Bonn 1914-1918
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    • November 1918
    • Dezember 1918
  • Literatur
    • Sachbücher
    • Belletristik
  • Textbeiträge
    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
      • -- Bilder
      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
  • Exkursionen
    • Verdun
    • Somme
    • Champagne
    • Marne
    • Dolomiten
    • Vogesen
    • 1918

Samstag, 26. September 1914

Das deutsche Große Hauptquartier wird am Vortag von Luxemburg ins französische [Charleville-] Mézières verlegt.
Am 26. September 1914 wird August Macke in einem Gefecht bei Perthes-lès-Hurlus in der Champagne tödlich verwundet.

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. September 1914Obernier-Museum. Das städtische Museum, das in den unruhigen Zeiten der Mobilmachung geschlossen wurde, hat von morgen an seine Pforten wieder geöffnet. Zugleich bringt es Neuheiten zur Ausstellung. So sieht man in der Schwarz-Weiß-Sammlung eine Anzahl schöner Radierungen des bekannten Worpsweder Malers Hans am Ende. (...) Besondere Beachtung verdient auch die weitere Ausgestaltung des Arndt-Zimmers. Hier bringt der Verein Alt-Bonn eine wertvolle Gabe aus dem Nachlasse des Bildhauers Bernhard Afinger, des Schöpfers unseres Arndt-Denkmales. Man sieht zwei besonders gute Arndtbilder, welche bisher noch unbekannt waren, ferner eine Anzahl von Erstdrucken der berühmten Arndtschen Schriften und Werke, die ja in diesen Tagen eine ganz besondere Bedeutung bekommen haben.

Städtisches Orchester. Die beliebten Stadthallen-Konzerte nehmen am Sonntag wieder ihren Anfang. Die Orchester-Kommission hat in ihrer Sitzung am 24. d. M. beschlossen, diese Konzerte für die Folge Mittwochs- und Sonntags nachmittags stattfinden zu lassen.

Der Komet Delavan ist in den jetzigen Nächten sichtbar. Man kann ihn, fast mit bloßem Auge, sehen unterhalb des Sternbildes des Großen Bären. Der Schweif ist strahlig und von der Sonne weggerichtet.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. September 1914Englische Flieger in Köln? Der englische Korrespondent der Morning Post an der deutschen Grenze meldet, die britischen Flieger seien zuerst zu den vorgeschobenen Posten an der Grenze geflogen, dann hätte sich eine Abteilung von ihnen getrennt, um nach Köln zu fliegen. Letztere kreuzte neunzig Minuten über Köln, welches dichter Nebel einhüllte. Sie fürchteten Bomben aufs geradewohl abzuwerfen aus Besorgnis, Kirche und privates Eigentum zu beschädigen. Da sie sich außerstande sahen, die Zeppelinlufthalle festzustellen, kehrten sie zurück. (...)

Herbst. Das Barometer fiel in der vergangenen Nacht auf 3 Grad C. über Null. Auf den Höhen liegt Reif.

Ein Königshusar, der Landwehrmann „Anton“ aus Bonn, schickt uns aus dem Felde einen längeren poetischen Gruß. (...) Freudig teilt der Landwehrmann mit, daß sie auch die Landwehr und die Reserve der 160er aus Bonn angetroffen hätten. Zum Schluss bestellt er allen Bonnern einen herzlichen Gruß von ihren Königshusaren und sagt dazu:

Drum liebe Bonner seid vergnügt,
Denn hier im Westen wird gesiegt.

Die städtischen Rheinbadeanstalten sind seit Mittwoch geschlossen.

Die Post und die Liebesgaben.Vom Kaiserl. Postamt erhalten wir folgende Mitteilung: In der Presse wird behauptet, daß die Feldpost bei der Beförderung von Liebesgaben versage. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen, daß die Einrichtungen der Feldpost in erster Linie auf die Beförderung von Nachrichten sowie von Geldsendungen berechnet sind, und daß die zwischen Post- und Militärverwaltung vereinbarte Feldpostdienstordnung, die die Grundzüge für die Gestaltung des Feldpostbetriebes enthält, den Feldpostdienst dementsprechend regelt. Die Einrichtungen der Feldpost kommen daher für die Beförderung von Liebesgaben in Massensendungen überhaupt nicht in Frage. Genau so ist es schon 1870/71 gewesen, so daß auch hier der jetzt so beliebte Hinweis, daß es um die Feldpost vor 44 Jahren besser bestellt gewesen sei, nicht zutrifft. Auch schon damals sind die Massensendungen an Liebesgaben durch die Eisenbahn befördert worden, nicht durch Post. Die Postverwaltung hat vielmehr Herbst 1870 die Zurückweisung aller Sendungen angeordnet, die nach Form und sonstiger Beschaffenheit, besonders auch mit Rücksicht auf den Inhalt, sich zur Beförderung mit der Briefpost nicht eignen. Dabei betrug während des ganzen Feldzugs 1870/71, von kurzen Abweichungen abgesehen, das Meistgewicht für die Feldpostbriefe nur 4 Lot oder 66 Gramm, also nur den vierten Teil des jetzt zugelassenen Meistgewichts.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 26 September 1914Die Verkaufspreise von Lebensmitteln müssen wie bereits mitgeteilt, in den Läden und nach außen sichtbar bekannt gegeben werden. Entsprechende Plakate sind in unserer Geschäftsstelle zu haben.

