Dienstag, 21. Dezember 1915
Der Dank der rheinischen Truppen für die Bonner Liebesgaben. Herr Oberbürgermeister Spiritus übermittelt uns folgendes ihm zugegangenes Schreiben:
Generalkommando,9. Armeekorps. G. H.-Qu., 17. Dez. 1915.
Euer Hochwohlgeboren,
bitte ich sehr ergebenst, für die große Liebesgabensendung meinen herzlichsten Dank, sowie den Dank der rheinischen Truppen entgegenzunehmen und ihn auch der Bonner Bürgerschaft gütig zum Ausdruck bringen zu wollen.
Gleichzeitig bitte ich den sämtlichen beteiligten Roten Kreuz-Vereinen der Stadt Bonn für ihre reichen Liebesgabenstiftungen wärmsten Dank zu übermitteln.
Mit der Versicherung vorzüglichster Hochachtung bin ich Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener Riemann, General der Infanterie und Kommandierender General des VIII. Armeekorps.
Arndt-Eiche in Eisen. Die Benagelung der Arndt-Eiche hat am gestrigen Montag 881,46 M. ergeben. An den beiden ersten Tagen sind insgesamt 2116,05 Mark eingekommen.
Ein Ehrentag unsrer 160er. Am 21. Dezember 1914, also heute vor einem Jahr, begann um 9 Uhr morgens ein ungeheuer starkes Artilleriefeuer der Franzosen auf die Schützengräben usw. unseres Bonner Infanterie-Bataillons (II./160), das damals in der Champagne lag. Das Feuer steigerte sich bis 12 Uhr mittags – es schlug auch eine Granate in den Unterstand des Bataillonsstabes ein – und flaute gegen Abend allmählich wieder ab. Um 2 Uhr nachmittags erfolgte ein feindlicher Infanterieangriff am Sachsenwäldchen, der ergebnislos verlief. Für die bewiesene Ausdauer und Tapferkeit wurden am folgenden Tage an das Bataillon mehrere Eiserne Kreuze 2. Klasse ausgegeben.
Einheitliche Kleidung für die Bonner Jugendwehr. Der Vorsitzende des Bonner Wehrbundes hat bei der Stadtverwaltung beantragt, die Hälfte der Kosten einer einheitlichen Kleidung für die Mitglieder der Jugendwehr auf die Stadt zu übernehmen. Die dafür erforderliche Aufwendung soll 1500 M. nicht übersteigen. Die städtische Finanzkommission empfiehlt den Stadtverordneten, 1200 M. für den Zweck zu bewilligen.
Der Betriebsbericht der elektrischen Bahnen Bonn – Siegburg und Bonn – Königswinter für die Zeit vom 1. April 1914 bis 31. März 1915 besagt, daß sich der Betrieb in den vier ersten (Friedens-) Monaten des Berichtsjahres recht günstig entwickelt und besonders die Linie Bonn – Siegburg eine erfreuliche Verkehrsentwicklung gezeigt hat. Durch den Ausbruch des Krieges wurde die günstige Entwicklung der Bahnunternehmen zunächst empfindlich gestört. Fast 50 v. H. der Angestellten wurden zum Kriegsdienst einberufen, so daß nur ein wesentlich eingeschränkter Betrieb aufrecht erhalten werden konnte. Von den zur Fahne einberufenen Angestellten sind die Fahrer Wilbert und Schneider, der Schmied Breitbach und der Rottenarbeiter Wessel auf dem Felde der Ehre gefallen. Vom Oktober ab begannen der Verkehr und damit die Einnahmen auf der Strecke Bonn – Siegburg sich wieder wesentlich zu heben und im weiteren Verlauf des Jahres weit über die Ergebnisse des Vorjahres hinauszuwachsen. Der Grund für diese starke Verkehrsentwicklung ist in der Hauptsache auf die weitgehenden Arbeitereinstellungen in Siegburg zurückzuführen. Dagegen blieben die Einnahmen auf der Linie Bonn – Königswinter dauernd unbefriedigend. (...)
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Bonner Kinderlesehalle. Am 18. Dezbr. fand in der Bonner Kinderlesehalle eine kleine Weihnachtsfeier statt, an der die Damen des Vorstandes und die Helferinnen teilnahmen. Den Kindern wurde zuerst ein Märchen erzählt, dann erhielten, nach einer kurzen Ansprache, 14 Kinder, die sich durch gutes Betragen während der Lesenachmittage ausgezeichnet hatten, je ein hübsch ausgestattetes Buch geschenkt. Zum Schluß wurde ein gemeinsames Weihnachtslied gesungen. – Die vor vier Jahren von der Vorsitzenden der Ortsgruppe der Rheinisch-Westfälischen Frauengruppe für Volksbildung, Frau Landgerichtsrat Frost, gegründete Bonner Kinderlesehalle, erfreut sich auch in diesem Winter wieder eines regen Besuches; im Durchschnitt finden sich 80 Knaben und Mädchen an den schulfreien Nachmittagen dort ein. Auch der Nikolaustag wurde durch eine Austeilung von Pfefferkuchen gefeiert.
Städtischer Petroleumverkauf. Von heute Dienstag bis einschließlich Freitag wird auf dem Hof des Verwaltungsgebäudes Franziskanerstraße Petroleum zum Preise von 32 Pfg. für das Liter an jedermann abgegeben. Der einzelne Käufer erhält nicht mehr wie zwei Liter. Das Brotbuch gilt als Ausweis.
Bestandaufnahme von Kaffee, Tee und Kakao. Am 3. Januar 1916 findet eine Erhebung der Vorräte von Kaffee, Tee und Kakao statt. Der Wortlaut der diesbezüglichen Bekanntmachung ist auf Seite 8 unserer heutigen Nummer abgedruckt.
Höchstpreise auch für Käse. Wie man hört, besteht beim Reichsamt des Innern die Absicht, Höchstpreise auch für Käse einzuführen. Die bereits fertiggestellte Vorlage soll in den nächsten Tagen den Bundesregierungen zugehen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die elektrische Straßenbahn Bonn-Godesberg-Mehlem erzielte in der Zeit vom 1. April 1914 bis 31. März 1915 einen Gewinn von 28.250,81 M. (gegen 46.047 M. im Vorj.). (...) Die Entwicklung des Bahnunternehmens war im abgelaufenen Berichtsjahr keine günstige. Nachdem für die Zeit von April bis Juli 1914 die Einnahmen trotz planmäßiger Durchführung eines Viertelstundenbetriebes in den Nachmittagsstunden nur eine Steigerung von rund 6000 M. gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres aufwiesen, brachte infolge des Kriegsausbruches die Zeit von August 1914 bis März 1915 einen Einnahmeausfall von rund 15.000 M. Da der regelmäßige Halbstundenverkehr auch während der Kriegszeit weitergeführt wurde, konnten sich die Betriebsausgaben im Vergleich zum Vorjahre nicht wesentlich verringern; Mehrausgaben in Höhe von etwa 8400 M. verursachte auch der in der Zeit von April bis Juli eingerichtete und im Haushaltsplane nicht vorgesehene Viertelstundenverkehr, sowie die während des Krieges stark gestiegenen Löhne und Materialpreise. Ferner wurden für Unterstützungen der Familien der zur Fahne einberufenen Angestellten 8081,41 M. aus Betriebsmitteln gezahlt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 22. Dezember 1915
„Arndt-Eiche in Eisen“. Man schreibt uns: Am Mittwoch nachmittag 4½ Uhr wird der Schülerchor der städtischen Realschule an dem Bonner Kriegsmal mehrere Gesänge vortragen, u. a. wird das von Herrn Lehrer Rech vertonte Gedicht von Rudolf Herzog „Zu Bonn am Rhein“ zum ersten Male erklingen. Die Kriegsnagelung erfreut sich bereits großen Zuspruchs und wächst von Tag zu Tag. Es ist auch die Pflicht jedes Bonner Bürgers, durch sie sein Scherflein der Bonner Kriegswohlfahrtspflege zuzuführen.
In die Arndt-Eiche in Eisen nagelte Herr Kaufmann Hugo Ecker, Goebenstraße 25, einen 25 Mark-Nagel. Die 25 Mark stammten aus einem Sühnetermin. Allen Empfängern von Sühnegeldern sei dieses Beispiel zur Nachahmung empfohlen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Unser Kriegsmal, die Arndt-Eiche in Eisen, hat Zuspruch; den ganzen Tag über wird ihre Halle nimmer leer. Trotzdem die Tage vor Weihnachten alle Menschen stark mit sich selbst und ihren Familien beschäftigen und trotz des geradezu bösartigen Wetters hat die Arndt-Eiche immer Besuch. Und es wird auch genagelt. Schon rundet sich der Goldrand am Wappen der Vorderseite; schon leuchten Silbernägel auf dem dunklen Holz der Eiche und gleich Perlen reihen sich die schwarzen Nägel, die echten von Eisen, um den Säulenschaft. Oben am Säulenkapitell aber deckt schon hier und da ein Eichblatt von Eisen die Vorlage von Holz; das sind Erinnerungsblätter für eure Krieger, die vor dem Feinde draußen fielen und Gedenkblätter edler Spender. Sie scharen sich um das historische Eiserne Kreuz. Da, wo das Bonner Wappen aus einer Kapitellseite hervortritt, sollen sich Industrie und vaterstädtische Vereine verewigen; um Arndts Eisenkopf werden sich vaterländische Vereine ein Denkmal setzen und um des Kaisers Namenszug vielleicht Militärvereine. Aber auch jedem Privatmann steht es frei, ein Eichblatt von Eisen zu erwerben und zum Gedenken der Familie droben anzuschlagen. 100 Mark kosten sie. Die eisernen Eichblätter treibt die Meisterhand Kofferaths in mühevoller Handarbeit.
