Samstag, 30. September 1916

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Feldpostbriefe. Für die kriegsgeschichtliche Einzelforschung ist es erwünscht, daß schon jetzt Feldpostbriefe mit zusammenhängenden Schilderungen aus dem Felde gesammelt und gesichtet werden. Wir sind bereit, geeignete Briefe aus dem Felde oder Abschriften davon, die uns zur Verfügung gestellt werden, der in Bonn eingerichteten Stelle zu übermitteln, sie gegebenenfalls auch in unserer Zeitung zu veröffentlichen. Die Briefe müssen Namen und Truppenteil des Absenders enthalten, die beim etwaigen Abdruck natürlich ebenso wie rein persönliche Angelegenheiten fortgelassen werden. Auch Berichte aus den Gefangenenlagern sind erwünscht.

Die Sommerzeit geht mit dem heutigen letzten Septembertage zu Ende. Um 1 Uhr nachts nach der Sommerzeit werden die öffentlichen Uhren um eine Stunde auf 12 Uhr zurückgestellt, damit ist dann die mitteleuropäische Zeit wieder in Geltung.

Ferngläser dürfen von Händlern nur an Militärpersonen u. nur gegen eine Bescheinigung ihres Truppenteils abgegeben werden. Der Händler selbst muß jederzeit in der Lage sein, den Nachweis zu führen, daß er dieser Bedingung in jedem Falle einwandfrei genügt hat. Die von den Käufern der Ferngläser übergebenen Bescheinigungen sind zu diesem Zwecke von ihm aufzubewahren.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Reichsfleischkarte. Wie aus der heute im Anzeigenteil veröffentlichten Verordnung „Fleischversorgung im Stadtkreise Bonn“ ersichtlich ist, dürfen vom 2. Oktober ab Fleisch und Fleischwaren im Stadtteile Bonn entgeltlich und unentgeltlich nur gegen die Reichsfleischkarte abgegeben werden.
   Welcher Unterschied ist nun zwischen der Reichsfleischkarte und der bisher für den Stadtkreis Bonn gültigen Fleischkarte? Die Reichsfleischkarte ist gültig im ganzen Deutschen Reiche. Die bisherige Bonner Fleischkarte hatte nur Gültigkeit im Stadtkreise Bonn. Die Bonner Fleischkarte sah für die Woche 5 Fleischmarken zu je 50 Gramm Fleisch vor, die Reichsfleischkarte dagegen sieht 10 Fleischmarken mit je einem Zehntel Wochenanteil vor. Ein bestimmtes Gewicht ist also auf der Reichsfleischkarte nicht angegeben.

Der Bonner Wochenmarkt war gestern gut beschickt. An Gemüse war vorwiegend Wirsing, Rotkohl, Spinat, Blumenkohl, Kohlrabien, Karotten sowie Gurken zum Einmachen vorhanden. An Obst waren der Beschlagnahme von Aepfeln und Pflaumen wegen hauptsächlich nur Birnen, Pfirsiche und Trauben in reicher Auswahl zu haben. Auffallenderweise wurden an einer Stelle trotz der Beschlagnahme doch Pflaumen verkauft. Die Verkäuferin war natürlich von Käufern solange umlagert, bis die letzte Pflaume verkauft war. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1916Zu 600 Mark Geldstrafe verurteilte die hiesige Strafkammer einen Bäckermeister aus Bonn, der Honigkuchen und Backwaren aus Mürbeteig hergestellt hatte. Die Strafe fiel deshalb so hoch aus, weil der Angeklagte bereits fünfmal wegen Uebertretung der Bundesratsverordnungen bestraft ist, zuletzt mit 300 Mark. Der Staatsanwalt betonte, daß es ihm schwer falle, in diesem Falle von der Beantragung einer Gefängnisstrafe abzusehen; er beantragte 1000 Mark Geldstrafe. Die betreffenden Verordnungen seien zum Schutze des Vaterlandes erlassen worden und wer sie so oft übertrete wie der Angeklagte, verdiene eigentlich eine empfindliche Gefängnisstrafe. Das Gericht bemerkte bei der Urteilsverkündigung, daß dies die letzte Geldstrafe sei für den Angeklagten, bei der nächsten Uebertretung werde man unweigerlich auf eine Gefängnisstrafe erkennen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Freitag, 29. September 1916

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 29. September 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 29. September 1916Die Reichsfleischkarte wird auch Sonntag noch auf dem Lebensmittelamt ausgegeben.