Beerdigung. Unter großer Beteiligung wurde am Donnerstag, d. 24. September der Landwehrmann Michael Bambler aus Poppelsdorf, der an schwerer Verwundung gestorben war, dort auf dem Friedhof als erster gefallener Krieger beerdigt. Mehr als 100 verwundete Soldaten gaben mit ihren Vorgesetzten dem verstorbenen Kamerad das letzte Geleite. Der Poppelsdorfer Allgemeine Militärverein schritt mit umflorter Fahne vor dem Leichenzug. Die Fahne wurde von einem Veteranen getragen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Das feindliche Ausland in Bonn

In den erste Tagen nach dem Kriegsausbruch wurde auch hier verschiedentlich auf Ausländer Jagd gemacht, die sich irgendwie verdächtig gemacht hatten. Auch manchen Unschuldigen traf damals das Missgeschick. Was aus manchem Schuldigen geworden ist, mag wohl erst später bekannt werden. Zweifellos hat aber manchen Schuldigen die nur zu verständliche Empörung des Volkes nicht erreicht. Jetzt noch fragt sich mancher, was beispielsweise aus den Russen geworden ist, die solange in einem Hotel am Markt gewohnt und beim Ausbruch des Krieges verschwanden. Sie mögen harmlos gewesen sein. Mir persönlich waren sie stets verdächtig. Ich habe nie begreifen können, wie diese Damen eine solche Rolle spielen konnten. Die abenteuerlichsten Gerüchte waren über sie im Umlauf. Die Polizei, die alles weiß, muß aber genau über sie unterrichtet gewesen sein. Es wurde bekannt, daß gegen die Damen, die in Bad Nauheim weilen sollten, absolut nichts vorliege. Mag sein. Der ein oder andere aber glaubt heute noch, daß auch sie Spionage getrieben, wenn auch nicht direkt, aber vielleicht doch durch bezahlte Agenten, die sie leiteten. Sicheres ist ja nichts über sie bekannt geworden. Aber vielen es doch für ein Glück, daß sie nicht mehr hier sind.

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 26 September 1914Gegenwärtig murrt man in vielen Kreisen recht vernehmlich gegen eine andere Persönlichkeit, die eine geachtete Stellung einnimmt und, wie vermutet wird, sich, obwohl Ausländer – Franzose – deshalb noch immer frei und ungehindert hier bewegen kann. Es handelt sich um den Lektor der französischen Sprache an der hiesigen Universität, Professor Dr. Eugen Gausmez, dessen Sohn aktiver Leutnant in der französischen Artillerie ist. Es heißt, seine Mutter habe ihm mit Enterbung gedroht, wenn er den Sohn nicht in der französischen Armee lasse. Das mag für ihn bestimmend gewesen sein. Aber für uns ist ein derartiger Zustand beunruhigend. Es ist ja kaum anzunehmen, daß er, während sein Sohn französische Truppen gegen unsere Jugend führt, auf den Gedanken kommt, den Katheder einer deutschen Universität besteigen zu wollen, um deutschen Zuhörern Vorträge zu halten. Aber man sollte meinen, seines Bleibens könnte hier auch nicht mehr sein. Wir sind ja, wie seine Landsleute sagen, „Barbaren“. Während seine Landsleute und die mit ihnen verbündeten Engländer alle Deutschen, Oesterreicher und Ungarn ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht und gesellschaftliche Stellung, ja selbst ohne Rücksicht auf ihre geistige Bedeutung, gefangen halten und viele zu knechtischen Arbeiten zwingen, lassen wir Angehörige aus Feindesland, die sich unter uns bewegen, unbehelligt. Wie sich das für „Barbaren“ so gehört. Aber auch Barbaren können auf den Gedanken kommen, daß Angehörige der gegen uns kämpfenden Truppen hier doch manches ausspionieren und verraten können. Ich weiß nicht, ob der Polizei die Verhältnisse bekannt sind. Hier werden sie in vielen Kreisen ganz offen und nicht ohne Erregung besprochen. Es würde wesentlich zur allgemeinen Beruhigung beitragen, wenn hier bald Klarheit geschaffen würde. Jedenfalls habe ich mich für verpflichtet gehalten, öffentlich zur Sprache zu bringen, was viele beunruhigt und empört.

(Volksmund, aus einem mit „Urban" gezeichnetem Artikel in der Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)

Sonntag, 27. September 1914

 

Städtisches Gymnasium. Von den Lehrern der Anstalt, die zu Fahne einberufen wurden, hat Herr Oberlehrer Dr. Hartke das Eiserne Kreuz erhalten; Herr Oberlehrer Dr. Raders ist den Tod fürs Vaterland bei Longwy am 25. August gestorben. In einer kurzen Ansprache an Lehrer und Schüler gedachte Herr Direktor Dr. Diepmann der beiden Vaterlandsverteidiger.

Der Flottenverband Jungdeutschland veranstaltet heute Vormittag, 11 ½ Uhr, im Hörsaal des Akademischen Kunstmuseums einen Vortrag, in dem Herr Referendar Krummacher über „Unsere Flotte und ihre Gegner“ (Stärkeverhältnis, Kampfesmöglichkeit, bisherige Kämpfe) sprechen wird.

