Freitag, 27. April 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. April 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 27. April 1917Kinderheim der evangelischen Gemeinde. Das Presbyterium der evangelischen Gemeinde beabsichtigt, im Hause und Gelände des früheren Schwesternheims der Friedrich-Wilhelm-Stiftung auf dem Venusberg, Bergstraße Nr. 203, ein Kinderheim zur Pflege erholungsbedürftiger evangelischer hiesiger Volksschulkinder einzurichten. Das kleine Haus kann zwar nur 10 bis zwölf Kinder fassen, das große, für diesen Zweck außerordentlich geeignete Gelände soll aber nicht länger unbenutzt bleiben, und nach dem Kriege kann der kleine Anfang weiterentwickelt werden. Das Haus ist aber völlig leer. Der vorläufige Ausschuß wendet sich daher an die Hausfrauen der Gemeinde mit der Bitte, aus ihren während des Krieges schon stark in Anspruch genommenen Beständen einiges darzureichen. Notwendig sind einige Betten (für Kinder von 6 bis 14 Jahren), Bettwäsche, Kissen, Decken, Leibwäsche, Handtücher, einiges Küchengeschirr, Küchen- und Kleiderschränke, einige Stühle, auch Liegestühle u. ä. Auch Geldspenden sind sehr erwünscht, sie und die Anmeldungen der Gegenstände werden beim vorläufigen Ausschuß (Vorsitzender Pfarrer Kremers) entgegengenommen.

Der Absatz von Apfelmus ist von der Kriegsgesellschaft für Obstkonserven und Marmeladen den Fabriken freigegeben worden, jedoch darf die Lieferung nur an Lazarette, Sanatorien, Krankenanstalten erfolgen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

       

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. April 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 27. April 1917Kriegspatenversicherung. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß der Städt. Ausschuß für die Kriegshilfe sich die Förderung der Kriegspatenschaft zur besonderen Aufgabe gemacht hat, deren Hauptzweck bekanntlich die Sicherstellung eines kleinen Kapitals ist, um Kriegerwaisen eine bessere Berufsausbildung zu geben. Mit Rücksicht auf die nicht unerheblichen Unkosten, welche bei dieser Form der Versicherung durch Versicherungs-Gesellschaften entstehen, hat der Ausschuß für die Kriegshilfe einen Weg gewählt, der völlige Gemeinnützigkeit unter Ausschluß jeglicher Gewinnerzielung gewährleistet. Die städt. Sparkasse hat besondere Kriegspatenbücher beschafft für Kriegerwaisen. Die Einlagen in diese werden mit fünf Prozent verzinst, die Auszahlung des Sparguthabens erfolgt erst nach Ablauf von 10 Jahren seit der ersten Einzahlung und nur mit Einwilligung des städtischen Waisenamtes. Auf diese Weise ist die volle Gewähr dafür geboten, daß das Sparguthaben für Ausbildungs- und Aussteuerzwecke in der richtigen Weise verwendet wird. Das städtische Waisenamt führt die Verwaltung dieser Patenstiftungen und sorgt in jeder Weise dafür, daß sie den Wünschen der Stifter und den Bedürfnissen der Kriegswaisen entsprechend verwendet werden.
  
Erfreulicherweise wird von dem so gebotenen Wege, durch einmalige oder wiederholte Einzahlungen bei hoher Verzinsung den Kriegswaisen ein kleines Kapital für die Zukunft zu sichern, reger Gebrauch gemacht. Wer daher gewillt ist, durch Uebernahme der Fürsorge für eine Kriegswaise in dieser Form einen Teil der Dankesschuld gegen unsere Krieger, die ihr Leben für das Vaterland geopfert haben, an ihren Kindern abzutragen, dem bietet sich hier Gelegenheit. Die städtische Sparkasse nimmt derzeit Einzahlungen auf Kriegspatenbücher entgegen. [...]

