Samstag, 27. Januar 1917

      

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Januar 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Januar 1917Die Glückwünsche der Stadt Bonn an den Kaiser zu seinem heutigen Geburtstag hat Oberbürgermeister Spiritus in folgendem Telegramm ausgedrückt:
   An Seine Majestät den Kaiser und König.
   Eure Majestät bitte ich zum Allerhöchsten Geburtstage den aufrichtigen Glückwunsch der Stadt Bonn huldvoll entgegenzunehmen. Treu und anhänglich, wie einst in schönen Tagen Euerer Majestät glücklichen Jugend, steht die Bonner Bürgerschaft in schwerer Zeit erst recht zu ihrem Kaiser und Herrn, festentschlossen, mit ganzer Kraft durchzuhalten und in unerschütterlichem Vertrauen auf Euerer Majestät Führung zum weiteren Sieg und ehrenvollen Frieden.
   Oberbürgermeister Spiritus.

In Sachen des Jugendschutzes haben die Vorsitzenden des Ortsvereins Bonn zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit eine Eingabe an den Gouverneur der Festung Köln und den stellvertretenden kommandierenden General des 8. Armeekorps gesandt. Es heißt darin: Eine gestern stattgehaste Versammlung ernstgesinnter Männer und Frauen aus allen Ständen Bonns hat uns beauftragt, an Eure Exzellenz die Bitte um eine Verordnung zu richten, durch welche folgendes verfügt wird: 1. In Ermangelung der zur Durchführung der Jugendschutzverordnungen nötigen Zahl von Polizeibeamten wird den Lehrern und Lehrerinnen aller Schulen von Bonn, Köln und anderen größeren Städten das Recht verliehen, über alle auf den Straßen sich bewegenden Schüler und Schülerinnen der Volks- und höheren Schule Aufsicht zu üben mit denselben Rechten wie Polizeibeamte. 2. Dasselbe Recht wie ihnen sowie ernsten Männern und Frauen aller Stände, die sich für diesen Dienst melden, über die schulentlassene Jugend bis zum 17. Lebensjahre verliehen, und sie bekommen zu diesem Zweck eine Legitimation seitens der Polizeibehörden.

Feldgraue Ausstellung im Kunsthause Zirkel. Am ersten März soll im Erdgeschosse des Kunsthauses Zirkel eine große Ausstellung unserer Künstler im Felde und daheim eröffnet werden, zu der Einsendungen unserer im Heeresdienst befindlichen Künstler bis spätestens zum 15. Februar erwünscht sind. Um für diese Ausstellung die Räume des Erdgeschosses heranziehen zu können, wird beabsichtigt, die sämtlichen China- und Japanwaren bis zum 15. Februar nach Berlin zu übernehmen. Den Kunstfreunden bietet sich hier eine günstige Gelegenheit, zu sehr mäßigem Preise hervorragende Kunstwerke des Orients zu erwerben, wie japanische und chinesische Vasen, Wandteller, Blumentöpfe, Stickereien, Tee- und Kaffeeservice, Cloisonné-Vasen, Tischlampen für Herren- und Speisezimmer, einzelne Lampenschirme, Blumen- und Obstkörbe in feinem Bambusgeflecht, Paravents, Perlvorhänge, Möbel aller Art, wie Schränke, Hocker, Stühle, Tische, ferner Perserteppiche, Tischdecken, Kelims, darunter großen Seltenheiten, sowie Lanzen, Waffenrüstungen u. a. m. Neben dieser geplanten feldgrauen Ausstellung im Erdgeschoß sollen die Ausstellungen im ersten, zweiten und dritten Geschoß dauernd dem Publikum zugänglich bleiben.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Januar 1917Anzeige im General-Anzeiger vom 27. Januar 1917Das Königliche Gymnasium in Bonn feierte gestern nachmittag den Geburtstag des Kaisers in der Aula der Anstalt in erhebender und würdiger Weise. Der Festsaal und Flur der Anstalt waren mit Lorbeerbäumen und Palmen geschmückt. Auf dem Podium hatte eine Kaiserbüste Aufstellung gefunden. Die Freunde und Angehörigen der Schule waren recht zahlreich erschienen. [...] Mit einem Kaiserhoch und dem gemeinschaftlichen Gesang der Nationalhymne fand die eindrucksvolle Feier ihr Ende.
Im Städtischen Gymnasium und Realgymnasium hatten sich in der Aula überaus zahlreiche Angehörige und Freunde der Anstalt eingefunden. [...] Mit einem Kaiserhoch und dem Absingen der Nationalhymne wurde die Feier geschlossen.
Die Städtische Realschule beging gestern durch eine stimmungsvolle Schulfeier den Kaisers-Geburtstag. [...] Der gemeinschaftliche Sang Deutschland, Deutschland, über alles schloß die schöne Feier.
Im städtischen Lyzeum fand gestern nachmittag eine stimmungsvolle Kaisergeburtstagsfeier statt. Chorgesänge wechselten mit ernsten und heiteren Gedichten einzelner Schülerinnen, die durch ihren verständnisvollen Vortrag Zeugnis ablegten für den Ernst und die Siegeszuversicht, die auch in den Herzen unserer jungen Mädchen lebt. [...]

