Bonn 1914-1918
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Samstag, 26. Dezember 1914

 

Am zweiten Weihnachtstag erschienen in Bonn keine Zeitungen.

Sonntag, 27. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Dezember 1914Die Weihnachtstage sind bei klarem Frostwetter zu Ende gegangen. Morgens glitzerte Rauhreif auf den Feldern und Bäumen. Die Kälte ließ es zu Hause in der warmen Stube noch einmal so behaglich sein. Während der Christbaum strahlte und Weihnachtslieder gesungen wurden, flog dankbar-inniges Gedenken zu unseren braven Kriegern in Feindesland. In dieses Gedenken kam die hoffnungsvolle Zuversicht, daß der Krieg bald zu einem für uns glücklichen Ende geführt werden, damit unsere Feldgrauen, das Siegeslorbeer-Reis am Helm, wieder zu uns zurückkehren können. Den Kindern aber, die unbekümmert um Not und Krieg lachend in den Kerzenschein staunten, denen wünschte man aus tiefster Seele heraus, daß ihnen ihr Leben hindurch keine Kriegsweihnachten beschieden sein möchten, sondern Weihnachtstage unter der nie verlöschenden Sonne des Friedens.
  
Die Weihnachtstage von 1914 werden nicht vergessen Not, Bitternis, Entsagung, zerstörte Hoffnungen, ja die ganzen Phasen des Menschenleidens sind mit diesen Weihnachtstagen unlöslich zusammengeschmiedet. Aber noch eines haben uns die Kriegsweihnachtstage gegeben: die eisenfeste Entschlossenheit, trotz Not und Leid durchzuhalten, auf die Zähne zu beißen, mag noch kommen was will, und nicht eher Ruhe zu geben, als bis uns dieser Krieg für all das Schwere, was er uns aufgebürdet , entschädigt hat, d.h., daß uns der Frieden beschert wird, der nicht mehr von irgend einem feindlichen Nachbar gestört werden kann.
   Die Weihnachtstage von 1914 hatten stahlharten Klang. Es waren Prüfungstage besonderer Art, deren uns der Krieg so viele schon gebracht hat, aber eben deshalb werden sie un vergeßlich sein. Sie haben uns geläutert und darum möchten wir sie trotz ihrer Schwere nicht missen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Dezember 1914Der Straßenverkehr war am ersten Feiertage, wie nicht anders zu erwarten, sehr still, da es die Meisten nicht vom Hause fortlockte. Der zweite Feiertag brachte mehr Verkehr, insbesondere sah man viele Bewohner der Umgegend in den Straßen und Lokalen der Stadt. Auch die verwundeten Krieger, die in den hiesigen Lazaretten untergebracht sind, haben ihr Weihnachtsfest gefeiert. Ueberall brannte der Christbaum und freundliche Hände hatten für die Krieger zweckdienliche Gaben bereitgestellt. Hier und da wurden den Verwundeten Unterhaltungen von Gesangsvereinen usw. dargebracht, sodaß die Krieger, wen auch nicht zu Hause, so doch friedliche Weihnachten erleben durften. In der Bonner Bahnhofshalle war ein riesiger Tannenbaum mit vielen Lichtern aufgestellt, der den vorbeifahrenden Truppenzügen freundliche Weihnachtsgrüße zurief. Viele Eisenbahnzüge waren mit Tannengrün geschmückt und hier und da sah man sogar kleine Christbäumchen in den Zügen; Beweise, wie eng deutsches Wesen mit dem Weihnachtsbaum verknüpft ist.

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Dezember 1914Im Vereinslazarett vom Roten Kreuz „Glück auf“ fand am Mittwoch eine schöne Weihnachtsfeier statt. Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Protektorin des Lazaretts, war hierzu erschienen und überreichte den Schwestern, Aerzten, Helferinnen prächtige Gaben. Inzwischen hatten sich die nicht bettlägerischen Verwundeten unter dem strahlenden Weihnachtsbaum versammelt. Es wurden Weihnachtslieder gesungen. Weihnachtsgedichte vorgetragen und Geheimrat Dr. Walb sprach über die Bedeutung des Festes. Die Frau Prinzessin überreichte jedem Verwundeten mit freundlichen Worten sinnig gewählte Geschenke. Auch die bettlägerischen Kranken wurden durch Geschenke erfreut.

