Mittwoch, 18. September 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 18. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 18. September 1918Godesberg, 16. Sept. Die Sozialdemokratie veranstaltete gestern im hiesigen Kurparksaale eine Volksversammlung, die besonders von vielen Neugierigen besucht war. Der Redner, Landtagsabgeordneter Hänisch aus Berlin, führte in einem Vortrag über die Friedensarbeit der Sozialdemokratie aus, daß seine Partei fortgesetzt bemüht gewesen sei, den Krieg abzukürzen. Er begrüßte die Friedensnote Burians, die sich mit den Bestrebungen der Sozialdemokratie decke. Am Schluß der Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, die u. a. das allgemeine Wahlrecht und die Auflösung des Landtages forderte. - […]

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

   

Sieben Symphonie-Konzerte des Städt. Orchesters der Residenzstadt Coblenz. Man schreibt uns: Zum großen Bedauern vieler Musikfreunde sah sich die Stadt Bonn schon vor dem Kriege genötigt, ihr vorzügliches Orchester aufzulösen. Seit dieser Zeit ist der volle Genuß eines großen Orchesterkörpers bei uns recht selten geworden. Darum ist es doppelt zu begrüßen, daß uns im kommenden Winter das Orchester unserer Nachbarstadt Coblenz, also nicht eine für irgend eine Aufführung jedesmal neu zusammengesetzte Musikergruppe, sondern eine vollwertige, in dauernder Uebung befindliche Vereinigung von Spielern an sieben Abenden mit Symphoniewerken aufwarten wird. Daß diese Konzerte ähnliche Veranstaltungen in unserer Stadt in keiner Weise beeinträchtigen werden, kann man schon daraus erschließen, daß im Vorjahre alle bedeutenderen musikalischen Abende durchweg ausverkauft waren. Der Hauptgrund aber, weshalb die Leitung des Heimatfronttheaters des 8. Armeekorps ihr Orchester zu diesen symphonischen Aufführungen zur Verfügung gestellt hat, liegt darin, daß man es vor allem dem Mittelstand, der ja durch den Krieg in geldlicher Hinsicht am meisten gelitten hat, ermöglichen will, für billiges Geld erstklassige Abende mit großem Orchester besuchen zu können. Zu diesem Zweck sind die Eintrittspreise, namentlich der Dauerkarten, möglichst gering bemessen. […] Nach alledem versprechen die Veranstaltungen bei billigem Eintritt einen hervorragenden Genuß. Näheres wird noch in unserem Blatte bekannt gegeben werden.

Auf dem Bonner Wochenmarkt waren gestern die ersten Brombeeren zu 1.50 Mark und Holunderbeeren zur Geleebereitung zu 60 Pfg. das Pfund zu haben. Der Markt war gut beschickt, vorwiegend mit Endivien- und Kopfsalat, Gemüse und Kleinzeug. […] Der Verkauf war durchweg flott. Unser Großmarkt auf dem Stiftsplatz hatte auch gestern wieder so gut wie keine Zufuhren. Der städtische Verkauf auf dem Wochenmarkt hatte recht regen Zuspruch, aber zu wenig Auswahl. […] Bisher war der städtische Verkauf, von ganz vereinzelten Fällen abgesehen, auch nicht in der Lage, Obst auf den Markt zu bringen.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Das „Kaffeeschiff“. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß das bekannte sogenannte Kaffeeschiff, das gegen 12 Uhr Köln verläßt und bis Linz fährt, seine Fahrten bis auf weiteres beibehält. Die zahlreichen Freunde des Siebengebirges und von Grafenwerth, das jetzt im schönsten Herbstschmuck prangt, dürfte diese Nachricht sicher mit besonderer Freude begrüßen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)