Dienstag, 18. Juni 1918

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Juni 1918Personenschmuggel. Es ist eine bekannte Tatsache, dass während des Krieges sowohl deutsche und verbündete Heerespflichtige als auch Kriegs- und Zivilgefangene und andere feindliche Heeresangehörige sich heimlich auf Schleichwegen ins neutrale Ausland begeben haben. Deutsche und verbündete Staatsangehörige bezweckten, sich ihrer Wehrpflicht zu entziehen, feindliche Ausländer, aus der Gefangenschaft zu entkommen, sich ins feindliche Heer zu begeben oder sich der Arbeit in Deutschland zu entziehen. Das Gelingen der Flucht war in vielen Fällen darauf zurückzuführen, daß ihnen von anderen zum Entweichen durch Verschaffung von Zivilkleidern, durch Begleitung bis zur Grenze und durch Zeigen von Schleichwegen Beihilfe geleistet wurde. Den Grund zu dieser Beihilfe bildete meist schnöde Gewinnsucht, indem dafür Geldbeträge angenommen wurden. Ein derartiges Treiben gewissenloser Menschen kann nicht scharf genug verurteilt werden. Die Gerichte haben denn auch in zahlreichen Fällen gegen derartige Personenschmuggler wegen Landesverrat hohe Freiheitsstrafen verhängt. Und dies mit Recht, denn jeder, der einem Kriegs- oder Zivilgefangenen, einem ausländischen Arbeiter oder einem wehrpflichtigen deutschen oder verbündeten Staatsangehörigen zur Flucht über die Grenze verhilft, leistet dem Feinde Vorschub und benachteiligt die deutsche Kriegsmacht, begeht also Landesverrat.

Mitwirkung zum Schutz von Heeresgut. Im Interesse unseres Volkes, insbesondere aber unserer Feldgrauen liegt es, wenn Diebstähle und Unterschlagungen von Heeresgütern jeder Art, Beraubungen von Postsendungen nach und von der Front, Gefangenensendungen, sowie unerlaubter Handel mit militärischen Bekleidungs- und Ausrüstungsstücken und Schleichhandel zur Kenntnis der Nach- und Abschubüberwachungsstelle Bonn, Vivatsgasse 6 I, schriftlich oder telephonisch unter Nummer 427 gebracht werden. Durch Unterstützung der Zivilbevölkerung gelang es, im Monat Mai eine Anzahl solcher Fälle aufzudecken. Der Heeresverwaltung sind dadurch große Werte gerettet worden. Jeder, der von strafbaren Handlungen vorerwähnter Fälle Kenntnis erhält und dies der Ueberwachungsstelle mitteilt, trägt einen großen Teil zum Durchhalten bei.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 18. Juni 1918Ortsgruppen Bonn und Umgebung der Deutschen Vaterlandspartei. In dem heutigen Besprechungsabend wird der Kgl. Oberlandmesser Eichholtz den einleitenden Vortrag halten über das Thema: Der Grund und Boden als Sicherheit für die Kriegs- und Friedensschulden des Reiches. Am Freitag, 21. ds. Mts. wird ein Marokkodeutscher, Herr Werner Lieb aus Casablanca im Union-Theater einen Lichtbildervortrag halten. Redner war Plantagenbesitzer in Marokko, hat dort drei Jahre französischer Gefangenschaft durchkosten müssen, ist dann aber über die Schweiz ausgeliefert worden.

