Mittwoch, 23. September 1914

Das deutsche U-Boot U-9 versenkt am 22. in der Nordsee drei britische Panzerkreuzer, wobei 1.500 Seeleute ums Leben kommen. In der Bonner Presse wird das Ereignis als großer Erfolg gefeiert.

 

Das Eiserne Kreuz erhielt der Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe. Ferner erhielten das Eiserne Kreuz Regimentsarzt Dr. Solbach aus Siegburg; Leutnant d. R. Fritz Engels, Marienforst; Oberleutnant d. R. und Regiments-Adjutant Trimborn.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

 

Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1914Liebesgabentransporte. Großes Hauptquartier, 22. Sept. (Amtlich). Nachdem es bisher nur möglich war, den Truppen im Felde im bescheidenen Maße Zigarren, Rauchtabak, Tabakspfeifen und Schokolade zuzuführen, sollen demnächst größere Liebesgabentransporte bis auf Widerruf freigegeben werden, und zwar von den Sammelstationen für jede Armee täglich ein Zug von höchstens 80 Achsen. Den Vorrang in der Beförderung müssen jedoch Truppentransporte, Munitions-, Verpflegungs- und Lazarettzüge jederzeit erhalten.

Hausfrauen und Nahrungsmittelnot. Ueber die Frage: „wie rüsten sich unsere Hausfrauen in der Kriegszeit gegen Nahrungsmittelnot?“ wird Herr Dr. Junge am morgigen Donnerstag in der Germaniahalle einen Vortrag halten. Der Vortrag geht von dem Gedanken aus, daß es in der Hand der Hausfrauen liegt, durch zweckmäßige Wirtschaftsführung die Ernährung der Familien, auch in den schweren Zeiten, denen wir vielleicht entgegengehen, zu erleichtern. Der Vortragende will den Hausfrauen wichtige Winke und Ratschläge geben. Veranstaltet wird der Vortrag von den Bonner Frauenvereinigungen: Kath. Frauenbund, deutsch-evangel. Frauenbund, Altkath. Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1914Anzeige im General-Anzeiger vom 23. September 1914Frauenbund, Israelitischer Frauenbund, Verein Frauenbildung-Frauenstudium, Bonner Lehrerinnenverein, Verein Frauenkleidung-Frauenkultur, Hausfrauenbund, Kath. Mütterverein, Rheinisch-Westfäl. Frauenverband, Ortsgruppe Godesberg, Freundinnenverein, Kath. Kinderhortverband und Mädchenhort.

Vaterländische Reden und Vorträge. (Vierter Abend) Prof. Dr. Becker: Deutschland, die Türkei und der Islam. Auch dieser Vortrag war überfüllt. Einleitend bemerkte der Redner, daß Deutschland in der ganzen Welt fast ohne Freund dastehe. Da sei es gut, zu wissen, daß Deutschland der Freund der Mohammedaner und auch umgekehrt die Türkei der Freund Deutschlands sei. Zwischen beiden Reichen bestehe eine Interessengemeinschaft und so sei der gegenwärtige Kampf auch ein Kampf um Konstantinopel, um die Türkei.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

 

Die Direktion der elektr. Bahn Bonn-Mehlem wird freundlichst gebeten, einen Abendzug gegen 10.25 oder 10.55 ab Bonn bis Mehlem einzulegen. Den Bewohnern von Godesberg-Mehlem ist es unmöglich, die patriotischen Vorträge, die in Bonn gehalten werden, zu besuchen. Ich bin überzeugt, die Direktion wird sich auch den Dank mancher anderer, die später fahren möchten, erwerben. A.P.

Fort mit den Fremdwörtern! Das ist die „Parole“ in dieser ernsten und doch so erhabenen Zeit. Vieles ist schon geschehen, vieles wird noch folgen. Aber etwas ganz Naheliegendes hat man vergessen. Wie oft wird wohl täglich, ja stündlich gesagt: Adieu – adjö ! Warum nicht „Ade“ oder „Guten Tag“. In meiner Schule hieß es früher auch „Adieu Herr Lehrer“; dieses hat bei mir schon lange aufgehört. Mit dem echt deutschen Gruße „Guten Tag Herr Lehrer“ scheiden die Kinder. Also auch hier: „Fort mit dem „Franzosen“, nur deutsch gesagt: „Ade“ oder „Guten Tag“. Schiffberg, Lehrer, (z.Zt. Wehrmann 4. Komp. 2. Landsturmbataillon, Ahr).

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

 

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 23. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 23. September 1914Ihre Königliche Hoheit Frau Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe gibt in diesen schweren Tagen der Not, wie wir früher bereits mitteilten, ein bewundernswürdiges Beispiel edler Menschenliebe und opferwilliger Nächstenliebe. Kein Tag vergeht, an dem sie nicht das eine oder andere Krankenhaus besucht, um den verwundeten Kriegern Trost zu spenden und sie durch Liebesgaben zu erfreuen. Auch die Lazarette in Brühl, Beuel, Godesberg und Mehlem waren wiederholt Zeuge ihrer werktätigen Liebe. Damit aber noch nicht genug. Ihre Königliche Hoheit nahm auch Gelegenheit, mehrere verwundete Soldaten ins Palais Schaumburg einzuladen und dort im Park zu bewirten. In unserem Schaufenster sind einige photographische Aufnahmen ausgehängt, welche die Prinzessin im Kreise der Verwundeten zeigen und die uns von Baronesse von Loe freundlich zur Verfügung gestellt worden sind.

Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 23. September 1914Anzeige in der Deutschen Reichszeitung vom 23. September 1914Gute Pflege. Daß die verwundeten deutschen Soldaten in Frankreich auch in guter Pflege sind, beweist eine Postkarte, die ein verwundeter deutscher Krieger aus dem Marine-Hospital in Toulon an seine hiesigen Eltern geschickt hat und die uns vorgelegt worden ist. Er schreibt: „Ich bin hier sehr gut aufgehoben und verpflegt.“

Hilfstätigkeit. In der gestern abgehaltenen Versammlung der Bonner Friseur-Innung wurden durch freiwillige Spenden der Betrag von Mark 51,20 sowie größere Mengen Zigarren, Zigaretten und Tabak aufgebracht, als Liebesgaben für eingezogene Kollegen, auch für solche, welche nicht der Innung angehören.

Private Nachrichten aus dem Kriege sind mit der größten Vorsicht aufzunehmen. So fand in der vorigen Woche in einem Orte der Umgegend ein Seelenamt für einen angeblich in Frankreich gefallenen Krieger statt. Jedoch stellte sich später heraus, daß derselbe nur verwundet war. Ein ähnlicher Fall wird aus einem zweiten Ort berichtet, daß hier seitens des Pfarrers mit Recht bekannt gegeben wurde, es würden nur dann noch Seelenämter für gefallene Krieger gehalten, wenn deren Tod amtlich bescheinigt sei.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)