Mittwoch, 28. Februar 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Februar 1917Ein Gänseei von 325 Gramm Gewicht hat dieser Tage die brave Gans eines Gastwirts am Jagdweg gelegt. Ein Hühnerei wiegt 60 bis 70 Gramm, das Fünffache davon ist auch für eine Gans eine gute Leistung.

Vier geschlachtete Schweine, die verbotenerweise vom Vorgebirge nach Bonn gebracht worden waren, sind gestern in einer hiesigen Fabrik beschlagnahmt und dem Lebensmittelamt überwiesen worden.

Im Café Fürstenhof werden vom morgigen 1. ab täglich Konzerte veranstaltet.

Die Bonner Lichtspiele führen diese Woche den fünften Teil des großen Homunkulus-Films vor.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Ueber die Nahrungsmittelversorgung der Stadt Bonn in der Kriegszeit spricht am Samstag abend in der Lese- und Erholungs-Gesellschaft Herr Beigeordneter Piehl.

Jungmannen für die Frühjahrsbestellung. Die Beschaffung der für die Frühjahrsbestellung erforderlichen Arbeitskräfte bildet eine dringende Sorge, da die restlose Bebauung aller Anbauflächen unter allen Umständen gesichert sein muß. Mit den militärisch organisierten Jugendkompagnien hat man sehr gute Erfahrungen gemacht, wie der vorjährige Versuch mit etwa 1100 Jungmannen ergab. In größerem Umfange soll diese Hülfestellung bei der diesjährigen Ernte erfolgen. Das Kriegswirtschaftsamt für die Rheinprovinz hat die Angelegenheit für die ganze Provinz einheitlich organisiert und für die Frühjahrsbestellung eine größere Zahl von Hilfskommandos gebildet, die nach strengen militärischen Grundsätzen ausgerüstet werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Geschmacklosigkeit? Der Einsender G. in der Nr. 9628 des General-Anzeigers hat etwas zu scharf geschossen. Ich habe mir auch den Sommeschlacht-Film angesehen und muß von meinem Geschmacksstandpunkt aus bestreiten, daß durch die begleitende Musik die Vorgänge von ihrer gigantischen Höhe ins „Theater“ herabgezerrt wurden. Um was handelte es sich bei der begleitenden Musik? Es waren bei den Sturmangriffen unsere alten historischen Armeemärsche, die in der Geschichte unseres Heeres immer eine große Rolle gespielt und im Ernst der Schlachten unserer Soldaten angefeuert haben. Ferner handelt es sich um die alt-niederländischen Volkslieder. Als zum Schluß bei der Szene auf dem Soldatenfriedhof im Feindesland der Choral „Wir treten zum Beten“ erklang, war man in tiefster Seele erschüttert. Ich möchte bestreiten, daß die künstlerisch wertvolle und den Vorgängen in der Auswahl verständnisvoll folgende Begleitmusik verletzen konnte. Mir erschien sie als eine wertvolle Ergänzung des Films. Sch.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

     

Eierverkauf. Am Donnerstag, den 1. März werden Eier an die Inhaber der Lebensmittelkarten-Umschläge Nr. 4 und an Kranke gegen deren Bezugskarten abgegeben.

Butterverkauf. Der Abschnitt Butter der Speisefettkarte berechtigt bis auf Weiteres den Inhaber zum Bezuge von 30 Gramm Butter. Der Preis für die Butter ist auf 3,35 Mark für das Pfund angesetzt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Dienstag, 27. Februar 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Februar 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Februar 1917Der Unterricht in den Volksschulen beginnt von heute ab wieder um 8 Uhr.

Schulanfang – Schulpflichtanfang. Rechtsanwalt Felix Joseph Klein schreibt uns: Die Forderung der Frau Professor J. Binz, wiedergegeben in Nr. 56 Ihrer Zeitung, der Schulanfang solle bis auf Wiedereintritt normaler Ernährungsverhältnisse auf 9 Uhr verlegt werden, nebst ihrer Begründung deckt sich mit dem, was ich schon früher (Bonner Zeitung Nr. 336/1916) unter der Ueberschrift „Die Hauptsache ist – der Schlaf“ ausgeführt habe. Wie diese Anregung, so wollte auch meine weitere, aus denselben Gründen, die zur Forderung eines späteren Schulbeginns während der Kriegszeit führten, solle der Beginn der Schulpflicht überhaupt um ein Lebensjahr hinausgeschoben werden (vgl. Nr. 350/1916), deutsche Eltern, Lehrer, Aerzte, Jugendfreunde veranlassen, baldmöglichst bei den maßgebenden Stellen die Schritte zu tun, die das Ziel der Gesunderhaltung unserer Jugend hier von uns erheischt. Es handelt sich um Maßnahmen, bei denen, wie Frau Binz richtig andeutet, die Frage des gesundheitlichen Wohles der jetzigen Schuljugend unbedingt oberstes Gebot abgeben muß. Auf ihre sofortige Ergreifung sei hiermit nochmals hingewiesen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

