Bonn 1914-1918
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    • Das erste Kriegsjahr
    • Liebesgabenfahrten 1914
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      • -- Dokumente
    • Der Kriegswinter 1916/17
    • Die letzten Monate
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Mittwoch, 16. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Dezember 1914Bonner Wehrbund. Die größere Geländeübung, die der Wehrbund am vergangenen Sonntag unternahm, gestaltete sich außerordentlich interessant und lehrreich für alle Teilnehmer, abgesehen davon, daß sie eine erhebliche Uebung in der Ableistung verhältnismäßig großer Marschanforderungen an die Wehrbündler stellte. Die zahlreichen inzwischen zur Fahne eingezogenen früheren Mitglieder des Wehrbundes schreiben daher auch immer an ihre früheren Kameraden: „Geht nur fleißig mit dem Wehrbund, man merkt erst jetzt, wie viel er einem wert gewesen ist!“ Bei der Uebung am Sonntag, an der auch die Pfadfinder teilnahmen, war die Mannschaft in eine rote und eine blaue Partei eingeteilt. Die rote Partei sollte von Pützchen aus zum Entsatz einer eingeschlossenen Feldstellung auf dem Nonnenstromberg anmarschieren, die blaue Partei sollte von Oberkassel aus der roten Partei den Weg verlegen. Um 10 Uhr morgens rückten von der Doetschstraße aus die beiden Parteien nach Pützchen und Oberkassel ab, um von dort aus ihre selbständigen Bewegungen anzutreten. [Es folgt eine ausführliche Beschreibung der „Übung“.] Um 2 Uhr versammelten sich bereits beide Parteien auf dem Gipfel des Nonnenstrombergs, wo auf 5 Uhr die Kritik angesagt war. (...) In geschlossenem Marsch ging es über Dollendorf, Oberkassel und Beuel zurück nach Bonn, wo um 7 Uhr die Kolonnen auf dem Kaiserplatz sich auflösten. Die Teilnahme der beiden Abteilungen des Wehrbundes, die vom Städtischen und vom Königlichen Gymnasium gestellt werden, wurde schmerzlich vermißt.

Die Dauerkarten für die Rheinbrücke für das Jahr 1915 werden vom 29. d. M. an im Werftamt, Rheinwerft Nr. 27, und im Kassenzimmer der Betriebsdirektion der Straßenbahnen, Kölnstraße Nr. 80, ausgestellt. Wer bereits für 1914 eine Dauerkarte hat, muß diese abgeben, andernfalls ist eine Bescheinigung des Arbeitgebers usw. als Ausweis mitzubringen.

Der Bonner Spiel- und Sport-Verein spielte am Sonntag gegen die 2. Mannschaft des Bonner Fußballvereins und verlor das Spiel mit 5 : 4 Toren.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Dezember 1914Die Weihnachtsferien beginnen an allen Schulen, sowohl den Volksschulen als auch den höheren Schulen, am 22. Dezember nachmittags. Der Unterricht fängt am 8. Januar morgens wieder an.

Ein leichtes Gewitter mit wenigen elektrischen Entladungen zog gestern abend von wolkenbruchartigen Regen begleitet über unsere Gegend.

Bonner Wehrbund. Wir haben folgende Zuschrift erhalten:
„Sehr geehrte Redaktion! In Ihrer heutigen Ausgabe bringen Sie im lokalen Teil eine Mitteilung, wonach unser Fernbleiben von der Felddienstübung am letzte Sonntag „schmerzlich vermißt“ worden ist. Schon am Dienstag, den 8. ds. Mts., habe ich bei Gelegenheit einer Beratung, an der die Führer des Wehrbundes teilnahmen, mitgeteilt, daß die 8. Abteilung des Wehrbundes nicht teilnehmen werde, da ihre Mitglieder – ganz überwiegend katholische Schüler des Königlichen Gymnasiums – an diesem Tage gemeinsame Kommunion hätten. Um zu verhüten, daß in Zukunft das Fernbleiben unserer Abteilung „schmerzhaft vermißt“ wird, gestatte ich mir darauf hinzuweisen, daß Uebungen, die sich im Winter von morgens 9½ bis abends 7 Uhr ausdehnen, für sechzehnjährige Schüler eine ernste Gefährdung der Gesundheit bedeuten, für die der Unterzeichnete die Verantwortung ablehnen muß.
Bonn, den 15. Dezember 1914.
Kentenich, Oberlehrer, Führer der 8. Abteilung des Wehrbundes.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 16. Dezember 1914O-Andacht. Zur würdigen Vorbereitung auf das heilige Weihnachtsfest findet auch in diesem Jahr seitens der hiesigen Mar. Junggesellen-Solidarität vom 17. bis 23 Dezember in der Münsterkirche in althergebrachter Weise die sogenannte O-Andacht statt. In furchtbar ernster Zeit bereiten wir uns dieses Jahr auf das hochheilige Weihnachtsfest vor. Ein Krieg, so schrecklich und blutig, wie ihn die Welt noch nicht gesehen, ist über unser Vaterland, über Europa hereingebrochen und erfüllt Länder und Meere mit seinem Schrecken. Mit Rücksicht hierauf werden die Predigten in der O-Andacht gehalten über das Thema: „Die Lehren des Weltkrieges.“ Wie in früheren Jahren, so werden Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Dezember 1914auch in diesem Jahre die Predigten von einem Ordenspriester, dem hochw. Herrn P. Hardy Schligen gehalten. Die Andacht beginnt an den Wochentagen abends um 8½ Uhr, am Sonntag um 6 Uhr. Die Gläubigen der ganzen Stadt sind zur Teilnahme an dieser zeitgemäßen Andacht eingeladen.

Als Weihnachtsvorstellung für kleine Leute bringt das Stadttheater am Samstag Nachmittag zum ersten Male: Max und Moritz, die lustige Bubenkomödie, zur Aufführung. Der Inhalt ist aus Busch’s gleichnamigen Gedicht bekannt, welches durch Leopold Günther für die Bühne bearbeitet wurde. In sieben lustigen abwechslungsreichen Bildern kommen die bösen Streiche, die Strafe und Besserung des Bubenpaares Max und Moritz zur Darstellung. Die Aufführung ist durch Herrn Spielleiter Ferchland sorgfältig vorbereitet. In den Hauptrollen sind die Damen Hilbrecht, Larina, Weinert, Westerland und die Herren Alex, Birgel, Heinemann, Sascha und Schaefer beschäftig.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 17. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Dezember 1914Hinsichtlich der Rückgabe unzustellbarer Feldpostbriefe, deren Empfänger vermißt oder tot sind, besteht bei der Reichspostverwaltung seit jeher die Bestimmung, daß die Postbesteller sie den Absendern in rücksichtsvoller Weise auszuhändigen haben und daß, wenn der Absender nicht in einem Postorte, sondern auf dem Lande lebt, der Landbriefträger derartige Feldpostsendungen an die Ortsbehörde oder an den Ortsgeistlichen ausliefern soll, damit die Angehörigen auf diesem Wege schonend vorbereitet werden können. Verschiedene seit dem Ausbruch des Krieges angestellte Versuche haben ergeben, daß sich dieses letztere Verfahren auch in größeren Orten hat durchführen lassen. Die Reichspostverwaltung hat deshalb die bisherigen Bestimmungen dahin erweitert, daß Feldpostsendungen, deren Empfänger tot sind oder vermißt werden, auch in Postorten ohne Mitwirkung des Postpersonals den Absendern in geeigneter Weise zurückgegeben werden können. Das hierbei einzuschlagende Verfahren soll den örtlichen Verhältnissen angepasst, auch soll auf besondere Wünsche der Ortsbehörden und der Geistlichkeit, soweit sie sich mit den sonstigen postalischen Vorschriften vertragen, Rücksicht genommen werden. Den Truppenteilen im Felde ist im übrigen neuerdings höheren Ortes empfohlen worden, auf den unbestellbaren Feldpostsendungen an Gefallene fortan statt des kurzen Vermerks „tot“ oder „gefallen“ die Fassung anzuwenden: „gefallen fürs Vaterland“ oder „gefallen auf dem Feld de Ehre“.

Vaterländische Reden und Vorträge. Der fünfzehnte Abend der Vaterländischen Reden und Vorträge brachte gestern einen fesselnden Vortrag von Dr. Herman Cardauns, der über das Thema „Der Krieg und die Presse“ sprach. Herr Dr. Cardauns, selbst ein bekannter und verdienstvoller Mann der Presse, hob in seinen geistvoll belebten, von gründlicher Sachkenntnis zeugenden Ausführungen die reiche und fruchtbare Arbeit, die während der Kriegszeit von der Presse auf allen möglichen Gebieten des öffentlichen Lebens geleistet wird, mit hoher Anerkennung hervor. Im zweiten Teil des Vortrages schilderte der Redner ausführlich den Lügenfeldzug der feindlichen und zum Teil auch der neutralen Presse und schloß mit warmer vaterländischer Begeisterung seinen Vortrag, dem lebhafter Beifall dankte.

Spart mit Brot und Kartoffel. Verwertet die Küchenabfälle.
Deutschland steht gegen eine Welt von Feinden, die es vernichten wollen. Es wird ihnen nicht gelingen, unsere herrlichen Truppen niederzuringen, aber sie wollen uns wie eine belagerte Festung aushungern. Auch das wird ihnen nicht glücken, denn wir haben genug Brotkorn im Lande, um unsere Bevölkerung bis zur nächsten Ernte zu ernähren. Nur darf nicht vergeudet und die Brotfrucht nicht an das Vieh verfüttert werden.
   Haltet darum haus mit dem Brot, damit die Hoffnungen unserer Feinde zuschanden werden. Seid ehrerbietig gegen das tägliche Brot, dann werdet Ihr es immer haben, mag der Krieg noch so lange dauern. Erziehet dazu Eure Kinder.
   Verachtet kein Stück Brot, weil es nicht mehr frisch ist. Schneidet kein Stück Brot mehr ab, als Ihr essen wollt. Denkt immer an unsere Soldaten im Felde, die oft auf vorgeschobenen Posten glücklich wären, wenn sie das Brot hätten, daß Ihr verschwendet.
   Eßt Kriegsbrot; es ist durch den Buchstaben K kenntlich. Es sättigt und nährt ebenso gut wie anderes. Wenn alle es essen, brauchen wir nicht in Sorge zu sein, ob wir immer Brot haben werden.
   Wer die Kartoffeln erst schält und dann kocht, vergeudet viel. Kocht darum die Kartoffeln in der Schale, Ihr spart dadurch.
   Abfälle von Kartoffeln, Fleisch, Gemüse, die Ihr nicht verwerten könnt, werft nicht fort, sondern sammelt sie als Futter für das Vieh, sie werden gern von den Landwirten geholt werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Dezember 1914Zeitungsverkauf durch Kinder. Man schreibt uns aus Düsseldorf, 17. Dez. Die städtische Schulverwaltung hatte durch eine Verfügung darauf aufmerksam gemacht, daß auch dann, wenn Kinder von ihren Eltern zum Zeitungstragen verwendet werden sollten, doch eine Beschäftigung eigener Kinder für Dritte im Sinne des Kinderschutzgesetzes vorliegt, das eine derartige Beschäftigung von Kindern verbietet. Die Stadtverwaltung hat nunmehr die Schulen angewiesen, den Kindern das Austragen und Feilhalten von Zeitungen nach 8 Uhr abends strengstens zu untersagen und bei Uebertretung dieses Verbots die Eltern zur Anzeige zu bringen.

Vaterländische Reden und Vorträge. (Fünfzehnter Abend) Dr. Hermann Cardauns: „Der Krieg und die Presse“. Der verehrliche Zeitungsleser, der in der jetzigen Kriegszeit mit wahrem Heißhunger nach seinem „Leiborgan“ greift und seine Kriegsnachrichten verschlingt, entpuppt sich nicht selten als ein scharfbissiger Kritiker, dem dies und jenes an seiner Zeitung nicht paßt, dem die besten Nachrichten immer noch zu mager sind, sich insbesondere über jeden kleinsten Druckfehler ärgert und diese sein „beobachteten Mängel“ in schöngesetzten Worten als „treuer Abonnent“ der Redaktion zur Kenntnis bringt. Dies Leser haben selten vom innern Betrieb des Zeitungswesens Ahnung und so war es denn recht erfreulich, daß gestern abend Dr. Cardauns als alter Fachmann über den Krieg und die Presse sprach. Manchem Zuhörer wird dabei zu Bewußtsein gekommen sein, daß er bisher zu Unrecht seinem Blatte Vorwürfe gemacht hat, weil er eben nicht informiert war über die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen die Zeitungen grade zu Kriegszeiten zu kämpfen haben.
  
Redner bezeichnete die scharfe Zensur als durchaus notwendig und meinte: Besser zu viel Vorsicht als eine einzige Nachricht, die nicht ganz kittelrein ist! Im übrigen habe sich die Tagespresse in vollster Einmütigkeit in den Dienst des Vaterlandes gestellt, sie sei ihrer Aufgabe durchaus gerecht geworden, So habe die Presse nicht allein erfolgreich mitgewirkt an der Pfleger der Vaterlandsliebe, sie habe auch Front gemacht gegen den Lügenfeldzug unserer Feinde und gegen die zweideutigen Nachrichten mancher neutraler Blätter. Gelegentlich der Zeichnung zur Kriegsanleihe habe sich die Presse ebenfalls bewährt. Dr. Cardauns gab manches „Pröbchen“, wie er es nannte, aus den Lügenberichten der ausländischen Presse, machte dazu seine Kommentare. Gegen derartige systematische Lügen sei auf Veranlassung der deutschen Presse mit den schärfsten Maßnahmen vorgegangen worden und man habe durch Aufklärung im neutralen Auslande dazu beigetragen, diese Lügengespinste zu zerreißen. Schließlich plauderte der weißbärtige Mann humoristisch von dem Feldzuge der Redaktionen gegen das Heer der Dichter und Dichterinnen, die mit ihren Erzeugnissen die Redaktionsstuben überschwemmten und wußte überhaupt durch so manches humorvolle Wort die Zuschauer bis zum Schluß zu fesseln.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Dezember 1914Der „glückliche“ Hausbesitzer möge doch auch einmal überlegen, ob er nicht von der Miete etwas nachlassen kann und nicht nur stunden. Beim Stunden läuft die Miete von Monat zu Monat auf und wird zu großer Schuld. Wenn dann der Mann glücklichenfalls wiederkommt, vielleicht krank und elend, muß er Schulden bezahlen, die die Frau machen musste, während er für das Vaterland und auch für alle Hausbesitzer draußen kämpfte und Leben und Gesundheit aufs Spiel setzte. Besser würden ihm Erholung und gute Kost sein, stattdessen findet er eine drückende Schuldenlast zu Hause. Wir armen Frauen. Deren Männer im Kriege sind, müssen der Not gehorchen und vieles entbehren.
   Ich beziehe mit zwei Kindern 33 Mk, Unterstützung monatlich, davon kann ich doch unmöglich noch 3 Mk. zu der Miete geben. Die Armenverwaltung bezahlt nämlich als Mietzuschuß 3 Mk. weniger, als die Miete beträgt. Der Hauswirt aber ist damit nicht zufrieden und verlangt sie von mir. Von den 30 Mk., die mir dann bleiben, muß ich bezahlen: wöchentlich mindestens einen Zentner Briketts, Petroleum für die Beleuchtung, Milch und Zucker für ein kleines Kind, das auch Lebertran erhalten muß. Schuhe müssen geflickt werden, die Kinder müssen Strümpfe haben. Wenn das alles abgerechnet ist, was bleibt dann für die Nahrung übrig? Meistens gehe ich abends mit einem Stück trockenem Brot und einem Tässchen Kaffee schlafen, oder auch manchmal, ohne etwas gegessen zu haben.
   Ich meine also, da könnte der Hausbesitzer doch auf einen Teil seiner Miete verzichten. Mein Hausherr riet mir, ich sollte in der Bachstraße mit meinem ältesten Kind essen gehen, dort könnte ich für 30 Pfg. so viel haben, daß wir beide den ganzen Tag nichts mehr brauchten. Aber wo lasse ich das andere Kind dann? Und dann soll ich spazierengehen, um keinen Brand zu brauchen. Dadurch wäre ich imstande, täglich 70 Pfg. von der Unterstützung zu sparen und könnte ihm noch die 10 Pfg. täglich für die Miete aufbringen. Ein schöner Rat! Eine Kriegerfrau.

 

Verwendung von Nichtgedienten. Zu Ihrem Artikel „Die Verwendung von Nichtgedienten“ möchte ich noch folgendes vorschlagen: Alle Bahn- resp. Straßen-Unterführungen, die z. Zt. eben zu entbehren sind und z. T. schon heute für den Verkehr gesperrt sind, mit Sand, Erde oder Kies auszufüllen. Z. B. die Unterführung der Poppelsdorfer Allee: der eigentliche Tunnel mitausgefüllt oder mit Brettern verschalt, die Treppenanlage mit Sand, Erde oder Kies planiert, event. Bepflanzt und eingezäunt gleich den anstoßenden Anlagen (somit ganz unauffällig). Nach Kriegsende sind die betr. Erdmassen leicht und ohne Beschädigung der Treppen zu entfernen. Derartige Unterführungen gibt es eine Unmenge und somit eine große Ersparnis an Bewachungsposten. T.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

In dem heutigen Symphoniekonzert des Stadt-Orchesters, das unter Leitung des Städtischen Musikdirektors Herrn Professor Hugo Grüters steht, ist dem Geburtstage des größten Bonner Sohnes „Beethoven“ Rechnung getragen. Das Konzert wird nur Werke Beethovens bringen und zudem noch ein Werk, das seit langer Zeit in Bonn nicht mehr erklungen ist, nämlich das Trippelkonzert für Klavier, Violine und Cello mit Begleitung des Orchesters. Vorgetragen wird das Werk von unserem Städtischen Musikdirektor, unserem neuen Konzertmeister de Haas und unserem Solocellisten Schäfer. Die Leitung des Trippelkonzerts hat Herr Kapellmeister Sauer übernommen. Beethoven Coreolanouvertüre und die 8. Symphonie vervollständigen das Programm des Konzerts.

