Donnerstag, 24. September 1914

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 24. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 24. September 1914Das Eiserne Kreuz erhielt der 2. Vorsitzende des Bonner Turnvereins, Rechtsanwalt Dr. Schneiders

Die Reservisten wären jetzt zur Entlassung gekommen, wenn nicht zu Ende ihrer Dienstzeit der Krieg an die Stelle des Kaisermanövers getreten wäre. Gar mancher von ihnen, die jetzt des Kaisers Rock mit dem bürgerlichen Kleide hätten vertauschen sollen, ruhen jetzt schon in fremder Erde, gefallen im Kampfe für das Vaterland.

Hochwasser. In den letzten vier bis fünf Tagen ist der Rhein bedeutend gestiegen. Auch von seinen Nebenflüssen wir ein fortdauerndes Steigen gemeldet. Die Mosel hat einen Wasserstand von über drei Meter.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten")

 

Neun Automobile, hochbepackt mit Liebesgaben, Strümpfen, Pulswärmern, Leibbinden, Unterzeugen usw., auch Lebens- und Stärkungsmittel gehen heute morgen gegen ½ 10 Uhr von Bonn nach dem westlichen Kriegsschauplatz ab.

Die Bonner Reservisten und Landwehrleute des 3. Batl. Res.-Inf.-Reg. Nr. 29 sagen hocherfreut vom Schlachtfelde an der Marne aus für die ihnen aus Bonn gesandten Liebesgaben herzlichen Dank.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Gebt Wolle umsonst! Nicht Jeder ist in der glücklichen Lage, fortwährend Wolle kaufen zu können. Es könnte bedeutend mehr für unsere Krieger gearbeitet werden, wenn Wolle in größeren Mengen unentgeltlich ausgegeben würde. K.v.H.

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 24. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 24. September 1914Ein Auto mit Bekleidungsstücken soll demnächst an die aus Bonn zur Zeit im Felde stehenden Regimenter abgehen. Aber sollen denn die in Bonn gebildeten Bataillone der Reserve-Regimenter 29, 65 und 160 nicht berücksichtigt werden, die meist aus Familienvätern aus Bonn und Umgebung bestehen? In banger Sorge ist man daheim, weil man seine Angehörigen doch allem Unwetter preisgegeben. Pakete werden auf der Post nicht angenommen. Wie soll man nun seinen Lieben warme Unterkleider zukommen lassen, die ihnen so sehr not tun. Jede Familie hat das Erforderliche sicher zu Haus, nur müßte sich ein edler Menschenfreund mit seinem Auto zur Verfügung stellen, um die Sachen zur Front zu schaffen. Wieviel Dank würde ihm hier dafür zuteil werden und wie glücklich würden die Männer sein, die einen Liebesbeweis der Ihrigen erhielten. Eine Mutter eines im Felde Stehenden aus Godesberg.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Vaterländische Reden und Vorträge. Die Wiederholung des Vortrags von Herrn Professor Dr. Becker über „Deutschland, die Türkei und der Islam“ findet bereits Donnerstag abend um 8 ½ Uhr in der Aula des städtischen Gymnasiums statt. Die Eintrittskarten sind vergriffen. Der Bericht über den Vortrag folgt noch.

Die Benutzung des Telefons zu Ferngesprächen im Reichsgebiet können die Telegraphenämter und Postanstalten für Personen und Firmen, die sich durch polizeiliche Bescheinigung als durchaus einwandfrei ausweisen, gestatten, wenn es im kommunalen oder staatlichen Interesse liegt, oder wenn dadurch die Zwecke der Heeresverwaltung gefördert werden.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)

 

Es geht mir noch immer gut! Wunschzettel, wenn Ihr mir was schickt. Für alles Bisherige vielen Dank! Möglichst täglich viel Schokolade, Schokoladepastillen, Navy Cut oder englischen Tabak, ab und zu ein Paar dicke Socken, Blockwurst (geschnitten bis ein halb Pfund) oder Pam [sic!] oder Schinken, warme Handschuhe, wollene Hemden oder Unterhosen (Sporthemden, wenn auch bunt), Cigarren, Cigaretten, Sardinen oder so ähnliches. Wir bekommen oft Post, und besonders Schokolade ist sehr beliebt. Die Schlacht tobt hier weiter.

(August Macke an seine Frau Elisabeth, Feldpostkarte)