Samstag, 28. Juni 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 28. Juni 1918Der „Bunte Morgen“, der auf Veranlassung des Sammel-Ausschusses für die Ludendorff-Spende vom Neuen Operettentheater am Sonntag, 11½ Uhr, vormittags, veranstaltet wird, scheint mit seinem ausgezeichneten Programm eine außergewöhnliche Anziehungskraft zu haben. Die Nachfrage nach Karten ist so groß, daß mit einem vollen Haus zu rechnen ist. Der Kartenverkauf an der Theaterkasse des Neuen Operetten-Theaters beginnt heute morgen.

Zur Abgabe von Männeranzügen. Der Versuch, die von der Stadt Bonn aufzubringende Zahl von Männeranzügen im Wege freiwilliger Abgabe zu beschaffen, hat nicht das gewünschte Ergebnis gehabt. Kaum die Hälfte dieser Zahl ist bisher abgeliefert worden. Weite Kreise unserer Bürgerschaft, die zur Abgabe wohl imstande gewesen wären, haben sich nicht beteiligt. Um die noch fehlenden Anzüge zu beschaffen, sieht sich die Stadtverwaltung genötigt, nunmehr zu andern Maßnahmen überzugehen. Es werden in den nächsten Tagen besondere Aufforderungen ergehen, entweder einen Männeranzug abzugeben oder ein Bestandsverzeichnis des vorhandenen Kleidervorrats an das städtische Bekleidungsamt einzusenden. Schon jetzt wird den dazu Aufgeforderten dringend geraten, den Bestand des Kleidervorrats vollständig und richtig anzugeben. Zuwiderhandlungen sind mit schwerer Strafe bedroht. Auch ist die Stadtverwaltung berechtigt, die Richtigkeit der gemachten Angaben durch Beamte nachprüfen zu lassen. Diese nun einsetzenden Maßnahmen werden für die davon Betroffenen Unzuträglichkeiten mannigfacher Art im Gefolge haben. Wer sich jetzt dem noch entziehen will, bringe schleunigst einen Anzug zur Sammelstelle Martinstraße Nr. 18, geöffnet von 9 bis 12 und von 3 bis 6 Uhr. Wer einen Anzug abgegeben hat, wird von diesen Maßregeln nicht betroffen.

Die Wohnungsnot. Um dem in Bonn in gleicher Weise wie in anderen Städten nach dem Kriege zu erwartenden großen Mangel an Kleinwohnungen möglich begegnen zu können, beabsichtigt die Stadt Bonn, u. a. eine Siedlungsgesellschaft m. b. H. ins Leben zu rufen, deren Zweck die Schaffung gesunder und billiger Wohnungen für minderbemittelte, insbesondere kinderreiche Familien sein soll. Eine vorbereitende Besprechung findet nächsten Montag im Rathause statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Mädchen in der Etappe. Der Gedanke Ludendorffs, alle k. v. Leute in der Etappe durch Mädchen zu ersetzen, führt zu der Aufforderung, daß sich möglichst viele junge Mädchen von 20 Jahren ab mit guter Schulbildung gegen gute Gehälter für den Bureaudienst in der Etappe melden möchten. Man wende sich an die Frauenmeldestelle, Bonn, Friedrichstraße 1.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Bund der Kriegsbeschädigten und ehem. Kriegsteilnehmer Ortsgruppe Bonn. Die öffentliche Versammlung faßte einstimmig nachstehende Resolution: 1) In die örtliche Fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte sind auch besonders zur Berufsberatung Kriegsbeschädigte zu wählen, weil die Beschädigten zu allen Einrichtungen, in denen ihre Leidensgenossen sitzen, ein weit größeres Vertrauen haben. An allen Orten, wo bereits Kriegsbeschädigte in Fürsorgestellen sitzen, hat sich ihre Mitarbeit bewährt. 2) Die Kriegsbeschädigten unserer Ortsgruppe Bonn haben mit aller Energie für die Ludendorffspende agitiert und dadurch zu dem großen Erfolg mit beigetragen. Wir bitten nun aber auch, einige Vertreter der Kriegsbeschädigten in den Ortsausschuß der Ludendorffspende zu wählen, damit auch hier die Interessen der Kriegsbeschädigten befriedigend vertreten werden.

Festgenommen wurden zwei Männer im Alter von 30 und 32 Jahren, die vorgestern abend auf dem Markte und in der Wenzelgasse eine wüste Schlägerei mit Soldaten hervorgerufen und dadurch einen großen Auflauf verursacht hatte, so daß eine Militärpatrouille einschreiten mußte.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)