Donnerstag, 5. Dezember 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Dezember 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Dezember 1918Der katholische Lehrerinnenverein, Verband Bonn-Stadt und Land, hatte Dienstag nachmittag eine sehr gut besuchte Versammlung. Der Verein erkennt es als eine vom christlichen Standpunkt gebotene Pflicht seiner Mitglieder, sich mehr als bisher für die Fragen des öffentlichen Lebens zu interessieren. Die Mitglieder sehen es als eine ihrer schönsten Pflichten an, sich insbesondere zur Schulung und Aufklärung nahestehender Volkskreise zur Verfügung zu stellen. Den Bestrebungen des jetzigen Kultusministeriums gegenüber lehnen sie jeden Versuch einer Trennung von Kirche und Staat ganz entschieden ab und betonen die Notwendigkeit der konfessionellen Volksschule.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

In der gestrigen Sitzung des Arbeiter- und Bürgerrats erklärte der Vorsitzende Dr. Krantz, daß nach Eintreffen der fremden Besatzung alles vermieden werden müsse, die Feinde zu reizen. Immer wieder müsse auf unsere Jugend eingewirkt werden, die unsinnige Schießerei zu unterlassen, da derartige Dummejungenstreiche dazu angetan seien eine Erhöhung der Kontributionen herbeizuführen. Mehrere Mitglieder machten Vorschläge, wie diesem Unfug zu steuern sei. Es wurde u. a. vorgeschlagen, nach dem Vorbild von Köln Flugblätter an die Kinder zu verteilen, die ihnen das Gefährliche ihres Treibens vor Augen führen. Von anderer Seite wurde angeregt, dafür Sorge zu tragen, daß der Schulunterricht so bald als möglich wieder aufgenommen werde, damit die Kinder wieder an Zucht und Ordnung gewöhnt würden. (Vielleicht lassen sich die Rektoren der Schulen in ihren Bezirken hin und wieder einmal sehen.) Außer den Lehrpersonen und der Polizei seien in erster Linie die Eltern berufen, ihre Kinder über das gefahrdrohende Treiben aufzuklären. Der Vorschlag, eine diesbezügliche Bekanntmachung zu erlassen, wurde von der Versammlung angenommen.
   Beigeordneter Bottler stellte den Antrag, die Bürgerwehr aufzulösen, da die städtische Polizei mit Hilfe der zu erwartenden Besatzungstruppen in der Lage sei, den Sicherheitsdienst zu versehen. Zudem sei es sehr wahrscheinlich, daß die Bürgerwehr nach Eintreffen der Besatzung nicht mehr mit Waffen aufziehen dürfe, wodurch ihre Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Ordnung sehr gering sei. Ein bestimmter Tag, wann die Auflösung erfolgen soll, brauche noch nicht festgesetzt zu werden, man soll aber schon jetzt die Wehrleute damit vertraut machen, sich um anderweitige Beschäftigung umzusehen. […] Die Versammlung erklärte sich mit der Auflösung der Bürgerwehr einverstanden, wenn die Sicherheit der Stadt gewährleistet ist. […]
   Anknüpfend hieran fand Beigeordneter Bottler Worte des Dankes für die Tätigkeit der Bürgerwehr und ihrer Führer, Kommandant Arimond und Hauptmann Köttgen. In den Revolutionstagen vom 9. und 10. November, als alle versagten, habe uns die Bürgerwehr geholfen und durch ihr tatkräftiges Eingreifen bald das Gefühl der Sicherheit wiedergegeben. Die Versammlung schloß sich diesem Dank an.
   Auch dem Verpflegungsausschuß und ihrem Leiter, Baurat Piehl, wurden vom Vorsitzenden für die vorzüglich durchgeführte Verpflegung der Truppen Worte der Anerkennung ausgesprochen. Die gute Stimmung der Soldaten sei in erster Linie auf die gute Verpflegung zurückzuführen.
   Baurat Piehl berichtete, daß die Küche an der Reuterstraße die 10.000 Portionen Essen an die Truppen geliefert habe, und auch die Verpflegungshalle an der Endenicher Allee, in der 9000 Essen ausgegeben wurden, mit dem heutigen Tage geschlossen worden seien. Diese beiden Küchen würden nunmehr für die zu erwartenden Besatzungstruppen bereit gehalten. Sodann macht Baurat Piehl bekannt, daß die Stadt 15.000 Brote vom Militär übernommen habe. Die Art der Verteilung an die Bürgerschaft wird noch durch die Zeitung bekannt gemacht werden. Es soll ein Zuschuß für kinderreiche Familien zu der bisher bewilligten Brotmenge werden. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Ueber das Eintreffen der fremden Besatzung war bis gestern abend bei der Stadtverwaltung noch nichts bekannt. Auch in Köln waren gestern abend noch keine Besatzungstruppen eingetroffen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)