Neben den sinnigen Eichblättern werden große eiserne Plattennägel und solche von Gold genagelt. Auch für diese sind Widmungs-Gravierungen vorgesehen. Unser Kriegsmal soll ja zum ersten Geld, viel Geld für die Kriegswohlfahrtspflege einbringen; zum zweiten wird es aber ein Geschichtsmal von großem Wert für künftige Zeiten sein. Die gravierten Nägel und Schilder und das Eiserne Buch werden noch fernsten Geschlechtern zeugen von der Opferwilligkeit der Bonner Bürgerschaft in schwerer Zeit.
Gestern morgen hatte die Kasse am Kriegsmal eine Einnahme von 277 Mark. Das zehnfache und mehr vermögen die dort so uneigennützig wirkenden Damen anzunehmen; gewiß, es wird schon gut genagelt, aber es ist noch viel Platz da für Nägel, für die Jugend von 50 Pfg., für Große von 1 Mark und höher und höher, für alle Verhältnisse bis zu 1000 Mark. Da muß der Strom der Nagler stetig und stetig an der Arndt-Eiche vorbeiziehen und der Hammer von Hand zu Hand gehen und ohne Unterbrechung sein Klang über den Münsterplatz hallen.
Unser Kriegsmal und seine Halle gefällt allen; das Werk lobt wirklich seine Meister: Die Säule unseren Bildhauer Karl Menser, der Entwurf des Hallen- oder Kuppelbaues Regierungsbaumeister Pfleiderer (den Schöpfer der neuen Kasernen hier und in Euskirchen), die Ausführung im Schnelltempo die Baumeister Schmitt und Kelm im Auftrage des Architekten- und Ingenieur-Vereins und zu guterletzt auch den Verfertiger des von Menser entworfenen Deckels des Eisernen Buches, Goldschmied Ant. Koch.
Bonner Wochemarkt. Der gestrige Markt bot eine verhältnismäßig große Auswahl in fast allen Marktprodukten. Besucht war er im allgemeinen ziemlich gut, aber der Verkauf war nicht besonders flott. Die gestern zum Verkauf ausgestellte erste Ananas stand sehr hoch im Preise, im Schnitt wurde das Pfund mit 4 Mark, in der ganzen Frucht das Pfund mit 3,50 Mk, bezahlt. Frische Eier waren in nur kleinen Mengen an zwei Stellen zu haben, aber im Preise wieder gestiegen, das Stück kostete 27 Pfg. Butter war überhaupt nicht zu haben, ebenfalls keine Kartoffeln (außer beim städtischen Verkauf.) (...)
Der Großmarkt auf dem Stiftsplatz war gestern wieder recht gut beschickt. Auch Händler und Vorkäufer waren ziemlich zahlreich anwesend, konnten aber ihren Bedarf größtenteils nicht decken, weil die Gemüsebauern meistenteils nicht im Großen verkaufen wollten, um der festgesetzten Höchstpreise für den Zentner-Verkauf wegen im Kleinverkauf höhere Preise zu erzielen. Dies hatte zur Folge, daß der Verkauf gestern im allgemeinen sehr flau war, besonders in Gemüse.
Der städtische Gemüse-, Kartoffel- und Obst-Verkauf war gestern nicht besonders flott. Aepfel waren wieder etwas teurer geworden. Frische Eier wurden gestern überhaupt nicht verkauft. (...)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Bellachini, der bekannte Zauberkünstler, kommt in den nächsten Tagen nach hier und wird an den beiden Weihnachts-Feiertagen im kath. Gesellenhause seine überraschenden Vorführungen darbieten. Was wäre interessanter, als einige Stunden den überraschenden und geradezu unglaublichen Vorführungen dieses modernen Hexenmeisters beizuwohnen. Für ihn haben die Gesetze der Physik scheinbar keine Geltung. Vom verblüffendsten Taschenspielertrick bis zum ernsthaften wissenschaftlichen Experimente beherrscht der alle Gebiete seiner Kunst. Ein Besuch verbürgt fesselnde Unterhaltung. Näheres siehe im Anzeigenteile der heutigen Nummer.
Jugendliche Nomaden. Die Kriminalpolizei stöberte gestern in einer Hütte auf dem Venusberg zwei jugendliche arbeitsscheue Ausreißer aus Kessenich auf, die sich dort häuslich eingerichtet hatten und von gestohlenen Nahrungsmitteln lebten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Verkauf ausländischer Butter.
Wie aus der heutigen Anzeige ersichtlich ist, hat die Stadt Bonn an 30 hiesige Geschäfte ausländische Butter zum Verkauf überwiesen. Diese Butter wird am Donnerstag, den 23. d. M. verkauft. An jeden einzelnen Käufer darf nicht mehr wie 1 Pfund verabfolgt werden. Das Bonner Brotbuch ist zur Kontrolle vorzulegen. In demselben soll dasjenige Geschäft, bei dem die Butter entnommen wird, durch Firmenstempel kennzeichnen, daß der Brotbuchinhaber in dieser Woche Butter erhalten hat. Dadurch soll vermieden werden, daß ein Käufer in verschiedenen Geschäften große Mengen Butter zusammenkauft. Es ist vielfach die irrige Meinung verbreitet, daß alle Butter beschlagnahmt sei. Dieses ist durchaus nicht der Fall. Beschlagnahmt ist nur die Butter, welche aus dem Auslande eingeführt wird. Die im Inlande hergestellte Butter ist verkehrsfrei geblieben und wird nach wie vor von den einschlägigen Geschäften verkauft. Der Geschäftsinhaber hat also kein Recht, solange er Butter hat, deren Abgabe zu verweigern unter dem Vorgeben, daß die Butter beschlagnahmt sei. Vom 1. Januar ab ist beabsichtigt, eine neue Regelung des Butterverkaufs vorzunehmen.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Donnerstag, 23. Dezember 1915
An der Arndt-Eiche trug gestern nachmittag der Gesangchor der städtischen Realschule eine Reihe vaterländischer und Volkslieder frisch und begeistert vor, u. a. auch die von dem Leiter des Chors, Herrn Lehrer Rech vertonten Widmungsverse Rudolf Herzogs „Zu Bonn am Rhein“. Die Vorträge fanden bei den vielen Zuhörern, die sich, je länger je mehr eingefunden hatten, lebhaften Beifall. Rechtsanwalt Dr. Schumacher dankte im Namen des Arbeitsausschusses mit herzlichen Worten den jugendlichen Sängern und ihrem Leiter und brachte ein Kaiserhoch aus. Ein Quartaner trug sodann folgendes selbstverfaßtes Gedicht vor:
Zwei deutsche Worte,
Deutschlands Feinde seid gewarnt,
Noch lebt der Geist vom alten Arndt.
Er besang die Freiheit, treu und wahr,
Sein Sang tön’ fort noch manches Jahr!
Er wirkte und war an Geisteschätzen reich
O, lebte noch einer, der ihm gleich!
Der Deutsche schwört auf die Fahne Schwarz-Weiß-Rot
Ihr bleibt er treu bis in den Tod!
Und kehrt er heim im Siegesglanz,
So schmückt seinen Helm der Eichenkranz!
Fügt man zusammen die beiden Wort
„Arndt Eiche“ sei der Deutschen Hort!
Drum treib ich flugs den Nagel ein
Ihr andern – alle hinterdrein
Es soll ein eisern Kriegsmal sein!
W. Sprung.
Die ganze Sängerschar schlug Nägel in das Kriegsmal ein und regte mit ihrem guten Beispiel viele der Zuhörer und Zuschauer gleichfalls zum Nageln an.
Die Weihnachtsferien der Schulen beginnen am heutigen 23. Der Unterricht wird am 11. Januar wieder aufgenommen werden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Zwei Frauenspersonen hatten einen Mann an das untere Rheinwerft unterhalb des Schänzchens gelockt und ihm dort seine Barschaft, etwas 20 Mark, gestohlen. Die Strafkammer verurteilte die beiden Frauenspersonen gestern zu erheblichen Gefängnisstrafen. Die eine, die schon einmal vorbestraft war, erhielt vier Monate, die andere drei Monate Gefängnis.
Wegen Vergehens gegen die Bundesrats-Verordnung über das Bäckereiwesen hatte sich ein Bäcker aus Bonn gestern vor der Strafkammer zu verantworten. Er hatte Kuchen gebacken und auf dem Markt verkauft, der mehr als 10 vom Hundert an Mehl enthielt. Das Urteil lautete gegen ihn, dem Antrage der Staatsanwaltschaft entsprechend, auf 30 Mark Geldstrafe.