Kath. Gesellenverein. An Stelle der sonst zu Weihnachten üblichen Theateraufführung zum Besten des Gesellenhauses fand gestern abend für die Mitglieder und deren Familien eine Weihnachtsfeier statt, die derart zahlreich besucht war, daß im großen Saale des Gesellenhauses kaum noch ein Stehplatz zu finden war. Der Präses, Her Kaplan Rütters, betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß infolge des Krieges die Weihnachtsfeier in diesem Jahre bescheidener sein soll, aber das Programm wies dennoch eine große Fülle von schönen Darbietungen in Gesang, Musik, Deklamationen, lebenden Bildern und einem Theaterstück auf. Von besonderem Interesse war der Lichtbildvortrag des Herrn Klutmann, der die Zuhörer in Wort und Bild durch den jetzt so heiß umstrittenen Argonnerwald führte. Die Anwesenden folgten mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen und spendeten lebhaften Beifall. Große Begeisterung erweckte der inzwischen vom General-Anzeiger eingetroffene Tagesbericht des Großen Hauptquartiers, welcher verlesen wurde, worauf die Zuhörer die Nationalhymne und Deutschland über alles sangen. Den Schluß des Abends bildete die Aufführung eines Theaterstücks von Th. Körner: „Deutsche Treue“, bei dem die Spieler des Gesellenvereins ihr bekanntes schauspielerisches Talent zur Geltung bringen konnten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Neujahrskarten und Rotes Kreuz. Auf die gegebene Anregung, keine Neujahrskarten zu versenden, und das Geld, das für derartige Karten sonst ausgegeben wird, dem Roten Kreuz zu überweisen, muß erwidert werden, daß die Papiergeschäfte dem nicht zustimmen können. Die Lage dieser Geschäfte würde noch verschlechtert, wenn der Anregung Folge gegeben würde. Wenn für die Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Lebens das Wort geredet wird, dann muß man auch den Papiergeschäften gestatten, daß sie sich durchhalten können. Grade das Neujahrsgeschäft bedeutet aber für viele Geschäfte einen sog. „Raußreißer.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

Montag, 28. Dezember 1914

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Dezember 1914Weihnachtsfeier der Verbands- und Erfrischungsstelle Bonn „Prinzessin Viktoria“ Lille. Man schreibt uns: In Feindesland, umgeben vom Donner der Geschütze, in jedem Quartier, selbst in den unwirtlichen gefahrvollen Schützengräben, läßt der Deutsche es sich nicht nehmen, seinen Weihnachtsabend zu feiern. Und so auch hier in Lille. – Ich schreibe diese Zeilen noch am Abend selber, ganz im Banne des tiefen erhebenden Eindruckes, den diese Feier auf alle Teilnehmer gemacht hat. Wir hatten den uns mit dem Weihnachtsboten zugesandten Christbaum in der größten Halle (45 : 70) aufgestellt, herrlich geschmückt von unseren Schwestern und auf allen Seiten umgeben von langen, mit weißem Leinen (auch temporäre Liebesgaben) gedeckten Tischen. Auf dem längsten waren die Geschenke für unsere Schwestern, Sanitäter, Küchenpersonal usw. ausgelegt.
   Um 5 Uhr erschienen die zur Feier eingeladenen Gäste, vom Vorstand herzlich begrüßt. Es waren gekommen der Guvernör von Lille, von Heinrich mit seinem Stabe, ferner General von Grävenitz, Oberst von Dührer, Erlaucht Graf Reipperg, Obergeneralarzt Burge, Bahnhofskommandant Oberst Wupperer und viele andere. Von Fürst Adolf zur Lippe war folgendes Telegramm eingetroffen:
   „Verbands- und Erfrischungsstelle Prinzeß Viktoria, Lille, Bahnhof. Vielen Dank für das hübsche Gruppenbild. Wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und bedauere, von hier aus nicht mehr Ihnen behilflich sein zu können wie frührer [sic]. Adolf.“
   Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Dezember 1914Nach der Ansprache des Generals Clemens verabschiedete sich der Guvernör von Heinrich mit besonderem Danke für die Harmoniumspielerin – denn auch ein Harmonium hatten wir requiriert – Frl. S. und den Leiter des Eisenbahnsängerchors (50 Mann), hauptsächlich aus Bonnern und Solingern bestehend. Dann entwickelte sich das Programm weiter. Zugleich mit der Bescherung unserer festangestellten Leute fand auch die der übrigen aus den vorderen Hallen herbeigeströmten Soldaten statt. Und das waren etwa 250. Auf den Tischen standen Teller mit Aepfeln und Nüssen, mit Spekulatius und Lebkuchen; Zigarren und Zigaretten wurden von den Schwestern und Sanitätern herumgereicht. Nach dem Konzert wurden dann die gespendeten Fässer Bier aufgelegt und jedem konnten zwei bis drei Glas des heimischen Trankes verabreicht werden. Wie waren sie alle so glücklich und zufrieden! Ein Hauch der Heimat war herübergeweht, und noch lange hörten wir die uns vertrauten Weihnachtslieder erklingen.
   Ich hätte noch viel zu schreiben, doch es ist sehr spät und in aller Früh will Bankdirektor Weber diese Zeilen mit nach Bonn nehmen.
   Ehe ich aber diesen kurzen Bericht schließe, muß ich meinem Herzen Luft machen. Oh, Ihr guten Bonner, wie habt Ihr in so überreicher, aufopfernder Weise für unsere lieben Truppen gesorgt. Das war das schönste Weihnachtsfest: wir konnten geben und glücklich machen, dank der wirklich großzügigen Wohltätigkeit der Bonner Bürgerschaft.                 J.