Barfußgehen. Es wird namentlich den Kindern empfohlen, zur Schonung des Schuhwerks in der wärmeren Jahreszeit barfuß zu gehen. Vorerst ist dies aber mit großen Gefahren verbunden. In den Straßen liegen wochenlang zerbrochene Flaschen und Glasscherben umher. So lange die Erwachsenen sich nicht daran gewöhnen, die Wege und Straßen von Glasscherben frei zu halten, kann man die Kinder nicht barfuß umherlaufen lassen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Am Sonntag, den 23. Juni, von 11½ bis 1 Uhr werden in den drei hiesigen Kinos Vorstellungen für Erwachsene gegeben. Es werden Kriegsfilme nach neuesten, hochinteressanten Aufnahmen an der Westfront vorgeführt. Karten hierfür sind bei den Haussammlern im Laufe der Woche zu haben.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Montag, 17. Juni 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1918Arndt-Eiche in Eisen. Eine schlichte, aber eindrucksvolle Feier fand gestern, Sonntag, an der Arndt-Eiche statt: die Nagelung einer Adlerfeder für Frl. Mathilde Wirth, die unermüdliche Sammlerin für das Rote Kreuz. Ende Mai war die Summe des von ihr gesammelten Geldes auf 25.000 Mark gestiegen. Zu Ehren und zur Erinnerung an diese hervorragende Tätigkeit des Frl. Wirth widmeten ihr die Vaterländischen Vereinigungen der Stadt Bonn eine Adlerfeder. Bei der Nagelungsfeier, zu der u. a. der Vorsitzende des Zweigvereins vom Roten Kreuz für den Stadt- und Landkreis Bonn, Oberbürgermeister Spiritus, und die Vorsitzende des Vaterländischen Frauenvereins, Frau Berghauptmann Krümmer, erschienen waren, widmete der Vorsitzende des Hilfsausschusses für die Truppen, Dr. Krantz, Frl. Wirth herzliche Worte ehrender Anerkennung und wies besonders auf die unermüdliche Tätigkeit der allzeit liebenswürdigen Sammlerin hin, die bei Sonnenbrand und Kälte, in Wind und Wetter nunmehr fast vier Jahre dem Roten Kreuz so große Dienste geleistet habe; die Adlerfeder sei nur ein kleines äußeres Zeichen der Dankbarkeit für diese vaterländische und opferwillige Tätigkeit, die hierdurch an dem Bonner Kriegswahrzeichen für spätere Geschlechter verewigt werde. Alsdann fand die Nagelung der Adlerfeder statt. Die Feder trägt das Wappen der Stadt Bonn, das Rote Kreuz und die Widmung: „Frl. Mathilde Wirth in Bonn in Anerkennung ihrer verdienstvollen Sammeltätigkeit für das Rote Kreuz gewidmet von den Vaterländischen Vereinigungen in Bonn.“