Brotzulagen für Jugendliche. Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren können von nächster Woche ab ein Viertel Brot mehr erhalten. Die Anträge dazu müssen beim Lebensmittelamt gestellt werden. [...]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Frauen im Eisenbahndienst. In den Bezirken der preußisch-hessischen Eisenbahndirektionen werden immer mehr Frauen eingestellt und auch für den Fahrdienst ausgebildet, so daß demnächst sämtliche Triebwagenzüge mit je einer Schaffnerin besetzt werden können. Außerdem sollen die weitaus meisten D-, Eil- und Personenzüge an Begleitpersonal einen Zugführer, einen Schaffner und eine Schaffnerin erhalten. Die so überzählig werdenden Schaffner werden, soweit sie noch militärpflichtig sind, der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt, oder nach den besetzten feindlichen Gebieten abkommandiert. Nach den neuerdings ergangenen Bestimmungen besteht die Dienstkleidung der Zugschaffnerinnen aus einer Joppe und einer Mütze, wie sie von Hilfsbeamten getragen werden, und einem dunkelgrauen, bauschigen Beinkleid. Außerhalb der Bahnanlagen können die Beamtinnen Röcke tragen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

     Anzeige in der Bonner Zeitung, im General-Anzeiger und in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. September 1916Anzeige in der Bonner Zeitung, im General-Anzeiger und in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 29. September 1916

Kartoffelversorgung. Vom 1. Oktober ds. Js. sind die Kartoffelpreise wie folgt festgesetzt: bei Abholung mit eigenem Gerät von dem Kartoffellager am städtischen Schlachthof 4,50 Mark für 1 Zentner, bei Lieferung frei Keller durch die Stadt oder die zugelassenen Großhändler 4,75 Mark für 1 Zentner, beim Verkauf im Kleinhandel 5,50 Mark für 1 Zentner. Die Lieferung frei Keller kann voraussichtlich nicht vor dem 15. Oktober ds. Js. erfolgen und geschieht nur zur Eindeckung des gesamten Winterbedarfs und unter der Voraussetzung, daß die Kartoffeln in geeigneten Kellerräumen untergebracht werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Donnerstag, 28. September 1916

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1916Zum Erntedankfest am kommenden Sonntag erbittet die Ortsgruppe Bonn des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes Blumen, Früchte, Gemüse usw. für den Kirchenschmuck und zur späteren Verteilung an Bedürftige. Die Gaben möchten möglichst bis Samstag mittag 12 Uhr in der Kirche am Kaiserplatz abgegeben werden.

Pensionsschweine“. Der Oberbürgermeister schreibt uns: In den letzten Tagen hat sich ein lebhafter Handel mit bereits reifen Schlachtschweinen entwickelt, die von Privaten mit der Absicht gekauft werden, sie nach sechs Wochen zur Schlachtung zu bringen. Das Landesfleischamt hat die Behörden angewiesen, diesen Handel zu verhindern, da er eine Umgehung in der strengen Durchführung der gesamten Fleischversorgung bedeutet. Es wird demnach darauf hingewiesen, daß in solchen Fällen keine Genehmigung zur Hausschlachtung erteilt werden kann. „Pensionsschweine“ werden nur dann zur Hausschlachtung freigegeben, wenn die Aufzucht und Ernährung dieser Schweine durch Küchen- oder sonstige Abfälle aus dem Haushalt oder aus den Gärten längere Zeit erfolgt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1916Anzeige im General-Anzeiger vom 28. September 1916Abgefaßte Zwiebeldiebe. Am Dienstag nachmittag beobachtete ein Ackerer in Grau-Rheindorf, wie sich drei etwa 12-18jährige Burschen auf einem Felde, auf dem Zwiebeln zum Abtrocknen auf Haufen lagen, zu schaffen machten. Als der Mann auf die Knaben zuging, nahmen sie Reißaus, konnten aber in der Nähe des Rheines gestellt werden. Man fand in ihren Rucksäcken annähernd 30 Pfund Zwiebeln, die sie zurücktragen mußten. Die Namen der jugendlichen Diebe sind festgestellt.

