Freitag, 25. Oktober 1918

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1918Die Grippe. Ob die Grippe schon ihren Höhepunkt erreicht hat, läßt sich zur Zeit nicht mit Sicherheit erkennen. Die Zahl der Krankmeldungen bei den Krankenkassen nimmt noch zu. Andererseits ist die Zahl der Gesundmeldungen bei einzelnen Betrieben und Krankenanstalten größer als die Zugänge an Kranken. In manchen Werken und Betrieben ist die Verbreitung der Krankheit überhaupt gering. Auch die Krankheitsziffern in den Schulen waren sehr verschieden, sie schwanken zwischen 7 und 70 von Hundert. Im Schnitt waren 30 von 100 Kindern erkrankt. Da außerdem sehr viele Lehrpersonen erkrankt waren, war der Schulunterricht nur mit größten Schwierigkeiten durchzuführen. Auch war die weitere Einschleppung der Krankheit in die Schulen zu befürchten, weil vielfach Kinder aus Familien, in denen die Grippe herrschte, die Schule besuchten. Die allgemeine Schließung der Schulen im Stadtbezirk war daher angebracht. Die Wiedereröffnung wird rechtzeitig durch die Presse bekannt gemacht werden. Von weiteren öffentlichen Maßnahmen, Schließung der Theater, Versammlungsverboten u. a. wird vor der Hand abgesehen.
   
Da die Krankheit leicht übertragbar ist, sich rasch entwickelt und der Krankheitserreger weit verbreitet ist, stoßen vorbeugende Maßnahmen allgemeiner Art auf erhebliche Schwierigkeiten. Jeder, dem seine Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1918Lebensweise und sein Beruf es gestatten, sollte aber den Massenverkehr meiden und sich von allen Gelegenheiten fernhalten, wo er mit vielen Menschen in nahe körperliche Berührung kommt und von anderen angehustet werden kann. Der Einzelne soll sich zweckmäßig dadurch gegen die Krankheit zu schützen suchen, daß er sorgfältig auf Reinlichkeit bedacht ist. Es wird von berufener Seite empfohlen, Nase und Rachen mit schwacher Lösung von Wasserstoffsuperoxyd oder warmem Wasser, dem etwas Kochsalz zugesetzt ist, auszuspülen. Wenn, trotz aller Vorsicht, eine Erkrankung eintritt, so soll man die Krankheit nicht hinschleppen, sondern sich alsbald ins Bett begeben und erforderlichenfalls ärztliche Hilfe zuziehen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

     

Viktoriabad. Von amtlicher Seite wird uns geschrieben: Die zeitweilige Schließung des Viktoriabades würde von selbst dann eintreten müssen, wenn der weiter anhaltende Kohlenmangel den Betrieb unmöglich macht. Selbstverständlich ist die Verwaltung um die Beschaffung der Heizstoffe nach Kräften bemüht, doch können diese aus Schulen und anderen Gebäuden nicht entnommen werden. Der Betrieb des Schwimmbades erfordert im jetzigen Umfange keinen unverhältnismäßigen Kohlenaufwand, doch ist der Besuch desselben an Stärke dem aller anderen Bäder gleich, während die Schwitzbäder nur geringen Zuspruch haben.

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1918Rote Rüben gegen Grippe. Dr. Joseph Häusle in Feldkirch, der als hervorragender Kenner der Naturheilkräfte bekannt ist, schreibt der „Wiener Reichspost“: „Ein sehr einfaches, aber gutes Mittel gegen die spanische Krankheit sind rote Rüben. Man gibt dem Patienten einen großen Suppenteller voll Salat von roten Rüben im Laufe von sechs bis acht Stunden zu essen. Ich habe viele Kranke gesehen, die abends 40 Grad Fieber hatten und nach Genuß der roten Rüben in der Frühe vollständig fieberfrei waren.“

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Provinzialmuseum. Im Provinzialmuseum finden gegenwärtig größere Umräumungen und Verpackungsarbeiten zum Schutz der kostbaren Altertümer und Kunstwerke wegen Fliegergefahr statt, weshalb das Museum einige Tage geschlossen bleibt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)