Keine Neujahrsbriefe ins Feld senden. Zur glatten Abwicklung des wichtigen Nachrichtenverkehrs nach dem Felde während der Neujahrszeit ist es unbedingt erforderlich, daß der Austausch von Neujahrsglückwünschen zwischen Heimat und Heer mit der Feldpost unterbleibt. Das Publikum wird daher dringend gebeten, zum bevorstehenden Jahreswechsel von der Versendung solcher Glückwünsche an Angehörige, gute Freunde und Bekannte im Felde Abstand zu nehmen.
Der städtische Speckverkauf findet anstatt Samstag bereits morgen Freitag im Geschäftslokal Rathausgasse 27 statt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Zu einer stimmungsvollen Weihnachtsfeier hatte am Dienstag das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, das zugleich eine Nebenstelle des Reserve-Lazaretts IV Bonn bildet, seine verwundeten Soldaten, viele befreundete Aerzte und Ehrengäste eingeladen. Damen des Heyermannschen Lehrerinnen-Seminars sangen unter der bewährten Leitung des Kgl. Musikdirektors Herrn Felix Krakamp allerliebste Weihnachtsliedchen. (...) Ein mächtiger Weihnachtsbaum erstrahlte im hellsten Licht der vielen kleinen Glühkerzen und dann kam ein ergreifendes inniges „Gebet der Kinder am Kripplein“, das in seiner Naivität ungemein echt klang. Die Schlußworte des Herrn Geheimrat Prof. Dr. Rumpf, des verdienstvollen Leiters des Krankenhauses, kamen aus dem tiefsten Herzen eines deutschen Mannes und verfehlten ihren Eindruck nicht. Während noch die ernsten Worte des Herrn Prof. Rumpfs schwer und sinnend in den Herzen nachklangen, ging wie ein versöhnendes Gebet das „Stille Nacht, heilige Nacht“ durch den Saal. – Das Christkindlein war unterdessen durch das Haus gegangen und hatte jedem Verwundeten seine Weihnachtsgabe auf das Bett gelegt: Süßigkeiten, ein gutes Buch und einen praktischen Gebrauchsgegenstand. Von jedem Kopfende aber winkten grüne, duftende Tannenzweige: Weihnacht in einem deutschen Lazarett!
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 24. Dezember 1915
Die Stadtverordneten erledigten in ihrer gestrigen nur kurzen öffentlichen Sitzung die Tagesordnung sehr glatt. (...) In geheimer Sitzung stifteten die Stadtverordneten 3000 M. für ein Wappenschild, das an die Arndt-Eiche genagelt werden soll.
Der Bonner Wehrbund unternahm am vergangenen Sonntag seine letzte Geländeübung in diesem Jahre. Sie galt in erster Linie der weiteren Ausbildung der Jungmannschaft im Aufklärungs- und Meldedienst. Zu diesem Zwecke besetzte eine Abteilung die Nordausgänge von Küdinghoven, eine zweite rückte von Pützchen aus gegen sie vor. Nachdem beide Parteien längere Zeit mit zahlreichen Patrouillen gegeneinander manövriert hatten, schritt die von Pützchen kommende zum Angriff. Während ein kleinerer Trupp vom Ennert aus vorging und die gegnerischen Kräfte auf sich zog, konnte die Hauptmacht vom Osthang des Finkenbergs her unbemerkt in Küdinghoven eindringen. Der Rückmarsch endete mit einer kurzen Ansprache an der „Arndt-Eiche in Eisen“, bei deren Einweihung der Wehrbund durch eine Abordnung vertreten war und zum ersten Male mit seinen neuen ausgebildeten Spielleuten auftreten konnte.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Godesberg. Die Nagelung des „Eisernen Kreuzes“ , das jetzt im Rathause steht, hat bisher 18.120 M. eingebracht.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)
Weihnachtswunsch.
Mein Töchterlein schläft – und in der Hand
Halt ich ein Brieflein, das sie mir schrieb,
Mit den steilen Zügen so wohlbekannt
Und meinem Auge vertraut und lieb:
„Mein Weihnachtswunsch.“ – Ich hab ihr gesagt
„Ganz wenig, ganz wenig gibt’s dieses Jahr!
Nenn keine Wünsche, die kühn und gewagt,
Nicht Spielzeug, noch Puppen mit blondem Haar.
Der Vater steht draußen – ihm schicken wir
Viel wollenes Zeug, Lebkuchen und Nüsse,
Ein Tannenzweiglein mit Kerzenzier
Und tausend liebe Weihnachtsgrüße!
Wir aber wollen auf alles verzichten,
Nur ganz etwas Kleines will ich dir schenken ...
Danach, mein Kind, mußt du dich richten ...“
Ich sah sie lange stehn und denken,
Die blauen Augen tiefgesenkt,
Von blondem Haar die Stirn umsäumt, –
Da lächle ich: Was sie wohl denkt?
Wovon sie wohl im Stillen träumt?
Schnell öffne ich den kleinen Brief
Und immer lese ich das gleiche:
„Mein größter Wunsch zum Weihnachtsfest – –
Drei Nägel für die Bonner Eiche!“
Das Weihnachtsgeschäft stand nun schon zum zweiten Male im Zeichen des Krieges und erhielt durch die mit dem Kriegszustand im Zusammenhang stehenden Verhältnisse in einem gegen das Vorjahr noch erhöhtem Maße sein Gepräge. So erhielten denn auch die Industriezweige und Geschäfte, welche Bedarfsartikel für unsere heldenmütigen Feldgrauen liefern, den Hauptanteil an den Einkäufen. Steht die Versorgung unserer Feldgrauen mit allem Notwendigen und Willkommenen doch im Vordergrunde in allen Kreisen der Bevölkerung und entwickelten alle ohne Unterschied des Ranges und Standes den gleichen Wetteifer, ihren Lieben vor dem Feinde eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Die sonstigen Einkäufe zu Weihnachten hielten sich durchweg in dem durch die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse gegebenen Rahmen. Bei der großen Mehrheit der Bevölkerung verbieten sich größere Luxusausgaben von selbst. Das Geschäft war denn auch in den vielartigen Luxusartikeln dementsprechend von geringem Umfange. Gegenstände des täglichen Bedarfs und besonders Genußmittel aller Art waren trotz der meist wesentlich teueren Preise als in Friedenszeiten bevorzugt. So sind die Urteile über den Verkauf des diesjährigen Weihnachtsgeschäftes sehr von einander abweichend; je nach der Branche der betr. Geschäfte wechseln sie zwischen recht befriedigend, befriedigend und unbefriedigend. Das bringt nun einmal der langwährende Kriegszustand mit sich.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist zur Zeit ein so außerordentlich reger wie er zu Friedenszeiten selten war. Oft kreuzen sich fünf bis sechs Schleppdampfer mit mehreren schwer beladenen Anhängeschiffen zu gleicher Zeit auf dem Rhein.
5tägige Sperre für Feldpostpakete. Mit Rücksicht auf den Neujahrsbriefverkehr können Privatbriefsendungen im Gewicht über 50 Gramm (Feldpostpäckchen) nach dem Feldheere in der Zeit vom 29. Dezember bis einschl. 2. Januar nicht angenommen werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 25. Dezember 1915
Am ersten Weihnachtstag erschienen in Bonn nur die Deutsche Reichszeitung und die Bonner Zeitung.
Eine eindrucksvolle Weihnachtsfeier fand gestern nachmittag in der Beethovenhalle statt. Die Schwesternschar hatte für die Verwundeten zwei große Weihnachtsbäume geschmückt und ihnen auch mit Hilfe anderer Wohltäter einen Gabentisch gedeckt, der den ganzen Mittelgang der Halle einnahm und in geschmackvoller Anordnung für jeden einzelnen ein Festgeschenk aus Gebrauchsgegenständen, Obst, Süßigkeiten usw. aufwies. Nach einem Orgelvortrag und dem von den Schülerinnen des Klostermannschen Lyzeums gesungenen Liede Stille Nacht, nahm der Chefarzt, Herr Professor Schmidt, das Wort zu einer kurzen, aber herzlichen Ansprache. Er erinnerte an das vorjährige Weihnachtsfest in der Beethovenhalle, bei dem niemand geglaubt habe, daß noch eine zweite Kriegsweihnacht werde gefeiert werden müssen, und an die großen Erfolge unserer Truppen im verflossenen Jahre. Unseren tapferen Kriegern, auch denen, die im höchsten Dienst des Vaterlandes ihre Wunden empfangen haben, verdankten wir Rheinländer es, daß wir auch im Kriege Weihnachten in Ruhe und Frieden feiern können. Möchte wenigstens im kommenden Jahre die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden zur Wahrheit werden und unserm Vaterlande derjenige starke Schutz und Schirm werden, dessen es bedarf, damit nicht noch einmal die halbe Welt es von allen Seiten anfallen und mit Vernichtung bedrohen kann. Den verwundeten und kranken Kameraden möchte dieses im Kreise ihrer Pflegerinnen gefeierte Weihnachtsfest ein bleibende und angenehme Erinnerung sein. Im weiteren Verlauf der stimmungsvollen Feier wechselten die von dem Schülerinnenchor gesungenen Weihnachtslieder mit Gedichtsvorträgen einzelner Schülerinnen ab, auch ein Violinsolo wurde sehr wirkungsvoll gespielt. Am Schluß wurden den Verwundeten von den Schwestern ihre Weihnachtsgeschenke überreicht.