Vaterländische Reden und Vorträge. Den nächsten Vortrag hält entgegen früherer Bekanntmachung bereits am nächsten Mittwoch, den 30. Dezember, abends 8 ½ Uhr, in der Aula des Städtischen Gymnasiums Herr Professor Dr. Schumacher über „Volksernährung und Krieg“. Die Wiederholung dieses Vortrags findet am Freitag, den 1. Januar, statt. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Dezember 1914Für bedürftige Familien Bonner Krieger veranstaltete am ersten Feiertage nachmittags 5 Uhr der Freiwillige Hilfsausschuß in der neuen Baracke an der Quantiusstraße eine Weihnachtsfeier. Etwas 50 Frauen mit 200 Kindern wurden unter dem strahlenden Weihnachtsbaum von den anwesenden Damen mit Kaffee, Milch und Kuchen bewirtet. Weihnachtslieder leiteten die Feier ein und schlossen sie. In einer Ansprache hob Dr. Kranz hervor, wie gerade dieser Kriegsweihnachten besonderen Segen spende, indem er gegenüber dem Kampfe im Feindesland hier die Herzen umso fester mit einander verbunden hatte und zu weitgehender Liebestätigkeit geführt habe. Die Frauen mögen ihren Männern und Söhnen von der gemütvollen Weihnachtsfeier, die sie hier mit ihren Kindern begehen können, berichten und damit auch ihnen eine Weihnachtsfreude bereiten. Fräulein Kurt und Fräulein Dr. Springer trugen in wirkungsvoller Weise einige prächtige Lieder zur Laute vor. Die eingegangenen Spenden wurden darauf verteilt und jeder Frau noch ein Geldgeschenk überreicht. Erst gegen 7 Uhr fand die schöne Familienfeier ihr Ende.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Dezember 1914Nach dem Fest.
Das war eine stille, ernste Weihnacht. Am Heiligen Abend wurden die Cafees und Restaurants früher als sonst am Weihnachtsabend geschlossen. Manche ließen schon um 8 Uhr keine Gäste mehr hinein. Und auch in den Häusern, in denen das Christkind unter dem glitzernden Tannenbäumchen seine Gaben ausgebreitet hatte, war es stiller als sonst. Denn aus jedem Hause gingen die Gedanken dorthin, wo Deutschlands Söhne im blutigen Streit um Deutschlands Ehre kämpfen. Nur die frohe Sorglosigkeit der Kinderherzen vergaß über der bunten Weihnachtsherrlichkeit die Gedanken an den Ernst dieser großen Zeit.
      Am Weihnachtsmorgen lag Reif auf Feld und Flur. Und alle Teiche und Tümpel waren mit einer festen Eisdecke überzogen. Auf dem Sportplatz des Eisklubs war eine glatte Eisbahn, auf der Jung und Alt sich mit Schlittschuhlaufen erfreute. Der Wald leuchtete im Rauhreif von Ferne, als ob er sein schneeiges Wintermärchenkleid angezogen habe.
      In allen Lazaretten wurden für die verwundeten Soldaten Weihnachtsfeiern veranstalet. Christbäume brannten, Gesang- und Musikvereine brachten Unterhaltung und freundliche Hände hatten für reichliche Gaben gesorgt. An dem Bahnhof aber fuhren an den drei Tagen unaufhörlich Militärzüge vorüber, neue Truppen für kommende Kämpfe. Ein großer Tannenbaum mit vielen Lichtern stand auf dem Bahnsteig und rief den Kriegern die Weihnachtsgrüße der Bonner zu.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 29. Dezember 1914