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Dezember 1914Die Steuererklärung der Kriegsteilnehmer. Der diesmaligen Abgabe der Steuererklärung ist die Abwesenheit zahlreicher Steuerpflichtiger sehr hinderlich. Indessen bestimmt § 30 des Preuß. Einkommensteuergesetzes, daß für Personen, welche durch Abwesenheit oder andere Umstände verhindert sind, die Steuererklärung durch Bevollmächtigte abgegeben werden kann. Diese haben ihren Auftrag zwar nur auf Erfordern nachzuweisen, immerhin empfiehöt sich für Angehörige von Kriegsteilnehmern die vorsichtsweise Einholung einer solchen Vollmacht. Letztere ist übrigens von einer Stempelsteuer befreit.

Im Felde stehende Soldaten wollen gern Antworten auf Karten oder in Briefen absenden, wenn die Militärpersonen die Post verteilen und die nach der Heimat bestimmte Post mitnehmen wollen. Da sind nur zu oft Feldpostkarten und Briefpapier nicht zur Hand. Die Soldaten selbst geben folgende Ratschläge: 1. Schickt nur Feldpostkarten mit Antwortkarte; 2. legt jedem Brief Papier und Umschlag für die Antwort bei; 3. sendet Feldpostanweisungen, damit wir überflüssiges Geld nach Hause senden können; 4. schickt Kopierstifte zum Ausfüllen von Postanweisungen, da Bleistift unzulässig ist.

Hunde als Lebensretter im Kriege. Zwei Verwundete, die sich in Bonner Lazaretten be­finden, erzählen im Folgenden, wie Sänitätshunde sie in Feindesland in nahezu hoffnungs­loser Lage fanden und Hilfe herbeiholten. Herr Gerichtsassessor Mundorf-Bonn hat die Berichte im Auftrag des deutschen Vereins für Sanitätshunde, Meldestelle Bonn, aufge­nommen:
   Unteroffizier der Reserve Friedrich Krone; Inf.-Reg. 15, 7. Komp. in Minden i.W., von Zivil­beruf Malermeister, erzählt:
   Bei einem Gefecht in der Nähe von Arras am 7. Oktober 1914 abends gegen 7 Uhr erhielt ich einen Brustschuß. Nachdem mir ein Einjähriger das Koppel durchgeschnitten und den Tornisterriemen gelöst hatte, mußten meine Leute zurückgehen. Bei einer Strohdieme bin ich dann wohl eingeschlafen bis ich durch das Bellen eines Hundes geweckt wurde. Es war meiner Erinnerung nach ein Deutscher Schäferhund, jedenfalls ein langhaariger Hund, der, wie ich nachher erfuhr zur 3. oder 4. Sanitätskompagnie des7. Armeekorps gehörte. Der Hund blieb ungefähr 10 Minuten bei mir stehen und bellte noch einmal als ich mich – wohl erschrocken – gewälzt hatte. Nach 10 Minuten kamen dann die Sanitätssoldaten, die mich mitnahmen. Nach kurzem Transport war ich gegen 11/2 Uhr nachts an der Verbands­telle. Ich habe also etwa von 7 bis 1 Uhr in der Strohdieme etwa 100 Meter vom Feinde entfernt gelegen. Ob einer der Sanitätssoldaten der Führer des Hundes war, kann ich nicht sagen. Ich nehme an, daß ich ohne den Hund nicht gefunden worden wäre, da die Stel­lung der Franzosen so nahe war, sodaß nur nachts gesucht werden konnte.
   Pionier Josef Schönenberg, Pionierbataillon 17, 2. Komp. Straßburg, von Zivilberuf Metz­ger, berichtet:

   Am 24. Oktober 1914 wurde ich ungefähr 35 Kilometer von la Bassee am Oberschenkel verwundet und fand mit einigen Kameraden und hierunter auch einem Oberleutnant Unter­schlupf in dem Keller eines Gehöftes. Dort wurden wir von den Bewohnern oder sonstigen Franzosen unter Wasser gesetzt und eingesperrt, sodaß wir uns nicht befreien konnten, zumal da wir als Verwundete ohne Waffen waren. Wir befanden uns drei Tage lang bis an die Brust im Wasser stehend, ohne jede Nahrung in dem Keller und hatten schon jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben. Da hörte ich plötzlich das Schnaiuen und Schnuppern eines Hundes und wir erblickten voller Freude den Kopf eines Hundes, eines schweren Dobermanns an der Kellerlucke. Der Oberleutnant riß sein Mützenfutter heraus und steck­te es dem Hunde hinter das Halsband. Nach etwa 4 Stunden, es kann auch weniger ge­wesen sein, denn man verliert in solchen Lagen etwas die Zeitrechnung, kamen Sanitätss­oldaten soviel ich weiß hatten sie einen Hund an der Leine, und Pioniere, die uns aus un­serer üblen Lage befreiten. Der Hund sprang voller Freude an dem Oberleutnant herauf. Dieser ist später gefallen, seinen Namen kenne ich nicht mehr. Wer von den Kameraden noch lebt und wie sie heißen ist mir gleichfalls unbekannt. Ich bin fest davon überzeugt, daß wir in dem Keller elend umgekommen wären, wenn uns der Hund nicht gefunden hät­te.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Dezember 1914Kartoffeln mit der Schale essen. Viele Leute tuen geradezu empört, wenn man ihnen zumutet, in dieser Kriegszeit Kartoffeln mit der Schale zu essen. Als erfahrene Hausfrau bringe ich schon seit 40 Jahren zweimal in jeder Woche ein delikates Abendessen von Kartoffeln mit der Schale auf den Tisch. Jung und Alt verzehren das Gericht mit größtem Appetit. Man ißt dazu einen Häring, aber auch zu Butterbrot und Kaffee schmeckt es ausgezeichnet. Hier das Rezept: Mittlere und kleine Kartoffeln, rein gewaschen, in kochendem Salzwasser gar gekocht. Dann abgeschüttet und ausdampfen lassen. Dann nehme man ein reines Tuch, drücke die Kartoffeln etwas auf und lege dieselben auf eine reine heiße Herdplatte. Lasse sie durch Umwenden knusprig braten. Es schmeckt wie ein Kirmesessen. Frau L. Z. Bonn

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis.“)

Freitag, 18. Dezember 1914

 

Spione überall. In vielen Eisenbahnwagen hängen neuerdings Plakate folgenden Inhalts: Achtung! Soldaten! Zum Schutze gegen feindliche Spionage und ihren Helfershelfern, die sich nachweislich in Menge auf unseren Bahnhöfen und in den Zügen herumtreiben, ist es allen Heeresangehörigen, besonders auch unseren Verwundeten, durch das Kriegministerium verboten, über Truppenstellungen, Truppenverschiebungen, Neuformationen und andere militärische Maßnahmen irgendwelche Mitteilungen zu machen, besonders nicht an unbekannte Männer und Frauen. Soldaten! Seid bei euren Unterhaltungen in Gegenwart anderer vorsichtig! Laßt euch nicht ausfragen! Ein unbedachtes Wort kann vielen Kameraden das Leben kosten! Fremde, die sich an euch herandrängen und euch aushorchen wollen, meldet sofort den Bahnbeamten! Der deutsche Soldat muß für sein Vaterland nicht nur kämpfen, sondern auch schweigen können.

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Dezember 1914Unsere verwundeten Krieger bei den Studentinnen. Man schreibt uns: Ein paar gemütliche Stunden verlebten die verwundeten Krieger aus der Beethovenhalle (Reservelazarett III), die der Einladung des Studentinnen-Vereins Hilaritas am Mittwoch Folge leisteten. – Bei Kaffee und Kuchen und zuletzt bei edlem Gerstensaft und der Zigarre (letztere natürlich nur von den Soldaten genossen), verging der Nachmittag in angeregter Unterhaltung. Studenten- und Kriegslieder, die die Studentinnen selbst verfaßt hatten, wurden gemeinsam gesungen. Recht eindrucksvoll war es, als plötzlich ein Vorhang beiseite gezogen und unter dem Gesang des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“, ein hübsch aufgeputzter Weihnachtsbaum sichtbar wurde. Zum Schluß dankte der Sprecher der Krieger in launigen Versen den Studentinnen für ihre freundliche Aufnahme. Die Soldaten sagen auch an dieser Stelle den Gastgeberinnen nochmals ihren herzlichsten Dank.

Der Zigarren-Abschnitt-Sammel-Verein Bonn e.V. veranstaltet in diesem Jahr seine 38. Weihnachtsbescherung. 125 Kinder aller Konfessionen, sollen warme Kleidungsstücke usw. erhalten. Meistens sind es Kinder, deren Väter zu den Fahnen einberufen sind. Eine Weihnachtsfeier kann der Verein in diesem Jahre nicht veranstalten, weil die Beethovenhalle nicht zur Verfügung steht und ein anderes Lokal für den Zweck nicht in Frage kommen kann, besonders nicht bei der großen Anzahl der zur Bescherung kommenden Kinder. Welch eine Fülle von Arbeit die Herren des Vorstandes zu bewältigen haben, bis den Kindern die Geschenke übergeben werden können, kann nur der beurteilen, der einmal einer Bescherung des Zigarren-Abschnitt-Sammel-Vereins beigewohnt hat. Die Hauptsorge ist alljährlich das Aufbringen der erforderlichen Geldmittel. Der Verein hat in den letzten Jahren durchschnittlich jährlich 3600 Mark für dieses Werk der Nächstenliebe verausgabt. Er ist hauptsächlich auf die Unterstützung der bessergestellten Bürger angewiesen, die auch gerne ihr Scherflein für den guten Zweck hergeben.; denn das segensreiche Wirken des Vereins ist ihnen längst bekannt. In diesem Jahre hat der Verein wieder Bittschreiben abgesandt, damit er die Mittel erhält, um seine gewiß nicht leichte Aufgabe erfüllen zu können. Trotz aller Kriegsspenden, hofft er, daß für den Zigarren-Abschnitt-Sammelverein, der schon so viele hilfsbedürftige Kinder an Weihnachten erfreut hat , noch ein Scherflein übrig geblieben ist.
   Der Vorsitzende, Herr Polizeikommissar Flaccus, und der Kassenführer, Herr Polizeikommissar Fuchs, nehmen Spenden gern entgegen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 18. Dezember 1914Alle Jahre wieder ...“ (Bonner Straßenbild). Ich hatte grade den Tagesbericht aus dem Großen Hauptquartier gelesen; meine Gedanken waren vom Krieg erfüllt, als ich um eine Straßenecke bog und mir harziger Tannenduft entgegenwehte. Gegen einen Bretterzaun gelehnt, standen grüne Tannenbäume in jeder Form und Größe und immer mehr Bäume wurden, von einem Leiterwagen, dessen Räder Spuren weiter Landfahrt trugen, abgela­den. Um die grünen Tannenbäume standen viele Leute, die gleich mir, den Duft der Tan­nen einatmeten. Da fiel das Wort „Weihnachten“. Richtig, da ist nun bald Weihnachten. --- Sonderbar, daß die Gedanken an Weihnachten in diesem Jahre so fern liegen, daß es pa­radox erscheint, Krieg und Weihnachtsfrieden miteinander zu verbinden. Beides paßt nicht zusammen, und so werden wir in diesem Jahre keine „fröhlichen“ Weihnachten begehen, sondern Weihnachten in ernster, besinnlicher Nachdenklichkeit. Aber die Erinnerung, daß wir den Krieg nicht gewollt, nicht verschuldet haben, daß er für uns ein bitteres Muß war, wird uns beruhigen. Daran wollen wir denken. Können wir also kein fröhliches Fest bege­hen, so sollen die Weihnachtstage zu einer ernsten und würdigen Feier werden. Dann werden die Weihnachtstage 1914 an Glanz und Tiefe gewinnen. Der eigentliche Sinn des schönsten aller deutschen Feste wird uns wieder zum Bewußtsein kommen, wie denn im­mer erst Not und Sorge kommen müssen, um uns wach zu rütteln, damit wir uns auf uns selbst besinnen. Denn es ist ja wohl so, daß in den langen Jahren des Wohlstandes unse­re meisten Feste verflachten und ihr Sinn, ihr Zauber, sich verflüchtigte. So mußte erst der Krieg kommen, um uns vor weiterer Verflachung, Veräußerlichung zu retten.
    Unter dem lastenden Druck des Krieges erhoben sich hier und da Stimmen, Weihnachts­baum und Gabentisch in diesem Jahr zu verbannen. Die Zeit sei nicht dazu angetan, einen solchen „Luxus“ zu gestatten. Diese Stimmen sind glücklicherweise vereinzelt. --- Schon mit Rücksicht auf die Jugend, die Kinder, müssen wir die Weihnachtstage in ge­wohnter Weise feiern. Was wissen unsere Kinder vom Kriege? Der Krieg hat ihre jungen Gedanken noch nicht getrübt, und sie würden es nicht verstehen, wenn am Tannenbaum keine Lichter aufgesteckt würden. Gewiß, es gibt Familien, --- viele sind es, --- denen der Vater am Weihnachtsfeste fern ist. Aber das darf nicht ausschlaggebend sein. Je heller die Weihnachtslichter brennen, je schöner der Weihnachtsgabentisch aufgebaut ist, um so größer ist die Freude, der Jubel der Kinder. Und die Zurückgebliebenen werden sich am Jubel der Kleinen erfreuen, aufrichten und über die ernsten Gedanken, die wohl kommen und gehen werden, leichter hinwegsetzen. Auch ist es wohl nur im Sinne unserer im Felde Stehenden, wenn das Weihnachtsfest in althergebrachter Weise begangen wird. Sie wer­den in ihren Schützengräben noch einmal so beruhigt an die Heimat zurückdenken, wenn sie wissen, daß daheim der Weihnachtsbaum glitzert und die Kinder, wie sonst, froh ihre Weihnachtslieder singen. Und darum sollen wir Weihnachten 1914 in würdiger Weise fei­ern. Jeder aber, in dessen Kraft es steht, sollte daran denken, daß er zu Weihnachten sei­ne Menschenliebe betätigen kann: viele Familien werden nicht in der Lage sein, den Weih­nachtsbaum so herauszuputzen, die Kinder so zu bescheren, wie sie das wohl gerne möchten. Hier kann jeder Licht und Freude in arme Stuben tragen.
   Harziger Duft weht aus den grünen Tannen und die glänzenden Schaufenster zeigen aller­lei Verlockendes. Weihnachtstimmung liegt über der Stadt. Wenn am Weihnachtstage die Glocken dröhnen und den Frieden auf Erden verkünden, wollen wir unsere heißen Gedan­ken, die uns bei dem Friedensgeläute überkommen, zerstreuen, auf die Zähne beißen und daran denken, daß uns die Zukunft diesen Menschheitsfrieden – dank unserem guten Schwert – auf lange, lange Zeit bringen wird. Dann werden die nächstjährigen Weih­nachtstage um so heller sein.

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Dezember 1914Sammeln von Küchenabfällen. Vielfachen Anregungen folgend, beabsichtigt die Stadt, Küchenabfälle für die Fütterung landwirtschaftlicher Nutztiere getrennt von der Müllabfuhr sammeln zu lassen. Diese Abfuhr soll durch private Unternehmer anstelle des städt. Fuhrparks ausgeführt werden. Interessenten können sich umgehend auf dem Rathause melden.

Wehrbund. Uns geht folgende Erklärung zu. In dem Bericht über die letzte Uebung des Bonner Wehrbundes (...) war zum Schluß ohne jede weitere tadelnde Kritik von dem Berichterstatter kurz bemerkt, daß leider die Abteilungen der beiden Bonner Gymnasien nicht teilgenommen hätten. Herr Oberlehrer Dr. Kentenich hat nun durch eine Erklärung in diesem Blatte vom 16. ds. festgestellt, daß die Schüler des Königlichen Gymnasiums an dem betreffenden Sonntag durch die Kommunion verhindert waren. Damit war selbstverständlich das Fernbleiben dieser Abteilung entschuldigt. Herr Dr. Kentenich glaubt aber hinzufügen zu müssen, daß „Uebungen, die sich im Winter von 9½ bis abends 7 Uhr ausdehnen, für 16jährige Schüler eine ernstliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten.“ Als Vorsitzender des Wehrbundes muß ich dieser öffentlichen Anschuldigung gegenüber auf das Allerentschiedenste bestreiten, daß der Wehrbund Uebungen unternimmt, welche „die Gesundheit gefährden.“ Die Abteilungen des Wehrbundes rückten am vergangenen Sonnatg nach 10 Uhr aus. Die Witterung war nichts weniger als eine „winterliche“, sondern im Gegenteil überaus milde. Die Entfernung von Beuel nach Heisterbach beträgt etwa 7 Kilometer, von da zum Nonnenstromberg noch nicht einen Kilometer. Die erforderte Marschleistung war also eine sehr geringe. An der Uebung nahmen ebenso junge Pfadfinder teil, die noch keine 16 Jahre alt waren, als bereits ergraute Universitätsprofessoren und sonstige Herren. Diese Leistung soll also die Gesundheit von Gymnasiasten, welche 16-19 Jahre alt sind, „ernstlich gefährden“?
  
