Dienstag, 5. Oktober 1915

   

Liebesgaben für Kriegspferde (außer Geldspenden) Regendecken, Filzunterlegedecken, Rehfelle, ferner Kräftigungsmittel wie Leinkuchen, Leinsamen, Zucker, Kleie erbittet der Berliner Tierschutz-Verein, Berlin SW. 48, Wilhelmstraße 28.

Metropol-Theater. Der Spielplan dieser Woche enthält an größeren Werken das dreiaktige Schauspiel „Nach dem Maskenball“, das vieraktige Detektiv-Schauspiel „Der gestreifte Domino“ sowie eine Anzahl kleinerer Filme.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Oktober 1915Am Sonntag abend standen wir unter der Menschenmenge, die die neuesten Telegramm erwartete, und machten eine seltsame Beobachtung. Zwei gut gepflegte, gut angezogene, durch ihre Schmisse der gebildeten Welt zugehörige erscheinende Herren mittleren Alters unterhielten sich mit großer Unbekümmertheit über das, was uns alle beschäftigt: über den Krieg. Ich sage mit großer Unbekümmertheit, da wir ja täglich gewarnt und gebeten wer­den, unsere Zunge zu hüten. Unter den mit gespitzten Ohren lauschenden Zuhörern horchte besonders ein unverkennbar gallisch aussehender Herr mit großem Eifer. Nicht nur Haar, Bart, Augen und Farbe verrieten ihn als Ausländer, auch sein Anzug trug so sorglos ausländische Art und Sitte zur Schau, daß er mit den einwandfreiesten Papieren versehen sein mußte, um bis Bonn gelangen zu können. In Holland hat man die Leute ent­deckt, die solche Papiere ausstellen. Und die beiden Herren müssen ihm eine ungetrübte Freude bereitet haben. Ich fürchte sogar, daß er seinen Auftraggebern manchen wichtigen Wink geben konnte aus den Ausführungen, die die gleichströmende Stimme unablässig von sich gab. Ein richtiger Miesmacher war die Schwätzer nicht, aber sicher ein auf seine „Ojektivität“ stolzer, „unentwegter“ Deutscher. Aus Berichten seiner verwundeten Neffen erzähle er von zur Erholung abgelösten Soldaten in den Argonnen, die gleich in die Cham­pagne gebracht wurden, von übermüdeten Soldaten, die zum Gesang der Wacht am Rhein nicght mehr „zu haben gewesen“ seien. Gott sei Dank ließ er auf eine Anzapfung hin nicht auf unsere Verbündeten kommen und zollte ihnen mit Ausnahme einiger nicht zu­verlässiger Tschechen das höchste Lob.
  Wenn schon diese Herren nach dem Bibelwort handeln müssen und ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen wollen, kann man sie denn nicht dazu zwingen, es nur unter Bekann­ten und hinter verschlossenen Türen leuchten zu lassen?

(Bonner Zeitung, Rubrik „Eingesandt“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Oktober 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Oktober 1915Zum Verhalten der Bürgerschaft bei Ankunft feindlicher Flieger. Der Oberbürgermeister veröffentlicht in der heutigen Nummer unseres Blattes eine Bekanntmachung, in der angegeben wird, welche Maßnahmen bei evtl. Erscheinen feindlicher Flieger über unserer Stadt zu treffen sind. Es wird in der Bekanntmachung hervorgehoben, daß, obgleich unserer Stadt keine Gefahr durch den Angriff feindlicher Flieger zu drohen scheine, die Vorsicht es dennoch gebiete, Vorsorge zu treffen. Das Garnisonskommando wird der Bevölkerung einen etwaigen Angriff durch Warnungssignale – Dampfpfeifen- und Sirenensignale in den verschiedensten Stadtteilen – anzeigen. Die Warnungssignale ertönen ununterbrochen so lange, bis die Gefahr vorüber ist. Außerdem wird das Garnisonskommando in einem Teil der Straßen durch Hornisten das Signal „Adjutantenruf“ (Melodie: „Was glänzt dort am Walde der Sonnenschein“) blasen lassen. Bei Ertönen des Alarms begibt man sich am besten nach den unteren Räumen (Erdgeschoß oder Kellergeschoß), wo größere Sicherheit vorhanden ist. Alle Straßen und Plätze sind sofort zu verlassen und das nächste Haus ist aufzusuchen. Wer auf freiem Felde ist, legt sich bei drohender Gefahr am besten platt auf den Boden. An Fenstern, Türen, auf Balkonen und Dächern darf sich niemand zeigen. Die Hausbesitzer sind verpflichtet, die Haustüren offen zu halten und den schutzsuchenden Bürgern in ihren Häusern Aufenthalt zu gewähren. Die Gasleitungen in den einzelnen Wohnungen sind abzustellen, die Straßenbahnen haben sofort zu halten und die Insassen haben die Wagen zu verlassen und in den Häusern Schutz zu suchen. Auch die Kirchen sind zu räumen.

Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Oktober 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 5. Oktober 1915Freigabe von Vogelfutter. Auf eine Eingabe des Weltbundes der Kanarienzüchter und Vogelfreunde an das Reichsamt des Inneren ist der Bescheid ergangen, daß Vogelfutter für den Verkauf freigegeben worden ist. Allerdings werden mehr als 100 Kilogramm im Monat an den Einzelabnehmer nicht abgegeben, nur in besonderen Fällen werden Ausnahmen von dieser Regel gemacht.

Böswilliger Feuerlärm. Gestern nachmittag gegen ½6 wurde die Feuerwehr durch den Feuermelder Ecke Poppelsdorfer Allee und Baumschulenallee gerufen. Als der Mannschaftswagen dort eintraf, stellte sich heraus, da ein Unbefugter die Schutzscheibe am Feuermelder zertrümmert und die Wehr herbeigerufen hatte. Es ist dies in kurzer Zeit das zweite Mal, daß unserer Wehr ohne Grund in Tätigkeit gesetzt wurde. Leider gelang es auch diesmal nicht, die Person zu ermitteln, der außer einer längeren Freiheitsstrafe auch eine gehörige Tracht Prügel gebührte.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

   

Die Viktoria-Lichtspiele, welche sich seit ihrer Wiedereröffnung stets wachsenden Besuchs erfreuen, haben für die Spieltage von heute bis zum kommenden Freitag wieder ein auserlesenes Programm. Neben guten Lustspielen und herrlichen Aufnahmen fesselt insbesondere „Tannhäuser“ die Aufmerksamkeit der Besucher, ein Prachtwerk der Lichtspielkunst, das mit Recht als eine der besten Zugnummern geschätzt wird.

Geschäftliches. Das bekannte Schuhhaus Albeck eröffnet heute in ihrem vollständig umgebauten und erweiterten Geschäftsgebäude am Markt wieder ihren Verkauf. Nicht nur die Inneneinrichtung hat eine vorteilhafte gediegene Ausstattung erhalten, sondern auch das Äußere des Hauses fügt sich nunmehr recht gefällig in die Markthäuserreihe ein.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)