Weihnachts- und Neujahrsruhe in den Staatswerkstätten. Während im vorigen Jahre auch Weihnachten und Neujahr zur Deckung des Kriegsbedarfs in den Staatswerkstätten gearbeitet werden mußte, ist es in diesem Jahre der Heeresverwaltung möglich, die Arbeit während der Feiertage ruhen zu lassen. Diese für die beteiligten Arbeiter gewiß erfreuliche Tatsache läßt zugleich erkennen, daß die bei der Herstellung des Kriegsbedarfs erzielten Leistungen durchaus befriedigend sind.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Weihnachtskonzerte in der Stadthalle. An den beiden Weihnachtsfeiertagen werden nachmittags um 4 Uhr unter Leitung des städtischen Kapellmeisters Heinrich Sauer zwei Weihnachtskonzerte stattfinden. Am 2. Feiertag wird das Konzert durch Darbietungen des Bonner Männer-Gesang-Vereins „Apollo“ verschönert. Der Eintrittspreis beträgt an beiden Tagen 20 Pfg. für jede Person.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Verwilderung der Jugend.
Kleine und halbwüchsige Bengels machen sich zur Zeit ein Vergnügen daraus, mit Kinderfloberts [Vogelbüchsen] und sogenannten „Flitschbogen“, das sind Bogen, welche sich die Kinder aus einem im Halbkreis gebogenen Stück Holz mit einer straffen wagerechten Kordel daran und einem recht spitzen Holzpfeil anfertigen, die Singvögel wegzuschießen. Da bei der jetzigen Winterszeit die armen Tierchen draußen kein Futter finden, so kommen sie vertrauensvoll an den Menschen heran, indem sie bis in die Gehöfte und Gärten fliegen, dort ein Körnchen zu erhaschen und werden dann von den Bengels tot geschossen. Es sind hauptsächlich die so nützlichen Meisen, welche dieser jugendlichen Mordlust zum Opfer fallen. Die Polizei möge ein Augenmerk auf diese Täter haben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Sonntag, 26. Dezember 1915
Am zweiten Weihnachtstag erschienen in Bonn keine Zeitungen.
Montag, 27. Dezember 1915
Die beiden Weihnachtsfeiertage waren in der Hauptsache der Ruhe und Erholung gewidmet. Größere Spaziergänge konnten allerdings nicht unternommen werden, da nur der zweite Feiertag einigermaßen vom Wetter begünstigt war. Von auswärts war zu den Feiertagen viel Besuch gekommen. Eine große Anzahl von Urlaubern weilte in ihren Familien, und auch unseren Feldgrauen in den Lazaretten wurde durch Besuch aus der Heimat manche Weihnachtsfreude zuteil. In den Lazaretten selbst fanden am heiligen Abend, zum Teil auch am ersten Feiertag stimmungsvolle Weihnachtsfeiern statt, die mit ihrem Lichterglanz, ihren Bescherungen und ihren Weihnachtsliedern unseren verwundeten Feldgrauen so gut als es nur angehen konnte die heimatliche Weihnachtsfeier ersetzen sollten. Das Theater, in dem am ersten Feiertage Halbes Strom aufgeführt wurde, war stark besucht. Auch die Kinos waren, vor allem in den Abendstunden, überfüllt. Die Wirtschaften und Kaffeehäuser der Stadt waren nachmittags und abends ebenfalls gut besetzt.
Weihnachtsfeiern. Der Verein ehemaliger Ulanen für Bonn und Umgebung veranstaltete im Gasthof zur Post am ersten Weihnachtstage für seine Mitglieder und ihre Familien, besonders auch für die Familien der im Felde stehenden Mitglieder, eine Weihnachtsfeier, die bei Musikvorträgen, den gemeinsam gesungenen Weihnachtsliedern und Gedichtvorträgen der Kinder sehr schön verlief. Trotz seiner großen Ausgaben für Unterstützungen und Liebesgaben konnte der Verein auch diese Kriegsweihnachten noch die Kinder mit je einer Düte erfreuen. Der Vorsitzende, Herr Fink, eröffnete die Feier mit einem Kaiserhoch. Er betonte, daß auch am Ende des Jahres 1915 und zu Beginn des Jahres 1916 „Durchhalten“ noch immer unter allen Umständen die Losung sein müsse.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Das Weihnachtsfest war in diesem Jahre noch mehr als sonst eine Feier, die im engen Kreise der Familie begangen wurde. Noch enger als sonst schlossen sich am Feste der Menschenliebe die Herzen aneinander, und die lichterflammende grüne Waldestanne galt auch als das Sinnbild dafür, daß alles, was deutsch fühlt und deutsch denkt in unerschütterlicher, tief im Herzen wurzelnder Vaterlandsliebe in Not und Tod weiterhin zusammenhalten will, zusammenhalten will in Liebe und Treue für die große heilige Sache der deutschen Heimaterde, deutscher Gesittung und Kultur. Wer einen Blick warf in die Lazarette, in welchen die Verwundeten der Schlachtfelder ihrer Genesung entgegensehen, wo ärztliche Kunst und schwesterliche Pflege wirksam sind, dem wurde es warm ums Herz angesichts der gehobenen Stimmung, die selbst unter den Schwerstverwundeten lebendig ist. Auch draußen auf dem Soldatenfriedhof im Norden der Stadt, wo die Liebe auch um Weihnachten der Gräber der dort ruhenden heimgegangenen Krieger gedachte, pflanzte der weihnachtliche Glaube die unerschütterliche Hoffnung auf, daß das Band der Liebe, das unser gesamtes deutsches Volk umschließt, unseren Feinden ein Wall bleiben wird, den sie nicht zu durchdringen vermögen.
Selbst an den friedvollen Tagen des Weihnachtsfestes hatten wir in unserem von dem geschäftlichen Treiben der Industrie weniger berührten Bonn im kleinen Ausschnitt ein Bild davon, daß es unseren Feinden nicht gelungen ist, unser deutsches Wirtschaftsleben zu zertrümmern. Draußen am Rhein lag eine mächtige Flottille von großen Schleppkähnen und Schleppern, die am ersten Festtage bestimmungsgemäß ihre Fahrt rheinaufwärts unterbrochen hatte, um hier zur Festrast vor Anker zu gehen. Lustig flatterte der Wimpel in den deutschen und Bundesfarben von den Masten dieser gewaltigen Transportschiffe, die vom Niederrhein aus ihren Weg rheinauf genommen hatten, um rheinauf genommen hatten, die vom Eisen- und Kohlengebiet kamen, um rheinaufwärts gelegene industrielle Unternehmungen mit Heizmaterial und Rohstoffen zu versorgen. Wer diese Bild blühenden Wirtschaftslebens bei einem stillen Spaziergang auf unserer schönen Rheinpromenade beobachtete, der wurde versöhnt mit dem furchtbaren Ernst der Zeit, und die Gedanken flogen hin zur West- und Ostfront, an unsere Küsten und nachdem Balkan, wo unser Volk in Waffen sein Leben in die Schanze schlägt für die Wohlfahrt unseres Vaterlandes, und allen Lieben da draußen, die das Weihnachtsfest im Schützengraben, im Unterstand oder auf hoher See begingen, ihnen galt am Feste der Liebe unser besonderes Gedenken.
Wie stark das Gefühl der Dankbarkeit für alles das ist, was die Kämpfer da draußen für uns und unsere Sache erstritten haben, das zeigten die feierlichen Veranstaltungen, die in unseren Lazaretten und Krankenhäusern zur Ehre und Freude der Verwundeten abgehalten wurden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Weihnachten. Die beiden Weihnachtsfeiertage wurden, da Weihnachten eben das Fest der Familien ist, in den einzelnen Familien in stiller Erbauung gefeiert, während man im äußeren Leben wenig davon merkte. Immerhin wurde das Fest des Friedens in Lazaretten und Vereinen auch durch besondere Feiern ausgezeichnet, worüber im einzelnen folgende Berichte vorliegen:
Der Katholische Kinderhortverband Bonn veranstaltete im Vereinshause in der Josefstraße seine diesjährige Weihnachtsfeier. (...) Die Weihnachtsfeier für die Verwundeten des jetzt als Garnisonslazarett eingerichteten früheren Friedrich-Wilhelm-Stiftes fand am Mittwoch abend unter Beteiligung von zahlreichen Gästen statt. (...) Der Bonner Kriegerverein beging am 25. d. M. nachmittags 4 ½ Uhr seine Weihnachtsfeier im Vereinslokale. (...)
Im Mutterhaus vom Roten Kreuz fand am Mittwoch den 22. Dezember die übliche Kinderbescherung statt. 18 Kriegerkindern beider Konfessionen aus dem Stadt und Landkreise Bonn wurde eine Weihnachtsfreude bereitet. (...)