Was unsere Jungmannschaft draußen im Kriege geleistet hat und noch leisten muß, haben wir mit Freude und Stolz in den letzten Monaten gehört. Dagegen war diese vom Wehrbund angeordnete Geländeübung fast als ein Kinderspiel zu bezeichnen. Unsere Volksschüler von 13 bis 14 Jahren unternehmen in den Herbstferien – der General-Anzeiger hat darüber seinerzeit wiederholt berichtet – achttägige Wanderungen mit Durchschnittsleistungen von 25 bis 40 Kilometern täglich. Wir besitzen von Dr. Roeder in Berlin genaue ärztliche Untersuchungen darüber, wie wohltätig selbst auf Monate hinaus solche Märsche auf die Gesundheit der Volksschüler einwirken. Und nun sollen solche bescheidene Leistungen, wie diese Geländeübung bis zum Nonnenstromberg für die Gesundheit von Gymnasiasten im Alter vom vollendeten 15. bis zum 19. Lebensjahr eine Gefahr darstellen? , Es lohnt sich nicht, darüber ernstlich zu streiten. In dieser großen Zeit handelt es sich darum, daß derjenige Teil unserer heranwachsenden Jugend, der wohlmöglich im nächsten oder im übernächsten Jahre mit heran muß zu Verteidigung unseres Vaterlandes, sich jetzt schon vorbereitet nach den „Richtlinien“, welche von den Ministern des Krieges, des Kultus und des Inneren gegeben sind. In diesen Richtlinien sind auch solche Geländeübungen und Uebungsmärsche vorgesehen. Die Uebung, welche die Führerschaft des Bonner Wehrbundes für den vergangenen Sonntag angeordnet hatte, fiel durchaus in den Rahmen dieser „Richtlinien“ und stellte nur mäßige Anforderungen an die Teilnehmer. Daß ein Erzieher der Jugend diese öffentlich in dieser Weise herabzusetzen sucht, beweist nur, wie eigenartig doch mancher vom Hauch dieser großen Zeit, die wir durchleben, berührt wird.
Bonn, den 17. Dezember 1914
Prof. Dr. med. F.A. Schmidt,
Vorsitzender des Bonner Wehrbundes

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Dezember 1914Der Krieg und die Presse. Dr. Hermann Cardauns schreibt uns: „Wie mir scheint, liegt es im allgemeinen Interesse der Presse, den Schein zu vermeiden, als habe ein Mitglied des Journalistenverbandes die Handhabung der Präventiv-Zensur ohne Einschränkung gebilligt.
  
Der Bericht über meinen Vortrag „Der Krieg und die Presse“ in Nr. 8850 vom 17. Dezember enthält einige Sätze, deren knappe Fassung zu Mißverständnissen Anlaß bieten könnte. So der Satz: „Redner bezeichnete die scharfe Zensur als durchaus notwendig“. Ich habe grundsätzlich die militärische Präventiv-Zensur während des Kriegszustandes als durchaus geboten und die von den betr. Oberbehörden vorgezeichneten Richtlinien als einwandfrei anerkannt. Andererseits aber habe ich keinen Zweifel daran gelassen, daß ich die praktische Handhabung der Zensur durch lokale Zensurstellen nicht immer als richtig betrachte. Vielleicht verpflichten Sie mich auch noch durch Aufnahme der ergänzenden Bemerkung, daß ich zwar über die Ueberschwemmung der Redaktionen mit dichterischen Erzeugnissen gescherzt, aber auch von Liedern voll Kraft und Innigkeit gesprochen habe.“

Wie lange dauert der Krieg noch? Man schreibt uns: Der in der Sonntags-Nummer mitgeteilte Beschluß des Landgerichts Braunschweig, wonach die voraussichtliche Dauer des Krieges auf ein Jahr bemessen, hat sicherlich manches Herz bekümmert. Einen erfreulichern Beschluß hat das Amtsgericht Rheinbach am 20. Oktober d. J. erlassen. Die Parteien verhandelten streitig zur Sache. Beklagte beantragte den Rechtsstreit bis zur Beendigung des Kriegszustandes auszusetzen, da ihr Ehemann im Felde stehe. Darauf verkündigte das Gerciht folgenden Beschluß „Die Sache wird zur Weiterverhandlung vertagt auf den 26. Januar 1915“ Also bis Kaisers Geburtstag, so um die Zeit, wenn die Bauern alles gedroschen haben. Hoffentlich werden dann auch unserer Soldaten mit dem Dreschen fertig sein.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Gartenbauverein. In der sehr gut besuchten Monatsversammlung, die unter dem Vorsitz des Gartenbaudirektors Günther im Nordischen Hof abgehalten wurde, sprach Herr Obergärtner Sandhack – Mehlem in sehr interessanter Weise über seine Erlebnisse und Eindrücke in Zentral-Rußland während eines etwas 12jährigen Aufenthaltes. Man bekam durch den fesselnden Vortrag des Herrn Sandhack einen Einblick in die unglaublich korrumpierten Verhältnisse der russischen Zivil- und Militärbehörden und erfuhr manches Neue über russische Charaktereigenschaften – In der dann folgenden Aussprache über „In welcher Weise kann der Gartenbauverein Kriegshilfe leisten?“ warnte Herr Beyes vor dem Ankauf von Blumen, die aus Frankreich über die Schweiz nach Deutschland kommen. Eine Versteigerung von Pflanzen und Gemüsekörbchen ergab einen Betrag von 50 Mark, der zum Besten des Roten Kreuzes verwendet wird.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 19. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1914Die Kunde vom Siege in Polen wurde in Bonn erst am Spätnachmittage und in den Abendstunden des Donnerstags so recht bekannt. Das Publikum brauchte Zeit, um aus dem amtlichen Generalstabsbericht die Nachricht von den Erfolgen in Polen herauszufinden. Darin war zuerst vom westlichen Kriegschauplatz zu lesen, dann, daß aus Ostpreußen nichts Neues zu melden sei und zuletzt kamen die inhaltschweren Worte, daß die Offensive der Russen zusammengebrochen sei. Der österreichische Bericht, der später eintraf, bestätigte es, daß die Russen „vollständig geschlagen“ seien. Gegen Abend setzten die Kirchenglocken ein und gaben mit ehernem Munde die Siegesnachricht weiter. Da ging es denn wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt, die Kunde von dem großen Siege im Osten. Die siegverkündenden Fahnen herauszubringen, dazu war es schon zu spät geworden, der kurze Dezembertag war in das Dunkel des Abends versunken. Umso heller aber war die Freude in unseren Herzen. Gestern morgen erschienen die Fahnen auf den Balkonen, in den Fenstern und auf den Dächern, die dankend die Taten unseres tapferen Heeres grüßten. Verschiedentlich sah man auch die österreichischen Farben im Winde wehen; und das mit Recht, ist der Sieg in Polen doch ein deutsch-österreichisch-ungarischer Sieg. – Die höheren Schulen in Bonn blieben gestern zur Feier des Sieges im Osten geschlossen.

Vaterländische Reden und Vorträge. Der nächste Vortrag findet nicht, wie sonst üblich, am Mittwochabend statt, sondern bereits am nächsten Dienstag, den 22. Dezember um 8 ½ Uhr in der Aula des Städtischen Gymnasiums. Herr Benediktinerpater Albert Hammenstede wird über „Krieg und Soldatenstand im Lichte der katholischen Liturgie“ sprechen. Die Wiederholung dieses Vortrags findet erst nach dem Weihnachtsfeste statt.

Im Palasttheater wird heute und die folgenden Tage das Kriegsbild „Das Vaterland ruft“ vorgeführt, ein Heldenstück aus dem jetzigen Kriege.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1914Die Münsterbibliothek im Kriege. Es wird uns geschrieben: Wenn man von dieser großen Zeit mit Recht eine Erhebung und Wiedergeburt des deutschen Volkes in mancherlei Hinsicht erwartet, so darf auch die Literatur eine Neubelebung erhoffen, insofern sich deutsche Art und deutsches Wesen auf sich selbst besinnen und von den verderblichen Einflüssen einer fremdländischen Literatur sich frei machen wird. Deshalb verdienen schon unsere Volksbibliotheken auch im Kriege eine wohlwollende Beachtung. Aber es kommt noch Wichtiges hinzu. Auch in diesen aufregenden Tagen greift man gerne zu einem schönen Buch, denn, sollen die Bücher die Freunde sein, dann dürfen sie ihn auch in schweren Zeiten nicht verlassen. Wenn man mehr denn sonst einer Aufmunterung und Ablenkung bedarf, dann sollen die Bücher erst recht dem Menschen nicht fehlen; die ihn wieder aufrichten und erfrischen; die ihn einmal für kurze Zeit der rauhen Wirklichkeit entreißen und die Gedanken auf friedlichen Gefilden sich ergehen lassen. Daher betrachtet es auch die Münsterbibliothek als eine vorzügliche Aufgabe, ihre Tätigkeit in den Dienst einer edlen Sache zu stellen und dem Lesebedürfnis des Volkes entgegen zu kommen. Sie wendet sich darum auch an die weitesten Kreise der Bevölkerung und ladet sie zur Mitgliedschaft ein. Die Bibliothek umfaßt nahezu 5000 Bände aus allen Gebieten der Literatur. In dem letzten Jahre wurden allein für ungefähr 1000 Mk. neue Bücher eingestellt und 20.775 Bücher ausgeliehen. Ihrem Grundsatz „Vom Guten das Beste“ ist die Münsterbibliothek stets treu geblieben und so werden von den Neuerscheinungen auf dem Büchermarkte nach sorgfältiger Prüfung die besten Erzeugnisse aufgenommen, so daß auch das Neueste, soweit es beachtenswert und einwandfrei, stets vorhanden ist. (...) Weihnachten steht vor der Türe, und manchem wird es schwer sein, einpassendes Weihnachtsgeschenk zu finden. Eine Mitgliedskarte der Münsterbibliothek würde vielen eine ebenso angenehme wie nützliche Gabe sein, und die geringe Auslage wird sicherlich viel Freude und Segen stiften. (...)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1914Mietezahlung von Kriegsteilnehmern. Sie brachten in der Donnerstags-Nummer einen Sprechsaal-Artikel, in dem sich die Frau eines Kriegsteilnehmers darüber beschwert, daß eon gutsituierter Hausbesitzer sich geweigert hat, 3 Mark von der Miete nachzulassen. Zudiesem Kapitel kann ich Ihnen einen Beitrag liefern, der meiner Ansicht nach die Handlungsweise dieses glücklichen Hausbesitzers noch übertrifft: Ich bin Witwe und ernähre mich durch das Vermieten möblierter Zimmer. Bei Ausbruch des Krieges kündigten mir sechs Herren die Wohnung und vier andere aus Ungarn mußten ebenfalls abreisen. Aus diesem Grunde bat ich meinen Hauswirt, die Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1914Miete nachträglich zahlen zu dürfen. Stattdessen verklagte er mich und kündigte mir sofort die Wohnung. Durch Gerichtsbeschluß darf ich nun die Miete nachträglich zahlen, erhielt aber dafür eine Gerichts- und Anwaltsrechnung von annähernd 200 Mark. Bei etwas Entgegenkommen von seiten meines Hauswirts wären mir diese Unkosten erspart geblieben. Frau L.

Postbestellung durch Damen. Bei der großen Fülle von Paketen und Briefen zur Weihnachtszeit würde es sich wohl empfehlen, auch Damen einzustellen, da die Soldaten, die sonst herangezogen wurden, jetzt im Felde stehen. Zudem hat ein Liebesgabenpaket, das von zarter Hand gereicht wird, noch einen erhöhten Wert. Vielleicht tritt die Postverwaltung dieser Anregung einmal näher. Eine für Viele.

Zur Nachahmung. Ein rührender Anblick bot sich mir gestern, als ich unverhofft eine liebe Bekannte besuchte. Sie war damit beschäftigt, für unserer Verwundeten eine mächtige Kiste mit Liebesgaben für ein Feldlazarett sorgfältig zu verpacken. Freudestrahlend gestand sie mir, daß sie zugunsten armer Verwundeten in Feindesland auf jedes Weihnachtsgeschenk verzichtet habe. Gewiß eine schöne Tat, Deutschland kann stolz auf so edle Frauen sein. Frau Sch.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1914Einladung der Franzosen an deutsche Soldaten. In einem Schaufenster der Geschäftsstelle der Deutschen Reichszeitung kann man eine gedruckte Einladungskarte sehen, die französische Flieger deutschen Soldaten zugeworfen haben. Der Text dieser Karten lautet:
  
„An die deutschen Soldaten! Es ist nicht wahr, daß wir, die Franzosen, die deutschen Gefangenen erschießen oder mißhandeln. Im Gegenteil, unsere Kriegsgefangenen werden gut behandelt, und bekommen gut zu essen und zu trinken. Diejenigen von euch, die dieses erbärmlichen Lebens überdrüssig sind, könne sich ohne Angst den französischen Vorposten unbewaffnet melden. Sie werden gut empfangen werden. Nach dem Krieg darf jeder wieder nach Hause.“
Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1914   Wie die deutschen Soldaten dieser Einladung Folge geleistet haben, ist aus den Tagesberichten des Hauptquartiers bekannt.

Student und sozialpatriotische Tätigkeit. (...) Wie am 7. Dezember, so hielten auch gestern zwei Studenten, Mitglieder der Sozialstudentischen Bewegung, Zentrale Bonn, im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in je einem Saal Vorträge vor den Verwundeten. Die einfache und daher sehr ansprechende Art der Vorträge sowie der packende Inhalt, der der weltbewegenden jetzigen Zeit entnommen war – der eine Herr sprach über die Entwicklung des englischen Weltreiches und die Spannung zwischen England und Deutschland, der andere über unsere Feinde und ihre Gründe zum Eingreifen – ließ die Zuhörer aufmerksam folgen. Ein auf den ernsteren Vortrag folgendes Gedicht heiteren Charakters gab auch dem Frohsinn sein Recht. Die Anteilnahme der Verwundeten kam zum Ausdruck in dem an die Studenten gerichteten Wunsche, „noch mal wiederzukommen“.
  
Jetzt, wo das Vaterland mehr und mehr seine Kämpfer unter die Fahnen ruft, lichten sich auch mählich die Reihen unter den Mitgliedern der Sozialstudentischen Bewegung; da darf man wohl den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, daß sich noch manche bisher weniger Interessierte finden, die bereit sind zu sozialpatriotischer Tätigkeit. Anmeldungen nimmt entgegen die Sozialstudentische Zentrale Clemensstraße 7.

Ein 15jähriger Bengel hat sich einen neuen Trick ausgedacht, um gute Gelegenheit zum „mopsen“ zu finden. Er geht in die Häuser bessersituierter Bürger, bietet Eier zum Verkauf an und benutzt einen geeigneten Augenblick, um Sachen und Sächelchen, die ihm gefallen, verschwinden zu lassen. Man hat das Bürschchen noch nicht festnehmen können. Es sei vor ihm gewarnt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Sonntag, 20. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Dezember 1914Vom Kriegsgericht wurde gestern der Fürsorgezögling K,. aus Oberdollendorf zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte im Siebengebirge ein junges Mädchen angehalten, um von ihm Geld zu erpressen. Er erreichte allerdings seinen Zweck nicht.

Der dritte städtische Volksunterhaltungsabend, der gestern im großen Saal des Bürgervereins stattfand, war der Weihnachtsstimmung gewidmet. Das kam am schönsten und feinsten zum Ausdruck in den Weihnachtsliedern, die Frl. Henny Wolf sang. Mit ihrem jugendfrischen, gesunden Sopran gab sie zwei stimmungsvollen Liedern Gretschers („Rauhreif vor Weihnachten“ und „Maria am Spinnrocken“), dem wirkungsvoll und eigenartig gesetzten Weihnachtslied „Heilige Nacht“ von Fritz Fleck und Menzens einfach innigem „An das Christkind“ verhaltene Empfindung und überzeugende Innerlichkeit. An dem reichen Beifall, der dieser schönen, auch im rein Musikalischen, in Phrasierung und Tongebung vortrefflichen Leistung dankte, durfte auch Herr Kapellmeister Sauer für seine feinsinnige Begleitung am Flügel teilnehmen. Das Städtische Orchester brachte Stücke, die sehr gut zu der Gesamtstimmung des Abends paßten. Als vortrefflichste Gabe nimmt man die Bruchstücke aus Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“, die unter Sauers belebender Leitung sehr fein schattiert und mit ausgezeichneter Klangwirkung gespielt wurden. (...) Frl. Emmy Krüger, die Sentimentale unseres Stadttheaters, trug Märchen und Kindergedichte vor und gab zum Schluß in einer Art Sprechgesang Leo Hellers ein wenig sentimentales Gedicht „Das Hellerlein“. Auch ihr dankte reicher Beifall. Mit dem gemeinsamen Gesang „Stille Nacht, heilige Nacht“ schloß der Abend.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Dezember 1914Brennspiritus statt Petroleum. Das stellvertretende Generalkommando des 9. Korps weit, da die Petroleumvorräte des Deutschen Reiches verringert sind, auf die Notwendigkeit der Einschränkung des Petroleumverbrauchs hin, damit einem völligen Mangel möglichst vorgebeugt wird. Es empfiehlt der Verwendung von Brennspiritus.

Ein 68jähriger Bonner als Sanitätssoldat. Man schreibt uns aus Lille in Nordfrankreich: Bei der hier in Lille stationierten Sanitätskolonne vom Roten Kreuz „Prinzessin Viktoria“ befindet sich ein Kamerad im Alter von 68 Jahren, der sich sofort bei Ausbruch des Krieges als freiwilliger Krankenträger gemeldet hat und später zur Sanitätskolonne vom Roten Kreuz übergetreten ist. Bei dem Ausmarsch der freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz am 2. November zog er mit in Feindesland. Es ist dies unser Gruppenführer, Herr Alex Holler aus Bonn, Bergstraße, der schon den Feldzug 1870/71 mitgemacht hat. Der noch rüstige Herr wird von allen seinen Kameraden hochgeschätzt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 20. Dezember 1914Pförtner, nicht „Portier“. Die Staatsbahnverwaltung hat für ihre Dienststellen folgende Verfügung erlassen: „Die Bahnhofspförtner, die noch mit den alten Brustschildern – der Aufschrift „Portier“ – ausgerüstet sind, sollen jetzt solche mit der vorschriftsmäßigen Bezeichnung „Pförtner“ erhalten. Damit wird amtlich ein häufig ausgedrückter Wunsch erfüllt. Hoffentlich wird jetzt überall die Bezeichnung „Pförtner“ eingeführt.