Der botanische Garten steht für die Verwundeten zu jeder Tageszeit offen. Der Eingang ist von der Meckenheimer Allee aus.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

Aus dem Feldpostbrief eines Bonners entnehmen wir:

Anzeigen im General-Anzeiger vom 27. September 1914L ….., 9. Sept. 1914

Mir geht es sehr gut. Augenblicklich habe ich noch neun Sektflaschen vor mir stehen – aber auf Dein Wohl getrunken! - Wie wir hier leben, will ich Dir einmal schildern: Liegen jetzt 190 Kilometer vor Paris. Die nächste Stadt ist C., 6 Kilo­meter weit von hier entfernt. Das Schloß, wo ich mich befinde, ist ein sehr feines Ding. Die Einrichtung ist großartig. Diese Woche haben wir schon ein Schwein und einen Ochsen geschlachtet. Ich war am Montag in C... Dort waren sämtli­che Läden offen. Jeder holte sich, was er brauche. Kamen an einem großen Warenhaus vorbei, und unser Hauptmann sagte, was wir eben brauchen könn­ten, sollten wir requirieren. Die feinsten Konserven und Liköre fielen uns in die Hände. Alles was nur zu denken ist. Fisch- und Fleischkonserven; es waren Do­sen dabei, wo jedes Stück 4 – 5 Frcs. kostete. Militärschuhe ziehen wir keine mehr an, haben fast alle gelbe Schnürstiefel und Gamaschen, wie die Herren Offiziere. Jede Woche werden reine Hemden und Unterhosen angezogen, alles neu. Strümpfe brauche ich vorläufig keine, habe ein halbes Dutzend ganz neue, alles franz. Ware. Unsere Mittagsmahlzeit ist Rindfleisch, Suppe, Kartof­feln und Gemüse, eingemachte Gurken und sonstige Sachen. Abends entweder Kaffee, Tee oder Wein mit Fleisch. Bei uns sieht man nicht, daß wir im Krieg sind. Es vergeht kein Tag, daß wir keinen Wein trinken. Nur eines fehlt uns, nämlich zu rauchen. Dies ist nicht mehr zu haben. Es sind Leute hier, die geben 50 Pfg. für eine Zigarre oder Zigarette. Sogar die Offiziere fragen die Mann­schaften, ob sie nichts zu rauchen haben. Am meisten freut es mich, daß ich Dein Bild habe, wofür ich Dir bestens danke. --- Unser Stand ist bis jetzt sehr gut. Die franz. Infanterie ist fast ganz vernichtet. Nur die Artillerie steht noch im Gefecht. Bin verschiedene Male dicht an unserer Schützenlinie gewesen. Die Kugeln summten uns über die Kopf, aber es hat bis jetzt noch immer gut gegan­gen. Vergangene Nacht mußten wir im Lastauto zum Geschoß holen, da der Transport mit den Pferden nicht schnell genug ging, weil der Geschoß-Vorrat für die Artillerie zuende ging. - Muß einen Augenblick mit Schreiben aufhören, da wir alle antreten müssen. - Eine große Ueberraschung für uns: nämlich Seine Majestät der Kaiser hat uns einen Besuch abgestattet und sah eben, daß noch Mannschaften von uns am essen waren und bat um eine Kostprobe, die ihm vorzüglich schmeckte, und er noch einmal zur Küche ging und etwas holte. Er unterhielt sich mit jedem, den er sah, fragte ihn, wo er her sei usw. Mich hat er noch Verschiedenes über Bonn gefragt, und ob ich schon verheiratet wäre. Habe ihm die Fragen beantwortet. Hatte eben die Karte von Dir auf dem Tisch liegen, wo ich nämlich am schreiben war. Seine Majestät nahm Dein Bild vom Tisch und frug, ob das meine Braut sei, was ich bejahte, frug, wo Du her wärst, wo ich Dich kennen gelernt hätte, und ob wir bald heiraten wollten. Sollte Dich vielmals grüßen und machte noch etwas Scherze dabei. Er schläft diese Nacht hier im Schloß. Wir können froh sein, daß wir den Krieg nicht in unserem Land haben, denn solche Verwüstung, wie hier ist kaum glaublich. Ganze Häuser und Dörfer sind in Brand geschossen und den Bauern ist die ganze Ernte verdorben. Habe viele Bekannte getroffen, die verwundet waren. Frankreich ist doch nicht so weit vorgeschritten wie Deutschland. Die Straßen, Eisenbahnen und die ganze Bauart sind weit zurück. Sehr schmutzig ist es in Frankreich, auch die Weiber und Kinder. In manche Häuser ist man zu bange einzutreten, wenn man schon das Aeußere von den Häusern sieht. Dahingegen findet man in den besseren Häusern überall Seide, ganze Kisten mit Toilettesachen usw. Will nun mein Schreiben schließen. Mit dem Wunsche, recht bald wieder in Deiner Nähe verweilen zu können usw.

Dein Lambert

In den Rhein gesprungen. Am Samstag morgen sprang unterhalb der Rheinbrücke ein Mädchen von hier in den Rhein und ertrank. Die Leiche konnte bislang nicht geborgen werden.