In der Beethovenhalle hatten die Schwestern für die Verwundeten zwei große Weihnachtsbäume geschmückt und ihnen mit Hilfe anderer Wohltäter einen Gabentisch gedeckt, der den ganzen Mittelgang der Halle einnahm und in geschmackvoller Anordnung für jeden einzelnen ein Festgeschenk aus Gebrauchsgegenständen, Obst, Süßigkeiten usw. aufwies. Nach einem Orgelvortrag und dem von den Schülerinnen des Klostermannschen Lyzeums gesungenen Liede Stille Macht nahm der Chefarzt, Herr Professor Schmidt, das Wort zu einer kurzen aber herzlichen Ansprache. Im weiteren Verlauf der stimmungsvollen Feier wechselten die von dem Schülerinnenchor gesungenen Weihnachtslieder mit Gedichtsvorträgen einzelner Schülerinnen ab, auch ein Violinensolo wurde sehr wirkungsvoll gespielt. Am Schluß wurden die Verwundeten von den Schwestern ihre Weihnachtsgeschenke überreicht.
Der Bonner Krieger-Verein beging am 25. d. M. nachmittags 4½ Uhr seine Weihnachtsfeier im Vereinslokale. Der Saal war von den Gästen vollständig gefüllt. Nach der Eröffnungs- und der Festrede wußten die Damen Fräulein Adam, Geschwister Stüßer, Knoschilgen, sowie mehrere Kameraden die Festteilnehmer durch der ansprechende Vorträge zu unterhalten, so daß die Zeit bis zum Schluß der schönen Feier gegen 9 Uhr viel zu schnell verging.
Aus Kunst und Leben. Der „Champagne-Kamerad“ ist eine neue Feldzeitung der 3. Armee betitelt, von der die erste Nummer erschienen ist; die Schriftleitung und Geschäftsstelle ist beim Armee-Oberkommando 3. Die Zeitung enthält eine Reihe guter Aufsätze und Gedichte, hübsche Abbildungen u. a. ein Bild des Generalobersten von Einem. Schilderungen kleiner und großer Erlebnisse aus dem Armeebereich und mancherlei Schnurren. Das dem Wohle des Soldaten gewidmete Unternehmen, von Soldaten geschrieben und herausgegeben, wird in den Schützengräben und auf den Etappenstationen freudige Aufnahme finden. Nicht minder auch für die Heimat, wo sich viele für diese eigene Soldatenpresse interessieren und sie gern unterstützen. Z.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 28. Dezember 1915
Weihnachtsfeiern. Eine schöne Weihnachtsfeier wurde den Verwundeten der Lazarettnebenstelle in der Rosenstraße zuteil. Herr Schröder (Sürst) als Zugführer des hiesigen Roten Kreuzes hatte es verstanden, durch zu Herzen gehende Schilderungen und vielerlei Darbietungen den Schwergeprüften die Feier so zu gestalten, daß sie die Weihnachtsfeier in der Familie ersetzen konnte, was auch im Laufe des Abends einer der Verwundeten im Namen aller dankbar zum Ausdruck brachte. (...)
Die Weihnachtsbescherung in der Korps-Augenstation (Augenklinik, Wilhelmstraße) fand am Donnerstag statt und gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Dank reicher Spenden aus Kreisen von Gönnern des Lazaretts konnten die in der Augenklinik untergebrachten zahlreichen Verwundeten und Blinden in würdiger Weise beschenkt werden. (...)
Einen besonderen Charakter erhielt die Feier dadurch, daß die Verwundeten ihrerseits dem Leiter der Anstalt, Geheimrat Kuhnt, zum Zeichen ihres Dankes und als Erinnerung an die Kriegszeit ein Geschenk überreichten in Gestalt eines kunstvoll modellierten Gefechtsfeldes. Jeder einzelne Verwundete hatte dazu einen kleinen Beitrag gestiftet. Gemeinsamer Gesang beschloß die eindrucksvolle Feier.
Anzeige der Kaffee-, Tee- und Kakao-Vorräte. Am 3. Januar erfolgt im Stadtbezirk Bonn eine Bestandsaufnahme von Kaffee, Tee und Kakao in den Geschäften und in denjenigen Haushaltungen, deren Vorräte bei Kaffee zwanzig Pfund und bei Tee fünf Pfund übersteigen. Amtliche Meldestellen sind die Polizeikommissariate, bei denen auch die vorgeschriebenen Vordrucke zu haben sind.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Einen verstärkten Zuckerrüben-Anbau im Jahre 1916 fordert das preußische Landwirtschaftsministerium. Jeder Rüben bauende Landwirt sollte bestrebt sein, mindestens die bisherige Fläche, wenn irgend möglich aber mehr als bisher anzubauen.
Die Gewinnung von Oel aus Unkrautsamen wird vom Landwirtschaftsministerium empfohlen.
Hochwasser. Der Rhein ist seit gestern früh noch weiter gestiegen. Heute morgen 6 Uhr wurden am hiesigen Pegel 5,64 Meter Wasser gemessen, gegen 5,40 Meter gestern morgen 6 Uhr. Vom Oberrhein wird nur noch langsames Steigen des Wassers gemeldet.
Das Spielen der Kinder am Rhein, besonders jetzt bei dem Hochwasser, ist stets mit Gefahr verknüpft. In ganzen Scharen trieben sich gestern wieder die Jungen am Rhein herum, sie turnten auf dem vom Wasser umspülten Geländer an der Rampe der 1. Fährgasse herum sie warfen die vom Baumschnitt herumliegenden Ruten in den reißenden Strudel an der Rampe und fischten sie wieder heraus; sie stießen und drückten sich, bis dann das Unglück wieder einmal da war. Ein 12jähriger Junge stürzte in den hochgehenden Strom und trieb ab. Glücklicherweise fand sich dann noch ein Retter, der den Jungen den Fluten entriß. Es kann nicht genug vor dem Spiel unserer Kinder am Rheinufer gewarnt werden; hier sollten sich alle Erwachsene die Hand reichen und die Jugend vom Rheinufer und ihrem gefährlichen Spiel zurückhalten. Was sah man statt dessen gestern? – Vergnügt schauten Frauen und Männer diesem Treiben zu, um dann, als einer dem Ertrinken nahe war, den Kopf zu verlieren.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Der Kavallerie-Verein für Bonn und Umgebung versammelte am Nachmittage des ersten Weihnachtstages die Frauen und Kinder jener Mitglieder im Saale des Kameraden Bertram um 4 Uhr zu einer Weihnachtsfeier. Der Vorsitzende des Vereins, Kamerad Klutmann, begrüßte die Erschienenen, besonders auch die sich im Urlaub befindenden Kameraden in schönen Worten, gedenkend der ernsten Zeit. Bei Musikstücken, Liedern und Vorträgen einiger Kinder, die alle Anwesenden mit Begeisterung erfüllten, verliefen die Stunden aufs Beste. Am Schluß erhielten alle Kinder eine gefüllte Düte mit allerlei Leckereien.
Fürs Rote Kreuz. Bei der Nagelung des Eisernen Kreuzes auf dem Stammtisch im Restaurant Hombach sind wiederum 90,37 Mark eingegangen, die an den Freiwilligen Hilfsausschuß abgeliefert worden sind. Mit den 70,65 Mark vom 25. September und den 99,55 Mark vom 28. Oktober sind dies zusammen 260,57 Mark.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 29. Dezember 1915

Uniformverbot für Kinder. Das Gouvernement der Festung Köln weist darauf hin, daß das Verbot des unbefugten Anlegens militärischer Uniformen auch auf Kinder Anwendung findet, die Uniformen mit vorschriftsmäßigen militärischen Achselstücken und anderen Abzeichen tragen. Zuwiderhandlungen gegen das Verbot werden nach §360 des Reichsgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft.
Gegen die vielfach schon erwähnte zunehmende Verwahrlosung der Jugend erläßt der stellvertretende kommandierende General des 8. Armeekorps folgende Verordnung: „Es ist verboten, jugendlichen Personen unter 16 Jahren Streichhölzer, Feuerwerkskörper, Zigarren, Zigaretten und Tabak zu verkaufen oder zur Benutzung ohne Aufsicht zu überlassen. Jugendliche Personen dürfen nur mit Genehmigung ihrer Eltern, Erzieher oder deren Vertreter und außerhalb der Wohnung nur in deren Beisein rauchen, Alkohol enthaltende Getränke zu sich nehmen. In den Abendstunden, nach 7 Uhr oder nach Eintritt der Dunkelheit, wenn diese später eintritt, dürfen jugendliche Personen Wirtschaften nur in Begleitung der Eltern, Erzieher oder deren Vertreter besuchen, falls es sich nicht um eine notwendige Einkehr auf Reisen oder Wanderungen handelt. Der Besuch von Lichtspielhäusern und Schaustellungen, die unter dem Namen Spezialitätentheater, Varietés, Tingeltangel, Kabaretts u. a. veranstaltet werden, ebenso von Wirtschaften, in denen Sänger oder Sängerinnen auftreten, ist jugendlichen Personen verboten. Ausgenommen sind besondere Jugendvorstellungen, die als solche von den Ortspolizeibehörden geprüft und zugelassen sind. Das zwecklose Verweilen von jugendlichen Personen auf öffentlichen Straßen und Plätzen in den Abendstunden ist verboten. Wirte und sonstige Geschäftsinhaber dürfen den Besuch Jugendlicher nur insoweit erlauben, als er nach den vorstehenden Bestimmungen zulässig ist. Unrichtige Angaben über das Alter jugendlicher Personen, die von ihnen selbst oder von andern gemacht werden, sind strafbar. Wenn an einzelnen Orten oder für bestimmte Bezirke schärfere Bestimmungen bestehen, so bleiben sie in Kraft“.