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Kaisersgeburtstag in Bonn.“)

Die Preise für Milch dürfen bis auf weiteres weder vom Erzeuger noch vom Milchhändler erhöht werden. Die jetzt bestehenden Preise gelten als Höchstpreise im Sinne des Gesetzes. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldbuße bis zu 10.000 Mark bestraft.

Eisgang. Der Rhein fährt seit gestern Treibeis. Eine ganze Anzahl beladener Frachtschiffe ist in der Nähe der Schutzhäfen vor Anker gegangen. Auf dem Main ist der Eisgang bereits so stark, daß die Schiffahrt eingestellt werden mußte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

         

Fünf Schüler, die gestern abend in der Münsterkirche die Opferstöcke beraubten, wurden abgefaßt und zur Anzeige gebracht. [...]

Ein Diebstahl wurde gestern während der Abendstunden ausgeführt, indem jemand von dem Fenster einer hiesigen Buchhandlung am Hof einen Ausstellkasten entfernte, nach dem Hofgarten schleppte und ihn dort seines Inhaltes beraubte. Als Täter kommen vermutlich einer oder mehrere halbwüchsige Burschen in Betracht, die schon seit längerer Zeit nicht nur während der Abendstunden, sondern selbst am hellen Tage in jener Gegend und wie man hört, auch anderswo durch Hämmern gegen die Fensterscheiben, Einritzen, Eindrücken und Verunreinigungen derselben ihr flegelhaftes Wesen treiben. Einer dieser Burschen wurde kürzlich gefaßt und zur Rechenschaft gezogen; den anderen ist man auf der Spur und wird bei deren Habhaftwerden ebenfalls unnachsichtlich Anzeige erfolgen. An alle Erwachsenen aber ergeht die Bitte, die Bemühungen der wenigen noch anwesenden Aufsichtsbeamten und Verhinderung solch groben Unfuges dadurch zu unterstützen, daß sie beim Durchschreiten der Straßen ein besonderes Augenmerk auf diese sich zwecklos umhertreibenden Burschen richten und durch Zurechtweisung oder Benachrichtigung des nächsten Aufsichtsbeamten weiteren Schaden verhüten.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

      

Nachrichten des Lebensmittelamtes der Stadt Bonn.
   Kartoffeln.
Durch das anhaltende Frostwetter hat die Zufuhr bisher nicht wieder eingesetzt. Eine Erhöhung der Kartoffelration ist daher nicht zu erwarten.
   Als Zusatz zu den Kartoffeln werden in der Woche vom 29. Januar bis 4. Februar 1917 auf Warenkarte Nr. 180 6 Pfund Steckrüben (Erdkohlrabi) ausgegeben. [...]
   Es wird dringend empfohlen, den Kartoffelverbrauch jetzt schon weiter einzuschränken und dafür die Steckrübe, die fast den gleichen Nährwert wie die Kartoffel hat, in erhöhtem Maße zu verwenden, damit es uns gelingt, mit den geringen Kartoffelvorräten möglichst weit zu reichen.
   Jedem Abnehmer von Steckrüben wird eine Kochanweisung für Steckrüben kostenfrei ausgehändigt. Alle Verkaufsstellen sind verpflichtet, genügende Vorräte an Steckrüben zu halten. Es wird dringend gebeten, etwaige Abweichungen hiervon dem Lebensmittelamt mitzuteilen. [...]
    Gemüse.
   Starker Frost machte den Bezug von Frischgemüse unmöglich. Auch der in der Nähe angebaute Spinat konnte infolge der Schneedecke nicht zum Markt gebracht werden.
   Der jetzt herrschende Mangel an Frischgemüse zeigt, wie notwendig es ist, daß für die Erzeugung alle erdenklichen Anstrengungen gemacht werden. Außer den bisher verteilten Schriften zur Belehrung über den Gemüsebau werden neuerdings Gartenkalender im Büro Rathausgasse 16 l unentgeltlich abgegeben, in denen alle vorzunehmenden Arbeiten in Feld und Garten laufend verzeichnet sind. Das Saatgut ist knapp und teuer; es muß daher sehr sparsam damit gewirtschaftet werden. Es wird empfohlen, die Gemüsepflanzen bei hiesigen Gärtnern einzukaufen und nicht eigene Saatbeete anzulegen, da dabei zu viel Samen verloren geht. [...]

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)