 

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar.

(Bonner Zeitung, Bonner General-Anzeiger, Deutsche Reichs-Zeitung)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. Dezember 1914Für bedürftige Familien Bonner Krieger veranstaltete am ersten Feiertage, nachmittags um 5 Uhr der Freiwillige Hilfsauschuß in der neuen Baracke an der Quantiusstraße eine Weihnachtsfeier. Etwas 50 Frauen und 200 Kinder wurden unter dem strahlenden Weihnachtsbaum von den anwesenden Damen mit Kaffee, Milch und Kuchen bewirtet. Weihnachtslieder leiteten die Feier ein und schlossen sie. In einer Ansprache hob DR. Krantz hervor, wie gerade diese Weihnachten besonderen Segen spenden, da sie gegenüber dem gewaltigen Kampf in Feindesland hier im Vaterlande die Herzen umso fester verbunden halten und zu weitgehender Liebestätigkeit geführt haben. Frl. Koort und Frl. Dr. Springer trugen in wirkungsvoller Weise einige prächtige Lieder zur Laute vor. Die eingegangenen Spenden wurden darauf verteilt und jeder Frau noch ein Geldgeschenk überreicht. Erst gegen 7 Uhr fand die stimmungsvolle Familienfeier ihr Ende.

Weihnachtsfeier im Säuglingsheim Hohen-Eich. Wie in so manchem deutschen Hause, so vereinte der Christbaum trotz des Ernstes der Zeit auch auf Hohen-Eich am ersten Weihnachtstage eine frohe Kinderschar mit ihren Müttern und Pflegerinnen. Herzen und Hände hatten sich wieder einmal für das Heim geöffnet und so war die Möglichkeit geschaffen, alle Kinderchen neu und schön säuberlich gekleidet unter dem Christbaum mit allerlei Spielsachen und auch mit Süßigkeiten zu beschenken. Ein ernstes, aus warmem Herzen kommendes aufrichtendes Wort an die Mütter, dem Augenblick entsprechende Lieder, machten diese Weihnachtsstunden zu einer Jung und Alt erhebenden Feier.

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Weihnachtsfeier in der Mehlemschen Fabrik. Wenn auch am diesjährigen Weihnachtsfeste in erster Linie unserer Krieger gedacht werden mußte, sollte doch die übliche Feier in der Mehlemschen Fabrik nicht ausfallen. Wieder eine stattliche Anzahl von Familienwurde von den Inhabern der Firma, wovon drei Herren im Felde stehen, durch die Hand der Frau Geheimrat Guillaume reichlich beschenkt. Die schlichte, aber erhebende Feier fand durch Gesang, Musikvorträge, Aufsagen von Gedichten und eine herzliche, wohldurchdachte Ansprache ihren Abschluß.