Die Hühnerdiebstähle mehren sich in letzter Zeit in unserer Stadt in erschreckender Weise. Nachdem wir bereits in den letzten Tagen eine Reihe derartiger Diebstähle melden konnten, gelangte gestern wieder ein Fall zur Anzeige. In der vorvergangenen Nacht statteten Diebe dem Hühnerstall eines Anwohners in der Haydnstraße einen Besuch ab. Sie überstiegen die zum Stall führende Mauer und erbeuteten sieben wertvolle Tiere.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Nachrichten des städtischen Lebensmittelamtes.
Brotversorgung.
Die Bäcker haben strengste Anweisung, Brot für die kommende Woche erst Samstags abzugeben. Bei Zuwiderhandlung werden sowohl die Bäcker als auch Käufer schwer bestraft. Bäckereien werden in diesem Fall für die Dauer des Krieges geschlossen.
Fleisch.
Auf jede Zusatzfleischkarte (Brotersatz) werden am Samstag ½ Pfund Rindfleisch oder Kalbfleisch zu 0,90 Mark bezw. 1,50 Mark das Pfund abgegeben. Kinder bis zu 6 Jahren erhalten ¼ Pfund Fleisch. Bei der Entnahme von Blut- und Leberwurst (das Pfund zu 0,80 Mark) ist neben dem entsprechenden Abschnitt der Zusatz-Fleischkarte auch die Warenkarte Nr. 27 abzugeben.
   Jeder Andrang zu den Metzgergeschäften ist unnötig, da so reichlich Fleisch an die Metzger verteilt wird, daß ein jeder die bestimmte Menge unter allen Umständen erhalten kann.
   Am Mittwoch nächster Woche werden auf die Reichsfleischkarte Rindfleisch, Kalbfleisch du Fleischwurst zum Preise von 2,80 Mark das Pfund verkauft.
Fett.
In der kommenden Woche werden 30 Gramm Butter, sowie 30 Gramm Margarine auf die entsprechenden Abschnitte der Speisefettkarte ausgegeben.
Kartoffeln.
Auf die Kartoffelkarte werden 5 Pfund Kartoffeln ausgegeben, auf die Zusatzkartoffelkarte weitere 3 Pfund. Zur Zeit müssen die Kartoffeln besonders gut behandelt werden. Sie dürfen nicht, wie es meist üblich ist, nach dem Schälen gleich gekocht, sondern müssen am Abend vorher geschält und ins Wasser gelegt werden.
[...]
Acker und Krieg.
Unsere Oberste Heeresleitung sagt in ihrem Bericht vom 24. April, daß an den Erfolgen der letzten Schlachten jeder Bauer und Arbeiter seinen Anteil hat, der sich in den Dienst des Vaterlandes stellt und seine Kräfte einsetzt für die Versorgung des Heeres, Nicht allein an unseren eisenbewehrten Fronten, sondern ebenso auf den friedlichen Aeckern aller deutschen Gaue fallen die Würfel dieses Krieges. Die Bestellung des deutschen Ackers ist heute unsere dringendste Aufgabe. Der deutsche Acker braucht Menschen. Da hat zunächst jeder, der vom Lande stammt, und dort Bescheid weiß, und in der Stadt nur irgendwie abkömmlich ist, die Pflicht, vom Frühjahr bis zum Herbst draußen für unsere Ernährung zu arbeiten. Ihn ruft das Land in die erste Reihe seiner Besteller, aber auch jeden anderen´, der kräftige Arme hat, der schaffen kann und will. Wer zu schwerer Arbeit nicht fähig ist, aber von den leichten Tätigkeiten in der Landwirtschaft einige Kenntnisse besitzt, der wird es gerade in diesen Jahren gewiß nicht bereuen, auf dem deutschen Acker an unserem Kriege mitgefochten zu haben. Die durch die schlechte Witterung der letzten Wochen verzögerte Frühjahrsbestellung drängt die unbedingt zu leistende Arbeit in einen sehr kurzen Zeitraum zusammen und erfordert mehr Arbeitskräfte als bei der gewöhnlichen Aufeinanderfolge notwendig wären. Auch dies muß geleistet und wird geleistet werden, wenn jeder seine Pflicht tut. Das erste und letzte Gebot dieser Stunde bleibt gerade in diesen Frühjahrstagen: Alles hinaus aufs Land, was irgend dazu fähig und berufen ist. Auch an die wohlhabenden Kreise richtet das Vaterland seinen Mahnruf: sie mögen sich mit geringerer Zahl von Bedienung in dieser ernsten Zeit behelfen, als es heute noch manche von ihnen tun. Wir alle, auch sie müssen und wollen vom deutschen Acker leben im kommenden Jahre. An alle ergeht daher sein Ruf.
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Bekleidungsamt.
In letzter Zeit haben sich öfters Personen die Lebensmittelkarte von Bekannten unter irgend einem Vorwand verschafft und sich auf deren Namen und Kleiderkarte vom Bekleidungsamt Bezugsscheine ausstellen lassen. Derartig schwere Verstöße werden unnachsichtlich zur Anzeige gebracht und schwer bestraft werden. Der Inhaber einer solchen Lebensmittelkarte wird geschädigt, da ihm die auf seiner Kleiderkarte vermerkten Gegenstände bei späteren Anträgen in Anrechnung gebracht werden. Daher soll niemand seine Lebensmittelkarte anderen Personen in die Hand geben.
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Die deutsche Front steht fest. Auf die Sprengung der inneren Front hat die Entente seit Kriegsbeginn große Hoffnungen gesetzt und was ihr damals nicht gelang, glaubte sie jetzt als Trumpf in der Entscheidungsstunde ausspielen zu können. Bezahlte Agenten machten sich die Verstimmungen einzelner Kreise über die Ernährungsschwierigkeiten zunutze und glaubten, durch ihre Wühlereien die deutsche Arbeiterschaft dazu bringen zu können, ihre Kameraden an der Front in Stich zu lassen und sie durch die Einstellung der Arbeit in den Munitionsfabriken wehrlos dem feindlichen Ansturm auszuliefern. Die Hoffnung unserer Feinde ist schmählich zuschanden geworden. Der große Schlag, der geplant war, ist ins Wasser gefallen. Die Arbeiterschaft ist sich ihrer vaterländischen Pflicht bewußt gewesen und hat den fremden Lockungen kein Gehör geschenkt.
Dank dem verständnisvollen Zusammenarbeiten zwischen Regierung und Gewerkschaften sind die Wünsche der Arbeiter befriedigt worden. Wie wir mitteilen können, hat in den großen Munitionswerkstätten des 8. Armeekorps kein Arbeiter bis jetzt gefehlt.
Die deutsche Front steht unerschüttert innen wie außen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)