Donnerstag, 30. September 1915

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. September 1915Das Bonner Stadttheater eröffnet seine Spielzeit 1915/16 nächsten Mittwoch mit Hebbels Schauspiel Herodes und Mariamne.

Die Kartoffelversorgung im Westen. In Düsseldorf hat Montag auf Veranlassung des Reichskanzlers eine Versammlung stattgefunden, die sich mit der Frage der Kartoffel- und Milchversorgung der westlichen Großstädte und Industriebezirke zu befassen hatte, und an der u. a. das Ministerium des Innern und der Landwirtschaft, ferner der Staatssekretär des Innern, die Oberpräsidenten der beiden Provinzen, zahlreiche Oberbürgermeister und Landräte teilnahmen. Es wurde darauf hingewiesen, daß sehr reichliche Kartoffelvorräte vorhanden sind, und daß alle Befürchtungen über zu geringe Vorräte vollständig unbegründet wären. Das Jahr 1915 habe in den letzten zehn Jahren die reichste Kartoffelernte gebracht. Man rechne mit einer Ernte von mindestens 52 Millionen Tonnen, es können aber auch 60 Millionen werden. Es sei daher dringend vor sogenannten Angstvorkäufen zu warnen. Jeder könne darüber beruhigt sein, daß Kartoffeln in genügender Menge und zu angemessenen Preisen auf den Markt kommen würden. Die Reichsregierung hat in Aussicht genommen, eine Gemeinnütziger Gesellschaft m. b. H. zu bilden, an der die Kommunalverbände, insbesondere die Städte, ferner die Landgenossenschaften und die Händler beteiligt werden sollen und welche dafür sorgen soll, daß den Städten und sonstigen Verbänden auf ihr besonderes Verlangen Kartoffelvorräte als Reserven für die Kälteperiode und für eine gewisse Uebergangszeit im Frühjahr zu angemessenen Preisen verabfolgt werden. Die Beschaffung dieser Reserven soll durch Vermittlung des Handels erfolgen, dessen freie Betätigung im übrigen in keiner Weise gehemmt wird.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Ohne Lehrerinnenprüfung. Das Kultusministerium hat verschiedenen Blättern zufolge beschlossen, die Schülerinnen der Seminarklassen an den oberen Lyzeen mit Osteranfang als Lehrerinnen für Volksschulen heranzuziehen, indem man ihnen die Prüfung als ordentliche Lehrerinnen ganz erläßt und sofort Anstellung gewährt.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Sonntagsvorstellungen im Stadttheater erbeten. Der Herr Oberbürgermeister hat bekanntgemacht, daß Schauspielvorstellungen Mittwochs und Freitags stattfinden werden. Von Sonntagsvorstellungen ist keine Rede. Viele aber haben nur Sonntags die Gelegenheit, das Theater zu besuchen. Kann man sich nicht mit der Leitung der Kölner Stadttheater in Verbindung setzen, wenigstens monatlich zweimal auch an Sonntagen hier in Bonn zu spielen? Ein Kunstfreund.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)