Die Provinzialstelle der Reichsbank zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist in Köln gegründet worden. Ihr Wirkungskreis umfaßt das Gebiet der Reichsbankhauptstellen Köln, Aachen, Barmen, Kreifeld, Elberfeld, Remscheid, Siegen wie auch das der hierzu gehörigen Reichsbanknebenstellen. In dem Ausschuß der Provinzialstelle sind außer den Behörden alle Berufsklassen vertreten, so daß zu hoffen ist, daß durch entsprechende Propaganda die Verbreitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in alle Kreise getragen wird. Der Vorsitz wurde dem Präsidenten der Handelskammer Köln, Geheimrat Dr. Louis Hagen, übertragen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 17. Juni 1918Ludendorff-Spende. Vom frühen Morgen bis in den Abendstunden wanderten am Samstag und Sonntag unsere begeisterungsfreudigen Bonner Jungen und Mädchen mit den Sammelbüchsen durch die Stadt, um für unsere Kriegsbeschädigten Spenden zu erbitten. Nicht nur auf Straßen und Plätzen, auch in den Straßenbahnen und in den Gastwirtschaften walteten sie ihres Amtes mit freudigem Eifer. In den Nachmittagsstunden sah man kaum noch Jemand, der nicht irgend ein Abzeichen trug. Namentlich bei den Promenaden-Konzerten am Samstag abend und Sonntag mittag in der Poppelsdorfer Allee flossen die Gaben reichlich; dort konnte keiner dem Trommelfeuer der Sammelbüchsen entgehen. Vornehm und Gering gab gern und freudig, gilt es doch, durch diese Volkssammlung unsern kriegsbeschädigten tapfern Brüdern den Dank der Heimat zu beweisen.
   Folgendes kleine Stimmungsbildchen vom gestrigen Sammeltag wird uns aus unserm Leserkreis übermittelt: Auf der Terrasse eines bekannten hiesigen Bierlokals sitzt ein älterer Herr, der jedesmal, wenn ihm die Sammelbüchse hingehalten wurde, sein Scherflein gab. Ein Tischnachbar meinte schließlich, er solle sich ein Abzeichen kaufen, dann hätte er doch Ruhe. „Ach was,“ meinte der Herr lachend und holte aus der Tasche fünf Ludendorff-Abzeichen hervor, „wenn ich so ein Ding anstecke, kommt Niemand mehr zu mir, das will ich nicht. Wissen Sie, ich habe so meine feste Taxe: Die Jungens bekommen 10 Pfg., die Mädels 15 Pfg. und den ganz netten Mädchen kaufe ich so’n Anhänger ab.“
   Die Kinos wiesen einen guten Besuch auf. Der Film „U-Boote heraus!“, der die neuen U-Bootkreuzer in Tätigkeit zeigte, gefiel ungemein. Auch die „Tolle Komteß“ im Operettentheater trug viel zur Mehrung der Spende bei. Adalbert Steffter sprach den Prolog Herbert Eulenbergs, den wir am Samstag als herzliche Mahnung zum Abdruck brachten.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zu Gunsten der Ludendorff-Spende finden diese Woche im hiesigen Kino Vorstellungen statt. Es wird sich lohnen, die hochinteressanten Ludendorff-Filme zu sehen.

Metallsammlung. Zur Empfangnahme von Einrichtungsgegenständen ist die Metallsammelstelle Nicolaus-Beckerstraße 1, jeden Vormittag von 8.30 bis 12 Uhr geöffnet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Godesberg“)

Sonntag, 16. Juni 1918

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Juni 1918Für die Ludendorff-Spende wurde gestern fleißig gesammelt. Fast in allen Straßen begegnete man Schülern und Schülerinnen mit Sammelbüchsen, überall wurde von den Vorübergehenden mehr oder weniger eindringlich ein Beitrag zur Hilfe für unsere Kriegsbeschädigten gefordert. Heute wird die öffentliche Sammlung fortgesetzt.
   Ueber die Verteilung und Verwaltung der durch die Ludendorff-Spende einkommenden Gelder herrscht in weiten Kreisen Unkenntnis und vielfach falsche Auffassung. In bezug auf die Verteilung des Sammelertrages ist zunächst zu bedenken, daß jede Provinz und jede Stadt nicht allein von den Truppen verteidigt werden, die aus der betreffenden Stadt oder Provinz stammen, sondern daß alle Soldaten für alle Gebiete und alle Städte des Vaterlandes gleichmäßig kämpfen. Dieser Umstand spricht für eine gleichmäßige Verteilung des Geldes über das ganze Reich. Anderseits ist aber auch zu berücksichtigen, daß die Gebefreudigkeit größer ist, wenn der Geber das Gefühl hat, daß seine Gabe in seiner Provinz und seiner Stadt bleibt. Die Folge dieser Erwägungen war, daß das Geld in der Hauptsache der Provinz und Stadt zur Verfügung bleibt, die es gesammelt, und daß nur ein kleiner Teil in einen Reichs-Ausgleichsfonds nach Berlin abfließt für solche arme Gegenden, die nicht in der Lage sind, ihre Kriegsbeschädigten hinreichend zu unterstützen. Und das ist nicht mehr als billig und recht. Denn wenn jede Stadt den vollen Betrag ihrer eigenen Sammlung ganz für sich zur Verwendung halten würde, so würden die Kriegsbeschädigten der verschiedenen Orte allzu verschieden unterstützt werden. […]
   Aus vorstehendem ergibt sich, daß schließlich der allergrößte Teil der am Orte gesammelten Gelder dem Orte zur freien Verfügung für seine eigenen Kriegsbeschädigten verbleibt und daß nur ein geringer Teil in den Ausgleichsfonds für weniger wohlhabende Landesteile berechtigterweise abgeliefert wird.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 16. Juni 1918Höchstpreise für Bier und bierähnliche Getränke. Im Stadtbezirk Bonn ist mit sofortiger Wirkung der Höchstpreis für untergärige und obergärige Biere und bierähnliche Getränke auf 8 Pfg. und für Ersatzbier auf 5 Pfg. für je 1/10 Liter festgesetzt. Bei Konzerten und dergleichen Veranstaltungen darf ein Zuschlag von 5 Pfg. für je ein Glas erhoben werden.