Erklärung! Das stellvertretende Generalkommando gibt folgendes bekannt: Die große Anzahl der täglich beim stellvertr. Gen.-Kommando eingehenden anonymen Anschuldigungen (Schriftstücke ohne Unterschrift über Personen und Zustände in der Heeresverwaltung, insbesondere über vermeintliche Ungerechtigkeiten bei der Heranziehung zur Wehrpflicht) geben dem Generalkommando Veranlassung zu erklären, daß derartige Schriftstücken, deren Urheber nicht den Mut haben, für ihre Behauptungen mit ihrer Person einzutreten, von hier aus keine Folge gegeben wird.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Ausbacken von Wecken, Kränzen, Brezeln usw. Der kommandierende General des 8. Armeekorps, General von Ploetz, hat für den Bereich seines Korps eine Bekanntmachung erlassen, wonach unter Hinweis auf die dringend notwendige Schonung unserer Vorräte an Weizenmehl das Ausbacken von Wecken, Kränzen, Brezeln, Pfannkuchen usw. von heute bis einschließlich Dreikönigstag verboten ist. Demselben Verbot unterliegt das Ausspielen derartiger Backwaren in Wirtschaften und Vereinen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bestraft.
   Der Vorstand der Bonner Bäcker-Innung weist in unserer heutigen Nummer auf diese Bekanntmachung hin.

Der Liberale Bürgerverein hielt gestern abend im Krug zum grünen Kranze seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Kranz, wies in einer Ansprache darauf hin, daß keine politische Partei vor ihren Wählern die Verantwortung übernehmen werde, wegen einiger Stadtverordnetensitze seinen Wahlkampf zu entfesseln. Die Gedanken aller deutschen Männer seien auf die Gefahr des Vaterlandes gerichtet. Die nötig gewordene Ersatzwahl könne nur in gegenseitiger Verständigung unter Anerkennung des bisherigen Besitzstandes erledigt werden. (…)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Eifelverein. Die hiesige Ortsgruppe unternimmt am nächsten Sonntag nach längerer Pause eine Wanderung (hoffentlich im Schnee!) in den Ahrbergen, und zwar von Ahrweiler (Walporzheim) auf wenig bekannten Wegen nach Dernau oder Rech, mit einer Marschlänge von etwa 15 Kilometern. Die Abfahrt von Bonn ist 8.32 Uhr mit Sonntagskarte Ahrweiler, die Rückfahrt von Dernau (Rech) 3.15 (3.10), die Ankunft in Remagen 4 Uhr. Dort wird im Westfälischen Hof Kaffee getrunken, wozu die Anmeldung auf dem Bahnhofe Bonn nötig ist, um 5.50 Uhr zurückgefahren. Eilige können um 4.09 Uhr gleich weiterfahren. – Mundvorrat ist mitzunehmen. Eingeführte Gäste sind wie immer willkommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 30. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Dezember 1914Die Weihnachtsfeier im Reservelazarett III (Beethovenhalle). Ein Verwundeter sendet uns den folgenden Bericht über die Weihnachtsfeier im Lazarett in der Beethovenhalle: Die Weihnachtsfeier am Heiligen Abend verlief sehr stimmungsvoll. Kein Wunder, denn der Chefarzt, Herr Professor Dr. Schmidt, sowie die Aerzte des Lazaretts, die Schwestern unter ihrer Oberin Fräulein Pohl, die Helferinnen, die Wärter sowie eine ganze Reihe von Einwohnern Bonns, sie alle waren eifrig bemüht gewesen, den Verwundeten der Beethovenhalle durch eine recht gelungene Weihnachtsbescherung die Trennung von den Angehörigen am Christfeste vergessen zu machen, das war schon tagelang vor dem Fest ein Raunen und Flüstern, ein Hin und Her unter Schwestern und Wärtern. Galt es doch, die Ausschmückung de Halle vorzubereiten, die geheimen Wünsche der einzelnen Krieger in Erfahrung zu bringen, die Körbchen mit den Gaben zu füllen. Zu der Feier prangte die Halle im Festschmuck. An jedem Pfeiler prangten künstliche Rosensträuße, die miteinander durch Tannengrün verbunden waren. Die Betten waren mit Tannenzweigen und mit kleinen Fahnen in den verschiedensten Farben geschmückt. In der Mitte des weiten Raumes aber und auf der Galerie erfüllten die Kerzen an zwei mächtigen Tannen die Halle mit hellem Lichterglanz. Der Schülerinnenchor der Klostermannschen Privatschule trug zur Einleitung der Feier das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ vor. Dann hielt Herr Prof. Dr. Schmidt eine Ansprache an die Verwundeten. Er wies zunächst auf den eigentlichen Zweck der Beethovenhalle hin, schilderte dann in großen Zügen die glänzende Entwicklung Deutschlands und ging dann kurz auf den Anlaß zum Kriege ein. Mit herzlichen Wünschen zum Fest schloß der Redner seine Ansprache. Ein jeder der Verwundeten wurde herzlich bedacht und stimmte gewiß im Innern von Herzen den Dankesworten zu, die der Chefarzt zu Schluß an alle diejenigen richtete, die das schöne und unvergessliche Fest den Kriegern bereitet hatten.

