, leg Deine Bücher vor.“ – und da stellte sich heraus, daß sämtliche Bücher, welche Versandtmenge, Bestimmungsorte, Namen der Empfänger enthielten – gestohlen waren. Und eigentümlicher Weise fehlten nur die Bücher, welche auf B.’s Spritversandt Bezug hatten. Der Dieb der Bücher wurde nicht ermittelt, man konnte aber auf andere Weise durch verschiedene Eisenbahndirektionen das Material ziemlich rekonstruieren.
   Jetzt wurde B. verhaftet, nach 2 Wochen aber gegen eine Kaution in Höhe von einer Millionen Mark – in Papieren – wieder freigelassen. Diese Kaution wurde nun vom Zollfiskus mit Arrest belegt und da stellte sich heraus, daß 2 Hypotheken in Höhe von 200.000 Mark von B. bereits im Jahre 1912 der Deutschen Bank in Cöln verpfändet waren.
   Wie uns berichtet wird, haben B. und seine Umgebung nach seiner Haftentlassung während mehrerer Wochen die feste Zuversicht gehabt, auch diesmal noch durch die Maschen schlüpfen zu können, da direkte Beweise gegen B. nicht vorlagen. Da wurde plötzlich das Versteck der angeblich verbrannten Bücher entdeckt, und damit war das Schicksal B.’s besiegelt und B. wurde erneut verhaftet.
   Bei dem Umfang des Materials, dem Leugnen der Beteiligten dürfte die Untersuchung sich noch einige Monate hinziehen.
   B. ist nun mit einem Male völlig mittellos geworden (!), denn er befindet sich als Untersuchungsgefangener in der Universitätsklinik und zwar in der niedrigsten Klasse.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Sonntag, 28. Februar 1915 

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Februar 1915Zeichnet die zweite Kriegsanleihe! Im Hinblick auf die große Bedeutung der zweiten Kriegsanleihe für unser Vaterland und im Interesse der Erwerber der so günstigen Anlagepapiere, wie sie die Kriegsanleihe darstellt, machen wir darauf aufmerksam, daß auch bei der Königlichen Kreissparkasse in Bonn, Argelanderstraße 47, Zeichnungen an den Werktagen von 8 ½ Uhr morgens bis 7 Uhr abends und an Sonntagen von 10-12 Uhr bereitwilligst entgegengenommen werden. Auch werden von der genannten Stelle Zeichnungsscheine auf Wunsch übermittelt.

Vaterländische Reden und Vorträge. In den „Vaterländischen Reden und Vorträgen“ sprach Herr Geheimrat Thurneysen am Mittwoch u. in der Wiederholung des Vortrages am Samstag über „Irland und England“. Der Vortragende betonte, daß man die heutige Stimmung der Iren in Irland und in Amerika gegen England nur als Ergebnis der ganzen Geschichte Irlands verstehen könne und führte in wenigen Strichen seinen Zuhörern die Vergangenheit vor Augen. Er zeigte namentlich, wie in dem von den englischen Protestanten geknechteten Irland im Laufe des 18. Jahrhunderts eine irisch-nationale Partei sich zu entwickeln begann, die im 19. erstarkte und als hervorragendste Früchte die Besserstellung der irischen Bauern und den Wiedergewinn der Selbstregierung (Home Rule) zeitigte. Er schloß damit, daß seit Ausbruch des Krieges Englands gegen Deutschland der Mehrzahl der Nationalisten noch ein höheres Ziel, die völlige Befreiung Irlands von England, vorschwebe, das sie zu natürlichen Bundesgenossen Deutschlands mache, und daß sie dabei bei den irischen Amerikanern begeisterte Unterstützung finden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1915Wegen Körperverletzung hatten sich am Samstag der Tagelöhner M., der Schreiner V., der Büffetier R. und der Tagelöhner W., sämtlich aus Bonn, vor der Strafkammer zu verantworten. Alle Angeklagten sind mehr oder weniger oft vorbestraft. Vor kurzem hatte M., der mit den anderen verfeindet war, eine Wirtschaft in der Kasernenstraße aufgesucht. Die anderen, die das wohl bemerkt hatten, begaben sich ebenfalls in die Wirtschaft, und es dauerte nicht lange, so war der schönste Krakeel in Schwung. Da die drei auf M. eindrangen, zog dieser ein Messer und wehrte sich so gut er konnte. Dabei gab es mehrfach Stichverletzungen. Das Gericht nahm an, daß M. in Notwehr gehandelt habe. Die übrigen Angeklagten seien aller Wahrscheinlichkeit nach nur zu dem Zweck in die Wirtschaft gekommen, um mit M. Händel anzufangen. M. wurde daraufhin freigesprochen. R. erhielt 1 Jahr drei Monate Gefängnis. Da bei ihm Fluchtgefahr vorlag, wurde er sofort verhaftet. V. und W. erhielten Gefängnisstrafen von je neun Monaten.