      

Warum bleibt das Victoriabad geschlossen? Nachdem auch die Bonner Schulen zögernd ihren Betrieb wieder aufgenommen haben, häufen sich die Anfragen, warum unser städtischen Victoriabad seine Pforten immer noch geschlossen hält. Auch bei dieser Anstalt unserer Stadt spielt die Kohlenfrage eine schwärzliche Rolle. Wir sind mit der Wiedereröffnung des Bonner Schulbetriebs um acht Tage hinter zahlreichen anderen rheinischen Städten zurückgeblieben. Da fragt es sich, ob die Kohlennot in Bonn stärker auftritt als in anderen Städten. Vom Victoriabad verlautet, daß vor dessen Schließung Kohlen- und Koksvorräte genügend vorhanden waren um den Betrieb aufrecht zu erhalten.
  
Wenn auch naturgemäß de Verkehrszahlen unseres Victoriabades während des Krieges sich auf der absteigenden Linie bewegt haben, so ist unsere städtische „Reinigungsanstalt“ gerade während des Krieges mit seinen besonderen Krankheitsgefahren vielen zum Segen geworden. Sowohl die Wannen- und Brausebäder wie auch das Schwimmbad sind von unseren aus dem Felde heimkehrenden Feldgrauen gerne aufgesucht worden und die hier garnisonierenden Truppen wie auch die in Bonn befindlichen verwundeten Feldgrauen und Kriegsgefangenen haben den Wassersegen unseres Victoriabades regelmäßig und reichlich nutzen können.
   Es hieße gegenüber den medizinisch gebildeten Mitgliedern unseres Stadtverordneten-Kollegiums unnütze Worte zu sprechen, wenn wir an dieser Stelle auf den gesundheitlichen Wert des Victoriabades für unsere Bürgerschaft besonders hinweisen wollten. Die Ansprachen, die so häufig vom Sprungbrett des Schwimmbades aus ärztlichem Munde über den hygienischen Wert und Einfluß unseres Victoriabades in die Herzen der Zuhörer und über die Mauern des Victoriabades hinaus in die Presse drangen, mögen aber jetzt wieder in Erinnerung gerufen werden, wo unserem herrlichen Bade das Schicksal zu drohen scheint, mit Staub und Spinnweben überzogen zu werden.
   Es fragt sich, wenn finanzielle Ueberlegungen dazu geführt haben, das Victoriabad weiterhin außer Betrieb zu lassen, ob die fortlaufenden Kosten des Bades, die Verzinsung und Tilgung von Bau und Einrichtung verursachen, nicht in einem Mißverhältnis stehen zu den eigentlichen Betriebskosten, die man jetzt allerdings zum Teil erspart, wogegen aber die Betriebseinnahmen (soweit es sich nicht um Abonnements handelt) gänzlich ausfallen.
   Vielleicht findet auch morgen über diese Frage im Kollegium der Stadtverordneten gelegentlich der Aussprache über die Kohlenfrage und die Angelegenheit des Gassparpreises eine Aussprache statt. Wir zweifeln nicht, daß die warmherzigen Freunde des Victoriabades, die wir im Stadtverordneten-Kollegium besitzen, gerne geneigt sind, wenigstens zur Klärung der Frage beizutragen, warum in der Lazarettstadt Bonn eine Einrichtung wie das Victoriabad seinen Betrieb einstellen mußte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Die Rheinische Friedrich Wilhelms-Universität wird bekanntlich im nächsten Jahr ihr erstes Jahrhundert vollenden. Die bei einer solchen Feier üblichen Festlichkeiten mitten im Kriege vorzubereiten, ist natürlich unmöglich. Das Fest wird daher auf geeignetere Zeiten verschoben.

