Samstag, 23. März 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. März 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 23. März 1918Kriegsblindenhunde. Bei der Bonner Sanitätshund-Meldestelle sind seit einigen Tagen die ersten Kriegsblinden eingetroffen, um mit Führerhunden ausgebildet zu werden. Die Uebungen bringen es mit sich, daß diese Herren auch belebtere Straßen und Plätze begehen müssen. Hierbei ist unliebsam festgestellt worden, daß ein großer Teil des Publikums nicht einmal die sonst übliche Rücksicht beim Straßenverkehr nimmt. Statt den Kriegsblinden mit den Hunden möglichst auszuweichen, versperren Vorübergehende durch Stehenbleiben den ganzen Schrittweg, Kinder und Erwachsene sind sogar nachgegangen. Hierbei wurden Mitleidsbezeugungen den Blinden gegenüber laut, die, so gut diese auch gemeint sein konnten, doch unangenehm empfunden wurden. Es ergeht daher an alle Bürger, ob groß oder klein, die dringende Bitte, von den Vorgängen möglichst wenig Notiz zu nehmen. Hiermit wird den betreffenden Herren am meisten gedient.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Stadtverordneten-Sitzung vom Freitag, den 22. März. […] Die Brennstoffversorgung der Bürgerschaft für den kommenden Winter wurde gestern schon von der Versammlung in vorsorgender Weise in die Wege geleitet. Die Stadt wird 5000 Tonnen Steinkohlen ansammeln, weiter wie im letzten Winter durch Abmachung mit dem Brikett-Kontor große Brikettvorräte aufstapeln, einen Reservebestand von 18.500 Zentnern Briketts, der auf dem Gaswerk lagert, erwerben und auch Rohbraunkohlen auf Lager legen. Für diese Maßregeln wurden 283.000 Mark angefordert und bewilligt. Ferner wird die Stadt auch große Holzvorräte ankaufen und an die Bürgerschaft liefern. Eine Bekanntmachung wird die Bürger demnächst auffordern, ihren Bedarf an Holz anzumelden. Auf Anfragen und Wünsche der Stadtv. Blömers, Kau, Schmitz und Gudden, die sich auf Anhäufung von Vorräten an Hausbrand, auf Preisermäßigung für A-Karten-Inhaber und auf „ein Augezudrücken“ beim Hereinkommen von Brand durch Private bezogen, erwiderte Beigeordneter Bottler, daß hier die Rationierung der Kohle durch das Reich, die der Stadt nur 4000 Tonnen monatlich zuweise, im Wege stehe. Dem Hereinkommen von Kohlen durch Private würden keine Schwierigkeiten gemacht, im Gegenteil, freue die Stadt sich über jeden Zentner Brand, der so hereinkomme. Nähere Angaben würde er im Kohlenausschuß machen, da sie sich nicht für die Oeffentlichkeit eigneten. […]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Strafkammer. Ein russisch-polnischer Arbeiter, der sich auf Gut Heiderhof an einem Lebensmitteldiebstahl beteiltigt hatte, wurde zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. – Einem Kaufmann aus Bonn waren in der Neujahrsnacht von zwei Zechgenossen 3700 M. entwendet worden. 2000 M. erhielt er wieder zurück. Es stellte sich im Laufe der Untersuchung heraus, daß der Kaufmann seinen Zechgenossen Treibriemen gestohlen hatte. Er ist außerdem wegen Betruges, Unterschlagung, Urkundenfälschung vorbestraft. Das Urteil lautete gegen ihn auf fünf Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust, zwei der Diebe wurden zu zwei bezw. einem Jahre Gefängnis verurteilt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)

  

Unsere Stadtverordneten […] Unsere Brennstoffversorgung im nächsten Winter wird, wie auch jetzt hauptsächlich von der Beförderungsfrage abhängen, die aber leider, nach Ansicht des Beigeordneten Bottler, auch im nächsten Jahre voraussichtlich nicht besser sein wird. […] Unsere Brennstoffversorgung im nächsten Winter wird also wieder einmal sehr problematisch. Hoffen wir, daß wir auch im nächsten Winter von größerer Kälte verschont bleiben. Nur der diesjährige milde Winter hat, wie Stadtverordneter Kalt verriet, eine geregelte Versorgung ermöglicht.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)