 Wegen Beleidigung wurde am Samstag ein Fabrikbesitzer aus Hangelar von der Strafkammer zu 20 Mk. verurteilt. Der Angeklagte hatte mit Bezug auf einen Kommunalbeamten die Aeußerung gebraucht, er habe die Gemeinde um die Steuern betrogen.

Zeitungen für unsere Soldaten. Unserer im Felde stehenden Soldaten hat sich ein gewisser Heißhunger nach Zeitungen bemächtigt. Sie wünschen Nachrichten aus der Heimat und wollen einen Ueberblick gewinnen über die Lage des Krieges, denn sie können, trotzdem sie mitten im Kampfe stehen, nur einen winzigen Ausschnitt des Ringens überschauen. Namentlich wissen sie nicht, was draußen auf der See und in unseren Schutzgebieten vor sich geht. Die Zeitung ist das unschätzbarste Gut für den heutigen Soldaten, unentbehrlich, wie Speise, Trank und Schlaf. Sie ist ihm ein Stück Vaterland, für das er kämpft, ein Gruß aus den Verhältnissen und Zuständen, aus denen er stammt und nach denen er sich zurücksehnt, sie verbindet ihn mit der Heimat, und die Heimat mit ihm, sie stärkt und belebt ihn wie eine erquickende Mahlzeit.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Der Transport der in Bonn ankommenden Verwundeten

findet teils durch die Sanitätskolonne und Feuerwehr, teils durch die für die Dau­er des Krieges unter Leitung von Rittmeister a.D. Weyermann neugebil­dete Krankenträger-Kolonne statt, der etwa 200 Bürger unserer Stadt angehö­ren. So­wohl sie als die Sanitätskolonne unterhält auf dem Güterbahnhof eine ständi­ge Wache; dem Wachhabenden der Krankenträgerkolonne sind außer­dem eine An­zahl Radfahrer beigegeben. An jedem Tage wird dem Wachhaben­den durch Sa­nitätsrat Dr. Gudden, der die Verteilung der ankommenden Ver­wundeten an die einzelnen Krankenhäuser, Kliniken und sonstigen zu Lazaret­ten eingerichte­ten Anstalten in der Hand hat, ein Verzeichnis der Betten zuge­stellt, die an dem be­treffenden Tage in sämtlichen genannten Häusern frei sind. Wird nun gemel­det, daß mit irgend einem fahrplanmäßigen Zug ein oder meh­rere Verwundete an­kommen, so entscheidet der Wachhabende, wo sie unterzu­bringen sind, tele­phoniert an die betreffenden Stellen und läßt die Verwundeten auf dem Haupt­bahnhof durch Krankenträger evtl. mit Bahren und Wagen oder Autos, deren mehrere von ihren Besitzern gütigst zur Verfügung gestellt wor­den sind, abho­len. Wird die Ankunft eines ganzen Zuges voll Verwundeter, die dann auf dem Güterbahn­hof erfolgt, gemeldet, so werden, wenn es sich um Leichtverwundete handelt und der Transport nicht gerade mitten in der Nacht eintrifft, zunächst Sanitätsrat Gudden und einige Kolonnenführer antelephoniert, sowie die Ver­waltung der elektrischen Bahnen, der städtische Fuhrpark und die Feuerwehr benachrichtigt. Die ersteren schicken dann einige Züge elektrischer Wagen, die auf der Viktoria­brücke halten, während die vom Fahrpark bespann­ten Wagen, das Auto der Feu­erwehr und andere zur Verfügung stehende Autos unmittelbar am Güterschup­pen vorfahren. Die Leichtverwundeten werden erst erfrischt, evtl. auch neu ver­bunden und dann sofort durch die verschiedenen eben ange­führten Beförde­rungsmittel in die einzelnen Lazarette gebracht, die selbstver­ständlich vorher te­lephonisch benachrichtigt worden sind. Nur wenn Leichtver­wundete nach 12 Uhr nachts eintreffen, werden sie bloß verpflegt, dann aber, um ihnen möglichst Ruhe zu gönnen und andererseits die in den La­zaretten, in die sie gebracht wer­den müßten, schon schlafenden Verwundeten nicht zu stö­ren, für den Rest der Nacht auf dem Güterbahnhof selbst unterge­bracht. In der Halle der Eilgüterex­pedition wird zu diesem Zweck Stroh aus­gebreitet, werden die sämtlichen vor­handenen Matratzen hingelegt, die Trag­bahren aufgestellt und wird zu jeder Lagerstätte eine Decke und möglichst ein Kopfkissen gege­ben. Reicht der Eilgü­terschuppen nicht zu, so wird auch noch der Keller des großen Güterbahnhofsge­bäudes hinzugenommen, unter dem man sich aber nicht irgend­wie dumpfe oder feuchte Räume vorstellen darf: es handelt sich tat­sächlich um hohe, luftige und völlig trockene Hallen, die außer­dem noch einmal gereinigt und hoch mit Stroh belegt worden sind. Entschuldi­gen sich die Kran­kenträger doch, weil es eben ein paar Stufen hinunter geht, bei den Verwunde­ten, daß sie hierhin geführt werden, so antworten diese: O wir sind froh, wenn wir in einem trockenen und warmen Raume liegen, und in der Tat: kaum hat man sie zur Ruhe gebracht, so schlafen sie, ebenso wie ihre Kameraden im Eil­güterschuppen, als lägen sie im weichsten Bett. Schwerver­wundete werden na­türlich gleich in die betreffenden Lazarette überführt; sie kommen aber zumeist nur bei Tage an. Wird ein ganzer Transport solcher ange­meldet, so wird zu­nächst wieder Sanitätsrat Gudden benachrichtigt und je nach der Zahl der Ver­wundeten ein Teil oder die Gesamtheit der Krankenträger alar­miert, sei es durch Telephon, sei es durch Radfahrer. Die Verwaltung der elektri­schen Bah­nen wird in diesem Fall um die Entsendung von Wagen gebeten, aus denen die Bänke herausgenommen sind; sie halten wieder auf der Viktoria­brücke, so daß die Verwundeten auf Bahren nur bis dorthin getragen zu werden brauchen und dann in die Wagen – in jedem 4, 5 oder 6 – gehoben werden können. Dann fah­ren die betreffenden Züge mit sämtlichen Trägern unter Lei­tung eines Kolon­nenführers langsam nach dem Krankenhaus, in das die Ver­wundeten kommen sollen; hier werden die Bahren mit den Verwundeten wieder herausge­hoben und bis vor das betreffende Bett getragen. Wie tadellos dieser gan­ze Ap­parat funktioniert, wurde letzten Sonntag auch von dem, einen Transport beglei­tenden, Stabsarzt ausdrücklich anerkannt. Derselbe bemerkte zu dem hiesigen Generaloberarzt Dr. Jäger, er habe auf allen Transporten, die er bisher leitete, noch keine Stadt gefunden, in der die Beförderung der Verwundeten mit einer solchen Vorsicht und zugleich einer solchen Schnelligkeit geschähe, wie hier in Bonn. Die Angehörigen unserer braven Soldaten können also überzeugt sein, daß auch in dieser Beziehung für die Verwundeten, die hierher kommen, aufs Beste gesorgt wird.