Konsumenten-Ausschuß. Wir werden gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß behufs Abstellung der mangelhaften Zufuhr von Brennmaterial der hiesige Kriegsausschuß für Konsumenten-Interessen schon Ende Januar diesbezl. Eingaben an das General-Gouvernement in Köln, an das Eisenbahnministerium in Berlin und an den kommandierenden General in Koblenz gemacht und auch noch anderweitige Maßnahmen getroffen hat.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Montag, 26. Februar 1917

      

Gartenbau-Verein Bonn. Wegen des Verbotes, Versammlungslokale zu heizen, fällt die Monatsversammlung am 28. Februar aus.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1917Zur Kohlenversorgung in Bonn. Am Mittwoch sollen die Stadtverordneten noch einmal über die Einführung oder Ablehnung des sog. Gasersparnispreises in öffentlicher Sitzung beraten. Es ist anzunehmen, daß der Haus- und Grundbesitzerverein, der Handels- und Gewerbeverein wie auch unsere Bonner Handelskammer in dieser die breite Masse der Bürgerschaft im allgemeinen wie zahlreiche Gewerbetreibende im besonderen hart treffende Maßnahme um ihre Meinung befragt worden sind, bezw. daß diese daß diese Stellen angesichts der Wichtigkeit der Frage nicht in einem Dornröschenschlaf verharren. In Berlin hat sich der Haus- und Grundbesitzerverein beispielsweise in der Kohlenfrage ganz energisch seiner Haut gewehrt und hat mit dem Gouverneur der Marken persönlich hierüber verhandelt. Warum sollte es nicht auch in Bonn möglich sein, daß die zunächst interessierten Kreise sich der Angelegenheit annehmen. Unser Herr Oberbürgermeister Spiritus mußte am Freitag in der Stadtratssitzung darüber Klage führen, daß er in der Frage der Kohlenbeschaffung lediglich von Herrn Prof. Landsberg unterstützt worden sei. Haben wir in Bonn denn keine in Verkehrsfragen und in der Kohlenbranche erfahrene Männer, die zur Montanindustrie Fühlung unterhalten? Wir glauben diese Frage bejahen zu dürfen. Es ist uns nicht bekannt, was in der Angelegenheit in geheimer Sitzung am Freitag zur Kenntnis gebracht worden ist. Wohl aber steht es fest, daß die Kohlenfrage für uns wesentlich eine Transportfrage ist. Die Frage, ob wir eine Strangulierung des Gasverbrauchs vornehmen müssen, also genötigt sind, unsere beste kommunale Einnahmequelle zu verengen, ist doch wohl davon abhängig, in wie weit wir in der Lage sind, das Gaswerk mit Kohlen zu versorgen. Es wäre also festzustellen, ob diese Versorgungsmöglichkeit uns benommen ist. Diese Frage ist am Freitag öffentlich nicht beantwortet worden. Führt man den Gasersparnispreis ein, dann muß man doch wohl der Bürgerschaft den Nachweis führen, daß alle Schritte, eine ausreichende Kohlenversorgung für das Gaswerk zu bewirken, erfolglos geblieben sind. Und wenn dem so ist, wenn der Gaskonsum zurückgedrängt wird, geht die Bürgerschaft naturgemäß wieder mehr zur Kohlenverfeuerung über, und dann fehlt es uns erst recht an Kohlen. Die Stadt würde also mit dem Gassparpreis in eine Zwickmühle geraten. Versuchen wir es deshalb zunächst damit, möglichst viele Kohlenkähne am Bonner Werft anlegen zu lassen. Amtlicherseits finden derartige Bemühungen die bestmöglichste Unterstützung. Ist doch zur Entlastung des Güterverkehrs der Eisenbahnen angeordnet worden, die Binnenwasserstraßen mehr für den Güterdienst nutzbar zu machen. Die Köln-Düsseldorfer Gesellschaft ist deshalb von dem Bevollmächtigten der Schiffahrtsabteilung beim Chef des Feld-Eisenbahnwesens des stellvertretenden Generalstabs der Armee aufgefordert worden, die notwendige Zahl von Personen- und Güterdampfern für die Uebernahme der Eilgüter der Eisenbahn auf dem Rheinwasserwege bereitzustellen. Soweit es sich mit dem vorhandenen Personal ermöglichen ließ, sind vorläufig genügend Boote eingestellt, welche eine prompte Beförderung der Güter gewährleisten. Sollte der Güterandrang Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1917jedoch