Mittwoch, 13. Oktober 1915

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 13. Oktober 1915Am Geburtstage der Kaiserin, 22. Oktober, wird der Vaterländische Frauen-Verein Stadtkreis Bonn – einer Anregung seines Hauptvorstandes in Berlin folgend – eine öffentliche Sammlung von eingekochtem Obst (Gelees, Marmelade, Mus usw. ) und Fruchtsäften für die Truppen im Felde und in den Lazaretten veranstalten. Die Kaiserin hat genehmigt, daß diese Spende als Geburtstagsgabe für sie in Empfang genommen wird. Die Sammelstellen werden noch bekannt gegeben. Alle Frauen Bonns werden gebeten, sich nach Kräften an dieser Spende zu beteiligen; jede, auch die kleinste Gabe, wird dankbar entgegengenommen.
   Am gleichen Tage findet nachmittags 5 Uhr in der Lese eine Kaiserin-Geburtstagsfeier statt, zu der ebenfalls die Frauen Bonns herzlichst eingeladen werden. Einlaßkarten dazu (Preis 1,50 M. einschließlich Kaffee) verkaufen die Geschäfte Baurichter, Markt 11, und Wallasch, Münsterplatz 8.

Sirene zur Alarmierung beim Herannahen feindlicher Flieger. Im Einvernehmen mit dem Garnisonkommando läßt die Stadtverwaltung auf dem Dach der Umformerstation am Mülheimer Platz eine Sirene aufstellen, die bei Fliegergefahr die Bevölkerung laut tönend warnen soll. Außerdem werden, wie schon bekannt gemacht worden ist, in mehreren Fabriken Dampfpfeifen in Tätigkeit treten. Die Kosten der Sirene, rund 2000 Mark, werden bei der übermorgigen Stadtverordnetenversammlung angefordert.

Anzeige im General-Anzeiger vom 13. Oktober 1915Bonner Volksspende. An den Wochenbeiträgen für die Bonner Volksspende beteiligen sich rund 10.000 Spender (nicht 1.000, wie uns gestern mitgeteilt war) mit Beiträgen von 10 Pfg. bis 20 M.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Godesberg. Das „Eiserne Kreuz“ wird seit Montag nicht mehr auf der Terrasse vor der Landebrücke der Köln-Düsseldorfer Dampfschiffe, sondern an der Haltestelle Rheinallee der elektrischen Bahn benagelt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Rheinland und Nachbargebiete“)

  

Beteiligung der Stadt an dem Ostpreußen-Hülfsverein für den Regierungsbezirk Köln. Der Regierungsbezirk Köln beabsichtigt, einen Ostpreußen-Hülfsverein für den Kreis Neidenburg unter Zugrundelegung eines Hilfsbetrages von 400.000 Mark zu errichten. Nach dem Verhältnis der von den einzelnen Kreisen des Regierungsbezirks aufzubringenden Provinzialabgaben entfallen auf den Stadtkreis 40.288 Mark. Die Berechnung würde zunächst auf Vorschuß erfolgen. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich am Freitag mit der Angelegenheit beschäftigen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 13. Oktober 1915Der gestrige Wochenmarkt bot in fast allen Artikeln große Auswahl, besonders Obst in vielen Sorten war reichlich vorhanden, aber hoch im Preise. Der Besuch des Marktes war nicht besonders, ebenfalls ließ der Verkauf zu wünschen übrig. In letzter Zeit klagen die Verkäufer überhaupt über schlechten Absatz ihrer Waren. (...)
   Auf dem Großmarkt auf dem Stiftsplatz fanden die in großen Mengen angebotenen Waren flotten Verkauf.
   Der städtische Gemüse-, Kartoffel- und Obst-Verkauf war gestern nicht besonders lebhaft. Verkauft wurden Kartoffeln 10 Pfund zu 48 Pfg., Aepfel drei Pfund zu 25 Pfg., Birnen drei Pfund zu 20 Pfg., Zwiebeln das Pfund zu 15 Pfg., Rot- und Weißkohl das Pfund zu 6 Pfg., Möhren drei Pfund zu 25 Pfg.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Eisernes Wahrzeichen. Die Absicht, hier in Bonn als Kriegswahrzeichen das Bildnis Anzeige im General-Anzeiger vom 13. Oktober 1915unseres Vater Arndt zu verwenden, ist unzweifelhaft gut. Nicht zu glücklich scheint die Wahl der Säule oder Tafel zu sein; es ist fraglich, ob damit eine besondere Wirkung erzielt wird. Ungleich wirkungsvoller wäre es meines Erachtens, Arndt mit seinem geliebten Vater Rhein zu einem Wahrzeichen zu verbinden. Die allegorisch sinnbildliche Gestalt des Vater Rheines, sein Haupt mit Reben und Trauben geschmückt und den übrigen Körper mit einem eisernen Panzer umschlossen, das wäre doch eine markante packende Darstellung unserer geheiligten eisernen deutschen Wehr, wie sie unsern Rhein gegen alle feindlichen Gelüste schützt und sicher stellt. An dieser eisenumrankten poetischen Gestalt könnte ein mächtiges Wappenschild angebracht werden mit dem Bildnis des Freiheitssängers Ernst Moritz Arndt. Das Bildnis müßte dann von seinem schönsten gewaltigsten Spruch: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte“ umrahmt sein. Ich möchte die maßgebenden Faktoren bitten, den vorstehenden Ideengang erwägen zu wollen, vielleicht begegnen wir uns dann in der Auffassung, daß durch ein solches Wahrzeichen für unsere kommenden Geschlechter in denkbar schönster und würdigster Weise eine Erinnerung an die Eiserne Zeit, in der wir leben, geschaffen würde. W.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Fasttage. Bekanntlich haben der Heilige Vater und der Kardinal und Erzbischof von Hartmann dem Wunsche Ausdruck gegeben, die Gläubigen möchten wegen der Kriegsnöten während des Monats Oktober drei strenge Fasttage, wie an den Karfreitagen, halten. Das Kölner Pfarrkapitel hat für Köln als die dafür in Betracht kommenden Tage drei Freitage, und zwar den 15., 22. und 29. ds. Mts. bestimmt. Für Bonn sind noch keine Tage festgesetzt.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)