Dienstag, 26. Februar 1918

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1918Anzeige im General-Anzeiger vom 26. Februar 1918Universität. Aus Anlaß der Befreiung der Stadt Dorpat, der berühmten Stätte deutscher Wissenschaft und Bildung, von den russischen Räuberhorden der Anarchisten hat unsere Universität sofort nach Bekanntwerden der Nachricht von dem Einzug unserer Truppen in der Universitätsstadt der Osteseeprovinzen geflaggt.

Verband- und Krankenerfrischungsstelle „Prinzessin Viktoria“, Lille. Aus Lille kommt die erfreuliche Nachricht, daß von der von den Bonner vaterländischen Vereinigungen betriebenen Verband- und Krankenerfrischungsstelle „Prinzessin Viktoria“ der viermillionste Heeresangehörige am letzten Sonntag verpflegt worden ist. Das gibt Zeugnis von dem fortschreitenden segensreichen Wirken dieser Einrichtung. Die Inanspruchnahme dieser Stelle war in den letzten Monaten wiederum sehr stark; durchschnittlich wurden täglich 5500 bis 6000 Heeresangehörige verpflegt. Die Bonner Kriegswohlfahrtspflege kann mit Stolz auf diese zum Besten unserer Feldgrauen geschaffenen Einrichtung schauen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Städtische Nachrichten“)

    

Der Zentralverband deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt gestern im Bonner Bürgerverein anläßlich des 25jährigen Bestehens des Vereins eine Festversammlung ab, die durch den Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Erich Boehm aus Berlin ihr besonderes Gepräge erhielt. Er beleuchtete die wirtschaftliche und rechtliche Stellung seiner Glaubensgenossen vor dem Kriege und seit 1914 und schloß daran Betrachtungen über die Aufgaben des Zentralverbandes nach dem Kriege. Die Hauptforderung der Juden gipfelt nach wie vor in dem Streben nach sozialer und rechtlicher Gleichberechtigung, nachdem sie im Heeresdienst und im öffentlichen Leben der Kriegsjahre dieselben Pflichten getragen haben und im Verteidigungskriege für das gleiche Vaterland gefallen sind, wie die Christen. So erstreben sie auch den „Reserveoffizier“, der ihnen Indendantur-, Forstkarriere und viele andere Laufbahnen erschließen soll. Mit besonderer Lebhaftigkeit und Eindringlichkeit wies der Redner die Angriffe des Antisemitismus zurück, der die Juden zu Drückebergern und Kriegswucherern stempeln möchte, der sie in Tageszeitungen, Büchern und Zeitschriften angreift. Er warnte hierbei die eigenen Volksgenossen, sich in öffentlichen Schaustellungen, wie Filmvorführungen, Kabarett- und Theaterdarbietungen im karikierender Weise oder unnobler Weise über jüdische Eigentümlichkeiten zu ergehen. Der Ernst und die Klarheit sämtlicher Ausführungen, sowie die Ruhe, mit der gelegentlich Seitenhiebe ausgeteilt wurden, kennzeichneten den Vortrag als ein Meisterstück der Dialektik, das umso sympathischer ansprach, als es sich, von einigen Maßnahmen des Selbstverteidigungsrechts abgesehen, durchaus auf dem Boden gesunden, deutsch-nationalen Empfindens abspielte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anhäufung von Lebensmitteln. In den Berichten über die Gerichtsverhandlungen liest man häufiger von Bestrafungen wegen Einbruchsdiebstählen, bei denen große Mengen an Lebensmitteln entwendet worden sind; so in der Sonntagsnummer des G.-Anz. über die Entwendung von eingemachten Lebensmitteln im Werte von mehreren tausend Mark aus einer leerstehenden Villa in Godesberg. Man fragt sich nun doch, wie ist das zu erklären, daß solche Vorräte an Lebensmitteln aufgestapelt sind, - in diesem Falle sogar in einer leerstehenden Villa -, wo doch allenthalben Mangel herrscht. Scheint da nicht auch Hamsterei vorzuliegen? Es dürfte sich empfehlen, wenn die Polizeibehörden, bei denen Lebensmitteldiebstähle zur Anzeige gelangen, nicht allein den Dieb suchen, sondern auch Nachforschungen nach der Herkunft so großer Lebensmittelvorräte anstellen wollten. Die Landwirte müssen sich die peinlichsten Revisionen nach Getreide, Kartoffel und anderen Erzeugnissen gefallen lassen; wäre es nicht angebracht, auch einmal bei Privaten nach Anhäufung außergewöhnlich großer Lebensmittelbestände nachsuchen zu lassen? Die Allgemeinheit hat wohl einen Anspruch darauf und es gäbe dann wohl viele Not und auch vielleicht manchen Spitzbuben weniger. Einer von Tausenden, die nicht für 100 Mark Lebensmittelvorräte haben.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

    

Straßenraub. Am Sonntag abend gegen 8 Uhr wurde in der Münsterstraße einer hiesigen Dame das silberne Handtäschchen mit etwa 80 Mark Inhalt entrissen. Der Täter, ein etwa 17jähriger Bursche, entkam in der Poststraße im Gedränge.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Aus der Rheinprovinz. Bonn“)