Mittwoch, 10. März 1915 

 

Einschränkung des Verkehrs mit Kraftwagen. Durch die neue Verordnung des Bundesrats wird der Verkehr von Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen und Plätzen von dem 15. März ds. Js. ab von einer erneuten Zulassung abhängig gemacht, die nur erteilt werden darf, wenn für den Verkehr des Fahrzeugs ein öffentliches Bedürfnis besteht. (...)

 (Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1915Kartoffelkarten. (WTB – nichtamtlich) Das Berliner Tageblatt meldet aus Wilmersdorf: Nach dem Muster der Brotkarten beabsichtigt der Magistrat von Wilmersdorf in den nächsten Tagen auch Kartoffelkarten herauszugeben. Die Karte lautet auf den Inhaber, ist nicht übertragbar und berechtigt nach Maßgabe der vorhandenen Vorräte zur Entnahme von wöchentlich 20 Pfund Kartoffeln, gegen Bezahlung von der städtischen Kartoffelverkaufsstelle.

Wirtschaftliche Kriegsbereitschaft im Hause. Um auch die Hausfrauen über Fragen aufzuklären, die augenblicklich für uns alle von Wichtigkeit sind, hat der Oberbürgermeister die Hausfrauen Bonns zu einer Reihe von Vorträgen eingeladen, in denen über die Frage „Wie kann die Frau helfen, den Krieg zu gewinnen?“ gesprochen wird.
   Als erste Rednerin sprach gestern abend Frl. Hilfsschullehrerin Leusch-Bonn im Gasthof Degen in Endenich. Der Vortrag war ein Appell an die Hausfrauen Endenichs zur Sparsamkeit mit den Lebensmitteln, mit denen wir haushalten müssen, ein Mahnwort zur Einfachheit früherer Zeit, ein Weckruf, keine Nahrungsmittel verkommen zu lassen, nicht nach Zunge und Gaumen, sondern mit dem Verstande zu kochen, unter Berücksichtigung dessen, was not tut in der jetzigen Zeit. Und was not tut, legte Rednerin mit klaren Worten dar. Sparsamkeit in der Verwendung von Brot, Butter, Fette, Fleisch usw., Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1915dagegen reichliche Verwendung von Milch, Käse, Zucker usw., die sämtlich hohen Nährwert haben. Zum Schluß gab Rednerin einige Kochrezepte und empfahl die kleine Schrift „Kocht Kartoffeln in der Schale“, die für 10 Pfg. erhältlich ist und die eine große Menge Kartoffelgericht-Rezepte enthält. – An den Vortrag schloß sich eine Aussprache.
   Heute (Mittwoch) abend spricht über das gleiche Thema Frau Landgerichtsrat Frost-Bonn im Gasthof zum Kaisersaal in Kessenich.

Ein zweiter Hauptmann von Köpenick wurde von der Strafkammer wegen verübter Schwindeleien zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten, und sein Gefährte ebenfalls wegen verübter Schwindeleien zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der erste Angeklagte hatte sich s. Z. in der Uniform eines Leutnants, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz, in Bonn aufgehalten und eine Reihe Schwindeleien verübt. U.a. war der „Herr Leutnant“ stets in Geldverlegenheit. Um zu Geld zu kommen, bediente er sich absonderlicher Mittel. So winkte er eines Tages in der Remigiusstraße einen Einjährig-Freiwilligen-Kürassier zu sich heran, redete ihn gnädig mit „Kamerad“ an und bat um Ueberlassung von 10 Mark, da er „augenblicklich nicht bei Kasse“ sei. Der verdutzt dreinschauende Einjährig-Freiwillige klappte die Hacken zusammen, Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 10. März 1915langte aber gehorsam in die hintere Hosentasche und der Pump war fertig. Hinterher jedoch kamen dem Angepumpten Bedenken über den angeblichen Leutnant , und da ein Kriminalbeamter zufällig des Weges kam, machte er ihn auf den Herrn Leutnant aufmerksam. Dieser war inzwischen in eine für Offiziere nicht standesgemäße Kneipe gegangen, um seinen Durst mit Kölsch Bier zu befriedigen. Dort saß auch sein Gefährte in der Uniform eine Sergeanten, der der Tafelrunde mit großen Reden über Schlachtenlärm und eigenem Heldentum aufwartete und sich eins nach dem anderen traktieren ließ. Beide wurden festgenommen, und es stellte sich heraus, daß weder der eine noch der andere überhaupt gedient hatten. Jetzt wollte sich der „Herr Leutnant“ freiwillig gemeldet haben und für hervorragende Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Leutnant befördert worden sein. Aber auch da stellte sich heraus, daß der Angeklagte überhaupt nicht im Felde gewesen ist. Beiden konnten noch andere Schwindeleien nachgewiesen werden. Sie mußten aus der Uniform heraus und in die Zivilkleider hinein. Diese aber haben sie inzwischen wieder mit der Gefängnistracht vertauscht.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Die Bonner Ortskrankenkasse zeichnete auf die Kriegsanleihe 50.000 Mark.

Ein etwas merkwürdiger Fund ist auf dem Fundbüro des Polizeiamtes abgegeben worden, nämlich zwei Zentner Kartoffelmehl. Näheres ist beim Polizeiamt zu erfahren.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)