Mittwoch, 11. August 1915
Geldsammlung. Es ist noch immer, namentlich auf dem Lande viel Gold vorhanden, welches bei der Reichsbank nutzbringend aufgehoben wäre und dem Besitzer, etwa durch Umwechslung in 5prozentige Kriegsanleihe, gute Zinsen bringen könnte. Nach sachverständiger Schätzung stecken noch ganz erhebliche Goldbeträge im Lande, deren Besitzern klar gemacht werden muß, daß es wirtschaftlich und vaterländisch verkehrt ist, die Goldmünzen festzuhalten.
Um den Sammeleifer zu fördern, gibt die Städtische Sparkasse jedem Schüler, der jetzt mindestens 50 Mark in Gold einlegt oder umwechselt, ein künstlerisch ausgestattetes Gedenkblatt folgenden Inhalts:
Konnt’ ich auch nicht Waffen tragen
Half ich doch die Feinde schlagen.
....... hat im großen Kriege ...... Mark in Gold gesammelt und an die Reichsbank abgeführt im Sommer 1915. Die Leistung de. ...... zu .......
Die Schulferien bieten vielleicht manchem Schüler Gelegenheit, sich durch weitere Goldsammlung nützlich zu machen und das schöne Gedenkblatt zu erwerben.
Der Bonner Lazarettzug hat auf seiner 14. Fahrt in Chauny 249 Verwundete geladen und nach Würzburg gebracht, wo am Sonntag ausgeladen wurde. Von Würzburg aus wurde die 15. Fahrt angetreten. In Chauny überreichte der Etappendelegierte 15 Krankenpflegern in Anerkennung ihrer Tätigkeit die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse.
An Liebesgaben sind dringend erwünscht: Zigarren, Zigaretten, Pantoffeln, Hemden, Taschentücher. Diese Sachen sind abzugeben Bahnhofstraße 40. Weitere Geldspenden sind zu richten an die Deutsche Bank, Zweigstelle Bonn. (…)
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Festung Lomza gefallen. Zu den Siegesbotschaften aus dem Osten gesellte sich gestern die Nachricht, daß die Festung Lomza gefallen. Unsere Leser, die durch die rasch beliebt gewordenen Aufsätze unseres militärischen Mitarbeiters Major a. D. von Schreibershofen und unsere Artikel aus anderen militärischen Feldern über die strategische Bedeutung unserer operativen Erfolge im Osten genau unterrichtet sind, schätzten den Fall von Lomza, wodurch die letzte russische Festung am Narewaabschnitt in unsere Hände gelangt ist, unsere rückwärtigen Verbindungen gedeckt und unsere Angriffsfront südlich und östlich dieser Festung gekräftigt wurde, entsprechend ein. Flaggenschmuck zahlreicher Häuser zeigte die freudige Anteilnahme der Bürgerschaft an diesem neuen Erfolge unserer Waffen, und feierliches Glockengeläute kündete weithin das Ereignis, das von dem zielbewußten planmäßigen Fortschreiten unserer Operationen auf dem polnischen Kriegsschauplatz ein treffliches Zeugnis gibt.
Höchstpreise für Gemüse. In der heutigen Nummer unseres Blattes befindet sich die Verordnung des kommandierenden Generals des 8. Armeekorps über die Höchstpreise für Gemüse im Zentner während der Zeit vom 10. August bis 30. September. Die in der Verordnung angeführten Höchstpreise gelten für gute gesunde Ware und für das im Befehlsbereich des 8. Armeekorps angebaute Gemüse der näher bezeichneten Art. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Auch der Versuch ist strafbar.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Theateröffnung. Zu dieser Frage möchte ich noch bemerken, daß es für Bonn in wirtschaftlicher Beziehung sehr nachteilig wäre, unseren Musentempel nicht zu öffnen. Die Mehrzahl unseres Bonner Publikums geht doch ins Theater. Wenn nun hier nicht mehr gespielt wird, fährt man eben nach Cöln. Das Geld kommt dann einer anderen Stadt zu nutze. Was man beispielsweise in Colmar so dicht an der Grenze kann, warum geht das nicht hier? Außerdem ist der Besuch des Theaters auch für unsere Jugend mehr von Vorteil wie evtl. das Kino. Oberlehrer Dr. Alb. Freund.
Theater! Warum haben wir in unserer großen und wohlhabenden Stadt Bonn ein so unerquickliches Hin und Her um die Eröffnung der Theatersaison? Die Stadt gäbe sich nicht allein ein Armutszeugnis, wenn sie die Pforte des Musentempels geschlossen halten würde, man würde ihr verübeln, daß sie auch kein Herz für das Brot so vieler Künstler, Künstlerinnen, wie für die Bediensteten der städtischen Bildungs- und Unterhaltungsstätte unberücksichtigt ließ. Selbst in dem kleinen Kolmar, welche Stadt im Bereich des Kanonendonners liegt, wird gespielt. Wir sind der Meinung, daß der Besuch des Theaters im verflossenen Kriegswinter doch kaum geringer war, als in den Friedenswintern früherer Jahre. Deshalb, hoch tut euch auf, ihr eisernen Pforten, bereichert und beglückt in diesen schweren Zeiten die Besucher durch Werke unserer Geistesheroen. Einer für viele.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe vereinigt in sich die meisten Bonner Frauenvereine wie den Evangelischen Frauenbund, den Altkatholischen Frauenverein, den Israelitischen Frauenverein, den Hausfrauenbund, den Abstinenten Frauenbund, den Bonner Lehrerinnenverein, die Vereine Frauenbildung-Frauenstudium und Mädchenhort und die Rheinisch-Westfälische Frauengruppe für Volksbildung, also auch solche, deren Bestrebungen in Friedenszeiten nicht auf dem Gebiete der Hauswirtschaft liegen, die aber in dieser schweren Zeit ihre Kräfte in den Dienst der Kriegshilfe gestellt haben. Nachdem der Ausschuß bisher durch Abhalten von Kochlehrkursen, durch Vorträge und Ausstellungen wirksame Arbeit geleistet hat, möchte er jetzt die Bonner Hausfrauen auf’s Eindringlichste daran mahnen, an die Haltbarmachung von Obst und Gemüse zu denken. Je mehr eingekocht wird, desto besser für die Volksernährung! Obst und Gemüse enthalten auch weit mehr Nährstoffe, als vielfach angenommen wird. Heute, wo selbst das Kleinste hohen Wert hat, vollbringt jede Frau, die Obst und Gemüse konserviert, eine patriotische Tat. Um den Hausfrauen diese Arbeit zu erleichtern, wird der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe von Zeit zu Zeit im Inseratenteil erprobte Rezepte für einfaches und billiges Einmachen der gerade in Frage kommenden Früchte veröffentlichen. Außerdem sind Rezepte und Anleitungen zu guten und billigen Einmachverfahren Franziskanerstraße 9, Zimmer 24, zu haben. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß der vom Ausschuß geplante diätische Kochlehrkurs erst nach den Ferien stattfinden kann.
Die goldenen 5-Markstücke. Bekanntlich sind bereits seit längeren Jahren die kleinen goldenen 5-Markstücke von der Reichsbank aus dem Verkehr gezogen und außer Kurs gesetzt und hatten alsdann nurmehr den Goldwert. Viele verwahrten dieselben aber in Münzenhandlungen oder als Broschen etc. auf. Jetzt wurde bestimmt, daß auch diese Stücke wieder zu vollem Wert von der Reichsbank angenommen und gegen Papiergeld eingetauscht werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Donnerstag, 12. August 1915
Zum gestrigen 100. Geburtstag Gottfried Kinkels ist von hiesigen Verehrern des Dichters an seinem Denkmal in Oberkassel ein Kranz mit schwarz-rot-goldener Schleife niedergelegt worden.
Eine städtische Gemüse-Verkaufsstelle ist im Hause Sternstraße 48 eingerichtet worden. Das Gemüse wird dort zu den gleichen Preisen wie am städtischen Verkaufsstande auf dem Markt verkauft. Die Verkaufsstelle ist an allen Wochentagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet.
Ein neugeborenes Kind wurde vorgestern abend im Krausfeld gefunden. Das Kind, ein Mädchen, wurde zur Pflege in das Magdalenenstift gebracht. Die Mutter ist noch nicht bekannt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Sämtliche Werber und Werberinnen der Bonner Volksspende versammelten sich gestern Abend im großen Saale des Bonner Bürgervereins. Es waren über 300 Hilfskräfte erschienen, die noch einmal die ganze Werbetätigkeit berieten, da diese von morgen ab in den einzelnen Haushaltungen aufgenommen wird. Mit Rücksicht auf den vaterländischen Zweck der Bonner Volksspende wird dringend gebeten, die Tätigkeit der Werber freundlichst zu unterstützen und möglichst viele und hohe Beiträge zu zeichnen. Gerade für die, die bislang der Kriegswohlfahrtspflege noch nicht gedacht haben, gilt es jetzt, das Scherflein auf dem Altar des Vaterlandes abzuliefern. Auch alle anderen wollen bedenken, daß die Opfer nicht groß genug sein können, wenn es gilt, unsere braven Truppen eine Wohlfahrt und Freude zu bereiten.
Einen Kanonenschlag hatte ein junger Bursche vor einigen Wochen in der Gudenaugasse abgebrannt. Der entstandene schwere Knall verursachte allgemeine Unruhe, es entstand sogar das Gerücht, es sei eine Bombe geworfen worden. Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten gestern zu einer Haftstrafe von einer Woche, die durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurde.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Universität. Auf Grund einer ministeriellen Verfügung kann den Studenten, die auf dem Feld der Ehre gefallen sind, nachträglich das Doktordiplom ausgefertigt werden, falls sie die zur Promotion erforderlichen Bedingungen erfüllt haben. Die Universität Bonn hat nunmehr zum ersten Male von dieser Befugnis Gebrauch gemacht und dem am 27. September 1914 auf dem Felde der Ehre gefallenen Studenten der Rechte Hermann Roter aus Kloppenburg in Oldenburg zum Doktor beider Rechte promoviert. Die Doktordissertation behandelt: „Rechtsfragen bei der Landung des Luftschiffers unter besonderer Berücksichtigung der psychischen Causalität“.
Der Opfertag am 1. August, dem Jahrestag der Mobilmachung, hat ein schönes Ergebnis gehabt. Durch Haus- und Straßensammlungen und durch den Verkauf von Vaterländischen Abzeichen sind über 10.000 Mark eingekommen. Der Beitrag wird zu Erfrischungen für unsere braven Truppen verwendet werden und wird dort manche Freude und dankbares Gedenken an die opferwillige Bonner Bürgerschaft auslösen. Die Vaterländischen Abzeichen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Die silbernen sind fast vergriffen. Es tut daher Eile not, wenn man sich in den Besitz dieser Abzeichen setzen will. Neuerdings sind die Bronzeabzeichen auch mit einer Vergoldung versehen, wodurch der Wert des Schmuckes erheblich erhöht wird, trotzdem der Preis der alte geblieben ist.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 13. August 1915
Eine hochherzige Gesinnung hat die bekannte Schweizer Familie Hotelbesitzer Seiler in Zermatt (Wallis) bekundet. Durch den Kurator der Bonner Universität, Herrn Geheimen Oberregierungsrat Ebbinghaus, vermittelt Herr Dr. Seiler in Zermatt dem Vaterländischen Frauenverein Stadtkreis Bonn eine Einladung an eine größere Zahl Schwestern, sich in der herrlichen Zermatter Alpenwelt, als Gäste der Familie Seiler zwei bis drei Wochen von dem anstrengenden, nun schon ein Jahr dauernden Krankenpflegedienst zu erholen. Zehn Schwestern sind gestern nach Zermatt abgereist, weitere werden folgen. Der Familie Seiler gebührt herzlicher deutscher Dank für diesen Beweis hochherziger Gesinnung.
Dem Gedächtnis Gottfried Kinkels ist eine Schrift gewidmet, die zum vorgestrigen 100. Geburtstag des Dichters im Verlage von Jos. Kroth in Bonn erschienen ist. Sie trägt auf der Titelseite die Abbildung einer von dem Bonner Bildhauer Heßling geschaffenen Kinkel-Plakette und enthält Beiträge von B. Decker: An Gottfried Kinkel, E. Ling: Kinkel als Mensch und als Deutscher, Ludwig Scheibler: Zur Uebersicht und Bewertung von Kinkels dichterischen Werken und W. Fusbahn: Gottfried Kinkel und seine Bedeutung für die Kunstwissenschaft.
Der Bonner Wehrbund zog am vergangenen Sonntag über die Waldau, Schönwaldhaus, Villiprott nach der Burg Gudenau. In liebenswürdiger Weise war den Teilnehmern am Marsch die Besichtigung der herrlichen Parkanlagen der schönen Wasserburg gestattet worden. Nach der mit Interesse erfolgten Besichtigung kehrten die Wehrbündler im flotten Marsch über Villip, Pech, Muffendorf, Godesberg nach Bonn zurück.
Am kommenden Sonntag treffen sich die Abteilungen auf dem Spielplatz an der Kölnstraße, um dort Uebungen zu pflegen, die im Felde verwendbar sind.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Inspektion des Kraftfahrwesens hat mitgeteilt, daß bei den Kraftfahrtruppen nur solche Leute eingestellt werden, die eine längere Tätigkeit als Kraftfahrzeugführer nachweisen können, ferner Schlosser, Monteure usw., die infolge ihrer technischen Vorbildung besonders geeignet scheinen; für letztere sind bei den Ersatzabteilungen des Kraftfahrzeugbataillons Fahrschulen eingerichtet, die für das vorhandene Bedürfnis genügen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Westerwaldklub. Kommenden Sonntag unternimmt die hiesige Ortsgruppe eine Tageswanderung nach Engers-Sayn-Römerturm-Grenzhausen- Grenzau-Isenburg-Sayn. Die etwa 22 Kilometer weite Wanderung führt durch eine landwirtschaftlich hervorragende Gegend. Die Abfahrt erfolgt morgens 6,44 ab Staatsbahnhof Beuel mit Sonntagskarte Fahr-Irlich.
Straßenbahn nach Dottendorf. Heute Nachmittag findet die landespolizeiliche und eisenbahntechnische Abnahme der städtischen Straßenbahn nach dem Stadtteil Dottendorf von der Bergstraße bis zum Endpunkt an der Junkerstraße statt.