Ein gefährlicher Bursche unschädlich gemacht. In den Weihnachtsferien wurden aus der Karlsschule mehrere Geigen, Wolle, die von den Kindern zum Stricken von Liebesgaben verwendet werden sollte, sowie bares Geld, das ebenfalls für die im Felde stehenden Soldaten unter den Kindern gesammelt worden war, gestohlen. Etwa 14 Tage später gelang es der Polizei in Nürnberg, einen Menschen festzunehmen, der dort in eine Schule eingebrochen war. Bei der gerichtlichen Vernehmung des Einbrechers ergab sich jetzt, daß er auch den Diebstahl in der hiesigen Karlsschule ausgeführt hatte. Der Festgenommene ist bereits vielfach vorbestraft, u. a. auch schon mit Zuchthaus. Von den hier gestohlenen Sachen wurde bei dem Verhafteten nichts mehr vorgefunden.

Eine Modellhutausstellung ist in diesem Jahre in Köln ins Werk gesetzt worden. 22 der größten Firmen Deutschlands und eine Reihe Modistinnen haben unter dem Szepter der nationalen Mode ausgestellt. Man erwartet hier viele Modistinnen und sonstige Einkäufer in Modeartikeln. Der Grundzug der kommenden Mode besteht darin, daß sich die Damen die Kopfbedeckung unter Berücksichtigung ihrer Eigenart und Kleidung wählen können, sodaß also keine Vorschrift über die bevorzugte Anwendung von großen, mittleren und kleineren Hüten vorhanden ist. Der Zeit entsprechend werden vorwiegend dunkle Stoffe verwandt. Man hat sich bemüht, einfache Formen und Garnierungen zu wählen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1915Unsere opferbereite Studentenschaft. Da dieses Jahr der übliche Kaisergeburtstags-Kommers ausfallen mußte, so hat die Vertreterversammlung der Bonner Studentenschaft beschlossen, die sonst dafür gemachten Aufwendungen, zu Ehren Seiner Majestät, vaterländischen Zwecken zu widmen. Es wurde demgemäß, allein von den ortsanwesenden aktiven Mitgliedern der nicht wegen des Feldzuges suspendierten Korporationen der für ihre geringe Zahl stattliche Betrag von 603 Mark aufgebracht, und wie folgt verwendet: 240 Mark an das hiesige Rote Kreuz, 240 Mark an den vaterl. Frauen-Verein, 120 Mark an die Bonner Kriegshilfe und 93 Mark an den Bonner Lazarettzug.
   Mit Befriedigung wird man hieraus entnehmen, wie auch der kleine Rest der Bonner Studentenschaft, dem es nicht gegönnt ist, mit den Waffen oder im Sanitätsdienst sich zu betätigen, ihrer vaterländischen und königstreuen Gesinnung hochherzigen Ausdruck zu geben verstanden hat.

Einen stimmungsvollen patriotischen Nachmittag leitete Herr Gerhard Ebeler aus Köln im großen Saale der Kasselsruhe.Patriotische Reden, Quartett-Vorträge und eine bildliche Darstellung aus dem Leben unserer blauen Jungens, wechselten mit Konzertunterhaltungen. Besonders die selbstverfaßten rezitatorischen Vorträge von Herrn Ebeler fanden starken begeisterten Beifall. Eine Wiederholung findet morgen (Sonntag) statt. Von der letzten Veranstaltung wurde an umgewechseltem Gold Mk. 320 der Reichsbank überwiesen.

Ein Unterhaltungsabend des Wehrbundes findet morgen, Sonntag den 28. Februar, 8 Uhr in Schumachers Gasthof zur Traube, Kessenich, Mechenstraße, statt. Es sprechen: Prof. Clemen: Die Kämpfe in unseren Kolonien. Dr. Brüggemann: Feldpostbriefe. Geheimrat Brinkmann: Humor im Felde. Dr. Fischer – Köln: Rezitationen. Mitglieder mit ihren Angehörigen, sowie alle Freunde der Sache sind herzlich eingeladen. Eintritt frei.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

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