Ein einbeiniger Invalide verursachte am Freitag abend spät auf dem hiesigen Bahnhof im Wartesaal 3. Klasse einen großen Auflauf. Da man ihm den Aufenthalt im Wartesaal zum Nächtigen nicht gestatten wollte und ihm auch die Verabreichung geistiger Getränke verweigert wurde, bedrohte er mit einer Krücke die Anwesenden und drang auch schließlich auf das Bahnpersonal ein, weil dieses das Zertrümmern der Fensterscheiben verhindern wollte. Die zur Hilfe gerufene Polizei hatte mit dem jähzornigen Menschen, der sich mehrfach auf den Boden fallen ließ und dann wieder aufschnellte, ihre liebe Not. Nur mit großer Mühe gelang es, den aufgeregten Burschen unschädlich zu machen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 20. Dezember 1914Eine neue Zeitung ist von unseren Truppen auf französischen Boden gegründet worden. Sie heißt „Liller Kriegszeitung“. Die erste Nummer, die vom 8. Dezember datiert ist, hängt in einem Schaufenster unserer Geschäftsstelle aus. Das Herz lacht einem vor Freude und Stolz, wenn man dieses Blatt in die Hand nimmt. Soldaten – Mannschaften und Offiziere – erzählen darin, was ihnen Ernstes und Heiteres begegnet ist beim Marsch, Biwak, Gefecht, Schützengraben und Sturm. Und sie erzählen das in der guten deutschen Schlichtheit und Herzhaftigkeit, die immer das beste Zeichen deutscher Ehrlichkeit war. „Wenn dieses Blatt unseren Gegnern bekannt wird“ – so schließt der einleitende Artikel der ersten Nummer – „so sollen sie erkennen, wie groß, wie stark, wie kampfesmutig, wie siegesgewiß, wie herzensfröhlich ist: das deutsche Heer.“

Zündhölzer dürfen nicht mit der Feldpost verschickt werden. Auf dieses schon früher erlassene Verbot wird amtlicherseits noch einmal aufmerksam gemacht. Denn es sind wiederholt durch Zündhölzer, die mit der Post verschickt wurden, größere Brände entstanden; erst vor kurzem ist, wie wir schon berichteten, ein ganzes Feldpostauto durc Selbstentzündung von Streichhölzern in Brand geraten. Auch in Blechdosen und ähnlichen starken Verpackungen dürfen keine Zündhölzer verschickt werden. Wer diesem Verbot zuwider handelt, kann nicht nur die Allgemeinheit empfindlich schädigen, sondern hat auch mit seiner Person, vorbehaltlich der Bestrafung nach den Gesetzen, für jeden entstehenden Schaden zu haften.

Königl. Universitäts-Augenklinik. Das Quartett Harmonie, bestehend aus den Herren Toni Merz, Johann Heck, Willy Bünten und Gerhard Stüsser, erfreute am Donnerstag abend zum zweiten Male die Verwundeten der Königl. Augenklinik durch musikalische Darbietungen. Die Herren ernteten großen Dank und reichen Beifall.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 21. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Dezember 1914Der Goldene Sonntag. Der letzte Sonntag vor Weihnachten, von den Geschäftsleuten hoffnungsvoll der Goldene genannt – heuer wohl richtiger der Papierne – hat seinem klangvollen Namen auch in diesem Jahr keine Unehre gemacht. Man kann wohl behaupten, daß der Goldene Sonntag sich bei uns in Bonn in seinem Ergebnis für die Geschäftswelt recht erträglich gestaltet hat und daß trotz der Kriegszeit rege Kauflust vorhanden war. Gewiß, die Erwartungen und Wünsche, die der Geschäftsmann sonst in den Goldenen Sonntag zu setzen pflegte, die mußte man in diesem Jahre heruntersetzen, und einige Geschäftszweige – besonders wohl Luxusgeschäfte – haben sicher einen großen Ausfall gehabt. Einen Vergleich mit den Ergebnissen eines normalen Jahres darf man ja für das Weihnachtsgeschäft im Kriegsjahr nicht ziehen wollen. In den Geschäften mancher Branchen sind schon im November sehr zahlreiche Weihnachtseinkäufe für unsere Krieger im Felde gemacht worden. Sie haben dadurch, wenn auch die Einkäufe im eigentlichen Weihnachtsmonat vielleicht geringer waren, einen zufriedenstellenden Umsatz erzielt. Einige Geschäfte haben trotz der Kriegszeiten sehr gut verkauft. So teilt uns eine angesehene Firma der Spielwarenbranche mit, daß sie noch nie einen so guten Goldenen Sonntag erlebt habe wie heuer. Im allgemeinen hat das kaufende Publikum nach Möglichkeit den ihm seit langem immer wieder vorgetragenen Mahnruf befolgt und sich nicht lediglich von einer falsch angebrachten Sparsamkeit beherrschen lassen. – Der gestrige freundlich-helle Nachmittag brachte auch viel Zuzug von Käufern aus der Umgebung, abends sah man Käufer und Käuferinnen mit Paketen beladen zu den Bahnhöfen und den Abfahrtstellen unserer elektrischen Vorortbahnen eilen. Unsere Geschäftsleute hatten durch geschmackvolle Dekorationen ihrer Läden ihr möglichstes getan, die Kauflust des Publikums anzuregen. In den Nachmittagsstunden waren die Hauptgeschäftsstraßen unserer Stadt von einer tausendköpfigen Menge belebt. Es sind jetzt nur noch wenige Tage bis zum Christfest. Mögen die Bewohner unserer Stadt, soweit sie dazu in der Lage sind, diese Zeit noch recht ausgiebig ausnutzen für Einkäufe aller Art, damit unser Geschäftsleben nicht ins Stocken gerät; auch das gehört zur inneren Kriegsrüstung.

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Dezember 1914Der Bürgerverein „Eintracht“ hielt gestern um 4 Uhr seine Weihnachtsfeier im Vereinshause an der Rathausstraße ab. Der Saal war vollbesetzt. Die Feier begann mit dem Liede: „Wir treten zum Beten“. Dann sprach Herr Professor Dr. Sell. Er führte aus: Ein solches Weihnachtsfest hat noch keiner von uns erlebt. Starke Militärmächte wollten unsere Grenzen überschreiten und uns vernichten. Gott hat es anders gewollt. Unsere Soldaten müssen Schreckliches tun, um das Vaterland zu retten. Der gewaltige Trost in dieser ernsten Zeit ist die Engelsbotschaft: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, an denen Gott sein Wohlgefallen hat“. Jesus ist gekommen auf die Erde, um den Menschen Frieden zu bringen. Gott wird ein Wohlgefallen an uns haben, wenn wir in uns gehen. „Ehre sei Gott in der Höhe“, heißt es. Wir sind es der Ehre Gottes schuldig, wenn wir den Kampf durchhalten bis zum siegreichen Ende. – Dann wurden abwechselnd Weihnachtsgedichte und Orchesterstücke vorgetragen. Besonders ansprechend wurde deklamiert „Die heilige Nacht“ von Kurz. Dann öffnete sich der Nebensaal und der helle Lichterbaum erstrahlte. Auf langen Tischen standen Teller mit Gebäck. Es war eine Freude zu sehen, wie die Kinder die Gaben einpackten und freudestrahlend den Saal verließen.

Der Wehrbund unternahm nach Besichtigung und Besprechung der von den Rekruten in Kessenich vorschriftsmäßig ausgehobenen Schützengräben am Sonntagnachmittag einen Uebungsmarsch in aufgelösten Schützenketten quer durch den Kottenforst. Die Werbestelle des Wehrbundes bliebt bis zum 27. Dezember geschlossen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Dezember 1914Dritter städtischer Volksunterhaltungsabend. Zu einer leisen, stillen, aber die Saiten der Seele in sanfte Schwingung versetzenden Weihnachtsfeier, zu deren äußeren Vollen­dung leider die Lichtertannen der Vorjahre fehlten, gestaltete sich dieser jüngste Volksun­terhaltungsabend. Er wurde von Kapellmeister Heinrich Sauer trefflich eingeleitet durch Eugen d'Alderts (?) Vorspiel zu dem Musikmärchen „Der Rubin“. Es wagnerianert darin nicht we­nig, inhaltlich wie in der Behandlung des Orchesters; bleibt aber gleichwohl doch leidlich originell und ist stets lieblich anzuhören. Die Wiedergabe war – besonders von dem Alle­gro an --- gut. Das Charakterstück „In der Christnacht“ offenbart zwar nur gerin­gen musi­kalischen Charakter des Autors B. Hanekam. Unser Orchester jedoch machte aus dem Stück, was sich machen ließ, und das erste Horn wirkte daran vorzüglich mit. Die Musik­märchen von Fr. Bendel (vorgestern gab's das „Aschenbrödel“) mit ihrer leicht ein­gänglichen Musik, ihrer rümlichen Situationsmalerei, ihrer klangreichen Instrumentationen, die nie dem Märchenhaften Gewalt antut, verfehlen selten ihre Wirkung.
   Auch am Samstag nicht. Die prächtige Polonaiser war sogar ein Musterbeispiel von schwungvollem, temperamentreichem Spiel. Ueber die Musik zu „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck noch ein Wort zu verlieren, ist überflüssig. Ebenso über die samstägige Wie­dergabe der Fantasie; denn sie erfüllte (soweit angängig) jeden berechtigten Wunsch. Zum zweiten trug zum guten Gelingen bei Emmy Krüger vom Bonner Stadttheater. Sie las und zunächst vor die Andersensche liebliche Mär von dem Mädchen mit den großen Pan­toffeln und den brennenden Schwefelhölzchen. Und zwar mit einer sehr sympathischen, anheimelnden, zum Märchenerzählen recht geeigneten Stimme, die Emmy Krüger aber später für einen Saal (wie der „Bürgerverein“ ist) besser einstellen wird. Es folgten nachher der „Kindertraum“ von Robert Reimann und „Das Hellerlein“ von Leo Heller. Vortrag und Betonung wie oben schon bemerkt. Der Gesang aber bedarf noch einiger Nachhilfestun­den.
  Anzeige im General-Anzeiger vom 21. Dezember 1914 Und Henny Wolff spendete einige Lieder moderner Richtung. Von Jakobus Menzen ge­mütsvollem, innigen Gesange „An das Christkind“ angefangen über Phil. Gretscher, der ei­nigermaßen in seiner sonst sehr zu lobenden Musik janusköpfig vorwärts und rückwärts schaut – wir hörten von ihm „Rauhreif vor Weihnachten“ und „Maria am Rocken“ - bis zu dem sehr fortschrittlichen Fritz Fleck, dessen „Heilige Nacht“ allerdings in seiner leitmotivi­schen Arbeit eine ganz außerordentliche Leistung ist. Henny Wolff sang alle diese Lieder, für die wir ihr sehr danken, durchaus sinngemäß und mit dem schon oft erwähnten, wohl­tuenden süßen Klang ihres Organs. Wir erwähnen besonders die „Heilige Nacht“. Sie mußte sich zu einer Zugabe entschließen. H. Sauers Begleitung ist ebenfalls zu loben. Zu Ende der gemeinschaftliche Gesang „Stille Nacht“.

Jüdische Gemeinde Bonn. Gestern beging die jüdische Gemeinde in dem dichtgefüllten Gotteshause die Chanukkafeier. Nach einem Gebet des Herrn Oberkantors Baum wurden von zwei Jungen die Chanukkalichter (Weihelichter) angezündet. Hierauf richtete Herr Rabbiner Dr. Cohn unter Hinweis auf die Kriegswirren eine kernige, siegesfreudige Ansprache an die Gemeinde. Die Knaben und Mädchen boten alsdann Vorträge, die zeigten, daß den Kindern die Literatur ihres Glaubens, ebenso wie die deutsche Vaterlandsliebe tief im Herzen wurzelt. Ein Schlußwort des Herrn Rabbiners Dr. Cohn beendete die schöne Gemeindefestlichkeit.
  
Von der üblichen Bewirtung (Schokolade und Kuchen) der Kinder wurde in diesem Jahre Abstand genommen, jedoch die hierfür bei den Gemeindemitgliedern gesammelte Summe bedürftigen Familien der im Felde stehenden Krieger überwiesen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 21. Dezember 1914Die Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz, über die wir in der Samstag Morgenausgabe ausführlich berichtet haben, eröffnete der Vorsitzende, Herr Landrat von Groste, mit folgender Rede:
   Ich eröffne die ordentliche Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer. Meine hoch­verehrten Herren! Unsere diesjährige Hauptversammlung fällt in eine Zeit, wie sie ernster un­serem teueren Vaterlande wohl kaum jemals beschieden gewesen ist. Haß- und neider­füllte Nationen haben sich verbündet, um unser Deutsches Reich, das eine friedliche Ent­wicklung der Kultur anstrebte, frevelhaft zu überfallen. Schon fast 5 Monate tobt der Krieg. In schweren und blutigen Kämpfen sind unsere braven Truppen über die Grenze gedrun­gen, um die furchtbaren Verwüstungen des Krieges von den gesegneten heimischen Flu­ten abzuwehren. Unter Gottes gnädigem Beistand haben sie den Sieg an ihre Fahnen ge­knüpft. In der ganzen Welt bewunderte Heldentaten hat unsere Marine auf dem Weltmee­re geleistet; fest geeint gedenkt das deutsche Volk unter der sicheren Führung seines Kai­sers in tiefster Dankbarkeit der großen Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 21. Dezember 1914Taten und der schweren Opfer unserer Truppen und der in treuer Waffenbrüderschaft mit ihnen kämpfenden österreichisch-ungarischen Armee. In fester Zuversicht erhoffen wir den endgültigen Sieg. Aber wir wissen, daß auch wir, die wir in der Heimat zurückgeblieben sind, alle nach Kräften mitarbeiten müssen, wenn uns der Sieg und nach dem Sieg ein ehrenvoller und dauerhafter Friede gesichert werden soll, daß wir durch alle Dinge, für die wir zu sorgen haben, unserem Vaterlande auch die wirt­schaftliche Kraft und Widerstandsfähigkeit erhalten, und da fällt zumal der Landwirtschaft eine große und wichtige Aufgabe zu.
   Gestärkt durch eine gesunde Wirtschaftspolitik ist die Landwirtschaft Gott sei Dank im Stande, diese Aufgabe zu erfüllen, aber nur dann, meine Herren, wenn jeder einzelne sich ganz in den Dienst dieser Aufgabe, in den Dienst des Vaterlandes stellt und dazu anzu­spornen, dazu beizutragen, ist eine ehrenvolle Pflicht der Organisation des landwirtschaft­lichen Berufsstandes, der Landwirtschaftskammer. Das wollen wir in dieser Zeit mehr denn je betonen, und in diesem Geiste auch heute wiederum unsere Verhandlungen führen. Um dieser Gesinnung Ausdruck zu geben, bitte ich Sie, mit mir unserem erhabenen Kaiser und König das Gelöbnis unwandelbarer Treue und Ergebenheit zu erneuern, indem Sie einstimmen in den Ruf: „Seine Majestät unser Allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II, er lebe hoch, hoch und abermals hoch!“

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 21. Dezember 1914Winteranfang ist heute; das heißt, die Sonne hat ihren entferntesten Standpunkt von der Erde erreicht und nähert sich ihr langsam wieder. Auf der südlichen Hemisphäre beginnt heute der Winter, welcher sich aber nicht mit Eis und Frost, sondern in den meisten Ländern mit ergiebigen Regengüssen bemerkbar macht. Die Nacht von heute auf morgen ist die längste des ganzen Jahres.

Feldpostsendungen mit unzulässiger Adresse. Neuerdings werden öfters Feldpostbriefe, besonders Zeitungen unter Briefumschlag, mit der Adresse: „An ein beliebiges Regiment im Osten“ oder „An ein Etappenlazarett im Westen“ u. a. ausgeliefert. Derart unbestimmt adressierte Sendungen können von der Post nicht weitergesandt , müssen vielmehr als unzustellbar behandelt werden.

Die Gemäldeausstellung der Gesellschaft für Literatur und Kunst im Oberniermuseum wird nach Weihnachten geschlossen. Sie ist in den letzten Tagen erweitert worden durch einige Gemälde des Bonner Malers Seehaus.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 22. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Dezember 1914Unsere Studenten im Felde. Um davon Kenntnis zu erhalten, welche Studierende durch die Mobilisierung zu den Fahnen gezogen worden sind, hatte die Universität im September alle, im Sommersemester 1914 immatrikulierten Studenten deutscher Nationalität durch Karte mit Rückantwort ersucht, ihr Militärverhältnis angeben zu wollen. Wie vorausgesehen, sind die Karten derjenigen Studierenden, deren Eltern in großen Städten wohnen und deren genaue Adresse der Universität nicht bekannt war, unbestellbar zurückgekommen, so daß die folgende Statistik auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben kann. Immerhin dürfte die Bekanntmachung der bis jetzt ermittelten Beteiligung der Bonner Studentenschaft an dem heiligen Kampfe fürs Vaterland geboten erscheinen. Es haben die bis jetzt eingegangenen Mitteilungen ergeben, daß von den, bei der Mobilmachung immatrikulierten 4006 Studenten deutscher Nationalität 2091 dem Heere eingereiht sind. Trennt man diese Zahl in diejenigen, die bereits ihrer Militärpflicht genügt hatten oder als Einjährige einem Truppenteil angehörten und diejenigen, die sich bei der Mobilmachung freiwillig zum Dienstantritt meldeten und das Glück hatten, sofort eingestellt zu werden, so stellt sich die Zahl der ersteren auf 461. Von diesen sind einer Oberst und Chef des Stabes bei dem Guvernör in Belgien, einer Major und Kommandör eines Landwehr-Bataillons, achtzehn sind Reserveleutnants, 109 Offizierstellvertreter, 120 Unterärzte, 62 Unteroffiziere der Reserve, 75 Sanitätsunteroffiziere, 5 Feldgeistliche, 6 bei der Kraftfahrtruppe, 6 Feldmagazininspektoren, 48 Einjährige der Infanterie, 7 der Kavallerie und 3 wurden als Gefangene in England zurückgehalten. Freiwillig hatten sich gemeldet 2656, von denen eingestellt wurden 616 bei der Infanterie, 587 bei der Artillerie, 180 bei der Kavallerie, 67 bei den Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. Dezember 1914Pionieren, 19 bei den Jägern, 22 bei den Telegraphenabteilungen, 22 bei den Luftschiffer-Abteilungen, 11 bei der Marine, 4 bei den Eisenbahntruppen, 35 beim Train, 10 bei den Landsturmtruppen, einer bei den Fortifikationstruppen und 56 bei Truppenteilen, die nicht angegeben waren. 181 sind tätig bei der Organisation des Roten Kreuzes im Etappengebiet, bei Begleitabteilungen, in Lazaretten und als Sanitätshundführer. Der Rest wurde teilweise zu einem Truppenteil angenommen und wartet auf Einberufung, teilweise als nichtmilitärdiensttauglich abgewiesen. Von den Angehörigen der Universität sind bisher 52 gefallen oder ihren Wunden erlegen. Eine größere Zahl hat sich das Eiserne Kreuz erworben, darunter einer das Kreuz erster Klasse. Die Universität wäre dankbar, wenn ihr noch ausstehende Nachrichten über ihre jetzigen Angehörigen, wie über die, welche bei Kriegsbeginn ihr noch angehörten, zukommen würden, damit sie in die Lage gebracht wird, den Anteil ihrer Studentenschaft an dem Kampfe festzustellen und späteren Geschlechtern zu überliefern.

