Freitag, 27. September 1918

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 27. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 27. September 1918Auf die neunte Kriegsanleihe zeichnete die Dynamobürstenfabrik P. Ringsdorff in Mehlem eine Million Mark.

Mit einer Ausdehnung der fleischlosen Wochen auf weitere drei Monate ist, wie die Nordd. Allg. Ztg. schreibt, zu rechnen.

Neues Operettentheater. Als Gast auf Anstellung sang dieser Tage Fräulein Else Grabbert aus Hamburg die Valencienne in der „Lustigen Witwe“. Die junge Dame, die schon äußerlich einen sehr gewinnenden Eindruck macht, verfügt über ein volles, weiches, wenn auch nicht besonders umfangreiches Organ und weiß auch darstellerisch durch Gewandtheit und Anmut zu fesseln. Da die Valencienne bekanntlich einer Künstlerin nicht die volle Entfaltung ihrer Stimmittel wie auch ihrer darstellerischen Begabung gestattet, können wir hier leider kein abschließendes Urteil aussprechen. Das Publikum zeigte sich von den Leistungen der jungen Künstlerin vollauf befriedigt.
   
Der von Abend zu Abend steigende Erfolg der „Lustigen Witwe“ veranlaßt die Direktion, diese Operette auch in den nächsten Tagen bis Ende dieses Monats auf dem Spielplan zu erhalten. Mit durchweg neuer Besetzung der Partien bereitet die Direktion inzwischen die Operette „Der Zigeunerbaron“ vor.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Städtisches Viktoriabad. Die Schwimmfreunde haben es dankbar begrüßt, daß die Schwimmhalle wieder der Benutzung übergeben worden ist. Das Leben und Treiben, das sich täglich in de Halle abspielt, ist ein deutlicher Beweis für das vorhandene Bedürfnis einer geregelten Körper- und Hautpflege. Von weit über 7000 Personen ist das Schwimmbad in der kurzen Zeit seiner Wiedereröffnung aufgesucht worden. Es ist eine helle Lust, namentlich unsere Jugend in dem feuchten Element zu beobachten, wie Knaben und Mädchen beim Schwimmen ihre Kräfte messen, beim Absturz vom hohen Schwimmbrett Mut und Gewandtheit äußern und in dem fröhlichen Wasserspiel Erholung finden von den Anstrengungen der Schulbank. Nicht weniger wird von den Erwachsenen der Betrieb in der Schwimmhalle begrüßt, wenn sie auch wegen der Fülle der Gesichte, der man nachmittags in dem großen Trog begegnet, lieber die ruhigen Vormittagsstunden benutzen, um des erfrischenden Genusses eines Schwimmbades teilhaftig werden zu können.
  
In den jüngsten Tagen wurden die Schwimmfreunde leider durch das Gerücht beunruhigt, daß die Freuden des Schwimmbetriebes im Viktoriabad bald wieder zu Ende sein sollen. Es heißt, die Stadtverordneten Kalt und Mathieu Schmitz machten ihren Einfluß geltend, um im Interesse der Kohlenersparnis die Einstellung des Schwimmbetriebes zu bewirken. Angesichts der knappen Kohlenzuweisung, die Bonn durch den Reichskohlenkommissar erfahren hat, erscheint es wohl möglich, daß man sich abermals für die Schließung der Viktoria-Schwimmhallen entscheidet. [...] Ohne die Absicht einer Kritik über die Behandlung, die man in Bonn in den letzten Kriegsjahren gegenüber der Schwimmsache wohl beobachten mußte, sei darauf hingewiesen, daß in vielen anderen rheinischen Städten, die ebenfalls unter dem Druck der Kohlennot gestanden haben, die öffentlichen Schwimmbäder bis heute ohne Unterbrechung im Betrieb geblieben sind. [...] Wenn man berücksichtigt, daß in Bonn trotz der Schwierigkeiten in der Kohlenbeschaffung seit anderthalb Jahren ein neues Operettentheater in Betrieb ist, das Stadttheater weiterspielt, daß sämtliche Bonner Kinos trotz der Kohlennot ihren Betrieb aufrecht erhalten konnten, daß „Groß-Bonn“ immer noch gut beheizt ist, daß eine wahre Sündflut von Konzerten diesen Winter über uns ergeht, die auch nicht ohne Saalheizung stattfinden können, so sollte man meinen, daß an den Stellen, wo der Kohlenbezug für diese Unternehmungen erfolgt, auch für das Viktoriabad die notwendigen Kohlen zu beschaffen wären.
   Wir haben als Lazarettstadt mit unseren zahlreichen Verwundeten und genesenden Feldgrauen ein besonderes Interesse daran, daß der Einwohnerschaft eine regelmäßige Schwimmgelegenheit geboten wird, zumal die Badegelegenheit in den Privathäusern durch die immer größer werdende Schwierigkeit der Reparaturmöglichkeiten und der Installationsarbeiten mehr und mehr fragwürdig geworden ist.
   Wir besaßen vor dem Kriege in dem Geheimen Baurat Schultze, unserem ersten Beigeordneten und Erbauer des Viktoriabades, und dem Stadtverordneten Prof. F. A. Schmidt, dem Chefarzt im Beethovenlazarett, besonders warmherzige Fürsprecher der Bonner Schwimmsache. An beide Männer ergeht deshalb besonders die herzliche Bitte, ihre Autorität dafür einsetzen zu wollen, daß, wenn irgend angängig, unserer Bürgerschaft auch weiterhin die Benutzung des Viktoriabades und seiner Schwimmhalle gewährleistet bleibt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Zu einer Kundgebung vaterländischer Tat- und Opferfreudigkeit ladet die deutsche Vaterlandspartei ihre Mitglieder auf Montag, den 30. September, abends 8¼ Uhr, in den großen Saal der Lesegesellschaft. Der Landtagsabgeordnete Dr. Bacmeister wird über das Gebot der Stunde sprechen. Auch Gäste sind herzlich willkommen.

Der erfolgreichste Kampfflieger auf dem Kriegsschauplatze in Mazedonien, der Bonner Vizefeldwebel Gerh. Fieseler, errang seinen 17. Luftsieg und wurde er neuerdings mit dem österreichischen silbernen Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille sowie mit dem preußischen Militärverdienstkreuz ausgezeichnet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)