Arbeitsstube für Heimarbeit. Als am 3. August vorigen Jahres der Vaterländische Frauenverein die Bonner Frauenvereine zur gemeinsamen Kriegsarbeit zusammenrief, übernahm die Rechts- und Auskunftsstelle für Frauenberufe (die eine von einem Kuratorium von 11 Vereinen, die andere vom katholischen Frauenbund geleitet) die Arbeitsbeschaffung für freiwillige und bezahlte Arbeiterinnen, In den ersten drei Wochen meldeten sich bei der Beratungsstelle für Frauenberufe in der Riesstraße 800 freiwillige Arbeiterinnen, zum größten Teil für Krankenpflege, zum kleineren Teil für häusliche Näh-, Flick- und Wascharbeit in den Lazaretten und in den für Kriegsbedürfnisse eingerichteten Nähstuben. Schon nach einer Woche stellte sich indessen die Notwendigkeit heraus, auf freiwillige Arbeit zu verzichten und alle Näh- und Strickarbeit als bezahlte Heimarbeit auszugeben, um den arbeitslos gewordenen Frauen und Mädchen, sowie den Frauen, deren Männer einberufen worden oder durch den Krieg arbeitslos geworden waren, zu einem Nebenverdienst zu verhelfen, ohne sie von Haus und Kindern zu entfernen. Die Beratungsstelle für Frauenberufe in der Riesstraße beschäftigte 100 Frauen mit Näh- und Strickarbeit, die zweimal wöchentlich ausgegeben wurde. Als im Laufe der ersten Monate die Menge die Menge der arbeitsuchenden Frauen die Zahl 100 und damit die Leistungsmöglichkeit der Beratungsstelle überschritt, wurde auf ihre Veranlassung vom Vaterländischen Frauenverein eine dritte Stube für Ausgabe von Heimarbeit eingerichtet. Die drei Arbeitsstuben empfingen zahlreiche Aufträge durch Vermittlung des Vaterländischen Frauenvereins von der Heeresverwaltung und bezahlten Einheitspreise. Es waren in der Arbeitsstube in der Riesstraßem15 ehrenamtliche Kräfte tätig, die teils unter der Leitung von Frau Geheimrat Brauns das Zuschneiden, teils unter der Leitung von Frl. Gottschalk die Büroarbeit besorgten. Es wurden während dieses ersten Jahres angefertigt: für Krieger: 2150 Hemden, 1850 Hosen, 500 Lazarettanzüge, 500 Strohsäcke, 2100 Kissenbezüge, 350 Deckbezüge, 90 Bettücher, 1100 Paar Socken, 200 Paar Pulswärmer. Die nicht von der Heeresverwaltung bestellten Gegenstände wurden den Bonner Lazaretten, dem Bonner Lazarettzug und dem Lazarett in Angerburg geschenkt. Außerdem wurden zahlreiche Frauen- und Kindersachen angefertigt, die teils bei zwei von der Arbeitsstube veranstalteten Verkäufen (Ende Oktober und Mitte Dezember) abgesetzt, teils den arbeitenden Frauen zu Weihnachten, teils den Säuglingsheimen geschenkt wurden. [...]
Im Laufe des Jahres 1915 verringerte sich die Zahl der arbeitsuchenden Frauen nach und nach auf etwa 50, da viele Frauen in der Siegburger Geschossfabrik Arbeit fanden, die ihnen allerdings eine größere Einnahme einbringt, sie aber auch von Haus und Kindern entfernt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 14. August 1915
Kriegsbeschädigten-Fürsorge. Die der Vereinigung Deutscher Hohlglasfabriken G. m. b. H. (Sitz Bonn) zugehörigen Hütten haben in ihrer Gesellschafter-Versammlung am 31. Juli d. J. einstimmig eine Erklärung abgegeben, daß sie es für eine Ehrenpflicht halten, Kriegsbeschädigte trotz ihrer zeitweise oder dauerhaft verminderten Arbeitsfähigkeit soweit als irgend möglich in ihren Betrieben zu beschäftigen, ihnen auch bei der Anstellung vor anderen Bewerbern gegebenenfalls den Vorzug zu geben und ganz besonders sie auch in ihren Betrieben für den Glasmacherberuf anzulernen, soweit der Wunsch zu einer Anlernung besteht.
Metropol-Theater. Der neue Spielplan bringt ein neues vieraktiges Filmdrama „Absynth“, das die furchtbaren Wirkungen des Absynths in allen Gesellschaftsklassen des französischen Volkes beleuchtet. Ferner werden das dreiaktige Drama „Der Zirkus in Flammen“ und ein Lustspiel „Wenn man verliebt ist“ vorgeführt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Bonner Wochenmarkt. Auf dem gestrigen Wochenmarkt waren die Preise, mit Ausnahme einiger Artikel, die etwas billiger geworden waren, im allgemeinen unverändert. Der Besuch des Marktes war gestern recht lebhaft, es wurde verhältnismäßig auch flott gekauft. Das Angebot war in fast allen Artikeln recht groß. Obst war wieder in so sehr großen Mengen und reicher Auswahl vorhanden, daß es angebracht wäre, daß es im Preise etwas billiger würde, damit auch der Arbeiter sich durch Einmachen und Geleekochen für den Winter vorsehen kann, zumal die Butter heute schon 2,00 Mark und mehr das Pfund kostet. [...]
Die Straßenbahnstrecke nach Dottendorf ist gestern landespolizeilich abgenommen worden. Der Herr Regierungspräsident hatte hierzu den Geheimen Regierungs- und Baurat Drewe von der königlichen Regierung zu Köln entsandt. Einsprüche wurden nicht erhoben.
Heute beginnt der regelmäßige Straßenbahnverkehr bis Dottendorf. [...]
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Verwundetenausstellung. Im Schaufenster der elektrischen Anstalt von Johann Nolden, Wenzelgasse, ist eine Artilleriestellung ausgestellt, angefertigt von einem verwundeten Soldaten. Da sehen wir Unterstände für Mannschaften und Offiziere, Kasinos, wir sehen die Infanterie in Verteidigungsstellung liegen, aufgefahrene verschanzte Kanonen usw. Rings um das Ganze führt ein Bahngeleise. Die Züge bringen Materialien und Munition. Viel buntes Allerlei, wie Schweineschlächter mit Schwein, Post, Munitionswagen im Vordergrunde. Im Hintergrunde die Berge und Wege. Das Ganze gibt einen guten Einblick in die Verteidigungslinien unserer Krieger; abends bei rotem Lichte wirkt das Ganze wunderbar.
Huldigungsfahrt zum Nationaldenkmal. Wir machen unsere Leser auf die am kommenden Sonntag und Montag stattfindende zweitägige Huldigungsfahrt nach Rüdesheim zum Nationaldenkmal nochmals aufmerksam. Karten zu 8 Mark, für Kinder 5 Mark versenden noch die Unternehmer Dampfschiffrederei Gebr. Weber, Köln, Telephon 5729 und das Reisebüro Ewald Meis in Solingen Telephon Nr. 14.
Zahlungen aus der Besoldung Kriegsgefangener oder Vermisster an Angehörige. Angehörige von Kriegsgefangenen oder Vermißten sollen vielfach in wirtschaftliche Bedrängnis geraten, weil ihnen der Weg zu Erlangung von Geldmitteln nicht bekannt ist. Von unterrichteter Seite wird deshalb darauf hingewiesen, daß den Angehörigen ein Teil der Besoldung bewilligt werden kann, die der Kriegsgefangene oder Vermißte zuletzt bezogen hat. Die Bewilligung erfolgt: soweit es sich um Gehaltsempfänger (Offiziere, Beamte usw.) handelt, durch die Division oder die im gleichen oder im höheren Range stehende Kommandobehörde, der der Truppenteil des Kriegsgefangenen oder Vermißten untersteht; soweit Löhnungsempfänger (Mannschaften vom Feldwebel abwärts) in Betracht kommen, durch das Bataillon, die Artillerie-Abteilung, das Kavallerie-Regiment usw. Für die Angehörigen der Gehaltsempfänger darf das Gehalt bis zur Höhe von sieben Zehntel bewilligt werden. Die Angehörigen der Löhnungsempfänger können die ganze Löhnung oder einen Teil davon erhalten. Anträge auf Bewilligung diese Zahlungen wolle man unter Angabe des Verwandtschaftsverhältnisses usw. und gegebenenfalls auch unter Beifügung einer Bescheinigung der Ortsbehörde über die Bedürftigkeit der Antragsteller sogleich nach Bekanntwerden der Kriegsgefangenschaft oder des Vermißtseins an den Feldtruppenteil richten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Volksbildung und Fremdwörterei.
Die Fremdwörterfrage ist noch mehr eine Volks- und Volksbildungsfrage als eine Angelegenheit der sprachlichen Schönheit und Reinheit. Unzähligen in unserem Volk wird durch die Fremdwörterei das Verständnis sonst durchaus in ihrem Gesichtskreis liegender Abhandlungen und Vorträge erschwert und unmöglich gemacht. Die Fremdwörter verriegeln Millionen von helläugigen, geistig frischen, volkstümlich geschulten Volksgenossen Tausende von Türen. Mit unseren deutschen Volksgenossen eine allen verständliche Sprache zu reden und das, was sie lesen sollen, volksverständlich zu schreiben, sollte jedermann als eine Pflicht und Ehrensache betrachten.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Sonntag, 15. August 1915
Mehr Schwarzbrot essen! Der Oberbürgermeister ersucht dringend, die Nachfrage nach Zwieback, Feinbrot, Röggelchen und Kuchen in den Bäckerläden erheblich einzuschränken, da die der Stadt Bonn zur Verfügung stehende Mehrmenge einen stärkeren Schwarzbrotverzehr bedingt. Die Bäcker, welche an Zwieback, Feinbrot, Röggelchen und Kuchen erheblich mehr verdienen als an Schwarzbrot, sind natürlich geneigt, dem steigenden Verlangen des Publikums nach diesen mehr Weizenmehl enthaltenden Backwaren Rechnung zu tragen. Falls keine sofortige erhebliche Einschränkung des hierdurch bedingten unzulässig hohen Verbrauchs von Weizenmehl durch das Publikum selbst eintritt, ist die Stadtverwaltung genötigt, ein völliges Backverbot für Kuchen, Zwieback und Röggelchen zu erlassen.
Bonner Volksspende. Man schreibt uns: Die Werber haben ihre Sammeltätigkeit begonnen, und man kann jetzt bereits mitteilen, daß der Volksspende in geradezu überraschender Weise aus allen Kreisen der Bevölkerung Mitglieder beitreten. Jeder will sein Scherflein der Kriegswohlfahrtspflege zuführen: Wie könnte es auch anders sein in dieser Zeit, wo Deutschlands Fahnen Erfolge über Erfolge erringen, wo andererseits aber die braven Söhne unseres Vaterlandes die schwersten Kämpfe, die die Weltgeschichte je erlebt hat, durchmachen! So wurden von den Werbern allerorts rührende Züge beobachtet. In vielen Familien zeichneten nicht nur Vater und Mutter, sondern auch die Kinder spendeten gern Beiträge aus ihren Sparbüchsen. Auch das Dienstpersonal ließ es sich nicht nehmen, von ihrem Lohn noch ein weniges für unsere tapferen Krieger zu erübrigen. So ergab sich zuweilen ein zu Herze gehendes Bild. [...] Man darf jetzt wohl sagen: Alle Bonner Bürger reichen sich die Hand durch die Bonner Volksspende. Einigkeit macht stark, das ist auch hier der im Deutschen Vaterland so oft bewährte Grundsatz. Wenn auch noch immer viel Abtrünnige und Gleichgültige der Spende gegenüber stehen, so hoffen wir doch, daß auch diese endlich zur Einsicht gelangen und sich von ihrer vaterländischen Pflicht überzeugen werden, ein Scherflein – und sei es noch so klein – zur Kriegswohlfahrtspflege beizutragen. [...] Gleich unsern Kriegern im Feld, deren Mut und Tapferkeit nicht ermüdet, wollen auch wir in unserer Vaterstadt nicht erlahmen in unseren Hilfeleistungen für diejenigen, deren Angehörige für uns kämpfen. Mag sich auch hier die untrennbare Einheit erweisen: Ein Heer, ein Volk!
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Straßenbahn nach Dottendorf hat gestern am ersten Fahrtag schon ihr Publikum gehabt. War es am Freitag Nachmittag bei der Abnahmefahrt noch staunende Bewunderung, die sich auf den Gesichtern der Dottendorfer Bürger und Bürgerinnen ausdrückte, gestern sagten die Züge der Mitfahrenden und der Zuschauer: Wir haben sie! – Nun sind wir weit genug! – Und auch mit Worten wurde dies untereinander ausgetauscht: „Anton, dein Häuschen ist jetzt 1000 Taler mehr wert geworden!“ Und der Anton meinte zuversichtlich: „Noch mehr wie 1000 Taler ist die Bahn mir wert. Du wirst aber auch wissen, was du für deinen Benden [Feuchtwiese] forderst!“
„Gewiß weiß ich das, und wenn der Herr Professor noch mal kommt, der ihn kaufen will, so bekommt der zu hören, was jetzt die Forderung ist.“
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Schändung der Natur. Nicht nur der Steinerberg, sondern auch der herrliche Wacholderschutzpark der Bonner Eifelvereinsgruppe auf dem Wibbelsberg ist jüngst von Wanderern heimgesucht worden, die besser zu Hause geblieben wären. Vorigen Freitag fand ich dort einen mit kleinen Wacholder- und Heidekrautbüschen bestandenen Raum von einigen Hundert Quadratmetern mit Papierfetzen, auch einige Glasscherben überstreut, ein trauriger Anblick für einen Naturfreund. Es hatte also eine große Gesellschaft dort gelagert, und leider ist es eine Bonner „Gesellschaft“ gewesen, denn die Düten trugen die Firmen Bonner Händler. Mühsam habe ich alles zusammensuchen und entfernen müssen. Ist denn, so muß man fragen, bei dieser Gesellschaft kein Führer gewesen, der auf Ordnung halten konnte, wenn den einzelnen Teilnehmern das Gefühl für ihre Ungehörigkeit fehlte?! Und dicht daneben steht eine der hübsche, von Berchtesgaden bezogenen Schutztafeln, deren jedenfalls von allen Teilnehmern gelesenen Inschrift u. a. die Bitte ausspricht: „Laßt Papier, Flaschen, Kochbüchsen usw. nicht liegen!“ Muß man da nicht fast annehmen, daß die Teilnehmer im kindischen Trotz nun erst recht dagegen freveln wollten?!
Wenn man solche Leute nur mal erwischen und an der Pranger stellen könnte! W.
(Für solche Herrschaften erscheint uns die besondere Anwendung des Wanderstockes noch weit wirksamer. Red)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Eine angebrachte Sittenpredigt hielt der Vorsitzende der Bonner Ferienstrafkammer heute morgen einem 18 Jahre alten Postaushelfer aus Siegburg, der an der Postagentur in Niederpleis angestellt war und im Mai d. J. sechs Feldpostpäckchen mit Liebesgaben, die aus dem Feld als nicht bestellbar zurückgekommen waren, erbrochen und ihres Inhalts, meist Zigarren und Zigaretten, beraubt hatte. Der Angeklagte gab an, er habe aus Leichtsinn gehandelt. Der Vorsitzende bemerkte, in der heutigen Kriegszeit, wo es ohnehin schwer sei, Leute zu bekommen, müsse jeder umso mehr seine Pflicht treu erfüllen. Erst recht träfe die zu in einer Vertrauensstellung, wie sie der Angestellte bekleidet habe. Umso schimpflicher sei seine Handlungsweise. Sodann habe er Sachen gestohlen, die für Soldaten an der Front bestimmt gewesen seien. Wenn sie auch zurückgekommen seien, so hätten sie doch ihre Bestimmung nicht verloren. Solche Sachen ihrer Bestimmung zu entziehen, sei direkt frivol. Das Gericht erkannte trotz der Jugend und der bisherigen Straflosigkeit des Angeklagten auf eine Gefängnisstrafe von neun Monaten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 16. August 1915
Die Kunsthandlung von Heinrich Cohen stellt im Schaufenster zwei Entwürfe für ein „Nagelstandbild“ in Bonn aus. Von den beiden Entwürfen, die von dem Bonner Bildhauer Karl Menser herrühren, zeigt der eine die stilisierte Figur eines Ritters, der andere verwendet den Löwen aus dem Bonner Stadtwappen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
In der „Sonne“ gastiert bis auf Weiteres noch immer das Bienensteinsche Ensemble. Man kann sich also vorläufig noch von Kurt Bienenstein zum Lachen bringen lassen. Ob Bienenstein im „Hochzeitsgast“ oder in der „Schönen Lola“ auftritt bleibt sich gleich, das Stück an sich ist Nebensache – Hauptsache ist der „Tünnes“, der mit seiner unwiderstehlichen Situationskomik wahre Lachstürme hervorruft. Auch die übrigen Mitspielenden tun ihr bestes, und da auch das Varieteeprogramm gute Nummern aufweist, sind die Vorstellungen in der „Sonne“ recht unterhaltend.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Bonner Fußprozession nach Kevelaer zog gestern morgen nach einer heiligen Messe in der Remigiuskirche um acht Uhr von hier aus. Sie wies eine sehr starke Beteiligung auf. Nach dem Hochamte bewegte sich die sakramentale Prozession ebenfalls von der Remigiuskirche aus, wie alljährlich durch die gewohnten Straßen. An den Altären wurde der hl. Segen gespendet. Die Schlußandacht wurde in der Remigiuskirche gehalten.
