Mittwoch, 25. September 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 25. September 1918Der Flottenverein Jungdeutschland veranstaltet in den nächsten Monaten wieder einige seiner so beliebten Filmvorstellungen. Diesmal ist der Reinertrag für die Weihnachtsspende an die deutsche Marine bestimmt. Die Vorstellungen finden statt an folgenden Sonntagen des Vormittags um 11.30 Uhr: 29. September, 20. Oktober, 10. November, 1. Dezember. Die Vorstellung am kommenden Sonntag spielt in dem Metropoltheater am Markt. Für die anderen sind die Bonner Lichtspiele in Aussicht genommen. Näheres hierüber wird noch in den besonderen Anzeigen bekannt gegeben. Neben verschiedenen hochinteressanten Kriegsfilmen, unter denen sich der berühmte Film „Die Tanks vor Cambrai“ und einige spannende Fliegerfilme befinden, werden diesmal bei jeder Vorstellung einige Lustspiele zur Aufführung gelangen. Nicht nur wegen des guten Programms sollte ein jeder diese Vorstellung besuchen, sondern allein des guten Zweckes wegen. Jeder von uns weiß, wie sich unsere Blaujacken zu Weihnachten über einen Gruß aus der Heimat freuen. Um ihnen diese Freude aber auch verwirklichen zu können, sind ungeheure Mittel notwendig. Und so ist es sehr zu begrüßen, daß der Flottenverein Jungdeutschland den Ertrag dieser vier Vorstellungen dem guten Zwecke zur Verfügung stellt. Hoffentlich werden die Bonner Bürgerschaft und besonders die Bonner Jugend die Veranstaltungen recht zahlreich besuchen und damit zeigen, daß sie auch etwas für unsere Marine übrig haben. Alles nähere wolle man aus den Anzeigen in diesem Blatte entnehmen. Dauerkarten für alle vier Vorstellungen werden nur in beschränktem Umfange ausgegeben.

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 25. September 1918Nahrung, Wohnung und Licht.
    Die Winterversorgung mit Kartoffeln
ist durch die Reichskartoffelstelle endgültig geregelt. Die Stadt Bonn erhält ihren über 300.000 Ztr. beantragenden Jahresbedarf zu fast drei Fünfteln aus der Rheinprovinz und zu zwei Fünfteln aus den Provinzen Sachsen und Pommern. Die Kartoffel ist in diesem Jahre gut gereift und eignet sich zum Einkellern. Infolgedessen hat der Lebensmittelausschuß beschlossen, die Einkellerungsmenge, die im vergangenen Jahre nur einen Zentner betrug, auf anderthalb Zentner zu erhöhen. [...]
   Die Brotversorgung wird glücklicherweise vom 1. Oktober an etwas besser werden. Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes wird von diesem Tage ab wieder eine zehnprozentige Streckung des Brotes mit Trockenkartoffelerzeugnissen gewähren. Infolgedessen hat der Oberausschuß für den Regierungsbezirk Köln beschlossen, die Brotmenge auf den Kopf der Bevölkerung auf vier Pfund wöchentlich zu erhöhen, und diese Menge wird in Bonn von der auf den 1. Oktober beginnenden nächsten Brotversorgungswoche, also vom 7. Oktober ab ausgegeben werden.
    In der nächsten Woche, also vom 30. September bis 6. Oktober, durchleben wir die dritte fleischlose Woche. Das Lebensmittelamt wird verschiedene Ersatznahrungsmittel ausgeben und zwar:
   3 Pfund Kartoffeln auf Warenmarke,
   50 Gramm Butter und
   125 Gramm Roggenmehl.
   [...]
Die außerordentliche Verteuerung aller Lebensmittel und vor allem auch der Arbeitslöhne und Materialien muß es leider auch mit sich bringen, daß eine weitere Heraufsetzung der Preise für das Mittagessen in den Kriegsküchen eintreten wird. Die Preise werden dementsprechend in der nächsten Zeit für die Klassen A und B von 50 auf 60 Pfg. und für die Klasse C von 70 auf 80 Pfg. erhöht werden, jedoch mit der Maßgabe, daß kinderreichen Familien unter Vorsaussetzung der Bedürftigkeit in den Klassen A und B der Preis auf 50 Pfg. und in der Klasse C aus 60 Pfg. gewährt werden kann. [...]
    Die Zuweisung von Nährmitteln ist in letzter Zeit ganz außerordentlich gering gewesen, so daß auch von der städtischen Verwaltung aus bei den betreffenden Reichsstellen lebhafte Vorstellungen über diese schlechte Versorgung gemacht sind. Aus diesem bedauerlichen Grunde heraus kann die geplante Verabfolgung einer Morgensuppe für Schulkinder leider vorerst nicht erfolgen. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich seinerzeit mit großer Wärme für diese Einrichtung ausgesprochen, und nun muß sie leider zunächst noch unterbleiben.
   Die Beleuchtungskarten werden nächsten Freitag, Samstag und Sonntag morgens von 8 bis 12 und nachmittags von 3 bis 6 Uhr in der Kartenausgabestelle Gangolfstraße 2 ausgegeben. [...] Der Verkauf der Beleuchtungsmittel beginnt in der kommenden Woche. Die zur Ausgabe kommende Menge und die Verkaufsstellen werden noch veröffentlicht werden.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

