Freitag, 1. November 1918

   

Ueber den gestrigen Fliegerangriff auf Bonn folgender amtlicher Bericht herausgegeben:
Bonn, 31. Okt.. Amtlich. Heute nachmittag wurde die offene Stadt Bonn von feindlichen Fliegern angegriffen. Leider ist eine größere Anzahl von Personen getötet und verletzt worden. Nähere Angaben folgen nach genauer Feststellung.

In der gestrigen Stadtverordnetenversammlung sprach Oberbürgermeister Spiritus den Hinterbliebenen der Opfer des Fliegerangriffs und den Verletzten und Geschädigten die Anteilnahme der Stadt Bonn aus. Er schlug vor, die Getöteten auf Kosten der Stadt ehrenvoll zu bestatten. In einer längeren Ansprache ermahnte der Oberbürgermeister sodann zur Einigkeit und zum gegenseitigen Vertrauen. Er schilderte die Lebensmittelversorgung als gut, besprach die Ursachen der Geldknappheit und betonte, daß es sich um eine vorübergehende Krise handle, und machte beruhigende Mitteilungen über die Grippe, die ihren Höhepunkt in Bonn überschritten und in den letzten Tagen schon nachgelassen habe. Endlich sprach der Oberbürgermeister noch über die Einquartierungen. Stadtv. Henry, der Vertreter unseres Wahlkreises im Reichstag, erklärte, es sei kein Grund zu Beunruhigung vorhanden; nach menschlichem Ermessen werde unsere Front nicht durchbrochen werden. Die Stadtverordneten beschlossen die Erhöhung der Kinderfahrpreise auf der Straßenbahn und die Erhöhung der Lustbarkeitssteuer. Sie beschlossen die Ausgabe von städtischem Notgeld und besprachen endlich die hohen Eintrittspreise für den nächsten Volksunterhaltungsabend. Wir verweisen auf unseren ausführlichen Bericht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen, Dienstmädchen und Stundenfrauen sucht in unbeschränkter Zahl die Hilfsdienstmeldestelle des städt. Arbeits- und Wohnungsnachweises Friedrichsplatz 1. Anmeldung von 9 – 1 und 4 – 6 Uhr.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)