Montag, 25. Oktober 1915

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1915Das Jubiläum der 500jährigen Hohenzollernherrschaft wurde gestern in den Kirchen mit Festgottesdiensten gefeiert. Samstag abend sowie gestern vormittag zu Beginn und am Schluß der Gottesdienste ertönte von den Kirchtürmen festliches Geläut mit allen Glocken. Die evangelische Kirche am Kaiserplatz, die Münsterkirche und die altkatholische Kirche, in denen die Haupt-Festgottesdienste stattfanden, waren mit Pflanzen, Flaggentüchern in den deutschen und preußischen Farben und den Fahnen der Krieger- und Militärvereine geschmückt. (Einige der dem Kreis-Krieger-Verband angeschlossenen Vereine hatten Samstag auch schon am Festgottesdienst in der Synagoge teilgenommen.) An den Festgottesdiensten, die sämtlich außerordentlich zahlreich besucht waren, nahmen auch die Verwundeten aus den hiesigen Lazaretten teil. Ein besonderer Festgottesdienst für die evangelischen Heeresangehörigen fand außerdem noch in der Schloßkirche statt.

E. M. Arndt in Eisen. Wie bereits mitgeteilt, beabsichtigt man in Bonn zum Mittelpunkt des Kriegswahrzeichens die Erinnerung an E. M. Arndt zu machen. Die Vorarbeiten schreiten fort. Namhafte Künstler sind bereits zur Mitteilung von Entwürfen gewonnen worden. Die Einreichung weiterer Skizzen, Ideen und Entwürfe seitens anderer Künstler, Bildhauer und Architekten ist erwünscht und werden Anfragen unter der Adresse „E. M. Arndt in Eisen“, Bonn, Rathaus, erbeten. Unser Mitbürger, Herr Kommerzienrat Soennecken, hat in liebenswürdiger Weise sich bereit erklärt, das Bonner Kriegsmal zu stiften. Wir begrüßen mit herzlichem Dank die vaterländische Tat unseres hochgeschätzten Mitbürgers.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

    

Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 25. Oktober 1915Der trockene Herbst ist den Landwirten gerade in diesem Jahre sehr von Vorteil. Nicht allein, daß die Herbstbestellung ohne Unterbrechung von statten gehen kann, sondern insbesondere spart der Landmann an Zugkräften, und gerade damit muß er ja in der Kriegszeit, wo ihm das beste Material genommen ist, rechnen. Bei der jetzt im vollen Gange befindlichen Rübenernte kann die Abfuhr der Rüben bequem mit einem Pferde gemacht werden, während in nassen Jahren oft drei Pferde Last haben, eine Fuhre von dem Acker zu schaffen. Welch ein Vorteil darin liegt, ist klar zu ersehen. Der Mangel an Zugtieren macht sich nicht so geltend, die Felder werden nicht kaputt gefahren, die später ein schwierigeres Umarbeiten zur Folge hätten und der Verschleiß an Gerätschaften ist bei weitem geringer. Gerade dieser Umstand darf nicht außer Betracht gelassen werden, da auch die nötigen Handwerker nicht mehr so leicht zur Verfügung stehen, wie in Friedenszeiten.

Das Grünfutter ist in der Landwirtschaft in den letzten Wochen äußerst knapp geworden und sein Ausfall macht sich in unerfreulicher Weise in den Viehställen durch ein minder gutes Milchergebnis bemerkbar. Alter Klee ist zum zweitenmal nur an wenigen Stellen schnittreif geworden und der junge Stoppelklee ist einstweilen noch zu weich und auch zu schade zum Mähen. In andern Jahren freuten sich die Landleute, daß sie zur jetzigen Jahreszeit das Milchvieh vollauf mit kleinen Rüben, Laub und Rübenköpfen füttern konnten, und gerade um die jetzige Zeit erzielten sie die meiste und fettreichste Milch. In diesem Jahre sind die kleineren Landwirte wegen des Ausfalles an Zuckerrüben mit der Grünfütterung einzig auf die Runkeln angewiesen, da die Wasserrüben meist nur spärlich gehalten haben. Was die Grummeternte anbelangt, so ist über deren Erträge nur von wenigen Stellen Erfreuliches zu melden. Wiesen und Hänge sind selbst in guten Lagen nur zweimal gemäht worden. Bisher ist das Gras aber nirgendwo soweit wieder nachgewachsen, daß sich ein Grummetschnitt lohnt. Größere Grasflächen werden darum als Weide für Ziegen und Rindvieh ausgenutzt oder aber an den besseren Stellen mühsam mit der Sichel abgegrast.