Fußballspiel. Die einlaufenden Berichte über die Aufstellung von Fußballmannschaften der verschiedensten Truppenteile und die Lieferungen an Spielgeräten, an denen auch Bonner Firmen beteiligt sind, sowie die Erfolge dieser von der Heeresleitung unterstützten Bewegung – wird doch demnächst die Mannschaft, die in Ruhestellung die Meisterschaft des 7. Armeekorps gewann, auf einer Wettspielreise auch in Bonn spielen – zeigen die Anerkennung dieses Spieles als Mittel zur Förderung unserer Volksgesundheit. Daher glaubt auch der Westdeutsche Spielverband es an der Zeit, die regelmäßigen Meisterschafts-Spiele mit den jungen Jahrgängen, soweit sie noch hier weilen, wieder aufzunehmen; in Bonn findet zunächst am 22. August das noch rückständige Endspiel um den Kriegspokal des rheinischen Südkreises statt, das den Bonner Fußball-Verein gegen Elberfeld antreten läßt. Da beide Vereine durch Feld-Urlauber und neue sehr gute junge Kräfte verstärkt sind, steht ein erstklassiges Spiel zu erwarten. Wir verweisen wegen Einzelheiten auf die Anzeigen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 17. August 1915
Verwundete Krieger das Mannschaftsstandes erhalten Abschriften, die unmittelbar in die Schreibmaschine diktiert werden können, und eilige Besorgungen kostenlos ausgeführt vom Institut „Blitz“, Abschreibe-Büro und Eilboten-Zentrale, Münsterstraße 2.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Ansichten aus Mitau. Herr Zahnarzt Dr. Lewin aus Bonn, z. Z. im Felde, hat uns eine große Anzahl Ansichten aus dem eroberten Mitau übersandt, die im Schaufenster unseres Geschäftslokales ausgestellt sind.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 17. Aug. Das neue Soldatenheim im früheren Hotel Hüttenrauch ist am verflossenen Samstagnachmittag mit einer patriotischen Veranstaltung seinem Zwecke übergeben worden. Herr v. Below eröffnete die Feier mit einer zündenden Ansprache an die zahlreichen Godesberger Feldgrauen und wies auf den schönen Zweck dieser Einrichtung hin. Seine Rede klang aus in einem Hoch auf unsren obersten Kriegsherrn. (...)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Soll das Theater geöffnet werden oder geschlossen bleiben? (...) Es ist (...) geradezu ein Unfug, eine Herzensroheit, daß wir uns hier im gesegneten Westen, das Gott vor der Wut der Franzosen und Engländer verschont hat, amüsieren, „zerstreuen“ wollen, wo über 300.000 unsrer Landsleute von ihrem Heimatboden Ostpreußen vertrieben, mehrere Tausend dahingemordet sind (Männer, Frauen, Kinder [!]), und Tausende von ihnen und unseren kämpfenden Helden unsägliche Qualen in der Gefangenschaft durchmachen. Oder man gehe einmal durch manche Straßen unserer Stadt und lasse sich erzählen, wie viel Sorge und Not herrscht, infolge der leerstehenden Wohnungen und Zimmer, wie viel Geld geborgt werden mußte, um Hauszinsen oder Mieten zu bezahlen. Im vorigen Winter hatte manche Familie noch etwas Erspartes. Nach der von den meisten nicht vorausgesehenen langen Kriegsdauer ist aber zweifelsohne viel hiervon aufgebraucht. Wer viel mit den geringer bemittelten Bürgerkreisen zu tun hat, kann jetzt von ergreifenden Erlebnissen und Unterredungen berichten.
Es ist ferner unbegreiflich, daß sich Bühnenleiter und andere Persönlichkeiten bemühen, daß Sänger und Schauspieler aus dem Felde Urlaub erhalten, nur, damit das verehrte Publikum Zerstreuung erhält! Daß Tausende und Abertausende Geschäftsbesitzer, Kaufleute usw. im Felde sein müssen, ihre Geschäftsverbindungen vielleicht ganz verlieren, dazu einen mehr oder minder großen Teil ihres Vermögens, oder gar ihre Kapitalzinsen nicht zu zahlen vermögen, an die unzähligen Opfer dieser Tausende scheint man nicht zu denken. „Man will sich eben amüsieren!“ Wenn andere Städte, es wird besonders Colmar erwähnt, ihre Theater geöffnet haben, so ist das noch lange kein Grund, dem nachzufolgen. (...) Daß die Kaffeehauskonzerte mit Streichmusik oder Orchestrion, daß Aufführungen wie „Tünnes im Himmelbett“ oder andere mit dem Zusatze „Vom Tollen das Tollste“ in solcher ernsten Zeit möglich sind und geduldet werden, ist unbegreiflich. Die maßgebenden Behörden sollten nicht so gutmütig und nachsichtig sein. (...)
Man veranstalte gute Konzerte und lasse etwa tüchtige Schauspielerinnen zeitgemäße Sachen in Poesie oder Prosa rezitieren, zu etwa höheren Preisen wie bei den Volksunterhaltungsabenden, das kann Gewinn und Genuß der Seele werden. (...) Albert Falkenroth.
Bonner Volksspende. Ohne Zweifel ist nicht der richtige Zeitpunkt für die Bonner Volksspende gewählt worden. Wir haben augenblicklich Gerichts- und Schulferien und die meisten zahlkräftigen Kreise sind in die Sommerfrische und sonstwie verreist. Die Helfer mit den Listen werden vielfach verschlossene Türen antreffen und die Volksspende wird um viele Gaben, und wahrscheinlich nicht die geringsten, kommen. Es empfiehlt sich, nach Beendigung der Ferien auch noch einmal bei diesen anzuklopfen. K.L.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Gegen die des Raubmordes angeklagte Frau Wwe. Höfer aus Lengsdorf ist in den letzten Tagen noch ein erheblicher Schuldbeweis zu Tage gefördert worden. Das Gericht hatte nämlich die Beschlagnahme der dieser Frau gehörigen Schuhe befohlen; dabei waren aber ein Paar Hausschuhe, welche die Frau nach Aussage der Hausbewohner an dem Schreckenstage getragen, nicht zu ermitteln. Erst nach langem Suchen fand man sie zusammengedrückt in einem Eckchen des Speichers. Sie wiesen viele und deutliche Blutspuren auf. Allgemein glaubt man, daß die Verhandlung gegen die Frau Höfer nahe bevorsteht, doch ist ein bestimmter Termin noch nicht angesetzt.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 18. August 1915
Bonner Wochenmarkt. Auf dem gestrigen Wochenmarkte waren die Preise, mit Ausnahme einiger Artikel, die etwas billiger geworden waren, im allgemeinen unverändert. Der Besuch des Marktes war auch gestern wieder recht lebhaft und es wurde flott gekauft. Das Angebot war im allgemeinen sehr groß. Obst war wieder in ausnahmsweise großen Mengen und reicher Auswahl vorhanden, aber immer noch hoch im Preise. (…)
Der städtische Gemüse- und Kartoffelverkauf auf dem Bonner Wochemarkt war gestern wieder recht lebhaft. Die Nachfrage war hauptsächlich in Bohnen, Kartoffeln und Zwiebeln sehr groß. Gegen 9½ Uhr war der ganze Vorrat in Bohnen schon ausverkauft. Kartoffeln konnten nicht genug herangeschafft werden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die städtischen Verkaufsstellen für Gemüse bieten nunmehr auch frisches Obst zum Verkauf an. Der Preis beträgt für Aepfel 12 Pfennig, für Birnen 10 Pfennig.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Uebt Menschlichkeit!
Auch bei Pferden gibt es Eingezogene und Zurückgebliebene. Natürlich bietet der „Schwamm“ unserer Zugtiere nicht die besten Exemplare der Gattung. Man sieht jetzt vielfach das, was man bei den „Hafermotoren“ früher überhaupt nicht oder höchstens in außerordentlich seltenen Fällen gesehen hat: schwache, überanstrengte, abgetriebene Pferde. Unsere Schutzleute haben ihr Augenmerk auch auf überlastete, abgetriebene Pferde zu richten und für die Ausspannung solcher oder lahmer Tiere zu sorgen. Sie tun dies in reichlichem Maße schon aus reiner Menschlichkeit und Tierfreundlichkeit. Außerdem hat der Tierschutzverein seit Jahren Belohnungen für Schutzleute ausgesetzt, die sich mit warmem Herzen der gequälten Kreatur annehmen und gegen Tierquäler Anzeige erstatten, damit sie in verdienter Weise bestraft werden. Anlaß, einzuschreiten, liegt jetzt oft genug vor. Die Pferde sind knapper geworden als vor dem Kriege – und doch soll jeder schwachbesetzte Stall an Transporten so viel leisten, wie der vollständig besetzte Stall geleistet hat. Die Folge wird die häufige Ueberlastung der Wagen. Die Fütterungsverhältnisse haben sich wegen der geringeren Haferration verschlechtert. Die Tiere, an sich schon schwächer als die eingezogenen, sollen womöglich noch größere Lasten fortbewegen als ehedem die starken Tiere vermochten. Die neue Futterart verursacht den Pferden, zumal bei großer Hitze, brennenden Durst; doch denkt nicht jeder Kutscher daran, daß eine reichliche und häufige Tränkung der Pferde unbedingt nötig ist. Werden sie überanstrengten Tiere matt, so wird oft mit größter Herzlosigkeit auf die armen Tiere eingeschlagen – Wahrnehmungen, wie sie jeder Tierfreund oft machen muß. Manchmal, wenn die Pferde selbst mit Aufbietung ihrer letzten Kräfte nicht vom Fleck können, wäre eine Erholungspause von zehn Minuten geeignet, den Tieren die Fortsetzung ihrer schweren Arbeit zu ermöglichen. Dazu aber fehlt dem Kutscher – so meint er oft, und so mag’s ja auch manchmal richtig sein, weil der Arbeitgeber auf die Erledigung der Fuhren drängt – dazu gebricht es an der Zeit, und so muß das bedauernswerte Arbeitstier unter einem Hagel von Schlägen weiter ... (...)
Die Mahnung, den Pferden, die daheimgeblieben sind, bei ihrer schweren Arbeit Menschlichkeit angedeihen zu lassen, gilt in erster Reihe den Firmen, die sich des Pferdes für ihre geschäftlichen Zwecke bedienen: Mutet den Tieren nicht zu, was sie nicht leisten können! Seht euch die Pferde an, wenn sie von ihrer Arbeit wieder auf den Hof kommen, ob sie nicht bis zum Umfallen abgetrieben und mit Striemen über Kopf und Körper bedeckt sind! Zwingt die Kutscher nicht, mehr mit ihrem Gefährt zu leisten, als vernünftigerweise geleistet werden kann; sorgt dafür, daß die armen Tiere nicht rohen Personen anvertraut werden, deren Gefühl gegen die Qualen mißhandelter Tiere abgestumpft ist! Es ist dies jetzt weit mehr noch als sonst eine Forderung der Menschlichkeit!
Soll das Stadttheater eröffnet werden? Die Frage beschäftigt, wie wir Artilleristen aus Bonn in Ihrer geschätzten Zeitung lesen, wieder die Gemüter der Heimat. Freilich soll es eröffnet werden! Das Theater, das ernst genommen sein will, ist keine Stätte der Unterhaltung und des müßigen Zeitvertreibes, sondern ein Ort der Bildung und ernster Geistesarbeit, eine Weihestätte edler Sammlung und Erhebung. Unsere Lieben daheim und unsere verwundeten Kameraden bedürfen gerade in dieser Zeit das Theater. Aber, wie gesagt, nur das Theater, das ernst genommen sein will. Auf den Spielplan also kommt es an. Im vorigen Winter hat man dem Bonner Stadttheater jenen höheren Charakter nicht immer zu wahren verstanden. Vier Bonner Artilleristen von den 23ern.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Donnerstag, 19. August 1915
Der städtische Gemüseverkauf auf dem Markt und in dem Laden an der Sternstraße findet noch immer lebhaften Zuspruch, da die Preise für alle feilgehaltenen Gemüsearten und für Kartoffeln erheblich niedriger sind, als im privaten Handel. Sehr häufig kann man hören, daß die Händler ihre höheren Preise mit der Behauptung beschönigen, die städtischen Waren seien minderwertig. Das ist durchaus nicht der Fall. Die von der Stadt verkauften Kartoffeln sind, obwohl sie 1 bis 2 Pfg. das Pfund billiger sind, ausgereifter und dicker als durchweg die im privaten Handel angebotenen, und das städtische Gemüse kann auch jeden Vergleich aushalten. Außer Gemüse und Kartoffeln verkauft die Stadt jetzt auch Obst, Birnen zu 10 Pfg. und Aepfel zu 12 Pfg. das Pfund.
Eine Bonner Lazarett-Zeitung wird jetzt vom Ausschuß für Kriegsbeschädigten-Fürsorge herausgegeben. Die Schriftleitung hat Herr Fortbildungsschuldirektor Bins, Satz und Druck werden von der Buchdruckerklasse der hiesigen gewerblichen Fortbildungsschule geliefert. Die neue Zeitung hat den Zweck, die in den hiesigen Lazaretten untergebrachten Verwundeten über alles für sie besonders Wissenswerte, namentlich über die Einrichtungen, die für sie getroffen sind, auf dem Laufenden zu halten. Die erste Nummer der Bonner Lazarett-Zeitung vom 15. August macht einen sehr gefälligen Eindruck. Satz und Druck sind tadellos. Aus dem Inhalt der 16 Großoktavseiten sei hervorgehoben: Erntegebet 1915 von Max Heidorn; Wie kann der Kriegsbeschädigte selbst dazu beitragen, arbeitsfähig zu werden? Von Dr. Richarz, leitendem Arzt des Vereinslazaretts Glückauf; Bleibe in deinem Berufe; Gruß an den Rhein von Landsturmmann Morhenn aus Bonn, zurzeit in Libramont; die Beschreibung einer Anzahl empfehlenswerter Spaziergänge in und bei Bonn usw. Es wird mitgeteilt, daß die Delegierten der hiesigen drei Reservelazarette, die Herren Karl Henry, Th. Schoppe und E. Tilger, geschäftliche und sonstige Angelegenheiten der Verwundeten vertraulich zu regeln bereits sind und daß die Schriftleitung in einem „Briefkasten“ Fragen der Kriegsbeschädigten beantworten will. Die Bonner vereinigten Frauenvereine laden zum Besuch ihres Nachmittagsheims für Verwundete, Koblenzer Straße 90, ein. Zum Schluß findet man die Ankündigung, daß die Bonner Vaterländischen Vereinigungen zur Belohnung der besten in den Lazaretten angefertigten Handarbeiten für eine demnächste Ausstellung 50 Mark bereitgestellt haben.