Warnung vor minderwertigem Spiritus. In den jüngsten Wochen gelangte in Bonn Spiritus zum Preise von 1,20 M. das Liter in den Handel, der bei der Benutzung einen solchen Rauch und Gestank verbreitete, daß es schlechterdings nicht möglich war, das scheußliche Erzeugnis zu benutzen. Selbst ohne Brand war der Geruch dieses Spiritus derart, daß er in Wohnräumen nicht aufbewahrt werden konnte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Godesberg, 27. Sept. Auf Anregung der Zentrale des Vaterländischen Frauenvereins hatte sich gestern nachmittag eine stattliche Anzahl von Frauen aus der Bürgermeisterei Godesberg im Saale der Geschwister Schumacher zu einer Besprechung vaterländischer Interessen versammelt. Die Vorsitzende, Frau Bürgermeister Dengler, wies darauf hin, daß es eine patriotische Ehrenpflicht eines jeden deutschen Untertanen sei, mit seiner ganzen Kraft und Habe für unser Vaterland einzutreten und empfahl, das den Dienstboten an Weihnachten zugedachte Geldgeschenk schon jetzt für dieselben auf die Kriegsanleihe zu verwenden. Dieser Gedanke fand allseitigen Beifall. Nachdem noch Frau Bächer-Imhäuser die Notwendigkeit dieser opferfreudigen Handlung beleuchtet, wurde von der Versammlung einstimmig ein dem Vorschlage entsprechender Beschluß gefaßt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Von Nah und Fern.“)

    

Besser als in Köln? Unter dieser Ueberschrift berichtet der Kölner Stadtanzeiger: „In der gestrigen Sitzung der Kölner Wirte-Innung wurde u. a. berichtet, daß eine Kommission aus dem Vorstande bei Gelegenheit einer Reise nach Düsseldorf, Essen, Bonn, Königswinter und Mainz festgestellt habe, daß die Verhältnisse in allen andern Städten bezüglich des Fleisches besser seien, als in Köln. In den genannten Städten wurde von den Gästen keine Fleischmarke verlangt, ebensowenig wie Eiermarken. Dort könne man warmes Frühstück haben und auch Brot sei genügend vorhanden. Man habe sogar Kölner angetroffen, die eigens nach Düsseldorf, Bonn oder Königswinter gefahren seien, um „einmal ordentlich Fleisch essen“ zu können. Es wurde beschlossen, an maßgebende Stellen eine Beschwerdeschrift zu richten, damit Köln in dieser Beziehung besser versorgt werde.“ Daß unter den Städten auch Bonn genannt ist, muß jeden Kenner der Bonner Verhältnisse befremden. Wie bekannt, erhalten die Wirte in Bonn für die auswärtigen Gäste Blanko-Fleischzette, welche von den Gästen mit Namen, Wohnort usw. ausgefüllt werden. Da die Wirte genügend Karten erhalten, ist es kaum zu begreifen, wie diese Behauptung aufgestellt werden kann. Auf jeden Fall ist die „Kölner Untersuchungs-Kommission“ nicht an den letzten Tagen einer der letzten Wochen in Bonn gewesen, sonst würde sie auch in Bonn nicht haben „einmal ordentlich Fleisch essen“ können. Sollte dies trotzdem der Fall sein, so würde sich die Kommission sicher großen Dank bei den Bonner Bürgern, vielleicht auch bei der Bonner Behörde erwerben, wenn sie mitteilte, wo man in Bonn die geschätzte Gelegenheit „einmal ordentlich Fleisch essen“ zu können, hat. Es liegt gewiß im Interesse einer geregelten allgemeinen Volksernährung, eine solche Fleischquelle zu entdecken. Vielleicht dürfte es sich aber auch in Köln um die, von unserem Herrn Oberbürgermeister in der vorletzten Stadtverordnetensitzung bereits in genügender Weise beleuchtete in Bonn wie allerwärts gebrauchte Redensart handeln, die alle im Munde führen, wenn sie von einer Reise wieder nach Hause zurückkommen, daß es nämlich in X. oder U. viel besser um die Lebensmittelversorgung bestellt sei, als in ihrer eigenen Stadt. Sodann mag hier vielleicht die Gelegenheit sein, einmal darauf hinzuweisen, daß gerade bei der Fleischversorgung die Erfahrung der letzen Monate gelehrt hat: Mit der Einwohnerzahl einer Stadt wächst auch die Schwierigkeit der Fleischversorgung.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Erster Weltkrieg in Bonn
Auf dieser Seite wollen wir genau 100 Jahre danach für jeden Tag, den der Erste Weltkrieg andauerte, lokale Nachrichten aus Bonn veröffentlichen. Alle bislang erschienen Einträge sind in der der Chronik unter dem jeweiligen Monat nachzulesen. Soweit es unsere Zeit zulässt, wollen wir darüber hinaus weitere Informationen zum Thema Erster Weltkrieg ins Netz stellen.

Bonner Geschichtswerkstatt e.V.