Sonntag, 22. September 1918

  

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. September 1918Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 22. September 1918Ertränken wollte sich gestern nachmittag vor der Ersten Fährgasse eine 26jährige Polin. Sie wurde von den Badeanstaltswärtern aus dem Strom geholt und in die Klinik gebracht.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Was das Obst kosten soll! Nach den Höchstpreisen, wie sie von der Reichsstelle für Gemüse und Obst festgesetzt sind, dürfen kosten: Tafeläpfel beim Erzeuger 35 Pfg. das Pfund, beim Kleinhändler 43 Pfg.; Wirtschaftsäpfel 15 und 20 Pfg.; gute Zwetschen dürfen kosten 20 bezw. 27 Pfg.; Brennzwetschen 10 und 15 Pfg. Die Preise sind also da, machen sich auf dem Papier auch recht schön, sehen in Wirklichkeit aber ganz anders aus. So werden u. a. für den Zentner Aepfel bis zu 200 Mark verlangt und bezahlt; Pflaumen sind unter 2 Mark das Pfund nicht zu haben.

Zur Beschlagnahme von Sonnenvorhängen. In diesen Tagen werden den Behörden, Anstalten und Firmen unserer Stadt durch das städt. Bekleidungsamt Meldebogen zugehen, auf welchen der Bestand an Sonnenvorhängen einzutragen ist. Diese Meldebogen müssen sorgfältig ausgefüllt und nach Erledigung bis spätestens zum 25. September ds. Js. an das städt. Bekleidungsamt Bonn, Gangolfstr. 2, zurückgesandt werden. Die Beschlagnahme mußte erfolgen, um den stets wachsenden Bedarf an Säuglings- und Leibwäsche unserer Bevölkerung zu decken. Gewiß wird diese weitere Beschlagnahme in der heutigen Zeit besonders seitens der betroffenen Privat-Personen schwer empfunden werden, und doch muß erwartet werden, daß von Seiten der betroffenen Kreise unserer Bürgerschaft diese Sache, entsprechend ihrer Wichtigkeit, unterstützt wird, und daß die Meldebogen sorgfältig und rechtzeitig ausgefüllt werden. aber

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 22. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 22. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 22. September 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 22. September 1918Die Verbindungstreppe der neuen Sternstraße mit dem Florentiusgraben scheint sich allmählich in eine Bedürfnisanstalt umzuwandeln. Das Passieren der Treppe kann man schon eher ein Balancieren zwischen menschlichen Unhöflichkeiten nennen und nur eine geübte Lunge ist imstande, durch langes Atemanhalten all die Krankheitskeime von sich fern zu halten. Es liegt im Interesse der Oeffentlichkeit, diesen vielbenutzten Weg in einem gangbaren Zustand zu erhalten. G. T.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Wochenkalender der Bonner Frauenvereine. Hauswirtschaftliche Kriegshilfe. Anmeldungen zu Schuhkursen werden entgegengenommen in der früheren Flickschusterei (Universität Am Hof I). Daselbst bietet die Kleiderberatung (Neues aus Altem) jeden Mittwoch von 9 – 12 und 3 – 6 Uhr Gelegenheit unter sachverständiger Leitung Kleider anzufertigen oder zu ändern. Die Strumpfausbesserungsstelle ist jetzt nur noch jeden Donnerstag von 9 – 12, 3 – 6 Uhr geöffnet. In der hausw. Beratungsstelle (Städt. Sammelstelle Am Hof) sind außer kriegsgemäßen Kochrezepten und Angaben über Selbstanfertigung von Kochkisten auch neue Merkblätter über bargeldloses Zahlen zu haben. Die Chamottesteine (zum Backen in der Kochkiste) sind bei Frau Vogel, Fürstenstraße zu kaufen. In der städt. Sammelstelle ist eine Annahme von gebrauchten Möbeln und sonstigen Hausrat eingerichtet worden, um minderbemittelten Brautpaaren die Gründung ihres Hausstandes zu erleichtern. Alle wohlhabenden Familien sind herzlich gebeten, aus ihren reichen Beständen beizusteuern und diese zeitgemäße Einrichtung wirksam zu unterstützen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)