 Die Stadt Bonn gewährt den Angehörigen der zum Kriegsdienst eingezogenen städtischen Arbeitern bis auf weiteres folgende Beihilfen: Der Ehefrau 25 Prozent, den ehelichen und den ehelich gleichstehenden Kindern unter 15 Jahren 6 Prozent, zusammen höchstens 50 Prozent des zuletzt bezogenen Lohnes des Einberufenen ohne Zulage der Ueberstunden. Für die rückliegende Zeit kommt die von der Stadt bereits gezahlte Unterstützung auf die Beihilfe in Anrechnung. Die reichgesetzliche Familienunterstützung wird auf die Beihilfe nicht angerechnet. Betragen die Beihilfe und die reichsgesetzliche Unterstützung zusammen mehr als zwei Drittel des zuletzt gezahlten Lohnes des Einberufenen, wird die Beihilfe entsprechend gekürzt. Die Beihilfe kann auch in Form von Mietentschädigung oder in Naturalien geleistet werden.

 Kegelbrüder unter sich. Zwei Beueler Kegelbrüder gingen nach beendetem Kegelspiel zusammen nach Hause. – Unterwegs gerieten sie in Streit, wobei der stärkere den anderen Kameraden derart verprügelte, daß es einige Rippenbrüche absetzte. Das Schöffengericht erkannte gegen den Mann eine Gefängnisstrafe von vier Monaten.

Zutritt verboten. Ein Fuhrmann aus Walberberg hatte im Wald eine Schonung betreten, deren Zutritt verboten war. Als ein Forstbeamter den Eindringling zurechtwies, widersetzte sich dieser und griff den Förster an. Die Bonner Strafkammer verurteilte ihn deshalb zu einer exemplarischen Strafe von drei Monaten und einer Woche Gefängnis. Der Angeklagte hat bereits mehrere Vorstrafen aufzuweisen.

Bonner Krankenpflegerinnen in Belgien. Auf Anforderung des Gouvernementsarztes in Brüssel entsandte der Vaterländische Frauen-Verein Stadtkreis Bonn heute morgen 10 feldmäßig ausgerüstete Schwestern nach Belgien. Möchten die Schwestern manchem Verwundeten, manchem Kranken Hilfe und Erleichterung der Leiden bringen!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 28. September 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1914Warme Untersachen für die Truppen. Der Kriegsausschuß Berlin, Reichstag, macht bekannt: Am 1. Oktober werden besondere Wagenzüge von Berlin abgelassen. (...) Die Wagenzüge werden nach den Weisungen der Militärbehörde zu den Armeen geleitet. Sie nehmen vorbereitete starke Kraftwagen, nicht Lastmobile mit, welche für die Verteilung rückwärts der Heeresteile Sorge tragen. Die (...) abgehenden Wagenzüge, zu denen während der Fahrt die von den Provinzialdepots des Roten Kreuzes Potsdam, Magdeburg, Hannover, Kassel, Schleswig, Altona, Münster i.W., Frankfurt a.M., Koblenz, Köln, Stettin, Danzig usw. vorbereiteten Wagen stoßen, werden von sachverständigen Mitgliedern des Kriegsausschusses begleitet. (...)