Der Sieg von Kowno. Eine frohe Siegesnachricht brachte der Telegraph gestern vormittag bald nach 10 Uhr: Die starke und wichtige russische Festung Kowno ist mit allen ihren Fort in deutschem Besitz. Unzähliges Material, darunter weit über 400 Geschütze, ist in die Hände der deutschen Sieger gefallen. Die Erstürmung dieser starken Festung bedeutet wieder einen guten Schritt vorwärts auf dem unaufhaltsamen Siegeszuge der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen in Rußland und auf dem Wege zum endgültigen Siege und glücklichen Frieden. Die Freudenbotschaft wurde auch von den Kirchenglocken durch feierliches Geläut verkündet, und zu den vielen Fahnen, die schon zu Ehren des greisen Kaisers Franz Joseph herausgesteckt waren, gesellten sich schnell noch zahlreiche andere Fahnen in deutschen und österreichischen Farben.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Der Sieg von Kowno. Und abermals flattern die Fahnen im Winde und hoch vom Münster und von den übrigen Türmen in Stadt und Land erklangen die Glocken zum Siegesgeläute. Nicht lauter Jubel erfüllte die Straßen, aber die stille Zuversicht, daß es im Osten den deutschen Waffen in Gemeinschaft mit der Tatkraft unseres Verbündeten beschieden sein wird, die russischen Heere gänzlich zu Boden zu ringen, stärkte sich beim Eintreffen der großen Siegesbotschaft von dem Fall der Festung Kowno. (...)
Keine Männerkleidung zu Vogelscheuchen. Da in letzter Zeit aus Gefangenenlagern der Provinz Schlesien mehrfach Gefangene entflohen, sind die Landwirte und Gartenbesitzer ersucht worden, keine Männerkleidung für Vogelscheuchen zu verwenden, um den flüchtenden Gefangenen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Uniform mit Zivilkleidung zu vertauschen. Es wird empfohlen, die Vogelscheuchen in den Feldern, Gärten usw. mit Frauensachen und Lumpen zu bekleiden.
Die Verwundeten der Beethovenhalle hielten gestern im Garten der Halle ein Volksfest ab, dessen Kern, wie es sich deutschen Kriegern geziemt, ein Schießfest bildete. Und wie üblich, Rheinländer hatten sicher die Mehrheit im Festausschuß, herrschte ein recht bewegtes, fröhlich munteres Treiben auf dem Festplatz. Das Fest war auf breitester Grundlage aufgebaut; nichts fehlte, was auf den großen Schützenfesten, wie etwa dem Deutzer, anzutreffen ist, mit Ausnahme alles dessen, was mit Braten und Backen zusammenhängt. Das entschuldigt der Krieg. (...)
Dann war auch ein Schützengraben da, den Russen, Franzosen und Engländer und ein kohlrabenschwarzer Mohr mit Maschinengewehr, einer Rassel und reichlichem Schießen verteidigten. Beworfen wurde der Schützengraben mit Handgranaten, und wenn der Mohr (er war lebendig) nicht getroffen wurde, streckte er seine blutrote Zunge heraus. Das soll auch draußen vorkommen.
Zum Volks- und Schützenfest gehört auch ein Festzug, und der zog auch durch den Garten und zwischen Buden her. Voran die Landsturmkapelle mit Meister John an der Spitze; ihr folgten ein halbes Dutzend Vereine mit ihren Bannern und Anführern mit gezogenem Pallasch. Sie erwiesen dem Chefarzt des Lazaretts, Herrn Sanitätsrat Professor Dr. F. A. Schmidt, die gehörige Ehrerbietung, zogen zweimal vorbei und bildeten dann einen Kreis. In ihrem Zuge aber hatten sie ein festlich geschmücktes Wägelchen mitgeführt und in diesem saß ein festlich geschmückter Herold. Der sprach dann kurz aber treffend zu den Festgenossen: Wie vor Jahr und Tag der Kaiser sein Volk aufgeboten zu Wasser und zu Land gegen die hinterlistigen, übermächtigen Feinde. Freudig seien alle hinaus in den Krieg gezogen, den Lieben daheim zum Trost ein Wiedersehen bietend. Nicht alle aber hätten Heimat und Ihrige wiedergesehen. Die Versammelten hätten, wenn auch verwundet, das Glück des Wiedersehens gehabt. Nun harrten sie hier ihrer Genesung und Wiederherstellung. Die hätten sie der Kunst der Aerzte und der aufopferungsvollen Pflege der Schwestern zu danken. Sollte nun doch noch einmal der Ruf an die Gesundgewordenen zu erneutem Auszug gegen den Feind ergehen, so würden alle freudig folgen. Dem Kaiser und obersten Kriegsherrn erklang dann ein donnerndes Hoch. Der so einfach schlichte Sprecher war der Gefreite Buchholz von Beuel, der beim Kampf um Sedan in den vorigen Augusttagen ein Bein verlor.
Nach einer Kaffeepause ging das frohe Leben und Treiben wieder seinen Gang. Jetzt trat sogar eine Mordgeschichte auf den Plan und ein Tanzbär schritt durch den Garten. Schüsse knallten, das Maschinengewehr ratterte, Puppen flogen, das Drehrad kreischte, die Ausrufer lockten, und dazwischen klangen die lustigen Weisen unsrer Landsturmkapelle. (...)
Den Höhepunkt erreichte das wohlgelungene Fest, als der Schützenkönig ausgerufen wurde. Für die Zielsicherheit unserer Feldartilleristen zeugt es, daß ein Kriegsbeschädigter vom Reserve-Feldartillerie-Regt. 59 (2. Batterie), Johann Sterzenbach, die Würde des Schützenkönigs errang. Sterzenbach, der im Feldzug ein Bein verlor und sich einstweilen bis zu seiner Genesung noch auf Krücken bewegen muß, schoß mit drei Schuß 35 Ringe, was nach dem Urteil von Sachkennern eine außerordentliche Leistung bedeutet.
Der Verlauf des Volksfestes läßt den Wunsch rege werden, die schöne Feier, die gestern nur vor geladenen Gästen vor sich ging, auch der Bürgerschaft allgemein zugängig zu machen. Wir schlagne deshalb eine Wiederholung des Schützenfestes vor. Vielleicht ist hierfür der kommende Sonntag der geeignetste Tag.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die Pilgerzüge, die gestern morgen 7 ½ und 8 Uhr von Bonn und Godesberg nach Kevelaer fahren, wiesen eine sehr starke Beteiligung auf. Von der hiesigen Eisenbahnstation wurden etwa 1500 Fahrkarten ausgegeben.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 20. August 1915
Flaggen heraus! Rufen die Glocken, wenn sie hoch von den Türmen, urbi et orbi, die Siege unserer Heldenscharen verkünden. Wie schnell und gerne folgen wir ihren Rufen; wie wetteifern die Bürgerhäuser selbst in den entlegensten Stadtteilen mit den öffentlichen Gebäuden, die Freude der Gesamtheit zu bekunden und äußerlich ein Dankeszeichen denen zu geben, durch deren Aufopferung, Tapferkeit und Ausdauer diese Siege erfochten wurden.
Und doch gibt es hier in Bonn eine Straße, die an solchen Festtagen dadurch auffällt, daß die beiden größten öffentlichen Gebäude keinerlei Anteilnahme an der allgemeinen Siegesfreude durch Beflaggen zeigen. Es ist die Wilhelmstraße. Wenn alle Deutschen dabei sind, ihre patriotischen Gefühle durch Beflaggen der Häuser nach außen hin kundzugeben, wenn in Preußens Hautpstadt sogar Victoria geschossen wird, dann sollte man eigentlich annehmen, daß auch Frau Justitia, die erste Dienerin des Staates, Veranlassung haben sollte, ihr nüchternes Alltagsgewand für einen solchen Tag auch zu schmücken, um dadurch zu zeigen, daß die allgemeine Siegesfreude auch sie angeht. Bonn, am Tage von Kowno. „Kritikus“
(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)
Kriegswallfahrt nach Kevelaer. Die Teilnehmer an der Fußprozession nach Kevelaer, die am vergangenen Sonntag morgen von der Remigiuskirche auszog, trafen gestern nachmittag wohlbehalten hier wieder ein. Gleichzeitig kamen auch die Wallfahrer, die am Mittwoch in zwei Zügen nach Kevelaer fuhren, hier wieder an. Die Beteiligung an beiden Prozessionen war ungemein stark. Unter feierlichem Glockengeläute zogen die Pilger kurz vor 6 Uhr in die Remigiuskirche ein, wo der Schlußsegen gegeben wurde.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Freiwillige Abgabe von Kupfer, Messing und Nickel. Wie der Einsender sich überzeugt hat, ist in Bonn der besten Wille vorhanden, freiwillig Gegenstände aus Kupfer, Messing und Nickel abzugeben; aber es ist zurzeit hierfür noch nicht die Möglichkeit geboten, weil das angestellte Personal zugleich die Großlieferanten und die Kleinlieferanten befriedigen soll. Während eine Stunde lang die Lieferungen der ersteren verwogen werden, steht eine große Menschenmenge mit kleineren Lieferungen zusammengedrängt da und flüchtet schließlich hinweg, da ihr Vorhaben aussichtslos ist. Es ist erstaunlich, zu sehen, welche Metallmassen bereits jetzt angehäuft sind; immerhin ist zu bedenken, daß die Hauptbestände sich nicht in den Händen der privaten Aufkäufer, sondern in denen der Bürgerschaft befinden, die auf diese Weise abgeschreckt wird. Wenn Jemand 5 bis 6 Kg. Metall abgeben will, kann ihm nicht zugemutet werden, daß er stundenlang vergeblich sich ins Gedränge stellt oder hierfür vergeblich einen Dienstmann mietet. Eine Teilung zwischen Großlieferungen und der bei weitem größeren Zahl der Kleinlieferungen ist hiernach durchaus erforderlich, wenn der Zweck erreicht werden soll. Ein Praktikus.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Samstag, 21. August 1915
Gegen den Lebensmittelwucher. Der Oberbürgermeister macht bekannt: Es hat sich ergeben, daß die Preise der für die einfache Lebenshaltung erforderlichen Lebensmittel in unbegründeter Weise erheblich gestiegen sind. Um dieser Preistreiberei entgegen zu steuern, werden auf Anordnung des stellvertretenden Generalkommandos des 8. Armeekorps zu Koblenz für die Folge die Durchschnitts- und Mindestpreise der Lebensmittel festgestellt und die Namen derjenigen Verkaufsstellen, die zu den ermittelten Mindestpreisen verkaufen, in den hiesigen Zeitungen veröffentlicht werden.
Fußballsport. Am morgigen Sonntag findet auf dem Spielplatze an der Richard-Wagner-Straße das Entscheidungsspiel um den Kriegspokal zwischen Bonn und Elberfeld unter Leitung des Herrn P. Schröder aus M.-Gladbach statt. Beide Mannschaften sind durch Urlauber verstärkt, so daß ein spannendes Spiel zu erwarten ist.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Das außerordentliche Kriegsgericht verhandelte gestern unter dem Vorsitz des Herrn Amtsgerichtsrats Horster gegen einen Schüler aus Godesberg wegen verbotenen Waffentragens. Während der Verhandlung stellte sich heraus, daß der Angeklagte noch nicht strafmündig war. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. – (...) Ein Russe und seine Schwester, die im Kreis Rheinbach als Arbeiter tätig waren, hatten diese Stelle verlassen und sich ohne Erlaubnis der Behörde nach einem Ort außerhalb des Kreises begeben. Der Angeklagte wurde zu 14 Tagen Gefängnis, seine Schwester zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt, jedoch wurden die Strafen durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärt. – Ein Angeklagter aus Godesberg hatte den ihm in Namur erteilten Paß zur Reise nach Deutschland nicht, wie vorgeschrieben, an die Paßbehörde in Brüssel binnen 10 Tagen zurückgeschickt, sondern erst, nachdem er von der Polizei dazu aufgefordert worden war. Er wurde zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt. (...)
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Nagelung zu Gunsten des Roten Kreuzes. Der Stammtisch G. A. im Restaurant „Goldner Stern“ versammelte am Donnerstag abend seine Mitglieder zu einer feierlichen Benagelung eines Kriegsstammes. Der Stamm (ein natürlicher Birkenstamm) als Stammtischaufsatz gedacht, zeigt vorne ein eisernes Kreuz, sowie einen Spruch, welcher lautet: „Wer Luft hat und wer geben kann -, Mag Nägel in mich hauen, - Durch’s Rote Kreuz kommt’s zu Gute dann – Unsren braven, tapfern Feldgrauen. – Die erste Benagelungsfeier ergab das erfreuliche Resultat von Mark 40.-. Möge der Stamm noch manchen klingenden Nagel zu diesem guten Zwecke in sich aufnehmen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Bringt das Gold zur Reichsbank.
Obgleich feststeht, daß sich noch hunderte von Millionen Mark an Goldmünzen in den Händen des Publikums befinden, haben die Rückflüsse zu den Kassen der Reichsbank in den letzten Monaten ganz erheblich nachgelassen. Es ergeht deshalb von neuem die dringende Aufforderung, vorhandene Goldmünzen – und sei es auch nur ein 10 M.- oder 20 M.-Stück – sobald als möglich bei der Reichsbank umzutauschen. Niemand möge denken, daß es auf seine Goldmünze nicht ankommt; jedes einzelne Stück ist von Wichtigkeit. Auch diejenigen, welche Goldmünzen einsammeln, werden gebeten, in ihrer Tätigkeit nicht zu erlahmen und nicht eher zu ruhen, als bis die letzte Goldmünze aus ihrem Versteck herausgeholt und der Allgemeinheit nutzbar gemacht ist. Angesichts der herrlichen Waffentaten unserer tapferen Streiter muß es für alle zu Hause gebliebenen eine Ehrenpflicht sein, hinter der Front an der finanziellen Rüstung des Vaterlandes mitzuarbeiten, wozu auch die Ablieferung der Goldmünzen an die Reichsbank gehört. Jeder suche daher auf diese Weise im Eifer für des Reiches Wohl den Helden draußen im Felde gleichzukommen.
(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)
Sonntag, 22. August 1915
Ausfuhrverbot für grüne Bohnen. Der Guvernör der Festung Köln hat bestimmt: Jede Ausfuhr von grünen Einmach- (Stangen-) Bohnen aus dem Festungsbereiche ist verboten. Zuwiderhandelnde werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, sofern nach den bestehenden Strafgesetzen keine höhere Strafe verwirkt ist.
Zum Festungsbereiche Köln gehören auch noch die Ortschaften, aus denen der Bonner Markt mit Gemüse versorgt wird. Es ist daher zu hoffen, daß das Bohnenausfuhrverbot auch den Bonner Hausfrauen, die in der letzten Woche vergebens Einmachbohnen zu kaufen versuchten, Hilfe bringen wird.