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Das Metropoltheater steht in dieser Woche wieder unter dem Zeichen des Krieges. „Iwan Koschula“ heißt der Fim, der den Zuschauer auf den galizischen Kriegsschauplatz versetzt und ihn teilnehmen läßt an mancher packenden Szene des Krieges. Auch der zweite Schlager, „Fifi, der Liebling der ganzen Garnison“, verfehlt seinen Eindruck auf die Besucher nicht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Chronik der Stadt Bonn für das Jahr 1914.
Wie hat das große Welterlebnis, das heute die ganze Menschheit gepackt hält, wie hat der Krieg auf den Gang der Dinge in Bonn gewirkt? Was ging in Bonn der Mobilmachung voraus, was folgt ihr? Das zu zeigen ist die Aufgabe dieser Chronik:

   Das Attentat von Sarajewo löste wie überall, so auch in Bonn große Erbitterung aus. Eine unheimliche Stille befiel die zeit zwischen diesem und der Stellung des Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien. Am 25. Jul verbreiteten sich die ersten Kriegsgerüchte und ganz Bonn lebte in Erwartung und Spannung. Die Haltung Rußlands bringt endlich die Erklärung des Kriegszustandes, aber niemand ist zufrieden damit, das Volk verlangt den Krieg.
   „Wir sind ein einziges Volk.“ In unser sonst so friedliches Bonn brachten schon die ersten Kriegsnachrichten viele Aenderung. Bürger und Studenten schlossen sich allabendlich zusammen, zogen zum Kaiserdenkmal, und gelobten dem Kaiser ewige Treue. Die Studenten vereinigten sich vor der Wohnung ihres Rektors, und auch hier hörte man das Treue-Gelöbnis aus tausend frischen Kehlen. So war unsere ganze Stadt bereit. Daß die Lage ernst war, sah man an der Bewachung der Brücke zunächst noch durch die Polizei, der Heimkehr der beurlaubten Truppen in ihre Garnisonen. Die Erklärung des Kriegszustandes brachte die Bewachung der Bahnen und der Brücke durch Militär mit scharfer Waffe. Nur wer genügend Ausweis hatte, konnte passieren. Das Publikum aber begann etwas Unsinniges, den Sturm auf Sparkasse und Bank, die Auskaufung aller Vorräte der Lebensmittelgeschäfte, sodaß hier in einem Tage eine Teuerung entstand, die ganz unberechtigt war. Nur dem vereinten Bemühen der Stadt, der handelskammer, der Zeitungen, gelang es schließlich, der Preissteigerung ein langsames aber sicheres Ende zu machen. Der Verkehr auf den Straßen war in den Abendstunden geradezu gefährlich. Menschen wogten auf und nieder, standen vor den Zeitungen, erwarteten neue Telegramme. Nur Neues, neues. Das Neueste war nicht neu genug. So erlebte man denn am 1. August in den Nachmittagsstunden das Bekanntwerden der Mobilmachung. Die Menge wurde furchtbar ernst. „Fest steht und treu die Wacht am Rhein“, man hörte es von morgens bis abends, und „Dem Kaiser Wilhelm haben wir’s geschworen“, sangen die eingezogenen Reservisten und Landwehrmänner. Der Verkehr wurde gewaltig. Die Eisenbahnzüge kamen mit großer Verspätung hier an, alle überladen mit Zurückkehrenden, mit Soldaten, Regel brachte hier erst die Einführung des Kriegsfahrplanes. Die Stadt selbst glich einem großen Kriegslager. Soldaten und immer wieder Soldaten. In allen Straßen Einquartierung. Junge Leute, alte Leute strömten zu den Regimentern, dem Bezirkskommando, um sich freiwillig zu melden. Wie viele kamen mit traurigen Gesichtern zurück, sie kamen zu spät, mußten warten. Dann gab es andere Arbeit. Hin gings zum roten Kreuz, zur Krankenträger-Kolonne, zum Freiw. Hilfsausschuß; hier konnte man Leute brauchen. Junge Damen meldeten sich als Krankenschwester, als Pflegerin, aber auch hier war der Andrang so groß, daß eine Menge abgewiesen werden mußte. So setzte denn nun alles ein, was im Frieden organisiert, und was sich jetzt im Ernstfalle so wunderbar bewährt hat; Verpflegung der Truppen am Bahnhof, Einrichtung von Lazaretten, Errichtung einer Erfrischungsstation usw. Die Stadtverwaltung brachte Mehl und Salz zum Verkauf u. Kartoffeln, richtete eine Kriegs-Beratungs- und Auskunftsstelle ein, gab Brot ab an die Angehörigen der im Felde stehenden Soldaten, kurzum, es geschah alles Mögliche zur Linderung der augenblicklichen Not. Der Vaterl. Frauenverein, der Verein vom Roten Kreuz und der Freiw. Hilfsausschuß erließen einen Aufruf an die Mitbürger, man brauchte Geld, Geld. Aber auch lebensmittel usw. wurden gewünscht. Und wie betätigte sich da der Opfersinn der Bewohner Bonns. Schon am 7. August konnte der Oberbürgermeister im Stadtrat bekanntgeben, daß in Bonn so reichlich und viel gesorgt worden sei, wie in keiner anderen Stadt. Auch kämen Preistreibereien nicht mehr vor. Die Zeit kam, wo alles wieder, wenn auch allmählich, in geregeltem Geleise ging.
  Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Dezember 1914 Die ersten Verwundeten kamen, darunter auch Franzosen, sie wurden alle gut versorgt in den bereiteten Lazaretten. Später nach dem kriege, wird man erst bemessen können, welche Verdienste unser Bonn als Lazarettstadt hat. Die Stadt hatte noch eine Aufgabe, zu sorgen für die Armen, die doppelt zu leiden hatten, zu sorgen für Frau und Kinder des im Felde stehenden Vaters. Auch hier war sie vorbildlich wie überall. Aber man brauchte immer noch Geld und andere Sachen. So erließ denn der Oberbürgermeister einen Aufruf der Sammlung „Kriegshilfe“, es gab eine solche für das bedrängte Ostpreußen, für Elsaß-Lothringen, eine Haus-Wollsammlung wurde veranstaltet; man brauchte nur zu verlangen, ganz Bonn gab, klein und groß, arm und reich. Man denke nur an die „Liebesgaben“. Kleider, Wolle, Bücher, Stärkungsmittel usw. alles vereinigte sich zur freudigen Ueberraschung. In Bonn allein wurden 18 Millionen für die Kriegsanleihe gezeichnet.
   Pflege des Vaterländischen Geistes, das ar das Motiv, welches die Vaterländischen Reden und Vorträge ins Leben rief. Sie wurden gehalten von Gelehrten, Kaufleuten und Künstlern. Auf diese Weise sorgte man für den Sinn des Ausharrens während der Kriegszeit bei den Zurückgebliebenen. Zur Vorbereitung auf die Militärzeit gründete man den Wehrbund. Er beschäftigte Jünglinge und Männer von 16 Jahren ab mit militärischen Uebungen.
   Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Dezember 1914Auf das künstlerische Leben Bonns hat der Krieg selbstredend auch seine Wirkungen gehabt. Das Theater sollte der Meinung vieler nach geschlossen bleiben. Nach Erwägung der Zustände war man schließlich doch für eine Oeffnung , im Hinblick darauf, daß Vorstellungen, dem Ernste der zeit angepaßt, gegeben, auf das Publikum nur erbauend wirken könnten. So eröffnete man für drei Monate, dehnte aber später die Zeit auf die üblichen sechs Monate aus. Die Gesellschaft für Literatur und Kunst arbeitete ebenfalls mit einem wesentlich kleineren Programm. Die Populär-wissenschaftlichen Vorträge, die Volkshochschulkurse, gaben ein Kriegs-Programm. Konzerte hatten wir weniger, und die, die stattfanden, waren meistens der Wohltätigkeit gewidmet.
   Wie wirkte der Krieg auf das Leben unserer Stadt, das zu zeichnen war die Aufgabe dieser Kriegs-Chronik. Man hat gesehen, daß Bonn überall, wo es Not tat, geholfen hat, daß nicht nur Pflicht erfüllt wurde, sondern daß das Herz ein großes Wort mitgeredet hat. Und so wird es weiter sein, so lange der Krieg dauert.
(...)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 31. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Dezember 1914Der Bonner Lazarettzug ist am letzten Freitag von seiner ersten Fahrt zurückgekehrt Von zuständigerSeite ist erklärt worden, daß die Anforderungen, welche an den möglichst schonenden und raschen Transport unserer wackeren verwundeten Krieger von der Front nach den Heimatlazaretten heute gestellt werden müssen, mit gutem Erfolge auch von dem Bonner Zuge bewältigt worden sind. 260 größtenteils Schwerverwundete sind aus der Gegend von Rethel aufgenommen worden. In verhältnismäßig rascherFahrt ging es über die Pfalz in das schöne schwäbische Land, wo bestimmungsmäßig in Heilbronn und Umgebung der weitaus größte Teil der Verwundeten ausgeladen wurde, aber auch unsere Stadt erhielt eine Anzahl von ihnen. Der Schluß der Fahrt geschah in der Christnacht. Eine wunderschöne Weihnachtsfeier, teils in den einzelnen Wagen der Verwundeten, teils im Mannschaftswagen, vereinte das gesamte Personal. (...) Niemand von ihnen wird diese erhebenden Stunden vergessen. Schon die Tatsache einer möglichen Weihnachtsfeier im fahrenden Zuge zeigt, wie sehr liebevoll sorgende Hände gewacht haben, und unsere tapferen Soldaten vergaßen wohl für Augenblicke all ihr Weh. Dankbare Blicke und Worte lohnten die so aufgewendete Mühe. – (...)

