Samstag, 19. Dezember 1915

     

Anzeige im General-Anzeiger vom 19. Dezember 1915Bonns Nagelstandbild, die Arndt-Eiche, wird heute mittag 12 Uhr feierlich eingeweiht wer­den. Damit tritt Bonn in die Reihe der Städte, die durch die Benagelung von künstle­risch gestalteten Standbildern der Kriegshilfe neue Mittel zuführen, in diesem besonderen Falle für die Hinterbliebenen gefallener Bonner Krieger. Bonn ehrt mit diesem Nagelstand­bild zugleich das Gedächtnis Ernst Moritz Arndts, des deutschen Mannes, der in Bonn ge­wirkt und gelehrt hat und von Bonn aus seine treuen, festen Worte einer unwandelbaren, flammenden Vaterlandsliebe in die deutsche Welt gesandt hat. Daß die Bonner Bürger, alt und jung, hoch und nieder, daß alle Stände und Kreise unserer Stadt mit der schon so oft bewährten freudigen Opferwilligkeit auch diesmal das ihre tun werden und jeder einzelne nach seinem Vermögen und seiner Kraft dem guten Zweck, dem die Arndt-Eiche dienen soll, möglichst reiche Mittel zuführt, ist die selbstverständlichste Sache der Welt. So selbst­verständlich, daß es eigentlich gar keiner großen Worte und keiner besonderen werben­den Aufforderung bedarf, um die Arndt-Eiche zu dem zu machen, was sie sein soll: ein Ausdruck eines unauslöschlichen werktätigen Dankes für unsere Helden an den Fronten. Wie den Lebenden, dem Kämpfenden, den Ausharrenden unser Dank sicher ist, so wollen wir auch die für das Vaterland Gefallenen in ewig dankbarem Gedächtnis behalten. Die Hinterbliebenen unserer gefallenen Krieger sind unserem ganz besonderen Schutze an­empfohlen, und die Arndt-Eiche wird nicht umsonst auf dem Münsterplatze stehen. Sie wird im Namen Arndts das Zeugnis ablegen, daß man im Deutschen Reiche, im Rhein­land, in Bonn von 1915 ebenso vaterländisch denkt, wie der, dessen Andenken das Mal ge­weiht ist, Zeit seines Lebens gedacht hat. Und vaterländisch denken heißt in Deutsch­land immer in erster Linie: seine Pflicht tun, die Pflicht gegen das Vaterland und gegen alle, die für das Vaterland kämpfen oder im Dienste des Vaterlandes gefallen sind. Von heute an ergeht von der Bonner Arndt-Eiche auf dem Münsterplatz der Ruf: Erfüllt eure Pflicht ge­gen die Hinterbliebenen der gefallenen Bonner Krieger! Sicher wird dieser Ruf der Arndt-Eiche von keinem Bonner ungehört bleiben. So möge das Denkmal, das heute eingeweiht wird, reichen Segen bringen.

Den Frauen und Kindern von Bonner Kriegern will der Freiwillige Hilfsausschuß für Truppen eine Weihnachtsfreude bereiten. Er bittet die Mitbürger, sein Liebeswerk durch reichliche Zuwendungen von Geld, Kleidungsstücken, Gebäck, Obst usw. zu unterstützen und die Gaben an die Geschäftsstelle des Ausschusses (Münsterplatz 2, Diskontobank) abzuliefern. Anmeldungen zu der für den Nachmittag des ersten Feiertags geplanten Weihnachtsbescherung werden noch bis zum 21. ds. Mts. entgegengenommen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

   

Das Gehalt des Handlungsgehilfen bei Einberufung. In der bekanntlich sehr umstrittenen Frage, ob der Handlungsgehilfe sechs Wochen Gehalt beanspruchen kann, wenn er zum Kriegsdienst einberufen wird, hat das Kammergericht am 30. Oktober 1915 eine Entscheidung getroffen. Es hat den Anspruch des Handlungsgehilfen, wie uns von dem Aeltesten der Kaufmannschaft in Berlin mitgeteilt wird, verneint. Die Dienstleistung in Heere sei eine staatsbürgerliche Pflicht, die alle Staatsangehörigen gleichermaßen treffe, sie könne daher nicht als unverschuldetes Unglück bezeichnet werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

    

Anzeige in der Deutschen Reichs-Zeitung vom 19. Dezember 1915Weihnachten steht vor der Tür. Vielen ist es auch in diesem Jahr noch nicht vergönnt, dieses einzigartige Familienfest im Kreise der Lieben zu feiern, weil sie mit bewaffneter Hand die Freiheit der zu Hause Gebliebenen beschützen und ihnen im gewissen Sinne überhaupt die Feier des Weihnachtsfestes ermöglichen. Sie tragen geduldig die Opfer der Entbehrung. Allein auch die zu Hause weilenden Angehörigen unserer Krieger entbehren bei dem frohen Feste ihren lieben Vater und Ernährer. Ihr Los zu mildern durch eine kleine Freude ist die Aufgabe aller, denen die Vermögensverhältnisse dieses gestatten. Der freiwillige Hilfsausschuß wird auch in diesem Jahre die Frauen und Kinder unserer Bonner Krieger bescheren und bittet um gütige Unterstützung bei diesen Vorhaben.

Weihnachten der Verwundeten-Kompagnie. In der Loekaserne an der Rheindorfer Straße ist die Bonner Verwundeten-Kompagnie untergebracht. Es befinden sich bei ihr Soldaten, die teils bald wieder zur Front müssen, oder die nicht mehr militär-dienstfähig sind und auf ihre Entlassung nach der Heimat warten. Während nun an stehende Truppenteile zu Weihnachten beim Verteilen von Liebesgaben stets gedacht wird, liegt die Gefahr nahe, daß die Verwundeten-Kompagnie vergessen werde. Wir machen deshalb auf sie ganz besonders aufmerksam, damit auch für sie das Christkindchen ganz viele Gaben bringe und damit auch sie in froher Erinnerung an Weihnachten 1915 in Bonn stets zurückdenken können.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)