Ueber das diesjährige Weihnachtsgeschäft in Bonn
haben wir, wie in früheren Jahren, bei einer Anzahl führender Geschäfte wieder eine Umfrage veranstaltet. Danach ist das diesjährige Weihnachtsgeschäft im allgemeinen besser ausgefallen, als man der Kriegszeit entsprechend erwarten konnte. Es ist bezeichnend, daß im Vergleich zum Vorjahre Umsatz und Verdienst in fast allen Geschäftszweigen sich gesteigert haben. Dabei hat sich vor allem gezeigt, daß die weniger bemittelten Bevölkerungskreise, die in früheren (Friedens-) Jahren nur wenig zum Weihnachtsgeschäft beitragen konnten, durch vermehrte Verdienstmöglichkeiten, die sich in bestimmten Industrien und vor allem im benachbarten Siegburg bieten, sehr viel kaufkräftiger geworden sind und daß gerade sie in diesem Jahre ganz bedeutend zur Hebung des Weihnachtsgeschäfts beigetragen haben. Wie im vorigen Jahre schon, waren es auch heuer wieder vor allem die praktischen Bedürfnissen dienenden Gegenstände, die vorwiegend gekauft wurden, es ist aber ein gutes Zeichen für die Kaufkraft, daß hierbei in fast allen Geschäftszweigen die guten und gediegenen Waren den Vorzug vor den billigen und natürlich auch schlechten Waren erhielten. Wenn der Umsatz in Luxusgegenständen auch bedeutend geringer war wie in Friedenszeiten, so hat doch auch er sich gegen die erste Kriegsweihnachten entschieden gehoben, so daß er in einigen Geschäftszweigen nicht mehr als schlecht bezeichnet werden konnte. Wir geben die Einzelergebnisse unserer Umfrage hier wieder.
Der Buchhandel verzeichnet ein recht gutes Weihnachtsgeschäft. Es scheint, als habe die Kriegszeit die Wertschätzung guter Bücher gesteigert, auch mögen in vielen Fällen die eingeschränkten Ausgaben für Luxusgegenstände durch Buchkäufe ersetzt worden sein. Viele Bücher sind auch zum Versand ins Feld gekauft worden. Zu den am meisten verlangten Büchern gehören u.a. Lauffs Anne Susanne, Meyrinks Golem, dessen Feldpostausgabe leider zu spät für Weihnachten auf den Markt kam. Naumanns Mitteleuropa, Deutschland und der Weltkrieg, Ganghofers Trutze von Trutzberg, Lily Brauns Lebenssucher, Paul Kellers Ferien vom Isch, die Montanusbücher, ferner Eulenbergs letzte Bilder, die Gottfried-Keller-Biographie von Ermatinger, der zweibändige Auszug aus den Werken Friedrichs des Großen. Auch Jugendschriften und Bilderbücher gingen recht gut.
Der Kunsthandel hatte ein besseres Weihnachtsgeschäft als im vorigen Jahre, es blieb aber hinter Friedensjahren zurück, weil in der Hauptsache nur kleinere Stücke gekauft wurden und die besser gestellten Kreise mit ihren Einkäufen zurückhielten.
Das Weihnachtsgeschäft in Spielwaren war gut, ebenso gut wie vor dem Kriege. Es hat schon verhältnismäßig früh eingesetzt und sich so auf einen längeren Zeitraum wie sonst verteilt. Käufer waren in erster Linie Mittelstand und Arbeiter, von den Wohlhabenden wurden wenig Spielwaren gekauft. Trotzdem wurden, ohne Rücksicht auf den Preis, gute und gediegene Sachen gekauft.
Die Konditoreien hatten gleichfalls ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft, an dem alle Kreise der Einwohnerschaft gleichzeitig beteiligt waren. Der Umsatz war sogar größer als in Friedenszeiten, weil viele Waren, die sonst auch von Bäckereien hergestellt werden, infolge der behördlich geregelten Mehlverteilung jetzt von den Bäckern nur in beschränktem Maße geführt werden konnten, allerdings konnte der Reinverdienst nicht in dem Maße wie der Umsatz steigen, da die Rohstoffpreise zu hoch waren und die Verkaufspreise nicht im gleichen Verhältnis erhöht werden konnten.
Das Geschäft in Lederwaren war zufriedenstellend. Es wurden jedoch nur kleinere Gegenstände verlangt, diese dafür – auch als Geschenke für die Verwundeten – in größerer Anzahl auf einmal. Bei feineren Lederwaren schreckten die infolge der Lederteuerung hohen Preise vom Kaufen ab. Große Gegenstände, wie Reisekoffer und -taschen, die im vorigen Jahre noch häufig verlangt wurde, kamen diesmal gar nicht in Betracht.
Das Damenhut- und Putzgeschäft, dessen beste Zeit ja allerdings auch sonst nicht vor Weihnachten liegt, hat sehr zu wünschen übrig gelassen. Es müßte, wenn nicht der Mittelstand und die weniger bemittelten Kreise einige Einkäufe gemacht hätten, gerade zu schlecht bezeichnet werden.
In Gold- und Silberwaren war das Weihnachtsgeschäft viel besser als man erwartet hatte und auch besser wie im vorigen Jahre. Es wurden auch teure und wertvolle Schmuckstücke gekauft, in der Hauptsache wurden jedoch die mittleren und billigeren Preislagen verlangt.
Das Geschäft in Pelzwaren war zwar geringer als in Friedensjahren, aber auch der Zeit entsprechend gut und besser wie im Vorjahre.
In Schuhwaren war das Weihnachtsgeschäft über Erwarten gut, nicht geringer wie in Friedensjahren. Trotz der gegen früher bedeutend höheren Preise wurden in der Hauptsache gute und gediegene Waren gekauft.
Das Geschäft in Zigarren und Zigaretten war im allgemeinen recht gut, weil der Versand ins Feld eine wichtige Rolle spielte. Das Geschäft gestaltete sich aber schwierig, weil die Kleinpackungen zu 25 Stück wegen des Holzmangels nicht in der wünschenswerten Menge zu beschaffen waren, es litt in den letzten Tagen auch sehr unter dem schlechten Wetter.
In Damenkleidung und Modewaren war das Geschäft sehr lebhaft, auf jeden Fall besser wie im vergangenen Jahre und vielleicht sogar noch besser wie im Frieden. Käufer waren auch in diesem Geschäftszweige in erster Linie die Angestellten und Arbeiter der jetzt blühenden Industrien, vor allem der Siegburger und der Landkundschaft. Gute Mittelwaren wurden bevorzugt.
Der Verkauf von Branntwein und Spirituosen litt sehr unter der Regierungspolizeiverordnung, die die Abgabe von billigeren Stoffen verbietet.
Schokoladenwaren, Bonbons usw. wurde mehr als in Friedensjahren gekauft, infolge des Feldpostversands jedoch früher als sonst. Die letzten Tage vor Weihnachten, in denen die Einkäufe für den Hausgebrauch gemacht zu werden pflegen, litten unter schlechtem Wetter.
Das Blumengeschäft war im Vergleich zu Friedensjahren gering, weil die aus Holland eingeführten Blumen doppelt so teuer sind wie die früher aus Südfrankreich bezogenen, deren Einfuhr selbstverständlich fehlt.
In Glas- und Porzellanwaren war das Weihnachtsgeschäft besser als das vorjährige und der Zeit entsprechend, befriedigend. Die geringeren und mittleren Preislagen fanden einigermaßen Absatz, bessere und teuere Sachen sind wenig gekauft worden.
Teppiche und Orientwaren wurden wenig gekauft, der Umsatz war nur etwa ein Viertel so groß wie in früheren Jahren.
In Kurz-, Weiß- und Wollwaren konnte die Menge des Umsatzes die der früheren Jahre zwar nicht erreichen, infolge der bedeutend höheren Preise war das Ergebnis jedoch recht gut. Die notwendigen Gebrauchswaren fanden sehr guten Absatz. Im ganzen blieb das heurige Weihnachtsgeschäft hinter dem der letzten Friedensjahre nicht zurück.
Das Weihnachtsgeschäft in Haus- und Küchengeräten blieb hinter dem der Friedensjahre weit zurück. Es wurden vorwiegend Gegenstände für den täglichen Gebrauch gekauft, auch Metallwaren, Holz- und Ausstattungsgegenstände, im allgemeinen wurden aber nur kleinere und billigere Sachen verlangt.
Das Weihnachtsgeschäft in Papier- und Schreibwaren wurde durch den Versand von Briefpapier ins Feld recht günstig beeinflußt, so daß es im Vergleich zu anderen Jahren befriedigend abschloß. Bemerkenswert ist, daß nur noch sehr wenig farbiges, sondern fast nur weißes Papier verlangt, dabei aber auf Gediegenheit und geschmackvolle Aufmachung großer Wert gelegt wird.
Seide und Samt wurden in diesem Jahre durch den hohen Preis der Wollstoffe begünstigt. Das Geschäft war infolgedessen lebhafter wie im vorigen Jahre. Ein Ausfall gegen Friedenszeiten ergab sich jedoch daraus, daß vornehme Gesellschaftskleider und Stoffe dafür fast gar nicht gekauft werden.