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Dezember 1914Brieftaubenschützen. Die Militärbehörde hat wiederholt Verwarnungen gegeben für diejenigen Schützen, die es noch immer nicht unterlassen können, auf feldernde Tauben zu schießen. Es muß nochmals darauf hingewiesen werden, daß alle im Felde befindlichen nach Futter suchenden Tauben Militärbrieftauben sind oder Brieftauben der Zuchtvereine, die diese Tiere der Militärbehörde zur Verfügung stellen mußten und hierdurch Militärbrieftauben geworden sind. Da eine Anzahl Mitglieder der Brieftaubenvereine andauernd darüber Klage führen, daß ihre Tiere entweder gar nicht zurückkehren oder angeschossen, so wird hiermit nochmals auf die strengen Strafbestimmungen aufmerksam gemacht. Mitglieder des Brieftaubenvereins „Kriegpost“ haben Prämien ausgesetzt für denjenigen, der die unverbesserlichen Brieftaubenschützen so namhaft macht, daß diese zur Anzeige gebracht werden können. Feldernde Tauben bringen dem Landwirt keinen Schaden, da, wie einwandfrei festgestellt ist, die Nahrung felderner Tauben hauptsächlich aus Unkrautsamen besteht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Dezember 1914An das liebe Christkind im Himmel bei dem Engel, so schreibt ein kleiner Junge aus der Eifel: Liebes Kristkind. Ich will dieses Jahr nichts haben. Bringe es den Kindern, deren Vater im Krieg ist. Ich hatte schon in den Krieg gehen wollen. Ich wäre auch gegangen, aber meine Eltern wollten es nicht haben.

Die Ausstellung zeitgenössischer Künstler, die z. Zt. im Obernier-Museum untergebracht ist, erfreut sich eines ziemlich regen Besuches. Neuerdings ist die Sammlung um einige Bilder von Paul Seehaus vermehrt worden. Findet man sich mit der Tatsache ab, daß sich der Kubismus mit seinen Zwischenstufungen sich nun einmal im Kunstleben breitgemacht hat und geradezu „Modesache“ geworden ist, so kann man beim Betrachten der fünf Bilder feststellen, daß man es hier mit einem maßvollen Vertreter dieser Richtung zu tun hat. Ihm ist die „Idee“ des Gegenständlichen immer noch wichtiger, als die als das „schrankenlose Ausleben des farbigen Gefühles“ (wie Corinth dies einmal gesagt) auf die Leinwand. [sic!] – Der Zufall will, daß neben diesen Bildern ein Kinderbildnis des früheren Bonner Malers Paul Türoff hängt. Ein köstliches Bild, das dem Beschauer ebenfalls klar macht, wie sich dieses „farbige Gefühl“ in einer wenn auch gewagten Zusammensetzung (in diesem Fall Grün in Grün) auf eine „andere“ Art und Weise, jedenfalls aber mit künstlerisch stärkerem Temperament „auslebt“.

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Dezember 1914Die Kriegsnot machte eine Mutter, die wegen Hehlerei vor der Strafkammer stand, dafür verantwortlich, daß ihr Junge, ein 15jähriger Laufburschen, 60 Mark gestohlen hatte. Der Junge hatte das gestohlene Geld seiner Mutter gegeben, die es für die täglichen Lebensbedürfnisse verwendete. Auf die Frage, warum er das Geld gestohlen habe, erwiderte der Angeklagte, er habe seiner Mutter helfen wollen. Zu Hause sei Not. Das Gericht verurteilte den Burschen wegen Diebstahls zu vier Wochen, die Mutter wegen Hehlerei – weil sie gewußt hatte, daß es sich um gestohlenes Geld gehandelt habe – zu sechs Wochen Gefängnis.

Brieftaubenschützen. Die Militärbehörde hat wiederholt Verwarnungen gegeben für diejenigen Schützen, die es noch immer nicht unterlassen können, auf feldernde Tauben zu schießen. Es muß noch mal darauf hingewiesen werden, daß alle im Feld befindlichen, nach Futter suchenden Tauben Militärbrieftauben sind oder Brieftauben der Zuchtvereine, die diese Tiere der Militärbehörde zur Verfügung stellen mußten und hierdurch Militärbrieftauben geworden sind. Das eine große Anzahl der Militärbrieftauben-Vereine andauernd darüber Klage führt, daß ihre Tauben entweder gar nicht zurückkehren oder angeschossen werden, so wird hiermit nochmals auf die strengen Strafbestimmungen aufmerksam gemacht. Mitglieder des Brieftaubenvereins „Kriegspost“ haben Prämien ausgesetzt für denjenigen, der die unverbesserlichen Brieftaubenschützen so namhaft macht, daß diese zur Anzeige gebracht werden können. Feldernde Tauben bringen den Landwirten keinen Schaden, da, wie einwandfrei festgestellt ist, die Nahrung feldernder Tauben hauptsächlich aus Unkrautsamen besteht.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. Dezember 1914Sind nur die „Mieter“ im Krieg? Wenn man die fortwährenden Sprechsaalartikel gewisser Mieter liest, sollte man meinen, die Verteidigung unseres lieben Vaterlandes hinge nur von den Mietern ab.
  
Es gibt in Bonn Fälle, wo Handwerker, die durch ihren Beruf gezwungen sind, Haus-„Besitzer“ zu sein, im Felde stehen. Der Zufall will es, daß die meisten in einem solchen Falle Bewohner des Hauses sind. Die Werkstelle legt brach, die hohe Miete in Form von Zinsen geht weiter. Könnten da die Mieter, so weit sie nicht im Kriege sind, nicht sagen, wir wollen der Hausfrau monatlich 3 – 4 Mark mehr Miete zahlen, wo jene meist wissen, daß Frau Sorge hier eingezogen. Ich stelle die Behauptung auf, Haus-„Besitzer“ im wahren Sinne des Wortes gibt es in Bonn wenig, die sich mit Mietern herumärgern müssen; die tatsächlichen Besitzer von Häusern wohnen meistens allein.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Der Naturheil-Verein feierte letzten Sonntag sein diesjähriges Weihnachtsfest. Der Saal im kath. Vereinshause war bis zum letzten Stuhl besetzt. Theaterstücke, von 31 Kindern des Vereins aufgeführt, sowie andere Bühnen- und Musikvorträge wechselten in bunter Reihenfolge und fanden großen Beifall. – Eine Festrede des Vorsitzenden legte die Ziele und Aufgaben des jungen Vereins dar, der nur der Wohltätigkeit und Aufklärung des Volkes sich widme, in letzter Zeit für die Linderung des Loses der in Feindesland stehenden Vaterlandsverteidiger arbeite und für dieselben große Opfer gebracht habe. – Eine Verlosung gediegener Gegenstände bildete den Schluß des Festes.

Sanitätshunde. Von der hiesigen Sammelstelle sind gestern abend wieder drei weitere Sanitätsführer mit Hunden nach der Front abgegangen. Führer sind die Herren Referendar Br. Beckhoff, Referendar Hölken und Gymnasialschüler Fritz Monreal aus Bonn. Die Hunde sind für das 1. bayrische Armeekorps bestimmt. Die Führer sind zunächst nach München beordert worden, wo ihre Einkleidung erfolgen wird. In den nächsten Tagen werden die übrigen Führer und Hunde der hiesigen Meldestelle sämtlich zur Front abgehen. Es werden daher wieder weitere Führer und Hunde eingestellt. Herren, die sich für diesen vaterländischen Dienst zur Verfügung stellen wollen, wollen sich umgehend bei dem Leiter der Meldestelle Herrn Polizeikommissar Flaccus, Kirsch-Allee 23 hier, melden. Es wird darauf hingewiesen, daß landsturmpflichtige und nicht mehr landsturmpflichtige Personen, auch solche mit geringen körperlichen Fehlern, die aber unbedingt marschfähig sein müssen, eingestellt werden können. Die Bestimmungen über die Versorgung der Militärpersonen finden daher auch auf sie Anwendung.

Ein 21jähriger Schmiedegeselle aus Frankfurt a. M., der am Samstag abend auf dem Kaiser-Karl-Ring und in der Adolfstraße versucht hatte, einer Dame das Handtäschchen zu entreißen, wurde von der Polizei festgenommen. Auf das Hilfegeschrei kamen drei Soldaten hinzu und faßten den Burschen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. Dezember 1914Wer ertragfähiges Land unbebaut liegen läßt, entzieht in ernstester Zeit dem deutschen Volke einen Teil der Nahrung. In Festungen wird der Anbau von oben herab erzwungen. Unser Vaterland ist aber eine große Festung, und auf das Aushungern hat England seine Hoffnung gesetzt. Bonn ist von Baugelände umgeben, das zum großen Teil ohne schwere Kosten mit Nutzen bestellt werden kann. In der Kriegszeit kann es uns Nahrung schaffen, aber auch in der Friedenszeit ist es dauernd nötig, die Selbstversorgung unseres Vaterlandes möglichst vollkommen zu machen. Die Besitzer von Baugeländen werden weiter auch bei dem glänzenden Friedensschlusse nicht viel Gelegenheit zum Verkaufe für sofortigen Häuserbau haben. Wer also jetzt sein Baugelände wieder bestellen läßt, dient nicht nur dem Nutzen der Allgemeinheit, sondern auch dem eigenen. Es ist die höchste Zeit, die Bestellung der Ländereien zu beginnen. An jeden Besitzer ertraglosen Bodens geht die dringende Bitte, diese Zeilen zu beherzigen, und sofort danach zu handeln. Wir haben vielerlei Ausschüsse; ein Ausschuß für Anbau jetzt unbestellter Ländereien wäre sehr notwendig. Aber niemand warte ab, sondern jeder handele! Er dient dann dem Vaterlande, dem Volke, der Stadt und sich selbst. Jede Zeitung eröffne eine Anzeigenspalte „Unbebautes Gelände“, damit sich Eigentümer und Bebauer zusammenfinden. Auch an die herrschaftlichen Gärtner, wie dessen Herren, geht die Lehre: Rosen und Chrysanthemen kann man nicht essen; das Volk aber muß ernährt werden! Civis

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Mittwoch, 23. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Dezember 1914Weihnachtsfeier bei den Verwundeten. Am gestrigen Abend fand im Reservelazarett in der Rosenstraße hierselbst für die dort untergebrachten Verwundeten bei prächtig geschmückten Tannenbaum eine schöne Weihnachtsfeier statt. Dieselbe ging von der Wohltätigkeit einiger ungenannter hochherziger Damen der Poppeldorfer Allee aus. Dieselben hatten einen jeden dieser tapferen Krieger recht reichlich beschert. Mit sehr wirkungsvollen und zu Herzen gehenden Worten schilderte Herr Zahnarzt Heyden, der gleichzeitig leitender Arzt ist, das „Weihnachtsfest 1914“, wobei er u.a. die einzelnen gegen uns kämpfenden Nationen charakterisierte und hierbei die Vorzüge des deutschen Soldaten markant hervorhob. Jeder Teilnehmer war von den vortrefflichen Worten und den ganzen Darbietungen feierlich ergriffen und diese ließen die Schwergeprüften eine Zeitlang ihr trauriges Los vergessen. Die hochherzigen wohltätigen Damen mögen sich durch das ausgesprochene Dankesgefühl der Verwundeten für ihre Opferwilligkeit belohnt fühlen. Für dieses wie auch für alle anderen bisher jenen Schwergeprüften gewährten Zuwendungen sei ihnen hier nochmals der Dank ausgesprochen.

Die Gesellschaft für Literatur und Kunst veranstaltet am Sonntag, 27. Dezember, nachmittags 6 Uhr in der Lese einen Legendenabend. Dr. Richard Benz aus Heidelberg wird aus seinen oft gerühmten Nachdichtungen mittelalterlicher deutscher Legenden vorlesen.

Meldepflicht aller in Privatpflege befindlichen Verwundeten. Das Garnisonskommando gibt folgendes bekannt. „Alle in Bonn in Privatpflege befindlichen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften haben sich, wenn noch nicht geschehen, unverzüglich persönlich – und falls dies ihr körperlicher Zustand nicht erlaubt -, schriftlich beim Garnisonskommando anzumelden.“

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Dezember 1914Einschränkung der Neujahrskarten für Feld und Heimat. Der Feldpostbriefverkehr nimmt dauern an Umfang zu; nur mit Aufbietung aller Kräfte ist es bis jetzt gelungen, ihn ordnungsmäßig zu bewältigen. Ihm drohen aber neue Gefahren, wenn ein Austausch von Neujahrskarten in dem in Friedenszeiten üblichen Umfange zwischen der Heimat und den Angehöriges des Heeres in diesem Jahre stattfindet. Es ist unmöglich, im Felde Aushilfspersonal einzustellen. Durch solche Massenversendungen würde nicht nur der Dienstbriefverkehr, sondern auch der persönliche Privatbriefverkehr leiden; aus diesen Gründen ersucht die Heeresverwaltung das Publikum dringend, die Absendung von Neujahrsglückwünschen durch die Feldpost zu unterlassen. Auch die Versendung von Glückwünschen in die Heimat sollte man einschränken. Die hierdurch ersparten Summen würden, wie dies auch bereits in früheren Jahren vielfach geschehen ist, wohltätigen Zwecken zuzuführen sein.

Die Weihnachtsbescherung der Verwundeten hat in der Kapelle des Friedrich-Wilhelm-Stift würdig und schlicht bei gemeinsamen Weihnachtsgesängen, Schwesternchören und einer Ansprache des Herrn Superintendenten Bleibtreu stattgefunden. Dann gingen die Leichtverwundeten mit zur Bescherung ihrer schwerverwundeten Kameraden in die große Baracke. Ein Bonner Student trug ein den Schwestern, Hilfsschwestern und freien Hilfen im Friedrich-Wilhelm-Stift gewidmetes Dankgedicht vor.
   An die Feier schloß sich ein gemeinsames Abendessen, wozu das Kuratorium, die Aerzte mit ihren Damen, Offiziere, Mannschaften und Schwestern des Lazaretts, sowie eine große Anzahl Bonner Damen, die die Speisung der Ambulanten übernommen haben, sich eingefunden hatten. Darbietungen aller Art hielten die Teilnehmer noch lange zusammen. Superintendent Bleibtreu brachte ein Kaiserhoch aus, während Leutnant Füchtjohann allen dankte, die ihr Scherflein zur Feier beigetragen haben.

Ein „Weltreisender“ vor dem Kriegsgericht. Ein 46jähriger Mechaniker aus Düsseldorf hatte seinerzeit um 15.000 Mk. eine Wetter eingegangen, daß er in einer bestimmten Frist eine Fußtour durch ganz Europa machen werde. Der Wettbetrag wurde auf 15.000 Mk. festgesetzt und sollte zum Ankauf eines Flugapparates verwandt werden. Nach Antritt der Reise kaufte der Weltreisende in Hamburg einen Revolver, den er auf der ganzen Tour mit sich führte. Am Ende der schönen dreijährigen Reise kam er jetzt nach Köln, wo er in einer Wirtschaft von einem Wehrmann scharfe Patronen zu kaufen wünschte. Dem Soldaten kam das verdächtig vor und erließ jenen verhaften. Das außerordentliche Kriegsgericht verurteilte den Weltreisenden wegen verbotenen Waffentragens unter Berücksichtigung des erschwerenden Umstandes, daß er einen Soldaten zum Patronenverkauf anstiften wollte, zu zwei Monaten Gefängnis.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. Dezember 1914Die Landsturmmänner, welche Tag und Nacht im weiten Deutschen Reiche die Bahnwache versehen, bitten sehr, sie bei den Liebesgabenspenden nicht zu vergessen. Sie müssen bei Wind und Wetter, bei Regen und Kälte auf ihrem Posten ausharren und haben oft nichts, was ihnen die Beschwerden ihres eintönigen Berufes ein wenig erleichtert. Es fehlt ihnen vor allem an Tabak und Pfeifen, an Kartenspielen für die Mußestunden, gelegentlich auch an Speck und Wurst und nicht zuletzt an wärmender Unterkleidung.

Die Sammlung von Wollresten, die der Ausschuß für hauswirtschaftliche Kriegshilfe veranstaltete, hatte ein sehr erfreuliches Ergebnis. Es wurden gesammelt: 637½ Kilo Wolltuch, 74½ Kilo Gestricktes , 493 Kilo Gemischte Stoffe. Das entspricht einem Wert von etwa 1500 Mark.