Ein Zug von Verwundeten kam gestern hier an. Es waren ungefähr 400, teils schwer, teils leicht verwundet. In das Reservelazarett III (Beethovenhalle) wurden ungefähr 70 eingeliefert.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

 

Ein größerer Verwundetentransport traf gestern vormittag hier ein. Die Verwundeten wurden in die hiesigen Lazarette und das St. Josefshospital nach Beuel gebracht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1914Ein Radrennen zu Gunsten der Kriegshilfe der Stadt Bonn veranstaltete gestern auf dem städtischen Sportplatz die Radfahrer-Vereinigung Bonner Fernfahrer. Der Besuch hätte mit Rücksicht auf den guten Zweck der Veranstaltung besser sein dürfen. (...) Jeder beteiligte Fahrer erhielt als Anerkennung dafür, daß er sein Können in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt hat, ein Ehrendiplom.

Zwei große Verwundetentransporte kamen am gestrigen Sonntage in Bonn an und wurden in einzelnen Lazaretten verteilt. Der Transport schien direkt vom Schlachtfelde zu kommen, da die Verwundeten noch mit den ersten Verbänden versehen waren. – Verschiedene Franzosen, welche sich unter ihnen befanden, wurden nach Köln weitertransportiert.

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 28. September 1914Fußballspiele zum Besten des Roten Kreuzes. Das zweite Wohltätigkeitsspiel des Bonner Fußballvereins gegen Kölner Ballspielklub verlor Bonn mit 8:4 Toren. Beide Mannschaften waren durch Ersatzleute sehr geschwächt, wodurch der Bonner Fußballverein am meisten beeinflusst wurde. In der ersten Spielhälfte waren die Leistungen gleichwertig. Beide Mannschaften gaben ihr bestes her, sodaß vor beiden Toren spannende Momente entstanden. Mit dem Torverhältnis 4:4 wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Hälfte hatte Köln meist die Oberhand, da Bonn nur mit 10 Leuten spielte. Kölns Stürmer, ein besseres System wie diejenigen Bonns verfolgend, erzielten bis zum Schluß noch 4 Tore. Bonns Stürmer, gute Einzelleistungen zeigend, jedoch häufiges und rechtzeitiges Zuspielen verpassend, vermochten trotz den größten Anstrengungen keinen Erfolg mehr zu erzielen. – Die Zuschauerzahl war in Anbetracht des guten Zweckes nicht sonderlich groß.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 29. September 1914

 

Wie rüsten sich unsere Hausfrauen in den Kriegszeiten gegen Nahrungsmittelnot? Der von den hiesigen Frauenvereinigungen veranstaltete Vortrag des Herrn Dr. Junge wird heute abend 8¼ wiederholt.

Fußballspiel. Zum Besten des Roten Kreuzes fochten der Bonner Fußball-Verein und der Kölner Ballspielklub ein Ligawettspiel aus. Das Spiel fiel zugunsten der Kölner aus mit 8:4.

Ein Zug mit Verwundeten kam gestern wieder hier an. Sie wurden den einzelnen Lazaretten überwiesen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

 

Gehört Shakespeare in den Spielplan der deutschen Bühnen? (...) Eines steht für alle fest. Der Spielplan mußte zeitgemäß sein. Er mußte also Stücke bringen, die dem Ernst und der Größe unserer Gegenwart einigermaßen gerecht wurden. Und der Spielplan sollte zugleich deutsch und national sein. Die bekannte Ausländerei mußte also aus dem Spielplan der deutschen Bühnen ausgemerzt werden. (...) Da erhob sich die Frage: Darf man Shakespeare spielen? Viele sagen ja, manche entschieden sich für nein. Die Meinung der einen schien richtig, die der anderen konsequent. Aber man sollte es lieber mit denen halten, die ja sagen und damit das Richtige treffen. Schon deswegen, weil Shakespeare für uns alle wirklich so etwas wie ein deutscher Dichter geworden ist. Oder, wie Heine einmal sagt, weil es kein Mensch begreifen kann, daß Shakespeare ein Engländer ist.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus Kunst, Wissenschaft und Leben ")

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 29. September 1914Sammelfässer. Zu den bereits aufgestellten Sammelfässern sind am 27. September noch drei gekommen, und zwar in Endenich, Poppelsdorf am Jägerhof und Ecke Reuterstraße und Jagdweg. In den neun Sammelfässern wurden am 28. September vorgefunden: 800 Zigarren, 687 Zigaretten und 136,90 Mark bar. Im Ganzen wurden vom 14. bis einschließlich 28. September gesammelt 4.993 Zigarren, 4.163 Zigaretten und 915,78 Mk. bar.
Zu dem Liebesgabentransport am 24. September konnten beigesteuert werden 18.000 Zigarren, 3.400 Zigaretten, Kautabak und sonstige kleine Sachen. Von den vorgefundenen 15 Paar Pulswärmern war nur ein Paar zweckentsprechend. Nähere Auskunft hierüber wird gern erteilt Gangolfstraße 3, 1. Stock, Dienstags und Freitags von 4 – 6 Uhr nachmittags. Die Ohrwärmer „für einen braven Soldat von Klärchen“ waren tadellos.
Dankenswerter Weise hat die Schulbehörde der Jugend, die sich oft in unliebsamer Weise an den Fässern zu schaffen macht, eine nachdrückliche Warnung erteilt. Auch Eltern sollten zum Vorteil unserer braven Truppen dasselbe tun. Im Uebrigen werden die Sammelfässer wiederholt dem Schutze der Bürgerschaft empfohlen. Allen Gebern verbindlichsten Dank.