so werden, daß noch mehr Boote fahren müssen, so liegen auch diese schon hierfür bereit, so daß die Abfahrt je eines Schiffes zu Berg und zu Tal stattfinden kann. Diese Maßnahme hat zwar in erster Linie Eilgüter im Auge, jedoch zeigt sie deutlich die Tendenz, durch die Benutzung der Wasserstraßen die Transportmöglichkeiten zu erweitern. Es ist sogar schon die Anregung öffentlich gegeben worden, alte Torpedoboote aus unserer Marine für die Kohlenbeförderung nutzbar zu machen und auch Marinemannschaften der Besatzung zur Verfügung zu stellen. Man übereile deshalb den Beschluß im Stadtrat nicht und warte vielleicht noch einige Wochen ab, wie sich nach dem Eintritt milden Wetters die Verkehrsbedingungen für den Kohlentransport auf dem Rhein entwickeln. Die Bürgerschaft würde, wenn wir deren Stimmung und Wünsche recht verstehen, den Herren Stadtverordneten und unserer Stadtverwaltung für eine solche vorsichtig abwartende Haltung sicherlich dankbar sein.
   Namentlich in den Kreisen derjenigen Gaskonsumenten, die ihren Konsum nicht nur nicht auf 75 Prozent ihres bisherigen Bedarfs einzuschränken vermögen, sondern sogar gezwungen sind, mehr Gas zu verbrauchen als im vergangenen Jahre, sieht man der Entscheidung unserer Stadtverordneten mit großer Spannung entgegen. Für sie bedeutet der Gasersparnispreis von 50 Pfg. pro Kubikmeter eine durchgängige Verteuerung des Gaskonsums um 100 Prozent. Bei Einführung des Gasersparnispreises würde also eine gewissen Kategorie unserer Mitbürger gewissermaßen mit einer Sondersteuer belegt werden, und diejenigen, die wieder zu Kohlenfeuerung übergehen, würden sich gezwungen sehen, sich wieder Herde anzuschaffen usw., was natürlich auch mit Ausgaben verknüpft ist. Daß es sich bei dem Gasersparnispreis um eine verschleierte Gassteuer handelt, darf man wohl ohne weiteres als unzutreffend betrachten. Es ist sicherlich nur eine zwingende Notlage, die unsere Gasdeputation zu einem derartigen Schritt angeregt hat, der, wenn sich ein Ausweg findet, sicherlich vermieden bleiben wird.
   Wie wir kurz vor Redaktionsschluß noch durch ein amtliches WTB-Telegramm aus Berlin erfahren, hat die Reichsregierung sich entschlossen, in die Verteilung der Kohlenvorräte einzugreifen. Unsere Stadtverordneten stehen also jetzt einer ganz veränderten Sachlage gegenüber. Inwieweit diese sich zugunsten der Kohlenversorgung der Städte verschiebt, läßt sich noch nicht erkennen. Wir vermuten, daß es sich in erster Linie um eine kriegswirtschaftliche und politische Maßnahme handelt, die zunächst unserer Kriegsindustrie und der Versorgung des neutralen Auslandes gilt. Jedenfalls ist der heute von uns zur Veröffentlichung gelangende bezügliche Bundesratsbeschluß in die Erörterung einzubegreifen, die am Mittwoch im Kollegium unserer Stadtverordneten über den Gaspreis stattfinden soll.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

      

Godesberg: Der Vaterländische Frauenverein Godesberg tagte gestern in einer Generalversammlung unter dem Vorsitze von Frau Jos. Mayer (Muffendorf). Es wurde beschlossen, auch im Verein sich auf einen Kriegshilfsdienst zu rüsten und zu diesem Zwecke eine Liste zum Einzeichnen zirkulieren zu lassen. Der allgemeinen Wohlfahrtspflege, insonderheit der Säuglingsfürsorge und der Hebung der landwirtschaftlichen Bestellung aller geeigneten Bauflächen will man ein erhöhtes Interesse zuwenden. [...]

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)

Erster Weltkrieg in Bonn
Auf dieser Seite wollen wir genau 100 Jahre danach für jeden Tag, den der Erste Weltkrieg andauerte, lokale Nachrichten aus Bonn veröffentlichen. Alle bislang erschienen Einträge sind in der der Chronik unter dem jeweiligen Monat nachzulesen. Soweit es unsere Zeit zulässt, wollen wir darüber hinaus weitere Informationen zum Thema Erster Weltkrieg ins Netz stellen.

Bonner Geschichtswerkstatt e.V.