Bestrafter Kartoffelwucher. Ein Bauer in Ersdorf (Kreis Rheinbach) hatte im Frühjahr an einen hiesigen Gemüsehändler Kartoffeln zu 4,80 M. den Zentner verkauft, obwohl der Höchstpreis nur 2,80 M. betrug. Der Bauer wollte gestern der hiesigen Strafkammer, vor der er sich wegen Ueberschreitung der Höchstpreise zu verantworten hatte, weismachen, seine Knollen seien höchstpreisfreie Saatkartoffeln gewesen, er habe den Gemüseladen an der hiesigen Josephstraße für eine Saatguthandlung gehalten. Der Staatsanwalt beantragte 50 M. Geldstrafe. Dem Gericht war diese Strafe zu gering. Wie der Vorsitzende ausführte, habe der Angeklagte nicht nur absichtlich das Gesetz umgangen, er habe auch das Gericht an der Nase herumzuführen und ihm etwas weiszumachen versucht, was er selbst nicht glaubte. Eine exemplarische Strafe sei deshalb am Platze. Das Urteil lautete auf 200 Mark Geldstrafe.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Brot- und Mehlpreise. Landrat v. Nell veröffentlicht eine Verordnung betr. die Regelung des Mehl- und Brotverbrauchs im Landkreise Bonn, die mit dem 29. August in Kraft tritt. Danach wird der Höchstpreis für ein Schwarzbrot auf 65 Pfg., für ein Feinbrot auf 80 Pfg., für ein Kleinbrot (Röggelchen) auf 6 und für inländisches Weizenmehl auf 30 Pfg. das Pfund festgesetzt. Die Höchstpreise sind durch Anschalg an augenfälliger Stelle in den Verkaufsräumen den Käufern zur Kenntnis zu bringen.
Die Feuerwehr wurde am Samstag vormittag nach der Koblenzerstraße gerufen, um dem Pferd eines Bierfuhrwerks auf die Beine zu helfen, das auf dem nassen Asphaltbelag zu Fall gekommen war.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 20. Aug. Heute nachmittag fand im Rathaussaale eine Gemeinderatssitzung unter dem Vorsitze des Herrn Bürgermeister Zander statt. (...) Sodann brachte das Gemeinderatsmitglied Drücke die in Godesberg üblichen übermäßig hohen Preise für Nahrungsmittel zur Besprechung, namentlich die Brot- und Kartoffelverhältnisse. Allerwärts seien beispielsweise auch Röggelchen erhältlich, nur hier in Godesberg nicht. Er bat die Verwaltung um die Vornahme geeigneter Schritte. Der Bürgermeister erwiderte, daß er wiederholt mit den Bäckermeistern diesbezügliche Verhandlungen geführt habe, die aber immer an dem vom Kreisausschuß festgesetzten Preise von 7 Pfennig für das Röggelchen gescheitert wären, weil die Bäcker erklärten, für so billiges Geld die geforderte Ware nicht liefern zu können. In der Debatte wurde diese Erklärung der Bäckermeister als recht sonderbar bezeichnet, da doch anderwärts bei den Bäckern keine Schwierigkeiten geltend gemacht würden. Der Bürgermeister wies darauf hin, daß die auf den 29. August festgesetzte neue Regelung der Mehlpreise wohl eine Aenderung bringen würden. Bezüglich der Kartoffeln habe sich eine Kommission bereits mit der Frage befaßt, jedoch zu einer Festsetzung von Höchstpreisen bisher nicht verstehen können; die jetzt sinkenden Kartoffelpreise hätten dadurch vielleicht auch das Gegenteil hervorrufen können. – (...) – Bevor die Versammlung schied, traf die Siegesnachricht des heutigen Tages ein. Herr Bürgermeister Zander brachte den hocherfreulichen Bericht zur Verlesung und schloß die Sitzung mit einer kurzen Ansprache auf die schönen Waffenerfolge unseres Heeres und mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unsern Heldenkaiser und sein glorreiches Heer mit seinen genialen Führern.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Auf der schiefen Ebene. Zehn Diebstähle, darunter drei Einbruchsdiebstähle, warf die Anklage an der Ferienstrafkammer einem 13 Jahre alten Schüler aus Bonn vor. Das Bürschchen hatte vor einiger Zeit in Bonn eine Reihe von Diebstählen ausgeführt, die ihn in den Besitz von Uhren, Geld, eines Sparkassenbuches und einer Reihe von Fahrrädern brachten. Zwei Burschen, die einige Jahre älter sind, brachten die entwendeten Gegenstände an den Mann. Sie waren wegen Hehlerei angeklagt. Bei der Urteilsverkündung hielt der Vorsitzende Geheimrat Schröder den Angeklagten zunächst eine gründliche Strafpredigt, die ihnen das Verwerfliche ihres Treibens zu Gemüte führte. Das Urteil lautete gegen den Dieb, der zudem nächstens in Fürsorgeerziehung kommen wird, auf sechs Monate Gefängnis, gegen die Hehler auf einen bezw. zwei Monate Gefängnis. Dieser Vorfall dürfte manchen Müttern Veranlassung geben, besser auf das Treiben ihrer Jungens acht zu geben, ehe es zu spät ist. Ein strenges Mahnwort in dieser Beziehung dürfte heute sehr angebracht erscheinen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 23. August 1915
Konzert der Bonner Liedertafel
(Zum Besten der Kriegshilfe.)
Die Bonner Liedertafel hatte mit ihrem gestrigen Konzert wieder einen vollen und, wie gleich hinzugesetzt werden soll, wohlverdienten Erfolg. Man wird weit gehen müssen, bis man, jetzt zur Kriegszeit, wieder einen Gesangverein findet, der einen so stark besetzten, glänzend geschulten Chor und ein so schönes Stimmenmaterial zur Verfügung hat, wie die Sängerschar der Liedertafel, die Herr Musikdirektor Werth unter seiner anfeuernden Leitung vereinigt. Obwohl die meisten der jüngeren Sänger draußen im Felde stehen, klingen die Chöre immer noch sehr schön und sie sind noch immer der stärksten Wirkungen fähig, weil Musikdirektor Werth in ganz hervorragender Weise die Kunst versteht, die Stimmen zusammenzuhalten und im gegebenen Moment mit voller Kraft einzusetzen. So hörte man die vaterländischen Chöre „Die Wacht am Rhein“ von Wilhelm und „Lützows wilder Jagd“ von Weber machtvoll dahinbrausen, freute sich über die geschlossene Wirkung und die schönen dynamischen Abstufungen in Werths tonmalender Chorballade „Die Söldner“ und bewunderte die Fülle und Kraft des Tones und die begeisterte Stimmung, mit der sich die Sänger für Felix v. Woyrschs markigen „Gesang des deutschen Heeres“ einsetzten. Auch in den volkstümlichen Chorliedern, in Hummels „Die Rose im Tal“, Werths „Ganz im Geheimen“, Langers „Am Ammersee“, Jüngsts „Ständschen“, v. Othergravens „Der Jäger aus Kurpfalz“ und Julius Hagemanns (Bonn) liebenswürdig humorvollen „Ey! Ey!“ bewährte sich die oft gerühmte Kunst der Liedertafel, den rechten Klang und die rechte Stimmung für jeden Chor zu treffen und für die Schwermut wie die Schelmerei des Volksliedes einen ungekünstelten und lebendigen Ausdruck zu finden. Als Solokräfte waren Frau Küster-Herold (Köln) und Herr Konzertmeister Lang (Berlin) für das Konzert gewonnen. Frau Küster-Herold sang mit sympathisch gefärbter Altstimme und vornehmer Auffassung Brahms' „Sapphische Ode“, Hugo Wolfs „Verborgenheit“ und als Neuheit F. W. Frankes „An unsere lütte Prinzessin“. Wenn sich bei den ersten Liedern eine gewisse Unstetigkeit des Tones bemerkbar machte, so verlor sich das später fast ganz, so daß Schuberts „Nachtstück“, mit schöner Empfindung gesungen, ausgezeichnet gelang und auch Strässers „Wenn ich wüßte“ und Flecks „Abseits“ zu voller Wirkung kamen. Herr Konzertmeister Lang, der sich hier schon beim Verwundeten-Konzert sehr vorteilhaft einführte, spielte Händels D-Dur-Sonate für Violine mit reifer und echt musikalischer Auffassung und einer überaus sicheren Technik. Der schöne, vornehme Ton des Künstlers kam dann noch in drei kleinen Violinstücken, in Sindings Andante religioso, in der Humoreske von Dvorak-Kreisler und in Hagemanns „Karneval“ vortrefflich zur Geltung. Herr Lang dankte für den reichen Beifall mit Regers Andante. Eine Zugabe, die seinem musikalischem Geschmack wie seinem Können das beredteste Zeugnis ausstellt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Einzahlungstermine auf die dritte Kriegsanleihe. Als erster Einzahlungstermin für die neue Kriegsanleihe ist der 18. Oktober bestimmt worden, doch können Einzahlungen bereits vom 30. September an gemacht werden.
Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe ist am Freitag abend von Heringsdorf kommend in Berlin eingetroffen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Brot- und Mehlpreis. Landrat von Nell gibt eine Verordnung über die Regelung des Mehl- und Brotverbrauchs im Landkreise Bonn bekannt, die mit dem 29. August in Kraft tritt. Es wird der Höchstpreis für ein Schwarzbrot auf 65 Pfg., für ein Feinbrot auf 80 Pfg., für ein Kleinbrot (Röggelchen) auf 6 und für ein inländisches Weizenmehl auf 30 Pfg. das Pfund festgesetzt. Die Höchstpreise sind durch Anschlag an augenfälliger Stelle in den Verkaufsräumen den Käufern zur Kenntnis zu bringen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 24. August 1915
Spionage durch den Fernsprecher. Das halbamtliche Wolffsche Telegraphenbüro verbreitet folgende Warnung: Es wird darauf hingewiesen, daß in letzter Zeit verschiedentlich feindliche Agenten versucht haben, die Stellung von Truppenteilen dadurch zu ermitteln, daß sie sich – besonders durch den Fernsprecher – angeblich im Auftrage höhergestellter Persönlichkeiten bei Familien nach deren im Felde stehenden Angehörigen sowie nach Truppenteil und Aufenthaltsort erkundigten. Es wird daher dringend davor gewarnt, in solchen Fällen irgendwelche Auskunft zu erteilen. Vielmehr muß versucht werden, durch sofortige Anfrage bei dem Fernsprechamt festzustellen, von welcher Seite aus die Anfrage erfolgt ist. Alle auf diesen Zweig der Spionage bezüglichen Wahrnehmungen sind ferner ungesäumt den Polizeibehörden zu melden.
Im Bonner Wehrbund herrscht zurzeit Ferienstimmung, da die Teilnahme des Kgl. Gymnasiums und der Realschule, die seine treusten Stützen waren, fehlt. An den beiden vergangenen Sonntagen traf jede Abteilung selbständig Bestimmungen über die Verwendung des Sonntags. Am kommenden Sonntag, den 29. August, soll jedoch wieder ein gemeinsames Unternehmen, eine Wanderung im Ahrtal, stattfinden. Die Einzelheiten sind in den Abteilungen zu erfahren.
Metropol-Theater. Der neue Spielplan bringt die erste Hälfte einer achtaktigen Filmhandlung „Nelly, das Weib ohne Gewissen“, ferner ein Bild aus der modernen Gesellschaft „Der lebende Tote“, mehrere heitere Stücke, die neuesten Kriegsaufnahmen und Naturdarstellungen.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Rabattsparvereine. Die Kriegstagung der Deutschen Rabattsparvereine in Dresden beschloß: Die Einführung von Höchstpreisen für den Einzelhandel ist verfehlt, wenn diese nicht gleichzeitig für die Produzenten und den Großhandel festgesetzt werden. Bei Beschlagnahme sind die Berufsvertretungen gutachtlich zu hören. – Der Verband zählt 500 Vereine, 70,000 Mitglieder. Er hat für Kriegshülfe eine halbe Million ausgegeben und zahlte im letzten Kriegsjahr an die Kundschaft 37 Millionen Rabatt.
Vom Rhein. Heute morgen gegen 5 Uhr trat auf dem Rhein so dichter Nebel auf, daß die Frachtschiffe ihre kurz vorher aufgenommenen Fahrten wieder einstellen mußten. Der jetzige Wasserstand ist der Schleppschifffahrt noch immer günstig, trotzdem er in den letzten Tagen anhaltend zurückgegangen ist. Heute früh wurden am hiesigen Pegel noch 2.24 Meter Wasser gemessen.
Die Schwalben rüsten sich schon wieder zum Abzuge. Die letzte Brut ist seit ungefähr 14 Tagen flügge, und draußen auf Telephon- und Telegraphenleitungen wird jetzt alltäglich Zusammenkunft abgehalten. Da gibt’s ein Begrüßen, ein Zwitschern und Erzählen, müssen doch die Vorbereitungen für eine lange Reise getroffen werden. Plötzlich fliegt die ganze Gesellschaft von dannen, um nach einigen wohlgelungenen Flugversuchen sich wieder auf der alten Stelle niederzulassen. In der Stadt sind die Schwalben jetzt nur noch selten anzutreffen. Noch ein paar Wochen und sie sind ganz verschwunden, sie werden zurückkehren in den sonnigen Süden, wo auch jetzt gerade so wie bei uns der Waffenlärm des Krieges widerhallt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Straßenbahn nach Dottendorf
Warum zahlen wir Dottendorfer für die Fahrt mit der Elektrischen bis zum Kaiserplatz 15 Pfg.? Die Strecke ist nur 50 Meter länger als die Strecke vom Friedrichsplatz [heute: Friedensplatz] bis Grau-Rheindorf, wofür ein Fahrpeis von 10 Pfg. angesetzt ist. Dabei beträgt die Fahrzeit nach Dottendorf eine Minute weniger. Die Strecke von der Gronau bis zum Friedrichsplatz ist 600 Meter länger und die Fahrzeit beträgt 17 Minuten. Dafür beträgt der Fahrpeis auch 15 Pfg., was gewiß nicht zu niedrig ist. In Dottendorf wohnen im Gegensatz zur Coblenzer Straße [heute: Adenauerallee] zum größten Teil kleinere Leute mit Gemüsebau und deren Frauen und Töchter, die meist täglich das Gemüse zum Markt bringen, ist es zu gönnen, daß sie ebenso wie die anderen Vorortler für 10 Pfg. heimfahren können. Ferner ist in Dottendorf die große Fabrik mit 4-500 Beamten und Arbeitern, die scharenweise aus der Stadt kommen und 15 Pfg. Fahrgeld bezahlen müssen, wenn sie weiter als bis zur Moltkestraße [heute: Weberstraße] fahren. Man könnte die Strecke ganz gut in drei Teilstrecken einteilen, statt jetzt in vier. Bei einem Fahrpreis von 10 Pfg. würde die Strecke voraussichtlich nicht weniger einbringen als jetzt. Mancher geht jetzt von Dottendorf bis zu Pützstraße und fährt von da aus für 10 Pfg. Wir Dottendorfer hoffen, daß unsere Klage ein geneigtes Ohr finden wird, und daß wir recht bald auch für 10 Pfg. zur Stadt fahren können. Wir versprechen alsdann recht oft zu kommen und sicher bringen wir der Stadt mehr mit als wir holen kommen. Ein Dottendorfer, der gerne zahlt, aber nicht zuviel.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Fußball. Auf dem Sportplatz an der Richard-Wagnerstraße wurde am Sonntag nachmittag das Entscheidungsspiel um den Rheinischen Kriegspokal ausgetragen. Die erste Mannschaft des Elberfelder Spiel- und Sport-Vereins entschied das Spiel gegen die gleiche Mannschaft des Bonner Fußball-Vereins für sich mit 5:2.
