Donnerstag, 26. August1915

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. August 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 26. August 1915Regelung des Theaterbetriebs im Winter 1915/16.
Auf die Tagesordnung der morgigen Stadtverordneten-Versammlung ist noch als 11. Punkt gesetzt worden: Regelung des Theaterbetriebs im Winter 1915/16. Die den Stadtverordne­ten zugegangene Kurrende teilt zu dieser Angelegenheit mit:
   Theater- und Finanzkommission empfehlen mit der Stadt Köln ein Abkommen auf fol­gender Grundlage:
  Von den vereinigten Stadttheatern Köln werden wöchentlich zwei Schauspielvorstellun­gen und alle 14 Tage eine Opernvorstellung, nach Möglichkeit auch Sonntags abends eine Theatervorstellung in Bonn gegeben.
   Bonn stellt zur Verfügung das Stadttheater mit Heizung und Beleuchtung und trägt sämtliche örtliche Kosten, wie technisches Personal, Zeitungsanzeigen, Drucksachen und dergleichen.
   Die Theater-Garderobe stellt Köln.
   Bonn zahlt für große Opernvorstellungen 1200 Mark, für kleine Opernvorstellungen 1000 Mark.
   Für Schauspielvorstellungen garantiert Bonn eine Mindesteinnahme von 500 Mark; die über diesen Betrag hinausgehende Einnahme wird im Verhältnis ¾ zu ¼ zwischen Köln und Bonn geteilt; die Abrechnung erfolgt nicht für die Einzelvorstellung, sondern für die Gesamtheit der Schauspielvorstellungen.
   Bonn zahlt an den Direktor der Kölner Theater, Hofrat Remond, als Vergütung für die Leitung des Bonner Theaters im vorerwähnten Umfange 2000 M.
   Das Abkommen mit Köln wird für die Zeit vom 1. Oktober bis 1. April geschlossen, je­doch mit der Maßgabe, daß beiden Teilen das Recht zusteht, das Abkommen zum 1. Ja­nuar zu kündigen.

Der Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Bonn beruft auf nächsten Montag, nachmittags 5 Uhr, eine Mitgliederversammlung ein. Sie findet im Geschäftsgebäude der städtischen Verwaltung, Franziskanerstraße 9, statt.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten“)

  

Goldsammlung. Um den Sammeleifer zu fördern, gibt auch die Kreissparkasse in Bonn jedem Schüler (Schülerin) ein künstlerisch ausgestattetes Gedenkblatt, wenn er mindestens 50 Mark in Gold entweder bei der Kreissparkasse in Bonn oder bei deren Zweigstelle in Godesberg oder bei einer der 24 Nebenstellen des Kreises einlegt oder umwechselt. Die Kreissparkasse wird das eingegangene Gold der Reichsbank abliefern.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verurteilte das Schöffengericht gestern eine Ehefrau aus Beuel wegen erwerbsmäßiger Unzucht zu fünf Tagen Haft.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

Anzeige im General-Anzeiger vom 26. August 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 26. August 1915Die kleinen Beamten und Arbeiter und die dritte Kriegsanleihe.
Im „General-Anzeiger“ war in Nummer 9095 zu lesen, daß die Handelskammer den Firmen empfiehlt, ihren Angestellten und Arbeitern bei der Zeichnung der neuen Kriegsanleihe behülflich zu sein. In dem Schreiben der Handelskammer wird auch mitgeteilt, daß einzel­ne Firmen schon bei der zweiten Kriegsanleihe ihren Beamten und Arbeitern bei der Zeichnung der Kriegsanleihe behülflich gewesen wären und daß sie diesen Zeichnern die gezeichneten Beträge vorgestreckt hätten, um sie dann durch Abzüge vom Gehalt oder Lohn in Teilbeträgen wieder einzuziehen. Man darf bestimmt annehmen, daß diese Firmen bei ihrem Vorgehen vom rein vaterländischen Interesse geleitet wurden. Tatsächlich be­steht auch bei einzelnen Bonner Firmen ein Verhältnis, das diesen Weg gestattet. Aber ganz allgemein dürfte es doch nicht dankbar sein, nach dem Vorschlage der Handelskammer zu verfahren. In einer Angelegenheit, bei der das vaterländische Empfinden ausschlaggebend ist, möge man alles vermeiden, was nur im entferntesten den Anschein erwecken könnte, als ob ein gewisser moralischer Druck der Firmeninhaber ausgeübt würde. Eine mißverständlische Auffassung über die eigentliche Absicht des Chefs ist nicht immer von der Hand zu weisen und es wird mancher Beamter und Arbeiter auf die Frage des Chefs, ob er eine Summe für ihn zeichnen solle, auch dann nicht gleich nein sagen, wenn ihm die Abzüge später auch noch so sauer werden. Die Lebenshaltung der kleineren Beamten und Arbeiter, die zu Kriegsbeginn (und zum Teil auch jetzt noch) mit Gehaltskürzungen, Lohnabzügen und Arbeitslosigkeit rechnen mußten, die in ihr Budget eine heute noch nicht ganz ausgeglichene Lücke gerissen hat, gestattet es nur in Ausnahmefällen, von ihrem Gehalt oder Lohn eine Anleihe zu zeichnen.