Kastanienregen. Gestern Mittag – der Barometer hatte seit einigen Stunden eine ziemlich jähe Kurve nach unten beschrieben – erhob sich ein mächtiger Sturm und wühlte und rüttelte in den Baumkronen der alten Kastanienbäume im Hofgarten, im Baumschulwäldchen und besonders in der Poppelsdorfer Allee. Gleich allen anderen Bäumen in diesem, leider nur von der Natur, gesegneten Jahre hängen auch die Kastanien heuer übervoll Früchte. Die Sonne hatte sie an den warmen, milden Herbsttagen heranreifen lassen, ohne daß noch die Bonner Jungens sich ihrer übermäßig angenommen und sie mit Stein und Knüttel heruntergeholt hätten. Das besorgte gestern Mittag und noch im Laufe des Nachmittags gründlich der Sturm. Wie Hagel so dicht, oder wie ein verwundeter Soldat ausrief, so dicht wie die französischen Schrapnellkugeln bei Sedan, fielen die stacheligen Früchte aus den Baumkronen. Sie schlugen klatschend auf die Wege, zerplatzten und streuten tatsächlich, wie Schrappnells es mit den Kugeln machen, die glänzenden Kastanien umher. Wen solch ein Geschoß auf den Schädel traf, rieb sich schimpfend die Stelle, die Jungens aber und Mädchen und auch noch genug Alte freuten sich des Kastanienregens und sammelten Taschen, Körbe, Kannen, Essgeschirre voll.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Liebesgaben. Bei der Absendung von Liebesgaben, die durch Automobile bewirkt werden, ist es nötig, daß solche Liebesgaben nicht allein nach Frankreich, sondern auch unseren braven Soldaten, die in Russland stehen, zugeführt werden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich bitten, darauf hinzuwirken, daß die Feldpost Pakete bis zu drei oder vier Pfund befördert. Dann könnte jeder Angehörige den Soldaten im Felde ein Paket zuschicken und warme Unterkleider, Tabak, Zigarren usw. selbst besorgen. Hoffentlich geht es dann diesen Postsendungen nicht ebenso, wie so sehr vielen Feldpostsendungen. Einer für Viele.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Ein Feldpostbrief eines aktiven 68er [6. Rheinisches Infanterie-Regiment Nr. 68] aus Bonn wird uns zur Verfügung gestellt; er schreibt u.a.:

16.9.14. Seit 3 Tagen liegen wir nun schon wieder hier mit den Franzmännern im Kampfe, haben hierin schon sehr große Erfolge erzielt gehabt. 800 Mann Gefangene, 1 Abt. Maschinengewehre und 1 Abt. Jäger vernichtet und dann wieder 1 ganze Batterie Artillerie und 1 ganzes Bataillon gefangen genommen. Ferner französische Kavallerie aufgerieben. – In der vorgestrigen Nacht versuchten die Franzosen hier mit 2 Regimentern Infanterie einen Durchbruch gegen ein Bataillon von uns. Wir ließen sie bis auf 10 Meter herankommen, gaben dann ein Salvenfeuer ab, worin uns 4 Maschinengewehre unterstützten und Ihr hättet sehen sollen, wie wir die Rothosen auf dem Laufenden hielten. In Zeit einer Viertelstunde war nichts mehr von ihnen zu sehen. Also, es war trotz dem Ernste der Sache zum krank lachen. – Gestern lagen wir in Stellung in schwer verschanzten Schützengräben und erhielten über eine Stunde Artilleriefeuer. Wir hatten viele Verwundete und Tote. F.D. erhielt auch einen Granatsplitter ins Bein. Während dieser Stunde haben wir mit dem Gesichte auf der Erde gelegen, den Tornister über dem Kopfe und fast alle waren laut am beten. Froh war ein jeder und alles atmete auf, als das Feuer endlich aufhörte. Gott sei Dank bin ich noch bis heute mit heiler Haut davongekommen und hoffe ich auch für die Zukunft das Beste. – Wenn es eben möglich ist, dann schickt mir doch etwas Zigaretten, denn Ihr glaubt gar nicht, wie wir darnach schmachten. Von Liebesgaben hört und sieht man hier nichts. Ein Paketchen mit Zigaretten von Euch habe ich erhalten und den Jubel von uns hättet Ihr mal hören sollen. Nach Paris wird unser Korps wohl leider nicht kommen, wie man hört, sonst sind wir aber noch fidel usw.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 30. September 1914

 