Freigabe von Metall. Unter Aufsicht des Reichsamts des Inneren ist die Metallfreigabestelle für Friedenszwecke in Berlin NW7, Sommerstraße 4a, Telephon Zentrum 10290, gegründet worden. An sie sind künftig alle Anträge auf Freigabe von beschlagnahmten Metallen für Friedens- und mittelbare Heereszwecke zu richten. Die Erledigung aller anderen, nach wie vor von der Kriegs-Rohstoff-Abteilung zu bearbeitenden Freigabegesuche werden wesentlich beschleunigt bei Benutzung hellgrüner Umschläge mit der Bezeichnung „Metallfreigabe“ in der linken oberen Ecke. Das Kriegsministerium macht darauf aufmerksam, daß Metalle nur in äußerst dringenden Fällen freigegeben werden.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mittwoch, 25. August 1915
Die Kapelle unserer 160er unter Leitung ihres Musikmeisters Krieg ist für 14 Tage nach Deutschland beurlaubt worden, um Wohltätigkeitskonzerte zu veranstalten. Der Erlös ist für die Hinterbliebenen gefallener Krieger bestimmt. Das erste Konzert findet heute (Mittwoch) nachmittag 4 Uhr auf der Casselsruhe, das zweite Konzert morgen (Donnerstag) abend 8 Uhr im Bonner Bürgerverein statt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Wegen Aufnahme und Verpflegung armer Kranker bestehen Verträge mit der Universität. Dem Johanneshospital, dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und dem Friedrich-Wilhelm-Stift, die demnächst ihr Ende erreichen. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hat von der Abschließung eines neuen Vertrages vorläufig abgesehen. Die Rheinische Genossenschaft des Johanniterordens hat den Abschluß eines Vertrages in Aussicht genommen. Das Johanneshospital und die Universität sind bereit, neue Verträge abzuschließen, deren Entwürfe am Freitag der Stadtverordnetenversammlung zur Genehmigung vorgelegt werden.
Teuerungszulage und Gehaltserhöhungen für Beamte und Angestellte. Die Verfassungskommission empfiehlt der am Freitag zusammentretenden Stadtverordnetenversammlung die Gewährung einer Teuerungszulage von 10 Proz. des Anfangsgehalts für die nicht zum Militärdienst eingezogenen verheirateten Beamten und Angestellten, soweit sie ein Diensteinkommen von nicht mehr als 2100 Mark beziehen, bis auf weiteres vom 1. Juli 1915 an, und die dauernde Erhöhung der Feldhüter- und Nachtwächtergehälter um 180 Mk. (anstelle der erwähnten Teuerungszulage) vom 1. April 1915 ab.
Im übrigen soll es bei der Fortzahlung der Hälfte oder eines geringeren Teiles des Gehalts an die zum Kriegsdienst einberufenen verheirateten Angestellten und an solche, die Ernährer unterhaltspflichtiger Angehöriger sind, bleiben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Gewinnung von Oel aus Unkrautsamen. In vielen Fällen wird in diesem Jahre besonders in der Sommerfrucht recht viel Unkrautsamen bei der Ernte sich aussieben. In früheren Jahrzehnten ist dieser Unkrautsamen, insbesondere Hederich und Senf, zur Oelbereitung mitbenutzt worden. Da in diesem Jahre bekanntlich Oele und Fette sehr knapp sind, seien die Landwirte dringend darauf hingewiesen, möglichst die Unkrautsamen zu sammeln und zur Oelmühle zu schaffen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Mitbürger, zeichnet Wochenbeiträge für die Bonner Volksspende! So kann man jeden Tag in der Zeitung lesen und wie gerne möchte man sich an diesem guten Werk beteiligen, kann man doch für unsere tapferen Krieger nicht genug tun. Um der Volksspende auch in den Kreisen der nicht gerade Begüterten einen durchschlagenden Erfolg zu sichern, wäre es an der Zeit, daß die Lebensmittelpreise heruntergesetzt würden. Weshalb sind in diesem Jahre die Kartoffeln so teuer? Wo man doch überall hört, daß sie so gut geraten sind. Oder werden sie wieder aufbewahrt zum Verfaulen? Im vorigen Jahr war ich zufällig auf dem Markt, als gleich nach Ausbruch des Krieges die Kartoffeln auf den Höchstpreis von 6 Mark gesetzt wurden. Später kam noch ein Wagen mit Kartoffeln an, und die Eigentümerin, welche bei der Preisfestsetzung nicht anwesend war, forderte 10 Mark. Das gab nun gleich einen Menschenauflauf, und die Herren Polizisten werden sich wohl noch erinnern können, daß sie einschreiten mußten, um die Eigentümerin zu schützen. Weshalb muß man aber nun in diesem Jahre und um diese Zeit 7,50 bis 8 Mark bezahlen und im Einzel-Pfund 8 bis 9 Pfennig?
Also könnet man unter die Zeilen, Mitbürger, zeichnet Wochenbeiträge, auch: Herunter mit den Kartoffelpreisen setzen, sowie bei den anderen Lebensmittelpreisen! Eine Beamtenfrau, welche mit ihrem Monatsgehalt rechnen muß.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)
Donnerstag, 26. August1915
Regelung des Theaterbetriebs im Winter 1915/16.
Auf die Tagesordnung der morgigen Stadtverordneten-Versammlung ist noch als 11. Punkt gesetzt worden: Regelung des Theaterbetriebs im Winter 1915/16. Die den Stadtverordneten zugegangene Kurrende teilt zu dieser Angelegenheit mit:
Theater- und Finanzkommission empfehlen mit der Stadt Köln ein Abkommen auf folgender Grundlage:
Von den vereinigten Stadttheatern Köln werden wöchentlich zwei Schauspielvorstellungen und alle 14 Tage eine Opernvorstellung, nach Möglichkeit auch Sonntags abends eine Theatervorstellung in Bonn gegeben.
Bonn stellt zur Verfügung das Stadttheater mit Heizung und Beleuchtung und trägt sämtliche örtliche Kosten, wie technisches Personal, Zeitungsanzeigen, Drucksachen und dergleichen.
Die Theater-Garderobe stellt Köln.
Bonn zahlt für große Opernvorstellungen 1200 Mark, für kleine Opernvorstellungen 1000 Mark.
Für Schauspielvorstellungen garantiert Bonn eine Mindesteinnahme von 500 Mark; die über diesen Betrag hinausgehende Einnahme wird im Verhältnis ¾ zu ¼ zwischen Köln und Bonn geteilt; die Abrechnung erfolgt nicht für die Einzelvorstellung, sondern für die Gesamtheit der Schauspielvorstellungen.
Bonn zahlt an den Direktor der Kölner Theater, Hofrat Remond, als Vergütung für die Leitung des Bonner Theaters im vorerwähnten Umfange 2000 M.
Das Abkommen mit Köln wird für die Zeit vom 1. Oktober bis 1. April geschlossen, jedoch mit der Maßgabe, daß beiden Teilen das Recht zusteht, das Abkommen zum 1. Januar zu kündigen.
Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Bonn beruft auf nächsten Montag, nachmittags 5 Uhr, eine Mitgliederversammlung ein. Sie findet im Geschäftsgebäude der städtischen Verwaltung, Franziskanerstraße 9, statt.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Goldsammlung. Um den Sammeleifer zu fördern, gibt auch die Kreissparkasse in Bonn jedem Schüler (Schülerin) ein künstlerisch ausgestattetes Gedenkblatt, wenn er mindestens 50 Mark in Gold entweder bei der Kreissparkasse in Bonn oder bei deren Zweigstelle in Godesberg oder bei einer der 24 Nebenstellen des Kreises einlegt oder umwechselt. Die Kreissparkasse wird das eingegangene Gold der Reichsbank abliefern.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verurteilte das Schöffengericht gestern eine Ehefrau aus Beuel wegen erwerbsmäßiger Unzucht zu fünf Tagen Haft.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Die kleinen Beamten und Arbeiter und die dritte Kriegsanleihe.
Im „General-Anzeiger“ war in Nummer 9095 zu lesen, daß die Handelskammer den Firmen empfiehlt, ihren Angestellten und Arbeitern bei der Zeichnung der neuen Kriegsanleihe behülflich zu sein. In dem Schreiben der Handelskammer wird auch mitgeteilt, daß einzelne Firmen schon bei der zweiten Kriegsanleihe ihren Beamten und Arbeitern bei der Zeichnung der Kriegsanleihe behülflich gewesen wären und daß sie diesen Zeichnern die gezeichneten Beträge vorgestreckt hätten, um sie dann durch Abzüge vom Gehalt oder Lohn in Teilbeträgen wieder einzuziehen. Man darf bestimmt annehmen, daß diese Firmen bei ihrem Vorgehen vom rein vaterländischen Interesse geleitet wurden. Tatsächlich besteht auch bei einzelnen Bonner Firmen ein Verhältnis, das diesen Weg gestattet. Aber ganz allgemein dürfte es doch nicht dankbar sein, nach dem Vorschlage der Handelskammer zu verfahren. In einer Angelegenheit, bei der das vaterländische Empfinden ausschlaggebend ist, möge man alles vermeiden, was nur im entferntesten den Anschein erwecken könnte, als ob ein gewisser moralischer Druck der Firmeninhaber ausgeübt würde. Eine mißverständlische Auffassung über die eigentliche Absicht des Chefs ist nicht immer von der Hand zu weisen und es wird mancher Beamter und Arbeiter auf die Frage des Chefs, ob er eine Summe für ihn zeichnen solle, auch dann nicht gleich nein sagen, wenn ihm die Abzüge später auch noch so sauer werden. Die Lebenshaltung der kleineren Beamten und Arbeiter, die zu Kriegsbeginn (und zum Teil auch jetzt noch) mit Gehaltskürzungen, Lohnabzügen und Arbeitslosigkeit rechnen mußten, die in ihr Budget eine heute noch nicht ganz ausgeglichene Lücke gerissen hat, gestattet es nur in Ausnahmefällen, von ihrem Gehalt oder Lohn eine Anleihe zu zeichnen.
Daß die Arbeiter und kleinen Beamten für die Bonner Volksspende sehr opferbereit eintreten und daß sie ihre Angehörigen im Felde mit Liebesgaben versorgen und bedürftige Angehörigen zu Hause unterstützen, entspricht nach dem Einkommen der Meisten deren möglichsten Höchtstleistungen an vaterländischen Opfern. Wer von uns Beamten und Arbeitern trotz der um 30 – 50 Prozent gestiegenen Haushaltskosten noch in der Lage ist, die neue Kriegsanleihe als sorgsam rechnender Familienvater zu zeichnen, dem sei dies von ganzem Herzen empfohlen. Aber es möge dies geschehen, ohne daß die Angestellten zu ihren Chefs in ein Abzahlungsverhältnis treten müssen, das durch seine lange Dauer drückend wird. Viel wirksamer wäre es natürlich, wenn aus den Kreisen, die durch den Krieg große Vermögen erworben haben oder durch ihre Unternehmungen zum mindesten so gestellt sind, daß die Kriegsteuerung ihre Budgets nicht beeinträchtigt, möglichst reichlich die neue Anleihe gezeichnet würde. Man wird es dagegen den Minderbemittelten nicht verargen, wenn sie nur dann die neue Anleihe zeichnen, wenn sie nach Maßgabe ihrer finanziellen Verhältnisse dies mit gutem Gewissen vermögen. Daß das Volk opferbereit ist, hat es während des Krieges in so glänzender Weise in tausendfältiger Beziehung bewiesen, daß es sicherlich nicht erforderlich ist, ihm noch durch Gehalts- und Lohnabzüge besonders drückende Opfer aufzuerlegen. Ein Familienvater, der zwei Söhne im Felde hat.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Graf Zeppelin ist gestern abend hier angekommen und im Hotel Königshof abgestiegen. Erbleibt bis heute früh in Bonn.
Die Lichtspielkunst hat durch den Krieg auch insofern Einbuße erlitten, als neue gute Filme infolge Personalmangels und aus anderen Gründen wohl kaum hergestellt werden. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes hat sich die Leistung des Viktoriatheaters entschlossen, bei der Wiedereröffnung der Spielzeit für den kommenden Winter eine Neuerung einzuführen, die sich zweifellose der Zustimmung der Besucher erfreuen wird. Das Theater wird nur an drei Nachmittagen der Woche, namentlich Samstag, Sonntag und Montagspielen. Die Spieldauer der einzelnen Programme ist eine gute Stunde. Dementsprechend wird der Preis sehr gering angesetzt sein. Daß es trotzdem der Leitung daran liegt, den Besuchern eine Darbietung von unübertroffenem Werte vorzuführen, beweist das Eröffnungsprogramm für die ersten drei Tage. An diesen wird, freilich mit etwas längerer Spieldauer, der einzigartige in seiner Vollendung unübertroffene Film „Spartacus“ zur Darstellung kommen. Es ist dieses ein Gegenstück zu „Quo Vadis“, das in seiner reichen Ausstattung und der Fülle dramatischer Vollendung jenes Prachtstück vielleicht noch überbieten dürfte. Manche Bilder sind in ihrer Wirkung einzigartig. Wer sich einen Genuß bester Art verschaffen will, besuche daher die Eröffnungsveranstaltungen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Freitag, 27. August 1915
Brest-Litowsk gefallen! Die Siegesbotschaft von der Einnahme von Brest-Litowsk, der letzte russischen Festung in Polen, erweckte gestern nachmittag wieder allgemeine Freude. Bald nach dem Eintreffen der Siegesbotschaft läuteten die Kirchenglocken und auch die Fahnen wurden zu Ehren unserer tapferen deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen wieder gehißt.
Ein neuer Rheindampfer. Die Köln-Düsseldorfer-Dampfschiffahrts-Gesellschaft läßt bei Gebrüder Sachsenberg in Köln-Deutz ein neues Personen- und Güterschiff nach Art der „Kronprinzessin Cecilie“ bauen. Der Rumpf liegt bereits im Köln-Mühlheimer Hafen, auch die Kessel sind dieser Tage eingesetzt worden.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Brest-Litowsk. Zu einer wundersamen Symphonie klangen gestern nachmittag die Glocken der Bonner Kirchen zusammen. Sie läuteten zum Siege über Brest-Litowsk. Keine Meldung vom Kriegsschauplatz kam so überraschend, als der Bericht aus dem Großen Hauptquartier, daß das stärkste Bollwerk Russisch-Polens in die Hände der Verbündeten gelangt sei. Noch hatten wir nicht die Nachricht gehabt, daß irgend ein Fort, von der Einnahme von Befestigungen abgesehen, gefallen sei, da kam schon die Drahtmeldung, daß wir bereits in das Kernwerk der Festung eingedrungen und die Russen das riesige Bollwerk preisgegeben hätten. Ebenso überraschend wie bedeutungsvoll ist dieses Ereignis, das in Verbindung mit den starken Erfolgen auf den übrigen Kampfplätzen des Ostens uns mehr und mehr zu der Auffassung hinneigen läßt, daß die Kraft des russischen Bären gebrochen und mit dem Fall von Brest-Litowsk ein neuer bedeutender Kriegsabschnitt beginnt, de uns den endgültigen Sieg über unsere Gegner verbürgt.
Möge dem so sein, mögen die Flaggen, die heute wieder auf den Häusern unserer friedlich daliegenden alten lieben Bonns wehen, uns das Zukunftsbild deuten, daß die riesigen Leistungen der verbündeten Heere zum Segen des Vaterlandes und zur Wohlfahrt der gesamten Weltkultur vom vollen Siegespreis in dem großen Weltringen gekrönt werden.
Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten durch Verwundete. Den vom Reservelazarettdelegierten Rentner C. Henry allwöchentlich für Donnerstags eingerichteten Besuchen von Sehenswürdigleiten der Stadt Bonn und Umgebung schloß sich gestern ein Ausflug nach Brühl an. Annähernd 800 Verwundete der hiesigen Lazarette besuchten das Brühler Schloß; ein Extrazug führte am Nachmittag dorthin. Nach einem Spaziergange durch den Park vereinte ein kühler Trunk die Soldaten in der Schlossbrauerei. Um ½ 8 langten die Teilnehmer hier wieder an.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Elektrische Bahn nach Dottendorf. Kaum ist die Linie eröffnet, so beginnen auch schon die Klagen, daß der Fahrpreis zu hoch sei und zwar deshalb, weil die Fahrt nach Rheindorf vom Friedrichsplatz aus nur 10 Pfg. koste, nach Dottendorf aber von der Poppelsdorfer Alle aus 15 Pfg. Dabei sei die Linie nach Rheindorf nur 50 Meter kürzer als die nach Dottendorf. Bekanntlich kosten drei Teilstrecken 10 Pfg. Jede Teilstrecke ist durchschnittlich 850 Meter lang. Die Teilstrecke von der Husarenstraße bis Rheindorf, ist aber weil dort keine Haltestelle war, 1000 Meter lang. Und zudem muß doch irgendwo eine Grenze sein. Mit drei Teilstrecken ist die Pützstraße in Kessenich mehr als erreicht, sodaß der Fahrpreis von 15 Pfg. nach Dottendorf mit Recht erhoben wird.
Berücksichtigt man nun, welche Wertsteigerung der Häuser und des Grundbesitzes in Dottendorf durch die Bahn eingetreten ist – daß irgend einer der Grundbesitzer von seinem beanspruchten Eigentum unentgeltlich etwas abgetreten hat, hat man nicht gehört – so muß man sagen, die Dottendorfer hätten eigentlich allen Anlaß, dafür zu danken, daß die Elektrische jetzt bis Dottendorf durchgeführt ist. Für die „armen“ Marktfrauen machen 5 Pfg. bei den heutigen Marktpreisen doch wahrhaftig nichts aus. Und die Beamten und Arbeiter werden sich sicher nicht beklagen, daß sie im Abonnement etwas mehr bezahlen müssen.
Dazu kommt, daß die elektrische Bahn für den Stadtsäckel ein Schmerzenskind ist, denn sie beansprucht jährlich noch immer bedeutende Zuschüsse. Ein alter Bonner.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Keine Erweiterung der Landsturmpflicht. Aus vielen Anfragen geht hervor, daß in weiten Kreisen die Meinung besteht, bei der Aenderung des Reichsmilitärgesetzes sei die Erweiterung der Landsturmpflicht über das 40. Lebensjahr hinaus beschlossen worden. Wie das Köln. Tagebl. erfährt, sind die hierüber verbreiteten Gerüchte unzutreffend. Ein solcher Beschluß ist vom Reichstag nicht gefaßt worden und liegt der gegenwärtigen Tagung nicht zur Beschlußfassung vor.
Unberechtigt hohe Pflaumenpreise. Vor einigen Tagen wollte ein Bonner Bürger in einem Orte auf der anderen Rheinseite Pflaumen kaufen. Als er sich nach dem Preis erkundigte, hieß es, der Zentner koste 15 Mark. Auf seine Verwunderung hin wurde gesagt, daß die Pflaumen sonst 5 – 6 Mk. gekostet hätten, es seien aber Händler gekommen, die höhere Preise geboten hätten. Sollte dies der Fall sein, so wäre es an der höchsten Zeit, diesen Preisverteuern doch endlich das Handwerk zu legen. Die Behörde hat Mittel genug dazu, auch ist es jetzt noch Zeit genug.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Samstag, 28. August 1915
Mehr türkische Flaggen. Ein Kriegsveteran von 1860 u. 1870/71 bedauert in einem Schreiben an uns, daß in Bonn so wenig türkische Flaggen zu sehen sind. In dem viel kleineren Siegburg würden bedeutend mehr türkische Flaggen gehißt wie in Bonn. Die Dankbarkeit gegen die Türkei sollte in Bonn ebenfalls durch das Zeigen auch der türkischen Fahne bei Siegen bekundet werden.
Das Ergebnis der Bonner Volksspende. Nachdem die umfangreiche Arbeit für die Aufstellung der Sammellisten beendet ist, läßt sich das Ergebnis unserer Volksspende im wesentlichen übersehen, und dies Ergebnis kann als recht erfreulich bezeichnet werden. An einmaligen Beiträgen sind 9.172 Mk. zur Verfügung gestellt und durch die Wochenbeiträge wird monatlich ein Betrag von 20.389,50 Mk. unserer Kriegswohlfahrtspflege zu Gute kommen. Es darf festgestellt werden, daß sich die Bonner Bevölkerung im allgemeinen an den Zeichnungen in hervorragender Weise beteiligt hat. Insbesondere verdient Anerkennung, daß gerade die mittleren und kleineren Leute sich im hohen Maße opferwillig gezeigt haben. Dagegen sind besonders hohe Beträge wenig gezeichnet worden, und ebenso ist es infolge der Reisezeit auch nicht möglich gewesen, alle Familien zu besuchen und zur Zeichnung aufzufordern. Das wird jedoch noch geschehen. Es kann nicht oft und genug betont werden, daß die Volksspende unmöglich auf die großen und größten Beträge der Reichen verzichten kann. Jeder soll seinen Beitrag so bemessen, wie es seinem Vermögen entspricht; nur dann kann unsere Stadt Bonn in gleicher Reihe mit anderen Städten marschieren und es ist eine Ehrensache für alle Bürger Bonns, dieses Ziel zu erreichen und damit den Vaterländischen Vereinigungen und vor allen Dingen der Kriegshilfe der Stadt Bonn ebne Wege zu schaffen. Am Montag, den 30. d.M., werden nun die Einnehmer ihre Tätigkeit aufnehmen und die Wochenbeiträge einsammeln. Die Einnehmer haben Anweisung, nach Möglichkeit an bestimmten Tagen in demselben Haushalt vorzusprechen, so daß jeder sein Scherflein, das er der Volksspende zur Verfügung gestellt hat, schon vorher bereit legen kann. An Alle, die noch nicht in den Listen aufgenommen sind, richten wir aber noch einmal die dringende Bitte, dies dem Geschäftszimmer der Bonner Volksspende im Rathaus mitzuteilen, damit von dort aus das weitere veranlaßt werden kann. Jeder Bonner, ob reich oder arm, ob alt oder jung muß es für seine Ehrenpflicht gegenüber seiner Vaterstadt betrachten und für eine Dankesschuld gegenüber unseren heldenmütigen Kämpfern, Mitglied der Bonner Volksspende zu sein.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Beschlagnahme von Kriegsbrot und Röggelchen. Seit mehreren Tagen werden durch Polizeibeamte die hier abfahrenden Züge der Rheinuferbahn und der Staatsbahnzüge nach Euskirchen einer Revision unterzogen, um festzustellen, ob städtische Kriegsbrote oder Röggelchen unberechtigterweise von hier mitgenommen werden. In mehreren Fällen fanden die Beamten in den Körben von Frauen, die hier ihre Marktwaren feilgehalten hatten, Brote und auch Röggelchen, die ihnen hier ohne Brotbuch verabfolgt worden waren. Die Backwaren wurden beschlagnahmt und die betr. Frauen sowohl als auch die Verkäufer des Brotes zur Anzeige gebracht.
Mindest- und Durchschnittspreise von Lebensmitteln. Der Oberbürgermeister gibt in einer Bekanntmachung in der heutigen Nummer des General-Anzeigers die Mindest- und Durchschnittspreise von Lebensmitteln für die Zeit vom 15. – 21. August ds. Js. zur allgemeinen Kenntnis. Auch werden in dieser Bekanntmachung die Namen derjenigen Metzger bekannt gegeben, die die Fleischwaren zu den Mindestpreisen verkauft haben. Die Kolonialwaren sind durchweg von den Inhabern zu den Mindestpreisen abgegeben worden.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Eine Kriegsprozession der Frauen Bonn’s zum Kreuzberge findet am kommenden Sonntage von der Münsterkirche aus statt. Sämtliche katholische Frauen- und Jungfrauenvereine sind zur Teilnahme eingeladen. Wie die Männerprozession, so soll auch dieser Bittgang sich zu einer gewaltigen Kundgebung katholischen Lebensgestalten. Die Teilnehmerinnen versammeln sich ¼ vor 8 auf dem Münsterplatze. Auf dem Kreuzberge wird der hochw. Herr Franziskanerpater Dostitheus von der Freitreppe der heiligen Stiege aus zu den Frauen sprechen. Bei ungünstiger Witterung wird eine Kriegsandacht mit Predigt in der Münsterkirche stattfinden. Die Prozessionsordnung ist im Anzeigenteil der Zeitung sowie durch Anschlag an den Kirchentüren bekanntgegeben.
Vorsicht beim Radfahren. Heute Nachmittag stieß ein junger Mann, anscheinend ein Handwerkerlehrling, welcher auf seinem Rade aus der Poppelsdorfer Allee in den Venusbergweg einbiegen wollte, mit einem ihm entgegen kommenden jungen Mädchen zusammen. Das Mädchen stürzte mit großer Gewalt zu Boden und jammerte laut vor Schmerzen. Mitleidige Passanten brachte die Bedauernswerte zu der unweit wohnenden Familie. Anscheinend hat sie einen Beinbruch erlitten.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Sonntag, 29. August 1915
Spendet Wein für unsere Truppen. Man schreibt uns: Ein überreicher Herbst steht bevor, und wahrscheinlich wird der 1915er auch an Güte den Wein früherer Jahre reichlich übertreffen. Es wird, wenn nicht alle Anzeichen trügen, Mühe kosten, den neuen Wein zu bergen. Raum schaffen für den neuen, das wird jetzt die Losung sein müssen. Unter diesen Umständen wird umso eher die dringende Bitte Gehör finden, sich zu einem vaterländischen Opfer zu entschließen und von den älteren Weinen möglichst reiche Mengen für unsere braven Truppen zu spenden, die mit Leben und Gesundheit die größten Opfer für uns daheim Gebliebene bringen. Mittel zum Ankauf der begehrten Gaben stehen dem Roten Kreuze in ausreichender Menge nicht zur Verfügung. Wir vertrauen aber darauf, daß unsere Tapferen auf die Erquickung, die ihnen ein Schluck Wein nach langen Märschen, nach hartem Kampfe bietet, deshalb nicht zu verzichten brauchen, sondern daß diese bewährte rheinische Freigiebigkeit und Opferwilligkeit ihnen gerne zu solchem Labsal verhelfen werden. An alle, die dazu irgend imstande sind, ergeht daher die herzliche Bitte, dem Mahnruf, der in diesen Worten liegt, zu folgen. Spenden nimmt dankbar entgegen die Abnahmestelle freiwilliger Gaben Nr. 1 für das 8. Armeekorps in Koblenz.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Fünfpfennigstücke aus Eisen. Die Reichsfinanzverwaltung ist bekanntlich vom Bundesrat ermächtigt worden, eiserne Fünfpfennigstücke prägen zu lassen, und zwar, wie wir hinzufügen können, bis zum Betrage von 5 Millionen Mark. Demgemäß können also 100 Millionen eiserne Fünfpfennigstücke geprägt und in Umlauf gesetzt werden, wenn ein Bedürfnis dafür vorliegt, was sich heute noch nicht übersehen läßt. Die Stücke werden denselben Umfang erhalten wie die Nickel-Fünfpfennigstücke, aber dicker geprägt werden, damit sie dasselbe Gewicht bekommen wie diese. Auf diese Weise werden auch die Beutel gleicher Größe, in denen die Stücke in den Verkehr gelangen, dasselbe Gewicht aufweisen, einerlei ob sie aus eisernen oder aus Nickelstücken oder aus beiden bestehen. Spätestens nach zwei Jahren nach Beendigung des Krieges sollen die eisernen Stücke wieder aus dem Verkehr gezogen werden. Für die bestehenden Fünfpfennig-Automaten können die neuen Stücke, weil dicker, nicht benutzt werden, wenn die Einwürfe nicht entsprechend vergrößert werden. Für sie müssen also Nickelstücke weiter benutzt werden, Eine Prägung eiserner Zehnpfennigstücke ist nicht beabsichtigt.
Den Schaffnerinnen unserer Straßenbahn hat eine hiesige Dame, die nicht genannt werden will, je ein vaterländisches Abzeichen in Silber zum Geschenk gemacht. Im ganzen wurden 29 Broschen an die Schaffnerinnen verteilt.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 27. Aug. Ein ergötzliches und wiederum erhebendes Bild bot gestern unsere Jugend, die schon während der ganzen Kriegszeit, namentlich in den jetzigen Herbstferien, an nicht anderes mehr denkt und nichts höher einschätzt, als die Betreibung von Kriegsspielen und soldatisches Exerzieren. Diese kleinen Kerlchen nötigen allen Zuschauern unwillkürlich das größte Interesse ab und zeigen unter sich eine staunenswerte Organisation. In jedem Ortsteile befinden sich derer mehrere Gruppen. Gestern abend nun hatten sich anläßlich der Siegesbotschaft über den Fall der Festung Brest-Litowsk die sämtlichen Ortskompagnien unter ihren einzelnen „Kommandanten“ punkt 8 Uhr auf dem Moltkeplatz eingefunden zur Veranstaltung eines Fackelzuges durch den Ort. Der Höchstkommandierende, ein Kerlchen von 10 Jahren, leitete das Ganze. An der Spitze des wohlgeordneten Zuges durch die Straßen des Ortes wurde eine Dreibundsfahne in den deutsch-österreichisch-türkischen Farben getragen, auf mehreren Fahrrädern saßen stolz achtjährige Knirpse, hintern folgten die kriegsmäßig ausgerüsteten einzelnen Kompagnien mit Fahnen, Kanonen, Krankenwagen, Tragbahren u. dergl. Es war eine Lust, dieses Bild anzusehen, und alles eilte vor die Häuser als Zuschauer. Die Zugschar zählte mehrere Hunderte von vier- bis zehnjährigen kleinen Zukunftshelden, die aus voller Kehle die Soldaten- und Vaterlandslieder gewichtig und begeistert sangen. Nach der musterhaft verlaufenen Ovation, die ohne jede Anleitung von Erwachsenen erfolgt war, endete der Zug gegen 9 Uhr wiederum auf dem Moltkeplatz, wo die Schar auf eine Aufforderung des Höchstkommandierenden hin ein brausendes Hoch auf unseren Kaiser ausbrachte und „Heil dir im Siegerkranz“ sang.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Ursachen der Teuerung. Ein Gang ins Freie ist belehrend. Er bietet Gelegenheit, manches zu sehen und Stoff zum Nachdenken. Jüngst kam ich an einem Kartoffelfeld vorbei. Es war eine Spätsorte und das Laub noch ganz grün. Man war aber schon jetzt am Ausmachen. Der Pflug hatte bereits die Hälfte gewaltsam aus ihrer dunklen Wohnung ans ungewohnte Licht befördert; und nun lagen die erst halb zur Entwicklung gekommenen armen Schlachtopfer an der Oberfläche. Was der Krieg auf den Schlachtfeldern mit den jungen Menschenleben macht, das vollbringt er hier an den Kartoffeln und zwar mit Hülfe derselben Hand, die sie gepflanzt. Ein Bild grausamer vorzeitiger Zerstörung. Eine Grausamkeit, die übrigens heute einem jeden Marktbesucher auch noch aus unzähligen Körben voll Aepfeln entgegengrinst. Und das Motiv dieser ruchlosen, jeder Vernunft hohnsprechenden Handlungsweise? Die Habsucht, welche Nächstenliebe und Gottvertrauen im Herzen des Menschen zerstört. Man berechnet sich heute für einen Zentner unreifer Frucht denselben Preis, wie im Spätherbst für zwei Zentner reifer Frucht. Daß aber von zwei Zentnern doppelt so viel Menschen ernährt werden können, daß ferner die unreife Frucht, wenn nicht, wie bei Obst, eine große Menge Zucker zugesetzt wird, lange nicht so nahrhaft, zudem auch gar nicht aufbewahrungsfähig ist und infolgedessen die Kalamität einer Teuerung nicht gehoben, sondern verschlimmert wird, dahin fehlt den habsüchtigen Menschen jedes Gefühl.
