Freitag, 30. April 1915

  

Leihpferde für die Feldbestellung. Das Kriegsministerium hat an sämtliche Generalkommandos die Verfügung erlassen, Anträge von Landwirten, um leihweise Ueberlassung von Dienstpferden für die Feldbestellung entsprochen werden sollen, wenn daraus keine Schwierigkeiten für die Gestellung des Pferdeersatzes für die Feldtruppen und für die Ausbildung bei den Ersatztruppen erwachsen. Unter derselben Voraussetzung können auch die zur Führung der Gespanne erforderlichen Mannschaften für die Feldbestellung beurlaubt werden. Die Landwirte müssen sich verpflichten, Pferde und Mannschaften kostenfrei zu verpflegen und unterzubringen.

(Bonner Zeitung, Rubrik „Aus den Städtischen Nachrichten")

   

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1915Zur Rettung der Heilsarmee. Herr E. Litty, Offizier der Heilsarmee in Bonn, schreibt uns: „Es werden in letztere Zeit so viele Nachrichten verbreitet, daß die Heilsarmee Beziehungen zum Ausland unterhält, resp. das Geld, welches in Deutschland gesammelt wird, für englische Zwecke verwendet. Dieses ist eine Verleumdung. Im Gegensatz zu diesen falschen Behauptungen können wir versichern, daß jetzt (!) die Heilsarmee in Deutschland ganz selbständig ist und es auch nach dem Kriege bleiben wird. – Gleich nach Beginn des Krieges wurde wohl die Heilsarmee in eine schwierige Lage versetzt; doch trotz der großen Bedürfnisse war sie bis jetzt imstande, in unserem Vaterlande durch Kriegsspeisungen und Kinderhorte Hilfe und Trost darzureichen. Auch war es ihr vergönnt, durch eine besondere Hilfsaktion für Ostpreußen Tausenden von Flüchtlingen Unterkunft und Unterhalt zu gewähren, was sowohl von den Behörden als auch vom Volk dankbar anerkannt wurde. Bis an die Front erstreckt sich die Tätigkeit der Heilsarmee, wo sie für Ernährung, Bequemlichkeit und Reinlichkeit unserer Truppen sorgt. – Es wir auch mitgeteilt, daß sich am Hauptquartier in Berlin seit Kriegsbeginn ein Regierungsvertreter befindet.“ – Die besondere Beachtung dieser Zuschrift verdient wohl die Bemerkung, daß die Heilsarmee jetzt ganz selbständig in Deutschland ist. Wie lange dies schon der Fall ist, bedarf eigentlich noch der näheren Angabe. Red.)

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1915Ein kleines Schulmädchen von der verlängerten Schumannstraße hat an einen Bonner Soldaten verschiedene Male Liebesgaben ins Feld geschickt, worauf jetzt folgende Antwort angekommen ist

Im Schützengraben fern an der Iser Strand
Wo wir kämpfen fürs deutsche Vaterland,
Habe ich oft bei Tag und Nacht
An meine kleine Freundin gedacht –
Trotz Kanonendonner und Sturmesbrausen –
Als Granaten und Schrapnells vorübersausen.
Ich dachte hin, ich dachte her,
Wie das alles möglich wär’.
Daß ich so schöne Liebesgaben
Von Dir, Kleine, empfangen habe.
Deinen Namen hast du mir zwar genannt,
Doch sonst sind wir gänzlich unbekannt;
Jetzt schickst Du mir Dein liebes, kleines Bild,
Das mich anschaut so traut und mild.
Herzinnigen Dank spend’ ich Dir –
Und der liebe Gott lohne dich dafür
Was Du einem armen deutschen Krieger hast getan;
An Gottes Thron wird Dir’s geschrieben an.
Mag er Dich schützen vor Kummer, Sorgen und Not
Wie auch die Fahne schwarz-weiß-rot.
Bleibe brav, Deinen Eltern gut
Und bete zu Gott für deutschen Mut
Drum nochmals Gruß, Kuß und Hand:
Mit Gott für König und Vaterland.

Zur Erinnerung an meine kleine Freundin Elisabeth Hensler gewidmet vom Gefreiten Hermann Busch, Bonn.

(Bonner General-Anzeiger, Rubrik „Aus Bonn“)

  

Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1915Anzeige im General-Anzeiger vom 30. April 1915Wandertag des rheinischen Turmkreises. Von jeher wird der Tag von Christi Himmelfahrt von den der Deutschen Turnerschaft angegliederten Vereinen als allgemeiner Wandertag genutzt. Dienten die vorjährigen Turnfahrten dem Vorsitzenden der Deutschen Turnerschaft, Geheimrat Dr. Goetz, zu Ehren, so gelten sie jetzt den Zwecken der Wohltätigkeit. Auf allen Turnfahrten, die am 18. Mai unternommen werden, ist eine Geldsammlung zum Besten der infolge Verwundung ihres Augenlichts beraubten Krieger zu veranstalten. Das Ergebnis dieser Sammlungen ist an den Kreis-Kassenwart, Buchdruckereibesitzer Rud. Gippers – Krefeld, abzuführen. Jedem Verein bleibt es unbenommen, die Turnfahrt selbst nach Zeit und Ziel festzusetzen, sie muß aber ohne Einkehr durchgeführt werden.

Rheinbadeanstalten. Die städtische Rheinbadeanstalt ist von morgen ab zur Benutzung für warme Wannenbäder geöffnet.

(Deutsche Reichs-Zeitung, Rubrik „Bonner Nachrichten")