Mittwoch, 3. März 1915

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 3. März 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 3. März 1915Die Städtische Sparkasse (Friedrichplatz) wird zur Annahme von Zeichnung auf 5%-Reichsanleihe auch an den beiden kommenden Sonntagen (6. Und 13. März) vormittags von 10 bis 12 Uhr geöffnet sein.

Verminderung der Bäume in der Argelanderstraße. Auf den Antrag von Anwohnern der Argelanderstraße empfehlen Bau- und Finanzkommission, einen um den anderen Baum in der Argelanderstraße zu entfernen. Die Kosten im Betrage von 400 Mk. sollen aus laufenden Straßenunterhaltungsmitteln gedeckt werden. Die durch die Entfernung der Bäume notwendig werdende Ausbesserung der Schrittwege soll einstweilen nicht erfolgen.

Straßenbahnunfall. Gestern abend stieß auf der dunklen Rheinbrücke ein Straßenbahnwagen mit einem Möbelwagen zusammen. Der Zusammenstoß war nur leicht. Von dem Straßenbahnwagen wurde ein Handgriff abgerissen. Der Zusammenstoß war dadurch hervorgerufen, daß der Möbelwagen vor dem herannahenden Straßenbahnwagen nicht weit genug vom Geleise ausgewichen war. Von einem Verschulden kann bei der herrschenden Dunkelheit auf der Brücke wohl auf keiner Seite die Rede sein.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Hilfsmannschaften sind bei der Polizeiverwaltung erforderlich, da 46 Polizeisergeanten zum Kriegsdienst einberufen sind. Die Finanzkommission empfiehlt der am Freitag stattfindenden Stadtverordnetenversammlung die Einstellung von zwölf Hilfsmannschaften auf jederzeitigen Widerruf und unter Gewährung eines Tagegeldes von vier Mark.

Zur Vornahme von Feldarbeiten können Mannschaften aus dem Heer auf zwei bis drei Wochen beurlaubt werden, jedoch die im Feld stehenden nur in den allerseltensten Fällen. Urlaubsgesuche sind mit behördlicher Beglaubigung versehen an den Truppenteil, dem der zu Beurlaubende angehört (Ersatz-Truppen und immobile Landsturm-Formationen) zu richten.

 (Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 3. März 1915Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 3. März 1915Wohltätigkeitskonzert. Bei den Verwundeten in der Beethovenhalle brachte der Gesang-Verein „Arion“ unter der Leitung des Chormeisters W. Poschadel eine Anzahl gemischter Chöre zu Gehör. Die einzelnen Vorträge gelangten klangvoll und in einer gesunden Schattierung zu Gehör und verrieten ein ernstes Studium in der Erschöpfung der Komposition.

Eine Zeitungsbotin, die einkassierte Abonnementsgelder unterschlagen hatte, wurde gestern vom Schöffengericht mit 3 Tagen Gefängnis bestraft.

Auch eine Folge des Krieges. Auf allen Schlachthöfen im Deutsche Reiche ist seit Ausbruch des Krieges der Schweinemilzbrand rasch und stark zurückgegangen. Daß hier der Krieg nicht selbst die Ursache ist, liegt auf der Hand. Es ist vielmehr die Stockung in der Einfuhr von ausländischen Futtermitteln, die stets für die Verbreitung von Schweinemilzbrand in Verdacht gestanden hat.

 (Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

Der Wildschaden. In letzter Zeit wurde sich immer beklagt über den Wildschaden, welcher von wilden Kaninchen etc. verursacht wird. Da nun die Kaninchen den meisten Schaden anrichten, gewöhnlich aber von Wildschadenersatz ausgeschlossen sind, so wäre es sehr ratsam für Gemeinden, wenn sie mit Einverständnis der Ortspolizeibehörde das Abfangen der Kaninchen an gewisse Leute übergeben würden, welche diese Schädlinge mit Fretchen wegfangen und auch noch eventl. Vergütung geben.
   Jetzt wäre aber die höchste Zeit dafür, denn über einen Monat fressen da schon schnell 7 bis 8, wo jetzt nur eins nagt. Sind solche Leute nicht im Ort anwesend, so kann man durch Anzeige in der Zeitung die Adressen erkunden und sich mit ihnen in Verbindung setzen. Einer, der sich für diese Sache sehr interessiert.