Zur Kartoffelfrage. Aus unserem Leserkreise erhalten wir folgende Zuschrift: Im Stadtgebiet von Bonn kann man jetzt täglich Kartoffelbauern aus der näheren und weiteren Umgegend von Bonn mit schweren mit Kartoffeln beladenen Karren beobachten, die von Bonner Bürgern und Bürgerinnen um Lieferung von Kartoffeln bestürmt werden. Es ist dies seitens unserer Bürgerschaft ein großer Fehler. Von Straße zu Straße schlagen diese Kartoffelbauern mit ihrem Preise auf, und wenn man einen Einwand wegen des hohen Preises macht, erhält man meist unwillige, wenn nicht gerade flegelhafte Antworten. Wir möchten unsere Bürgerschaft dringend davor warnen, ihr Verfahren mit den Angstkäufen fortzusetzen, das die in Bonn umherziehenden Kartoffelbauern nur übermütig macht. Aeußerungen wie „Wenn Ihr keine 4,50 oder 4,80 Mark zahlen wollte, dann geben wir die Kartoffeln lieber dem Vieh zu fressen“ usw. und ferner „Ihr braucht meine Kartoffeln nicht zu kaufen, mir sind bereits die Kartoffeln bestellt, die ich noch in der Erde habe“ sind nur auf die Angstkäufe vieler Bürger zurückzuführen, die ganz kopflos jeden Preis zahlen, der ihnen abgefordert wird.
   Wir haben überaus reiche Kartoffelernte, und es ist die Möglichkeit geboten, sie zu einem erntemäßigen Preise zu erhalten, sofern man die kopflosen Einkäufe unterläßt und kaltes Blut bewahrt. Wir sind überzeugt, daß unser Oberbürgermeisteramt und das Bonner Landratsamt den geradezu zur Scheußlichkeit ausgearteten Kartoffelwucher im Interesse des Volkswohls einzudämmen wissen werden. Deshalb warte man mit den Kartoffeleinkäufen, bis die Frage auch in Bonn obrigkeitlich geregelt ist. Diese Regelung kann ja nicht mehr lange verzögert werden.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

       

Godesberg, 22. Okt. Am Samstag den 6. November, abends 7½ Uhr findet im städtischen Kurparksaal zu Godesberg ein Wohltätigkeitsfest statt zum Besten hilfsbedürftiger Kriegswitwen und Waisen. Mitwirkende sind Damen der Bonner und Godesberger Gesellschaft, Soldaten des Sanatoriums Godeshöhe. Für Bonn stehen nach der Vorstellung um ½11 Uhr die Elektrische Bahn, um 10,47 Uhr die Staatsbahn zur Verfügung. Der Vorverkauf findet statt: für Bonn in der Zigarrenhandlung Ewald Mohr, Kaiserplatz 20, Telephon Nr. 2505, für Godesberg in der Buchhandlung Rudolf Jung, Bahnhofstraße 20. Da der Vorverkauf schon sehr rege ist, bittet man sich rechtzeitig Plätze zu sichern. Die billigen Eintrittsgelder, 1. Platz 1,50 Mk., 2. Platz 1,- Mk. ermöglichen jedem dem guten Werke beizustehen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Von Nah und Fern“)