Der Bonner Maler Seehaus stellt jetzt im Oberniermuseum einige seiner Bilder aus. Nichts konnte für Seehaus vorteilhafter sein, als die nahe Nachbarschaft mit Türoffs grünem, flachsigem Kinderbildnis. Hier stoßen sich zwei Pole ab. Türoff begnügt sich mit der bloßen Zustandsschilderung, der er allerlei Impressiönchen und Sentimentalitäten zugibt. Seehaus wurde von dem Drang nach der mythischen Version aus der alten Malweise auf den Weg zum Kubismus geführt. Ich weiß Keinen zu nennen, dem man auf diesem Wege so weit folgen kann, wie Seehaus. Er löst seine Bilder nicht wie der strenge Kubismus (über dessen Berechtigung hier nicht gesprochen werden soll) in Pyramiden und Kuben auf, er verzichtet nicht so sehr auf die Bedeutung des Materiell-Gegenständlichen, daß eine perspektivische Raumvorstellung nicht mehr zustande kommt, seine Bilder sind nicht nur „Fläche“ wie bei Picasso. Aber da sein Streben nach Vergeistigung von einer ganz persönlichen Anschauungsweise getragen wird, muß seine Kunst wohl immer eine Angelegenheit für einen kleinen Kreis stiller Menschen bleiben. Sch.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Den Bonner Damen zu Nachahmung!
Am Sonntag besuchte ich eine Freundin in Meckenheim. Am abend holte ich sie aus einer Versammlung junger Mädchen ab, welche unter dem Vorsitz eines Bahnbeamten stattfand. Und was schaute ich, als ich in den Saal eintrat? Ein Märchenbild aus „Tausend und einer Nacht!“ – Auf langen Tischen standen vierzig kleine Weihnachtsbäumchen, von den Damen allerliebst herausgeputzt, der Gefahr halber ohne Kerzen. Sie waren für die Sanitätszüge bestimmt. Jeder Wagen soll ein Bäumchen erhalten und die Lokomotive ein größeres. Und noch mehr! Für jeden Verwundeten noch eine Weihnachtstüte mit Lebkuchen, Spekulatius, Schokolade usw. Durch diese sinnige Liebesgabe wird auch in die Herzen unserer lieben Krieger süßer Weihnachtsfriede einziehen und sie für einige Stunden vergessen machen, daß sie fern sind ihren Lieben. Alle Bäumchen waren mit Wurzel eingepflanzt und so werden sie zeitlebens ein liebes Gedenken der deutschen Treue sein.
   Weiter erzählte mir der Vorsitzende, wie sehr sie für die durchfahrenden Truppen besorgt seien und seine Augen glühten vor patriotischer Begeisterung, als er hinzufügte, daß er und seine Meckenheimer Damen – die weder Mühe noch Wege scheuten – schon manchem das Leben gerettet. Davon zeugen viele rührende Dankeskarten. Doch auch Frohsinn war Gast in dem kleinen Kreise. Man spielte und sang und „Durch des Vorsitzenden ‚List und Tück’ - floß auch manches blinkende Stück – in sein Soldatensäckel.“
   Aber nun behauptete man in Meckenheim, wir Bonner Mädchen wären nicht so patriotisch. Das dürfen wir uns nicht bieten lassen und darum, liebe Bonnerinnen, frisch an’s Werk: Noch haben wir zwei Tage und manches Bäumchen können wir noch schmücken. Das „Rote Kreuz“ am Bonner Bahnhof nimmt sie sicher gerne entgegen. Eine Bonner Patriotin 

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Donnerstag, 24. Dezember 1914

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 24. Dezember 1914Einschränkung der Neujahrsglückwünsche. Der Feldpostbriefverkehr nimmt andauernd an Umfang zu; nur mit Aufbietung aller Kräfte ist es bis jetzt gelungen, ihn ordnungsgemäß zu bewältigen. Ihm drohen aber neue Gefahren, wenn ein Austausch von Neujahrskarten in dem in Friedenzeiten üblichen Umfange zwischen der Heimat und den Angehörigen des Heeres in diesem Jahre stattfindet. Es ist unmöglich, im Felde Aushilfspersonal einzustellen. Durch solche Massensendungenwürde nicht nur der Dienstbriefverkehr, sondern auch der gewöhnliche Privatbriefverkehr leiden; aus diesen Gründen ersucht die Heeresleitung das Publikum dringend, die Absendung von Neujahrsglückwünschen durch die Feldpost zu unterlassen. Auch die Versendung von Glückwünschen in die Heimat solle man einschränken. Die dadurch ersparten Summen würden, wie dies auch bereits in früheren Jahren vielfach geschehen ist, wohltätigen Zwecken zuzuführen sein.

Hilfsstelle zu Ermittlung von Kriegsgefangenen. Bei der gestrigen Aussprache kam zunächst eine von dem Lager zu Mont Louis eingegangene Liste von 24 Gefangenen rheinischer Regimenter zur Verlesung. Aus sonstigen Nachrichten ging hervor, daß von einem seit August vermissten Wehrmann erst jetzt aus St. Nazaire Nachricht eingetroffen sei. Die Mitteilung eines gefangenen Bonners, daß er in dem gesandten Paket außer den Lebensmitteln eine leere Zigarrenkiste vorgefunden und der Inhalt der letzteren wohl unterwegs Liebhaber gefunden habe, war von der Zensur mit dem Vermerk „Verboten“ versehen worden. Es empfiehlt sich daher, Zigarren an Gefangene in Frankreich nicht abzusenden. Da aus manchen Briefen hervorgeht, daß die Gefangenen Lebensmittel sehr benötigen, wurde die Frage gestreift, ob nicht auch die Absendung von Liebesgaben, wenigstens an solche Gefangene, die von unbemittelten Angehörigen kaum etwas zu erwarten haben, am Platze sei. Solche ärmere Gefangene sind der Hilfsstelle bekannt. Zweifellos würde diesen Kriegern, zumal sie teils noch neben dem seelischen Leid der Gefangenschaft das körperliche zu tragen haben, ein solcher Gruß aus der Heimat das getroffenen Los mildern und sie erfreuen. Leider hat die Hilfsstelle keinerlei Mittel, um derartige Pflichten zu erfüllen. Die nächste Aussprache wurde für den 4. Januar angeordnet.

Die Hansa-Handels-Schule veranstaltete am Montag ihre diesjährige Weihnachtsfeier. Die Schüler und Schülerinnen hatten wieder einen reichen Gabentisch für armen Kinder aufgebaut und erfreuten die Anwesenden ferner durch Gesang-, Musik- und Gedichtvorträge usw. Zur Verschönerung der Feier trug namentlich auch die Lehrerin Frl. Funke durch ihre Lieder zur Laute bei. Außer den Armen wurden auch unsere tapferen Krieger nicht vergessen; eine Anzahl Verwundeter aus den hiesige Kliniken nahm teil an der Feier, ward vom Nikolaus – nicht dem russischen – mit allerlei Nützlichem und Angenehmen bedacht und verbrachte so etliche frohe Stunden im fröhlichen Kreise.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Dezember 1914Katholischer Gesellenverein. Statt der sonstigen Weihnachtsaufführung findet in diesem Jahre am 2. Weihnachtstage abends 6 Uhr nur eine kleine, patriotische Veranstaltung verbunden mit kurzer Weihnachtsfeier statt. Herr Klutmann wird dabei einen Lichtbildvortrag über den Kampf im Argonnerwald halten (Eintrittsgeld wird nicht erhoben.)

Weihnachtsfeier im Garnisonlazarett. Am Mittwoche abend fand im Garnisonlazarett eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier statt. Angesichts des strahlenden, mit reichem Schmuck behängten Baumes, der im größten Krankenraume seine Aufstellung gefunden hatte, hielt Dechant Böhmer inmitten der Verwundeten und zahlreicher Gäste, die in den Kriegsmonaten ihr besonderes Interesse dem Lazarett bewiesen hatten, eine zu aller Herzen gehende Ansprache. Ein gemeinsam gesungenes Weihnachtslied spann die Gedanken der Rede in sinniger Weise fort. Nun öffnete sich die Tür, und eine Schar kleiner Kinder aus dem Kinderhort, zum Teil als Heinzelmännchen verkleidet, mit dem Weihnachtsmann an der Spitze, führte ein kleines volkstümliches Weihnachtssingspiel auf, das viel Beifall fand; es endete mit der Verteilung der für jeden Insassen des Lazaretts bestimmten Gaben. Hierauf erfreute Schwester Selma Weiß noch mit ihrem trefflichen Singchor, dem die LazaretteBonns schon manche schöne Stunde verdanken, die Festteilnehmer. Zum Schluß dankte ein verwundeter Unteroffizier im Rahmen aller in kernigen Worten sämtlichen Veranstaltern des schönen Abends. Ein besonderer Dank aber gebührt den unermüdlichen Krankenschwestern des Lazaretts sowie dem Herrn Oberinspektor Thaa, welche vereint die Vorbereitungen und die Durchführung des wohlgelungenen Festes übernommen hatten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Vaterländische Reden und Vorträge. Am sechszehnten Abend sprach der Bonner Benediktinerpater Albert Hammenstede über „Krieg und Soldatenstand im Lichte der katholischen Liturgie“. Kriegen, richtig verstanden, ist ein Kampf für Gott als die höchste Wahrheit, sagte P. Hammenstede. Diesen Krieg läßt die katholische Kirche nicht nur zu, sie befürwortet ihn sogar und gibt dieser ihrer Ueberzeugung in der Liturgie Ausdruck. Betend, segnend und opfernd tut die Kirche alles für das Vaterland und seine Söhne; jedem Krieger ist sie nahe. Nicht der Haß treibt uns ja das Schwert in die Hand, sondern die grenzenlose Liebe zum Inbegriff des Rechtes und der Wahrheit: zu Gott. So kann man von einer Heiligkeit des Krieges sprechen. P. Hammenstede erklärte sehr ausführlich die Zeremonien der liturgischen Handlungen, in welchen die katholische Kirche durch den Bischof den Soldat, seine Uniform, seine Waffe und die Fahne weiht, er wies auf die Gebete und Psalmen hin, in denen der Priester bei der hl. Messe Gott um seine Hilfe für die kämpfenden Heere anruft und er sprach von dem Gebet der Gläubigen, von den Bittprozessionen um einen glücklichen Ausgang des Krieges. Der Vortrag wird am 2. Januar wiederholt.

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. Dezember 1914Im Mutterhaus vom Roten Kreuz fand, wie dies in vielen Mutterhäusern Sitte ist, eine Kinderbescherung statt, welche sich besonders schön gestaltete durch die Anwesenheit Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, die Ehrenmitglied des Mutterhauses ist. Die Bescherung trug in diesem Jahr einen ganz besonderen Charakter; denn neben den erschienenen Gästen scharten sich mit den Kindern unsere verwundeten Krieger um den silberglänzenden Weihnachtsbaum. Auch die außerhalb stationierten Schwestern waren vollzählig erschienen, sind sie es doch, die in wochenlanger Arbeit neben der Pflege die sämtlichen Bekleidungsgegenstände für die Kinder selbst angefertigt haben. – Die Verwundeten, welche sich bei den Vorbereitungen auch gerne und eifrig betätigt hatten, ließen es sich nicht nehmen, die Feier durch sorgsam einstudierte Darbietungen zu verschönen. (…) Möge der Wunsch des Geistlichen, daß der Friedensfürst unserem Vaterland nach erfolgreichem Kampfe einen ehrenvollen dauernden Frieden bescheren möge, recht bald in Erfüllung gehen!

Weihnachtsfeier der Kinderhorte. Im großen Saale des Bürgervereins fand am Dienstag nachmittag die Weihnachtsfeier der 4 Horte des Kath. Frauenbundes statt. Fast 400 Kinder hatten sich, zum Teil mit ihren Müttern, versammelt, um mitten in der harten Kriegszeit das Fest des Friedens, das Fest der Kinder zu feiern. Weihnachtsklänge, liebe, altvertraute, von Kindermund schlicht und fromm gesungen, trugen Weihnachtsstimmung in aller Herzen, gemischt freilich mit Wehmut beim Gedenken an all‘ die draußen im Felde Weihnachten Feiernden. Herr Oberpfarrer Böhmer hielt in warmen Worten eine Ansprache an die Kleinen, ihnen als echten, deutschen Kindern die Waffe des Gebetes zur Mithülfe an dem großen Kampfe empfehlend und sie auffordernd zu pünktlichem, freudigem Gehorsam. (…) Alle Darbietungen, vor allem auch ein allerliebster Engelreigen und der , von einer jungen Dame stimmungsvoll vorgetragene Prolog, dem Gedanken Ausdruck gebend, daß nur durch Kampf der echte Frieden zu gewinnen sei, fanden reichen Beifall und dankbare Anerkennung.

Ein Bonner Offizier erzählt uns folgende Begebenheit, die sich an einem Ort unserer Westgrenze zugetragen hat:
   „Zweihundertzwanzig Landsturmleute stehen in Reih und Glied vor mir und erwarten meine Kommandos. Da ich das Recht habe, zwanzig von ihnen als überzählig zu entlassen, richte ich folgende Frage an sie:
   „Leute! zwanzig von euch, die gerne entlassen wären, mögen vortreten; wir haben Mannschaften zuviel! …
   Niemand tritt vor.
   Da sage ich mit erhobener Stimme:
   „Versteht mich recht, Leute! Es sind doch gewiß viele unter euch, die Frau und Kinder, vielleicht eine recht zahlreiche Kinderschar zu Hause haben und deshalb sicher gerne daheim blieben, anstatt ins Feld zu ziehen. Es wird euch gar nicht verübelt, wenn ihr vortretet; ich bin selbst ein alter Familienvater und fühle mit euch; also nachmals: vortreten wer entlassen sein soll!“
   Stramm und stolz stehen 220 Landsturmleute vor mir, alles bärtige Männer und keiner von ihnen rührt sich, trotzdem ich weiß, daß der größte Teil von ihnen zu Hause Weib und Kinder hat. Nicht wahr, das ist echte, die große, ganz starke Liebe zum Vaterland. Ich bin stolz auf meine Landsturmmänner, und ich habe ihnen das auch gesagt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

An unsere Beamten.
Wie wäre es, wenn am 1. Januar d. Js. alle Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten, sowie auch alle Pensionäre Bonns eine kleine Spende für das „Rote Kreuz“ beisteuern wollten, es würde dann eine ganz schöne Summe in Bonn zusammen kommen; auch dürfte dieses patriotische Werk in andern Städten Nachahmung finden. Ein Pensionär.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

Freitag, 25. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Dezember 1914Schwestern zur Front. Am 23. Dezember entsandte der Vaterländische Frauen-Verein, Stadtkreis Bonn, sechs Schwestern zur Arbeit nach St. Quentin. Die Schwestern waren vom Herrn Territorialdelegierten für freiwillige Krankenpflege dringend angefordert worden.

Weihnachtsgaben für die Verwundeten. Das Delikatessenhaus Braunschweig hat gestern sämtliche Lazarette mit Weihnachtsgaben (Wein, Kognak, Rum, Obst usw.) reichlich beschenkt. Dem Geber sei auch an dieser Stelle der Dank der Verwundeten ausgesprochen.

Der Wehrbund veranstaltet am dritten Feiertag (Sonntag) eine Marschübung über die Berge nach Mehlem und zurück. Alle Abteilungen treten hierzu um ½8 an der Südschule in Kessenich an. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Weihnachten 1914.

Wir starren in das Kerzenlicht
Und begreifen es nicht,
Daß in das Dröhnen der Weihnachtsglocken
Kanonendonner sich mischt,
Daß in das helle Kinderfrohlocken
Todbringend die Granate zischt.

Schmerzgeschrei die Luft durchgellt,
So mancher Soldat vornüber fällt.
Der noch im Tod das Schwert umklammert hält.
Menschenliebe, Menschheitsfrieden
Singen die Glocken
Allerwärts.

Erschrocken
Greifen wir ans Herz:
Noch ist uns nicht beschieden
Jener Frieden,
Von dem die Engel singen
Und die Herzen wiederklingen.

Haß, Wut und Neid hat den Frieden zerstört,
Die Menschen betört,
Daß sie sich in blutigen Schlachten
Zu erwürgen trachten. –
Und nun erstarrt die Welt im Leid.
Menschheitsfrieden? – Noch ist er weit.

Und noch viele werden zu Boden sinken,
Der Winterschnee wird ihr Herzblut trinken.
Und der Tod
Tritt noch in manche Stube, wo jetzt
         der Christbaum loht.

Wir starren in das Kerzenlicht,
Wir trauern wohl, aber verzagen nicht.
Wir wissen, daß nach dieser Winternacht
Ein schönerer Morgen dereinst erwacht,
Wo Schlachtenlärm und Donner schweigt,
Der Sieg sich zu uns neigt
Und sich über das deutsche Land
Ein Friedenshimmel spannt.

Kommt dann das Christkind, werden
Die Glocken jauchzend erschallen
Und die Wahrheit wird in uns widerhallen:
„Frieden den Menschen auf Erden
Und den Menschen ein Wohlgefallen."
                      Heinz Dohm – Bonn

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Dezember 1914Weihnachten 1914 ist mit eisernem Griffel in unsere Herzen eingeschrieben. Der fröhliche Frieden, der sonst im Familienkreise unter dem brennenden Weihnachtsbaum heimisch war, ist in diesem Jahr ernster Nachdenklichkeit und hier und da banger Sorge um das Leben der Väter, Söhne und Brüder gewichen. Aber als dann die Frage auftauchte, ob die Weihnachtstage den Zauber des Christbaumes entbehren sollten, da stemmten sich hoch Tausende gegen dieses Ansinnen. Der Weihnachtsbaum sollte nicht fehlen, und fast noch mehr als in früheren Jahren wurde der Tannenbaum begehrt und gekauft.
   Es ist wohl so, daß wir das Weihnachtsfest 1914 noch inniger, trautlicher gestalten wollen, um den Kindern, für die ja der Tannenbaum eigentlich bestimmt ist, keine bangen Gedanken aufkommen zu lassen, keine verwunderten Fragen „Warum haben wir keinen Weihnachtsbaum?“ Dann auch ist es für unsere Tapferen im Felde beruhigend, wenn sie wissen, daß daheim die Weihnachtslichter frohe, zufriedene Mienen bescheinen, und daß das Leben in der Heimat seinen ruhigen Gang weitergeht.
    Das Bonner Stadtbild zeigte in den letzten Wochen einen regen Verkehr. Außer den Verwundeten, die in den Lazaretten untergebracht sind, sind viele Weihnachtsurlauber hier eingetroffen. Man sieht viele zugereiste Familienmitglieder der hier weilenden Krieger, die die Feiertage gemeinschaftlich mit ihnen verbringen wollen. Das Weihnachtsgeschäft hat sich in den letzten Tagen noch recht gehoben, und wenn man in Betracht zieht, daß man in den ersten Kriegswochen an ein völliges Darniederliegen des Geschäftsverkehrs dachte, so kann man jetzt mit freudiger Genugtuung feststellen, daß, dank unserer guten Wirtschaftslage, der Geschäftsverkehr eine starke Aufwärtsbewegung gemacht hat. Und auch diese Tatsache wird mit dazu beitragen, daß es uns gelingen wird, durchzuhalten.