Wenn solche Krebsschäden in landwirtschaftlichen Kreisen keinen Abscheu hervorrufen und zur Ergreifung von Vorbeugungsmitteln Veranlassung geben, dann dürfte das wohl als höchst bedauerlich empfunden werden müssen. Rektor Joh. Lambertz
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)
Bringt das Gold zur Reichsbank. Obgleich feststeht, daß sich noch hunderte von Millionen Mark an Goldmünzen in den Händen des Publikums befinden, haben die Rückflüsse in die Kassen der Reichsbank in den letzten Monaten ganz erheblich nachgelassen. Es ergeht daher von neuem die dringende Aufforderung, vorhandene Goldmünzen – und sei es nur eine 10-Mark oder ein 20-Mark-Stück – sobald als möglich bei der Reichsbank umzutauschen. Niemand möge denken, daß es auf seine Goldmünzen nicht ankomme; jedes einzelne Stück ist von Wichtigkeit. Auch diejenigen, welche Goldmünzen einsammeln, werden gebeten, in ihrer Tätigkeit nicht zu erlahmen und nicht eher zu ruhen, als bis die letzte Goldmünze aus ihrem Versteck herausgeholt und der Allgemeinheit nutzbar gemacht ist. Angesichts der herrlichen Waffentaten unserer tapferen Streiter, muß es für alle zu Hause Gebliebenen eine Ehrenpflicht sein, hinter der Front an der finanziellen Rüstung des Vaterlandes mitzuarbeiten, wozu auch die Ablieferung der Goldmünzen an die Reichsbank gehört. Jeder suche daher auf diese Weise im Eifer für des Reiches Wohl den Helden draußen im Felde gleichzukommen.
Noch kein Wegziehen der Schwalben! Man konnte während der letzten Tage vielfach beobachten, wie ganze Scharen Schwalben auf Telephon- oder Telegraphendrähten sich ansammelten und zwitschernd hin und her flogen. In der Zoologie Unkundige deuteten daraus, daß die leichten Segler der Lüfte sich schon zu ihrem Zig nach Süden (Afrika) rüsteten. Dem ist aber nicht so, denn bekanntlich verlässt die Schwalbe erst Ende September unseren Breitengrad, um in wärmerem Klima zu überwintern, und zwar ist meistens der Michaelistag der Tag ihrer Abreise. Höchstens wenn sich abnorm früher und kalter Winter einstellt, so ziehen sie schon gegen den 21. September weg. Der berühmte Naturforscher Brehm setzt auch die Zeit ihrer Abreise auf Ende September. Gemüter, welche aus obigem Gebahren der Schwalben ihren Wegzug oder den nahenden Winter befürchten, mögen sich deshalb beruhigen. Diese Ansammlungen auf den Telegraphendrähten sind nur Flugübungen, welche die alten Schwalben mit ihrer jungen Brut machen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Montag, 30. August 1915
Kastanien als Viehfutter. Zu unsere r Mitteilung, daß der Landwirtschaftsminister angeordnet habe, die Eicheln und Bucheckern in den Forsten der Volksernährung und der Viehzucht nutzbar zu machen, schreibt uns ein Landwirt, daß auch die wilden Kastanien, die in Bonn im Hofgarten und in der Poppelsdorfer Allee massenhaft wachsen, als Viehfutter verwendet werden sollten. Die Kastanien müßten rechtzeitig gesammelt werden, ehe sie, wie es leider bisher immer geschehen ist, zertreten oder von den Kindern als Spielzeug benutzt werden. Wir müssen alles ausnutzen und in allem sparen, denn der Winter ist lang.
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Kriegswallfahrt der Bonner katholischen Frauen nach dem Kreuzberg. Vor Wochen waren schon die Männer hinaufgezogen mit ernsten Gesichtern unter frommem Gebet, hatten den Worten und Wahrheiten des geistlichen Redners gelauscht und waren ernster noch hinabgekommen. Männer war da hinaufgewallt, denen der Schrecken des Krieges noch bevorstand, Männer, die ihn gekostet, Verwundete, die schon schwer unter seiner Geißel gelitten.
Gestern wallfahrten die Frauen und Mädchen, die in ihrer Art nicht weniger unter dem Krieg leiden, die vielfach ihr Leben lang unter seiner Last zu tragen haben. So waren denn sorgenvoll, tiefernst alle Züge, gramdurchfurcht viele Gesichter, dunkel waren durchweg fast Kleid und Hut. Aber wie das Frauengemüt ist, trotz Schmerz und vielfach harter Not klangen weich und innig die Gebete, zuversichtlicher, hoffnungsfreudiger die frommen Lieder. Sie hallten wider und fingen sich in den breiten Wipfeln der Poppelsdorfer Allee, in den Straßen von Poppelsdorf, die schon so manches Jahrhundert die Gebete frommer Kreuzbergwaller gehört, Pilger in allen Nöten und von Gram geschüttelt, gesehen. Not lehrt beten, lehrt inniger beten, das bezeugten gestern wieder einmal die Tausende, die in Prozession zum Kreuzberg zogen. Kurz vor 3 Uhr riefen die Glocken vom hohen Münsterturm zur Sammlung. Ihr eherner Ruf fand schon die Straßen um das altehrwürdige Gotteshaus dicht von Teilnehmerinnen besetzt. So zogen die Tausende, geführt von der hochwürdigen Pfarrgeistlichkeit, an ihrer Spitze Oberpfarrer Dechant Böhmer denn zum Kreuzberg. Die Spitze muß am alten Wallfahrtskirchlein gewesen sein, da hatte der Schluß noch nicht das Münster verlassen; der weite Platz um und vor dem Kreuzbergkirchlein war dicht mit Pilgern besetzt, und noch immer war kein Ende der gewaltigen Prozession in der Bergstraße unter den Nußbäumen abzusehen, so stark war die Beteiligung an dieser Kriegswallfahrt. Tausende waren es.
Am großen Kreuz droben am Kirchlein war ein schlichter Altar errichtet. Kurze Andacht hier und dann bestieg Pater Dositheus die Kanzel und sprach zu den Tausenden von Frauen und Mädchen vom Krieg, von Glauben und Unglauben, von Sitte und Unsitte in Mode und Leben, die in vielen Kreisen zur nackten Unsittlichkeit geführt, von der katholischen Familie, vom Vaterlande und von einem ehrenvollen Frieden und freudigem Wiedersehen. Der Krieg mußte kommen; er hatte seine Wurzeln im Unglauben, in Unsittlichkeit und Habsucht; Gebet, frommer Christenglaube, gute Sitten und Wohltun hätten zu Gott dem Lenker aller Geschicke um Abwendung dieser Völkergeißel zu flehen. Mit Gottvertrauen seien die Schicksalsschläge des Krieges aufzunehmen, so hart sie auch den Einzelnen und scheinbar ungerecht ihn träfen. Gott werde nach der harten aber notwendigen Prüfung das Uebel auch wieder von uns nehmen. Das deutsche Volk werde die Läuterung überstehen und nach einem gerechten Siege winke dann auch ein dauerhafter Friede. Mancher hoffnungsvolle Sohn, ehrbare Familienväter, seien freudig hinausgezogen in den Kampf für das Vaterland. Viele von ihnen ruhten nun schon in fremder Erde, ihr Wiedersehenswunsch sei verhallt, ohne in Erfüllung gegangen zu sein. Da sei namenloser Schmerz in Hütten der Armen und Häuser der Reichen eingezogen. Kein Schmerz sei aber so groß, daß er nicht Linderung im Gebet erfahre. In heißem Flehen um baldigen Frieden verklang die gewaltige Sprache des hochwürdigen Kanzelredners.
Zu den vielen Pilgerinnen, die nicht mehr im Stimmbereich des Paters Dositheus standen, sprach dann Pfarrer Dr. Custodis von der Elisabethkirche herzhafte Worte, erinnerte an das Gottvertrauen unseres großen Hindenburg, erinnerte an das Kreuz, das unser Erlöser für uns alle getragen, und mahnte zum Aushalten und Gottvertrauen, was dieser Krieg auch an Leid bringen möge. So fanden auch diese Abseitsstehenden einen geistlichen Trostspender und auch sie konnten vom Kreuzberg wandern aufgerichtet durch Andacht und Gebet.
Dann erklang ein lieblicher Frauenchor, der die gedrückten Herzen emporhob zu Gott. Mächtig hallten die Worte des sakramentalen Segens über die Andächtigen, die in die Knie gesunken, und dann brauste die ewig junge hinreißende katholische Hymne „Wir sind im wahren Christentum“ aus Tausenden von Kehlen über die Baumwipfel und mischte sich mit dem Donner eines heraufziehenden Gewitters.
Unter strömendem Regen, zuckenden Blitzen und Donnerrollen zogen die Pilgerinnen dann zu Tal, der Münsterkirche zu. In ihr, die im Laufe der Jahrhunderte schon so manches Flehen um Abwendung der Kriegsnot und um Frieden gehört, beendete eine kurze Andacht die weihevolle Wallfahrt.
Böswillige Feuermeldung. Gestern morgen wurde die Feuerwehr nach der Meckenheimer Allee gerufen. Bei ihrem Eintreffen mußten die Wehrleute erfahren, daß sie böswillig alarmiert worden waren. Kinder hatten die Schutzscheibe an dem Feuermelder Ecke Meckenheimer Allee und Herwarthstraße zertrümmert und den Feuermelder in Tätigkeit gesetzt. Leider sind die jugendlichen Taungenichtse unerkannt entkommen.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Das Viktoriatheater hatte mit seinen Eröffnungsvorstellungen am Samstag und Sonntag einen vollen Erfolg. Der Besuch war ein überaus guter. Dies war in erster Linie dem dargebotenen unübertrefflichen Kunstfilm „Spartakus“ zuzuschreiben, dessen Vorführung allseitige Bewunderung fand. Auch heute nachmittag bietet sich noch Gelegenheit, dieses seltene prachtvolle Lichtspiel besuchen zu können.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)
Dienstag, 31. August 1915
Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose hat gestern nachmittag unter dem Vorsitz von Geheimrat Doutrelepont seine Mitglieder-Versammlung abgehalten. (...) Trotz des Krieges setzte der Verein, wenn auch in beschränktem Umfange, seine Tätigkeit fort. 50 Lungenkranke wurden mit einem Kostenaufwand von 1792 M. in Erholungsstätten untergebracht. 19 Familien erhielten Barunterstützungen von zusammen 678 M. Insgesamt wurden für Unterstützungen 2908,64 Mark ausgegeben. (...) Es wurde beschlossen, von dem 3399 M. betragenden Bankguthaben 2000 M. für die dritte Kriegsanleihe zu zeichnen. (...) Beigeordneter Dr. von Gartzen teilte mit, daß die Tages-Erholungsstätte in Grau-Rheindorf zu Beginn des Krieges geschlossen werden mußte, weil die Aufrechterhaltung des Betriebes aus verschiedenen Gründen nicht möglich war. In der allernächsten Zeit werde sie zur Aufnahme nervenkranker Soldaten wieder eröffnet werden. (...)
(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)
Die Felddiebstähle nehmen trotz scharfen Aufpassens immer mehr zu. Einem Anbauer im westlichen Stadtteil wurde fast ein Drittel seiner gesamten Kartoffelernte gestohlen. Am Samstag abend gelang es einem Feldhüter von Endenich, einen Kartoffeldieb auf frischer Tat abzufassen.
Das Städtische Viktoriabad ist in der Zeit vom 1. September bis 31. März von vormittags 8 bis nachmittags 1 Uhr und von nachmittags 3 bis 8 Uhr geöffnet. Die Volksbadeabende Mittwochs und Samstags beginnen nachmittags um 5 ½ Uhr und dauern bis 8 Uhr.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)
Godesberg, 31. Aug. Die helfende Liebe ist auf mancherlei Weise in unserer Gemeinde am Werk, Nöte zu lindern und Wunden zu heilen, die der Krieg schlägt. Schon früher wurde fast jährlich eine beschränkte Anzahl kränklicher Kinder, deren Eltern nicht in der Lage waren, durchgreifende Hülfe für die Stärkung und Festigung der Gesundheit ihren Kindern angedeihen zu lassen, nach Kreuznach gesandt, damit sie dort Solbäder nehmen und durch zweckentsprechende Ernährung ihre Gesundheit kräftigen konnten. In der alten Weise konnte dies in der Kriegszeit nicht ausgeführt werden, weil die Anstalten in Kreuznach in Lazarette umgewandelt sind und Raum für die Aufnahme von Kindern nicht mehr vorhandne ist. Aber die Liebe macht erfinderisch und fand auch hier einen Weg. Eine Dame unserer Gemeinde hat in liebenswürdiger Weise die Badezimmer ihres Hauses zur Verfügung gestellt: Die Zutaten für Solbäder werden nach hier besorgt, und die Kinder werden vormittags gebadet. Nach dem Bad ruhen die Kinder und erhalten dann Milch. Nachdem sie bis 12 ½ Uhr durch Vorlesen und Erzählen unterhalten worden sind, werden sie in das Godesberger Volksspeisehaus (ehemals Gasthof Hüttenrauch) geführt und erhalten hier kräftige Kost. Die Wirkung der Bäder und der guten Pflege zeigt sich schon bald in der zunehmenden Kräftigung der Kinder. Es ist dies nicht allein ein echt christliches Liebeswerk, sondern es liegt auch im vaterländischen Interesse. Angesichts der großen Menschenopfer, die der Krieg von uns fordert, ist es vaterländische Pflicht, alles zu tun, um die Volkskraft zu erhalten und zu stärken. Es werden jetzt täglich zwanzig Kinder nach der geschilderten Weise hier gepflegt.
Godesberg 30. Aug. Wir brachten in unserer Sonntagsnummer eine Notiz, daß die Godesberger Jugend anläßlich der Siegesbotschaft über den Fall der Festung Brest-Litowsk einen Fackelzug veranstaltet habe. Es hieß darin, daß die Veranstalter alles Kerlchen von vier bis zehn Jahren gewesen seien und daß auch der Höchstkommandierende, der das Ganze leitete, zehn Jahre alt gewesen sei. Zwei „Unteroffiziere“ der Ortskompagnie teilen uns berichtigend mit, daß sie keine Kerlchen von vier bis zehn Jahren seien, sondern daß der jüngste sechs Jahre alt ist. Der Herr Oberst sei auch nicht zehn Jahre alt, sondern 15 Jahre, und die Jungen, die auf den Rädern gesessen hätten, wären 12 Jahre alt. Trotzdem die Herren Unteroffiziere nicht mit dem Preßgesetz gedroht haben, halten wir uns zur Berichtigung verpflichtet. Recht muß Recht bleiben.
(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)
Reicher Obstertrag. Der wirt Wilhelm Werker, Hatschiergasse 6, hat in seinem Garten von einem Baum Birnen geerntet, die meist über 500 Gramm das Stück wiegen, eine erreichte sogar ein Gewicht über 600 Gramm.
Vernagelungsfigur. Daß unsere Feldgrauen an allen Ereignissen und Fragen, die ihre Heimat betreffen, regen Anteil nehmen, beweist eine an uns gerichtete Zuschrift, in der mehrere Bonner Feldgraue den Vorschlag machen, zur Benagelung ein Standbild irgend eines der bekannten Bonner Originale aus früherer Zeit zu wählen.
(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)