   Daß die Arbeiter und kleinen Beamten für die Bonner Volksspende sehr opferbereit eintreten und daß sie ihre Angehörigen im Felde mit Liebesgaben versorgen und bedürftige Angehörigen zu Hause unterstützen, entspricht nach dem Einkommen der Meisten deren möglichsten Höchtstleistungen an vaterländischen Opfern. Wer von uns Beamten und Arbeitern trotz der um 30 – 50 Prozent gestiegenen Haushaltskosten noch in der Lage ist, die neue Kriegsanleihe als sorgsam rechnender Familienvater zu zeichnen, dem sei dies von ganzem Herzen empfohlen. Aber es möge dies geschehen, ohne daß die Angestellten zu ihren Chefs in ein Abzahlungsverhältnis treten müssen, das durch seine lange Dauer drückend wird. Viel wirksamer wäre es natürlich, wenn aus den Kreisen, die durch den Krieg große Vermögen erworben haben oder durch ihre Unternehmungen zum mindesten so gestellt sind, daß die Kriegsteuerung ihre Budgets nicht beeinträchtigt, möglichst reichlich die neue Anleihe gezeichnet würde. Man wird es dagegen den Minderbemittelten nicht verargen, wenn sie nur dann die neue Anleihe zeichnen, wenn sie nach Maßgabe ihrer finanziellen Verhältnisse dies mit gutem Gewissen vermögen. Daß das Volk opferbereit ist, hat es während des Krieges in so glänzender Weise in tausendfältiger Beziehung bewiesen, daß es sicherlich nicht erforderlich ist, ihm noch durch Gehalts- und Lohnabzüge besonders drückende Opfer aufzuerlegen. Ein Familienvater, der zwei Söhne im Felde hat.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Sprechsaal“)

   

Graf Zeppelin ist gestern abend hier angekommen und im Hotel Königshof abgestiegen. Erbleibt bis heute früh in Bonn.

Die Lichtspielkunst hat durch den Krieg auch insofern Einbuße erlitten, als neue gute Filme infolge Personalmangels und aus anderen Gründen wohl kaum hergestellt werden. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes hat sich die Leistung des Viktoriatheaters entschlossen, bei der Wiedereröffnung der Spielzeit für den kommenden Winter eine Neuerung einzuführen, die sich zweifellose der Zustimmung der Besucher erfreuen wird. Das Theater wird nur an drei Nachmittagen der Woche, namentlich Samstag, Sonntag und Montagspielen. Die Spieldauer der einzelnen Programme ist eine gute Stunde. Dementsprechend wird der Preis sehr gering angesetzt sein. Daß es trotzdem der Leitung daran liegt, den Besuchern eine Darbietung von unübertroffenem Werte vorzuführen, beweist das Eröffnungsprogramm für die ersten drei Tage. An diesen wird, freilich mit etwas längerer Spieldauer, der einzigartige in seiner Vollendung unübertroffene Film „Spartacus“ zur Darstellung kommen. Es ist dieses ein Gegenstück zu „Quo Vadis“, das in seiner reichen Ausstattung und der Fülle dramatischer Vollendung jenes Prachtstück vielleicht noch überbieten dürfte. Manche Bilder sind in ihrer Wirkung einzigartig. Wer sich einen Genuß bester Art verschaffen will, besuche daher die Eröffnungsveranstaltungen.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten“)