   

Zum 1. Symphonie-Konzert im Stadttheater am Freitag dieser Woche singt zum ersten Male hier der ausgezeichnete Heldenbariton der Wiesbadener Hofoper Harry de Garmo. Der Künstler, welcher die Lysiart-Arie aus Webers „Euryanthe“ und Lieder von Gustav Mahler vortragen wird, hat eine schöne große Stimme. Er hat kürzlich gelegentlich eines Gastspiels in Berlin außerordentlichen Erfolg gehabt. Das Orchester bringt unter Sauers Leitung Beethovens Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“, Mozarts Ballettmusik aus der Pantomime „Les petits riens“ und Brahms C moll-Symphonie zu Gehör.

Fertig geschnittenen Weißkohl zum Einmachen verkauft die Stadt von morgen ab im städtischen Betrieb Coblenzerstraße 10. Der Preis für den Zentner stellt sich auf 15 Mark.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Sammelt Brennesseln! An die Daheimgebliebenen ergeht der Ruf als eine ernste vaterländische Mahnung. Zu denjenigen einheimischen Pflanzen, aus deren Fasern wir schon vor Hunderten von Jahren schöne und weiche Stoffe gewebt haben, gehört die hohe, große Brennessel (Urtica diocia), die auf sumpfigen Wiesen, an den Rändern von Gräben, Teichen und Flüssen und in unseren Wäldern üppig wuchert. Die Konkurrenz der Baumwolle hat die ehemals beliebte Nesselfaser völlig verdrängt; aber unter dem Druck der wirtschaftlichen Notwendigkeit gilt es, sie wieder zu Ehren zu bringen. Solange der Nesselanbau noch nicht genügend fortgeschritten ist – er ist bereits mit vielversprechendem Erfolge in die Wege geleitet – wäre es [sic!], davor zurückzuschrecken, weil etwa die Berührung mit den Härchen der Stengel und Blätter Jucken verursacht. Immer laßt uns daran denken, wie viel unendlich schwerer das ist, was unsere Krieger tagtäglich vollbringen und aushalten müssen. Im Brennesselsammeln gehen uns übrigens unsere Feldgrauen mit gutem Beispiele voran: im besetzten Gebiet sammeln sie Nesseln, und von den Erholungsheimen der Feldgrauen werden „Nesselkommandos“ ausgesandt, die stets mit guter Beute heimkehren. Wer sich gegen das Jucken schützen will, möge sich die Hand lose umwickeln oder behandschuhen. Eifrig ist bereits die Brennessel in unserem Vaterlande gesammelt worden; namentlich unsere Schulkinder auf dem Lande haben unter der Führung ihrer Lehrer in den letzten Jahren tausende von Zentnern zusammengebracht. Die Nessel-Anbau-Gesellschaft hat ein vielmaschiges Netz von Sammler-Organisationen mit Vertrauensleuten und Obmännern geschaffen. Sie zahlt den Sammlern für 160 Kilo trockner Stengel 40 Mark. Für 25 Kilo trockner, ein wertvolles Viehfutter bildender Blätter 5 Mark und für ein halbes Kilo trockenen Samens 10 Mark. [...] Nicht unerwähnt sein, daß die Nesselsammler bei der Nessel-Anbau-Gesellschaft gegen Unfall versichert sind. – Möge keiner zurückstehen, an den der vaterländische Ruf ergeht: Sammelt Brennesseln!

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)