Der Vaterländische Frauenverein des Stadtkreises Bonn entsandte am 23. Dezember auf dringende Anforderung des Territorialdelegierten für freiwillige Krankenpflege sechs Schwestern zur Arbeit nach St. Quentin.

Mehlem, 23. Dez. Für die Kinder der Suppenküche Mehlem-Lannesdorf veranstaltete Frau W. Th. Von Deichmann, Mehlemer Aue, am Samstag eine hübsch verlaufene Weihnachtsfeier, an der auch die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins, Frau Bürgermeister Dengler, teilnahm. Die Lehrerinnen Frl. Schütz und Hoff (Mehlem), Frl. Kalscheuer (Lannesdorf) haben durch Gesangsdarbietungen und ein Weihnachtsspiel die Feier verschönt. Die Aufsichts- und Hülfsdamen der Suppenküche hatten es übernommen, den Kindern Schokolade und Gebäck zu reichen. An 300 Kinder wurden am Schluß mit Spielsachen, Büchern und Leckereien beschenkt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Dezember 1914Von der Handelskammer zu Bonn ist uns ein Aufruf zur Sammlung von Mitteln zur Ausrüstung des ersten deutschen Lazarettzuges für die türkische Armee mit der Bitte um Weiterverbreitung zugesandt worden. (…)
  
Wenn auch tagtäglich die Opferwilligkeit unserer Bevölkerung zur Linderung der Kriegsnot von den verschiedensten Seiten angerufen wird und verhältnismäßig große Opfer gefordert werden, so möchten wir doch der Zuversicht Ausdruck geben, daß vorstehender Aufruf nicht unbeachtet bleibt, sondern möglichst alle Kreise sich dazu bereitfinden, Spenden für den bezeichneten guten Zweck zu gewähren. Eilt es doch, dem türkischen Volke unsere Anerkennung dafür zu zollen, daß es uns in schwerer, ernster Zeit im richtigen Augenblick treue Freundschaft bekundete. Auch dem türkischen Volke gegenüber soll Treue um Treue gehalten werden.
    Spenden, worüber öffentlich quittiert werden soll, nimmt unsere Expedition sowie die Geschäftsstelle der Handelskammer zu Bonn, Schumannstraße gern entgegen.

Eine nachahmenswerte Weihnachtsbescherung bereiteten die bemittelten Angehörigen der ersten Kompagnie des Landsturm-Infanterie-Bataillons Bonn ihren hilfsbedürftigen Kameraden von der gleichen Kompagnie. Sie zeichneten insgesamt einen Betrag von weit über 1000 Mark, kauften dafür von der Stadtverwaltung Gutscheine für Lebensmittel und Briketts und verteilten die Scheine an die Frauen jener Kameraden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Samstag, 26. Dezember 1914

 

Am zweiten Weihnachtstag erschienen in Bonn keine Zeitungen.

Sonntag, 27. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Dezember 1914Die Weihnachtstage sind bei klarem Frostwetter zu Ende gegangen. Morgens glitzerte Rauhreif auf den Feldern und Bäumen. Die Kälte ließ es zu Hause in der warmen Stube noch einmal so behaglich sein. Während der Christbaum strahlte und Weihnachtslieder gesungen wurden, flog dankbar-inniges Gedenken zu unseren braven Kriegern in Feindesland. In dieses Gedenken kam die hoffnungsvolle Zuversicht, daß der Krieg bald zu einem für uns glücklichen Ende geführt werden, damit unsere Feldgrauen, das Siegeslorbeer-Reis am Helm, wieder zu uns zurückkehren können. Den Kindern aber, die unbekümmert um Not und Krieg lachend in den Kerzenschein staunten, denen wünschte man aus tiefster Seele heraus, daß ihnen ihr Leben hindurch keine Kriegsweihnachten beschieden sein möchten, sondern Weihnachtstage unter der nie verlöschenden Sonne des Friedens.
  
Die Weihnachtstage von 1914 werden nicht vergessen Not, Bitternis, Entsagung, zerstörte Hoffnungen, ja die ganzen Phasen des Menschenleidens sind mit diesen Weihnachtstagen unlöslich zusammengeschmiedet. Aber noch eines haben uns die Kriegsweihnachtstage gegeben: die eisenfeste Entschlossenheit, trotz Not und Leid durchzuhalten, auf die Zähne zu beißen, mag noch kommen was will, und nicht eher Ruhe zu geben, als bis uns dieser Krieg für all das Schwere, was er uns aufgebürdet , entschädigt hat, d.h., daß uns der Frieden beschert wird, der nicht mehr von irgend einem feindlichen Nachbar gestört werden kann.
   Die Weihnachtstage von 1914 hatten stahlharten Klang. Es waren Prüfungstage besonderer Art, deren uns der Krieg so viele schon gebracht hat, aber eben deshalb werden sie un vergeßlich sein. Sie haben uns geläutert und darum möchten wir sie trotz ihrer Schwere nicht missen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Dezember 1914Der Straßenverkehr war am ersten Feiertage, wie nicht anders zu erwarten, sehr still, da es die Meisten nicht vom Hause fortlockte. Der zweite Feiertag brachte mehr Verkehr, insbesondere sah man viele Bewohner der Umgegend in den Straßen und Lokalen der Stadt. Auch die verwundeten Krieger, die in den hiesigen Lazaretten untergebracht sind, haben ihr Weihnachtsfest gefeiert. Ueberall brannte der Christbaum und freundliche Hände hatten für die Krieger zweckdienliche Gaben bereitgestellt. Hier und da wurden den Verwundeten Unterhaltungen von Gesangsvereinen usw. dargebracht, sodaß die Krieger, wen auch nicht zu Hause, so doch friedliche Weihnachten erleben durften. In der Bonner Bahnhofshalle war ein riesiger Tannenbaum mit vielen Lichtern aufgestellt, der den vorbeifahrenden Truppenzügen freundliche Weihnachtsgrüße zurief. Viele Eisenbahnzüge waren mit Tannengrün geschmückt und hier und da sah man sogar kleine Christbäumchen in den Zügen; Beweise, wie eng deutsches Wesen mit dem Weihnachtsbaum verknüpft ist.

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Dezember 1914Im Vereinslazarett vom Roten Kreuz „Glück auf“ fand am Mittwoch eine schöne Weihnachtsfeier statt. Frau Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Protektorin des Lazaretts, war hierzu erschienen und überreichte den Schwestern, Aerzten, Helferinnen prächtige Gaben. Inzwischen hatten sich die nicht bettlägerischen Verwundeten unter dem strahlenden Weihnachtsbaum versammelt. Es wurden Weihnachtslieder gesungen. Weihnachtsgedichte vorgetragen und Geheimrat Dr. Walb sprach über die Bedeutung des Festes. Die Frau Prinzessin überreichte jedem Verwundeten mit freundlichen Worten sinnig gewählte Geschenke. Auch die bettlägerischen Kranken wurden durch Geschenke erfreut.

Kath. Gesellenverein. An Stelle der sonst zu Weihnachten üblichen Theateraufführung zum Besten des Gesellenhauses fand gestern abend für die Mitglieder und deren Familien eine Weihnachtsfeier statt, die derart zahlreich besucht war, daß im großen Saale des Gesellenhauses kaum noch ein Stehplatz zu finden war. Der Präses, Her Kaplan Rütters, betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß infolge des Krieges die Weihnachtsfeier in diesem Jahre bescheidener sein soll, aber das Programm wies dennoch eine große Fülle von schönen Darbietungen in Gesang, Musik, Deklamationen, lebenden Bildern und einem Theaterstück auf. Von besonderem Interesse war der Lichtbildvortrag des Herrn Klutmann, der die Zuhörer in Wort und Bild durch den jetzt so heiß umstrittenen Argonnerwald führte. Die Anwesenden folgten mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen und spendeten lebhaften Beifall. Große Begeisterung erweckte der inzwischen vom General-Anzeiger eingetroffene Tagesbericht des Großen Hauptquartiers, welcher verlesen wurde, worauf die Zuhörer die Nationalhymne und Deutschland über alles sangen. Den Schluß des Abends bildete die Aufführung eines Theaterstücks von Th. Körner: „Deutsche Treue“, bei dem die Spieler des Gesellenvereins ihr bekanntes schauspielerisches Talent zur Geltung bringen konnten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Neujahrskarten und Rotes Kreuz. Auf die gegebene Anregung, keine Neujahrskarten zu versenden, und das Geld, das für derartige Karten sonst ausgegeben wird, dem Roten Kreuz zu überweisen, muß erwidert werden, daß die Papiergeschäfte dem nicht zustimmen können. Die Lage dieser Geschäfte würde noch verschlechtert, wenn der Anregung Folge gegeben würde. Wenn für die Aufrechterhaltung des wirtschaftlichen Lebens das Wort geredet wird, dann muß man auch den Papiergeschäften gestatten, daß sie sich durchhalten können. Grade das Neujahrsgeschäft bedeutet aber für viele Geschäfte einen sog. „Raußreißer.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

Montag, 28. Dezember 1914

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Dezember 1914Weihnachtsfeier der Verbands- und Erfrischungsstelle Bonn „Prinzessin Viktoria“ Lille. Man schreibt uns: In Feindesland, umgeben vom Donner der Geschütze, in jedem Quartier, selbst in den unwirtlichen gefahrvollen Schützengräben, läßt der Deutsche es sich nicht nehmen, seinen Weihnachtsabend zu feiern. Und so auch hier in Lille. – Ich schreibe diese Zeilen noch am Abend selber, ganz im Banne des tiefen erhebenden Eindruckes, den diese Feier auf alle Teilnehmer gemacht hat. Wir hatten den uns mit dem Weihnachtsboten zugesandten Christbaum in der größten Halle (45 : 70) aufgestellt, herrlich geschmückt von unseren Schwestern und auf allen Seiten umgeben von langen, mit weißem Leinen (auch temporäre Liebesgaben) gedeckten Tischen. Auf dem längsten waren die Geschenke für unsere Schwestern, Sanitäter, Küchenpersonal usw. ausgelegt.
   Um 5 Uhr erschienen die zur Feier eingeladenen Gäste, vom Vorstand herzlich begrüßt. Es waren gekommen der Guvernör von Lille, von Heinrich mit seinem Stabe, ferner General von Grävenitz, Oberst von Dührer, Erlaucht Graf Reipperg, Obergeneralarzt Burge, Bahnhofskommandant Oberst Wupperer und viele andere. Von Fürst Adolf zur Lippe war folgendes Telegramm eingetroffen:
   „Verbands- und Erfrischungsstelle Prinzeß Viktoria, Lille, Bahnhof. Vielen Dank für das hübsche Gruppenbild. Wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und bedauere, von hier aus nicht mehr Ihnen behilflich sein zu können wie frührer [sic]. Adolf.“
   Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Dezember 1914Nach der Ansprache des Generals Clemens verabschiedete sich der Guvernör von Heinrich mit besonderem Danke für die Harmoniumspielerin – denn auch ein Harmonium hatten wir requiriert – Frl. S. und den Leiter des Eisenbahnsängerchors (50 Mann), hauptsächlich aus Bonnern und Solingern bestehend. Dann entwickelte sich das Programm weiter. Zugleich mit der Bescherung unserer festangestellten Leute fand auch die der übrigen aus den vorderen Hallen herbeigeströmten Soldaten statt. Und das waren etwa 250. Auf den Tischen standen Teller mit Aepfeln und Nüssen, mit Spekulatius und Lebkuchen; Zigarren und Zigaretten wurden von den Schwestern und Sanitätern herumgereicht. Nach dem Konzert wurden dann die gespendeten Fässer Bier aufgelegt und jedem konnten zwei bis drei Glas des heimischen Trankes verabreicht werden. Wie waren sie alle so glücklich und zufrieden! Ein Hauch der Heimat war herübergeweht, und noch lange hörten wir die uns vertrauten Weihnachtslieder erklingen.
   Ich hätte noch viel zu schreiben, doch es ist sehr spät und in aller Früh will Bankdirektor Weber diese Zeilen mit nach Bonn nehmen.
   Ehe ich aber diesen kurzen Bericht schließe, muß ich meinem Herzen Luft machen. Oh, Ihr guten Bonner, wie habt Ihr in so überreicher, aufopfernder Weise für unsere lieben Truppen gesorgt. Das war das schönste Weihnachtsfest: wir konnten geben und glücklich machen, dank der wirklich großzügigen Wohltätigkeit der Bonner Bürgerschaft.                 J.

Vaterländische Reden und Vorträge. Den nächsten Vortrag hält entgegen früherer Bekanntmachung bereits am nächsten Mittwoch, den 30. Dezember, abends 8 ½ Uhr, in der Aula des Städtischen Gymnasiums Herr Professor Dr. Schumacher über „Volksernährung und Krieg“. Die Wiederholung dieses Vortrags findet am Freitag, den 1. Januar, statt. (...)

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Dezember 1914Für bedürftige Familien Bonner Krieger veranstaltete am ersten Feiertage nachmittags 5 Uhr der Freiwillige Hilfsausschuß in der neuen Baracke an der Quantiusstraße eine Weihnachtsfeier. Etwas 50 Frauen mit 200 Kindern wurden unter dem strahlenden Weihnachtsbaum von den anwesenden Damen mit Kaffee, Milch und Kuchen bewirtet. Weihnachtslieder leiteten die Feier ein und schlossen sie. In einer Ansprache hob Dr. Kranz hervor, wie gerade dieser Kriegsweihnachten besonderen Segen spende, indem er gegenüber dem Kampfe im Feindesland hier die Herzen umso fester mit einander verbunden hatte und zu weitgehender Liebestätigkeit geführt habe. Die Frauen mögen ihren Männern und Söhnen von der gemütvollen Weihnachtsfeier, die sie hier mit ihren Kindern begehen können, berichten und damit auch ihnen eine Weihnachtsfreude bereiten. Fräulein Kurt und Fräulein Dr. Springer trugen in wirkungsvoller Weise einige prächtige Lieder zur Laute vor. Die eingegangenen Spenden wurden darauf verteilt und jeder Frau noch ein Geldgeschenk überreicht. Erst gegen 7 Uhr fand die schöne Familienfeier ihr Ende.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 28. Dezember 1914Nach dem Fest.
Das war eine stille, ernste Weihnacht. Am Heiligen Abend wurden die Cafees und Restaurants früher als sonst am Weihnachtsabend geschlossen. Manche ließen schon um 8 Uhr keine Gäste mehr hinein. Und auch in den Häusern, in denen das Christkind unter dem glitzernden Tannenbäumchen seine Gaben ausgebreitet hatte, war es stiller als sonst. Denn aus jedem Hause gingen die Gedanken dorthin, wo Deutschlands Söhne im blutigen Streit um Deutschlands Ehre kämpfen. Nur die frohe Sorglosigkeit der Kinderherzen vergaß über der bunten Weihnachtsherrlichkeit die Gedanken an den Ernst dieser großen Zeit.
      Am Weihnachtsmorgen lag Reif auf Feld und Flur. Und alle Teiche und Tümpel waren mit einer festen Eisdecke überzogen. Auf dem Sportplatz des Eisklubs war eine glatte Eisbahn, auf der Jung und Alt sich mit Schlittschuhlaufen erfreute. Der Wald leuchtete im Rauhreif von Ferne, als ob er sein schneeiges Wintermärchenkleid angezogen habe.
      In allen Lazaretten wurden für die verwundeten Soldaten Weihnachtsfeiern veranstalet. Christbäume brannten, Gesang- und Musikvereine brachten Unterhaltung und freundliche Hände hatten für reichliche Gaben gesorgt. An dem Bahnhof aber fuhren an den drei Tagen unaufhörlich Militärzüge vorüber, neue Truppen für kommende Kämpfe. Ein großer Tannenbaum mit vielen Lichtern stand auf dem Bahnsteig und rief den Kriegern die Weihnachtsgrüße der Bonner zu.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 29. Dezember 1914

 

Wer Brotgetreide verfüttert, versündigt sich am Vaterlande und macht sich strafbar.

(Bonner Zeitung, Bonner General-Anzeiger, Deutsche Reichs-Zeitung)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. Dezember 1914Für bedürftige Familien Bonner Krieger veranstaltete am ersten Feiertage, nachmittags um 5 Uhr der Freiwillige Hilfsauschuß in der neuen Baracke an der Quantiusstraße eine Weihnachtsfeier. Etwas 50 Frauen und 200 Kinder wurden unter dem strahlenden Weihnachtsbaum von den anwesenden Damen mit Kaffee, Milch und Kuchen bewirtet. Weihnachtslieder leiteten die Feier ein und schlossen sie. In einer Ansprache hob DR. Krantz hervor, wie gerade diese Weihnachten besonderen Segen spenden, da sie gegenüber dem gewaltigen Kampf in Feindesland hier im Vaterlande die Herzen umso fester verbunden halten und zu weitgehender Liebestätigkeit geführt haben. Frl. Koort und Frl. Dr. Springer trugen in wirkungsvoller Weise einige prächtige Lieder zur Laute vor. Die eingegangenen Spenden wurden darauf verteilt und jeder Frau noch ein Geldgeschenk überreicht. Erst gegen 7 Uhr fand die stimmungsvolle Familienfeier ihr Ende.