 (Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Stimmen aus dem Leserkreis“)

 

Vaterländische Reden und Vorträge
Anzeige im General-Anzeiger vom 3. März 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 3. März 1915Als in den Augusttagen des Schicksalsjahres 1914 die Sturzwelle Krieg über die deutschen Lande daherflutete, hat sich die Bonner Bürgerschaft trefflich bewährt. Alle Hände rührten sich, um zu tun, was zur militärischen sowie zur wirtschaftlichen Rüstung erforderlich war, und trotz der zahlreichen großen und kleinen Arbeiten ward die geistige Mobilmachung nicht außer Acht gelassen. Entstand doch gleich in den ersten Wochen des gewaltigen Völkerringens der Gedanke, vaterländische Reden und Vorträge zu veranstalten, ein Plan, der bald unter der tatkräftigen Leitung eines dazu berufenen Ausschusses in die Tat umgesetzt wurde. Wenn wir heute, an dem Tage, da zum 25. Male ein solcher Vortrag gehalten wird, unsere Blicke rückwärts wenden, müssen wir anerkennen, daß wohlverdienter Erfolg dem Unternehmen beschieden ist.
   Was der Hauptzweck der Veranstaltung ist, bedarf keiner Erwähnung: durch feurige und kraftvolle Reden sollen in der Bedrängnis der Tage die patriotischen Gefühle des Volkes erhalten und zu stärkerer, reinerer Glut angefacht werden, damit nicht Kleinigkeiten und Unliebsamkeiten persönlicher Art dem einzelnen den Blick auf das Ganze trüben. Daß dieses Ziel in vollem Maße erreicht worden ist, beweist die Praxis, das beweist die Opferwilligkeit und der unbeugsame Wille durchzuhalten, die in Bonn herrschen.
   Indes hieße es, das Wesen der Vorträge verkennen, wenn man diesen Zweck als den einzigen betrachtete. Vielmehr wollen die „Vaterländischen Reden und Vorträge“ darüber hinaus eine Quelle wahrer Volksbildung in des Wortes bester Bedeutung sein. Und wirklich entsprechen sie in dieser Hinsicht allen Anforderungen.
   Erstlich richten sie sich an alle Schichten der Bevölkerung. Jedem ist es möglich, sie zu besuchen. Die Zeit ist günstig angesetzt, ein Eintrittsgeld wird nicht erhoben, und die Form ist derart, daß alle den Ausführungen der Redner zu folgen vermögen.
   Zweitens geht das Bestreben der Redner darauf, möglichst alles bei Seite zu lassen, was nur irgendwie bei einer Partei Anstoß erregen könnte, und fast allen Rednern –nur verschwindend wenige nehme ich aus – ist es gelungen, diesem Streben treu zu bleiben.
   An dritter Stelle sei betont, daß die Vorträge keineswegs aus patriotischen Phrasen bestanden, sondern geeignet waren, populär-wissenschaftliche Kenntnisse zu verbreiten. Meistens war das Patriotische nur der Rahmen, innerhalb dessen sich die Redner über einen Inhalt aus irgendwelchem Gebiete der Wissenschaft verbreiteten.
   So stimmen die „Vaterländischen Reden und Vorträge“ mit den Strömungen überein, die stets an dieser Stelle vertreten worden sind, und wir können unseren Lesern nur dringend empfehlen, die Veranstaltungen zu besuchen, zumal da der bisherige Gang des Unternehmens eine glückliche Entwicklung für die Zukunft verspricht. Mögen die Körner der Volksbildung eine reiche Ernte bringen zum Wohle unseres Volkes und zum Lohne der wackeren Säleute, die in selbstloser Weise ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache gestellt haben und fürderhin stellen werden. Z.

(Volksmund, Rubrik „Bonner Angelegenheiten“)