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Dezember 1914Stadttheater. Man schreibt uns: Für den Silvesterabend hat die Theaterleitung drei Einakter angesetzt, die jedem Geschmack Rechnung tragen dürften. Den Auftakt bildet das stimmungsvolle Lebensbild von Ernst Wichert: „Das Eiserne Kreuz“, dann folgt der immer wieder gerne gesehene Scherz von Louis Schneider: „Der Kurmärker und die Pikarde“. Den zweiten Teil der Vorstellung bildet das hier seit vielen Jahren nicht gegebene „Fest der Handwerker“ von Angely. Dieses humorvolle Singspiel ist überall wieder zu Ehren gekommen, in Berlin hält es sich ständig auf dem Spielplan des Kleinen Theaters. Der musikalische Teil ist von Herrn Kapellmeister Sauer eingeübt worden.

Für die Silvesternacht ist für die sämtlichen Wirtschaften im Polizeibezirk Bonn (Gastwirtschaften, Schankwirtschaften, alkoholfreie Wirtschaften, Kaffee-Wirtschaften usw.) die Polizeistunde allgemein auf 1 Uhr festgesetzt. (...) Durch diese Verordnung wird das Silvestertreiben auf den Straßen eingedämmt werden. Mit Recht! In den jetzigen furchtbar ernsten Zeiten ist lärmendes Straßentreiben nicht am Platze. Für Silvesterfeiern ist jetzt nicht Zeit noch Stunde. Es entspricht der ernsten Gegenwart und der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser Jahreswende, wenn sich in Ruhe und Stille der Jahreswechsel von 1914 zu 1915 vollzieht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Der städtische Kartoffelverkauf, Bachstraße, Ecke Thomastraße, findet vom 1. – 4. Januar nicht statt. Fortsetzung des Verkaufs von Dienstag, den 5. Januar ab täglich vormittags 8 – 12 Uhr zu dem ermäßigten Preise von 4,15 Mark für den Zentner und 1,30 Mark für 30 Pfund.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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