Das Geschäft in Musikinstrumenten blieb erheblich hinter dem der letzten Friedensjahre zurück. Mund- und Ziehharmonikas werden wohl vielfach gekauft, auch Mandolinen und Gitarren, größere und kostspieligere Instrumente wurden dagegen fast überhaupt nicht verlangt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Der Pommern-Verein veranstaltete am 1. Feiertage im Nordischen Hofe seine Weihnachtsfeier mit Bescherung. Knaben und Mädchen erfreuten mit Gedichten, zwei Damen durch Liedervorträge. Nach reichlicher Bescherung der Großen und Kleinen wurden praktische Gegenstände unter den Anwesenden verlost.
Einen Eimer Gelee hatte ein junger Mann von auswärts von einem Wagen gestohlen. Der Diebstahl wurde sofort bemerkt und der Eimer Gelee dem Dieb abgenommen, Das Schöffengericht verurteilte ihn gestern zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat, worauf drei Wochen der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet werden sollen.
Gegen die Brotgetreide-Verfütterung muß – so schreibt man uns von zuständiger Stelle – mit allen Mitteln vorgegangen werden, da die Landwirte trotz aller Verbote immer noch solches Getreide unter allen möglichen Vorwänden verfüttern. In den Kriegszeiten, in denen wir vom Ausland abgesperrt sind, muß auch das minderwertige Getreide durch Bearbeitung dem Brotkonsum nutzbar gemacht werden. Darum sind Verstöße gegen das Verfütterungsverbot ein Verbrechen, das an unserem Vaterlande im Krieg begangen wird. In allen ländlichen Kreisen sollte immer wieder mit Nachdruck darauf hingewiesen werden: Wer Brotgetreide verfüttert, macht sich strafbar und versündigt sich an dem Vaterlande.
Durch ein Versehen der Behörde hatte eine Frau aus Godesberg, der wöchentlich 2 ½ Brot zustanden, eine Brotkarte nur über 1½ Brot erhalten. Die Inhaberin einer Bäckerei verabfolgte ihr aber dennoch wöchentlich 2½ Brote. Der Irrtum wurde schließlich bemerkt und die Sache kam zur Anzeige. Sowohl die Inhaberin der Brotkarte als auch die Bäckereiinhaberin standen gestern vor dem Schöffengericht wegen Uebertretung der Bundesratsverordnung über das Bäckereiwesen. Das Schöffengericht verurteilte beide wegen Uebertretung dieser Verordnung. Die Inhaberin der Brotkarte kam mit einer Geldstrafe von 5 Mk., die Inhaberin der Bäckerei mit einer Geldstrafe von 15 Mk. davon. Letztere war schon vorher wegen einer gleichen Uebertretung bestraft worden.
Wegen Uebertretung der Bundesratsverordnung hatte sich gestern ein Bäcker aus Vilich-Rheindorf vor dem Schöffengericht zu verantworten. Er sollte morgens schon vor 7 Uhr mit der Arbeit in seiner Bäckerei begonnen haben. Der Angeklagte bestritt die ihm zur Last gelegte Beschuldigung. Das Gericht vertage die Verhandlung zur Ladung von Zeugen und Sachverständigen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 29. Dez. Das „Eiserne Kreuz von Godesberg“, welches zum Besten der Hinterbliebenen gefallener Krieger aus der Bürgermeisterei Godesberg am 12. September eingeweiht wurde und gleich am ersten Nagelungstage schon 4703 Mark erbrachte, hat bis heute eine Gesamtsumme von 18.250 Mark erreicht. Auch das Loskaufen von Neujahrsbesuchen und Neujahrswünschen ist durch Zahlung von drei Mark jetzt in seinen Dienst gestellt worden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Arndt-Eiche in Eisen. Die Nagelung brachte an den beiden Weihnachtstagen 592,06 Mark, am letzten Montag 416,16 Mark ein.
Das Pfadfinder-Korps Bonn versammelte seine Mitglieder, Freunde und Gönner am zweiten Weihnachtstag im Saale von Schumacher in Kessenich zu einer Weihnachtsfeier. Der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Herr Oberfeldmeister Laabs begrüßte die Anwesenden und gab Weihnachtsgrüße von früheren Pfadfindern des Korps bekannt. Die aus Mitgliedern des Korps bestehende Kapelle leistete recht Erfreuliches. Die vorgetragenen Gedichte, darunter solche von dem Gründer des Bonner Pfadfinder-Korps, Herrn v. Gottberg, fanden allgemeinen Beifall und auch das von jungen Leuten flott gespielte Lustspiel fand, namentlich bei der recht zahlreich vertretenen Jugend großes Gefallen. Der Festredner ermahnte in seiner Ansprache die Jugend – Gotte – Vaterland – König – als drei Dinge, an die ein echter Deutscher nicht rütteln lassen dürfe, immer hoch und in Ehren zu halten und sprach allen, die zu dem schönen Gelingen des Festes beigetragen, den Dank der Anwesenden aus. Der Ertrag des Festes war für die im Felde befindlichen Mitglieder des Korps bestimmt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Duisdorf, 27. Dez. Eine Weihnachtsfreude wurde auch den Feldgrauen aus der hiesigen Bürgermeisterei bereitet. Aus den Mitteln, die der Bürgeremeistereirat bewilligte und Sammlungen einbrachten, sind einige Tage vor Weihnachten 84 Pakete abgesandt worden. Schon jetzt ist eine erhebliche Anzahl von Feldpostkarten mit Dankesäußerungen beim hiesigen Bürgermeisteramt eingelaufen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)
Donnerstag, 30. Dezember 1915
Auszeichnung. Dem Landtagsabgeordneten für Bonn-Rheinbach, Professor Dr. Hauptmann ist die österreichische Ehrenmedaille für Verdienste um das Rote Kreuz verliehen worden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Keine Höchstpreise für Schuhwaren. Das Reichsamt des Innern hat auf eine Eingabe wegen der etwaigen Festsetzung von Höchstpreisen für Leder- und Schuhwaren geantwortet, daß wohl innerhalb der zuständigen Stellen eingehende Erwägungen über die Schaffung von bestimmten Höchstpreisen für Waren aus Leder, darunter auch für Schuhwaren stattgefunden hätten, daß man aber infolge der außerordentlichen Schwierigkeiten, die hauptsächlich auf die große Vielseitigkeit der Erzeugnisse zurückzuführen seien, von der Festsetzung bestimmter Preise abgesehen habe; man rechne mit einer Verbilligung der Preise dieser Waren nach der nunmehr geschaffenen Regelung der Preise für Leder.
Die eisernen Groschen. Die Bundesratsverordnung über die „eisernen Groschen“ wird jetzt vom Reichskanzler amtlich veröffentlicht. Es gehr daraus hervor, daß Zehnpfennigstücke aus Eisen bis zu einer Höhe von zehn Millionen Mark hergestellt werden sollen. Die eisernen Zehnpfennigstücke werden zu 280 Stück aus einem Kilogramm ausgebracht. Die eisernen Zehnpfennigstücke sind spätestens zwei Jahre nach Friedensschluß außer Kurs zu setzen. Die hierzu erforderlichen Bestimmungen erläßt der Bundesrat.
Der städtische Speckverkauf findet des Neujahrstages wegen bereits morgen Freitag statt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Graubrot und Grahambrot in Bonn gestattet. Durch zwei neue Verordnungen werden die bisherigen Verordnungen zur Brotversorgung im Stadtkreise Bonn zusammengefaßt.
Neu ist die Einführung von Graubrot und von Grahambrot. Während aber Graubrot schon in einigen Tagen in den Bäckerläden zu haben sein wird, kann Weizenschrotbrot (Grahambrot) erst nach Lieferung der zur Herstellung des Grahambrotes erforderlichen Weizenschrotes durch die Reichsgetreidestelle gebacken werden. Graubrot und Grahambrot müssen dasselbe Gewicht wie Feinbrot und Schwarzbrot (3 ¾ Pfund) haben. Jedoch darf Graubrot auch in der Hälfte, Grahambrot in einem Viertel des Brotgewichtes, aber nur in der hier üblichen Form hergestellt werden. Die Eintragung dieser kleineren Brote im Brotbuch erfolgt in der Spalte „Schwarzbrot oder Feinbrot“ als „1/2 Brot“ für ein Graubrot zur Hälfte des Brotgewichtes und als „1/4 Brot“ für ein Grahambrot zu einem Viertel des Brotgewichtes. Der Graubrotpreis ist auf 0,95 Mark für das 3 3/4pfündige Brot und auf 0,48 für das kleinere Graubrot festgesetzt. Für Grahambrot ist ein Preis noch nicht bestimmt. In der Verordnung betr. der Regelung der Mehl- und Brotversorgung ist als neue Bestimmung aufgenommen, daß die Brotbücher nicht beim Bäcker aufbewahrt werden dürfen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 31. Dezember 1915

Generalfeldmarschall von Hindenburg übersandte dem Direktor unserer Fortbildungsschulen folgendes Schreiben:
Hauptquartier Ost, den 27. Dezember 1915.
Hochverehrter Herr Direktor!