Zentralstelle für Liebesgaben in Bonn. In den oberen Räumen der Lese ist vom Vaterländischen Frauenverein in segensreichem Zusammenwirken mit dem Roten Kreuz die Bonner Hauptsammelstelle für Liebesgaben eingerichtet worden. Der lange, schmale Raum, der in den friedlichen Zeiten geselliger Vergnügungen zur Aufbewahrung von Mänteln und Hüten diente und deshalb auf gut Deutsch „Garderobe“ genannt wird, ist nun zum Lager- und Vorratsraum geworden. Da sieht man auf dem langen Tisch ganze Berge von wollener Wäsche aufgestapelt. Vor allem warme Socken und Unterkleider. Aber auch sonst sieht man noch allerlei Dinge, die in irgendeiner Weise für den Krieger im Feld oder die Verwundeten in den Lazaretten brauchbar und dienlich sein können. Sogar Vorhänge und Teppiche werden geschenkt und finden gute Verwendung. Für die Liebesgaben-Transporte an die Front sieht man allerhand Eß- und Trinkbares und vor allem die ersehnten Zigarrenkisten in einer stattlichen Sammlung angehäuft. (...) Ein zweiter Saal ist in eine Art Fabrikraum umgewandelt. Hier werden die Stoffe für Wäsche von kundigen und fleißigen Händen zugeschnitten, um dann an bestimmten Tagen zur Verarbeitung an bezahlte Arbeitskräfte hinausgegeben zu werden. Viele, viele Dutzende von Kissen, Lazaretthemden u.a. Wäschstücken liegen hier bereit, um an die Lazarette verteilt zu werden.

Papier gegen Kälte. Ein Veteran von 1870/71 weist auf die bekannte wärmende Wirkung von Papierhüllen hin: „Ein altes, aber verhältnismäßig wenig angewandtes Mittel gegen Erkältung liefert uns das Papier. Selbst Veteran, der auf dem Feldzug 1870/71 mitmachte, habe ich durch auf Brust und Rücken getragenes Zeitungspapier jede Erkältung ferngehalten. (...) Gegen kalte Füße empfiehlt es sich, die Füße über den Strümpfen mit Papier einzuwickeln. Da Papier überall zu haben ist, so glaube ich, meinen Kameraden mit dieser Anregung einen guten Dienst zu erweisen.“

Der Vorstand der Kinderheilanstalt Bonn in Godesberg hat auf Antrag des Garnisonslazaretts beschlossen, die Kinder bis auf weiteres zu entlassen und die Anstalt als Lazarett für verwundete Krieger zur Verfügung zu stellen, wozu die großen Räume und der schattige Garten geeignet wären.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1914Für unsere geschädigten ostpreußischen Landsleute. Wie uns die Beamten der Königlichen Güterabfertigung mitteilen, soll in den nächsten Tagen eine Wagenladung Gebrauchsgegenstände für die schwer geschädigten Bewohner von Ostpreußen abgesandt werden.
Um die Sendung möglichst umfangreich zu gestalten und den Wagen ausnutzen zu können, wird höflichst gebeten, noch sofort entbehrliche Gebrauchsgegenstände zur Abholung anzumelden.
Gegenstände, die in manchen Familien überzählig vorhanden sind, würden unseren schwer geschädigten Brüdern in Ostpreußen gute Dienste leisten. Anmeldungen werden erbeten an Obergütervorsteher Honderich.

Für Ostpreußen. In der Zeit vom 20. bis 27. September sind bei Geh. Rat Cosack für die Kriegsnotleidenden Ostpreußens zusammen 1.747 oder mit den schon früher eingegangenen Beträgen 13.178,49 Mk. eingegangen. Weitere Gaben erbittet Geh. Rat Cosack auf sein Konto „Ostpreußen“ bei der Deutschen Bank Zweigstelle Bonn.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Städtische Realschule. Oberlehrer Fürst, Offizier-Stellvertreter im Res.-Reg. 65, wurde wegen seiner in den Kämpfen an der Marne bekundeter Tapferkeit zum Leutnant befördert und mit dem eisernen Kreuze ausgezeichnet. Seit etwa zwei Wochen liegt er mit einer schweren Armverwundung in einem hiesigen Krankenhause, befindet sich aber auf dem Wege der Besserung.

Unbestellbare Feldpostsendungen. Da öfters Feldpostpaketchen mit Zigarren oder anderen Liebesgaben ihren Adressaten nicht mehr erreichen, werden sie an den Absender zurückgesandt. Damit unsere anderen lieben Brüder im Felde aber wenigstens etwas von den sehr begehrten Liebesgaben haben, empfiehlt es sich, auf die Paketchen einen Vermerk zu kleben, daß der Inhalt, falls der Adressat nicht zu erreichen war (sei es, daß er gefallen oder aus dem Lazarett entlassen ist) an die im Felde stehenden Kameraden verteilt werden soll. Der Deckel kann mit einem Vermerk an den Absender zurückgesandt werden. In unserer Geschäftsstelle sind zweckentsprechende Aufklebezettel kostenlos zu haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Im Interesse der kranken und verwundeten Soldaten, die sich auf dem Wege der Genesung befinden, wird darauf hingewiesen, daß ihre Wiederherstellung durch Verabreichung von Alkohol nur aufgehalten wird.

Es werden daher alle Zivilpersonen dringend ersucht, genesenden Soldaten alkoholische Getränke nicht zu verabfolgen. Den Besitzern von Schenkwirtschaften wird verboten, genesenden Militärpersonen Alkohol zu verabreichen.

Bonn, den 28. Sept. 1914. Das Garnisonskommando.

(Volksmund, Rubrik „Bekanntmachungen“)

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