Gedenket den Kriegsblinden!
Blindsein – ein langes Leben in Nacht wandeln – ein hartes Los! Doppelt hart für jene, die einst ihr Auge weiden konnten an den Schönheiten der Natur. Im Kampfe für unsere höchsten Güter haben sie, unsere Kriegsblinden, ihr Augenlicht verloren. Unauslöschlichen Dank sind wir den Tapferen schuldig, und ihnen ihr Los in jeder möglichen Weise zu erleichtern, muß uns eine liebe Pflicht sein. Wir alle kennen den Lesehunger unserer Soldaten im Felde, er ist nicht minder stark vorhanden bei den Erblindeten, mag der Stoff der Unterhaltung oder der Belehrung dienen. Der Borromäus-Verein hat es trotz seiner im Kriege vermehrten Tätigkeit gerne übernommen, durch Schaffung einer Blindenbücherei dem Bedürfnis Rechnung zu tragen. In dankenswerter Weise sind seit längerer Zeit mehrere Damen an dem edlen Werke eifrig tätig, mit dem Erfolge, daß die Bücherei heute auf einen Bestand von 130 Bänden angewachsen ist. Sie setzen sich aus Werken aller Literaturgebiete zusammen. Noch aber ist die Bücherei bei weitem nicht ausreichend im Hinblick auf die große Zahl der Kriegsblinden, und es bedarf der Mithilfe weiterer Kräfte, wenn sie einigermaßen dem bestehenden Bedürfnisse entsprechen soll. Hier bietet sich für jene Damen, die nicht in der öffentlichen Fürsorge wirken, eine Tätigkeit, die sich im stillen Heim ausüben läßt, die aber deshalb nicht minder verdienstvoll ist. Wer Lust, Liebe und Ausdauer besitzt, der möge sich Dienstag, 18. und Mittwoch, 19. ds. zwischen 10 und 12 Uhr im Borromäushaus, Wittelsbacher Ring 9 melden. Kosten sind mit der Erlernung der Blindenschrift und der Uebertragung der Bücher nicht verbunden; Tafeln, Maschinen und Papier werden gestellt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Unsinniges Gerücht. Infolge einer Sensationsmeldung wird in der Stadt erzählt, bei dem Brand in der Stadthalle seien große Vorräte an Lebensmitteln vernichtet worden. Wir können auf Grund eigener Wahrnehmung feststellen, daß in der Stadthalle auch nicht ein Pfund Lebensmittel zur Zeit des Brandes lagerte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

Erster Weltkrieg in Bonn
Auf dieser Seite wollen wir genau 100 Jahre danach für jeden Tag, den der Erste Weltkrieg andauerte, lokale Nachrichten aus Bonn veröffentlichen. Alle bislang erschienen Einträge sind in der der Chronik unter dem jeweiligen Monat nachzulesen. Soweit es unsere Zeit zulässt, wollen wir darüber hinaus weitere Informationen zum Thema Erster Weltkrieg ins Netz stellen.

Bonner Geschichtswerkstatt e.V.