Für die mir als Weihnachtsgabe im Namen des Lehrkörpers, der Schülerinnen und Schüler der städtischen Fortbildungsschulen zu Bonn a. Rhein übersandten 700 Mark bitte ich den gütigen Spendern meinen verbindlichsten Dank übermitteln zu wollen. Der Betrag ist wunschgemäß zum Besten der mir anvertrauten Truppen verwendet worden.
Indem ich Ihre guten Wünsche für das Jahr 1916 auf das beste erwidere, bin ich mit vorzüglicher Hochachtung Euer Wohlgeboren ergebener
Von Hindenburg
Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber Ost
Kleinhandelshöchstpreise für Süßwasserfische sind vom Oberbürgermeister festgesetzt worden. Sie werden im Anzeigenteil dieser Zeitung bekannt gegeben. Der Oberbürgermeister veröffentlicht ferner in dieser Zeitung die vom Bundesrat angeordneten Einschränkungen für die Herstellung von Süßigkeiten und Schokolade.
Die Polizeistunde für Gast- und Schankwirtschaften wird auf Anordnung des Gourverneurs der Festung Köln für die Neujahrsnacht bis 1 Uhr verlängert. Musikalische Darbietungen müssen jedoch um 12 Uhr aufhören.
Eine Weihnachtsfeier für die Witwen und Waisen unserer Bonner Krieger veranstaltete gestern nachmittag im städtischen Lyzeum der freiwillige Hilfsausschuß für Truppen. Etwas 60 Witwen hatten sich mit ihren zusammen rund 150 Kindern in der Turnhalle, die ein großer Weihnachtsbaum schmückte, versammelt. Das gemeinsam gesungene Lied „Stille Nacht“ leitete die Feier ein. Dann nahm der Vorsitzende des Hilfsausschusses, Herr Dr. Krantz, das Wort zu einer Ansprache. Der bei der ersten Kriegsweihnachtsfeier überall ausgesprochene Wunsch, es möchte übers Jahr die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden zur Wahrheit werden, habe sich nicht erfüllt, täglich fordere der schreckliche und gewaltigste aller bisherigen Kriege noch immer unzählige Opfer an Toten und Verwundeten. Und doch sei das Weihnachtsfest wohl niemals tiefinnerlicher gefeiert worden, als heuer, niemals habe die Nächstenliebe sich reger betätigt, als jetzt. Wie für unsere Feldgrauen draußen trotz ihrer Friedenssehnsucht Aushalten und Durchhalten die Losung sein müsse, so müsse auch in der Heimat ausgehalten u. durchgehalten werden. Die deutsche Jugend habe ihr Spiel ganz dem Kriege angepaßt, an ihrem selbstverständlichen Vertrauen auf den Sieg Deutschlands sollten die Erwachsenen ihre etwa gesunkene Zuversicht stärken. Auch um der Jugend willen müsse durchgehalten werden; denn einen schwächlichen Friedensschluß würde die Jugend büßen müssen. Habe die große Zeit dieses Krieges schon in allen Kreisen das Bestreben gefördert, vorhandene Unterschiede zu überbrücken, so sei es ganz besonders in dieser Weihnachtszeit der Fall gewesen. So könne man mit Recht auch von dieser Weihnacht sagen: o du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit. – Frau Gentrup sang darauf mit klarer, heller Stimme und schönem Ausdruck mehrere Weihnachtslieder, wobei Herr Kapellmeister Sauer am Harmonium stimmungsvoll begleitete. Der Einladung an die Kinder, Gedichte vorzutragen, folgte ohne Zaudern eine ganze Schar; mehrere ganz Kleine sagten sogar recht sinnige Verse – ohne Stocken und verständig auf. Dann begann die Bescherung. Jede Mutter erhielt fünf Mark und Bekleidungsstücke, auch für jedes Kind wurden Kleidungsstücke, dazu Spielzeug und Süßigkeiten gegeben. Mit einem gemeinsamen Weihnachtsliede schloß die würdige Feier.
Der Freiwillige Hilfsausschuß für Truppen hat außer den Kriegerwitwen und –waisen auch rund 1.000 Bonner Kriegerfrauen eine kleine Weihnachtsfreude bereitet: 700 haben gestern je 3 M. erhalten, 800 werden den gleichen Betrag heute bekommen.
Selbstmord? Am Rhein in der Nähe des Schänzchens wurden gestern morgen Jackett, Pelz und Hut einer von auswärts stammenden, seit einiger Zeit in Bonn wohnenden Dame gefunden. Es wird angenommen, daß die Besitzerin der Kleidungsstücke sich ertränkt hat.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Ueber die Herstellung von Süßigkeiten und Schokolade erläßt der Oberbürgermeister eine Bekanntmachung, die in der heutigen Nummer unseres Blattes zum Abdruck gebracht wird.
Gewinnung von Oel aus Unkrautsamen. Das in diesem Jahr gewachsene Sommergetreide enthält beträchtliche Beimischungen von Hederich, Ackersenf, Leindotter und anderen ölhaltigen Unkrautsamen, die beim Dreschen und bei der späteren Reinigung des Getreides ausgesiebt werden. Diese Sämereien sollte, auch wenn es sich um ganz kleine Mengen handelt, den Oelmühlen zur Oelgewinnung zugeführte werden. Der Kriegsausschuß für pflanzliche und tierische Fette und Oele hat in jedem Kommunalverband einen Kommissär ernannt, der ebenso wie alle anderen Oelfrüchte auch diese beim Ausputz gewonnenen Oelsamen abnimmt. Der preußische Landwirtschaftsminister fordert die Landwirte auf, auf die Gewinnung dieser ölhaltigen Samen zu achten und sie zur Ablieferung zu bringen.
Zur Frage der Kaffee-Vorräte. Aus Bonner Fachkreisen wird uns geschrieben:
Durch die Bundesrats-Verordnung, wonach am 3. Januar eine Bestands-Aufnahme von rohem und gebranntem Kaffee stattfinden soll, hat sich wieder manche Hausfrau durch übereilte, größere Einkäufe einen längeren Vorrat sichern wollen, mit der Voraussicht, es würde eine Beschlagnahme von Kaffee erfolgen. Nach sicherm Vernehmen jedoch soll vorläufig an eine Beschlagnahme durch die Bestands-Aufnahme nicht gedacht sein. Wohl aber werden jedenfalls, wenn das Quantum, das sich im Inlande befindet, gering ist, Höchstpreise eingeführt. Ist jedoch der Vorrat ein großer, so wird dieses nicht geschehen und es beim Alten bleiben. Jedenfalls sei hier noch erwähnt, daß andauernd noch genügend Kaffee vom Auslande hereinkommt. Nur sind natürlich die Einkaufspreise infolge des Krieges, insbesondere durch hohe Frachten, Versicherungs-Spesen, hohe Kurse des ausländischen Geldes bedeutend höher, als in Friedenszeiten, wie dieses auch bei vielen anderen Artikeln der Fall ist. Also ruhig Blut!
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Eine sehr beachtenswerte Erfindung. Das kaiserliche Patentamt hat einem unserer Mitbürger Herrn Wilhelm Heyden, Präparator am anatomischen Institut in Bonn, Meckenheimer Allee 3, die Erfindung einer künstlichen Hand gesetzlich geschützt. Nachdem in letzter Zeit von Amerika aus vielfach Anerbietungen für Handersatz zu sehr hohen Preisen nach Deutschland gekommen sind, verdient die Erfindung dieses unseres Mitbürgers umsomehr Beachtung, als die Hand fabrikmäßig herzustellen ist und daher zu einem sehr bescheidenen Preise auch an Minderbemittelte geliefert werden kann. Der Erfinder hat ihr den Namen: „Künstliche Arbeits- und Gebrauchshand des Menschen“ gegeben. Die Erfindung baut sich auf dem System der natürlichen menschlichen Hand auf. Die Hand kann an jedem bereits getragenen künstlichen Arm angebracht werden; sie ist abnehmbar und kann durch eine Arbeitsprothese ersetzt werden. Diese Hand ermöglicht ihrem Träger, leichte und auch schwere Gegenstände (bis zu 20 Pfund und darüber) zu tragen. Die Bedienung der künstlichen Hand geschieht durch die natürliche Hand des Trägers. Der ganze Mechanismus ist der denkbar einfachste. Reparaturen sind sozusagen ausgeschlossen. Soweit die künstliche Hand Gegenstände und Werkzeuge nicht selbst halten und bedienen kann, ist an ihr ein Universalgriff anzubringen, in den Feilen, Stoß- und Lochsägen usw. eingespannt werden können. Verschiedene Abbildungen der künstlichen Hand sind im Schaufenster unserer Geschäftsstelle in der Sürst ausgehängt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Godesberg, 30. Dez. Die erste Sendung Eier aus Oesterreich-Ungarn und zwar über 14.000 Stück sind heute für die Gemeinde eingetroffen. Der Verkauf findet von Freitag vormittag 9 Uhr ab im Geschäft W. Kruse, Coblenzerstraße statt. Der Verkauf geschieht nur gegen Vorzeigung des Brotbuches. Das Stück kostet 16 und 18 Pfg. und werden nur bis 10 Stück verkauft. Gleichfalls ist eine neue Sendung Molkereibutter angekommen. Der Verkauf findet ebenfalls von Freitag vormittag an statt im Volksspeisehaus.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)