Weihnachtsfeier im Säuglingsheim Hohen-Eich. Wie in so manchem deutschen Hause, so vereinte der Christbaum trotz des Ernstes der Zeit auch auf Hohen-Eich am ersten Weihnachtstage eine frohe Kinderschar mit ihren Müttern und Pflegerinnen. Herzen und Hände hatten sich wieder einmal für das Heim geöffnet und so war die Möglichkeit geschaffen, alle Kinderchen neu und schön säuberlich gekleidet unter dem Christbaum mit allerlei Spielsachen und auch mit Süßigkeiten zu beschenken. Ein ernstes, aus warmem Herzen kommendes aufrichtendes Wort an die Mütter, dem Augenblick entsprechende Lieder, machten diese Weihnachtsstunden zu einer Jung und Alt erhebenden Feier.

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Weihnachtsfeier in der Mehlemschen Fabrik. Wenn auch am diesjährigen Weihnachtsfeste in erster Linie unserer Krieger gedacht werden mußte, sollte doch die übliche Feier in der Mehlemschen Fabrik nicht ausfallen. Wieder eine stattliche Anzahl von Familienwurde von den Inhabern der Firma, wovon drei Herren im Felde stehen, durch die Hand der Frau Geheimrat Guillaume reichlich beschenkt. Die schlichte, aber erhebende Feier fand durch Gesang, Musikvorträge, Aufsagen von Gedichten und eine herzliche, wohldurchdachte Ansprache ihren Abschluß.

Erklärung! Das stellvertretende Generalkommando gibt folgendes bekannt: Die große Anzahl der täglich beim stellvertr. Gen.-Kommando eingehenden anonymen Anschuldigungen (Schriftstücke ohne Unterschrift über Personen und Zustände in der Heeresverwaltung, insbesondere über vermeintliche Ungerechtigkeiten bei der Heranziehung zur Wehrpflicht) geben dem Generalkommando Veranlassung zu erklären, daß derartige Schriftstücken, deren Urheber nicht den Mut haben, für ihre Behauptungen mit ihrer Person einzutreten, von hier aus keine Folge gegeben wird.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Ausbacken von Wecken, Kränzen, Brezeln usw. Der kommandierende General des 8. Armeekorps, General von Ploetz, hat für den Bereich seines Korps eine Bekanntmachung erlassen, wonach unter Hinweis auf die dringend notwendige Schonung unserer Vorräte an Weizenmehl das Ausbacken von Wecken, Kränzen, Brezeln, Pfannkuchen usw. von heute bis einschließlich Dreikönigstag verboten ist. Demselben Verbot unterliegt das Ausspielen derartiger Backwaren in Wirtschaften und Vereinen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bestraft.
   Der Vorstand der Bonner Bäcker-Innung weist in unserer heutigen Nummer auf diese Bekanntmachung hin.

Der Liberale Bürgerverein hielt gestern abend im Krug zum grünen Kranze seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Kranz, wies in einer Ansprache darauf hin, daß keine politische Partei vor ihren Wählern die Verantwortung übernehmen werde, wegen einiger Stadtverordnetensitze seinen Wahlkampf zu entfesseln. Die Gedanken aller deutschen Männer seien auf die Gefahr des Vaterlandes gerichtet. Die nötig gewordene Ersatzwahl könne nur in gegenseitiger Verständigung unter Anerkennung des bisherigen Besitzstandes erledigt werden. (…)

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Eifelverein. Die hiesige Ortsgruppe unternimmt am nächsten Sonntag nach längerer Pause eine Wanderung (hoffentlich im Schnee!) in den Ahrbergen, und zwar von Ahrweiler (Walporzheim) auf wenig bekannten Wegen nach Dernau oder Rech, mit einer Marschlänge von etwa 15 Kilometern. Die Abfahrt von Bonn ist 8.32 Uhr mit Sonntagskarte Ahrweiler, die Rückfahrt von Dernau (Rech) 3.15 (3.10), die Ankunft in Remagen 4 Uhr. Dort wird im Westfälischen Hof Kaffee getrunken, wozu die Anmeldung auf dem Bahnhofe Bonn nötig ist, um 5.50 Uhr zurückgefahren. Eilige können um 4.09 Uhr gleich weiterfahren. – Mundvorrat ist mitzunehmen. Eingeführte Gäste sind wie immer willkommen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Mittwoch, 30. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Dezember 1914Die Weihnachtsfeier im Reservelazarett III (Beethovenhalle). Ein Verwundeter sendet uns den folgenden Bericht über die Weihnachtsfeier im Lazarett in der Beethovenhalle: Die Weihnachtsfeier am Heiligen Abend verlief sehr stimmungsvoll. Kein Wunder, denn der Chefarzt, Herr Professor Dr. Schmidt, sowie die Aerzte des Lazaretts, die Schwestern unter ihrer Oberin Fräulein Pohl, die Helferinnen, die Wärter sowie eine ganze Reihe von Einwohnern Bonns, sie alle waren eifrig bemüht gewesen, den Verwundeten der Beethovenhalle durch eine recht gelungene Weihnachtsbescherung die Trennung von den Angehörigen am Christfeste vergessen zu machen, das war schon tagelang vor dem Fest ein Raunen und Flüstern, ein Hin und Her unter Schwestern und Wärtern. Galt es doch, die Ausschmückung de Halle vorzubereiten, die geheimen Wünsche der einzelnen Krieger in Erfahrung zu bringen, die Körbchen mit den Gaben zu füllen. Zu der Feier prangte die Halle im Festschmuck. An jedem Pfeiler prangten künstliche Rosensträuße, die miteinander durch Tannengrün verbunden waren. Die Betten waren mit Tannenzweigen und mit kleinen Fahnen in den verschiedensten Farben geschmückt. In der Mitte des weiten Raumes aber und auf der Galerie erfüllten die Kerzen an zwei mächtigen Tannen die Halle mit hellem Lichterglanz. Der Schülerinnenchor der Klostermannschen Privatschule trug zur Einleitung der Feier das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ vor. Dann hielt Herr Prof. Dr. Schmidt eine Ansprache an die Verwundeten. Er wies zunächst auf den eigentlichen Zweck der Beethovenhalle hin, schilderte dann in großen Zügen die glänzende Entwicklung Deutschlands und ging dann kurz auf den Anlaß zum Kriege ein. Mit herzlichen Wünschen zum Fest schloß der Redner seine Ansprache. Ein jeder der Verwundeten wurde herzlich bedacht und stimmte gewiß im Innern von Herzen den Dankesworten zu, die der Chefarzt zu Schluß an alle diejenigen richtete, die das schöne und unvergessliche Fest den Kriegern bereitet hatten.

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. Dezember 1914Das Metropoltheater steht in dieser Woche wieder unter dem Zeichen des Krieges. „Iwan Koschula“ heißt der Fim, der den Zuschauer auf den galizischen Kriegsschauplatz versetzt und ihn teilnehmen läßt an mancher packenden Szene des Krieges. Auch der zweite Schlager, „Fifi, der Liebling der ganzen Garnison“, verfehlt seinen Eindruck auf die Besucher nicht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Chronik der Stadt Bonn für das Jahr 1914.
Wie hat das große Welterlebnis, das heute die ganze Menschheit gepackt hält, wie hat der Krieg auf den Gang der Dinge in Bonn gewirkt? Was ging in Bonn der Mobilmachung voraus, was folgt ihr? Das zu zeigen ist die Aufgabe dieser Chronik:

   Das Attentat von Sarajewo löste wie überall, so auch in Bonn große Erbitterung aus. Eine unheimliche Stille befiel die zeit zwischen diesem und der Stellung des Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien. Am 25. Jul verbreiteten sich die ersten Kriegsgerüchte und ganz Bonn lebte in Erwartung und Spannung. Die Haltung Rußlands bringt endlich die Erklärung des Kriegszustandes, aber niemand ist zufrieden damit, das Volk verlangt den Krieg.
   „Wir sind ein einziges Volk.“ In unser sonst so friedliches Bonn brachten schon die ersten Kriegsnachrichten viele Aenderung. Bürger und Studenten schlossen sich allabendlich zusammen, zogen zum Kaiserdenkmal, und gelobten dem Kaiser ewige Treue. Die Studenten vereinigten sich vor der Wohnung ihres Rektors, und auch hier hörte man das Treue-Gelöbnis aus tausend frischen Kehlen. So war unsere ganze Stadt bereit. Daß die Lage ernst war, sah man an der Bewachung der Brücke zunächst noch durch die Polizei, der Heimkehr der beurlaubten Truppen in ihre Garnisonen. Die Erklärung des Kriegszustandes brachte die Bewachung der Bahnen und der Brücke durch Militär mit scharfer Waffe. Nur wer genügend Ausweis hatte, konnte passieren. Das Publikum aber begann etwas Unsinniges, den Sturm auf Sparkasse und Bank, die Auskaufung aller Vorräte der Lebensmittelgeschäfte, sodaß hier in einem Tage eine Teuerung entstand, die ganz unberechtigt war. Nur dem vereinten Bemühen der Stadt, der handelskammer, der Zeitungen, gelang es schließlich, der Preissteigerung ein langsames aber sicheres Ende zu machen. Der Verkehr auf den Straßen war in den Abendstunden geradezu gefährlich. Menschen wogten auf und nieder, standen vor den Zeitungen, erwarteten neue Telegramme. Nur Neues, neues. Das Neueste war nicht neu genug. So erlebte man denn am 1. August in den Nachmittagsstunden das Bekanntwerden der Mobilmachung. Die Menge wurde furchtbar ernst. „Fest steht und treu die Wacht am Rhein“, man hörte es von morgens bis abends, und „Dem Kaiser Wilhelm haben wir’s geschworen“, sangen die eingezogenen Reservisten und Landwehrmänner. Der Verkehr wurde gewaltig. Die Eisenbahnzüge kamen mit großer Verspätung hier an, alle überladen mit Zurückkehrenden, mit Soldaten, Regel brachte hier erst die Einführung des Kriegsfahrplanes. Die Stadt selbst glich einem großen Kriegslager. Soldaten und immer wieder Soldaten. In allen Straßen Einquartierung. Junge Leute, alte Leute strömten zu den Regimentern, dem Bezirkskommando, um sich freiwillig zu melden. Wie viele kamen mit traurigen Gesichtern zurück, sie kamen zu spät, mußten warten. Dann gab es andere Arbeit. Hin gings zum roten Kreuz, zur Krankenträger-Kolonne, zum Freiw. Hilfsausschuß; hier konnte man Leute brauchen. Junge Damen meldeten sich als Krankenschwester, als Pflegerin, aber auch hier war der Andrang so groß, daß eine Menge abgewiesen werden mußte. So setzte denn nun alles ein, was im Frieden organisiert, und was sich jetzt im Ernstfalle so wunderbar bewährt hat; Verpflegung der Truppen am Bahnhof, Einrichtung von Lazaretten, Errichtung einer Erfrischungsstation usw. Die Stadtverwaltung brachte Mehl und Salz zum Verkauf u. Kartoffeln, richtete eine Kriegs-Beratungs- und Auskunftsstelle ein, gab Brot ab an die Angehörigen der im Felde stehenden Soldaten, kurzum, es geschah alles Mögliche zur Linderung der augenblicklichen Not. Der Vaterl. Frauenverein, der Verein vom Roten Kreuz und der Freiw. Hilfsausschuß erließen einen Aufruf an die Mitbürger, man brauchte Geld, Geld. Aber auch lebensmittel usw. wurden gewünscht. Und wie betätigte sich da der Opfersinn der Bewohner Bonns. Schon am 7. August konnte der Oberbürgermeister im Stadtrat bekanntgeben, daß in Bonn so reichlich und viel gesorgt worden sei, wie in keiner anderen Stadt. Auch kämen Preistreibereien nicht mehr vor. Die Zeit kam, wo alles wieder, wenn auch allmählich, in geregeltem Geleise ging.
  Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Dezember 1914 Die ersten Verwundeten kamen, darunter auch Franzosen, sie wurden alle gut versorgt in den bereiteten Lazaretten. Später nach dem kriege, wird man erst bemessen können, welche Verdienste unser Bonn als Lazarettstadt hat. Die Stadt hatte noch eine Aufgabe, zu sorgen für die Armen, die doppelt zu leiden hatten, zu sorgen für Frau und Kinder des im Felde stehenden Vaters. Auch hier war sie vorbildlich wie überall. Aber man brauchte immer noch Geld und andere Sachen. So erließ denn der Oberbürgermeister einen Aufruf der Sammlung „Kriegshilfe“, es gab eine solche für das bedrängte Ostpreußen, für Elsaß-Lothringen, eine Haus-Wollsammlung wurde veranstaltet; man brauchte nur zu verlangen, ganz Bonn gab, klein und groß, arm und reich. Man denke nur an die „Liebesgaben“. Kleider, Wolle, Bücher, Stärkungsmittel usw. alles vereinigte sich zur freudigen Ueberraschung. In Bonn allein wurden 18 Millionen für die Kriegsanleihe gezeichnet.
   Pflege des Vaterländischen Geistes, das ar das Motiv, welches die Vaterländischen Reden und Vorträge ins Leben rief. Sie wurden gehalten von Gelehrten, Kaufleuten und Künstlern. Auf diese Weise sorgte man für den Sinn des Ausharrens während der Kriegszeit bei den Zurückgebliebenen. Zur Vorbereitung auf die Militärzeit gründete man den Wehrbund. Er beschäftigte Jünglinge und Männer von 16 Jahren ab mit militärischen Uebungen.
   Anzeige im General-Anzeiger vom 30. Dezember 1914Auf das künstlerische Leben Bonns hat der Krieg selbstredend auch seine Wirkungen gehabt. Das Theater sollte der Meinung vieler nach geschlossen bleiben. Nach Erwägung der Zustände war man schließlich doch für eine Oeffnung , im Hinblick darauf, daß Vorstellungen, dem Ernste der zeit angepaßt, gegeben, auf das Publikum nur erbauend wirken könnten. So eröffnete man für drei Monate, dehnte aber später die Zeit auf die üblichen sechs Monate aus. Die Gesellschaft für Literatur und Kunst arbeitete ebenfalls mit einem wesentlich kleineren Programm. Die Populär-wissenschaftlichen Vorträge, die Volkshochschulkurse, gaben ein Kriegs-Programm. Konzerte hatten wir weniger, und die, die stattfanden, waren meistens der Wohltätigkeit gewidmet.
   Wie wirkte der Krieg auf das Leben unserer Stadt, das zu zeichnen war die Aufgabe dieser Kriegs-Chronik. Man hat gesehen, daß Bonn überall, wo es Not tat, geholfen hat, daß nicht nur Pflicht erfüllt wurde, sondern daß das Herz ein großes Wort mitgeredet hat. Und so wird es weiter sein, so lange der Krieg dauert.
(...)

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 31. Dezember 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 31. Dezember 1914Der Bonner Lazarettzug ist am letzten Freitag von seiner ersten Fahrt zurückgekehrt Von zuständigerSeite ist erklärt worden, daß die Anforderungen, welche an den möglichst schonenden und raschen Transport unserer wackeren verwundeten Krieger von der Front nach den Heimatlazaretten heute gestellt werden müssen, mit gutem Erfolge auch von dem Bonner Zuge bewältigt worden sind. 260 größtenteils Schwerverwundete sind aus der Gegend von Rethel aufgenommen worden. In verhältnismäßig rascherFahrt ging es über die Pfalz in das schöne schwäbische Land, wo bestimmungsmäßig in Heilbronn und Umgebung der weitaus größte Teil der Verwundeten ausgeladen wurde, aber auch unsere Stadt erhielt eine Anzahl von ihnen. Der Schluß der Fahrt geschah in der Christnacht. Eine wunderschöne Weihnachtsfeier, teils in den einzelnen Wagen der Verwundeten, teils im Mannschaftswagen, vereinte das gesamte Personal. (...) Niemand von ihnen wird diese erhebenden Stunden vergessen. Schon die Tatsache einer möglichen Weihnachtsfeier im fahrenden Zuge zeigt, wie sehr liebevoll sorgende Hände gewacht haben, und unsere tapferen Soldaten vergaßen wohl für Augenblicke all ihr Weh. Dankbare Blicke und Worte lohnten die so aufgewendete Mühe. – (...)

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 31. Dezember 1914Stadttheater. Man schreibt uns: Für den Silvesterabend hat die Theaterleitung drei Einakter angesetzt, die jedem Geschmack Rechnung tragen dürften. Den Auftakt bildet das stimmungsvolle Lebensbild von Ernst Wichert: „Das Eiserne Kreuz“, dann folgt der immer wieder gerne gesehene Scherz von Louis Schneider: „Der Kurmärker und die Pikarde“. Den zweiten Teil der Vorstellung bildet das hier seit vielen Jahren nicht gegebene „Fest der Handwerker“ von Angely. Dieses humorvolle Singspiel ist überall wieder zu Ehren gekommen, in Berlin hält es sich ständig auf dem Spielplan des Kleinen Theaters. Der musikalische Teil ist von Herrn Kapellmeister Sauer eingeübt worden.

Für die Silvesternacht ist für die sämtlichen Wirtschaften im Polizeibezirk Bonn (Gastwirtschaften, Schankwirtschaften, alkoholfreie Wirtschaften, Kaffee-Wirtschaften usw.) die Polizeistunde allgemein auf 1 Uhr festgesetzt. (...) Durch diese Verordnung wird das Silvestertreiben auf den Straßen eingedämmt werden. Mit Recht! In den jetzigen furchtbar ernsten Zeiten ist lärmendes Straßentreiben nicht am Platze. Für Silvesterfeiern ist jetzt nicht Zeit noch Stunde. Es entspricht der ernsten Gegenwart und der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser Jahreswende, wenn sich in Ruhe und Stille der Jahreswechsel von 1914 zu 1915 vollzieht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

 

Der städtische Kartoffelverkauf, Bachstraße, Ecke Thomastraße, findet vom 1. – 4. Januar nicht statt. Fortsetzung des Verkaufs von Dienstag, den 5. Januar ab täglich vormittags 8 – 12 Uhr zu dem ermäßigten Preise von 4,15 Mark für den Zentner und 1,30 Mark für 30 Pfund.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

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